Portrait des Autors Rafik Schami

Rafik Schami

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie und schloss das Studium 1979 mit der Promotion ab. Heute lebt er in Marnheim (Pfalz). Schami zählt zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Sein Werk wurde in 29 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur 2015. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Im Sommersemester 2010 hatte er die Brüder-Grimm-Professur der Universität Kassel inne.

Autorenspecial

Rafik Schami - Erzähler und Sprachzauberer

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. Sein Werk wurde in 30 Sprachen übersetzt und unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem Hermann-Hesse-Preis, dem Prix de Lecture und dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet.

Preise und Auszeichnungen

Adelbert von Chamisso-Preis

1993
1985 - Förderpreis

Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur

2015

Hermann-Hesse-Preis

1994 - Hauptpreisträger

Nelly-Sachs-Preis

2007

Stiftung Bibel und Kultur

2015 - Stiftungspreis

Mediathek

Video zu Rafik Schamis 70. Geburtstag

Rafik Schami verzückte seine Gäste mit Geschichten voller Witz und Weisheit.

Interview

Rafik Schami

Sie gelten als Meister der mündlichen Erzählkunst – für die Sie selbst sich schon als Kind begeistert haben: Auf den Straßen Ihrer Geburtstadt Damaskus war sie weit verbreitet …

Auf der Straße ist nicht ganz richtig. In den Innenhöfen und Cafés wurde erzählt; mal beruflich professionell, mal einfach vom Alltag, der übrigens sehr viel magischer sein kann als Science-Fiction oder Märchen. In diesen Höfen habe ich gelernt, wie man zuhört, bevor ich lernte zu erzählen.

Heute bezeichnen Sie Ihre Vorträge als »Ohrfilme«. Was genau ist das?

Ein Ohrfilm ist wie ein Kinofilm, aber nicht für das Auge, sondern für das Ohr konzipiert. Ich komme aus einer langen Tradition des mündlichen Erzählens und möchte sie ins 21. Jahrhundert transformieren, indem ich nicht nur Abhandlungen darüber schreibe, sondern sie praktiziere und so – also über den Genuss – diese Kunst belebe. Die Ohren haben wie der Mund einen Gaumen, sie schmecken die Stimme, was ja die Augen nicht können.

Unterscheiden sich die Ohrfilme von ihren jeweiligen Vorlagen, den Romanen?

Ein Ohrfilm ist eine Variante des Romans, so wie ein Spielfilm niemals identisch mit der literarischen Vorlage sein kann, beide sind in gewisser Weise eine Fälschung, aber ich bemühe mich, eine charmante, sympathische Fälschung zu liefern. Wie sonst wollen Sie ›Die dunkle Seite der Liebe‹ mit 900 Seiten oder ›Das Geheimnis des Kalligraphen‹ mit 450 Seiten in 90 Minuten erzählen und dies auch noch so anstellen, dass die Zuhörer dann das Buch auch noch kaufen … Diese Aufgabe ist die Cousine der „Quadratur des Kreises“.

… die Sie auf Ihre Art perfektioniert haben. Als Schüler wurden Sie wegen Ihres guten Gedächtnisses zum Rezitator Ihrer Klasse. Trainieren Sie heute Ihre freien Vorträge?

Ja, fast täglich, weil ich wie ein Klavierspieler, ein Zauberer oder ein Dompteur durch die Übung die Leichtigkeit beim Auftritt erreiche. Ein gutes Gedächtnis wie meines ist eine Gnade, aber das alleine reicht nicht. Dabei ähnele ich einem Zirkusartist, der im Stillen übt und in der Manege seine lebensgefährliche Nummer lächelnd und federleicht vorführt. Das Publikum ist gnädig und großzügig, aber es gibt kein Publikum auf der Welt, das Langweile freiwillig aufsucht oder länger als fünf Minuten still bleibt, wenn der Erzähler den Faden verloren hat.

Sie sind ja ein strikter Gegner von Langeweile. Was langweilt Sie besonders?

Wenn Autoren anfangen zu belehren oder über etwas schreiben, wovon sie keine Ahnung haben, oder wenn sie ihren Nabel für das Zentrum der Welt (oder gar des Universums) halten. Ich gebe einer Geschichte dreißig Seiten lang eine Chance: Entweder hat sie mich erfasst oder ich fasse sie nicht mehr an.

Als Sie 1971 nach Deutschland kamen, glaubten Sie, es keine zwei Wochen außerhalb Damaskus auszuhalten. Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Geburtsstadt?

Da sehen Sie, was das Leben für Wunder fertigbringt. Ich bin im 38. Jahr im Exil und lebe noch! Aber meine Liebe zu Damaskus hat mit meiner glücklichen Kindheit in dieser Stadt zu tun. Es hat mit ihren Menschen zu tun, denen ich vieles verdanke, mit ihrer Atmosphäre, die einzigartig auf der ganzen Welt ist. Ich bin, seit ich 14 war und die Stadt mit meinem Fahrrad Gasse für Gasse erlebt, eingeatmet und ausgehorcht habe, völlig bewohnt von dieser einen Stadt. Verliebte kann man nicht fragen, warum sie sich verlieben. Sie sind unvernünftig – und geben dann solche Antworten wie meine.

Heute leben Sie in Marnheim in der Pfalz. Wie kam es dazu?

Nach dem traumhaften Erfolg von ›Erzähler der Nacht‹ sollte ich – nach dem Rat meines Steuerberaters – ein Haus kaufen. Ich bin Städter und wollte unbedingt in Heidelberg bleiben, wo ich 14 Jahre lang gelebt habe, aber für meine damaligen Verhältnisse hätte ich nur eine Zweizimmerwohnung kaufen können. Ich suchte im Rhein-Main-Gebiet, weil ich diese Gegend sehr mag, und fand in der Pfalz mein Haus. Es ist eine sehr schöne Gegend, fast toskanisch. Und heute ist die Kommunikation von jedem Ort der Welt beinahe gleich gut.

Apropos Kommunikation: In einer Reiseerzählung aus dem Jahre 2000 schreiben Sie, dass Sie kein Handy besitzen. Ist das immer noch so?

Ja, weil ich es in meinem Beruf nicht brauche. Ich empfinde es als Luxus, dass ich meine Ruhe habe, dass ich in Urlaub oder auf Tournee unerreichbar bleibe. Das hat nicht mit irgendeiner Ideologie oder Haltung zu tun, sondern mit Erfahrung. Als Anfänger habe ich den Fehler gemacht, immer erreichbar zu sein, was damit endete, dass ich gar keine Ruhe mehr hatte – weder für die Vorbereitung meiner Vorträge noch für meine Familie oder für mein Schreiben.

In einer anderen Erzählung imaginierten Sie bereits 1993 das E-Book – bis hin zu thematisch passenden künstlichen Gerüchen, die es mittlerweile tatsächlich gibt. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Überhaupt nichts, deshalb bat ich meine Verlage um eine Schonzeit von zwei Jahren, als die ersten Anfragen kamen. Ich will mich nicht hetzen und möchte, solange es geht, meine Bücher nur auf Papier sehen. Außer Profitmaximierung kenne ich kein Argument für das E-Book. Am lustigsten finde ich es, wenn einer mir sagt, er könne so 300 Bücher mit in Urlaub nehmen. Das sagen nur Leute, die nie lesen. Seit ich denken kann, habe ich nie mehr als 20 Bücher mit in Urlaub genommen.

Wobei das schon eine Menge ist! Zum Urlaub passt meine Abschlussfrage: Sie beklagen oft die mangelnde Genussfähigkeit der Deutschen. Was ist für Sie der höchste Genuss?

Nicht der Deutschen speziell, sondern der Menschen in einer Wohlstandgesellschaft, die sich nur mit Superlativen gerade noch »zufriedengeben«, die sich ein Lächeln nicht leisten, wenn die Sonne scheint, die sich über das Lachen eines Kindes oder den Duft einer Blume nicht freuen, die einen Wein nicht genießen können, ohne das Etikett anzuschauen und zu wissen, wie teuer dieser Wein ist. Das ist eine negative Begleiterscheinung der Übersättigung.

Das Glück ist kein gewaltiger Diamant, sondern ein Mosaik aus Tausendundeinem bunten Steinchen, deshalb sollte man nicht verlernen, sich über kleine Momente des Glücks zu freuen. Ein solcher bunter Stein in meinem Glücksmosaik ist beispielsweise, einen Tee mit meiner Frau zu genießen.

Tina Rausch

NEWS

Preise und AuszeichnungenStartseiteStartseite
12.11.2015

Großer Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für Rafik Schami

Den mit 5.000 Euro dotierten Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur erhält Rafik Schami »in Würdigung seines ebenso vielseitigen wie anspruchsvollen literarischen Schaffens, das Märchen, Fabeln, Erzählungen, Hörbücher, Bilderbücher, autobiographische Romane, aber auch politische Essays für Leserinnen und Leser jeglichen Alters umfasst«.

Die Preisverleihung findet am 20. November 2015 in Volkach statt.
Informationen zur Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur
Preise und Auszeichnungen
30.10.2011

Rafik Schami erhält den Preis »Gegen das Vergessen - Für Demokratie«

Rafik Schami erhält am 30. Oktober 2011 den Preis »Gegen Vergessen – Für Demokratie«. Damit zeichnet die gleichnamige Vereinigung den großen Einsatz des Autors für Demokratie und Menschenrechte aus.

Bücher des Autors

25 Titel
Ansicht
Rafik Schami

Mit fremden Augen

Rafik Schamis sehr persönliche und poetisch geschriebene Tagebuchaufzeichnungen umfassen den Zeitraum von Oktober 2001 bis Mai 2002 - getragen von dem Wunsch nach einer friedlichen Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern.

Erhältlich als: Taschenbuch, Taschenbuch
Taschenbuch
x 9,90 €

Rafik Schami

Das Geheimnis des Kalligraphen

Ein großer orientalischer Bilderbogen und ein Spiegel der syrischen Gesellschaft der Fünfzigerjahre.

Erhältlich als: Taschenbuch, Taschenbuch
Taschenbuch
x 9,90 €

Rafik Schami

Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte

»Mit anmutiger Leichtigkeit und schlitzohrigem Charme erzählt.« Astrid Kaminski in der ›Frankfurter Rundschau‹

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 8,90 €

Rafik Schami

Damaskus im Herzen

Mal ernst, mal augenzwinkernd macht Rafik Schami deutlich, worin sich die europäische und die arabische Kultur unterscheiden, und plädiert für ein tolerantes Miteinander.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 9,90 €

Rafik Schami

Sieben Doppelgänger

Eine Liebeserklärung eines Schriftstellers an seine Zuhörer.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 8,90 €

Rafik Schami

Milad

Eine Fee verspricht dem armen Milad einen Schatz, wenn er es schafft, 21 Tage hintereinander satt zu werden.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 8,90 €

Rafik Schami

Gesammelte Olivenkerne

Rafik Schami blickt in seinen kleinen gesellschaftlichen Einmischungen immer wieder amüsiert und kritisch auf das Leben in Arabien und Deutschland.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 6,90 €

Rafik Schami

Reise zwischen Nacht und Morgen

Ein altersschwacher Circus reist von Deutschland in den Orient. Anlass genug für Rafik Schami, uns mit einem ganzen Feuerwerk an Geschichten zu erfreuen.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 9,90 €

Rafik Schami

Vom Zauber der Zunge

Vier erfrischende, zauberhafte und geistvolle Diskurse über das Erzählen, wie sie lebendiger und lebensnäher nicht sein könnten.
Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 8,90 €

Rafik Schami

Der ehrliche Lügner

Zauberhaft schöne Geschichten aus dem Morgenland, die Rafik Schami in bester arabischer Erzähltradition zu einem kunstvollen Roman verwoben hat.
Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 14,90 €

Rafik Schami

Eine Hand voller Sterne

Über mehrere Jahre hinweg führt ein Bäckerjunge in Damaskus ein Tagebuch. Es gibt viel Schönes, Poetisches und Lustiges zu berichten, aber auch von Armut und Angst erzählt er.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 8,90 €

Rafik Schami

Erzähler der Nacht

Salim, der beste Geschichtenerzähler von Damaskus, ist verstummt. Sieben seiner Freunde besuchen ihn Abend für Abend und erzählen die Schicksalsgeschichten ihres Lebens. Damit können sie Salim erlösen, denn er benötigt sieben einmalige Geschenke.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 9,90 €

merkzettel (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Merkzettel


zum Merkzettel

warenkorb (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Warenkorb


Gesamtbetrag:
0,00 €
inkl. MwSt. zzgl. Versand

My dtv


Jetzt registrieren