Eine junge Frau erwacht eines Tages in einem anderen Leben: nicht mehr in der Stadtwohnung mit ihrem Partner, nein, im Heimatdorf mit ihrer Jugendliebe und Baby. Wäre ihr Leben etwa so verlaufen, hätte sie die eine entscheidende Abzweigung nicht genommen?
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Im Leben nebenan
Eines Morgens erwacht Toni nicht wie gewohnt neben ihrem langjährigen Freund in ihrer kleinen Altbauwohnung, weil die Dielen knarren und die Nachbarn viel zu laut sind. Nein. Zu ihrer Verwunderung befindet sie sich in einer großzügig geschnittenen Wohnung. Alles hell, ordentlich, teuer eingerichtet. Und der Blick aus dem Fenster? Seltsam vertraut. Antonia versteht: Sie ist wieder in dem Dorf ihrer Kindheit. Nach und nach erfährt sie, dass sie hier ein beschauliches Leben führt, bürgerlich geordnet, mit Auto vor der Tür, Schwiegermutter nebenan und Kind auf dem Schoß. Kind auf dem Schoß? Antonia kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ist das etwa ihr Baby? Und der Vater dazu? Offenbar ihre erste große Liebe – ein Mann, den sie nie ganz vergessen konnte.
Anne Sauer erzählt davon, wie das eigene Leben verlaufen könnte, hätte man die eine entscheidende Abzweigung nicht genommen. ‹Im Leben nebenan› spiegelt zwei Lebensszenarien einer jungen Frau, erzählt im Wechsel von zwei Versionen eines Lebens und nimmt dabei mit gebotenem Humor, Gefühl und Leichtigkeit den Horror von gewollter und ungewollter Mutterschaft in den Blick: das große Glück mit Kind, aber auch: ohne Kind zu leben.
»Anne Sauer kann amüsant, witzig, berührend und mit unerwarteter Melancholie davon erzählen, was im Leben so alles schiefläuft« Christine Westermann
»Anne Sauer zu lesen ist wie Serie schauen: mitreißend und süchtig machend!« Ruth-Maria Thomas
»Mit beeindruckender Konsequenz, Einfallsreichtum und Verve verwebt Anne Sauer beklemmend und präzise, abgründig und soghaft ein Frauenleben mit und ohne Kind. Dieses Buch erzählt berührend und sehr überraschend von Sehnsucht, Freiheit und Zumutung.« Maria-Christina Piwowarski
Bibliografische Daten
7. Auflage
Anne Sauer
Anne Sauer (*1989) lebt als freie Autorin und Moderatorin in Hamburg. Sie ist Teil von Literaturjurys und empfiehlt seit vielen Jahren aktuelle Gegenwartsliteratur, u. a. im Podcast ›MONATSLESE‹ oder als @fuxbooks auf Instagram. 2024 erschien ihr viel beachtetes Essay über Taylor Swift. ›Im Leben nebenan‹ ist ihr Romandebüt, mit dem sie direkt auf der SPIEGEL-Bestsellerliste einstieg und für den aspekte-Literaturpreis sowie den Harbour-Front-Debütpreis nominiert war.
2 - 10 von 175 Leserstimme
Eine Frau und zwei Lebenswege
Inhalt siehe Klappentext.Content Note:Fehlgeburt, unerfüllter Kinderwunsch, WochenbettdepressionMeinung:Der bildhafte Schreibstil liest sich leicht und flüssig, die Seiten fliegen nur so dahin. Das Buch ist aus der dritten Erzähl-Perspektive von Toni (ohne Kind) und Antonia (mit Kind) geschrieben, so dass man ihre Gedanken und Gefühle hautnah miterleben kann.Die authentischen und sympathischen Charaktere sind mit ihren Stärken und Schwächen sowie Gefühlen sehr gut dargestellt und beschrieben worden, so dass ich nicht anders konnte, als mit ihnen mitzufühlen, mitzufiebern und mitzuleiden. Die Nebencharaktere sind gut bis sehr gut dargestellt worden und runden die Geschichte sehr gut ab.Toni (ohne Kind) wacht eines Tages mit einem Baby im Arm auf und ist mit ihrer Jugendliebe Adam verheiratet. Die Autorin wirft die „Was wäre wenn“ - Frage auf, wie wäre das Leben verlaufen, wenn man sich anders entschieden hätte und lässt uns das mit ihren Protagonistinnen Toni/Antonia miterleben. Sie zeigt aber auch auf, wie unterschiedlich das Leben ist, welche Vor- und Nachteile das jeweilige Lebensmodell hat und mit welchen Ansprüchen und Erwartungshaltungen Frauen konfrontiert werden.Hörbuch (ungekürzt):Die Sprecherin Chantal Busse hat für mich die Geschichte von Toni und Antonia zum Leben erweckt. Es war sehr angenehm ihr zuzuhören und leicht dem Erzählfluss zu folgen. Die verschiedenen Stimmen der Personen hat sie so gut betont und dargestellt, dass sie für mich erkennbar/zuzuordnen waren. Ein berührender Roman über eine Frau und ihre zwei Lebenswege, der zum Nachdenken anregt, so dass es großartige 5 von 5 Sternen gibt und eine Lese- bzw. Hörempfehlung.Fazit:Ein berührender Roman über eine Frau und ihre zwei Lebenswege, der zum Nachdenken anregt. Lese- bzw. Hörempfehlung.
Sehr empfehlenswert
Anne Sauer erzählt in "Im Leben nebenan" von zwei verschiedenen Lebensrealitäten einer Frau. Zum einen ist da Toni, die mit ihrem langjährigen Freund in der Großstadt in einer gemütlichen Altbauwohnung lebt und seit mehreren Jahren versucht, ein Kind zu bekommen. Zum anderen ist da Antonia, die plötzlich als Mutter eines Neugeborenen aufwacht. Sie lebt mit ihrer Jugendliebe in einem Haus in ihrem Heimatdorf und muss sich in der neuen Rolle als Mutter zurechtfinden.Ich brauchte ein paar Seiten, um mich auf Toni und Antonia einlassen und sie vor allem unterscheiden und einordnen zu können. Den Ansatz, verschiedene Möglichkeiten des Lebensverlaufs zu zeigen, finde ich grandios. Dass ein Kinderwunsch, der Wunsch nach Kinderlosigkeit oder ungewollte Kinderlosigkeit vor allem für Frauen ein großes Thema ist und oft verbunden ist mit einem "was wäre wenn", ist völlig klar. Daher fand ich es faszinierend und sehr berührend zu lesen, wie Toni und Antonia reagieren, welche Entscheidungen sie treffen und wie sie mit getroffenen Lebensentscheidungen wahrgenommen werden und wie sie sich selbst in ihren Rollen wahrnehmen.Erzählt wird wechselnd aus Tonis und Antonias Perspektive, sodass auch bei den Leser*innen ein steter Wechsel zwischen den Figuren, Lebensumständen und Mindsets erfolgt. Ich denke, dass sich fast alle Leserinnen mit Toni und/oder Antonia identifzieren können, sich selbst schon häufiger mit den Fragen zu Mutterschaft und gesellschaftlichen Erwartungen auseinandersetzen mussten. Daher bietet Anne Sauer neben einer humorvollen und sehr anschaulichen Erzählung auch viel Identifikationspotential und hat mich immer wieder innehalten und nachdenken lassen.
Was wäre wenn...
Toni lebt mit ihrem Partner in einer Stadtwohnung und versucht schwanger zu werden. Eines Tages erwacht sie in einem anderen Leben: in einem unbekannten großen Haus, in dem Dorf ihrer Kindheit, verheiratet mit ihrer Jugendliebe und einem Baby auf dem Schoß. Wir bekommen in diesem Roman aus diesen zwei Perspektiven erzählt welchen anderen Verlauf das eigenen Leben hätte nehmen können, hätte man an einem Punkt eine andere Entscheidung gefällt.Anne Sauer nimmt uns hier auf ein interessantes Gedankenexperiment mit. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen und beschreibt die inneren Konflikte in beiden Lebenslagen. Insgesamt wirkt Toni jedoch in beiden Situationen eher bedrückt und deprimiert, was sich auf den Leser überträgt. Der Hauptfokus liegt sehr stark auf dem Thema Muttersein bzw. keine Kinder bekommen zu können und wie die Gesellschaft damit umgeht. Ich hätte mir in diesem `was-wäre-wenn´ auch einen Blick auf andere Gesichtspunkte des Lebens gewünscht. Auch bleibt die Frage warum dies alles überhaupt passiert unbeantwortet. Trotzdem hat mich das Buch zu einigen interessanten Gedanken gebracht, daher 3,5 Sterne.
Ein vielversprechendes Debüt
MEINE MEINUNGAnne Sauers Debütroman „Im Leben nebenan“ entfaltet ein faszinierendes, vielschichtiges Gedankenexperiment über die Kraft unterschiedlicher Lebensentwürfe und deren Einfluss auf unser persönliches Glück und Selbstverständnis. Eindrucksvoll beleuchtet sie das bedeutsame Thema Mutterschaft und Selbstbestimmung sowie die verschiedenen Facetten des Frauseins in einer Gesellschaft, die immer noch klare und teilweise widersprüchliche Erwartungen an Frauen stellt.Im Mittelpunkt steht die 30-jährige Toni, die in einer langjährigen Beziehung lebt und ein scheinbar erfülltes Großstadtleben führt – wäre da nicht der fortwährende Schatten eines unerfüllten Kinderwunsches, der ihren Alltag zunehmend trübt. Eines Morgens findet sie sich jedoch nicht mehr in ihrer gewohnten Realität wieder, sondern im „Leben nebenan“ in einer anderen Version ihrer selbst. Als Antonia lebt sie in ihrem Heimatdorf, ist mit ihrer Jugendliebe Adam verheiratet und Mutter eines Neugeborenen - jedoch ohne Erinnerung an ihr früheres Leben.Sauer erzählt in parallelen, sich abwechselnden Handlungssträngen von Toni und ihrer alternativen Lebensversion Antonia, lässt uns schrittweise in zwei Welten eintauchen und schafft so atmosphärisch dichte Einblicke in die vielfältigen Herausforderungen beider Lebensrealitäten. Dabei gelingt ihr eine differenzierte und glaubwürdige Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, Krisen, Wünschen und Zwängen von Mutterschaft und Kinderlosigkeit, traditionellen Rollenbildern und modernen Partnerschaften – stets frei von Verklärung oder Überdramatisierung. Dabei rückt der Roman zugleich universelle Fragen nach Identität, Entscheidungsfreiheit und Selbstakzeptanz in den Fokus. Durch die gelungene Gegenüberstellung von zwei Lebensentwürfen ohne eine Wertung wird die Kluft zwischen dem realen und dem möglichen Leben zum Spiegel, in dem Wunsch und Wirklichkeit, Herausforderungen und schöne Momente auf eindrückliche Weise miteinander konkurrieren.Die Autorin hat mit Toni und Antonia zwei glaubwürdige und, lebensnahe Charakteren geschaffen. Sauer gelingt es hervorragend, die inneren Konflikte und ambivalenten Emotionen der Protagonistinnen lebendig werden zu lassen. Indem sie uns tief in die Gedankenwelt der beiden Frauen eintauchen lässt, macht sie ihren Alltag im Spannungsfeld von Erschöpfung, Überforderung und tiefer Verunsicherung sehr nachvollziehbar. So erhalten wir bewegende und tiefgründige Einblicke in weibliche Lebenswirklichkeiten.Mit Feingefühl erkundet Sauer außerdem den oft unterschwelligen Druck gesellschaftlicher Normen und wirft behutsam die Frage auf, wie sehr sich persönliches Glück von den Vorstellungen anderer unterscheiden kann.FAZITEin vielschichtiger und berührender Debüt-Roman, der zum Nachdenken über die Komplexität von Lebensentscheidungen und die Vielschichtigkeit von Mutterschaft anregt und dazu ermuntert, das individuelle Glück jenseits gesellschaftlicher Schablonen zu suchen.
Wow.
Was für ein Pageturner. Toni, die Protagonistin, wünscht sich ein Kind, aber es will einfach nicht klappen.Parallel dazu läuft die Geschichte von Antonia (derselben Person), die eines Tages in einem Leben mit Mann, Haus und neugeborenem Kind aufwacht und das alles unbedingt loswerden will. Ich kenne beide Perspektiven und beide sind so wahr, dass es weh tut. Mutterschaft macht kinderlose Frauen meist unglücklich, weil sie ab einem bestimmten Alter wie eine erdrückende Erwartung stets präsent ist. Mutterschaft macht Mütter meist unglücklich, weil durch das Gebären die Erwartungen keineswegs aufhören, sondern Frauen mit voller Wucht von allen Seiten überrollen. Abwechselnd lesen wir von den beiden Versionen eines Lebens, das den Protagonistinnen keine Erfüllung schenkt. Vielleicht sollte also die Grenze zwischen Müttern und kinderlosen Frauen nicht mehr gezogen werden, denn wir sind alle vereint dadurch, dass uns das Patriarchat kollektiv unterdrückt und wir scheinbar nie gut genug sind. Das Buch liest sich wahnsinnig geschmeidig, ist auch sehr unterhaltsam und ich empfehle es wirklich ALLEN, insbesondere auch Männern, denen diese Perspektive auf Weiblichkeit die Augen öffnen sollte. Die Männer an Tonis und Antonias Seite sind hier übrigens nicht "die Bösen": sie tun eigentlich alles, was sie tun sollten, sind lieb und bemüht und blicken doch nicht in ihre Partnerinnen hinein. Das macht das Buch für mich so vielschichtig, es sucht keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme und ist trotz der schweren Themen eine leichte Lektüre.
Augenöffnend, ehrlich, intensiv: Im Leben nebenan
🫧𝘈𝘭𝘭𝘦 𝘸𝘰𝘭𝘭𝘵𝘦𝘯, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘴𝘪𝘦 𝘒𝘪𝘯𝘥𝘦𝘳 𝘸𝘪𝘭𝘭. 𝘈𝘣𝘦𝘳 𝘯𝘪𝘦𝘮𝘢𝘯𝘥 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘴𝘪𝘦 𝘥𝘢𝘳𝘢𝘶𝘧 𝘷𝘰𝘳𝘣𝘦𝘳𝘦𝘪𝘵𝘦𝘵, 𝘬𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘒𝘪𝘯𝘥𝘦𝘳 𝘣𝘦𝘬𝘰𝘮𝘮𝘦𝘯 𝘻𝘶 𝘬𝘰̈𝘯𝘯𝘦𝘯. ⁽ᵁᴺᴮᴱᶻᴬᴴᴸᵀᴱ ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ⁾💭 𝘐𝘮 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘯𝘦𝘣𝘦𝘯𝘢𝘯 von Anne Sauer hat mich wirklich positiv überrascht. Der Roman spielt geschickt mit der Idee von Parallelwelten und stellt uns zwei Leben gegenüber: einmal Toni, kinderlos, und in einer anderen Realität Antonia, plötzlich mit Kind.Besonders intensiv war für mich Kapitel 3 aus Tonis Perspektive, in dem es um Kinderwunsch geht. Diese Seiten haben mir für einen Moment den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich musste das Buch zur Seite legen und tief durchatmen. Selten habe ich so viele Sätze hintereinander gelesen, bei denen jeder einzelne ins Herz trifft. Hier legt die Autorin ungeschönt die Wahrheit offen. Doch auch Antonias Leben auf der „anderen Seite“ ist alles andere als einfach. Über Nacht findet sie sich als Mutter wieder. Ohne Vorbereitung, ohne Gewöhnung. Natürlich ist sie verwirrt, fremd im eigenen Leben und agiert manchmal befremdlich. Aber sie versucht, Fuß zu fassen, lernt nach und nach, was es heißt, Mutter zu sein, und mit welchen Problemen und Verantwortungen das einhergeht. Dabei wird ihr schmerzhaft klar:𝘞𝘦𝘴𝘩𝘢𝘭𝘣 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦 𝘴𝘪𝘦 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘨𝘦𝘯𝘢𝘶 𝘩𝘪𝘯𝘨𝘦𝘩𝘰̈𝘳𝘵, 𝘮𝘪𝘵𝘨𝘦𝘴𝘤𝘩𝘳𝘪𝘦𝘣𝘦𝘯, 𝘢𝘭𝘴 𝘴𝘪𝘦 𝘪𝘩𝘳 𝘦𝘳𝘬𝘭𝘢̈𝘳𝘵𝘦𝘯, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘪𝘯 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘸𝘪𝘳𝘬𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘬𝘰𝘮𝘱𝘭𝘦𝘵𝘵 𝘷𝘦𝘳𝘢̈𝘯𝘥𝘦𝘳𝘯 𝘸𝘪𝘳𝘥Anne Sauer gelingt es hier, ein sensibles und gleichzeitig kraftvolles Bild davon zu zeichnen, was es bedeutet, Frau zu sein. Sie thematisiert die bohrenden Fragen nach dem Kinderkriegen, die verletzenden Gespräche, wenn man selbst vielleicht nie Mutter wird, aber auch die Verantwortung, die plötzlich auf einem lastet, wenn man es ist. Manche mögen sagen, das Buch sei zu negativ. Aber ich finde: nein! Dieses Buch ist nicht für diejenigen geschrieben, die die Situation selbst kennen, sondern für alle anderen, um ihnen die Augen zu öffnen. Denn das sind durchaus Gedanken, die man in den jeweiligen Situationen hat. Es darf wehtun, es soll den Finger in die Wunde legen. Denn das Leben ist kein Ponyhof, kein endloses Konfetti und nicht jede Geschichte endet mit einem Happy End. Für mich ist 𝘐𝘮 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘯𝘦𝘣𝘦𝘯𝘢𝘯 ein starkes, augenöffnendes Buch. Es zeigt, wie facettenreich weibliche Lebensrealitäten sind, ohne zu beschönigen, aber mit viel Gefühl. Ganz große Leseempfehlung! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Ein anderes Leben
"Im Leben nebenan" ist eine Geschichte über das "was hätte sein können", das man sich doch so häufig im Leben fragt. Was wäre, wenn ich den Job angenommen hätte, in einer Situation mehr Mut gehabt hätte, diese oder jene Entscheidung anders getroffen hätte. Der Bestseller "Die Mitternachtsbibliothek" basiert auf dieser Überlegung und doch ist dieses Buch anders erzählt. Die Protagonistin, die ja eigentlich keine Kinder wollte, wacht eines Tages in einer fremden Wohnung auf, in einem fremden Leben, mit einem nicht fremden Mann aber ihrem Ex-Freund, und mit einem Baby. Parallel dazu wird das andere, eigentliche, Leben der Frau erzählt, ohne Baby, andere Lebensumstände, anderer Partner. Die Geschichte springt hin und her zwischen den beiden Leben und gibt nicht vor, welches das richtige oder bessere wäre, sondern überlässt diese Gedanken ganz uns.
Das andere Leben
Eines morgens erwacht Toni nicht in der kleinen, hellhörigen Altbauwohnung in der Stadt mit ihrem Freund Jakob, sondern in einem grossen, hellen, neu gebauten Haus. Sie scheint ein Kind zu haben, eine Tochter. Sie hat keine Ahnung was passiert ist. Offensichtlich hat sie in „diesem Leben“ ihren Freund aus der Schule geheiratet. Die beiden wohnen mit ihrer Tochter in dem Dorf in dem sie aufgewachsen sind. Toni versucht verzweifelt, in ihr altes Leben zurückzukehren…Abwechselnd wird aus Tonis (altes Leben) und Antonias (neues Leben mit Kind) Perspektive erzählt. Toni hatte ursprünglich einen Kinderwunsch mit Freund Jakob, aber irgendwann realisiert, dass ein Kind gar nicht das ist was sie eigentlich möchte. Antonia ist gebeutelt von postpartaler Depression, hat alles um die Geburt und vorher vergessen und kennt ihren Partner nicht (mehr). Die Idee ist richtig gut und es ist spannend umgesetzt. Dennoch fand ich den Text zum Teil etwas flach und hätte mir von den Protagonisten noch etwas mehr Tiefe erhofft.
Was wäre wenn...
…wir die Möglichkeit hätten noch ein anderes Leben zu leben. Das haben sich bestimmt schon viele gefragt. Genau das passiert Antonia als sie eines Tages mit einem Baby erwacht und feststellt, dass sie mit ihrer Jugendliebe Leo verheiratet ist und in ihrem Heimatort lebt. In ihr altes Leben mit Jakob scheint sie nicht mehr zurückkehren zu können. Wir lernen diese Frau als Toni kennen, wenn sie von ihrem kinderlosen Leben mit Jakob erzählt und als Antonia in ihrem Leben mit Leo und ihrer Tochter Hannah. Aber vor allem habe ich die zwei Leben jeder Frau kennengelernt und die Entscheidung für oder gegen ein Kind, bzw. das Problem, das Hoffen und Bangen eines unerfüllten Kinderwunsches. Die Autorin hat es mit einer wunderbaren Sprache geschafft Antonia/Toni mit Leben zu erfüllen und sie mit und ohne Kind genau zu beobachten und zu beschreiben. Egal ob es ein Urlaub am Meer ist oder ein Einkauf in einem Drogeriemarkt. Dabei verstand sie es die Menschen sehr gut zu beobachten. Hierdurch ist es ihr gelungen diese beiden Leben, bzw. die Lebensentwürfe mit allen ihren Vor- und Nachteilen, aber auch den Schönheiten des Augenblicks und deren Mängeln zu erzählen. Es war schön mit Antonia zu erleben, wie sie die neuen Aufgaben mit Baby bewältigt und ebenso traurig Toni während ihrer Zeit in der Kinderwunschklinik zu begleiten.Ich mochte beide Personen sehr gerne und konnte mich sehr gut in ihre Situation versetzen. Die Geschichte war zwar manchmal ein wenig bedrückend, es gab jedoch auch immer wieder schöne und hoffnungsvolle Szenen. Besonders mochte ich die Protagonistin jedoch, weil sie nie aufgab und immer nach vorne schaute.Diesen Roman empfehle ich sehr gerne weiter, weil es die Autorin geschafft hat, sehr detailliert und präzise das Leben einer Frau aus zwei Sichtweisen zu schildern.
Wirklich toll, aber leider etwas zu viel Drama-Potpourri
Auch wenn dieses Buch in keiner Weise meine Lebensrealität widerspiegelt, so finden sich doch viele Dinge wieder, die in meinem Umfeld immer mehr Menschen beschäftigen. Mit Anfang 30 ist irgendwie in meinem Freundeskreis nochmals Umbruch zu spüren. Paare trennen sich, heiraten, bekommen Kinder, wollen keine bekommen, können keine bekommen. Das Leben ist einfach facettenreich. Und da fand ich die Prämisse des Buches so spannend, eben zwei Facetten eines Lebens zu beleuchten. Jedes Leben besteht aus so vielen Entscheidungen und Richtungen, in diesem Buch wurde auf gerade einmal 272 Seiten nur eine Entscheidung als Aufhänger genommen. Das "wie wäre es gewesen, wenn...?". Denn wie wäre Tonis Leben verlaufen, wenn sie sich damals vor dem Studium nicht von ihrem Freund getrennt hätte? Über Nacht wird Toni plötzlich in ein anderes Leben geworfen, wird zu Antonia mit Neugeborenem, Mann und Haus in ihrem Heimatort und ist nicht länger Toni mit Jakob in der Altbauwohnung in der Großstadt und mit Kinderwunsch. Parallel wird ab dem Zeitpunkt die Geschichte von Antonia und Toni beleuchtet. Das Spielen mit den beiden Perspektiven fand ich wirklich toll. Etwas irritiert hat mich am Anfang, dass nur eine der beiden in ein neues Leben geworfen wurde. Tonis Leben läuft sozusagen einfach weiter, während Toni II den Platz von Antonia einnimmt. Mit all ihren Erinnerungen an Jakob und wie ihr Leben verlaufen ist. Anfangs hat es mich doch etwas gestört, dass nur eine der beiden Erzählstimmen mehr in der Vergangenheit hing, an einem Leben, das sie vermisste und das nicht mehr das jetzige war. Während Toni ungeahnt ihr Leben weiterlebte. Aber der Erzählsprung wäre natürlich niemals der selbe gewesen, wenn eine Frau, die gerade frisch entbunden hat, plötzlich ohne ihr Kind in eine vollkommen fremden Leben aufwachen würde und sich zurecht finden müsste. Die Themen, die in diesem Buch durch die Vermischung beider Leben aufgegriffen werden, sind echt wuchtig, wurden mir aber leider teilweise etwas zu oberflächlich behandelt. Auf den wenigen Seiten ist es aber auch schwer, mehr in die Tiefe zu gehen. Postpartale Depression und unerfüllter Kinderwunsch sind dabei schon die beiden größten Felder. Es geht aber auch um die Veränderung von Freundschaften, wenn die eigene Lebensrealität nicht mehr ganz zu der einer Freundin passt - lässt für mich dabei nur leider etwas aus, das man als Freundinnen den Spagat sehr wohl auch gut schaffen kann. Die Belastung, die eine Beziehung aushalten muss, wenn eine Person arbeitslos wird. Das Verhältnis zu den eigenen Eltern, wenn man entweder "nebenan" oder weiter entfernt lebt. Es wird sehr viel in einen Topf geworfen und so konnte leider nicht allen Themen gerecht werden. Und irgendwie fühlte es sich ein wenig nach zu viel negativem an. Ja, manchmal kann das Leben echt ganz schön aus den Bahnen laufen, aber irgendwie war hier alles ein wenig zu dunkel getrübt und ein wenig weniger Drama hätte den Grundton der Geschichte nicht wirklich verändert. So reicht es für mich nicht für 5 Sterne, insgesamt ist das Buch aber wirklich toll gewesen und ich bin sowohl Toni als auch Antonia gerne gefolgt.
Pressestimmen
Anne Sauer blickt in ihrem Debüt ›Im Leben nebenan‹ aus zwei gegensätzlichen Richtungen auf das Frau...sein. Fantastisch! mehr weniger
01.12.2025
Mit Witz, Gefühl und Leichtigkeit zeigt der Roman dabei die beiden Seiten von Mutterschaft – das Glü...ck mit Kind und die Freiheit, ohne Kind zu leben. Ein Roman, der nicht nur Frauen zum Nachdenken anregen sollte. mehr weniger
Sarah Woipich, 04.11.2025
Grandiose Romanidee, packend geschrieben.
02.10.2025
Im Leben nebenan‹ ist ein Roman, den man nicht aus der Hand legen möchte. Eine unbedingte Leseempfeh...lung! mehr weniger
Anna Ostrowski, 11.09.2025
Ein spannendes Buch über unterschiedliche Lebensentwürfe und über weibliche Selbstbestimmung.
01.09.2025
Ein starkes Plädoyer für Selbstbestimmung. Für den eigenen Weg, der schwierig sein kann – egal, welc...he Abzweigung wir wählen. mehr weniger
Moni Münch, 26.08.2025
Was wie ein Krimi klingt, ist ein spannendes, vor allem aber auch klug komponiertes Buch über Kinder...wunsch und Mutterschaft. mehr weniger
16.08.2025
Ihr Buch berührt das Herz und klingt nach: Hätte man selbst die Weichen anders stellen können oder s...ogar sollen? mehr weniger
16.08.2025
Sauer erzählt mitreißend und klug.
31.07.2025
Eine emotionale Achterbahnfahrt, die man nicht so schnell vergisst.
Angela Perez, 24.07.2025
Ein spannendes, vor allem aber auch klug komponiertes Buch über Kinderwunsch und Mutterschaft, in de...m die Buchwissenschaftlerin und Literaturvermittlerin Anne Sauer das Was-wäre-wenn-Spiel durchexerziert, zwei Lebensentwürfe nebeneinanderstellt. mehr weniger
Stefanie Wirsching, 19.07.2025
Sauer erzählt von diesen und vielen weiteren Facetten des Frauseins – so spürbar, dass die Leserin s...tellenweise am liebsten selbst lachen oder schreien würde. „Im Leben nebenan“ lässt sich an einem Tag lesen und lässt eine dennoch tagelang nicht los. mehr weniger
Marie Dürr, 17.07.2025
Anne Sauer erzählt souverän auf diesen zwei Ebenen nicht nur von der Frage, ob es Kinder braucht, um... glücklich zu sein, sondern auch von der Veränderung in Paarbeziehungen, die mit Elternschaft oder unerfülltem Kinderwunsch einhergehen. mehr weniger
Anne Sauer, 17.07.2025
Anne Sauer legt mit „Im Leben nebenan“ ein dem Anschein nachumfangreich recherchiertes Buch vor, das... auch Männer interessieren muss. mehr weniger
17.07.2025
Im Leben nebenan“ provoziert Reflexion, Reibung und Anerkennung. In dieser Form, wie das schiere Erz...ählverfahren die Differenz unterschiedlicher weiblicher Lebensentwürfe suggestiv zur Geltung bringt, unterscheidet sich Anne Sauers Roman vom Gros der Debattensachbücher von „Regretting Motherhood“ bis „Söhne großziehen als Feministin“. mehr weniger
Cynthia Cornelius, 14.07.2025
Ein Roman, der existentielle Fragen stellt.
12.07.2025
Anne Sauer legt mit „Im Leben nebenan“ ein dem Anschein nach umfangreich recherchiertes Buch vor, da...s auch Männer interessieren muss. mehr weniger
Thomas Andre, 11.07.2025
Ein originell und handwerklich gelungener Roman.
Thomas Andre, 11.07.2025
Ein lesenswertes Debüt. Spielerisch experimentiert Sauer mit dem Leben ihrer Protagonistin, Toni, di...e dabei ein Avatar für die Unsicherheiten vieler junger Frauen im späten ersten Lebensdrittel wird. mehr weniger
Nina Wolf, 10.07.2025
Ich bin mir sicher: dieses Buch ist eine Welle!
@frau_hegerfeld , 10.07.2025
Anne Sauer entwirft in ‚Im Leben nebenan‘ ein faszinierendes Was-wäre-wenn-Szenario und lädt ein zu ...einem literarischen Gedankenexperiment über Identität, Entscheidungen und die leisen Töne des Frauseins. (…) Dieses Buch ist wie ein Blick durchs Fenster in ein anderes Zuhause – und in das eigene Herz. mehr weniger
@c_booksblog, 10.07.2025
Was Sauer so eindrücklich gelingt, ist die Schonungslosigkeit, mit der sie beide Lebensentwürfe zeig...t. (…) Sie legt den Finger genau in die Wunde gesellschaftlicher Erwartungen, die Frauen unausweichlich begleiten – egal, welchen Weg sie einschlagen. (…) Anne Sauer hat mit ‚Im Leben nebenan‘ einen Roman geschrieben, der leise erzählt und laut nachklingt. Er ist klug, empathisch, schmerzhaft und schön zugleich – und vielleicht eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit zur Rolle der Frau in einer Gesellschaft. mehr weniger
@wassilkeliest, 10.07.2025
Die Geschichte trifft genau die leisten Zwischentöne, lässt Raum für das Ungesagte und spricht denno...ch so manche unbequeme, harte und schmerzhafte Wahrheit aus. mehr weniger
@zeitfuerzeilen, 10.07.2025
Ich habe absolut alles an diesem Roman geliebt. (…) Sowohl emotional als auch künstlerisch ein Meist...erwerk. mehr weniger
@bookishicecreamlover , 10.07.2025
Ein Roman, der das Herz und den Kopf berührt - und lange weiter rumort.
01.07.2025