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Arztroman

Anita Cornelius ist Notärztin an einem großen Berliner Krankenhaus und liebt ihren Beruf. Sich auf unerwartete Situationen einzustellen, entspricht ihrem Temperament. Auch wenn es bei ihren Einsätzen nicht immer so aufregend zugeht, wie man sich das vorstellt. Anita ist das recht. Sie kann helfen. Und ab und zu sogar jemandem etwas Gutes tun. Adrian, ihr Exmann, ist Arzt am selben Krankenhaus. Sie haben sich erst vor kurzem in bestem Einvernehmen getrennt, und Lukas, ihr vierzehnjähriger Sohn, lebt bei seinem Vater und dessen neuer Freundin Heidi. Hätte Anita Adrian nicht zufällig bewusstlos auf der Krankenhaustoilette gefunden, zugedröhnt mit einem Narkosemittel, und hätte Heidi nicht dauernd diese flotten Sprüche losgelassen, dass jeder seines Glückes Schmied ist, dass Arme und Kranke oft genug selbst an ihrem Zustand schuld sind, dann könnte sich Anita weiter vormachen: alles ist in bester Ordnung. Ist es aber nicht. Weder privat noch beruflich. Kristof Magnusson erzählt mit großer Kenntnis aus dem Alltag einer Notärztin und gleichzeitig aus dem Alltag ihrer Patienten. Vor allem aber erzählt er witzig und unterhaltend aus dem Leben einer Frau Anfang vierzig, die mehr will als Routine und 'schöner Wohnen'.

Bibliografische Daten

EUR 19,95 [DE] – EUR 20,60 [AT]
ISBN : 978-3-88897-966-8

1. Auflage
320 Seiten
Format : 14,0 x 21,4 cm
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Kristof Magnusson

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37 von 37 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.35 von 5 Sternen


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3 - 10 von 37 Leserstimme

readpassion9 am 31.08.2014 13:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

aus dem Leben einer Notärztin

Kristof Magnusson schildert in einem "Arztroman" den Alltag einer Notärztin. Anita Cornelius lebt in Berlin, sie ist Notärztin an einem großen Krankenhaus. Von ihrem Mann wurde sie vor einiger Zeit geschieden, ihr 14 jähriger Sohn lebt bei ihrem Exmann. Anita wird in ihrer Nachtschicht zu einem Autounfall gerufen bei dem ein junger Mann schwer verletzt wird. Mit ihrem Fachwissen kann sie ihn retten. Am nächsten Tag kommt ihr Sohn zu Besuch, will aber gleich weiter zu einem Freund. Anita ist davon wenig begeistert und hätte ihn lieber bei sich, gibt aber nach. In einem Lokal trifft sie Rio, den sie auf einer Party kennengelernt hat. Die beiden finden sich ganz sympathisch und es bahnt sich eine Beziehung an...Der Autor zeichnet eine Protagonistin, die für ihren Beruf lebt und deren Privatleben ziemlich kaputt ist. Anita ist mir nicht wirklich sympathisch geworden, sie nimmt die klassische Opferrolle ein und das fand ich etwas überspitzt dargestellt. Ihre Einsätze aber sind spannend und realistisch beschrieben, ganz so wie man sich es vorstellt. Insgesamt ist es ein gelungener Roman über das Leben einer Notärztin mit all seinen Problemen. Nicht ganz überzeugend aber auf jeden Fall lesenswert, von mir bekommt es 4 Sterne.

yvax am 25.08.2014 17:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Kein typischer Arztroman

Anita ist eine Internistin die in der Großstadt Notarztdienste leistet. Sie arbeitet am liebsten mit dem Assistent Maik zusammen. Die Beiden sind ein gutes Team und unterstützen sich auch in anderen Belangen. Anita ist noch mit einem der Ärzte im Krankenhaus verheiratet, er heißt Adrian und arbeitet auf der Intensivstation. Gemeinsam haben die Beiden einen Sohn. Adrian und der gemeinsame Sohn Lukas sind mit der neuen Lebensgefährtin von Adrian zusammengezogen. Anita lebt alleine in einem Apartment und hat dort ein kleines Zimmer für Lukas eingerichtet. In dem Buch wird von verschiedenen Notarzteinsatzsituationen erzählt, die jeweilige Erkrankung mit den Begleitumständen anschaulich beschrieben. Diese Beschreibungen haben mir gut gefallen, jedoch war mir ein paar mal die Umschreibung der Umgebung zu ausführlich. Beim Lesen merkt man deutlich das Anita ihren Beruf sehr gerne ausübt. Sie leistet ihre Dienste und Einsätze immer in Hinsicht darauf, was das Beste für den Patienten in dieser Situation ist. Dabei setzt sie sich ggf. auch über einige Hürden hinweg. Sie ist ein "Gutmensch" und ich würde das nicht als Schimpfwort bezeichnen. Da die neue Lebensgefährtin von Adrian seine Denkweise verändert hat, kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen Ihnen. Das Bild das Anita von ihrem Leben und ihrer Familie hat kommt immer mehr in Schieflage. Bis sie erkennen muss das sie nicht mehr zum täglichen und aktiven Leben ihres Mannes und ihres Sohnes gehört. In dieser Situation versucht Anita zurechtzukommen, gleichzeitig beginnt für sie eine neue Romanze mit einem Bootsbauer. Es ist kein typisches Frauenbuch und Arztroman, sondern erzählt von alltäglichen Ereignissen und deren ganz normalen Menschen. Ärzte sind keine Götter in weiß, sondern auch Menschen wie du und ich. Ich würde das Buch weiterempfehlen für alle die mal wissen möchten was und wie so ein Notarztdienst abläuft und wie normal die Menschen sind, die diesen Beruf ausüben.

goch9 am 25.08.2014 12:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Nicht nur ein Arztroman

Anita Cornelius ist Notärztin in Berlin-Kreuzberg. Sie liebt ihren Beruf und ihre Notdienste, die ihr viel Abwechslung und persönlichen Kontakt mit den Patienten bereiten. Wenn ihre Einsätze mit den Rettungsassistenten Maik auch selten so spektakulär wie im Fernsehen sind, geben sie ihr doch die Möglichkeit, Menschen in Not zu helfen. Von ihrem Mann, ebenfalls Arzt, lebt sie getrennt. Das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Lukas haben sie sich geteilt. Lukas lebt bei seinem Vater und dessen neue Lebensgefährtin, ist aber auch regelmäßig bei seiner Mutter. Anita glaubt mit sich, ihrem Beruf und ihrem Privatleben im Reinen zu sein. Als sie ihren Ex-Mann betäubt in der Herrentoilette vorfindet, beginnt sie zu ahnen, dass ihr Leben alles andere als in Ordnung ist.Der Titel ist genauso nüchtern wie das Cover. Klinisch einfach und rational wirkt das Erscheinungsbild des Buches. Kristof Magnussen ist es gelungen, den Einsatzalltag eines Notarztes ohne Pathos und Verblendung zu schildern.Es hat mich fasziniert, wie professionell und genau er die einzelnen Behandlungen beschrieben hat. Er hat auch nie die Zweifel und Unsicherheiten seiner Protagonistin weggelassen. Anita ist eben keine Göttin in Weiß, sondern ein Mensch wie du und ich.Ihre privaten Probleme sind auch keine Probleme einer Göttin in Weiß, sondern die eines Menschen mit Idealen und Einstellungen, die er nicht über die Jahre verloren hat, wie die meisten Menschen. Die Welt um sie herum hat sich verändert und sie muss versuchen damit klarzukommen.Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es kommt so leise und unaufgeregt daher, und je mehr man liest, um so nachdenklicher wird man. Und das tut gut. Einfach einmal über diesen Berufsstand nachdenken und realisieren, dass sie ganz normale Menschen sind, mit ganz normalen Schwächen und Stärken.

sillesoeren am 24.08.2014 09:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Arztroman ist nicht gleich Arztroman

Nein, dies ist kein typischer Arztroman, in dem sich die Krankenschwester - wahlweise die schwerkranke Patientin - in den gutaussehenden, erfolgreichen, charmanten Oberarzt/Chefarzt verliebt. Dieser etwas andere Arztroman zeigt die Realität. Eine taffe Ärztin erlebt am eigen Leibe, wie sich die Angehörigen ihrer Patienten fühlen müssen, als sie ihren Mann als Hilflose Person findet. Über diese HiLuPe's lästert man ja im allgemeinen im Rettungsdienst und Krankenhaus ab - ohne Rücksicht auf die Gefühle der Betroffenen und Angehörigen.Doch es geht um mehr: Die Protagonistin Anita ist Notärztin aus Überzeugung, hilft wo sie kann und setzt sich zum Wohle ihrer Patienten auch schon 'mal über Richtlinien hinweg. dabei half ihr in der Vergangenheit auch immer ihr ebenfalls als Arzt tätiger Exmann. Doch seine neue Frau krempelt ihn vollkommen um. Er tut Anitas Handeln als unnötig und das Gesundheitssystem schädigend ab, sie muss sich als "Gutmensch" (ist das wirklich inzwischen ein Schimpfwort?) beschimpfen lassen und auch der gemeinsame 14-jährige Sohn klopft schon Sprüche, die an Arroganz kaum zu überbieten sind. Anita wird immer aggressiver, als sie erlebt, dass ihr Exmann und ihr Sohn meinen, jeder sei seines Glückes Schmied - wer krank, abhängig oder erfolglos ist, sei eben schwach und selbst daran schuld.Die Wut und Hilflosigkeit der Notärztin ist in jeder gelesenen Zeile zu spüren, ich könnte als Leserin selbst platzen vor Wut über die überheblichen Sprüche und kann manches Verhalten nur zu gut verstehen. Doch müssen sich Anita und die Leser eben auch eingestehen, dass Idealismus im Alltag nur selten funktioniert und sie ihn gleich zweimal über Bord werfen muss - sowohl beruflich, als auch privat bei der Vorstellung, dass man immer noch Teil seiner "alten Familie" ist, obwohl Exmann und Sohn nun mit einer anderen Frau zusammen leben, die noch dazu so aalglatt perfekt ist, dass es mir in den Finger juckt, zu ihr ins Buch zu klettern und die perfekte Frisur zu zerrupfen.Der Alltag im Rettungsdienst ist realitätsnah und detailliert beschrieben. Ja, solche Fälle erlebt man im RTW oder NEF. Dabei gerät es aber nicht zu einer Schlacht mit Fachbegriffen, alles wird gut erklärt auch für fachfremde Leser. Auf diese Weise entsteht ein spannender Roman mit einer guten Mischung aus Dramatik, Liebe, Leid und Humor.

robby-lese gern am 23.08.2014 22:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

für mich sehr gelungen

Schon mit seinem Buch " Das war ich nicht " konnte Magnusson bei mir punkten und so war es für mich selbstverständlich, auch sein neues Buch " Arztroman " zu lesen.
Das Leben einer Notärztin, die sich gegen den Dienst auf der Intensivstation entschieden hat, um nur noch Noteinsätze zu fahren, hat mich mehr als begeistert. Da ich selbst im medizinischen Bereich arbeite, fühlte ich mich fast wie zu Hause und habe die Einsätze mit viel Interesse verfolgt.
Anita Cornelius, um die es in diesem Buch geht, lebt seit einiger Zeit getrennt von ihrem Mann und ihrem Sohn, der eine andere Lebenspartnerin gefunden hat und Lukas, ihr Sohn, ist gleich mit in die neue Wohnung gezogen. Man merkt, dass Anita dies aus der Bahn geworfen hat, obwohl die Trennung für sie durchaus o.k. war. Aber sie hat ein bisschen ihren strukturierten Rahmen verloren. Ihre Wohnung sieht immer noch aus, als wäre sie gerade erst eingezogen, außer Lukas Zimmer. Aber sie verbringt ihre Zeit auch lieber auf der Rettungswache, als zu Hause, weil dort das große Loch auf sie wartet. Auch eine neue, aber eher unverbindliche Beziehung , bringt sie nicht wieder auf die Spur. Gemeinsame Begegnungen mit ihrem Ehemann, der noch auf der Intensiv arbeitet, erinnern sie noch an alte Zeiten, in denen Anita auch mal einen Patienten auf die Intensiv einwies, nur um ihm für eine gewisse Zeit Pflege zuzusichern, weil diese Patienten allein lebten. Doch auch dies läuft nicht mehr wie früher, die Krankenhausreform lässt solches " Schmarotzertum" nicht mehr zu, jeder muss sehen wo er bleibt und muss gesund bleiben, denn wie Heidi, die neue Partnerin von Anitas Ehemann sagt, wir können nicht alle Sozialfälle mit durchziehen. Anita muss miterleben, wie ihre " alte Familie " sich immer weiter von ihr entfernt und sie für sich ein neues Leben finden muss. Eine nicht immer ganz einfache Aufgabe für Anita.

Mir hat es großartig gefallen Anita zu begleiten, sowohl in ihrem Berufsleben, als auch im privaten Bereich. Sie muss Idealvorstellungen und Wunschvorstellungen über Bord schmeißen und sich der Realität stellen und die sieht häufig anders aus, als sie sie sich wünscht, sowohl privat, als auch beruflich. Kristof Magnusson gelingt es wirklich gut , diese Zusammenhänge flüssig und unterhaltsam zu beschreiben. Anita fand ich als Person sehr sympathisch, in ihrer Orientierungslosigkeit , aber auch in ihrer gut ausgefüllten Rolle als Notärztin. Man findet schnell in das Buch, hat ein klein wenig Einblick in das immer mehr bürokratisierte Gesundheitswesen und die Belastungen , denen Ärzte und anderes ärztliches Personal ausgesetzt ist.

Für alle Interessierten, die einer Notärztin einmal über die Schulter schauen wollen, aber auch ein Buch, dass die Orientierungslosigkeit einer Frau beschreibt, die durch ihre Familie Halt fand, um dann selbst einen neuen Weg zu finden.

strickli am 23.08.2014 20:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Als Rettungsärztin in Berlin unterwegs

Um es gleich vorwegzunehmen: Es handelt sich hier um ein ausgesprochen unaufgeregtes Buch für den an medizinischen Einblicken interessierten Leser. Anita ist Rettungsärztin in Berlin und als solche mit ihrem Rettungsassistenten zusammen regelmäßig unterwegs. Die Einsätze sind zum Teil sehr spannend beschrieben, vor allem der erste, der in der Leseprobe enthalten war, ließ mich eine gewisse Dauerspannung in dem Roman erwarten. Aber so unterschiedlich wie die Einsätze selbst sind, zu denen Anita unterwegs ist, so unterschiedlich sind auch die Spannungsmomente. Man weiß vorher nie, was einen beim nächsten Einsatz erwartet, und das wiederum ist ja auch ein gewisses Spannungsmoment. Geholfen wird aber jedem - sei es der Dauerraucher, der aktuell unter Atemnot leidet, dessen eigentliches Problem aber wohl ganz woanders liegt, oder sei es die Studentin, die sich selbst sooft den Blutdruck misst, bis dieser in schwindelerregende Höhen steigt...Nebenher gibt es noch ein paar Einblicke in das Privatleben von Anita - wie gehe ich mit der neuen Freundin meines Exmanns um, was mache ich, wenn ich meinen Exmann dabei erwische, sich in der Mittagspause ungesunde Sachen zu spritzen? Insgesamt auf jeden Fall ein Roman, der einem auf sehr angenehme Art und Weise die Zeit vertreibt. Man findet sehr leicht wieder nach einer Unterbrechung hinein, aber man denkt nicht gerade lange über das eben Gelesene nach, wenn man das Buch zur Seite gelegt hat.

buchdoktor am 22.08.2014 11:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

In der Mitte des Lebens

Wer bereits etwas von Kristof Magnusson gelesen hat, wird von ihm keine von hübschen Krankenschwestern umschwirrten Halbgötter in Weiß erwarten und sich unter einem von ihm geschriebenen „Arztroman“ eher das Gegenteil vorstellen. Magnussons Notarzt ist eine Frau und sie ähnelt im Dienst äußerlich eher einem Feuerwehrmann. Anita Cornelius arbeitet am Notarztstützpunkt des Urban-Krankenhauses in Berlin-Kreuzberg. Sie rückt häufig gemeinsam aus mit ihrem Lieblingskollegen, dem Rettungssanitäter Maik. Mit 40 Jahren ist Anita an einem Punkt im Leben angekommen, an dem sie als erfahrene Notärztin zwar große Befriedigung im Beruf erfährt, sich aber auch fragen muss, was aus ihren Idealen geworden ist, aus denen sie sich für das Medizinstudium entschieden hat. Die meisten Notarzteinsätze in einer alternden Gesellschaft mit wachsender Anzahl von alleinlebenden Menschen entsprechen längst nicht mehr Anitas idealistischer Vorstellung vom Helfen. Zu oft flicken sie und ihre Kollegen in den Krankenhäusern nur notdürftig die Löcher, die eine kurzsichtige Sozial- und Gesundheitspolitik hinterlassen haben; zu viel Zeit verbringen sie mit sinnlosen bürokratischen Abläufen.Anitas Trennung von ihrem Mann Adrian ist Folge dieser Bestandsaufnahme in der Lebensmitte. Nicht nur beruflich hatten Adrian und sie sich auseinander entwickelt. Beide müssen auch die Weichen für die nächsten 25 Berufsjahre neu stellen. Anita und ihr Mann hatten ursprünglich auf der Intensiv-Station gearbeitet. Anita trifft Adrian dort in Abständen wieder, wenn sie einen Patienten einliefert. Der gemeinsame Sohn lebt mit Adrian und seiner neuen Partnerin. Oberflächlich gesehen sind Trennung und Sorgerecht für beide Seiten vernünftig geregelt. Anita kann jedoch nur schlecht damit umgehen, dass ihr 14-jähriger Sohn Lukas inzwischen eigene Wege geht und sie nicht mehr auf alle Entwicklungen in seinem Leben Einfluss hat. Als Anita eine Beziehung mit dem Bootsbauer Rio beginnt, kommt ihr die Idee, Adrian, Lukas und Heidi zu einer gruppendynamischen Bootsfahrt gemeinsam „in ein Boot zu holen“.FazitMagnusson hat die die Abläufe im Rettungsdienst und die Fachsprache sorgfältig recherchiert; sein Roman arbeitet mit den Mitteln der Reportage. Mit drastischen, unappetitlichen Szenen und Insider-Begriffen ist also zu rechnen. Seine Beschreibungen aus Anitas Berufswelt konzentrieren sich auf Beobachtungen im Milieu ihrer Patienten und auf äußere Abläufe. Als Leser erlebt man Anita als genaue Beobachterin der Lebensverhältnisse ihrer Patienten, seltener als glamouröse Retterin. Die Innenwelt einer Person im Schichtdienst ist mir dabei etwas zu kurz gekommen. Zwar wird am Rande gestreift, dass Anita bei Dienstende nur schwer abschalten kann und ihr Schlafzimmerfenster schwarz beklebt hat, um tagsüber schlafen zu können. Die besondere Lebenssituation einer Person, die gegenläufig zu anderen arbeitet und schläft, hätte m. A. deutlicher herausgearbeitet werden können. Kristof Magnusson zeigt in seinem „Arztroman“ die Sinnkrise Vierzigjähriger in der Lebensmitte und lässt seine Leser als Beifahrer im Notarztwagen hinter die Kulissen unseres Gesundheitssystems blicken.

sonnenwind am 21.08.2014 20:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Spannender Einblick in das Leben einer Notärztin

Was für ein interessantes Buch! Nicht nur das Cover ist klasse, ansprechend und passend, auch Anita ist ausgezeichnet beschrieben: Internistin, Notärztin in Berlin, und es ist richtig spannend, ihr Leben einige Monate lang zu teilen. Man muß nichts von Notfallmedizin verstehen, um die Handlung zu verfolgen, aber man gewinnt auch als Laie einen außergewöhnlichen Einblick in den Rettungsdienst. Die vielen Infos, die spannend verpackt serviert werden, haben mir ganz ausgezeichnet gefallen!In diesem Buch gewinnt der interessierte Laie einen persönlichen Blick in den Notarztwagen: Alarme wegen nichts bis hin zu einem Luftröhrenschnitt und einer Flugzeug-Notlandung, alles ist vertreten. Und dabei fiebert man mit, ob der Patient gerettet werden kann - alles in allem ausgezeichnet.Anitas persönliche Lebensumstände waren jetzt eher weniger etwas für mich. Schließlich hat jeder ein Privatleben, und auch diese Dinge kommen überall vor. Aber vielleicht muß auch das sein, um nicht wie ein Leitfaden für Rettungsassistenten zu klingen.Die Auflösung am Ende hat mir dafür gar nicht gefallen. Wenn eine Lüge dazu führen soll, daß alles plötzlich komplikationslos wieder ins Lot kommt, stimmt doch was nicht - aber das soll der geneigte Leser selbst herausfinden.Sehr empfehlenswertes Buch für Leute, die sich für den Alltag im Rettungsdienst interessieren. Man lernt sehr viel, ohne daß es auch nur einen Moment langweilig wäre - sehr zu empfehlen!

dartmaus am 19.08.2014 12:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Das Leben einer Notärztin

Das Cover des Buches ist relativ einfach gestaltet. Aber passend zum Titel. Zum Inhalt: Die Notärztin Anita Cornelius geht vollkommen in ihrem Beruf auf. Doch dabei kommt ihr Privatleben zu kurz. Nach der Trennung von ihrem Mann Adrian, der in der gleichen Klinik auf der Intensivstation arbeitet, gibt es für Anita nur noch ihren Job, denn auch ihr Sohn verbringt mehr Zeit bei seinem Vater als bei ihr. Doch der Unfall eines jungen Mannes, bringt Anitas Gedanken in eine andere Richtung, denn auch ihr Sohn kommt bald in dieses Alter. Während sich ihr Sohn immer mehr von ihr entfernt, begegnet sie Rio, zudem sie sich gleich hingezogen fühlt. Doch sie macht ein Geheimnis daraus, denn Rio hat sie auf einer Party bei ihrem Kollegen Mike schonmal getroffen. Doch obwohl sie mit Mike mehr verbindet, als nur Kollegen, erzählt sie ihm nichts davon. Denn alle sind in dem Glauben, das Anita die Trennung von Adrian, der jetzt mit Anitas Freundin Heidi zusammen ist, perfekt gemeistert hat. Doch der Schein trügt. Anitas Leben gerät erneut ins Wanken, als sie ihren Exmann bewusstlos in einer Toilette der Klinik findet.Meine Meinung: Ein äußerst gelungener Roman, der einem nicht nur Einblick in das Leben einer Notärztin in der Großstadt gibt sondern auch das Privatleben dieser hinterfragt. Sehr realistisch beschreibt der Autor auch die einzelnen Einsätze der Notärztin. Auch die immer wieder kehrenden Gedanken einer Notärztin werden sehr gut dargestellt. Ebenso die Probleme in diesem Job ein Privatleben zu führen werden ganz klar dargestellt. Auch werden medizinische Hintergründe aufgezeigt, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Ebenso die Probleme, die es mit sich bringt auf einer Intensivstation zu arbeiten. Das erkennt man an Anitas Exmann, der dadurch in den Drogensumpf flüchtet. Der Schreibstil des Buches ist flüssig, interessant, teils humorvoll, teils melancholisch und auch hin und wieder dramatisch. Mein Fazit: Ein gelungenes Buch über den Alltag einer Notärztin.

traudl am 19.08.2014 10:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Zwischen Beruf und Privatleben einer Notärztin

Anita Cornelius, Notärztin an einem Berliner Krankenhaus übt ihren Beruf mit grossem Einsatz aus. Von Adrian, ihrem Exmann, lebt sie seit einem Jahr getrennt. Und ihr 14jähriger Sohn lebt bei seinem Vater und dessen Freundin. Mit ihrem Assistenten Maik hat sie einen zuverlässigen Kollegen mit dem sie sich auch menschlich gut versteht und jeder geglückte Einsatz gibt ihnen ein gutes Gefühl. Da es in ihrer neuen Wohnung noch recht einsam ist, setzt sie sich zur Abwechslung in Cafés und trifft dort Rio, einen flüchtigen Bekannten. Nach angeregter Unterhaltung mit einem Glas Wein landen sie in ihrer Wohnung. Rio hat einen interessanten Beruf und die Beziehung entwickelt sich sehr gut. Doch plötzlich bekommt Anita beruflich mit ihrem Exmann Probleme und sie versucht mit einem gemeinsamen Segeltörn mit Rio und ihrer Familie die Wogen zu glätten. Doch der Schuss geht nach hinten los; denn sie lässt sich von Heidi, der Freundin ihres Ex, provozieren. Als ein paar freie Tage vor ihr liegen, fährt sie kurzentschlossen zu ihren Eltern in die alte Heimat um zur Ruhe zu kommen. Die Auszeit tut ihr gut und sie erkennt, wie erfüllend ihr Beruf mit vielen tragischen aber auch glücklichen Momenten und netten Kollegen sein kann. Ein leicht zu lesender interessanter Roman, da nur wenig Person mitspielen und der Ausgang offen bleibt.