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Wer ist Familie?

Was ich nie gesagt habe

Nach dem Nr. 1-SPIEGEL-Bestseller ›Stay Away From Gretchen‹ nun der zweite Roman der Ausnahmeautorin

Tom Monderath ist frisch verliebt: Mit Jenny erlebt er die glücklichste Zeit seines Lebens. Bis er durch Zufall auf seinen Halbbruder Henk stößt, der alles über ihren gemeinsamen Vater wissen will. Doch Konrad starb vor vielen Jahren und seine demente Mutter Greta kann Tom nicht befragen. Als sich weitere Halbgeschwister melden, wird es Tom zu viel. Jenny und Henk hingegen folgen den Spuren Konrads. Selbst fast noch ein Kind, kämpfte Toms Vater im Krieg, geriet in amerikanische Gefangenschaft, bevor er in den späten 40er-Jahren nach Heidelberg kommt. Dort verliebt er sich Hals über Kopf in die junge Greta, nicht ahnend, dass ein Geheimnis aus der dunkelsten Zeit des Nationalsozialismus ihre gemeinsame Familie ein Leben lang begleiten wird ...

Ein spannender und berührender Roman über Liebe, Verlust, zweite Chancen und die Sprengkraft des Schweigens – sowie über trügerische Gewissheiten und die Frage, was Familie zusammenhält.

»Abel schreibt unterhaltsame, sogar humorvolle Romane aus dem Elend, in das wir alle hineingeboren werden, ohne es uns aussuchen zu können. Chapeau!« Stern

»Eine seltene literarische Perle. Die Geschichte von Toms und Gretchens Familie sollte Schullektüre werden!« WDR

Alle Bände der ›Gretchen‹-Reihe:

Band 1: Stay away from Gretchen – Eine unmögliche Liebe

Band 2: Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie


Lesen Sie auch »Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104«, den berührenden neuen Roman von Susanne Abel über die lebenslange Liebe zweier Heimkinder.

Bibliografische Daten

EUR 13,00 [DE] – EUR 13,40 [AT]
ISBN : 978-3-423-21892-4
Erscheinungsdatum: 14.09.2023
9. Auflage
592 Seiten
Format : 12,2 x 19,1 cm
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Susanne Abel

Susanne Abel arbeitete als Erzieherin und realisierte nach ihrem Filmstudium als Regisseurin zahlreiche Dokus für das deutsche Fernsehen. Seit 2017 konzentriert sie sich ganz auf das Schreiben. Ihr gefeiertes Romandebüt ›Stay away from Gretchen‹ stürmte bis an die Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste und war ein sensationeller Erfolg, genau wie sein Nachfolger ›Was ich nie gesagt habe‹. Die gebürtige Badenerin lebt nach Stationen in Bochum, Berlin und Hamburg überwiegend in Köln.

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134 von 134 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.81 von 5 Sternen


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9 - 10 von 134 Leserstimme

lorireads am 08.07.2022 14:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Geschichte zum greifen nahe!

Da ich schon "Stay away from Gretchen" von Susanne Abel geradezu verschlungen habe, konnte ich es auch abwarten, endlich den Folgeband dieses wahnsinnig guten Buches in die Hände zu bekommen. Meine Sorge, dass das Buch vielleicht nicht ganz an den ersten Teil herankommen würde, und dass sich vielleicht manches doppeln würde, hat sich als völlig unbegründet erwiesen. Die Autorin hat in diesem Buch den fehlenden Teil der Geschichte ergänzt, von dem ich gar nicht wusste, dass er noch erzählt werden muss. Aber das musste er! Denn die Geschichte von Toms Vater Konrad fand ich mindestens so ergreifend und wichtig wie zuvor die Geschichte seiner Mutter Greta. Dass der Schreibstil mich begeistern würde, wusste ich ja schon. Trotzdem war es einfach toll, wieder in diese mitreißende Welt einzutauchen und sich von den Lebenswegen von Konrad, aber auch dem weiteren Leben von Ton und Jenny mitziehen zu lassen. Wieder einmal hat Susanne Abel diese beiden Zeitstränge total gut miteinander verknüpft und das, obwohl es durch Konrads Tod nicht ganz so einfach war, die Verbindungen zwischen den Zeiten herzustellen. Aber wo ich bei anderen Büchern mit wechselnden Erzählperspektiven bei einem Perspektivwechsel oft lieber in der andeen Perspekive bleiben würde, kamen die Wechsel hier immer zur genaz richtigen Zeit. Ich finde es beeindruckend, wie die Autorin es schafft, in ihrem Roman so viel Wissen zu vermitteln und vor allem den nationalsozialistischen Zeitgeist wiederzugeben und dem Leser klarzumachen, wie ein ganzes Volk von diesem "Glauben" überzeugt werden konnte. Anhand von ganz kleinen Beispielen, wie Rechenaufgaben im Matheunterricht wird vermittelt, wie sehr die Gesellschaft von diesem Gedankengut durchdrungen war und wie bereits die Kleinsten in diese Denkweise hinein erzogen werden. Auch durch die Sprache, die die Autorin bewusst verwendet, auch wenn sie heute vielleicht schmerzt, wird die damalige Zeit wieder lebendig und begreifbar. Mit den beiden Büchern zu Toms Familie habe ich mehr über den Nationalsozialismus im Gesellschaftlichen Sinn begriffen, als es jeder Geschichtsunterricht gekonnt hätte. Ich bin so froh, dass ich auf diese unglaublich wertvollen Bücher gestoßen bin, die eben nicht nur die offensichtlichen Themen behandeln, sondern sich auch mit kleinen Bestandteilen des damaligen Regimes beschäftigen und dadurch ein viel umfassenderes Bild schaffen und die gesellschaftlichen Dynamiken vermitteln. Ich kann die Bücher nur empfehlen und werde in Zukunft sicherlich jedem weiteren Buch der Autorin entgegenfiebern!

mimitatis_buecherkiste am 08.07.2022 12:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Schweres Erbe

Tom Monderath ist verliebt und bereit, mit Jenny sowie deren Sohn Carl einen Schritt weiterzugehen. Als er durch Zufall seinen Halbbruder Henk findet, beginnt er nachzuforschen und hat bald einen ungeheuerlichen Verdacht. Seine Mutter Greta kann er nicht fragen, da diese dement und oft nicht in der Lage ist, Gegenwart und Vergangenheit auseinanderzuhalten. Als immer mehr Einzelheiten zutage kommen, ist Tom nicht sicher, ob er die Wahrheit überhaupt wissen will. Jenny gräbt weiter, was zu großen Spannungen in der Beziehung führt. Manche Geheimnisse sind zu groß, um enthüllt zu werden.Dies ist die Fortsetzung des Buches „Stay away from Gretchen“, das mich letztes Jahr restlos begeistert hat. Wurde im ersten Teil das Leben von Toms Mutter Greta, Gretchen genannt, beleuchtet, wird hier das Leben seines Vaters Konrad - Conny - thematisiert. Die Autorin bleibt sich treu und springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, dabei schafft sie es, diese Sprünge exakt miteinander zu verbinden. Man muss das erste Buch nicht zwingend gelesen haben, allerdings würde man dann nicht nur eine grandiose Geschichte verpassen, sondern hätte auch die ein oder andere Lücke, da die Bücher nahtlos aneinander anschließen und oft Bezug darauf genommen wird.War das Leben von Gretchen bereits durch Schicksalsschläge behaftet, so steht das Leben von Konrad dem in nichts nach. Ich fand die Sprünge in die Vergangenheit, wie bereits im ersten Buch, viel interessanter und spannender, als die Gegenwart, wobei die Autorin es hier geschafft hat, auch gegenwärtig eine gewisse Spannung einzubauen. Die Thematik des Zweiten Weltkrieges ist eine abstoßende, dabei aber auf eine gewisse Weise faszinierende und für mich sehr emotionale Reise in die Vergangenheit. Obwohl ich seit Jahrzehnten darüber lese, gab es auch hier wieder viele Einzelheiten, die mir nicht bekannt waren. Meisterlich verbindet die Autorin Fakten mit Fiktion und liefert eine grandiose Geschichte ab. Dabei schließt sie alle Lücken aus dem ersten Buch und verbindet alle losen Enden zu einem Ganzen. Der Schreibstil hat mir dabei sehr gefallen, denn durch seine Einfachheit war vieles leichter zu ertragen, wenn mich auch trotzdem oft das Grauen übermannt hat. Eine phantastische Fortsetzung, die ich gerne weiterempfehle. Von mir gibt es fünf Sterne mit Sternchen.

Judith am 07.07.2022 10:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein wunderbarer Liebes- und Gesellschaftsroman

Vor gut einem Jahr habe ich "Stay away from Gretchen" als Hörbuch gehört und war total begeistert von der frischen Art, wie Susanne Abel schicksalhafte Ereignisse zu einem tollen Roman verflocht. Seitdem wartete ich sehnsüchtig auf den zweiten Teil der Geschichte. Gretchen, in den Kriegswirren aus Ostpreußen geflohen und im unzerstörten Heidelberg gelandet, lernte den schwarzen Besatzungssoldaten Bob Cooper kennen und lieben, aus dieser Liebe ging Marie hervor. Aber die Zeiten nach dem Krieg waren noch nicht so weit gediehen, als dass eine solche Liebe Bestand haben konnte. Marie kommt in ein Kinderheim, wird nach Amerika zwangsadoptiert und Bob verschwindet von der Bildfläche. Zurück bleibt Gretchen, die psychisch krank wird, aber durch das Kennenlernen von Konrad vor dem Schlimmsten bewahrt. Am Ende des ersten Teils ist es Gretchens Sohn Tom, der der unterdessen dementen Mutter Marie "wiedergibt". Tom ist Fernsehmann, bekannt wie ein bunter Hund, aber irgendwann am Ende seiner Kräfte. Im vorliegenden zweiten Band lernen wir die Familie von Konrad kennen, erfahren viel über Konrads Kindheit und Jugend, seine Kriegserlebnisse und über seine Gefangenschaft. Konrad hat im Krieg die gesamte Familie verloren, einschließlich seiner Schwester Lizzy, die der Euthanasie zum Opfer fiel. Konrad ist sehr hellhörig bei allem, was er erfährt. Einzig sein Onkel Drickes (Heinrich Pütz) lebt noch. Mit Hilfe dieses Onkels, der in russischer Gefangenschaft ist, landet er in Heidelberg, macht ein Medizinstudium und wird Arzt. Hier kreuzen sich die Wege von Konrad und Gretchen. Sie heiraten, beide gehen nach Köln, dort ist unterdessen der Onkel mit Adenauers Hilfe 1956 endlich aus der Gefangenschaft zurück und richtet eine Frauenarztpraxis ein. Konrad wird Teilhaber. Onkel Drickes beschäftigt sich intensiv und gewinnbringend mit der künstlichen Befruchtung gut betuchter Patienten.
Das Buch wird über verschiedene Zeiträume und Handlungsebenen geführt, Konrad und Gretchen haben endlich einen Sohn bekommen und Thomas, auch Tömmes und später Tom genannt, agiert in der Jetztzeit und wird auf verschiedenste Weise mit der Vergangenheit seiner Eltern und seines Onkels konfrontiert. Toms Leben, seine Entwicklung wird dabei in der Rückblende erzählt. Im Jetzt hat er sich in Jenny, eine Kollegin verliebt, die gerade ein Baby bekommen hat. Tom hat das erste Mal im Leben das Gefühl, an der richtigen Stelle angekommen zu sein. Er will mit Jenny leben, fürs kleine Carlchen da sein, sich nach seinem Zusammenbruch wieder an die Arbeit machen und eine wöchentliche Talkshow soll sein Comeback fördern. Bald zieht er mit Jenny ins Haus seiner Mutter, deren Freundin kümmert sich um die demente Mutter nun ebenso wie um den kleinen Carl. Fast perfekt das Ganze. Dass das Leben nie so geradlinig verläuft, weiß man aus Erfahrung, und so kommt es zu vielen Verwicklungen und Missverständnissen, die ich hier natürlich nicht offenbare. Zukünftige Leser sollen gespannt bleiben, was in Toms Leben noch alles geschieht.
Sehr anrührend wird Gretchens Leben als demente Mutter beschrieben, wer in seiner Familie ähnliche Fälle kennt, wird hier auf sanfte Weise "geschult", denn im Alltag eines Demenzkranken gibt es unzählige Momente, in denen Erinnern, Erkennen und Wissen durchschimmern. Das hat mir gut gefallen.
Ich habe auch dieses Buch sehr gern gelesen, aber die überzeugende Wirkung des ersten Bandes hat es bei mir nicht erreicht. Der Stil war teilweise etwas stakkatoartig, viele, oft zu viele Details sollen den Leser erreichen und berühren. Ich habe viele Kenntnisse über den 2. Weltkrieg, Euthanasie, Holocaust, Vertriebene, Gefangenschaft usw., da kam mir der Buchtext manchmal wie eine verstärkende Wiederholung im Geschichtsunterricht vor. Einerseits sind viele geschichtliche Details nur angerissen, andererseits springt die Autorin in den Abläufen oft hin und her. Manchmal wäre mir ein ruhiger Erzählfluss lieber gewesen, als dieses nervöse Gedankenkarussell. Im Laufe der Geschichte gibt es dann auch immer wieder Rückblicke auf den ersten Band. Eigentlich wäre es wohl besser, jeder der dieses Buch lesen möchte, liest zuerst "Stay away from Gretchen", das Wissen um die Hintergründe erleichtert einem das Verständnis für die Geschehnisse im zweiten Teil sehr.
Das Nachwort habe ich dann mit Interesse gelesen, hier werden die Quellen und Inspirationen beschrieben, die für die Autorin wichtig und ermutigend waren. Ich empfehle das Buch gern allen, die sich für deutsche Geschichte und den Umgang damit interessieren. Sie bekommen einen wunderbaren Liebes- und Gesellschaftsroman.

Übrigens mit Lesebändchen!

gabrielem am 07.07.2022 10:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Vergangenheitsbewältigung

Mit Freude habe ich gesehen, dass es vom "Gretchen" eine Fortsetzung gibt.Susanne Abel beschreibt in "Was ich nie gesagt habe" die Familiengeschichte von Tom Monderath.Ein Halbbruder taucht auf und so macht sich Tom auf und gräbt in der Vergangenheit.Seine Freundin Jenny, in die er sehr verliebt ist, unterstützt ihn dabei.Leider kann seine Mutter, die an Demenz leidet, ihm nicht weiterhelfen.Bei seinen Recherchen stößt er auf unfassbare Dinge.Die ersten Seiten fand ich ganz fürchterlich. Wollte tatsächlich schon aufhören zu Lesen.Gut das ich nicht aufgegeben habe.Bald konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Die Erzählung taucht tief in unsere Vergangenheit ein und bringt Dinge ans Licht, die wirklichunvorstellbar sind. Was mussten die Menschen alles erleiden, vieles wurde einfach verdrängt.Aber irgendwann kommt alles ans Licht.Von mir volle 5 Sterne.

bibineu77 am 06.07.2022 16:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Berührt

Es freut mich wahnsinnig, dass es ein weiteres Buch über die Geschichte von Gretchen und Tom gibt. Mich hat schon Stay away von Gretchen sehr berührt und bewegt und mir ausgesprochen gut gefallen. Der neue Band von Susanne Abel Was ich nie gesagt habe gefällt mir ebenso ausgezeichnet.Die Familie wird unerwartet größer und Tom setzt sich gezwungenermaßen noch mehr mit seiner Familie, ihrer Bedeutung für ihn, Zusammenhängen von Vergangenheit und Zukunft auseinander.Die große Frage, nach dem Woher komme ich?, ist wohl eine der größten menschlichen Bedürfnisse. In diesem Buch dürfen wir uns mit auf diese intensive Spurensuche machen. Das Buch ist großartig geschrieben, die Charaktere wundervoll und nah beschrieben, die Wendungen überraschend und unterhaltsam. Ein Buch, dass beim Lesen begeistert und noch lange nachhallt...

anne112 am 06.07.2022 11:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

So toll wie der erste Teil!

Nachdem ich den ersten Teil von Gretas Familiengeschichte als Hörbuch verschlungen habe, bin ich mit hohen Erwartungen an die Lektüre des zweiten Teils gegangen. Tatsächlich war ich am Anfang etwas skeptisch, dass nun noch weitere bisher unbekannte Geschwister aufgetaucht sind und befürchtete viele Wiederholungen. Ich wurde jedoch sehr positiv überrascht.Wie im ersten Teil schon wechseln sich Kapitel, welche in der Gegenwart und Vergangenheit spielen, ab. So lernen wir hier insbesondere den neuen Lebensabschnitt von Gretas Sohn Tom und das bewegte Leben von Toms verstorbenem Vater Konrad kennen. Die Autorin Susanne Abel versteht es meiner Meinung nach besonders gut, emotionale Szenen mit interessanten Fakten kurzweilig und spannend zu kombinieren. So empfand ich die Passagen zu den Anfängen der künstlichen Befruchtung sowie zu den Kindern mit Behinderungen in der Zeit des NS-Regimes besonders interessant und habe tatsächlich etwas mitgenommen. Fazit: Klare Empfehlung und ein echter Pageturner, auch für Leser, die "Stay away from Gretchen" noch nicht kennen.

carowbr am 06.07.2022 11:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte

Nachdem es im im ersten Band der Reihe um die Geschichte von Tom's Mutter Greta ging, beschäftigt sich der zweite Band nun mit Tom's Vater Konrad. Dieser verlor im Krieg seine ganze Familie und baute sich mit Greta ein neues Leben als Arzt auf. Besonders im Vordergrund steht dabei die Thematik der medizinischen Experimente der Nazis und deren Ansichten zu 'unwertem Leben', Fortpflanzung und deren Unterdrückung, sowie auch die gererationenübergreifende Auseinandersetzung mit Schuld in der eigenen Familie.Der Aufbau des ersten Bandes setzt sich auch hier fort und die Geschichte springt zwischen der Vergangenheit, in der Konrad aufwächst und seinen Weg findet und der Gegenwart, in der sich Tom um seine demente Mutter kümmert und seinen neuen Alltag als Partner und Vater genießt. Der Stil ist mitreißend und eingängig und stellt das Leben der Handelnden auf umfassende Weise dar. Besonders gelungen empfand ich, wie auch im ersten Band bei Gretchen, den Erzählstrang aus Konrads Vergangenheit, dieser wird detailgetreu und einfühlsam ausgeführt. Durch die Alzheimer-Erkrankung von Greta bleibt ihr Charakter in der Gegenwart etwas blass und das Buch fokussiert sich auf die übrigen Personen. Diesen fehlt es weder an Zeit noch an Geld, um sich voll und ganz auf den Protagonisten Tom zu konzentrieren, der zwischen untrübbaren Glücksgefühlen und Alkoholabstürzen hin- und her pendelt. Dennoch bleibt die Handlung der Jetztzeit irgendwie platt und klischeehaft.Aufgrund der zeitübergreifenden Thematik und der Auseinandersetzung mit Konrads Vergangenheit hat mir das Buch im Gesamten dennoch gut gefallen.

hasirasi2 am 05.07.2022 19:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Das große Schweigen

… herrscht in Tom Monderaths Familie nicht erst seit der Alzheimererkrankung seiner Mutter Greta, schon ihre Depressionen in seiner frühsten Kindheit ließen sie erst verstummen und dann oft in Kliniken verschwinden. Auch sein Vater Konrad machte Probleme lieber mit sich selber aus, als dass er mit jemandem darüber sprach. Doch jetzt gerade läuft es im Leben des Moderators richtig gut. „Ich weiß nicht, ob ich jemals so glücklich war in meinem Leben …“ (S. 139) Eine Nachbarin unterstützt ihn bei Gretas Betreuung und er ist mit Jenny und deren Söhnchen glücklich, denkt zum ersten Mal über eine eigene Familie nach, die er nach den Erfahrungen mit seinen Eltern eigentlich nie wollte. Da platzt Henk, ein holländischer Halbbruder in sein Leben – hatte sein Vater etwa eine Affäre? Und Henk bleibt nicht die einzige Überraschung. Er und Jenny suchen gegen Toms Willen nach weiteren Halbgeschwistern und finden auch welche. Wie kann das sein? Und weiß oder wusste Greta von ihnen? Konrad kann er nicht mehr fragen, der ist schon lange tot …„Nach Stay from Gretchen“ erzählt Susanne Abel die bewegende Geschichte von Gretas Mann Konrad und ihrem gemeinsamen Sohn Tom.Sie schildert Konrads Kindheit und Jugend in der Nazizeit, wie seine Mutter lange um seine behinderte Schwester Lizzy kämpft und am Ende doch verliert, wie die ganze Familie stirbt und sich Konrad aus Wut und Verzweiflung darüber als 16jähriger freiwillig meldet, verwundet wird und in amerikanische Kriegsgefangenschaft gerät, danach in Deutschland ein neues Leben beginnt und eher zufällig Gynäkologe wird. Und natürlich, wie er Greta kennen und lieben lernt, um sie kämpft und immer wieder versucht, ihre Dämonen zu vertreiben, doch der Verlust ihrer Tochter Marie haben sie gebrochen. Als sie nach langer Ehe endlich Tom bekommen, ist Gretas Angst, ihn ebenfalls zu verlieren, größer als die Freude über ihn. Also kümmert sich Konrad um das Kind. Er ist ein liebevoller Vater, bis er etwas erfährt, was ihn an Greta und sich selbst zweifeln lässt – und ihn von Tom entfernt. Konrads Erlebnisse sind mir wie die von Greta unter die Haut gegangen, auch wenn ich nicht alle seine Handlungen nachvollziehen konnte und mir oft gewünscht hätte, dass er einfach mal mit Greta oder Tom redet, statt in Büchern nach Antworten zu suchen und alles mit sich auszumachen. Er ist ein sehr liebevoller Ehemann, aber Gretas Sprachlosigkeit setzt ihm sehr zu und steckt ihn an – darum lebt er nach der Devise: Nur nichts aufwühlen, lieber mit Medikamenten gegensteuern.Und dann ist da Tom, der in eine Familie voller Heimlichtuerei und Schweigen hineingeboren wird, der ein Wunschkind war, um dass sich dann aber Nachbarn kümmern. Wie mag es für ein Kind sein, wenn die Mutter unter Verlustangst und Depressionen leidet und sich der Vater sich immer mehr zurückzieht? Wenn es Familiengeheimnisse gibt, die totgeschwiegen werden? Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie er sich gefühlt und inwieweit er das verstanden hat. Kein Wunder, dass er ein Rebell wurde und sich von ihnen abwandte. Das Auftauchen von Henk erinnert ihn stark an das von Marie, der ersten Tochter seiner Mutter. Wieder spielen heimliche Kinder eine Rolle, wieder wurde ihm etwas verschwiegen. Und auch diesmal will er es genau wissen. Er sucht in den alten Unterlagen seines Vaters und kommt einem Skandal auf die Spur, der über 60er bis in den 2. WK und nach Auschwitz zurückreicht, ihm das Herz erneut bricht, fast den Glauben an seine Familie verlieren lässt – und seine Beziehung zu Jenny auf eine harte Probe stellt. Wie soll er mit den neuen Erkenntnissen umgehen? Bringt es jetzt noch was, alles aufzudecken? Oder hat die ehemalige Nachbarin Recht und „Nicht alle dunklen Ecken brauchen Licht.“ (S. 519) Susanne Abel wirft die Frage auf, wie gut man seine Vorfahren eigentlich kennt und ob man wirklich alles von früher wissen will. Auch in meiner Familie wurde nicht darüber geredet, wer im 2. WK was gemacht hat und inzwischen ist niemand mehr da, den ich fragen könnte. „Was ich nie gesagt habe“ ist extrem fesselnd und ergreifend geschrieben. Ich habe bis weit nach Mitternacht gelesen, weil ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte.

leseratte1310 am 05.07.2022 10:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Eine gelungene Fortsetzung

Dieser Roman ist nach „Was ich nie gesagt habe“ der zweite Band der „Gretchen-Reihe“ von Susanne Abel. Der Fernsehmoderator Tom Monderath hat sich verliebt und ist mit Jenny und dem kleinen Carl glücklich. Doch dann stößt er zufällig darauf, dass er einen Halbbruder namens Henk van Dongen hat. Seine Mutter Gretchen kann er nicht mehr befragen, denn die Demenz wird immer schlimmer. Der Vater Konrad ist schon lange tot und steht für Auskünfte auch nicht mehr zur Verfügung. Tom hat kein großes Interesse daran, die Vergangenheit zu erforschen, doch Henk sucht weiter und bringt Ungeheuerliches zutage. Tom ist erschüttert.Dieser Roman ist sehr einfühlsam erzählt, so dass man sich gut in die Protagonisten hineinversetzen kann. Abwechselnd wird aus der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt.Dieses Mal geht es im Wesentlichen um die Geschichte von Konrad. Tom hatte immer eine distanzierte Beziehung zu seinem Vater und aufgrund der Entdeckungen ist das auch nachzuvollziehen. Konrad ist zu Kriegszeiten großgeworden und hat während des Krieges seine ganze Familie verloren, daher war er früh auf sich gestellt. Es war nicht die große Liebe als er Greta begegnete, sondern beide suchten bei dem anderen Halt, um mit ihren Verlusten fertigzuwerden. Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten und man kann mit ihnen fühlen. Es ist wirklich immer wieder erschreckend darüber zu lesen, wie die Nazis ihr Weltbild durchgesetzt haben. Mit ihren arischen Rassegesetzen bestimmten sie darüber, wie Familien auszusehen hatten und wer es wert war, zu leben. Lebensborn-Heime dienten dazu, wertige Rassekinder zu bekommen. Das Erbe ist auch für nachfolgende Generationen nicht einfach und oft schwer zu ertragen.Auch dieser emotionale Roman hat mich wieder sehr berührt und ich kann ihn nur empfehlen.

junkie18 am 04.07.2022 21:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Wunderschön geschrieben

Nachdem im Ersten Band schon die Vergangenheit und das Leben von Thomas Monderaths Mutter erzählt wurde, handelt das zweite Buch von der Vergangenheit seines Vaters. Zusammen mit seinem Halbbruder Henk und seiner Freundin Jenny stößt der Star-Moderator und ehemalige Anchorman auf noch mehr Geschwister und wird in seine Kindheit mit Vater Konrad zurückversetzt, die nicht immer nur schön war.Auch in diesem Buch wird Kriegs- und Nachkriegsgeschehen sowie Verbrechen aus der NS-Zeit thematisiert. Durch die Wärme der Charaktere und die runde Handlung lassen sich diese Themen sehr leicht lesen und mitfühlen.Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart verleiht dem ganzen noch das Gewisse etwas und man kann sich beim lesen gar nicht entscheiden, welche Geschichte man zuerst lesen will. Alles in allem ein sehr gelungenes Buch mit einer schönen, wenn auch oft traurigen Geschichte

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

WDR 5
Eine seltene literarische Perle. Die Geschichte von Toms und Gretchens Familie sollte Schullektüre w...erden! , mehr weniger

Andreas Wallentin und Christine Westermann, 01.07.2022

DONNA
Mitreißend.

01.07.2022

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Interessant, eindringlich, warmherzig.

24.06.2022

Freie Presse
Teilweise erzählt Susanne Abel die gleichen Szenen wie im ersten Roman – nur aus einer anderen Persp...ektive. Das macht einen Reiz eines neuen Buches aus, das erneut exzellent recherchiert ist, historisches Geschehen aufgreift und gekonnt in einen Roman verwandelt. mehr weniger

Welf Grombacher, 22.06.2022

Spazz – Das Magazin für Ulm & Neu-Ulm
Susanne Abel erzählt eine ergreifende Geschichte aus einer grauen Vergangenheit.

01.07.2022

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Eine berührende Geschichte über Liebe, Verlust, zweite Chancen und die Sprengkraft des Schweigens.

29.06.2022