Die Geschichte der außergewöhnlichen Familie Salz
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Die unsterbliche Familie Salz
Reich an Glanz und voller dunkler Seiten ist die Geschichte der außergewöhnlichen Familie Salz: Sie beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. In den Vierzigerjahren muss sich Lola Salz auf eine Odyssee quer durch das Deutsche Reich begeben; das Leben mit ihr beschreibt Tochter Aveline in den 60ern als Horror. Kurt Salz ist 1989 Teil einer herrlichen Wendekomödie, seine Tochter Emma Salz sucht 2015 detektivisch nach ihrem Schatten und der Wahrheit. Stets im Zentrum: das prächtige Hotel ›Fürstenhof‹ in Leipzig, Zuhause und Existenzgrundlage der Familie Salz – und die Frage: welche Schatten werfen wir auf die Generationen nach uns?
Bibliografische Daten
2. Auflage
Christopher Kloeble
Christopher Kloeble ist ein vielfach ausgezeichneter Autor von Romanen, Erzählungen und Drehbüchern. Als Gastprofessor lehrte er u.a. in Cambridge (GB) und den USA. Kloeble lebt in Berlin und Delhi.
4 - 10 von 48 Leserstimme
Sehr eindringliche und bewegende Familiengeschichte
"Ihr Leben reichte so weit zurück, dass die meisten Jahre davon längst in den Geschichtsbüchern standen. Sie war ein lebendes Beispiel dafür, wie wenig von dem, was wir sind, übrig bleibt. Nicht umsonst bezeichnen wir das Früher als Geschichte. Mehr als eine Geschichte, die sich die Lebenden über die Toten erzählen, ist es nämlich nicht." (Seite 382)Wir begleiten die Familie Salz durch ein ganzes Jahrhundert. Angefangen 1914 bis 2015 und sogar darüber hinaus. Wir erleben zwei Weltkriege, die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands. Und mittendrin immer die Familie Salz.Es gibt im Buch mehrere Abschnitte die jeweils in einer anderen Zeit spielen. Außerdem wechseln in jedem Abschnitt die Erzähler und auch der Erzählstil. Zu Anfang war dies ungewohnt, da man sich erstmal an die neue Person und deren Stil gewöhnen musste. Im Mittelpunkt des Ganzen steht aber immer wieder Lola Rosa Salz.Gerade der erste und zweite Abschnitt haben mir unglaublich gut gefallen. Zu Anfang wird die Geschichte von Lola selbst erzählt. Sie schildert wie sie nach einigen Schicksalsschlägen mit Ihrer Familie von München nach Leipzig zieht. Dort erwerben sie den legendären Fürstenhof und dieser wird dann zum Mittelpunkt der Familie Salz. Doch auch dort erfährt Lola in Ihrer Kindheit einige traumatische Erlebnisse und wird anschließend von Ihrem Vater in ein Erziehungsheim gesteckt. Im zweiten Abschnitt befinden wir uns in den Anfängen des zweiten Weltkrieges Man erfährt sehr viel über die damalige Zeit und ganz besonders über den Krieg. Schonungslos erzählt uns hier der Autor wie es damals zuging und wie Aussichtslos doch die Lage für die Menschen damals war. Und leider prägte diese Zeit Lola ganz besonders. Ihre Wesensveränderung fand ich glaubwürdig und ja, auch nachvollziehbar. Trotzdem ist es schwer zu verstehen das sie später so ist wie sie ist und Ihre Kinder nicht wirklich Liebe von Ihr erfahren."In Deutschland sprinte man rückwärts zum Ziel und mache sich das Leben unnötig schwer. Niemand widme sich so ausgiebig der eigenen Vergangenheit wie die Deutschen" (Seite 392)Insgesamt hat mir "Die unsterbliche Familie Salz" sehr gut gefallen. Wir lernen im Laufe der Zeit sehr viele Familienmitglieder kennen und erfahren aus deren Blickwinkeln den Werdegang der Familie. Über diese hat sich ein Schatten aus gelegt, den keiner wirklich anschütteln konnte. Abschließend kann man sagen das es keinen Zusammenhalt innerhalb der Familie gab. Keiner hat dem anderen wirklich Liebe gegeben und hat welche bekommen. Eine sehr traurige Familiengeschichte die einen wirklich nachdenklich zurück lässt. Ich glaube die Familie Salz wird mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen."Angst nicht etwas, das man hat oder nicht hat. Jeder trägt sie in sich. Man muss einfach aufpassen, dass sie nicht zu groß wird." (Seite 257)
Fesselnde Familiensaga
Diese Familiengeschichte der Familie Salz wird aus unterschiedlichen Perspektiven über einen Zeitraum von 100 Jahren erzählt. Es ist manchmal sehr traurig und erschütternd, zum Beispiel die Erzählungen über die Kriegsjahre sind unglaublich traurig. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Jede der fünf Generationen muss sich ihren eigenen verschiedenen Herausforderung stellen und die einen schaffen das eben besser, die anderen wieder nicht ganz so gut...Dieses Buch schön bildhaft geschrieben, man kann sich gleich sehr gut in die verschiedenen Persönlichkeiten hineinversetzen und ihre Schicksale fast gemeinsam nochmal mit Ihnen durchleben. Ich habe mich auf keiner Seite gelangweilt und würde dieses Buch mit 5 Sternen bewerten.
Ein Spaß für jeden Psychiater!
Die unsterbliche Familie Salz erzählt eine Familiengeschichte, wie Sie vielleicht zu Hauf vorkommen könnte oder auch gar nicht. Jedenfalls hätte jeder Psychiater einen riesen Spaß daran, die einzelnen Protagonisten zu analysieren und zu hinterfragen was sie bewegt und wie sie zu dem geworden sind was sie sind. Mit Lola Rosa Salz beginnt die Geschichte noch im 1. Weltkrieg. Da war trotz aller Widrigkeiten die Welt noch völlig in Ordnung für die kleine Lola, bis ihre geliebte Mutter nach der Geburt ihres kleinen Bruder so schwer erkrankt, dass sie ins Koma fällt. Unter Anleitung ihres Freundes Maria, der ihr anvertraut, dass Schatten immer die Wahrheit eines jeden Menschen offenbaren, hilft sie ihrer Mutter sich aus dem Elend zu befreien und wird dafür in ein Erziehungsheim geschickt. All das passiert in dem damaligen Hotel Fürstenhof in Leipzig. Jenes Hotel, das ihr ganzes Leben bestimmen soll und das ihrer Familie und Erben. Aus unterschiedlichen Sichtweisen wird ein ganzes Jahrhundert dargelegt in dem die Familie Salz lebt, liebt und leidet. Jeder hat sein ganz eigenes Päckchen zu tragen, welches aber immer untrennbar mit Lola verbunden zu sein scheint. Die Erlebnisse des 2. Weltkrieges bilden den Schlüssel für alles darauf stattfindende Sein. Was den Titel betrifft, finde ich ihn nach wie vor leicht unpassend. Ein anderer will mir aber auch nicht einfallen. Die Geschichte ist recht speziell und sie „Die Geschichte mit und rund um das Hotel Fürstenhof“ zu nennen, wäre auch wieder zu banal und recht einfallslos gewesen. Das Cover widerum finde ich passend, da es nicht zu viel Preis gibt, was sich hinter dem Einband verbirgt. Eine Geschichte nämlich, die sich gut in die heutige Situation einfinden kann und einen ins Grübeln bringt.
Ein wundervolles Familienepos
Ein wundervolles Familienepos„ Meine Großmutter starb zwei Mal. Nur war sie nach dem ersten Mal nicht tot.“So fängt die Geschichte der Familie Salz an. Der Autor entführte mich in die Familiengeschichte der Familie Salz, von 1914 bis 2015. Ich fand er hat die beiden Zeitebenen sehr geschickt miteinander verknüpft in der die Geschichte spielt. Auch lässt er einzelne Haupt-Protagonisten, zu Wort kommen und erfährt die Dinge aus ihrer Sicht. Ich finde eine Geschichte mit viel Tiefgang und historischem Zeitgeschehen, eine Welt im Umbruch. Wir begleiten die Familie durch den 1. und 2. Weltkrieg, und ihrer Flucht durch das Land. In erster Linie geht es um das Hotel Fürstenhof in Leipzig , das Herr Salz 1914 kaufte. Ihr Umzug von München nach Leipzig, ein Leben mit Höhen und tiefen. Eine Labile Mutter, die Schatten von ihren Familienangehörigen zeichnet, ein Mensch ohne Schatten gibt es nicht. Als die Mutter nach der Geburt ihres Sohnes erkrankt, flüchtet sich Lola in ihrer Fantasie in einen Imaginären Freund, der ihr Ratschläge gibt. Als die Mutter nicht gesunden will und immer schwächer wird und dahin siecht , ist es der Schatten der Lola einflüstert, ihre Mutter zu erlösen. Das hat Folgen, Herr Salz steckt die neun Jährige Lola in ein Internat zu den Nonnen. Jahre später als Lola ein selbstbestimmtes Leben führt, kehrt sie nicht mehr in den Fürstenhof zurück, trotz der schrecklichen Wirren des 2. Weltkriegs, schlägt sie sich und ihre Familie durch. Bis zum Rest begleiten wir die Familie und späteren Generation d bei ihrem späteren Lebensweg, erleben mit ihnen den Kampf um den legendären Fürstenhof, der immer der Inhalt der Familie war.Zum Autor.Christopher Kloeble, nimmt uns mit auf eine schicksalshafte Zeitreise der Familie Salz, mit all ihren Schicksalsschlägen. Er erzählt von der Zeit des Krieges mit all seinen Schrecken, den Politischen Wirren, davor und danach. Die Zeit der DDR, der Beschlagnahmung, der Flucht der Familie durch ganz Deutschland . Gibt Einblicke in verletzte Seelen, besonders in Lolas so verletzliche Kinderseele. Im Zentrum der Geschichte geht es immer um den Fürstenhof, der Dreh und Angelpunkt der Familie, um den verbissen gekämpft wird. Eine Familie die im Reich der Schatten lebt. Ich muss sagen ihm ist ein ungewöhnlicher Roman gelungen, der Tiefgang und Potenzial hat. Kein Buch das man zwischen Tür und Angel lesen kann, ein Roman mit dem man sich beschäftigt, und einem fordert. Sein Schreibstil ist Klar, Bildhaft und flüssig, er reißt einem beim Lesen mit, macht neugierig wie es weitergeht und fesselt einem so an sein Buch.Mit viel Einfühlungsvermögen hat er einen großartigen Roman mit viel Historischem Hintergrund geschaffen. Eine Geschichte voller Sehnsüchte und Tragik, der den Figuren Raum gibt.„ Ein Wundervolles Historisches Familienepos „
Die Schatten der Familie Salz
Das Cover ist sehr schön, schlicht aber hübsch gemacht. Bevor es losgeht gibt es zwei Zitate über Schatten, was sehr gut zur Geschichte passt, denn Schatten spielen eine, wenn nicht sogar DIE Hauptrolle.Wie der Titel bereits verrät, geht es in dem Buch um die Familie Salz und zwar um 5 Generationen zwischen Beginn des 20. Und Beginn des 21. Jahrhunderts.In dieser Familie scheinen Probleme und labile Emotionen vererbbar zu sein, oder sind sie eher anerzogen? Das Buch zeigt wunderbar wie sehr Familie und vor allem Eltern ihre Kinder prägen. Die Geschichte wird auf diverse Weise, etwa in Briefen, Gesprächen, Rückblicken und abwechselnd von den einzelnen Charakteren erzählt, auch mal die selben Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven, was ein ganz anderes Bild auf die Charaktere wirft, gerade im letzten Teil des Buchs. Was sie gemeinsam haben, ist dass sie alle beschädigt sind, vor allem die Frauen, deswegen sind sie auch so einsam – und oft unsympathisch, aber nur weil sie so real sind. Das Ende schließt den Kreis zum Anfang und durch das ganze Buch zieht sich wie ein roter Faden das Thema der Schatten, das bringt einen guten Abschluss.Fazit:Das Buch hat sehr gut gefallen, es vermittelt eine triste Stimmung, schonungslos und ehrlich aber immer ein bisschen hoffnungsvoll.
Spannende Familiensaga
Wir tauchen ein in die Familiengeschichte der Münchener Familie Seitz. Sie zieht sich durch die deutsche Geschichte der Jahre 1914-2015. Wir lernen verschiedene Mitglieder kennen und erleben mit, wie das Hotel Fürstenhof in Leipzig erworben wird, wie es Lolas Leben ergeht, die von ihrem Vater verstoßen wird und das Grauen des 2. Weltkrieges durchlebt. Erst nach der Wiedervereinigung kehrt sie zurück. Auch die anderen Familienmitglieder werden beschrieben. Gerade für mich als Fan historischer Geschichten und gerade der deutschen Geschichte war dieses Buch auf jeden Fall ein Glücksgriff. Auch, wenn es nicht immer ganz leicht zu lesen war, ist es ein sehr anspruchsvoller Roman. Der "Schattenmythos" in diesem Buches ist etwas gewöhnungbedürftig und macht das Lesen nicht unbedingt einfacher. Aber alles in allem ein sehr lesenswertes Buch. Bin gerne eingetaucht.
Fesselnder Familienroman
„Die unsterbliche Familie Salz“ erzählt die Familiengeschichte eben jener Familie Salz vom Jahr 1914 bis zum Jahr 2027. Nach einem kurzen Prolog macht Lola Rosa den Anfang und berichtet vom Jahr 1914. Sie ist damals gerade 9 Jahre alt und mit ihr Familie von München nach Leipzig gezogen um das Hotel Fürstenhof zu übernehmen. Sie erzählt aber aus der Sicht der alten Lola Rosa, die schon seit etlichen Jahren im Koma liegt. Die Familie Salz ist zerrüttet, es herrscht eine große emotionale Kälte. Es ist eine Art Lebensbeichte, sie möchte berichten, wie es dazu kommen konnte: „Sie hören mir noch zu? Ich hoffe - um ehrlich zu sein: erwarte es! Alles, alles müssen Sie sich merken. Keine Ausflüchte! Machen Sie sich meinetwegen Notizen. Für Wiederholungen bleibt keine Zeit. Wenn meine Kinder verstehen sollen wer ich bin, müssen sie erfahren, wie alles begann.“ (S. 36)Auch wenn später andere Familienmitglieder zu Wort kommen und die Rolle der Protagonisten übernehmen: Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind immer Lola Rosa und der Fürstenhof.Der Aufbau des Romans ist sehr interessant. Jeder Abschnitt ist eine Art Lebensbericht, der meist an die Nachkommen gerichtet ist. Dabei wechselt nicht nur der Erzähler, sondern mit ihm auch der Erzählstil. Jeder Erzähler hat ganz deutlich seine eigene Stimme und Art zu erzählen. Und natürlich ist seine Sichtweise nicht objektiv. Das macht den Roman äußerst interessant zu lesen! Allerdings bringt es auch Schwierigkeiten mit sich. Nach jedem Abschnitt muss man sich erst auf den neuen Erzähler einstellen und nicht alle haben mir gleich gut gefallen. Durch den Abschnitt von Aveline Salz musste ich mich ein wenig durchkämpfen und ich war froh, als er vorbei war.Der Abschnitt, in dem Lola Rosa erzählt (gleich zu Beginn), hat mir am Besten gefallen. Ich war ganz verzaubert und habe Lola Rosa als Erzählerin das ganze Buch über ein bisschen nachgetrauert. Hier ein Beispielsatz: „In der Ferne stieg schwarzer Rauch aus Schornsteinen und vermischte sich mit dem Nachthimmel. Als würde in den Fabriken Dunkelheit hergestellt.“ (S. 51)Das große Thema des Romans habe ich noch gar nicht erwähnt: es sind die Schatten der Menschen. Aber darauf möchte ich gar nicht weiter eingehen, dass soll sich jeder selbst erlesen! Ich finde diesen „roten Faden“ der sich durch das Buch zieht, sehr gelungen.Ein richtig toller Roman, der mich sehr gefesselt hat! Genial konstruiert bis zum Schluss. Gerade die letzten paar Seiten haben einen tollen und berührenden Schlusspunkt gesetzt. Da kann ich über den etwas schwächeren Part im Mittelteil hinwegsehen und gebe trotzdem 5 Sterne. Leseempfehlung!
beeindruckend, wie unterhaltsam und tiefgründig eine familiensage sein kann
„Die Zukunft, dachte er, ist die wichtigste aller Zeiten, die Vergangenheit ist genau dort, wo sie hingehört und die Gegenwart viel zu flüchtig, aber die Zukunft, für die lohnt es sich zu leben.“Banal, aber doch wieder weise Worte. Familienromane sind auch immer ein Zeitspiegel, eine Zeitreise über verschiedene Zeiträume. Und in Deutschland müssen sich immer noch die Familienromane mit dem „Überroman“ messen. Bei diesem Roman ist der Zeitrahmen von 1914 bis in die nahe Zukunft 2027 angesetzt worden. Zwei Weltkriege umfassend und viele gesellschaftliche Veränderungen, erzählt in einem Stil, der mich schon gleich von der ersten Seite an gepackt hat. Hier wird Literatur nicht nur ausschließlich für die „Elite“ geschrieben, sondern auch für diejenigen, die Leseerfahrungen genug aufweisen können, die kein Literaturstudium absolviert haben. Einfache Dinge in eine Sprache verpackt, die so bildreich ist, so phantasievoll und doch real und verletzend verletzlich, dass beim Lesen die Bilder nur so aufploppen, das man beim Lesen gleich einen inneren Film sieht. Selbst wenn man als Leser noch nie an einem der aufgeführten Orte gewesen ist, vermittelt der Autor einem doch das Gefühl, zu dem Zeitpunkt des Lesens genau dort, an dem beschriebenen Ort zu sein. Ich habe mich nicht eine Seite lang gelangweilt oder mich über die Seiten gequält, bis es endlich wieder weiterging. Nein, bei diesem Buch war es nicht der Fall.„Die unsterbliche Familie Salz“, so heißt dieser Roman und handelt, wie der Name schon sagt, über die Familie Salz, wobei der Hauptaugenmerk auf die weibliche Linie gelegt wurde. Aber über allem liegt ein Schatten. Und dieser Schatten ist ein zentrales Thema, zieht sich durch die Seiten und ist immer an der Seite der Familie Salz, sie können ihm nicht entfliehen. Nun könnte man seitenlang darüber schwadronieren, welchen literarischen Zweck dieser Schatten erfüllen soll. Doch das würde den Rahmen einer Rezension sprengen. Einen Schatten kann man nicht ablegen, ihm nie entkommen, er ist wandelbar, manchmal nicht sichtbar, aber immer da.Die Familie Salz unterscheidet sich in nichts von dem anderer Familien. Zwei Weltkriege, dominante Mitglieder, die Unauffälligen, diejenigen, die Macht ausüben und diejenigen, die sie zu spüren bekommen. Sympathische und unsympathische Zeitgenossen. Menschen mit Ecken und Kanten (und Macken). Mit Marotten, die sie liebenswert machen. Und das alles präsentiert der Autor mit einer Sprache, die wirklich ausgefeilt ist, in der jedes Wort an der richtigen Stelle steht und der Leser gefordert wird, aber nicht überfordert. Hier wird fabuliert und gezeigt, der Leser mitgenommen auf eine Reise mit Protagonisten, die nicht vorgeführt werden, sondern gezeigt, und das nicht nur eindimensional. Eben mit allen Stärken und Schwächen. Der Erzähler zeigt und weiß, aber er überlässt es dem Leser, sich sein eigenes Urteil zu bilden. Ob man Lola nun mag oder nicht, sie konnte nie aus ihrer Haut, ihre Erlebnisse haben sie zeitlebens geprägt. Sie war wie ein Magnet, der die Familie zusammenhielt. Möchte man selbst erleben, was Lola erlebt hat? Schüttelt man nicht unweigerlich den Kopf über Avaline, ihrer Tochter? Missbilligt man nicht das Verhalten des Herrn Salz? Kennen wir nicht alle in unseren Familien solche Unikate? Gut, nun ist Literatur nicht das Leben und das Leben keine Literatur. Aber Literatur, gute Literatur, soll zeigen, soll beschreiben, und das gelingt Christopher Kloeble ganz hervorragend. So macht Lesen Spaß und man ist enttäuscht, wenn man dann auf der letzten Seite angelangt ist.Er nimmt sich immer einen kleinen zeitlichen Rahmen vor, in dem ein Mitglied der Familie im scheinbaren Vordergrund steht. Aber gleichzeitig spannt er einen großen zeitlichen und geschichtlichen Rahmen. Der erste und der zweite Weltkrieg und die unmittelbare Zeit danach, das westdeutsche Wirtschaftswunder, die deutsche Vereinigung und 25 Jahre danach. Immer wieder ändern sich die Zeiten, aber die Familienmitglieder bleiben, wie sie sind. Ach, einfach selbst lesen und abtauchen in diesem fantastischen Roman. Er unterhält aufs Beste, auch wenn das manch einer nicht hören möchte. Literatur und Unterhaltung mag für manch einen nicht zusammenpassen. Aber hier passt es. Auch wenn diesem Buch immer noch eine gewisse unterschwellige deutsche Schwere anhaften mag, so ist dieser Roman nicht so typisch deutsch. Er ist ernsthaft genug, aber auch unterhaltsam. Der Roman mag polarisieren, aber mich hat er überzeugt. „Ich glaubte, eine so schwierige wie offensichtliche Lektion gelernt zu haben: Niemand will hören, was niemand hören will.“
Schatten im Leben einer Familie
Im Wesentlichen sind es die Jahre 1914 bis 2015, in denen wir Leben und Werdegang der Münchener Familie Salz verfolgen können. Aus wechselnden Perspektiven verschiedener Familienmitglieder und – man staune – des Schattens eines von ihnen wird geschildert, wie der Erwerb des prächtigen Hotels Fürstenhof in Leipzig zum Schicksal insbesondere für die Tochter des Hauses, Lola, wird, die als tragische Figur die Protagonistin ist. Dort leistet sie als Kind ihrer Mutter Sterbehilfe, woraufhin sie vom Vater verstoßen wird. Erst nach der Wiedervereinigung betritt sie das Hotel wieder. Der Zeitraum dazwischen, insbesondere die Zeit des Zweiten Weltkrieges, ist von grauenhaftem Erleben geprägt, das Lola nie wieder von sich abschütteln kann du das noch bei ihren Kindern und Kindeskindern psychische Spuren hinterlässt.An deutscher Geschichte Interessierte werden bei der Lektüre auf ihre Kosten kommen. Vor allem die Schilderungen zum Zweiten Weltkrieg sind sehr informativ. Für Abwechslung beim Lesen sorgen verschiedene Erzählperspektiven. Die einzelnen Familienmitglieder sind recht eigenwillige Persönlichkeiten, die ihr Päckchen zu tragen haben und nicht unbedingt Sympathieträger sind. Das am meisten verwendete Substantiv dieses Romans dürfte das Wort „Schatten“ sein. Dieses Thema zieht sich variantenreich durch die ganze Geschichte. So ist z.B. die Rede von Schatten als Beweis für die Existenzen, Wegnahme von Schatten, Schattenlosigkeit, Männern ohne Schatten. Das lässt Raum für so manche Interpretation, vor allem stellt sich die Frage, welche Schatten eine Vorgängergeneration auf nachfolgende Generationen wirft. Dies führt dann auch dazu, dass das Buch recht anspruchsvoll ist. Es zu lesen lohnt sich auf jeden Fall.
Die unsterbliche Familie Salz und ihre Schatten
DIE UNSTERBLICHE FAMILIE SALZvon Christopher Kloeble erschienenim August 2016 im dtv VerlagDas Cover hält was es verspricht. Nicht nur der Glanz sondernauch die Schattenseiten begleiten die Familie Salzin ihrer über hundertjährigen Geschichte. Lola Rosa, geb. 1914 und aufgewachsen im feudalen Hotel Fürstenhof in Leipzig kämpft zeit ihres Lebens mit ihrem Schatten.Der wurde ihr später von den Nonnen ausgetrieben. Als Erwachsene hat Rosamit Männern ohne Schatten schreckliche Erlebnisse die sie ihr ganzen Lebenlang verfolgen werden. Mit dieser Angst zieht sie ihre Kinder Aveline und Kurt groß.Ihr Lebensziel ist es das Familien Hotel Fürstenhof wieder zurück zubekommen.Das wurde nach dem Tode ihres Vaters von der DDR-Regierung übernommen.Die Zeitreise durch die verschiedenen historischen Abschnitte ist mehr als gelungen.Nicht nur der Schreibstil überzeugt, sondern auch die Beschreibungen der verschiedenen Epochen.Es macht Spaß Lola-Rosa und ihre Familie durch all ihre Höhen und Tiefen zu begleiten.Christopher Kloeble ist es gelungen Zeitgeschichte aus Sicht einer Familie spannend zu Vermitteln.Es wird nie rührselig oder kitschig. Die Frage: welche Schatten werfen wirauf die Generationen nach uns? Ist mehr als berechtigt.Denn jeder Schatten kann ein Stückchen Wahrheit verraten.Das wusste schon die Urgroßmutter Rosa Salz.Unbedingt Lesen!
Pressestimmen
So packend und neu erzählt, dass es unmöglich ist, diesen Roman nicht in einem Stück zu verschlingen.... mehr weniger
Besonders effektvoll sind Kloebles böser Witz und sein schnörkelloser Ton - umso lakonischer, je sch...recklicher das Ereignis. mehr weniger
Doris Kraus, 09.10.2016
Eine grandiose Geschichte, die in sensibler und bildreicher Sprache einhundert hochdramatische Jahre... auf 440 spannenden Buchseiten bündelt - absolut lesenswert. mehr weniger
Matthias Busch, 24.09.2016
So packend und neu erzählt, dass es unmöglich ist, diesen Roman nicht in einem Stück zu verschlingen.... mehr weniger
01.09.2016
Insgesamt ist Christopher Kloeble - der schon in seinem Debütroman ›Unter Einzelgängern‹ die Struktu...r einer Familie auslotete - ein in klarer Sprache erzähltes, eingängiges Familienepos gelungen. mehr weniger
Inge Waldinger
Vielleicht wird der Roman ja auch mal verfilmt. Es wäre ihm zu wünschen.
Lucas Böhme
Es ist ein Buch zum Nachdenken mit vielen kleinen versteckten Botschaften.
Markus Eggert, 20.03.2020
Faszinierende Beschreibung eines Jahrhunderts in Deutschland mit seinen Höhen und Tiefen, in denen G...enerationen unter zwei Kriegen litten und von ihnen geprägt wurden. mehr weniger
19.12.2016
Eines meiner liebsten Leseerlebnisse im Jahr 2016.
19.12.2016
Die Geschichte ist spannend. Sie weckt Gefühle. Man fiebert mit.
15.11.2016
Eine große Familiengeschichte voller Witz und Zauber.
Olga Grjasnowa, 15.11.2016
Kloebles Stil: packend unaufgesetzt, aber immer wieder mit starken Bildern und schonungsloser, nie v...oyeuristischer Radikalität. mehr weniger
15.11.2016
Spannend und abgründig erzählt Christopher Kloeble, wie traumatische Erlebnisse auch Jahrzehnte spät...er eine Familie vergiften können. mehr weniger
15.11.2016
Wenn sie fesselnd geschrieben sind (...) verfügen Familiengeschichten über einen ganz eigenen Charme.... Christopher Kloeble hat eine solche von der Familie Salz geschaffen. mehr weniger
15.11.2016