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Harald Parigger

Harald Parigger wurde 1953 in Flensburg geboren und studierte in Würzburg Geschichte und Germanistik. Nach seiner Promotion in Geschichte wurde er zunächst Lehrer an einem Gymnasium, arbeitete anschließend am Haus der Bayerischen Geschichte in München und ist heute Direktor des Gymnasiums Gräfing.

Pariggers Leidenschaft ist die Alltags- und Sozialgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Neben wissenschaftlichen Aufsätzen zur Geschichte und Germanistik schreibt er Lyrik, Theaterstücke und Geschichten, vor allem für Kinder, und historische Erzählungen für junge und erwachsene Leser. In allen seinen Veröffentlichungen legt Parigger Wert darauf, Menschen möglichst wirklichkeitsnah zu beschreiben und historische Tatsachen aufzuzeigen.

Im ›Schwarzen Mönch‹ (dtv junior 70519) erzählt Parigger vom 15-jährigen Gerhard Speyer, der einem unheimlichen Mönch zu Kinderkreuzzügen nach Palästina folgt. Die Geschichten beruhen auf historischen Tatsachen, die Geschehnisse im Detail sind erfunden. Darauf legt Parigger Wert: »Es gibt an keiner Stelle so etwas wie Geschichtsklitterung, Schönung oder Fälschung.« Harald Parigger lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Rosenheim.

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Interview

Ein klares »Sowohl ... als auch«
Ein Gespräch mit Harald Parigger



BJL: Kürzlich erschien Der Galgenstrick, der dritte Band aus der Reihe Ein Fall für Lorenz. Sie schildern darin die Abenteuer eines jungen Mannes im Mittelalter. Was glauben Sie, fasziniert Kinder und Jugendliche des Internet-Zeitalters an historischen Romanen?

Tut es das? Sollte mich freuen. Also, wenn es denn so wäre, könnte man es vielleicht so erklären: Ein historischer Roman, vor allem wenn er in einer für uns trotz aller modernen Geschichtsdidaktik so verschlüsselten Welt wie dem Mittelalter spielt, erzeugt einen Hauch von Harry-Potter-Fieber: Eintauchen in einen Alltag, in dem man sich zwar irgendwie wiederfindet, der einem aber trotzdem rätselhaft bleibt, das macht gespannt, weckt Erwartungen, lässt Fragen entstehen, die man beantwortet haben will. Dies vor allem, wenn man »nur« liest, wenn also die Sinne und der Verstand sich alles selbst plastisch machen müssen. Wenn Sie zum Beispiel von einem Jungen in einem pestverseuchten Haus des 14. Jahrhunderts erzählen, dann ist der Junge vielleicht - wie auch Harry - ein Identifikationsangebot, so wollen es zumindest alle Jugendbuchverleger. Alles andere ist fremd und verdichtet sich in der Phantasie zu möglicherweise aufregenden Bildern.

Apropos Identifikationsfigur. Lorenz und sein ständiger Begleiter, der Minnesänger Philipp von Mahlau, sind ein höchst eigenwilliges Gespann. Fast erinnern die beiden an Don Quichotte und Sancho Pansa. Was hat Sie zu diesem »Duo Infernale« inspiriert?

Sicher nicht Don Quijote und Sancho Pansa. Ich glaube, die Gemeinsamkeiten beschränken sich darauf, dass auch Lorenz und Philipp durch eine eher seltsame und nicht ganz einfach zu erklärende Männerfreundschaft aneinander gekettet und dass Don Quijote und Philipp Repräsentanten einer längst vergangenen Zeit sind. Außerdem ist Don Quijote eine Figur der Weltliteratur, Philipp leider noch nicht ...
Aber im Ernst: Das Tragikomische Don Quijotes ist bei Philipp nicht sonderlich ausgeprägt. Er kämpft nicht für ein vergangenes Ideal um des Ideals willen, sondern aus mit Dümmlichkeit gepaarter Egozentrik. Er ist stur, bis zur Groteske selbstverliebt und außerordentlich egoistisch. Seine Zuneigung zu Lorenz, wenn man überhaupt von einer solchen sprechen kann, speist sich eher aus der Erkenntnis seiner ökonomischen Abhängigkeit. Seine Komik entsteht aus den Situationen, in die ihn sein Eigennutz, seine Torheit und seine Selbstüberschätzung bringen. Insofern ist er eher eine Figur der spätmittelalterlichen Schwankliteratur. Auch ist er, vom Handlungsaufbau her gesehen, nur Instrument, Veranlassung oder Hindernis im Hinblick auf Lorenz' Aktivitäten.
Das Verhältnis von Lorenz zu Philipp ist komplizierter. Seine Bindung an Philipp ist aus dem Gefühl heraus entstanden, zum ersten Mal im Leben eine Bezugsperson zu haben, jemanden, um den er sich kümmern muss, der ohne ihn verloren ist, einen Freund, auch wenn die Freundschaft von der anderen Seite aus betrachtet nicht viel wert ist. Auch hier gibt es eine Abhängigkeit, aber die hat, finde ich, durchaus tragikomische Züge.

Mit Lorenz wollte ich eine Figur schaffen, die jugendlich ist und doch auch wieder nicht, die aus der Vergangenheitsschau räsonieren und gescheit daherreden darf, in der Handlung selbst aber jugendlichen Elan und jugendliche Unbekümmertheit besitzt, einen Helden also, an dem vielleicht Leser aller Altersgruppen ihren Spaß haben. Deshalb erzählt er selbst, und zwar aus der Rückschau. Inspiriert ist er von einem meiner Lieblingshelden, nämlich Felix Krull. Dazu kam mein Faible für die bunten Strukturen des spätmittelalterlichen Alltags und seiner oft recht derben, realistischen - und dabei kindlich-dinglich-frommen - Mentalität, meine Lust an Parodien und versteckten Anspielungen.

Was ist Ihnen also wichtiger, die Vermittlung eines historischen Bühnenbildes - im Fall Lorenz eben der spätmittelalterliche Alltag - oder die Handlung, die vor dieser Kulisse spielt? Muss es »entweder ... oder« sein?

Das ist, glaube ich, die Crux oder auch der Vorteil, wenn Historiker (historische) Romane schreiben: Sie wollen eine Geschichte erzählen und gleichzeitig das Gesicht einer historischen Epoche beschreiben. Eine Crux kann sein, wenn sie detailversessen oder lehrhaft werden; ein Vorteil, wenn sie Wert auf Authentizität legen. Ein historischer Roman, der seine Leser mit Wissen vollstopft und darüber seine Figuren oder die Handlung vernachlässigt, ist ebenso mies, wie einer, der Geschichte nur als grobrastriges und womöglich auch noch falsches oder klischeebeladenes Kolorit verwendet.
Freilich würde ich die Lorenz-Bände nicht eigentlich als historische Romane bezeichnen (wie Der schwarze Mönch, Die Hexe von Zeil, Im Schatten des schwarzen Todes und Der Rubin des Königs). Bei ihnen kann ich vielleicht im Sinn Ihrer Frage gewichten: Handlung und Figuren stehen im Vordergrund. Aber stimmig muss der historische Hintergrund allemal sein.

Wie recherchieren Sie, für Ihre Romane? Begeben Sie sich an den Ort des Geschehens? Lorenz war ja nun schon zweimal in Nürnberg. Das ist nicht allzu weit weg von Ihrem Wohnort ...

Nicht allzu weit weg? Immerhin 250 Kilometer. Für Lorenz wäre das ein mehrwöchiges Abenteuer gewesen ...
Sorgfältige Recherche finde ich ziemlich wichtig, auch vor Ort, wenn es nötig ist. Für den Schwarzen Mönch bin ich nach Speyer und bis nach Genua gefahren. Wenn man eine Stadt gut kennt (wie ich Nürnberg oder Bamberg), reichen auch ein Stadtplan und historische Stadtansichten. Wichtiger ist Quellen- und gegebenenfalls Archivarbeit (zum Beispiel für Die Hexe von Zeil) oder die Auswertung zeitgenössischer Bilder: Wie sah eine Burg aus? Wie eine Lampe in einem jüdischen Haushalt? Welche Kleidung trug ein Kaufmann? Vieles kriegt man auch über die Bibliothek raus (Medizingeschichte, mittelalterliches Leben, alte Kochbücher, und, und, und ...) und manchmal hilft einem auch das Internet weiter. Allerdings muss man da genau aufpassen, ob die Information auch was taugt, man muss also wissen, wo man sucht. Im Lauf der Jahre gibt es noch einen weiteren Recherchefundus: Das eigene Gehirn, in dem das eine oder andere abgespeichert ist.

Welchen historischen Roman hätten Sie gerne geschrieben ? Vielleicht Viktor von Scheffels Ekkehard?

Bevor ich Ihnen antworte, erhalten Sie einen heißen Tipp von mir: Lesen Sie mal Felix Dahns Karl der Große. Ein Leben für den deutschen Kaiser. Sie lachen sich scheckig! Den Grafen von Monte Christo, den hätte ich gern geschrieben. Ivanhoe nicht, der ist mir zu schlecht. Den Medicus vielleicht, weil mich Medizingeschichte brennend interessiert, dann Luigi Malerbas Die nackten Masken, den Namen der Rose natürlich (bloß ein bisschen kürzer) und, last, aber garantiert nicht least, Das Parfum. Schon deshalb, weil ich dann nicht mehr arbeiten müßte, aber auch sonst.

Natürlich darf die obligatorische Frage nach neuen Projekten nicht fehlen. Also: Woran arbeiten Sie im Moment? Wird es eine Fortsetzung der Lorenz-Reihe geben? Das würde mich persönlich sehr freuen!

Woran ich schreibe? In die Antike habe ich mich begeben. Es geht um einen enteigneten Bauernsohn, der in die Roma aeterna übersiedeln muss und dort, als kleiner Gauner unter großen Gaunern, in die Mühlen der Politik gerät (Der Dieb von Rom). Außerdem ist ein Buch über eine junge Frau im Mittelalter geplant, die an Aussatz erkrankt und von der wohlbehüteten Kaufmannstochter zur Ausgestoßenen wird (Das Haus unter den Linden). Einen vierten Lorenz gibt es natürlich auch irgendwann. Zumal ich ja schon eine Leserin habe ... .

Das Gespräch führte Gabriele Aichele
Dieses Interview erschien im Bulletin Jugend & Literatur 1/2001

Alle Bücher von Harald Parigger

3 Titel
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Harald Parigger

Die Hexe von Zeil

Roman

Bamberg, 1627. Die Hexenverfolgung nimmt immer schlimmere Ausmaße an. Ursula Lamprecht, die 19-jährige Tochter des Bürgermeisters, muss erleben, wie nach ihrer Mutter auch ihr Vater der Hexerei angeklagt wird. In ihrer Verzweiflung fordert Ursula die Vertreter der Kirche heraus. So ist es nur eine ...
Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 7,95 €

Harald Parigger

Im Schatten des schwarzen Todes

Roman

Um 1348 bricht in Europa die Pest aus. Zwei Jungen machen sich auf, um der tödlichen Seuche zu entgehen.
Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 7,95 €

Harald Parigger

Der schwarze Mönch

Roman

Speyer im Jahre 1212: Der 15-jährige Gerhard träumt von einem besseren Leben. Deshalb folgt er dem geheimnisvollen schwarzen Mönch, der ihm eine Zukunft ohne Hunger und Unterdrückung verspricht, auf dessen Kreuzzug nach Jerusalem.
Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 9,95 €

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