Wenn die Bienen schweigen
Ein packender Roman über den langsamen Untergang der Gesellschaft nach dem Aussterben der Bienen, über die große Bedeutung vermeintlich kleiner Dinge und die Auflehnung gegen ein patriarchales System
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Wenn die Bienen schweigen
Nachdem die letzte Biene ausgestorben ist, gerät die Welt aus den Fugen. Im Alter von elf Jahren werden Mädchen in Camps gezwungen, wo sie per Hand die Blüten der Obstbäume bestäuben. Kaum gebärfähig, werden sie verheiratet. Jess ist eines dieser Mädchen. Sie kennt die Welt vor dem Kollaps aus Büchern und liebt die Natur. Frei will sie sein, leben! Und schon lange weiß sie, dass Pinsel nicht zum Bestäuben von Pflanzen erfunden wurden. Als sie eines Tages zufällig an Farbtuben gerät, schleicht sie sich aus dem Camp und malt ein leuchtendes Bild an die große Mauer. In den anderen Mädchen entfacht sie damit den Funken der Rebellion. Und einmal gedacht, lässt sich der Gedanke der Freiheit nicht mehr unterdrücken.
»Eine packende Handlung und eine poetische Erzählstimme machen dieses Buch zu etwas Besonderem.« – Kirkus Reviews, starred review
»Kunst und Literatur als Mittel zum Überleben und zur Veränderung … Kraftvoll zurückhaltend und beunruhigend.« – Horn Book
»Ein kluges und dunkles Leseerlebnis, das an Margaret Atwoods ›Der Report der Magd‹ und Ray Bradburys ›Fahrenheit 451‹ erinnert, mit einer Umweltkrise als Hintergrundfolie und voller wichtiger Themen.« – School Library Journal
- Ein bewegendes Ausgangsszenario: die Welt nach dem Aussterben der Bienen
- Der Roman verbindet die Belastung der Ökosysteme und die Sorge darum mit einer emotionalen Freundschaftsgeschichte und gesellschaftlichen Fragen
- Vom inneren Widerstand zum offenen Aufruhr – über den Kampf gegen ein autoritäres System
- Eine Liebeserklärung an die Kunst, die Fantasie und das Erzählen von Geschichten
- Mit einer feministischen Botschaft
Bibliografische Daten
2. Auflage
Caryl Lewis
Caryl Lewis, geboren 1978, ist eine preisgekrönte walisische Autorin, Dramatikerin und Drehbuchautorin. Sie schreibt für Kinder und Erwachsene und ist Gastdozentin für Kreatives Schreiben an der Cardiff University. Caryl Lewis lebt mit ihrer Familie auf einer Farm in der Nähe von Aberystwyth in Wales.
Anu Stohner
Anu Stohner, geboren 1952 in Helsinki, lebt als Übersetzerin und Autorin in Altlußheim am Rhein. Für ihre Übersetzungen aus dem Englischen, Finnischen und Schwedischen wurde sie unter anderem mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis für ÜbersetzerInnen und dem Finnischen Staatspreis ausgezeichnet.
4 - 10 von 132 Leserstimme
Erschreckend realistisch und unglaublich wichtig
Dieses Buch sollte meiner Meinung nach von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Es ist nicht nur eine spannende Dystopie, sondern auch eine eindringliche Erinnerung daran, wie zerbrechlich unsere Umwelt und unsere Freiheit sein können.Nachdem die Bienen ausgestorben sind, hat sich die Welt grundlegend verändert. Mädchen werden bereits mit elf Jahren von ihren Familien getrennt und in Arbeitscamps gebracht, wo sie Blüten mühsam von Hand bestäuben müssen. Bildung, Kunst und Selbstbestimmung sind längst verschwunden, stattdessen bestimmen Kontrolle, Angst und Unterdrückung den Alltag. Mit Jess begleitet man eine Protagonistin, die sich trotz allem ihre Neugier und ihren Mut bewahrt und damit einen Funken Hoffnung in einer scheinbar aussichtslosen Welt entfacht.Mich hat diese Geschichte von der ersten Seite an gepackt. Die düstere Atmosphäre ist greifbar und wirkt gerade deshalb so beklemmend, weil das Grundthema erschreckend nah an unserer Realität liegt. Das weltweite Bienensterben und die Folgen des Klimawandels sind keine fernen Zukunftsvisionen mehr, genau das macht diesen Roman so eindringlich.Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte nicht auf große Action setzt, sondern zeigt, wie Veränderung oft mit kleinen Gesten beginnt. Freundschaft, Zusammenhalt, Bildung und Kunst werden zu Symbolen der Hoffnung und machen deutlich, dass Widerstand nicht immer laut sein muss. Jess ist dabei eine sympathische und glaubwürdige Hauptfigur, deren Entwicklung ich sehr gerne verfolgt habe. Auch die Nebenfiguren verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe und zeigen, wie unterschiedlich Menschen mit Unterdrückung umgehen.Der Schreibstil liest sich flüssig und passt hervorragend zur Zielgruppe, spricht aber genauso Erwachsene an. Die Autorin greift wichtige Themen wie Klimawandel, Frauenrechte, Machtmissbrauch, Überwachung und Manipulation auf, ohne dabei belehrend zu wirken. Stattdessen regt sie zum Nachdenken an und lässt einen die Geschichte noch lange nach dem Lesen beschäftigen.Fazit: Eine atmosphärische, erschreckend realistische und emotional bewegende Dystopie, die wichtige gesellschaftliche und ökologische Themen aufgreift und dabei Hoffnung vermittelt.
Was für eine erschreckend realistische Dystopie voller emotionaler Intensität und inhaltlicher Wucht!
Wie sieht eine Welt aus, in der es relativ harmlos mit dem Verschwinden der Bienen beginnt und schlussendlich das gesamte Ökosystem kollabiert? Genau mit dieser gar nicht so abwegigen Frage befasst sich Caryl Lewis und präsentiert uns eine Dystopie vom Allerfeinsten. Ehrlich gesagt bin ich immer noch sprachlos!Absolut schonungslos werden wichtige Themen wie Demokratiewandel, Freiheit und gesellschaftliche Rollen behandelt, ohne dabei zu beschönigen. Dabei sorgt der erfrischend lebendige Schreibstil für eine emotionale Intensität gepaart mit einzigartiger Stimmung, die tief unter die Haut geht und pures Kopfkino erzeugt. Jede Szene erwacht wahrlich zum Leben und entfacht ein Gefühlskarussell von Wut bis hin zu Hoffnung. Durch den gelungenen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart fliegt man nur so durch die Seiten, obwohl ich regelmäßig innehalten und mit den Tränen kämpfen musste.Mein absolutes Highlight war allerdings Jess. Was für ein starkes Mädchen, das leider viel zu schnell erwachsen werden musste! Ihre Entwicklung wurde so grandios eingefangen, sodass sie mich stellenweise in die Knie zwang und noch immer im Kopf herumschwirrt. Aber auch sämtliche Nebenfiguren überzeugten mit facettenreichen Eigenarten und machten das Geschehen zugleich erschreckend greifbar.Hier passt einfach jedes noch so kleine Detail. Durch die inhaltliche Relevanz gepaart mit puren Emotionen erzeugt dieser Roman einen mitreißenden Sog, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Kleiner Tipp meinerseits, Taschentücher bereithalten und sich danach auf ganz großen Redebedarf einstellen. Was für ein einzigartiger Lesegenuss und genau deswegen bereits mein persönliches Lesehighlight 2026!💭 Fazit:Caryl Lewis versteht es meisterhaft, durch ihre bildhafte Sprache eine zutiefst greifbare Stimmung zu erschaffen. Fesselnde Handlungsstränge und eine mitreißende Hauptfigur lassen einen den Roman gar nicht mehr aus der Hand legen. Die angesprochenen Thematiken sind heutzutage viel zu wichtig, weshalb dieses Werk für mich persönlich eine Pflichtlektüre für Jung und Alt ist. Am liebsten würde ich hier 10 von 5 Sternen vergeben können!
Klein und unscheinbar
So würde ich Bienen bezeichnen, die fleißigen Helfer, die wir gerne übersehen, aber enormes leisten. Den Umfang dessen können wir aus der Ferne ohne Fachwissen gar nicht ermessen. Also speichern wir sie ab als Nützlinge und wenn wir bienenfreundliche Blumen pflanzen ist das schon ein großer Beitrag fürs Klima. Aber was wäre, wenn die letzte Biene stirbt, wir keine Bestäubung mehr haben und wir sehenden Auges in dieses Szenario gestolpert sind?Damit beschäftigt sich dieser Roman, eine dystopische Sicht, die oft sehr realistisch anmutet. Blüten müssen per Hand bestäubt werden in Camps, in denen Mädchen ab 11 Jahren ihren Dienst für die Gesellschaft leisten. Ab 14 werden sie zwangsverheiratet und sollen für Nachwuchs sorgen in einer Welt, in der alles zusammengebrochen ist und niemand mehr von der Vergangenheit spricht. Jess ist eines der Mädchen, jedoch kennt sie die frühere Welt durch Erzählungen und Bücher. Sie spürt, dass es mehr geben muss. Als sie eines Tages an Farben gelangt, nutzt sie ihren Pinsel anders als für Blüten und schon bald hat sie eine Welle der Ereignisse losgetreten, die sich nicht mehr stoppen lässt.Ich habe diesen Roman wirklich geliebt, er ist wirklich gut geschrieben, skizziert eine sehr realistische Welt, eine Folge der Klimakrise, die nicht von der Hand zu weisen ist in unserer Arroganz die Welt zu betrachten. Die Figuren sind liebevoll umschrieben, die ganze Gesellschaft gut konstruiert. Ich habe zu keinem Zeitpunkt an der Struktur gezweifelt. Dazu ist es spannend, emotional und den einen oder anderen Gänsehaut-Moment kann ich nicht von der Hand weisen. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung. Eine klare Empfehlung für alle Handmaids Tale Fans und Freunde der dystopischen Weltanschauung und ihrem Lehreffekt auf uns, weshalb ich es gerade für junge Leser geradezu als Pflichtlektüre sehe.
Ruhige Dystopie mit Tiefgang
Was wäre, wenn plötzlich keine Bienen mehr existieren würden?Genau diese Frage stellt Caryl Lewis. Sie entwirft eine Zukunft, in der das Aussterben der Bienen unsere Welt komplett verändert hat. Junge Mädchen müssen die Bestäubung der Pflanzen übernehmen, während sie gleichzeitig in einem System gefangen sind, das ihnen genau vorschreibt, was sie denken, fühlen und tun sollen. Klingt dystopisch? Ist es! Und leider an manchen Stellen erschreckend glaubwürdig und realistisch. Im Mittelpunkt steht Jess, die sich mit den Regeln ihrer Welt nicht zufriedengeben will. Sie stellt Fragen, beobachtet genau und je mehr sie hinterfragt, desto deutlicher wird, dass die Wahrheit eine ganz andere ist als die, mit der sie aufgewachsen ist. „Ich begriff auch, dass mein Leben und mein Körper mir nicht mehr gehörten.“ (S. 24)🐝Besonders gefallen hat mir, dass hier nicht die eine große Heldin plötzlich alles rettet. Stattdessen zeigt die Geschichte, wie kleine mutige Entscheidungen andere inspirieren und Veränderungen bewirken können und das selbst leiser Widerstand eine enorme Kraft entwickeln kann.Die Atmosphäre ist durchgehend düster und beklemmend. Wer auf Action am laufenden Band hofft, wird hier eher nicht fündig. Dafür lebt das Buch von seinen Figuren und den Gedanken, die es beim Lesen auslöst. Großartig fand ich auch die vielen literarischen Anspielungen. Bücher stehen hier für Erinnerung, Wissen und Freiheit und damit für all das, was ein unterdrückendes System am liebsten verschwinden lassen würde… Ein Satz hat sich dabei besonders bei mir festgesetzt: „Die Wahrheit kann wehtun, aber ohne sie gibt es keine Freiheit.“🐝Für mich ist „Wenn die Bienen schweigen“ viel mehr als eine Geschichte über das Bienensterben. Es ist vielmehr ein Roman über Mut, Menschlichkeit und darüber, wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben und Dinge zu hinterfragen. Wer Dystopien mit Herz, Tiefgang und einer ordentlichen Portion Gänsehaut zwischen den Zeilen mag, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Es ist keine Geschichte, die man einfach wegliest, sondern eine, die sich ganz gemütlich im Kopf einnistet und dort noch eine ganze Weile bleibt.
Fesselnde Dystopie
Das Buch wird als Jugendbuch beworben, ist aber auch für Erwachsene fesselnd und gut lesbar.Wie alle jungen Mädchen kommt auch Jess mit zwölf Jahren in ein Camp, getrennt von ihrer Mutter, und muss dort Bäume aller Art mit einem Pinsel bestäuben. Das ist notwendig, da die Bienen ausgestorben sind und man ohne die Bestäubung keine Früchte ernten könnte. Das Leben im Camp ist schwierig, harte Arbeit und wenig Essen prägen das Leben, dazu kommt das Mobbing der Mädchen untereinander.Jess freundet sich mit Cass an, beide können sich austauschen und sich gegenseitig Halt geben.Als Jess den Bewacher Eliot kennenlernt, eröffnen sich plötzlich Wege, von denen sie vorher nur träumen konnte, denn auch Eliot steht dem Regime kritisch gegenüber.Das Buch ist so spannend, dass ich es fast in einem Rutsch durchgelesen hätte. Obwohl das Schicksal der Mädchen hart ist, klammern sie sich doch immer wieder an jedes Fitzelchen Hoffnung, jede auf ihre Weise. Man merkt, dass die Autorin dieses Buch mit viel Herzblut geschrieben hat, vor allem, was die Aspekte des Umweltschutzes angeht. Seit Jahrzehnten wissen wir, dass wir alle unser Verhalten ändern müssen, um die Erde und damit unsere Lebensgrundlagen zu schützen, aber Gleichgültigkeit und Profitgier verhindern es, die Richtung zu ändern. In diesem Buch werden die Konsequenzen unseres Handelns deutlich und die sind erschreckend.Man wünscht diesem Buch viele Leserinnen und Leser, es sollte auf jeder Bestsellerliste auftauchen. Und es ist ein perfektes Skript für einen aufwühlenden Film!
Dystopie mit aktueller Thematik!
Nachdem die letzte Biene ausgestorben ist, während Mädchen im Alter von elf Jahren ins Camps gezwungen, wo sie per Hand die Blüten der Obstbäume bestäuben. Sobald sie gebärfähig sind, werden sie verheiratet um Kinder zu bekommen. Eines dieser Mädchen ist Jess, die kennt die Welt vor dem Kollaps aus Büchern und liebt die Natur. Ihr Traum ist es frei zu leben und das Pinsel nicht zum Bestäuben von Pflanzen erfunden wurden. Als sie an Farbtuben gerät schleicht sie sich raus und malt ein leuchtendes Bild an die große Mauer, die das Camp umgibt. Durch dieses Bild entfacht sie damit den Funken der Rebellion und der Gedanke an Freiheit lässt sich nicht mehr unterdrücken.Dieser packende Roman zeigt eine Zukunft, in der wahrscheinlich niemand leben möchte. Jess ist eine tolle Protagonistin, die sich für ihre Freunde einsetzt und einfach nur frei sein möchte und dafür will sie kämpfen. Sie war mir von Anfang an sympathisch und ich konnte ihre Selbstzweifel und Ängste nachvollziehen. Manche Szenen haben mich beim Lesen richtig wütend gemacht, da sie so ungerecht waren. Das Buch regt schon zum Nachdenken an und die Autorin hat auch einen sehr bildhaften Schreibstil, sodass man sich alles gut vorstellen kann. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung für die Welt und so ein Szenario wird nie eintreten.
Erschreckend realistisch
Bei „Wenn die Bienen schweigen“ handelt es sich um eine klassische Dystopie. Aus meiner Sicht erinnert sie ein bisschen an „The Handmaid’s Tale" und auch an „Die Tribute von Panem" mit dem starken, eigenständigen Mädchen Jess als Protagonistin, die in einem Camp lebt, wo junge Mädchen von Hand Obstbäume bestäuben müssen, weil es keine Bienen mehr gibt. Anschließend werden sie zwangsweise verheiratet. Erschreckend fand ich, wie nah diese Dystopie an der Realität ist. Gerade deshalb sollten Jugendliche diese Geschichte lesen.Besonders schön fand ich, wie der Roman Kunst und Literatur als Quelle von Hoffnung zeigt. Daran glaube ich selbst fest. Jess ist für mich eine richtig mutige Heldin und auch die Nebencharaktere haben mich überzeugt: Cass, die auf Liebe statt Sicherheit setzt, oder Eliot, der trotz seiner Rolle als Wärter empathisch bleibt.Der Schreibstil und die Übersetzung sind flüssig und leicht zu lesen, also genau richtig für ein Jugendbuch. Deshalb ist die geschilderte Welt auch eher oberflächlich dargestellt als vollständig durchdacht. Alles andere hätte aber wohl den Rahmen gesprengt. Da es eine Fortsetzung geben soll, werden vielleicht auch dann erst ein paar Lücken geschlossen. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch viele junge Leser:innen findet!
Wir sind die Früchte, die man pflückt
In „Wenn die Bienen schweigen“ entwirft Caryl Lewis eine realistisch wirkende Jugenddystopie, die spannend, beklemmend und hoffnungsvoll zugleich ist. Die 13-jährige Jess lebt mit 500 weiteren Mädchen verschiedener Altersstufen in einem Camp, in dem sie unter widrigen Bedingungen manuell Obstbäume bestäuben müssen. Denn nachdem die Bienen ausgestorben sind und diverse Kipppunkte in Bezug auf den Klimawandel überschritten wurden, kam es zu Nahrungsmittelknappheit, Unterversorgung, Unruhen und Kriegen. In dem Land, in dem Jess geboren wurde, herrscht nun eine patriarchale Militärdiktatur, die junge Menschen in verschiedene Aufgaben zwingt und Mädchen, sobald sie ihre Periode bekommen, zwangsverheiratet, um für eine nachwachsende Bevölkerung zu sorgen. Der Roman thematisiert dabei vor allem die Rolle der bzw. Auswirkung auf die Jugend - die Früchte, die gepflückt werden.Dank des angenehmen Schreibstils und der fesselnden Ich-Erzählung der Hauptfigur Jess, wurde ich von Beginn an tief in die Geschichte gesogen. Der Roman ließ sich unglaublich flüssig lesen und entwickelte von Anfang an eine beklemmende Atmosphäre, der ich mich kaum entziehen konnte. Besonders der Gedanke, dass nicht ein großer Krieg, sondern das endgültige Verschwinden eines so kleinen und leider oft unterschätzten Lebewesens wie der Biene unsere Welt ins Wanken bringen könnte, hat mich immer wieder nachdenklich gemacht. Gerade weil der Rückgang der Insekten etwas ist, das wir heute bereits beobachten, in China bereits seit Jahrzehnten auf manuelle Bestäubung zurückgegriffen wird und inzwischen viele Kippunkte in Bezug auf den Klimawandel überschritten wurden, wirkte die Geschichte auf mich erschreckend nahbar.Eine große Stärke des Romans waren für mich die Figuren. Dabei ist Jess eine wirklich starke Protagonistin, mit der ich sehr gerne mitgefiebert habe. Ihre Freundschaften, ihr Mut und ihre kleinen und großen Momente des Widerstands haben mir oft Hoffnung gemacht. Selbst dann, wenn die Situation im Camp kaum auszuhalten war. Das Leben dort empfand ich als unglaublich verstörend. Nicht nur wegen der offensichtlichen Unterdrückung, sondern vor allem wegen der vielen kleinen Demütigungen und der ständigen Kontrolle und erinnerten mich an den Roman „The Handmaids Tale“ von Margaret Atwood. Aber auch andere Figuren, die die Handlung stützten, wurden interessant gezeichnet und wuchsen einem entweder sehr ans Herz oder wirkten für absolute Antipathie.Auch die Botschaft des Buches konnte mich überzeugen. Es ging dabei nicht nur um den Klimawandel, sondern genauso um Macht, Unterdrückung, Selbstbestimmung, patriarchale Strukturen und darum, wie wichtig Bildung, Zusammenhalt und kritisches Denken sind. Immer wieder musste ich an bekannte Roman-Dystopien denken, aber auch an gegenwärtige, politische Entwicklungen. Gleichzeitig blieb der Roman aber für mich klar eine Jugend-Dystopie.Für einen Jugendroman fand ich das Buch wirklich sehr gelungen, an einigen Stellen merkte ich das Zielalter allerdings deutlich. Manche Entwicklungen gingen mir zu schnell, einige Figuren vertrauten sich für meinen Geschmack etwas zu früh und auch der Widerstand entwickelte sich sehr rasant. Ich hätte mir insgesamt mehr Zeit für die Welt, ihre politischen Strukturen und die Rebellion außerhalb des Lagers gewünscht. Gerade das für mich überhastete Ende und der ein oder andere Meister Zufall hinterließen bei mir das Gefühl, dass hier noch viel Potenzial für mehr Tiefe gewesen wäre.Trotzdem hat mich der Roman von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Ich wollte ständig wissen, wie es weitergeht, habe mit den Figuren gelitten und gehofft und konnte den Roman kaum aus der Hand legen. „Wenn die Bienen schweigen“ ist eine eindrückliche Jugend-Dystopie mit einer wichtigen Botschaft, die mich emotional erreicht und lange beschäftigt hat. In meinen Augen ist es ein gutes Lehrstück für die Zielgruppe, auch wenn ich mir an einigen Stellen etwas mehr Komplexität und Ausarbeitung gewünscht hätte.
ein erschreckend aktueller Gesellschaftsroman
Wenn die Bienen schweigen ist eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Brandaktuell und eigentlich eine Dystopie für Jugendliche ab 14 Jahren konnte es mich aber dennoch von der ersten bis zur letzten Seite fesseln.In welchem Jahr genau das Buch spielt, erfährt der Leser nicht. Jedoch hat die Welt mit dem sterben der letzten Biene sich von Grund auf verändert. Mit 11 Jahren verlassen die Kinder Ihre Mütter, die Jungs gehen in eine Art Millitärcamp und die Mädchen in ein Camp in dem sie Tagein und tagaus Obstbäume mit Pinseln bestäuben. In so einem Camp findet sich auch Jess wieder. Wir erfahren aus Ihrer Sicht, wie die Welt und das Leben sich verändert haben. Doch ihr neues Leben will sie nicht einfach hinnehmen. Sie ist mutig, und anders als die anderen Mädchen im Camp. Eher durch Zufall als durch Absicht wird sie zum Kopf des Widerstandes.In diesem Buch wird dem Leser vor Augen gehalten, welche unmittelbaren Folgen das Artensterben haben kann und wird. Denn eines wird klar, wir befinden uns mitten in diesem Prozess.Die Einfachheit der Sprache macht es leicht in das Buch hineinzufinden, hineinzufinden in ein Gesellschaftsdrama , dass die jungen Leser nicht nur zum denken anregt , sondern hoffentlich darüber hinaus , auch zum handeln. Jess und die anderen Mädchen werden realistisch und authentisch dargestellt. Das Identifikationspotential mit den jungen Lesern dürfte also vorhanden sein. Der Einstieg in das Buch und in die Handlung fiel mir von Anfang an nicht schwer. Die Kapitel sind recht kurz gehalten, was ich als angenehm empfand.Die Dystopie ist durch die Handlung und die Ereignisse recht düster, das Leben im Camp ist hart und voller Entbehrungen. Und dennoch gibt es in dem Buch etwas ganz wichtiges : Die Hoffnung. Und selbst wenn es nur die kleinen Dinge sind, das Buch zeigt , dass es ganz wichtig ist diese nicht zu verlieren.Ich mochte es, dass einige Dinge ungeklärt blieben. So erfährt der Leser z.B. nicht viel über die Welt außerhalb des Camps. Es beflügelt die Fantasie und den eigenen Gedankenfluss und macht so neugierig auf eine mögliche Fortsetzung. Der Autorin ist es gelungen ein Brandaktuelles Thema spannend und authentisch aufzubereiten und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung an der die Autorin bereits schreiben soll. Das Buch wirkt absolut authentisch und erschreckend realistisch, und darf auch gerne von Erwachsenen gelesen werden.
Spannungsgeladene Dystopie, die nicht mehr weit weg ist
„Wenn die Bienen schweigen“ von Caryl Lewis, ein Jugendroman erschienen 2026 bei dtv, widmet sich einem wichtigen Thema mit viel Spannung und macht dabei fast alles richtig.Die Handlung spielt zu einem unbekannten Zeitpunkt in einem unbekannten Land. Nachdem die letzten Bienen ausgestorben sind und das Klima endgültig gekippt ist, herrscht im Land eine Militärdiktatur, die mit roher Gewalt regiert. Im Alter von elf Jahren werden Mädchen in Camps gezwungen, wo sie bis zu ihrer Geschlechtsreife mit durchschnittlich 15/16 Jahren für die Gesellschaft arbeiten müssen, indem sie Obstbäume und andere fruchttragende Pflanzen bestäuben – bis sie dann mit biologisch und genetisch zu ihnen passenden Männern zwangsverheiratet werden und dem Staat nunmehr als Gebärmaschinen dienen dürfen. Dabei werden sie knapp gehalten und leben unter entwürdigenden Bedingungen. Doch auch den jungen Männern scheint es nicht viel besser zu gehen, sie werden in den Militärdienst gestellt und müssen dabei helfen, die Ruhe im Land zu bewahren – egal mit welchen Mitteln. Auch Jess ist in einem solchen Camp interniert, nachdem sie zuvor versucht hatte, durch eine gemeinsame Flucht mit ihrem Bruder Shey zu entkommen. Die Flucht misslang und über ihren Bruder hat sie keine weiteren Informationen. Jess gehört im Camp zu den Underdogs, gepeinigt von ihrer Widersacherin Charmain, nur eine Freundschaft mit Cass hält sie am Leben. Bis sie eines Tages eine zarte Verbindung zum Wachsoldaten Eliot aufbaut und von ihm Farben und Pinsel erhält – und damit eine Revolution in Gang setzt.Caryl Lewis widmet sich hier einem der wohl drängendsten und zeitgleich am meisten ignorierten Themen unserer Zeit: Der drohenden Klimakatastrophe und dem damit verbundenen Artensterben, von dem das Insektensterben erst der Anfang ist. Und das Bedrohliche dabei ist: Wir sind schon mittendrin, wem das durch diesen Roman nicht deutlich wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Das Buch ist als Jugendbuch deklariert, und die Autorin schreibt sehr passend für die Zielgruppe, mit durchgehend hoher Spannung, nicht überkomplexer Figurenkonstruktion und klarer Sprache. Dabei hat dennoch jede Figur ihr Geheimnis und es gibt einige Überraschungen. Auch schreibt sie nicht romantisierend und erspart den Lesenden überbordende Love-Storys, stattdessen beschäftigt sie sich mit Freundschaft und Solidarität. Geschickt webt Lewis wichtige Informationen über Gesellschaft und Umwelt ein und stellt niederschwellig ethische und philosophische Fragen. Das Worldbuilding funktioniert sehr gut. Die dystopische Welt ist sehr beklemmend und die Lager weisen Ähnlichkeiten mit KZs auf – auch die inhaltliche Nähe zu The Handmaids Tale ist sicher nicht zufällig. Was auch sehr gelungen herausgearbeitet wird, ist die Bedeutung von Bildung und Kultur, da geht mir das Herz auf. Auf dieser Ebene verbindet sich die Autorin durch geschickt gewählte Beispiele auch sehr real mit ihren Leser:innen.Einzig das Ende lässt mich etwas unbefriedigt zurück. Viele losen Enden werden zwar geschlossen und auch der finale Aufstand war gut beschrieben, leider wird es am Ende aber doch sehr unplausibel und zu schnell geschrieben. Was mich auch noch gestört hat, ist, dass es so wirkt, als gäbe es „nur ein Land“ in der Geschichte, während alle Bezüge ganz klar auf unsere kontinentale Welt verweisen. Und auch diese Bezüge fand ich merkwürdig, alle Literatur ist ganz klar auf den europäischen Raum gesetzt, dann geht es aber auf einmal um Jollof-Reis. Das passt alles nicht sehr gut zusammen. Und dann gibt es am Ende auch noch ein Detail, das schlicht und einfach biologisch-physiologisch unmöglich ist.Schade, denn bis dahin war das Buch wirklich gut und spannend, aber für diesen letzten, für mich auch sehr überhasteten Teil muss ich ein Sternchen abziehen. Spannend blieb es dennoch und die positiven Aspekte überwiegen absolut, das Buch liest sich wirklich gut. Thematisch sollte dieses Buch vielen Menschen die Augen öffnen – und dafür ist es höchste Zeit!
Pressestimmen
Mehr als eine Dystopie: eine eindrucksvolle Hommage an die Kraft von Kunst, Fantasie und Geschichte.
01.09.2026
Caryl Lewis hat ein geschicktes Händchen für die Dramaturgie. Und die Figuren sind (…) stimmig und ...vielschichtig angelegt. mehr weniger
Ulf Cronenberg, 28.08.2026
Ein spannendes Buch, das einiges Nachdenken in Gang setzt.
Birgit Müller-Bardorff, 11.08.2026
Eine Dystopie über den Wert der Freiheit – und den der Natur.
06.08.2026
Das Buch liest sich schnell und einfach und stellt die richtigen Fragen. Obwohl unsere Welt mögliche...rweise untergehen wird, wenn wir nichts gegen das Bienensterben tun, so weckt dieser Roman Hoffnung, wo vielleicht sonst keiner mehr suchen würde. Wie in jedem Jugendroman fehlt es selbstverständlich nicht an den Themen Freundschaft, Pubertät und erste (queere) Liebe. mehr weniger
Theresa Krien, 01.08.2026