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Buch Endstation Malma, Foto von Autor Alex Schulman und Text Über die Macht der Erinnerung und das, was wir Familie nennen.
Buch Endstation Malma, Foto von Autor Alex Schulman und Text Über die Macht der Erinnerung und das, was wir Familie nennen.
Über die Macht der Erinnerung und das, was wir Familie nennen

Endstation Malma

Ein Zug, drei Menschen und ihre miteinander verwobenen Schicksale: Nach ›Die Überlebenden‹ und ›Verbrenn all meine Briefe‹ erzählt Alex Schulman hier erneut mit großer emotionaler Wucht. Ein Familienroman über Schuld, Schweigen und die Sehnsucht, nicht allein zu sein.

Ein Zug fährt durch eine Sommerlandschaft. An Bord sind ein Ehepaar in der Krise, ein Vater mit seiner kleinen Tochter sowie eine Frau, die das Rätsel ihres Lebens lösen will. Sie alle fahren nach Malma, einen kleinen Ort, wenige Stunden von Stockholm entfernt, umgeben von Wäldern. Und keiner von ihnen weiß, wie ihre Schicksale verwoben sind und ob das, was sie in Malma erwartet, ihrem Leben nicht eine neue Wendung geben wird.

In bestechender Prosa baut Bestseller-Autor Alex Schulman seine Erzählung auf: wie einen Zug, der durch die Zeit fährt und in dem jedes Kapitel ein eigener Waggon ist, der an den nächsten angehängt wird. Lässt sich die Zukunft frei gestalten, oder ist sie durch Vergangenes vorgezeichnet?

»Ein tief bewegender Roman, der zu Herzen geht. Ein großes Leseerlebnis.« Aftonbladet 

»Mit ›Endstation Malma‹ bestätigt Alex Schulman, dass er einer der größten Erzähler unserer Zeit ist.« Ölandsbladet

Ein Roman, der unter die Haut geht - geschrieben für Leserinnen und Leser, die skandinavische Gegenwartsliteratur von psychologischer Tiefe schätzen.

  • Meisterhafte Struktur: Drei Zeitebenen, drei Perspektiven - verschränkt wie die Gleise einer Bahnstrecke
  • Transgenerationales Trauma: Geheimnisse und emotionale Kälte werden von Generation zu Generation weitergegeben
  • Poetische Präzision: Minimalistische, kraftvolle Prosa des schwedischen Bestseller-Autors
  • Emotionaler Sog: Eine Familiengeschichte, deren Auflösung lange nachhallt

 

Ebenfalls von Alex Schulman bei dtv erschienen sind:

›Die Überlebenden‹

›Verbrenn all meine Briefe‹

›Vergiss mich‹

›Jetzt beginnt das Leben‹

Bibliografische Daten

EUR 9,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-44261-9
Erscheinungsdatum: 12.10.2023
2. Auflage
320 Seiten
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Autor*innenporträt

Alex Schulman

Alex Schulman, geboren 1976, ist einer der populärsten schwedischen Schriftsteller. Sein Roman ›Die Überlebenden‹, 2021 bei dtv erschienen, wurde in 30 Sprachen übersetzt. Mit ›Verbrenn all meine Briefe‹, bei dtv 2022, gelang ihm in Schweden 2018 der Durchbruch als literarischer Autor.

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Übersetzer*innenporträt

Hanna Granz

Hanna Granz, geboren 1977, hat unter anderem Werke von Patrik Svensson, Tove Alsterdal, Johanne Lykke Holm und Tone Schunnesson ins Deutsche übersetzt.

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112 von 112 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.58 von 5 Sternen


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6 - 10 von 112 Leserstimme

herbstrose am 04.11.2023 18:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Verletzungen aus der Kindheit heilen nie

Ein Zug fährt von Stockholm nach Malma, schon seit Jahren. Es sind immer viele Menschen an Bord, doch für drei von ihnen bestimmt die Fahrt ihr weiteres Schicksal. Da ist Harriet, ein schüchternes Mädchen, das bei der Trennung ihrer Eltern beim Vater bleiben musste. Mit ihm ist sie an einem heißen Sommertag im Zug nach Malma. Sie haben einen Plan, doch Harriet ist sehr verunsichert und ängstlich. Was erwartet sie in Malma? Viele Jahre später, wieder ist es Sommer, fährt ein Ehepaar dieselbe Strecke. Es ist Oskar mit seiner Frau. Die beiden haben sich auseinander gelebt und wollen sich trennen. Es sollte die letzte gemeinsame Fahrt werden, eine Erinnerung an vergangene Zeiten und an eine große Liebe. Und wieder sind etliche Jahre vergangen. Jetzt nimmt Yana den Zug nach Malma. Im Gepäck hat sie ein Fotoalbum, ein Erbstück ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Die Bilder darin zeigen Malma, den Ort, aus dem ihre Mutter einst nicht mehr zurückgekommen ist. Yana beschließt, den Hinweisen aus dem Album zu folgen … Nach „Die Überlebenden“ und „Verbrenn all meine Briefe“ ist „Endstation Malma“ der dritte Roman des 1976 in Hemmesdynge geborenen schwedischen Autors Alex Schulman. Er studierte Film-, Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Stockholm, arbeitet als Autor, Journalist, Fernseh- und Radiomoderator und ist einer der populärsten schwedischen Schriftsteller der Gegenwart. Alex Schulman ist ein Enkel mütterlicherseits des schwedischen Schriftstellers Sven Stolpe. Seit 2010 ist er in dritter Ehe mit Amanda Schulman verheiratet, hat zwei Töchter und mit ihr einen gemeinsamen Sohn. Dem Sog dieser Familiengeschichte, die sich über Jahrzehnte erstreckt, kann man sich nicht entziehen. In klarer präziser Sprache, jedoch mit großer emotionaler Wucht, entführt uns der Autor in einen Zug, der durch die schwedische Landschaft fährt und macht uns mit den Protagonisten bekannt. Da sie zu verschiedenen Zeiten fahren weiß keiner von ihnen, wie ihre Schicksale verflochten sind und was sie in Malma erwartet. Die einzelnen Charaktere sind deutlich greifbar in ihrer Melancholie und Verzweiflung, ihre traumatischen Erlebnisse erschrecken. Die exakte Beschreibung einiger erschütternder Szenen vermittelt ein tief emotionales, aufwühlendes Leseerlebnis. Fazit: Kein Roman der Wohlbefinden auslöst, sondern eine Geschichte voller Emotionen, die traurig und bestürzt macht, und die das Gelesene noch lange nachklingen lässt.

jenvo82 am 04.11.2023 18:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Das große Schweigen oder die Einsamkeit der kindlichen Seele

Vom schwedischen Schriftsteller Alex Schulman habe ich bereits seinen Erfolgsroman "Die Überlebenden" gelesen und bin mit einer gewissen Erwartungshaltung nun an die Lektüre seines neuen Romans herangetreten. Da ich ein Faible für Familiengeschichten habe, gerne auch solche, bei denen nicht alles eitel Sonnenschein ist, konnte ich mit dieser doch eher deprimierenden Story durchaus etwas anfangen. Dennoch bleibt hier vieles Ungesagt, schwebt mehr im Hintergrund als in der tasächlichen Handlung und behält dadurch eine recht große Distanz zum Leser.MeinungDie Struktur der Erzählung empfand ich als gelungen, denn mit den klar definierten Erzählstimmen und einer überschaubaren zeitlichen Abfolge, weiß man sofort, wer hier über welchen Zeitpunkt in seinem Leben schreibt und wie der entsprechende Tenor sein wird. Alle drei Erzähler sind miteinander verwandt, sie sitzen im selben Zug und wollen an den gleichen Ort, nur zu ganz unterschiedlichen Zeiten in ihrem Leben und tragen deshalb anderes seelisches Gepäck mit sich. Der Schreibstil ist klar, objektiv und aussagekräftig - ein Roman welcher sich gut liest und in den man leicht hineinfindet.Das grundlegend deprimierende an dem Text stellt das Unvermögen der Erzählenden dar, die auf der Suche nach einer Zuflucht sind, die ihr eigenes Leben, so nicht mehr leben wollen oder können und krampfhaft in ihren Erinnerungen nach dem Punkt suchen, an dem die Welt noch in Ordnung war. Das schlimme daran ist die Tatsache, dass es allen bereits in ihrer Kindheit an einem gesunden Urvertrauen fehlte und sie stets mit dem Gedanken aufstehen, das sie weder erwünscht, noch geliebt, noch gesehen werden und das immer wieder und nachhaltig zu fast allen Zeiten ihres Lebens.Grund dafür sind die lieblosen, unvernünftigen Handlungen der Elterngeneration, die es nicht schafft, ihren Kindern dieses Urvertrauen zu vermitteln und daraus resultierend wiederrum Erwachsene, die wegen eben jener Lieblosigkeit, die sie selbst in jungen Jahren erlebt haben, später im Erwachsenenalter wieder ganz ähnliche, sträfliche Verhaltensweisen gegenüber ihren Kindern an den Tag legen. Eine Art Endlosschleife, die sich nicht durchbrechen lässt, die immer tiefere Spuren zieht und die Aussicht auf Glück in weite Ferne rücken lässt. Das große Schweigen, die Distanz zwischen Eltern und Kindern, die zerrütteten Beziehungen der Paare und ihre eigenwilligen Entscheidungen - all das sind zentrale Themen des Romans.FazitHier vergebe ich gut 4 Lesesterne, für einen einprägsamen, stillen und bedrückenden Roman, der nebenbei aufzeigt, wie fatal Lieblosigkeit auf Kinderseelen wirkt und wie bösartig sich falsche Worte in die Seele einbrennen können. Ein Apell zu mehr Achtsamkeit steckt hier in jedem Wort oder wenigstens die Vernunft, sich nicht wieder mit der Verantwortung für ein Kinderleben zu belasten, wenn man das eigene schon kaum erträgt. Gefehlt hat mir jedoch die innere Nähe, zu wenigstens einer Person des Buches - es werden hier schwache Menschen präsentiert, die aus dem negativen Gedankengut einfach nicht herausfinden und der Leser, kommt ihnen nicht näher, weil man leider schon weiß, wie wenig Änderung eintreten wird, selbst wenn die Suche nach dem Ich in der Vergangenheit einen Nachhall finden sollte.Das Ende kommmt leider viel zu abrupt und Worte können Taten nicht ungeschehen machen, können ein endgültiges Verhalten nicht mehr umwenden und die Konsequenzen tragen jene, die es nie gelernt haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Die Traurigkeit des Romans liegt nicht im Detail, sondern in einer Art Nebel, welcher sich auf 300 Seiten kaum lichtet.

petraellen am 04.11.2023 17:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

in Büchern atmen

AutorAlex Schulman „. […] in Büchern fand ich Sauerstoff. Man kann in Büchern atmen. In meiner Kindheit gab es davon leider oft zu wenig.“ Quelle: https://buechermenschen.de/interview/exklusiv-interview-mit-alex-schulman/ Der Mittelpunkt des Romanes bildet eine Zugreise von Stockholm ins fiktive Malma. Drei Menschen sind an Bord. Harriet, zehn Jahre alt, fährt mit ihrem unnahbaren, schweigsamen Vater zu einer Beerdigung. Oskar, ein etwa 35-jähriger Mann und Vater, ist mit seiner Frau unterwegs. Ihre Ehe ist in die Brüche gegangen und seine Frau will ihm noch einmal den Ort ihr Kindheit zeigen, bevor sie sich trennen. Yana, eine junge Frau, ist auf der Suche nach ihrer Mutter, die früh aus ihrem Leben verschwand. Ein Fotoalbum, das sie nach dem Tod ihres Vaters bekommen hat, soll ihr bei der Spurensuche helfen. Die Zugfahrt der drei Personen nach Malma findet nicht zur gleichen Zeit statt, sondern versetzt auf drei verschiedene Zeitebenen, 1976, 2001 und heute. Was verbindet diese drei Menschen mit dem gleichen Ziel der Reise nach Malma? Erst langsam beginnt man zu verstehen, in welchem Verhältnis die Personen zueinander stehen. Dann wird klar erkennbar, dass es sich um eine Familie handelt. Harriet wird später Oskar heiraten und nach Beendigung der Fahrt sich von ihm trennen. Yana ist die Tochter der beiden. Alex Schulmann verbindet eine Familie, von der man meint, mittendrin zu stehen in einem Familientornado. Sie sitzen in einem Zug, der das gleiche Ziel für alle ansteuert. Sie können das Gleis nicht wechseln, sie können nicht aussteigen. Der Zug gleitet durch die schwedischen Wälder, Hügel und Dörfer und je näher er seinem Ziel kommt, desto mehr Fahrt nimmt die Erzählung auf, mit einem Blick zurück in eine traumatische Vergangenheit von Verlusten, Schmerzen, Beziehungsproblemen und vieles mehr, was über Generationen hinweg weitergegeben wird. Geschickt verknüpft er Handlungsstränge und verwebt transgenerational die Zeitebenen. Die Schlüsselfigur in diesem Roman ist Harriet. Mit ihr beginnt die Erzählung. "Die Kindheit ist eine unbegreifliche Installation, genau wie ein modernes Kunstwerk. Sinnlos und überflüssig. Man möchte die ganze Scheiße am liebsten zertreten." (S. 230) Harriet hört durch Zufall das Trennungsgespräch ihrer Eltern. Beide beschließen, jeweils eine der Töchter zu sich zu nehmen. Beide wollen sie Harriets Schwester, weil sie Harriet als „schwierig" empfinden. "Wir haben nicht dieselbe Wellenlänge“ (S. 14), sagt der Vater. Bald darauf verlassen Mutter und Schwester das Haus und Harriet bleibt allein zurück mit ihrem düster wirkenden Vater. Sie versucht permanent die richtige Wellenlänge zu erwischen, doch das gestaltet sich als sehr schwierig, da der andere ihr Signal kaum wahrnimmt. Viel später taucht das Bild der Wellenlänge bei Harriets Tochter Yana wieder auf. Sie bekommt mit, wie ihre Mutter immer wieder vor sich hin beschwörend murmelt „ Du bist nicht allein. Du bist nicht allein.“ Yana verinnerlicht dieses Ereignis so stark wie eine nicht abschaltbare Frequenz. Eindrucksvoll schreibt Alex Schulmann über drei Generationen hinweg von der inneren Dunkelheit der einzelnen Protagonisten. Er beginnt seine Erzählung mit kurzen Sätzen, Parataxen, die einer Dokumentation gleichen. Im Laufe der Geschichte werden kraftvolle, oftmals atemberaubende, fassungslos machende Dialoge und Szenen entwickelt und Zusammenhänge brillant dargestellt. Die Metapher Zug vervollständigt die Ausweglosigkeit, denn keiner kann aus dem fahrenden Zug aussteigen. Es entsteht eine surreale Reise durch Zeit und Raum in Gestalt eines Traumes. Der offene Raum ist die Vergangenheit, die zwar prägt, doch sie kann verändert werden im Nachhinein durch Erinnerung und Erzählen. Die Zukunft ist unausweichlich wie der Endbahnhof der Zugreise. Fazit Der Leser/ die Leserin kommen nicht umhin, diesen Roman unter autobiografischer Sicht des Autors zu lesen. Zitat: “Ich will die Dunkelheit in mir verstehen, die dabei ist, mein Verhältnis zu meiner Familie zu zerstören.“ Schulman, der damals gerade selbst eine Familie gegründet hatte, am Anfang von "Verbrenn all meine Briefe“, macht damit ganz offensichtlich deutlich, dass es ihm nicht nur um ein autobiografisches, sondern auch um ein psychotherapeutisches Schreibprojekt geht. Und genau das ist sein Roman „Endstation Malma“. Eine Frage in einer Leserunde: „Könnte es daher rühren, dass sich Menschen mit seinen Erfahrungen oft unverstanden fühlen und er deshalb ganz sicher gehen will?“ Die Frage trifft den Kern. Er will, dass man ihn versteht.

cadoli am 04.11.2023 15:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Wohin führt die Reise?

Die 8jährige Harriet steht völlig in schwarz gekleidet am Bahnsteig gemeinsam mit ihrem Vater. Sie warten auf die Ankunft eines Zuges, wir befinden uns in den 70er.Im nächsten Kapitel September 2001 unternimmt Harriet, nun als junge Frau gemeinsam mit ihrem Mann Oskar wieder eine Zugfahrt nach Malma. Beide sind sich fremd geworden und ihre Ehe steckt in einer tiefen Krise. Jahre später, Yana, die gemeinsame Tochter von Harriet und Oskar begibt sich auf die Reise nach Malma. Nach dem Tod ihres Vaters, mit dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, möchte sie irgendwie verstehen, warum ihre Mutter sie als Kind eines Tages verlassen hat. Ihr Vater hat ihr ein Fotoalbum hinterlassen und ihre Erinnerungen an ihre Kindheit und ihre Mutter werden allmählich wieder lebendig.Zwei Frauen, und Oskar und dessen Blick auf Harriet, drei Zeitebenen - Alex Schulman erzählt nun die Geschichte abwechselnd aus der Sicht dieser Figuren.Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt, der Schreibstil ruhig und bewegend. Und während der Zug sich der Endstation nähert, verstand ich auch die große Traurigkeit und Verzweiflung von Harriet. Empathisch und authentisch beschreibt der Autor meisterlich, wie familiäre Lasten an die nächste Generation weitergegeben werden. Gesagtes oder auch das nicht Ausgesprochene kann Menschen zeitlebens beeinflussen.Fazit: Lesenswert - berührender Roman, der lange in Erinnerung bleibt und zum Nachdenken anregt

lesereien am 04.11.2023 15:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Kleine und große Verschiebungen

Eine Zugstation. Malma. Dahin führen die Wege von Harriet, Oskar und Yana. Sie führen zum Unausgesprochenen, zu dem, was zwischen den einzelnen Familienmitgliedern steht und Distanz zwischen ihnen schafft. Alex Schulman erzählt in "Endstation Malma" von Familie und von Eltern-Kind-Beziehungen, die sich fernab von Klischees und Idealen bewegen. Vielmehr stehen das Dysfunktionale und Schmerzhafte im Vordergrund. Schulman zeigt, was Familie aus uns machen kann, wie sich Lieblosigkeit und fehlende Wärme und Nähe in uns festsetzen und unser gesamtes Leben mitbestimmen können. "Wann weiß man, dass man ein Kind verloren hat? Wahrscheinlich gibt es keinen festen Zeitpunkt, so etwas geschieht schrittweise, kaum spürbare, merkwürdige kleine Verschiebungen."Eigentlich mag ich Geschichten nicht, in denen es um Familiengeheimnisse geht. Aber Alex Schulmans "Die Überlebenden" hatte mich so begeistert, dass meine Neugier groß war. Und Schulman kann erzählen! Das zeigt sich auch in diesem Roman. Seine Figuren sind vielschichtig, die Konstellationen zwischen ihnen bestehen aus zahlreichen Graustufen. Trotzdem hat der Roman teilweise etwas konstruiert auf mich gewirkt. Besonders die Verbindungen und Übergänge zwischen den Zeitebenen fand ich zu romanhaft. Dafür nimmt die Geschichte am Ende aber Fahrt auf und das Zusammenfügen der Puzzleteile ist für mich wieder sehr stimmig gewesen. Eine tiefsinnige und nachdenklich stimmende Lektüre also, die sprachlich überzeugt. Schulmans "bisher bestes Buch", wie auf der Rückseite abgedruckt, ist der Roman jedoch für mich nicht.

violettera am 04.11.2023 15:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Verstörende Erlebnisse

In kurzen Sequenzen erzählt Alex Schulmann Geschichten einer Kleinfamilie über drei Generationen. In Zeitsprüngen, vor und zurück, erkennen wir allmählich die Struktur der Familie, erst Vater, Mutter und zwei Töchter; Vater und jüngere Tochter; Vater, Mutter und Tochter der nächsten Generation; auch dort schließlich Vater und Tochter. Alle fahren sie irgendwann zur Endstation Malma, und erst spät verstehen wir die Zusammenhänge. Durchgängig herrscht eine beklemmende, teils verstörende Stimmung. Schmerzhafte Erlebnisse prägen die Protagonisten, besonders die Töchter und ihre Väter. Vieles bleibt zwischen ihnen unausgesprochen, quält sie im Verborgenen. Die Kommunikation ist gestört. Die Töchter erleben den Verlust der Mutter, in der Folge Angst, Gefühlskälte, Einsamkeit. Das prägt sie für ihr Leben. Bedeutungsgeladene Motive ziehen sich durch den Roman, wie die Zugfahrt und ihr düsteres Ende, Fotografien, der einsame Adler als Lieblingsmotiv des fotografierenden Vaters, das Reinigen und Ordnen der Objektive, das grausame Schicksal eines geliebten Haustiers. Der Roman bleibt spannend bis zum Ende. Er ist meisterhaft erzählt, aber schwer zu verdauen.

goldwoman am 04.11.2023 09:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Generationskonflikte

Das Buch "Endstation Malma" wurde von Alex Schulman geschrieben. Dieser Autor war mir bereits bekannt und ich wollte schon länger etwas von ihm lesen. Das Buch umfasst 320 Seiten und doch geht es in die Tiefeund bleibt im Gedächtnis.Inhaltlich befindet man sich in diesem Buch in einem Zug und zwar nach Malma. Dieser Ort in Schweden ist so klein, dass man ihn nicht weiter kennen muss und genau das soll in diesem Buch so sein. Es vermittelt einen leicht trostlosen und auch ruhigen unaufgeregten Eindruck. In diesem Zug sitzen die drei Hauptfiguren aus unterschiedlichen Generationen: Oskar, ein Mann mittleren Alters, Harriet, ein 8-jähriges Mädchen und Yana. Und doch passiert so viel und geht in den Köpfen der Figuren vor.Dies ist für mich auch das besondere dieses Buches. Man hat das Gefühl, die Personen von außen zu betrachten und doch genau in den Kopf und ihre Gedanken hinein zu schauen. Dies schafft der Autor wirklich sehr gut.Über das Ende dieses Buches mag ich nicht allzu viel schreiben, weil es den Leser doch irritieren kann und vielleicht Geschmacksache ist.

aischa am 03.11.2023 19:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Von der Verletzlichkeit des Kindes

Der schwedische Literaturstar Alex Schulmann bleibt auch in seinem neuesten Roman seinem zentralen Thema treu, nämlich gestörten familiären Beziehungen. Diesmal schreibt er aus drei Perspektiven: Aus der einer kleinen Tochter, die nach der Trennung der Eltern beim Vater bleibt und um dessen Aufmerksamkeit buhlt. Aus der eines Mannes, der sich in einer Ehe findet, die auf einer Lüge fußt. Und auf der einer jungen Frau auf Spurensuche nach ihrer Mutter. Alle sind unterwegs in einem Zug von Stockholm ins fiktive Malma.Schulmann versteht sein Handwerk, geschickt verknüpft er Handlungsstränge und verwebt Zeitebenen und fordert dabei seine Leserinnen und Leser. Aber ich habe es sehr genossen, die literarischen Puzzleteile nach und nach zu einem Bild zusammen zu setzen. Der Roman vermittelt meisterlich, wie bedrohlich das Ende der Ehe der Eltern für Kinder sein kann. Etwa wenn die kleine Harriet ungewollt mit anhören muss, wie ihre Eltern die Geschwister untereinander aufteilen und kein Elternteil sie haben möchte. Letztlich verschwindet die Mutter mit ihrer großen Schwester, und Harriet bleibt beim Vater zurück. Einem Vater, der in Selbstmitleid versinkt und der aufhört, ein Vater zu sein.Mit viel psychologischem Feingefühl und erzählerisch kunstvoll stellt Alex Schulman die große Frage, wie sehr die Zukunft von der Vergangenheit bestimmt ist. Lesenswert!

nathalielamieux am 03.11.2023 14:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Empathie gefordert

Zuletzt las ich von Alex Schulman „Die Überlebenden“ und war begeistert. Nun landete „Endstation Malma“ vom Spezialisten für dysfunktionale Familien auf meinem Lesestapel. Erneut widmet er sich thematisch der transgenerationalen Weitergabe von Traumata, die mit einer gewaltigen Kraft von den Eltern auf die Kinder übergehen und auch deren Leben bestimmen. Das Buch widmet sich Fragen wie „Wann verliert man sein Kind?“ oder „Ist die Vergangenheit festgeschrieben und die Zukunft offen – oder verhält es sich gerade anders herum?“ Doch was passiert im Buch?Die achtjährige Harriet sitzt mit ihrem Vater im Zug, ohne zu wissen, wo es genau hingeht. Während der Vater seine Kamerautensilien dabei hat, um die Gegenwart festzuhalten, trägt Harriet ihre Malsachen – und eine Urne. Ebenfalls in einem Zug sitzen Oskar und seine Ehefrau. Zwischen ihnen herrscht mittlerweile nur noch Schweigen. Sie hatten sich auf einer denkwürdigen Zugfahrt mit dem gleichen Ziel kennengelernt. Yana fährt ebenfalls Zug, alleine und gedankenverloren blätternd in einem Fotoalbum. Alle haben das gleiche Ziel: Malma. Einem Ort, der für jeden von ihnen eine eigene Bedeutung hat.Der Leser folgt den Protagonisten, die miteinander verwoben sind und fällt mir ihnen in einen Abgrund aus Hilf- und Lieblosigkeit. Gewollt macht Schulman es den Lesenden nicht leicht, die Zeit- und Personenebenen geraten immer mal wieder durcheinander genauso wie Vergangenheit und Zukunft. Manche Szenen sind hart und drastisch, manche brauchen alle Empathie, die ein Mensch zu geben bereit ist. Zum Ende hin wird das Tempo schneller, die Kapitel kürzer, beinahe wie in einem Thriller möchte man nun unbedingt die Zusammenhänge erfahren und verstehen können. Und dann lässt es einen atemlos zurück…Das Buch schließt positiv, was ich persönlich sehr gut finde, es verändert den Blick auf eine der Figuren und verleiht zusätzliche Tragik. Mein Fazit: Wieder einmal ein äußerst lesenswertes Buch von ihm, dass das Menschliche seziert wie kaum ein anderes. Lohnt sich!

annasbookdiaryy am 03.11.2023 12:11 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Ein aufwühlender Familienroman

Dieses Buch beginnt in einem Zug Richtung Malma. Wir treffen auf drei Konstellationen, zum einen haben wir eine Tochter namens Harriet mit ihrem Vater, er wollte sie nach der Trennung mit seiner Frau nicht bei sich behalten, genauso wie wenig die Mutter. Sie wünscht sich, eine engere Beziehung zu ihrem Vater. Dann sitzen Oskar und seine Freundin im Zug, die versuchen, ihre eigentlich schon kaputte Beziehung zu retten, und eine junge Frau, die mit ihrem eigenen Körpergewicht nicht im reinen ist, und ständig komische Blicke von anderen Menschen empfängt. Ihr Vater ist vor kurzem verstorben und sie versucht nun, ein Geheimnis zu lüften. Sie alle haben einen Grund, warum sie in diesem Zug nach Malma schicken, und sie merken erst spät, das die Vergangenheit sehr häufig in die Gegenwart mit einspielt. Dieses Buch hat es geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen, und mich aufzuwühlen, letzteres aber im positiven Sinne. Alex Schulman schafft es, über Familienprobleme und Familiengeschichten so intensivzu berichten, als wäre es wirklich passiert. Obwohl es drei verschiedene Geschichten sind, binden sie sich um Laufe des Textes zur einer großen.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung
Schulman findet jedes Mal einen neuen erzählerischen Trick, der die Texte in eine strenge Form bring...t und ihnen dadurch einen Sog gibt, wie man das eher von Stephen-King-Büchern kennt. mehr weniger

Alex Rühle, 21.10.2023

Freundin
Meisterhaftes Familienporträt, aufwühlend und schonungslos.

19.10.2023

ensuite
Verstörend und schmerzhaft und wahnsinnig gut geschrieben.

01.02.2024

Freie Presse
Schulman verwebt die Zeit, die einzelnen Personen und die jeweiligen Ereignisse auf wunderbare Weise.... Wenn man nach den ersten Kapiteln als Leser begreift, dass dieser Zug einer durch die Zeit ist, wird das Lesen zum Sog. mehr weniger

Ute Krebs, 23.12.2023

Nürnberger Nachrichten
Schulmans Roman ist berührend und geht tief. Er zeigt, dass Traumata über Generationen vererbt werd...en und dass Worte manchmal heilen könnten. mehr weniger

07.12.2023

diepresse.com
Intensiv, beklemmend und mitreißend.

06.12.2023

Münchner Kirchenzeitung
Allen, die emotionale Wucht beim Lesen lieben, ist diese Geschichte unbedingt zu empfehlen!

Ina Winkler, 03.12.2023

Lift Stuttgart
Alex Schulman hat mich mit seiner Schreibweise und der Art, Geschichten verweben zu lassen, völlig g...eflasht. mehr weniger

Yannic Skoko, 01.12.2023

rbb Radio 3
Ein kleines literarisches Meisterstück.

Frank Dietschreit, 27.11.2023

Schweriner Volkszeitung
Viele Bücher sind über das Drama des ungewollten Kindes geschrieben worden. Über den Mangel an Liebe..., der ein Leben lang nicht kompensiert werden kann. Aber selten bringt jemand das so auf den Punkt wie Alex Schulman. mehr weniger

Welf Grombacher, 18.11.2023

Hörzu
Ein anspruchsvoller, aber lohnender Roman aus Schweden.

03.11.2023

Die Presse am Sonntag
Intensiv, beklemmend und mitreißend: Ein Buch, das einen so schnell nicht loslässt.

29.10.2023

WDR 5, Scala
Ein starker Roman für alle, die wissen, dass man in die Vergangenheit schauen muss, um die Gegenwart... besser zu verstehen. mehr weniger

Theresa Hübner, 17.10.2023

buchszene.de
Ein tief bewegender, sehr wahrer Roman. Ein elegant geschriebenes Stück Literatur, das zu Herzen geh...t, mit dem Alex Schulman einmal mehr beweist, dass er einer der wichtigsten schwedischen Erzähler ist. mehr weniger

16.10.2023

Buchkultur
Große Gefühle, großartig in Szene gesetzt.

Dagmar Kaindl, 01.10.2023

mitvergnuegen.com
Die perfekte Lektüre, wenn ihr selber gerade eine lange Zugfahrt vor euch habt.

18.09.2023