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Buch Coast Road, Foto von Autor Alan Murrin und Zitat von Gillian Anderson. Diesen Roman habe ich geliebt.
Buch Coast Road, Foto von Autor Alan Murrin und Zitat von Gillian Anderson. Diesen Roman habe ich geliebt.
»Ein mitreißender, emotionaler Page-Turner.« The Observer

Coast Road

In schnörkelloser Prosa, mit psychologischem Feingefühl und großartiger Beobachtungsgabe erzählt Alan Murrin von den gesellschaftlichen Einschränkungen, die Frauenleben in Irland vor gerade einmal dreißig Jahren bestimmten, und beleuchtet dabei subtil, was Frauen überall auf der Welt auch heute noch davon abhält, ihre Partner zu verlassen.

Im Zeitraum einiger Monate im Jahr 1994, kurz bevor Scheidung in Irland in einem Referendum legal wurde, erzählt ›Coast Road‹ die Geschichte von sehr verschiedenen Frauen in einem Küstenstädtchen. Izzy, Colette und Dolores hadern aus ganz unterschiedlichen Gründen mit ihren Ehen und werden gezwungen, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Dabei wird jeder Schritt von der Gemeinde beäugt und verurteilt – denn dort an der Küste schwimmt man nicht gegen den Strom.

Bibliografische Daten

EUR 14,00 [DE] – EUR 14,40 [AT]
ISBN : 978-3-423-14966-2
Erscheinungsdatum: 18.06.2026
1. Auflage
384 Seiten
Format : 11,5 x 19,0 cm
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll
Autor*innenporträt

Alan Murrin

Alan Murrin ist ein irischer Schriftsteller, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Er absolvierte den renommierten Masterstudiengang im Kreativen Schreiben an der University of East Anglia. 2021 gewann er für seine Kurzgeschichte ›The Wake‹ den Bournemouth Writing Award; die Geschichte stand ebenfalls auf der Shortlist für die Kurzgeschichte des Jahres der Irish Book Awards. Als Kulturkritiker schrieb er u. a. für The Irish Times, TLS  und The Spectator. ›Coast Road‹ ist sein Debütroman, für den er 2024 bei den Irish Book Awards als ›Newcomer of the Year‹ ausgezeichnet wurde.

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Übersetzer*innenporträt

Anna-Nina Kroll

Anna-Nina Kroll, 1988 in Essen geboren, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Sie hat u. a. Werke von Donal Ryan, Carmen Maria Machado, John Irving und Anna Burns ins Deutsche übertragen. Für ihre Übersetzung von Anna Burns' ›Milchmann‹ erhielt sie im Jahr 2021 den Förderpreis zum Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW.

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103 von 103 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.5 von 5 Sternen


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5 - 10 von 103 Leserstimme

chocoball am 11.02.2025 17:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Debüt gelungen!

Alan Murrin entführt den Leser in das Irland des Herbstes 1994 – eine Zeit, in der Scheidungen verboten waren und traditionelle Geschlechterrollen das Leben von Frauen massiv einschränkten. Der Roman schildert eindrucksvoll das Schicksal dreier Frauen, die alle mit den starren gesellschaftlichen Erwartungen und den damit verbundenen persönlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten kämpfen.Colette versucht ihrem bisherigen Leben zu entkommen, indem sie ihren Mann und ihre Kinder verlässt, um in Dublin einen Neuanfang zu wagen. Ihr Freiheitsdrang wird jedoch brutal bestraft, als ihr der Kontakt zu ihren Kindern verweigert wird. Izzy, gefangen in einer unglücklichen Ehe mit einem abwesenden Lokalpolitiker, ringt mit dem inneren Konflikt zwischen dem Wunsch nach Selbstbestimmung und den vorherrschenden sozialen Zwängen. Auch Dolores, die stets bemüht ist, den hohen Erwartungen gerecht zu werden, muss letztlich feststellen, dass das System ihr keine Chance auf persönliche Entfaltung bietet.Mich hat die schonungslose Darstellung einer Gesellschaft tief berührt, in der Frauen vor nicht allzu langer Zeit kaum Möglichkeiten hatten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Es ist erschütternd, sich vorzustellen, dass solche restriktiven Verhältnisse in Irland erst vor etwa 30 Jahren gang und gäbe waren. Murrins nüchterner, einfühlsamer Schreibstil schafft es, den Leser in die schmerzhaften und zugleich hoffnungsvollen Lebenswege der Protagonistinnen hineinzuziehen. Dabei verstärkt auch die malerische, aber von sozialen Strukturen geprägte Landschaft Irlands das Gefühl einer vergangenen Ära, in der Frauen oft unter dem Druck der traditionellen Rollenbilder litten.Coast Road regt zum Nachdenken an und hinterlässt einen bleibenden Eindruck – nicht nur, weil er ein düsteres Bild der damaligen gesellschaftlichen Zustände zeichnet, sondern auch, weil er aufzeigt, wie ungerecht es war, dass Frauen so lange in einem System gefangen waren, das ihnen jede Selbstbestimmung verweigerte. Für alle, die sich für die tiefen menschlichen Dramen und die Machtverhältnisse einer vergangenen Zeit interessieren, bietet dieser Roman einen intensiven und bewegenden Einblick in das Leben der Frauen im konservativen Irland. Ein gelungener Debütroman!

annachrau am 10.02.2025 23:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

1994!

Man mag es sich kaum vorstellen, dass die Scheidung in Irland erst Mitte der 90er Jahre erlaubt wurde. Ich war so schockiert von diesem Fakt, dass ich beim Lesen ständig dachte, das Buch würde in den 60ern spielen. Das hat mich dann manchmal überrascht, wenn erwähnt wurde, dass etwa Nickelodeon im Fernsehen lief. Ich gestehe, dass das meinem Lesevergnügen keinen Abbruch getan hat, auch wenn ich manchmal verwirrt war. Ich fand die Geschichten von Colette und Izzy beide sehr einfühlsam und eindrücklich geschrieben und habe oft den Stift gezückt, um mir prägnante Sätze zu notieren. Die Details mit denen die Figuren uns näher gebracht werden (die Porzellanfiguren etwa, statt einer blossen Beschreibung ihres Aussehens) zeugen von Respekt vor seinen Charakteren. Das Buch ist ausserdem ein Buch, das man glaube ich guten Gewissens an viele weiterempfehlen kann (und wird!).

louslesezeichen am 10.02.2025 12:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Tiefer Einblick in ein irisches Kleinstadtleben durch multiperspektivische Erzählweise

"Coast Road" von Alan Murrin entführt uns in die 1990er Jahre, in ein kleines, abgelegenes Küstenstädtchen im Norden Irlands, an der Grenze zu Nordirland. Die Geschichte folgt Colette Crowley, die nachdem sie ihre Familie verlassen hat, in ihre Gemeinde zurückkehrt, um mehr Zeit mit ihren Söhnen zu verbringen. Doch ihr Ehemann Shaun verbietet ihr den Kontakt zu den Kindern und auch die Gemeinde begegnet ihr mit Unverständnis, Ablehnung aber auch Neugier. Bald wird klar, dass nicht nur Colettes Ehe zerbrochen ist – auch viele andere Familien in dem kleinen Ort kämpfen mit ihren eigenen Konflikten und Zerwürfnissen.
Der Roman bietet einen tiefen Einblick in das Geschehen, da die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Jede Figur hat etwas Anziehendes und etwas Abstoßendes an sich – eine Mischung, die mich manchmal überrascht und manchmal ziemlich bedrückt hat. 

Drei zentrale Aspekte des Buches fand ich besonders spannend:1. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich Männer alles nehmen, was sie wollen.2. Die Beschränkungen, denen Frauen unterworfen sind und sich selbst unterwerfen und wie diese sich dann offenbaren, wenn sie endlich eine Stimme finden.3. Das ständige Abarbeiten an Menschen, die sich von der Norm unterscheiden.
Auch wenn es heute in einer Kleinstadt vielleicht genauso viel Klatsch und Tratsch gibt, habe ich das Gefühl, dass sich die Stellung der Frauen seitdem verbessert hat – nicht zuletzt durch die Legalisierung der Scheidung, die hier im Buch erwähnt wird.Ich kann das Buch jeder/m empfehlen, der/die gerne in realistische Geschichten eintaucht, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. Man erkennt, dass es oft mehr als nur eine Wahrheit gibt – und genau das hat mich an "Coast Road" so gefesselt. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen.⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne.

carowbr am 09.02.2025 17:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Bewegender Einblick in drei verschiedene Ehen

Colette Crowleys Rückkehr, eine unkonventionelle und freiheitsliebende Künstlerin, führt Izzy vor Augen, wie vorgezeichnet und und eingeengt ihr Leben ist, während die gottesgläubige Dolores hofft, dass sie möglichst schnell wieder verschwindet. Drei Frauen, deren Leben sich nach ihrer Begegnung unweigerlich verändert - ein Einblick in die verschlossene Welt der Kleinstadt, voller Vorurteile und der Bestrebung, nicht aus der Reihe zu tanzen. Alan Murrin gibt einen berührenden und intimen Einblick in die Leben und Gedanken der Frauen, die sich in verschiedenen Lebenssituationen befinden, aber durch ihre eigenen Erfahrungen Verständnis füreinander entwickeln und ihre Ansichten hinterfragen. Das raue irische Klima sorgt für eine melancholische, rohe Stimmung, während die bewegten Gefühlswelten der Frauen mit Feingefühl dargestellt werden. Manchmal gelingt es männlichen Autoren nicht, sich von ihrer objektifizierenden Sicht auf Frauen zu lösen, so dass die Charaktere platt und anbiedernd wirken. Das ist hier zum Glück nicht der Fall, die Frauen sind vielschichtig und nahbar beschrieben, ihr Streben nach Freiheit und Selbstverwirklichung, Anerkennung und Liebe nachvollziehbar geschildert. Vor dem Hintergrund aktueller politischer Bestrebungen, die Entscheidungsfreiheiten von Frauen einzuschränken, gibt dieser Roman einen Einblick in eine Zeit, die gar nicht allzu lange her ist und in der Scheidung keine Möglichkeit war.

tsubame am 09.02.2025 16:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Starkes Debüt!

In Irland mahlen die Mühlen langsamer als in anderen Ländern, zumindest was die eheliche Scheidung angeht. "Erst am 25. November 1995 stimmte das irische Volk mittels Referendum über die Abschaffung des Ehescheidungsverbots in der Verfassung ab", kann man am Ende des Romans von Alan Murrin lesen. Die Mehrheit denkbar knapp: Weniger als einen Prozenpunkt soll diese betragen haben.Was für Auswirkungen solch ein Ehescheidungsverbot auf Paare und Familien hatte, schildert der Autor packend in deinem Debütroman "Coast Road".Da ist zum einen Colette Crowley, Dichterin und Mutter dreier Söhne, die ihre Familie für einen anderen Mann verließ und nun nicht mehr zu diesen zurück kann. Sie mietet sich in einem kleinen Cottage an der Coast Road ein und bietet Schreibkurse für Interessierte an, um sich finanziell über Wasser zu halten. Colette ist attraktiv und schon bald beginnen die ersten Männer des Ortes um ihr Haus herumzuschleichen.Eine andere Frau aus dem Ort, Izzy Keaveney, ist mit einem Lokalpolitiker verheiratet, der sich für die Legalisierung der Scheidung einsetzt. Izzy ist die meiste Zeit unglücklich in ihrer Ehe und besucht den Schreibkurs von Colette. Ihr Sohn war einst mit Colettes Jüngstem befreundet und so versucht Colette über Izzy Kontakt zu diesem aufzunehmen. Denn ihr Mann hat ihr jeglichen Umgang mit den Kindern untersagt.Und dann ist da noch Dolores Mullen, die ihr viertes Kind erwartet und mit einem Mann verheiratet ist, der es mit der ehelichen Treue nicht so genau nimmt...Ich fand die Geschichte sehr spannend zu lesen und da ich selbst die ersten 15 Jahre in einer Kleinstadt groß geworden bin, kam mir einiges bekannt vor. In Deutschland galt bis zum Inkrafttreten der Reform von 1976 im Ehescheidungsverfahren noch das Schuldprinzip und Frauen durften davor nicht ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten gehen.Das alles kann man sich heute gar nicht mehr richtig vorstellen, war aber für die betroffenen Frauen damals ausgesprochen einschränkend und schmerzhaft.Ich bin daher froh, dass sich ein irischer Autor, der inzwischen in Berlin lebt, dieses Themas angenommen hat. Denn man sollte nie vergessen, wie unfrei Frauen vor gar nicht einmal so langer Zeit noch waren, damit man alles dafür tut, dass es nie-nie-mals wieder so wird!

gagamaus am 09.02.2025 13:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

wichtiges Thema

Das erz-katholische Irland vor 30 Jahren. Ich war tatsächlich ziemlich entsetzt, wie rückständig und frauenfeindlich dieses Land vor nicht einmal 3 Jahrzehnten noch war. Ich konnte es nicht fassen, dass eine bigotte Männergesellschaft den Frauen nicht nur ihre Selbstbestimmung verwehrte, sondern im Falle einer Trennung vom Ehemann auch den Enzug der Kinder, die Verachtung der Gesellschaft und Gewalt und Psychoterror. Die Heldinnen der Geschichte sind ganz normale Frauen. Ihre Stärke müssen sie erst noch finden aber gemeinsam können sie Stück für Stück etwas für sich bewegen.Angesichts heutiger negativer Entwicklungen z.B. in den USA ist dieses Buch und dieses Thema immer noch, oder schon wieder, hochaktuell. Der Schreistil ist leserfreundlich und man merkt, dass Die Autorin nicht einfach eine Geschichte erzählen wollte, sondern die Leserschaft zum Nachdenken bringen möchte.

lisa31 am 09.02.2025 09:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Eheleben

Ein tiefgründiges Buch das zeigt wie wichtig die Abstimmung über ein neues Gesetz ist und sein kann.Der Einband ist schlicht und hat als optischen Blickfang die Optik eines aufgerissenen Einbands mit Blick auf eine Landschaft.Die Landschaft zeigt vermutlich die Region in der die Erzählung sich ereignet. Es geht um das Eheleben. In der Politik wird darüber gesprochen die Scheidung legal zu machen. Viele wollen das nicht durchsetzen doch einige setzen sich dafür ein. Die Ehepaare über dessen Leben in der Geschichte erzählt wird, hätten ein freieres Leben führen können wäre eine Scheidung möglich gewesen. Doch dazu gehört auch die Gesellschaft um die Paare herum. Gerüchteküche die von allen befeuert wird und den Druck auf eine Familie, eine Ehe so erhöht, dass ein Teil der beteiligten zerbricht. Das Gesetz ist in Kraft getreten doch für einige zu spät.

ann-liest am 09.02.2025 08:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Bedrückend und sehr authentisch

Das Cover dieses schönen Buches finde ich sehr passend gewählt, denn es symbolisiert für mich sowohl den „Riss in der Fassade“ als auch den Blick hinter die Kulissen einer scheinbar heilen Welt.Thematisch spielt das Buch in den Jahren 1994/1995 in Irland. Kurz vor dem Referendum zur Beseitigung des Paragrafen, der die Scheidung verbietet, aus der Verfassung. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir diese Jahreszahlen immer wieder bewusst machen musste. Denn viele Schilderungen von Ehe und Familie haben mich gedanklich eher in die 1950er katapultiert.Anhand verschiedener Beispiele erhalten wir einen sehr intimen Einblick in gescheiterte Ehen - in Ehen, die nach außen perfekt wirken. In „Du-kannst-Dich-glücklich-schätzen“ und „Du-hast-doch-alles“ Ehen. Dabei thematisiert der Autor so viele wichtige Themen, die unter anderem auch das Thema Selbstbestimmung betreffen: Fremdgehen, die Einsamkeit in der Beziehung, Machtgefälle, Bevormundung, Kindesentzug, Sprachlosigkeit, Verletzung, Durchhaltevermögen, Versöhnung, Befreiung… All dies wird sehr eindringlich und doch irgendwie unaufgeregt geschildert.Die Charaktere - allen voran Colette und Izzy - haben mir in ihrem Facettenreichtum sehr gut gefallen. In diesem Buch gibt es nicht den Helden sondern ganz normale Menschen, mit Träumen, Hoffnungen, Enttäuschungen und falschen Entscheidungen. Es ist ein unfassbar authentisches Buch, dass mit seiner Ehrlichkeit und der Unzulänglichkeit der Personen überzeugt.Es ist ein Buch das berührt und nachwirkt. Und auch wenn ich nicht mit allen Erkenntnissen der Protagonistin einverstanden bin, verleihen auch sie dem Buch ihre besondere Authentizität.

jentis4711 am 09.02.2025 08:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Autor mit Fingerspitzengefühl

Ich konnte kaum glauben, dass es sich bei „Coast Road“ um einen Debütroman handelt, so fein und dicht ist er gearbeitet. Alan Murrin hat einen wirklich wunderbaren Schreibstil, rein sprachlich war das Buch schon eine Freude für mich. Und auch inhaltlich konnte ich eintauchen und habe mich jeden Abend aufs Weiterlesen gefreut. Die Figuren sind sehr fein gearbeitet, ihre Psychologie und ihre Handlungen waren für mich jederzeit nachvollziehbar und auch wenn ich sie manchmal schütteln wollte, war ich meistens auf ihrer Seite, was eine schöne Dynamik ist für mich als Leserin. Das einzige, was mich etwas gestört hat, waren die sehr häufig wechselnden Perspektiven (in nahezu jedem Kapitel kam jemand anders zu Wort), während ich gern der ein oder anderen Figur kontinuierlicher gefolgt wäre. Dadurch war es allerdings möglich, die Kernbeziehungen des Romans aus jeweils beiden Perspektiven zu erleben, was insgesamt ein sehr eindringliches, gesellschaftliches Panorama erzeugt hat. Ich habe diesen Roman sehr gern gelesen!

lucyfuchs am 08.02.2025 21:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Bedrückend und erschreckend

"Coast Road" von Alan Murrin ist ein packender und einfühlsamer Roman, der das Leben der Frauen in einem irischen Küstendorf im Jahr 1994 in den Mittelpunkt stellt. Die Autorin besitzt eine passend authentische Schreibweise und stellt mit viel Feingefühl dar, wie Frauen in dieser Zeit in Irland durch gesellschaftliche Normen und persönliche Umstände gefangen sind. Der Roman thematisiert dabei eindrucksvoll die Herausforderungen der Frau in einer Gesellschaft, die Scheidung noch als ein Tabu behandelt. Besonders durch die wechselnden Perspektiven erhält man als Leser einen prägenden Eindruck davon, wie die Ehe im damaligen Irland angesehen wurde. Ein zentrales Thema des Romans ist das Gefühl der Gefangenschaft – nicht nur in den eigenen Ehen, sondern auch in den gesellschaftlichen Erwartungen und Normen. Colette ist eine eindrucksvolle und inspirierende Figur, dessen Einstellung mich sehr fasziniert hat. Stellenweise verlief die Geschichte zwar ein wenig schleppend, beeindruckend war sie aber trotzdem. Dieser Roman ist eine aufrichtige Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Einschränkungen und der persönlichen Sehnsucht nach Veränderung und Freiheit.