Portrait des Autors Monika Osberghaus

Monika Osberghaus

Monika Osberghaus arbeitete als Buchhändlerin, studierte Kinderliteratur und betreute jahrelang die Kinderbuchseiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für die dtv Reihe Hanser schrieb sie die beiden Kinderliteratur(ver)führer ›Was soll ich denn lesen? 50 beste Kinderbücher‹ und ›Schau mal! 50 beste Bilderbücher‹. Heute ist sie die Verlegerin von Klett Kinderbuch.

Interview

»Aus einem guten Bilderbuch holt sich ein Kind, was es braucht.« - Monika Osberghaus im Interview mit Susanne Krones (dtv)

50 beste Bilderbücher haben Sie in Ihrem zweiten Empfehlungsband versammelt. Was macht ein gutes Bilderbuch aus?

Ein gutes Bilderbuch hat Hand und Fuß. Damit meine ich, dass der Text und die Bilder miteinander korrespondieren, einander ergänzen und ohne einander einfach nicht mehr komplett sind. Noch wichtiger als perfekte Bilder ist eine gute Dramaturgie der Geschichte. Ein gutes Bilderbuch spielt im Alltag seiner Betrachter mit, es gerät in Gebrauch, auch in familiensprachlichen Gebrauch: Es wird zitiert, es werden kleine Rollenspiele daraus weitergesponnen, man spricht darüber und fantasiert über die einzelne Geschichte hinaus. Dazu muss das Buch Leerstellen für die Fantasie freilassen, d.h., es darf keine allzu plumpe, geradlinige Botschaft unbedingt abliefern wollen.

Wann sind Bilderbücher Kunst?

Ein Bilderbuch ist ein Kunstwerk, wenn Text und Bild perfekt zusammengehören bzw. wenn das Konzept, nach dem es geschaffen ist, genau funktioniert, also im Kopf des Betrachters etwas freisetzt, ihn zum Nachdenken, Lachen, Quatschmachen etc. bringen kann. Es ist eine Kunst, Bild und Text zu einem neuen, gemeinsamen Dritten zusammenzubinden und damit im Betrachter etwas in Bewegung zu bringen. Im landläufigen Sinne von Kunst gilt: Viele verschiedenartig und sorgfältig gestaltete Bilderbücher können zur Geschmacksbildung beitragen und die Augen öffnen für Kunst.

Wie verhalten sich Text und Bild im Bilderbuch zueinander?

Am besten ist es, wenn man sie sich nicht ohne einander vorstellen kann. Deshalb sind auch solche Werke so gelungen, die aus ein und demselben Kopf (und derselben Hand) stammen. Nicht umsonst sind dies oft die Bücher, die zu Klassikern werden. Konkret ausgedrückt: Text und Bild sollten im Gleichgewicht zueinander und zugleich auch zum Alter ihrer Betrachter stehen.

Können Bilder manchmal mehr als Worte?

Ja, das können sie. Augen können manchmal mehr als Ohren. Handeln ist manchmal wichtiger als Reden. Gerade kleinere Kinder profitieren von der größeren Aussagekraft der Bilder. Ein Beispiel wäre: »Der kleine Bär sagt nichts« aus meiner Auswahl. Da steht fast immer nur dies: Er sagt nichts. Und zugleich sehen wir ihn Dinge tun, die den Witz des Büchleins ausmachen.

Kann man zu alt sein für Bilderbücher?

Nie. Es gibt ein Alter, etwa zwischen neun und vierzehn Jahren, in dem viele Kinder und Jugendliche nichts mit Bilderbüchern anfangen können und sich zu alt dafür fühlen. Aber danach geht es wieder los. Ein sehr gutes Bilderbuch ist immer auch für den Vorleser ein Vergnügen, selbst nach dem x-ten Mal vorlesen. Und dann gibt es ja auch noch die vielen Bilderbücher, die Erwachsenen mehr Spaß machen als Kindern. Aber um die geht es mir nicht.

Sie versehen jedes der 50 Bücher mit einer individuellen Empfehlung, etwa: für kleine Angstfrösche, für Leidenschaftliche, für Augenmenschen, für Entdecker, für Trauernde und ihre Freunde. Gibt es für jedes Kind, für jede Situation das richtige Buch?

Ich glaube schon, dass es für jedes Kind das richtige Buch gibt. Zum Glück haben wir ja so viele, auch und gerade aus der Backlist der Verlage. Man muss das Kind gut kennen und die Bücher auch, dann findet man das Richtige. Vielleicht nicht genau für jede Situation, aber gute Bilderbücher passen sich den Bedürfnissen ihrer Leser an, sind vielseitig interpretierbar und übertragbar, eben weil sie die genannten Freiräume für die Fantasie enthalten. Sie müssen nicht haargenau passen - aus einem guten Bilderbuch holt sich ein Kind, was es braucht.

Wenn Empfehlungen etwas so Individuelles sind: Warum macht ein Kanon der Bilderbuchliteratur oder der Kinderliteratur trotzdem Sinn? Für wen ist er gedacht?

Die Flut der Titel ist ziemlich unüberschaubar. Wer sich nicht dauernd damit beschäftigt, ist schnell verwirrt. Mein ›Kanon‹ kann vielleicht helfen, die Werke ein bisschen einzusortieren, so dass man die Richtung erkennt. Es sind auch die wichtigsten Namen und Werke darin vertreten, bietet also eine Art ›Who is Who‹, und das hilft beim Einordnen anderer Titel. Gedacht ist das Buch für Eltern und Erzieher. Sie können am Alter ihrer Kinder entlang diesen Leitfaden konsultieren und kriegen hoffentlich beim Lesen meiner Vorstellungen schnell heraus, ob das Buch für genau dieses Kind, das sie beschenken wollen, geeignet ist oder nicht.

In Ihrem ersten Empfehlungsband »Was soll ich denn lesen? 50 beste Kinderbücher« schreiben Sie: »Unter bestimmten Voraussetzungen macht Lesen richtig Spaß.« Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Lesen Spaß macht?

Das sind dieselben Voraussetzungen wie für alle Arten Literatur, egal, ob für Kleine oder für Größere: Die Sprache muss stimmen (in diesem Fall auch die Bildersprache), sie muss eigenwillig und aus einem Guss sein. Die Figuren müssen Charakter haben, sie brauchen Tiefenschärfe. Das gilt im Bilderbuchfall auch für die illustrierten Figuren. Es muss eine Geschichte geben, die neugierig macht. Im Idealfall habe ich etwas zum Lachen, etwas zum Weinen, und ich erfahre etwas, das ich vorher noch nicht wusste.

Warum ist Vorlesen wichtig?

Weil man als kleines Kind ja noch nicht selbst lesen kann, und weil die Begegnung mit Literatur gar nicht früh genug losgehen kann. Ein Kind, das Bücher erst im ersten Schuljahr kennenlernt, ist in der Regel für die Welt der Literatur verloren. Ich persönlich bin im Übrigen keine große Hörbuch-Freundin. Einmal am Tag mindestens wird mit der eigenen Stimme und nicht vom Band vorgelesen: Nur so kann man aus der Geschichte etwas Gemeinsames machen, kann unterbrechen, nachfragen, erklären, wiederholen, auf Zwischen-Fantasien eingehen. Nichts gegen Hörbücher, aber sie ersetzen nicht die eigene Stimme.

Alle Bücher von Monika Osberghaus

1 Titel
Ansicht
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Im Gefängnis

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Rocco Randale - Chaos hoch drei

Sammelband 1

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Rocco Randale - Mädchenparty mit Wurm

Mädchenparty mit Wurm

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Rocco Randale - Vampirjagd mit Tomatensuppe

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»Die Geschichten, ausgereift in Sprachwitz, Situationskomik und Figurenzeichnung, sind einfach ein Vergnügen.« F. A. Z.

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Hardcover
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