Peter Probst

Peter Probst

Peter Probst, 1957 in München geboren, studierte Germanistik, Italienische Literatur und Katholische Theologie in seiner Heimatstadt und in Rom. Er war Regieassistent, Regisseur und Dozent an Filmakademien und schrieb seit 1982 etwa neunzig Drehbücher, vor allem für Fernsehspiele und Krimis wie den ‚Tatort'. Mit seiner Frau Amelie Fried hat er die Kinderkrimireihe ‚Taco und Kaninchen' verfasst und an ihrem Bestseller ‚Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte' mitgearbeitet. Seit der Gründung des Vereins "Lichterkette" engagiert er sich gegen Ausländerfeindlichkeit und für Integration. Peter Probst lebt mit seiner Familie im Süden von München.

Interview

Der dritte Fall für Privatermittler Anton Schwarz

Peter Probst: ›Im Namen des Kreuzes‹

Im Interview spricht Autor Peter Probst über die katholische Kirche, seinen neuen Krimi ›Im Namen des Kreuzes‹ und seine Beweggründe, seinen Krimi im kirchlichen Milieu spielen zu lassen.

Nach dem Neonazi-Netzwerk in ›Blinde Flecken‹ und den Machenschaften bei der Bahn in ›Personenschaden‹ widmet Ihr dritter Roman aus der Reihe ›Schwarz ermittelt‹ sich dem Milieu der katholischen Kirche. Ihr Neonazi-Krimi war, wie wir jetzt erleben, seiner Zeit voraus. Hinken Sie mit ›Im Namen des Kreuzes‹ den Ereignissen nicht etwas hinterher?

Das Konzept für die Reihe und auch den dritten Band stand, lange bevor das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche von den Medien aufgegriffen wurde. Nachdem man eine Weile fast jeden Tag darüber in den Zeitungen lesen konnte, habe ich mir tatsächlich überlegt, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für meine Geschichte ist. Ich glaube, es gibt keinen besseren. Die Medien haben die Aufmerksamkeit für das Thema geschärft und von Kirchenvertretern häufig geäußerte Zweifel an bestimmten Tatbeständen widerlegt. Nun kann ein Kriminalroman die Welt, in der solche Taten möglich waren und sind, mit deutlich weniger Tabus beschreiben und in ihr eine realistische und deswegen umso spannendere Geschichte entfalten.

Die katholische Kirche wird trotzdem nicht erfreut sein.

Das kommt ganz darauf an. Die katholische Kirche ist ja keine homogene Gruppe. Es gibt sicher einige Funktionäre, die in meinem Krimi Tabubrüche entdecken werden. Sie verstehen ihre Kirche immer noch als eine Art Wagenburg, in der man sich vor der feindseligen Welt verschanzen muss. Ich weiß aber auch von vielen Gläubigen, die in der Debatte um den Missbrauch eine große Chance auf Veränderung sehen. Sie wünschen sich, dass die krassen Widersprüche zwischen Sexuallehre und Lebenspraxis endlich offen angesprochen werden.

Können Sie Beispiele nennen?

Die hohe Zahl homosexueller Priester zum Beispiel. Es gibt wohl wenige Berufsgruppen, in denen Schwule so stark vertreten sind. Aber darüber wird kaum gesprochen. Und dann nennt der Papst Homosexualität auch noch eine »Zerstörung von Gottes Werk«. Durch meine Recherche weiß ich von Priestern, die im Rotlicht-Milieu unterwegs sind, um ihre Sexualität ausleben zu können. Viele haben langjährige Beziehungen mit Männern. Und am Sonntag stehen sie dann wieder auf der Kanzel und müssen predigen, dass Homosexualität Sünde sei.

Was würde denn passieren, wenn sie sich offen zu ihrer Veranlagung bekennen würden?

Sie könnten nicht weiter als Pfarrer arbeiten. Wenn aber die berufliche und soziale Existenz auf dem Spiel steht, braucht es sehr viel Mut oder eine verzweifelte Entschlossenheit, um sich zu outen. Natürlich weiß oder ahnt man in vielen Gemeinden, dass der Pfarrer schwul ist. So lange er sich nicht dazu bekennt, passiert ihm auch nichts. Aber wie soll so jemand zum Beispiel für einen jungen Mann Seelsorger sein, der in einer schweren Identitätskrise steckt, weil er seine homosexuellen Neigungen entdeckt hat?

Anton Schwarz ermittelt diesmal im Auftrag einer Mutter, die annimmt, ihr Sohn habe deshalb Selbstmord begangen, weil er vom Gemeindepfarrer missbraucht wurde.

Sie zieht ihren Auftrag aber sofort zurück, als sie begreift, dass hinter der Tragödie um ihren Sohn eine ganz andere, viel größere Geschichte steht. Natürlich macht mein Ermittler trotzdem weiter. Ihn interessieren ja besonders die Fälle, die andere für gelöst oder unlösbar halten.

Schwarz kommt einem dubiosen traditionalistischen Orden auf die Spur. Ist der erfunden oder gibt es so was wirklich?

Das ist leider ziemlich nahe an der Realität. Ich habe nur die Namen und Orte geändert und aus meinen Recherchen über eine Reihe katholischer Geheimbünde und Orden meine »Sancta militia Jesu« gebaut. Diese Gemeinschaften stehen meiner Ansicht nach eindeutig außerhalb unserer Verfassung und betrachten Pressefreiheit und Demokratie als Feinde der Kirche Gottes.

Ihre Schilderungen aus der Sicht eines Jungen, der in die Fänge eines Geheimordens gerät, wirken sehr authentisch.

Aber nicht, weil ich selbst Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht hätte. Ich kenn psychischen Missbrauch, aber keine körperlichen Übergriffe. Die Authentizität meiner Geschichte kommt wohl daher, dass ich mit Opfern sprechen konnte. Ich habe mich wie bei den ersten beiden Schwarz-Krimis auch wieder mit Psychologen und Ärzten beraten.

Warum haben Sie diesen Krimi in kirchlichen Einrichtungen spielen lassen und nicht etwa an einem Internat nach dem Vorbild der Odenwaldschule?

Das hat mit meiner Herkunft zu tun. Ich stamme aus einer sehr katholischen Familie, die ihren Glauben in vielen Bereichen wirklich bewundernswert gelebt hat. Ich war ein sehr fleißiger Ministrant und lange Jahre in der katholischen Jugendarbeit aktiv. Ich habe sogar Theologie studiert, allerdings in einer Schmalspur-Version als Nebenfach im Magisterstudium. Die Religion war für mich Werteorientierung und Heimat. Nur, je besser man die katholische Kirche von innen kennen lernt, umso häufiger wird man mit Doppelmoral und Lebenslügen konfrontiert. Irgendwann habe ich diese Widersprüche nicht mehr ertragen. Obwohl ich heute nur noch losen Kontakt zur Kirche habe, bin ich aber nicht fertig mit ihr. Deswegen und für eine Reihe aufrechter Priester und Gläubiger musste ich ›Im Namen des Kreuzes‹ schreiben.

In ihrem Buch kommt auch ein Landpfarrer vor, der ein echter bayerischer Querschädel ist.

Ja, er verkörpert einen sehr sympathischen Katholizismus. Er nimmt, was in der Bibel steht, ernst und, was ihm sein Bischof befiehlt, nicht ganz so ernst.

Und es gibt sogar eine richtige Liebesgeschichte in ›Im Namen des Kreuzes‹.

Dazu möchte ich lieber noch nichts verraten.

Das Interview führte Kirim Schiller

NEWS

Preise und Auszeichnungen
15.03.2012

Peter Probst erhält den Grimme-Preis 2012

Für die ZDF-Produktion "Die Hebamme - Auf Leben und Tod" wird Peter Probst, verantwortlich für das Drehbuch,  gemeinsam mit Hauptdarstellerin Brigitte Hobmeier, Regisseurin Dagmar Hirtz, und Bildgestalter Jo Heim in der Kategorie "Fiktion" mit dem Grimme-Preis 2012 ausgezeichnet. Verliehen wird der Grimme-Preis am 23. März in Marl.

 

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