Elizabeth Jane Howard

Elizabeth Jane Howard wurde am 26. März 1923 in London geboren. Sie arbeitete als Schauspielerin und Model, bevor sie 1950 ihren ersten Roman, ›The Beautiful Visit‹, schrieb, für den sie 1951 mit dem John Llewellyn Rhys Prize ausgezeichnet wurde. Es folgten weitere Romane, eine Sammlung von Kurzgeschichten und ›Slipstream‹ (2002), ihre Autobiographie. Der Ruhm kam erst vierzig Jahre nach ihrem Debüt – mit der fünfbändigen ›Cazalet-Chronik‹.

Bis 1983 war sie verheiratet mit Kingsley Amis und damit die Stiefmutter von Martin Amis, der es ihr, wie er sagt, verdankt, dass er zum Schriftsteller wurde. Im Jahr 2000 verlieh Queen Elizabeth II. ihr den Verdienstorden Commander of the British Empire. Am 2. Januar 2014 verstarb Howard mit 90 Jahren in ihrem Haus in Suffolk.

Schaupielerin, Model, Schriftstellerin

»Ich habe mein Genie in mein Leben gesteckt, und nur mein Talent in meine Kunst«, sagte der irische Dramatiker Oscar Wilde einmal, und das könnte Elizabeth Jane Howard ebenfalls von sich behaupten.


von Übersetzerin Ursula Wulfekamp

Elizabeth Jane Howards Autobiografie Slipstream beginnt mit einer »Besetzungsliste«, wie sie selbst sie nennt, und die enthält praktisch jeden, der zu ihren Lebzeiten literarischen oder sonstigen Rang und Namen hatte. Viele der dort aufgeführten Männer waren ihre Liebhaber oder wünschten sich zumindest, ihr Liebhaber zu sein. Wie einer ihrer Arbeitgeber sagte: »Ihre Schönheit beschwor ständig Probleme herauf. Mit ihr im Raum war normales, konzentriertes Arbeiten kaum möglich, aber auch wenig sinnvoll.« Kein Wunder, dass sie in Großbritannien vor allem wegen ihres schillernden Lebenswandels bekannt war und nicht so sehr als Schriftstellerin.
 
Gesellschaftlicher und literarischer Erfolg war ihr allerdings nicht vorherbestimmt. Sie wurde 1923 als erstes Kind einer Familie der wohlhabenden oberen Mittelschicht geboren, und ihre Mutter, die bis zu ihrer Hochzeit bei den Ballets Russes getanzt hatte, bevorzugte die beiden jüngeren Brüder und tat nichts, um das Selbstbewusstsein ihrer Tochter zu stärken. Jane - wie sie allgemein genannt wurde – wurde zu Hause unterrichtet und erhielt keine fundierte Ausbildung, was sie zeit ihres Lebens bedauerte. Ihr Ehrgeiz galt den Brettern, die die Welt bedeuten, weshalb sie eine Theaterschule besuchte und einige Monate tatsächlich auch als Schauspielerin auftrat.
 
Doch der Traum vom großen Bühnenerfolg war bald ausgeträumt, denn mit neunzehn heiratete sie den vierzehn Jahre älteren, ungemein charmanten Ornithologen, Maler und Marineoffizier Peter Scott. Jane bekam ein Kind, fühlte sich in der Ehe aber so unglücklich, dass sie ihre Tochter bald der Fürsorge ihrer energischen Schwiegermutter überließ, sich von ihrem Mann trennte und allein nach London zog, wo sie sich unter anderem als Model und Radioansagerin durchschlug. 1947 begann sie zu schreiben, drei Jahre später erschien ihr erster Roman, The Beautiful Visit, der 1951 mit einem Preis ausgezeichnet wurde.
 
Diesem Erfolg und dem der folgenden Bücher zum Trotz konnte sie vom Schreiben nicht leben. Das mochte auch damit zusammenhängen, dass sie sich durch das Leben und die Liebe allzu leicht von der Arbeit ablenken ließ. Auch in ihrer dritten Ehe – die zweite mit James Douglas-Henry, über den sie in ihrer Autobiografie kein Wort verlauten lässt, währte nur kurz – blieb ihr wenig Zeit zu schreiben: Ihr Ehemann war der ebenso berühmte wie fordernde Schriftsteller Kingsley Amis, mit dem sie fast zwanzig Jahre zusammen blieb; das Paar war der Liebling der Londoner Literaturszene, Jane die von der Gesellschaft gefeierte Gastgeberin. Kingsley Amis’ Sohn Martin, dessen Schriftstellerruhm dem seines Vaters heute in nichts nachsteht, sagt, er habe seiner »bösen« Stiefmutter, wie er sie liebevoll nannte, seine ganze Bildung zu verdanken.
 
Martin Amis war es auch, der ihr nahelegte, einen Roman über die Irrungen und Wirrungen ihrer Familie zu schreiben. Da lebte sie schon eine ganze Weile allein mit ihrem Spaniel und konnte ungestört an der Cazalet-Chronik schreiben – die ihr mit knapp siebzig Jahren schließlich und endlich zum Status einer Bestseller-Autorin und damit auch zu finanzieller Sicherheit verhalf. 1990 kaufte sie ein Haus mit großem Garten in Suffolk und widmete sich neben dem Schreiben auch der Gartenarbeit. Sie starb 2014.

 Nachruf von Martin Amis mit Bildern (englisch)
 Weiterlesen: Die Geschichte der Cazalet-Chronik
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