Wenn die Bienen schweigen
Ein packender Roman über den langsamen Untergang der Gesellschaft nach dem Aussterben der Bienen, über die große Bedeutung vermeintlich kleiner Dinge und die Auflehnung gegen ein patriarchales System
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Wenn die Bienen schweigen
Nachdem die letzte Biene ausgestorben ist, gerät die Welt aus den Fugen. Im Alter von elf Jahren werden Mädchen in Camps gezwungen, wo sie per Hand die Blüten der Obstbäume bestäuben. Kaum gebärfähig, werden sie verheiratet. Jess ist eines dieser Mädchen. Sie kennt die Welt vor dem Kollaps aus Büchern und liebt die Natur. Frei will sie sein, leben! Und schon lange weiß sie, dass Pinsel nicht zum Bestäuben von Pflanzen erfunden wurden. Als sie eines Tages zufällig an Farbtuben gerät, schleicht sie sich aus dem Camp und malt ein leuchtendes Bild an die große Mauer. In den anderen Mädchen entfacht sie damit den Funken der Rebellion. Und einmal gedacht, lässt sich der Gedanke der Freiheit nicht mehr unterdrücken.
»Eine packende Handlung und eine poetische Erzählstimme machen dieses Buch zu etwas Besonderem.« – Kirkus Reviews, starred review
»Kunst und Literatur als Mittel zum Überleben und zur Veränderung … Kraftvoll zurückhaltend und beunruhigend.« – Horn Book
»Ein kluges und dunkles Leseerlebnis, das an Margaret Atwoods ›Der Report der Magd‹ und Ray Bradburys ›Fahrenheit 451‹ erinnert, mit einer Umweltkrise als Hintergrundfolie und voller wichtiger Themen.« – School Library Journal
- Ein bewegendes Ausgangsszenario: die Welt nach dem Aussterben der Bienen
- Der Roman verbindet die Belastung der Ökosysteme und die Sorge darum mit einer emotionalen Freundschaftsgeschichte und gesellschaftlichen Fragen
- Vom inneren Widerstand zum offenen Aufruhr – über den Kampf gegen ein autoritäres System
- Eine Liebeserklärung an die Kunst, die Fantasie und das Erzählen von Geschichten
- Mit einer feministischen Botschaft
Bibliografische Daten
2. Auflage
Caryl Lewis
Caryl Lewis, geboren 1978, ist eine preisgekrönte walisische Autorin, Dramatikerin und Drehbuchautorin. Sie schreibt für Kinder und Erwachsene und ist Gastdozentin für Kreatives Schreiben an der Cardiff University. Caryl Lewis lebt mit ihrer Familie auf einer Farm in der Nähe von Aberystwyth in Wales.
Anu Stohner
Anu Stohner, geboren 1952 in Helsinki, lebt als Übersetzerin und Autorin in Altlußheim am Rhein. Für ihre Übersetzungen aus dem Englischen, Finnischen und Schwedischen wurde sie unter anderem mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis für ÜbersetzerInnen und dem Finnischen Staatspreis ausgezeichnet.
2 - 10 von 139 Leserstimme
Elektrisierend
Dieses Buch ist eines, dass mich nachhaltig beschäftigen wird. Es ist eine Dystrophie, spielt in einer Zeit in der Insekten nicht mehr existieren und die Bestäubung der Pflanzen an Mädchen hängt. Mädchen, die ab 11 Jahren tagtäglich mit Pinsel bewaffnet die Plantagen bestäuben. Die Natur ist verdorrt, das Leben schwer; neue gesellschaftliche Strukturen prägen nun das Bild. Ein Bild, das von Hunger gezeichnet ist und von Unterdrückung.Und in diesem Szenario nutzt Jess die Macht des Lesens und Erzählens und vor allem die des Pinsels.Ich habe kaum geschlafen als ich dieses Buch gelesen habe. Von der Handlung kam ich kaum los. Sie ist so eindringlich, so atmosphärisch stark und auch bildgewaltig! Und erschreckend. Jess riskiert viel, aber auf eine anfangs eher subtilen und stets gewaltfreien Art, die aber genau aus diesen Gründen umso wirkungsvoller ist. Die Kunst zur Rebellion zu nutzen und auch das Szenario einer Welt ohne Bienen, ist vielleicht nicht ganz neu, aber was man hier zu lesen bekommt, elektrisiert und animiert zum Umdenken. Man sollte es unbedingt lesen!
Rebellion in Farben
Nach dem Aussterben der letzten Biene gerät die Welt aus den Fugen: Das ist die Ausgangslage von Caryl Lewis’ Dystopie „Wenn die Bienen schweigen”. Mädchen wie die elfjährige Jess werden in Arbeitscamps gesteckt, wo sie Obstblüten von Hand bestäuben müssen. Karge Rationen, ständige Überwachung, hohe Mauern, Sand in der Lunge. Jess weiß aber, dass es früher anders war, denn ihre Mutter hat ihr heimlich Lesen und Schreiben beigebracht und von einer Welt erzählt, in der Menschen frei leben. Und Jess kann etwas, das im Camp niemand von ihr erwartet: zeichnen. Als sie zufällig an Farbe gerät, malt sie nachts heimlich ein riesiges Bild an die Lagermauer und bringt damit etwas ins Rollen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.Was mir an dem Buch sehr gut gefallen hat ist, dass es keine reine Öko-Katastrophengeschichte ist, bei der man am Ende mit erhobenem Zeigefinger nach Hause geschickt wird. Das Bienensterben ist eher der Türöffner für die eigentliche Frage, wie schnell eine Gesellschaft Freiheit, Bildung und Selbstbestimmung opfert, sobald Angst und Mangel den Alltag bestimmen. Lewis erzählt das erstaunlich leise. Wer krachende Wendungen erwartet, wird erstmal ausgebremst, denn die Geschichte baut sich eher schleichend auf, über Atmosphäre und diese drückende Enge, die man beim Lesen fast körperlich spürt.Gerade die Kunst als Widerstandsform fand ich eine tolle Idee, die ich so noch nicht in einem Buch gesehen habe. Ein Bild an einer Mauer als Funke für eine ganze Rebellion (das hätte leicht kitschig geraten können), wirkt hier aber glaubwürdig, weil Lewis der Sehnsucht der Mädchen genug Raum gibt, bevor sie eskaliert. Das Ende bleibt offen, was mir aber in diesem Fall gut gefällt, denn nicht jede Dystopie muss mit einer fein verschnürten Schleife enden.„Wenn die Bienen schweigen“ ist ein ruhiges, aber nachhallendes Buch über Unterdrückung, Kunst und die Frage, was Menschen bereit sind aufzugeben, wenn die Natur kippt.Klare Leseempfehlung!
keine Bienen, keine Ernte
Schon das Cover mit der großen, plakativen Biene zeigt, wie wichtig diese Insekten für die Natur und und Menschen sind.Und genau die fehlen in diesem spannenden Buch: in einer Welt ohne Bienen und auch andere Insekten müssen die Obstbäume nun von Hand bestäubt werden, wie das in China wohl schon teilweise Praktik ist.Diese Geschichte geht einen Schritt weiter und zeigt eine Welt, wie sie sein könnte, wenn sämtliche Insekten ausgestorben wären.Mädchen ab 11 Jahren werden zur Handbestäubung mit Pinseln gezwungen, sie leben, gut bewacht von strengen Aufseherinnen, sarkastischerweise genannt "Mütter", und Wachsoldaten in großen Lagern und kennen nichts anderes als ihre Arbeit, karge Rationen im Speisesaal und große Schlafsäle. Wasser ist Mangelware und darf nur für eine Katzenwäsche benutzt werden.Sobald die Mädchen alt genug sind, sucht man einen Partner für sie, den sie heiraten müssen und dann durch Fortpflanzung weiterhin ihren Dienst für die Allgemeinheit leisten.Das Buch, erzählt aus der Sichtweise des Mädchens Jess, zeigt eine dystopische Welt ohne Hoffnung, der Lebensweg ist ab Geburt vorgezeichnet und es gibt keinen Freiraum für eigene Gedanken oder Ideen, Lesen und Schreiben wird nicht gelehrt, Informationen über die Welt draußen sind spärlich und beruhen nur auf Gerüchten. Wer aus der Reihe tanzt, wird bestraft und ich musste beim Klappentext an "Die Geschichte der Magd" von Margaret Atwood denken.Die Autorin hat jedoch ihre ganz eigene, besondere Welt erschaffen, die mich mit ihrer bildhaften, klaren Sprache schnell in ihren Bann gezogen hat. So wenig überflüssiges es in dieser Welt gibt, so präzise setzt Caryl Lewis ihre Worte. Jess ist in dieser Lagerwelt eine Aussenseiterin, da ihre Mutter sie und den Bruder heimlich im Lesen unterrichtet hatte, bevor sie getrennt wurden. Mit Hilfe des Soldaten Eliot, den Jess als Verbündeten gewinnt, kommt sie an Farben und beschliesst eines Nachts, sich hinauszuschleichen und heimlich ein großes, Freiheit symbolisierendes Bild an eine der Lagermauern zu malen, das am nächsten Tag für alle im Camp sichtbar ist.Dieser stille Widerstand löst ungeahnte Geschehnisse aus und bringt tiefgreifende Ungerechtigkeiten ans Licht.Mir ist nicht nur die unangepasste Jess, sondern auch ihre beste Freundin Cass, deren heimliche Liebe Deva und sogar die biestige Charmian schnell ans Herz gewachsen und ich habe mit ihrer täglichen harten Arbeit, dem heimlichen Malen, dem Mobbing und Repressalien mitgelitten- und gefiebert. Obwohl das Buch als Jugendroman ausgeschrieben ist, hatte ich als Erwachsene nicht das Gefühl, zu alt dafür zu sein. Härtere Szenen werden angedeutet, aber nicht ins Detail ausgewalzt, aber der Grundtenor des Romans ist erdrückend, realistisch und regt Leser jeden Alters zum Nachdenken an.
Das Summen der Rebellion!
„Wir sind hier die Ernte, Jess. Sie pflücken und gebrauchen uns, dann werfen sie uns weg.“ (S. 160)Wow, der Schreibstil ist echt wunderschön! Es gibt so viele kleine Textperlen, starke Sätze und tolle Gedanken und obwohl man ziemlich flott durch die Geschichte kommt, bin ich ständig über wunderschöne Formulierungen gestolpert. Lewis hat meiner Meinung nach eine ganz besondere Art, ihre Botschaft gleichzeitig kraftvoll und unaufdringlich rüberzubringen.Ich liebe Rebellionen! Figuren, die für sich einstehen! Ein Klassenkampf mit mutigen verbündeten!Jess, die Protagonistin, hat eine faszinierende Art, die Welt und ihre Zusammenhänge zu betrachten. Sie ist unglaublich klug. Ihre Gedanken wirken für ein 13-jähriges Mädchen teilweise schon ziemlich reif, aber gleichzeitig verstehe ich total, warum sie in der Geschichte nicht älter sein kann. Denn gerade dieses Alter macht so viel von ihrer Geschichte aus.Überhaupt sind die Figuren für mich eine der großen Stärken des Buches. Cass ist eine so liebe Nebenfigur, auf der einen Seite stark, auf der anderen unglaublich zerbrechlich.Jess' Mama ist für mich sogar eine der stärksten Figuren der ganzen Geschichte, obwohl sie selbst nie wirklich auftaucht.Eliot fand ich ebenfalls sehr interessant. Er kommt vergleichsweise selten vor und ist trotzdem eine starke Figur. Besonders mochte ich, dass aus ihm und Jess keine Romance gemacht wurde. Er zeigt außerdem sehr deutlich, dass auch nicht alle Männer in diesem System wirklich eine Wahl haben.Wobei das manchmal echt schräg ist, eigentlich möchte ich nämlich gar nicht von „Männern“ und „Frauen“ sprechen, weil viele von ihnen fast noch Kinder oder zumindest Teenager sind. Unfreiwillige Mini-Erwachsene. Keine Reife, die sich ganz natürlich entwickelt hat, sondern eine, die ihnen aus der Not heraus aufgezwungen wurde.Überhaupt ist die Darstellung dieser Welt erschreckend. Frauen müssen, wie so oft, ihren Anteil unfreiwillig tragen und verlieren automatisch ihr Recht auf Selbstbestimmung. Unfassbar, aber leider überhaupt nicht unglaubwürdig. Menschen werden nach ihrem Wert eingestuft, und einige Aspekte der Geschichte wirken erschreckend real, wenn man bedenkt, dass Kinderarbeit auch heute noch in Teilen der Welt existiert.Jess selbst fand ich unglaublich mutig. Sie ist sehr verkopft, denkt alles tausendmal durch und versucht, Zusammenhänge zu verstehen und trotzdem schafft sie es, für sich und ihre Werte einzustehen.Eine Sache hat mich am Anfang tatsächlich gestört: Ich hatte das Gefühl, die Welt außerhalb von Jess' unmittelbarer Umgebung viel zu wenig kennenzulernen, aber irgendwann musste ich mir eingestehen, dass diese Kritik eigentlich völliger Quatsch ist, denn ich weiß als Leserin nun einmal nur das, was Jess weiß. Sie hat ihr ganzes Leben versteckt beziehungsweise eingesperrt gelebt. Natürlich hat sie nur ein sehr, sehr schwammiges Bild von der Außenwelt und dadurch passt diese gewisse Orientierungslosigkeit eigentlich ziemlich gut.Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie viel die Geschichte gerade dadurch vermittelt, ohne alles bis ins kleinste Detail erklären zu müssen. Die Beschreibungen des Ist-Zustands sind gar nicht besonders ausführlich und reichen trotzdem aus, damit ein ziemlich genaues Bild entsteht.Und dann dieses Ende. Dazu sage ich nur: Ich liebe es und ich hasse es.Alles in allem bin ich total zufrieden mit der Story. Mehr noch, das Buch wird mir mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben. Es schafft es, gesellschaftliche Themen aufzugreifen und dabei etwas sichtbar zu machen, das eigentlich zum Schreien ist. Wie blind wir manchmal sind, obwohl wir es doch besser wissen müssten.Eine wirklich starke Geschichte, wunderschön geschrieben und mit einer Botschaft, die nachhallt.
Wenn die Bienen schweigen stirbt die Freiheit
Was passiert, wenn die Klimakrise irgendwann so weit fortgeschritten ist, dass es keine Insekten mehr gibt? Wenn plötzlich niemand mehr da ist, der die Bäume bestäubt? Und was passiert, wenn daraus eine Gesellschaft entsteht, in der Jungs an Waffen ausgebildet werden und Mädchen dazu gezwungen werden, die Bestäubung der Bäume zu übernehmen?Genau diese Welt zeigt Carol Lewis in „Wenn die Bienen schweigen“. Das Buch ist als Jugendbuch sehr flüssig zu lesen, und obwohl es auch nicht besonders dick ist, hat es eine erstaunliche Tiefe: Es steckt voller kluger, intelligenter Passagen und Denkanstöße, die noch lange nachwirken.Die Geschichte wird aus der Sicht von Jess erzählt. Ihre Mutter hat ihr neben Lesen und Schreiben vor allem eines beigebracht: selbstständig zu denken. Und genau das wird für Jess in dieser Gesellschaft zu etwas ziemlich Gefährlichem. Die Mädchen werden in Camps untergebracht, müssen alle täglich die Arbeit der Bienen ersetzen und werden mit ihrem genetischen Match verheiratet, sobald sie ihre erste Periode bekommen.Doch wo Unterdrückung herrscht, keimt auch Hoffnung. Jess findet einen überraschenden Verbündeten in einem jungen Wärter, der ihr heimlich Farben ins Camp schmuggelt. Mit diesen malt sie ein besonderes Bild an die Camp-Mauer. Und plötzlich stellt sich die Frage: Kann ein Bild wirklich etwas verändern? Kann aus so einer kleinen Aktion eine Rebellion entstehen?Das Ende hat mir gut gefallen, weil es zwar einen Abschluss gibt, aber trotzdem noch einiges offenbleibt. Es fühlt sich nicht so an, als wäre damit plötzlich alles gelöst – vielmehr bleibt man mit einigen Fragen zurück und kann sich selbst überlegen, wie es für Jess und die anderen weitergehen könnte. Für diese Geschichte fand ich das sehr passend, weil die Welt, in der sie leben, schließlich auch nicht einfach von heute auf morgen wieder in Ordnung gebracht werden kann.Das Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, denn so unwahrscheinlich, wie die Geschichte zunächst klingt, ist sie vielleicht gar nicht. Schließlich gibt es im Südwesten Chinas bereits Regionen, in denen Obstbäume von Menschen von Hand bestäubt werden müssen, weil es dort zu wenige natürliche Bestäuber gibt. Und da fragt man sich beim Lesen schon: Wie weit sind wir eigentlich von einer solchen Zukunft entfernt?Das Buch bekommt auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung von mir!
Realistische Dystopie
Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis ist kein Blick in eine hoffnungsvolle Zukunft, sondern eine beklemmende Dystopie. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Alle Bienen sind gestorben, Pflanzen werden nicht mehr bestäubt und tragen keine Früchte mehr. Was zunächst wie ein Gedankenspiel klingt, wirkt angesichts der heutigen Warnungen vor dem Insektensterben erschreckend realistisch.Im Mittelpunkt steht die neunjährige Jess, die, wie alle Mädchen ihres Alters, in ein streng bewachtes Camp gebracht wird. Hinter Mauern und Zäunen verbringen die Kinder ihr Leben damit, Bäume und andere Pflanzen mit kleinen Pinseln von Hand zu bestäuben. Das Leben dort ist bis ins Detail reglementiert. Es gibt wenig zu essen, bewaffnete Bewacher überwachen jede Bewegung, und Freiheit existiert praktisch nicht.Jess findet in ihrer Mitgefangenen Cass eine echte Freundin. Die beiden geben sich gegenseitig Halt und machen das harte Lagerleben überhaupt erst erträglich. Auch Eliot, einer der Bewacher, entwickelt Mitgefühl und unterstützt Jess.Eigentlich ist dies ein Jugendbuch, doch ich habe es in nur zwei Tagen verschlungen. Es liest sich flüssig und entwickelt einen starken Sog. Besonders beeindruckt hat mich, wie realistisch und eindringlich das Leben im Lager geschildert wird. Die Geschichte wirkt wie eine Warnung davor, welche Folgen das Aussterben der Insekten tatsächlich haben könnte. Hoffen wir, dass diese Botschaft gehört wird.
Fantasie oder doch zukunftsnahe Realität
Caryl Lewis liefert mit ihrem Roman ‘Wenn die Bienen schweigen‘ eine finstere Dystopie, deren Ursachen bedauerlicher Weise sehr realistisch erscheinen. Sie malt ein Bild der Zukunft, in der es keine Bienen mehr gibt. Drastisch und ohne zu beschönigen gibt sie ein gesellschaftskritisches Zeugnis darüber ab, welche unglaublichen Auswirkungen dieses Szenario auf uns Menschen, die wir in Abhängigkeit von der uns umgebenden Natur leben, haben könnte. Dabei geht sie sehr intensiv auf menschliche Eigenschaften ein, die einerseits egoistisch, hartherzig und andererseits solidarisch, liebevoll sind. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines jungen Mädchens namens Jess, die in einem streng bewachten und abgesperrten Camp gemeinsam mit anderen weiblichen Teenagern Strafarbeit als Blütenbestäuberin leisten muss. Der Alltag ist entbehrungsreich an Liebe und Fürsorge aber auch an wünschenswerter Nahrung. Die Kinder werden als Objekte, die zu funktionieren haben, behandelt. Kleine Vergehen werden mit hohen Strafen belegt. Es ist ein trauriges Leben, dass nach Freiheit schreit.Das Jugendbuch ist herausfordernd, will aufklären und regt mit seiner berührenden Geschichte zur kontroversen Diskussion an. Es liefert allerdings auch durchaus Erwachsenen hilfreiche Denkanstöße, unsere Lebenssituation kritisch mit einem realistischen Blick zu betrachten.
So, so viel kann in 300 Seiten stecken ...
Dass ich dieses Buch in einer Leserunde lesen und mich mit Anderen direkt darüber austauschen konnte, war eine unglaubliche Bereicherung, auch wenn das Buch allein für sich schon bewegend ist.Alles hängt mit Allem zusammen:Die Bienen sind ausgestorben, als logische Folge die Nahrungsmittel knapp. Aber nicht nur härteste Umweltbedingungen, auch die Folgen für das politische Machtgefüge sowie für das Volk, die Allgemeinheit, sind leider nicht allzu weit von unserer Realität entfernt.Wie schon aus dem Klappentext hervorgeht, werden die Mädchen als „Arbeitsbienen“ benutzt. Sie sind schon in sehr jungem Alter in Camps eingepfercht und haben keinerlei Rechte oder Aussichten auf Freiheit. Zugleich wird (natürlich) Bildung wie auch jegliche Möglichkeit für Kreativität vorenthalten. Auch solche Strukturen kennen wir bereits aus manchen anderen Staaten.Insofern hat das Buch schon viel Bedrückendes. Aber das ist ja nicht alles. Denn die Protagonistin, Jess, hatte das Privileg, anders als die Mehrheit aufzuwachsen. Ihre Mutter nebst einer weiteren Bezugsperson haben ihr beigebracht, wie es früher ausgesehen hat, haben sie lesen, schreiben, malen und hinterfragen gelehrt. Die zentrale Handlung des Buches besteht in der zunächst stillen, dann immer lauter werdenden Rebellion innerhalb des Camps, angeführt von Jess und dem Soldaten Eliot, der die Mittel organisiert und sie ermutigt. Eine Rebellion besteht aus Kampf, wenn auch nicht zwingend gewaltsam. So verwundert es nicht, dass die Führungspersonen alles versuchen, kritisches Gedankengut, Bindungen und erst recht Unruhen im Keim zu ersticken. Eben alles, was Diktatoren und deren Unterhändler so tun, um ihre Diktatur aufrecht zu erhalten.Das alles hat bei mir immer wieder für Atemstock – Momente gesorgt. Neben der Spannung kommen aber auch die Charaktere nicht zu kurz. Nicht nur Jess, sondern auch Nebenfiguren werden lebendig gezeichnet, mit Ängsten und Hoffnungen, Eigenheiten und Verhaltensweisen, positiv wie negativ. Das Buch erzählt alles, was Jess erlebt oder zum Teil eben erlebt hat, bevor sie ins Camp kam. So erfahren die Lesenden wenig bis gar nichts über die Außenwelt, was mit den Jungen geschieht und wie die Strukturen außerhalb dieser Anlage aussehen. Mich persönlich hat das nicht im Geringsten gestört, weil ich den rein auf Jess gerichteten Fokus gut annehmen kann. Anderen Lesenden reicht das vielleicht nicht.Ebenso manche „allzu glücklichen Fügungen“, die nicht wirklich realistisch sind. Doch im Rahmen eines Romans kann ich über solche Logiklücken hinweg sehen, sofern sie nicht überhand nehmen. Das Ende schließlich ist kein „Ende gut, alles gut“. Es bleiben einige Fragen und Entwicklungen offen. Mir gefällt das, es bleibt Raum für die eigene Fantasie sowie hoffentlich für eine Fortsetzung.Für mich war das Buch ein Highlight. Spannung, Charaktertiefe, Freundschaften trotz aller Unterschiedlichkeit, dystopische, bedrückende Düsterkeit, aber auch Hoffnung zeichnen dieses Buch aus. Viele Szenen haben zudem einen starken symbolischen Charakter. Dies alles zusammen hat mir ein großes Lesevergnügen beschert, mich aber auch nachdenklich gestimmt. Last but not least gibt es im Nachwort, sowie auch zwischendurch eingestreut, einige interessante Fakten Bienen betreffend, was das Bild für mich abrundet, dass das Buch nicht nur unterhalten, sondern auch deutlich warnen will.
Mutet leider sehr realistisch an
Der Roman erzählt von einer Welt, in der die letzte Biene gestorben ist. Das führt zu Lebensmittelknappheit und Unruhen, und letztlich zu einer diktatorischen Regierung. Mit elf Jahren werden die Kinder aus ihren Familien genommen, die Mädchen dazu verpflichtet, Bäume von Hand zu bestäuben, während Jungen zur Kampfausbildung geschickt werden.Jess und ihr Bruder hatten das Glück, dass ihre Mutter alles daran setzte, sie länger bei sich zu behalten, außerdem haben sie durch die Nachbarin Ruth vom Davor erfahren. Ruth ist schon sehr alt und hat nach selbst erleben dürfen, was es nun nicht mehr gibt. So wird zu einem sehr prägenden Menschen in Jess‘ Leben. Letztlich mussten beide dennoch ihre Mutter verlassen. Der Roman wird komplett aus Jess‘ Perspektive in Ich-Form erzählt. Ihre erste Zeit im Camp ist nicht einfach, doch nach und nach schließt sie Freundschaften. Von der Mutter zu eigenem Denken erzogen, erkennt sie schnell, was man ihr und den anderen Mädchen antut. Sie erkennt aber auch, dass sie nicht ganz hilflos ist.Der Roman ist für ein Lesealter ab 14 Jahren gedacht, hat mich als Erwachsene aber auch sehr berührt. Die Autorin schreibt bildhaft und sehr atmosphärisch. Teilweise malt sie regelrecht Bilder zum Beispiel wenn sie Ruth Jess zu erklären lässt, wie Honig schmeckt. Die Geschichte ist spannend, denn Jess‘ begibt sich mehrmals in Gefahr, da sie hofft, Dinge ändern zu können. Der Roman hat nur etwas über 300 Seiten, doch kann man sich die Welt, wie sie nun ist, gut vorstellen, auch wenn man größtenteils nur das Camp, in dem die Mädchen leben, kennen lernt. Für mich war das durchaus ausreichend, um mir mehr vorstellen zu können. Auch das Ende ist für mich so wie es ist sehr passend. Offenbar plant die Autorin aber, wie sie in einem englischsprachigen interview offenbarte, ein Sequel, ich könnte mir vorstellen, dann vielleicht eine andere Perspektive zu erfahren. Offiziell angekündigt ist aber noch nichts.Jess ist für mich eine perfekte Protagonistin, schon wegen der besonderen Erziehung durch ihre Mutter und das Wissen, das Ruth an sie weitergibt. Neben ihr lernt man noch verschiedene andere Mädchen kennen. Eliot, einer der Wächter im Camp, zeigt, dass das Leben auch für den männlichen Nachwuchs nicht unbedingt einfach ist, und sich auch dort Widerstand bilden kann. Wie unschön das Leben im Camp ist, kann man gut sehen, für mich hätte es das mobbende Mädchen, das anderen, vor allem auch Jess, das Leben schwer macht, gar nicht gebraucht, auch nach Beendigung der Lektüre hat sich meine Meinung dahingehend nicht wesentlich geändert.Dass es immer weniger Insekten gibt, kann jeder für sich selbst feststellen, und dass das gerade bezüglich der bestäubenden Insekten auch für uns Menschen dramatisch ist, sollte bekannt sein. Der Roman übertreibt da nicht, auch heute schon gibt es Gegenden auf der Erde, wo von Hand bestäubt werden muss. Wir sollten alles dafür tun, dass wir nicht eine solche Situation wie im Roman erleben müssen, der leider viel zu realistisch anmutet. Ich empfehle, unbedingt auch das Nachwort der Autorin zu lesen, das mich wie auch der Roman berührt hat.Der Roman ist dystopisch, allerdings erzählt er von einer Welt, die schon sehr nahe sein könnte. Schon deswegen halte ich es für wichtig, dass er viele Leser:innen bekommt. Er ist zudem spannend und atmosphärisch erzählt, berührt emotional und wirkt nach. Von mir gibt es daher eine große Leseempfehlung nicht nur für Jugendliche sondern auch für Erwachsene.
Geile Dystopie!
Ich lese zwischendurch wirklich gerne Dystopien besonders dann, wenn sie nicht nur eine spannende Geschichte erzählen, sondern gleichzeitig Fragen aufwerfen, die gar nicht so weit von unserer eigenen Realität entfernt sind. Genau das hat „Wenn die Bienen schweigen“ von Caryl Lewis geschafft.Die Ausgangsidee fand ich von Anfang an unglaublich interessant: Was passiert mit unserer Welt, wenn es plötzlich keine Bienen mehr gibt? Was zunächst vielleicht nach einem relativ kleinen Problem klingt, entwickelt sich hier zu einer Katastrophe, die das gesamte Leben der Menschen verändert. Nahrung wird knapp, der Staat übernimmt immer mehr Kontrolle und Freiheit wird zu etwas, das die jüngere Generation kaum noch kennt.Im Mittelpunkt steht Jess, die in einer solchen Welt aufwächst. Bereits mit elf Jahren werden Mädchen in Camps gebracht, wo sie Blüten mit kleinen Pinseln bestäuben müssen. Jungen werden dagegen zu Soldaten ausgebildet. Alle haben ihren Platz – und vor allem ihre Aufgabe. Eine eigene Meinung scheint in dieser Welt nicht vorgesehen zu sein.Was ich besonders interessant fand: Jess hinterfragt dieses System nicht von Anfang an bewusst. Für sie ist es einfach ihre Realität. Sie kennt kaum etwas anderes. Erst durch die Geschichten ihrer Mutter beginnt sie sich vorzustellen, dass es einmal eine andere Welt gegeben haben muss. Eine Welt mit Farben, Kunst, Freiheit und genügend Essen.Und dann ist da dieser kleine Pinsel.Eigentlich ist er nur ein Werkzeug, mit dem Jess Blüten bestäubt. Aber für Jess wird er zu etwas ganz anderem: zu einem Werkzeug, mit dem sie malen und ihre eigene Vorstellung von einer besseren Welt sichtbar machen kann.Gerade dieser Aspekt hat mir unglaublich gut gefallen. Kunst wird hier nicht einfach nur als etwas Schönes dargestellt, sondern als Ausdruck von Freiheit und Hoffnung. Jess beginnt, etwas zu erschaffen, das in ihrer Welt eigentlich gar nicht existieren dürfte. Und plötzlich sehen auch andere Mädchen diese Farben und beginnen, ihre eigene Realität zu hinterfragen.Jess war für mich definitiv das Herzstück der Geschichte. Sie ist keine typische Heldin, die von Anfang an alles durchschaut und gegen das System rebelliert. Sie ist ein Mädchen, das träumt, zweifelt, Angst hat und trotzdem immer wieder den Mut findet, einen kleinen Schritt weiterzugehen. Gerade dadurch wirkte ihre Entwicklung auf mich besonders glaubwürdig.Auch die Freundschaften mit Cass, Deva und Zuri haben mir gut gefallen. Und Eliot mochte ich ebenfalls sehr gerne. Besonders seine Verbindung zu Jess und die kleinen Dinge, die er für sie tut, haben der Geschichte immer wieder etwas Hoffnungsvolles gegeben.Natürlich ist das Grundgerüst nicht völlig neu. Einige Elemente haben mich durchaus an andere dystopische Geschichten erinnert – unter anderem an „Der Report der Magd“ oder „Ich, die ich Männer nicht kannte“. Trotzdem hatte das Buch für mich eine ganz eigene Atmosphäre. Es ist düster und bedrückend, aber gleichzeitig erstaunlich ruhig erzählt. Und gerade weil wir die Welt hauptsächlich durch Jess’ Augen kennenlernen, wirken viele Dinge noch einmal anders.Was mir außerdem gefallen hat, ist, dass die Geschichte nicht einfach nur „eine Welt ohne Bienen“ erzählt. Hinter dem Szenario stecken viel größere Fragen: Was passiert, wenn Freiheit selbstverständlich war und irgendwann verschwindet? Wie leicht lassen sich Menschen kontrollieren, wenn sie nichts anderes kennen? Und wie viel kann eine einzelne Person überhaupt verändern?„Wenn die Bienen schweigen“ hat mich deshalb vor allem nachdenklich zurückgelassen. Es ist eine Geschichte über Artensterben und Klimawandel, aber genauso über Freundschaft, Kunst, Freiheit und Hoffnung.Und vielleicht ist genau das meine größte Erkenntnis aus diesem Buch: Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer großen Revolution. Manchmal beginnt sie mit einem Pinselstrich.Fazit: Eine atmosphärische und überraschend realistische Dystopie mit einer starken Protagonistin und einer Ausgangsidee, die mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt hat. Nicht alles war für mich perfekt, aber gerade die Mischung aus bedrückender Welt, emotionaler Geschichte und dem starken Motiv der Kunst hat dieses Buch für mich besonders gemacht.4,5 ⭐️
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Pressestimmen
Mehr als eine Dystopie: eine eindrucksvolle Hommage an die Kraft von Kunst, Fantasie und Geschichte.
01.09.2026
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Ulf Cronenberg, 28.08.2026
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