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Es gibt mehrere Arten, eine Geschichte zu erzählen. Aber nur eine, die alles verändert.

Bei euch ist es immer so unheimlich still

Ildingen, 1950er Jahre. Evelyn Borowski hat alles, was sie sich je erträumt hat: Ein Eigenheim mit Garten, einen fürsorglichen Mann und das lang erwartete Töchterchen Silvia. Trotzdem ist sie nicht glücklich: Sie vermisst ihren Beruf als Ärztin und fühlt sich fremd und allein in dieser süddeutschen Kleinstadt. Betti, Ihre Freundin und Schwägerin, ist unverheiratet und kümmert sich deshalb um die Eltern. Mit losem Mundwerk und rasantem Fahrstil sorgt sie für reichlich Ärger.

Ein außergewöhnlicher Familienroman, der einen Bogen von der Nachkriegszeit bis zur Wende spannt.

1989, in Berlin liegt Aufbruch in der Luft. Silvia Borowski aber macht einen Schritt zurück. In einem geklauten Polo fährt sie Hals über Kopf Richtung Süden. Neben ihr die erst wenige Wochen alte Tochter Hannah. Was erwartet sie in ihrem Heimatort, aus dem Silvia vor vielen Jahren überstürzt geflohen ist? Ist sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?

Eine berührende Mutter-Tochter-Geschichte, die von der Last jahrzehntelangen Schweigens erzählt, und von dem Mut, es zu brechen.

»Auf dem IIldinger Friedhof hinter der gotischen Kirche aus hellem Sandstein ging Silvia die sauber geharkten Kiesreihen ab. Am Familiengrab der Borowskis setzte ihr Herzschlag einen Moment aus, als ihr auffiel, dass ein Stein fehlte. Ein Stein, der eine Frage beantwortet hätte, die sie nie gestellt hatte, weil sie sicher war, die Antwort zu kennen. Es gab keinen Stein für Tante Betti.« Wer Alena Schröder liest, begreift, nicht nur Aufbruch kostet Mut, sondern auch Heimkehr.

Jetzt erzählt die Autorin, was in ihrem gefeierten Bestsellerroman ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ im Dunklen blieb.

  • »Alena Schröder hat eine dichte, emotionale Geschichte gewoben, genauso spannend wie zum Nachdenken anregend.« Donna
  • »Ein Starker Familienroman, in dem es auch darum geht, wie Frauen aller Generationen mit dem Muttersein hadern.« Freundin
  • »Atmosphärisch dicht, die Rückblenden so mitreißend wie Babylon Berlin.« flow
  • »Hoppla, Alena Schröder ist eine echte Entdeckung.« Denis Scheck, ARD Druckfrisch

Bibliografische Daten

EUR 14,00 [DE] – EUR 14,40 [AT]
ISBN : 978-3-423-22070-5
Erscheinungsdatum: 17.10.2024
5. Auflage
336 Seiten
Format : 12,2 x 19,1 cm
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Alena Schröder

Alena Schröder, geboren 1979, arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie hat Geschichte, Politikwissenschaft und Lateinamerikanistik in Berlin und San Diego studiert und die Henri-Nannen-Schule besucht. Nach einigen Jahren in der ›Brigitte‹-Redaktion arbeitet sie heute frei u.a. als ›Brigitte‹-Kolumnistin. Gemeinsam mit Till Raether spricht sie in ihrem Podcast »sexy und bodenständig« über das Schreiben. 

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163 von 163 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.64 von 5 Sternen


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10 - 10 von 163 Leserstimme

schluny85 am 14.08.2023 09:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Berührend

„Bei euch ist es immer so unheimlich still“ von Alena Schröder ist ein berührender Roman. Das Cover gefällt mir sehr gut und passt hervorragend zum Buch. Ihr gelingt sehr gut, die Figuren authentisch zu beschreiben und ihre Gesellschaftskritik regt zum Nachdenken an. Besonders gut gefiel mir, dass ich die Motive und Regungen der Figuren nachempfinden konnte. Ihr Schreibstil ist flüssig und dadurch kommt sehr gut in den Roman und man kann sich auch gut in die Personen einfinden. Auch spart sie nicht an der Gesellschaftskritik. Evelyn und Betti haben sich ihrem Schicksal ergeben und sich in ihre Rolle zwingen lassen. Silvia hingegen ist aus der Reihe getanzt. Auch Karl hat versucht, gegen die damaligen Konventionen anzukämpfen und wurde mir dadurch sympathischer. Die Geschichte ist glaubwürdig und nachvollziehbar, wenn man selbst in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kennt man das sehr gut, hier bleibt nix geheim und jeder will alles wissen. Wer einen Familienroman mit Tiefgang und Gesellschaftskritik sucht ist hier gut aufgehoben.

edda am 14.08.2023 08:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Erstklassige Unterhaltung!

Silvia Borowski kehrt überstürzt mit ihrer Tochter Hannah 1989 in ihr Heimatdorf zurück. Jahrelang in der Hauptstadt Berlin in einer WG lebend, konfrontiert sie sich jetzt mit ihrer Mutter Evelyn und ihrer Herkunft. Auch Evelyn war einmal jung und ihre eigene Geschichte wird ab dem Jahr 1950 in Abschnitten bis 1989 erzählt. Die Perspektive von Silvia ist das Jahr 1989. Die Vergangenheit wird erzählt, aufgearbeitet, nähert sich. Spießbürgertum, Schuld, Verpflichtungen, sozialer Zwang, Entscheidungen, die passend zur damaligen Zeit geschehen sind und die man jetzt so erfrischend mit empathischem Abstand genießen kann. Jede der 318 Seiten dieses Romans habe ich als spannendes Eintauchen in die Zeit empfunden, den „Kleinstadtmief“ mit heutigen Augen zu betrachten, betroffen und dennoch betrachtend. Doch sie geben auch Anregung darüber, wie der Mensch tickt und die Frage, welche Verkleidung die jetzige Zeit auswirft. Auch wie das Leben prägt durch angenommene Schuld und getroffene Entscheidungen. Beide Erzählstränge, der von Silvia sowie der von Evelyn sind vergangene, was das Zeitlose an dem Buch bewirkt – ein Stück Geschichte, nicht nur die der beiden, sondern auch die der deutschen Ereignisse. Die deutsche Mauer wird fallen, auch Evelyn und Silvia werden neue Wege einschlagen. Die humorvolle und präzise Beobachtung der unterschiedlichen Milieus, hat mich beeindruckt. Es werden in diesem Roman Teilstücke erzählt, die sich erst zum Ende hin zusammenfügen und aufschlussreichen Sinn ergeben. Nebendarsteller werden zu maßgebenden Wendepunkten in Silvias sowie Evelyns Lebensweg. Der Roman ist raffiniert geschrieben, die Sprache entspringt der Jetztzeit und führt dadurch in die betrachtende, unbefangene Gegenwartsperspektive. Attribute, die ein kluges unterhaltsames Buch erfüllen: Zeitkolorit, Milieubetrachtungen, glaubhafte lebendige Protagonisten und Nebendarsteller, die zu eigenen Erinnerungen anregen. Alena Schröder trifft den Punkt und fesselt. Sie schildert ohne zu urteilen. Kinder nehmen die Eltern als eigene Persönlichkeit nicht wahr während sie Kind sind. Hier wird dies angeregt und aufgearbeitet.Alena Schröder arbeitet als Journalistin und Autorin in Berlin. Schon ihr erstes bekanntes Buch „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ überzeugte. Auch dieser Roman mit dem“ vielsagenden Titel „ Bei euch ist es immer so unheimlich still“ ist eine absolute Empfehlung.Ein großer Wurf, eine erstklassige Unterhaltung!

khaleesi am 13.08.2023 20:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

berührend

Alena Schröder legt hier die Vor- bzw. Zwischengeschichte zu "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" vor. Diesmal geht es um Silvia Borowski, über die es im ersten Teil noch nicht so viel erzählt wurde. Das Buch kann jedoch auch ohne Kenntnis des ersten Bandes gelesen und verstanden werden.Es wird wieder auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen geht es um Evelyn, die in der 1950er Jahren lebt. Sie hat eigentlich ein Vorzeigeleben, doch sie ist nicht glücklich. Statt Kind, Haus in der Vorstadt und fürsorglichem Mann möchte sie lieber wieder als Ärztin arbeiten. Ihre Schwägerin ist übriggebliebene und versorgt die Eltern, auch sie fühlt sich in ihrem Leben nicht wohl. Niemand nimmt sie so richtig ernst.1989 lernen wir auch Evelyn Tochter Silvia kennen, die sich mit ihrer neugeborenen Tochter auf die Heimreise zur Mutter begibt. Die Stränge werden abwechselnd erzählt, durch die verschiedenen Perspektiven ist es ein kurzweiliges Buch. Man lernt alle Beteiligten gut kennen und verstehen. Nach und nach verdichten sich die Stränge und das Familiengefüge wird freigelegt. Die Mutter Tochter Beziehung wird hier gut erzählt und es wird klar, das der Rückschritt Silvias zur Mutter und zur Heimat wichtig war, um die Dinge besser einzuordnen und zu verstehen. Eine tolle Familiengeschichte, die sehr berührend erzählt wird und auch nach Beenden des Buches noch nachhallt.

barafl am 13.08.2023 20:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

sehr stimmiges Buch

Silvia kehrt nach vielen Jahren wieder in ihr Heimatdorf zurück. Im gestohlenen Auto des Mitbewohners, mit ihrer wenige Wochen alten Tochter Hannah am Beifahrersitz und ohne Geld in der Tasche.Zu Hause angekommen erwartet sie eine vergrämte Mutter, die das Haus schon lange nicht mehr verlassen hat.Im Laufe der Zeit lockert sich die Atmosphäre und beide Damen stellen sich ihrer Vergangenheit, denn ihre Beziehung ist weder liebevoll noch eng gewesen.Es spielten auch noch die väterlichen Großeltern, die etwas seltsame Tante Betti sowie die Nachbarn eine große Rolle. Nicht zu vergessen der Fall der Berliner Mauer.Die Autorin beschreibt die Geschichte abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit. Neben der Familiengeschichte kommt auch die Geschichte Berlins vor und es wird auch viel über Lebenseinstellungen vermittelt.Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und ich konnte es kaum weglegen, da ich unbedingt wissen wollte wie es ausgeht.Eine ganz klare Leseempfehlung von meiner Seite.

eulenmatz am 13.08.2023 18:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Tolle Vorgeschichte

MEINUNG:Bei euch ist es immer so unheimlich still kann man als Vorgeschichte von Alena Schröders Debüt Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid betrachten, welches mir sehr gut gefallen hat. In Bei euch ist es immer so unheimlich still erfahren wir die (Lebens-) Geschichte von Evelyn und Silvia, welche Großmutter und Mutter von Hannah sind, die in Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid die Protagonistin ist. Evelyn und Silvia spielen hier schon eine Rolle, aber nun lernt man sie endlich noch besser kennen. Man kann beide Bücher auch in umgekehrter Reihenfolge und unabhängig voneinander lesen, aber ich würde empfehlen beide Bücher zu lesen. Die Geschichte spielt abwechselnd beginnend in den 1950er Jahren mit Evelyn Geschichte, die sich dann natürlich mit der Geburt von Silvia irgendwann mit Silvias eigenes Geschichte und der Geburt von Hannah 1989 überschneiden. Es ist nicht nur die Geschichte von Silvia und Evelyn, sondern auch die von Evelyns Schwägerin und Silvias Tante Betti. Silvia bricht Hals über Kopf nach der Geburt von Hannah mit einem klapprigen Polo zu ihrer Mutter nach Ildingen im Süden Deutschland auf.Ich war sofort wieder gefangen von Alena Schröders einnehmender Art zu schreiben und Geschichten zu erzählen. An sich ist es eine ruhige Geschichte, aber es gibt das ein oder andere Familiengeheimnis, was es noch zu lüften gilt bzw. eher um die Auflösung des Konfliktes darum, den die Beteiligten viele Jahre in sich getragen haben. Das Verhältnis zwischen Evelyn und Silvia war von Anfang an schwierig. Meiner Meinung nach liegt es irgendwie an den Gegensätzen der beiden und den Erwartungen der beiden, dass die andere nicht ein bisschen wie man selbst ist und das es so mehr Verständnis gibt. Vor allem Silvia scheitert regelmäßig an den Erwartungen ihrer Mutter. Silvia hat dagegen ein besseres Verhältnis zu ihrer alleinstehenden Tante Betti, die allerdings von ihrer Familie immer als schwarzes Schaf behandelt wird, weil sie eben ein anderes Leben führt, mehr oder weniger selbst gewählt, und sich wenig anpasst, an die Vorstellungen von Frauen und ihrer Rolle in der Gesellschaft. Mich haben viele Äußerungen wirklich wütend gemacht, auch wenn es damals so gewesen sein mag. Auch Evelyn erhält nicht die nötige Anerkennung als Ärztin. Scheinbar konnten Frauen damals Ärztinnen werden, aber eigentlich war es nicht vorgesehen, dass sie wirklich arbeiten. Mir gefiel die schrittweise Annäherung von Silvia und Evelyn. Es ist deutlich zu spüren, dass Silvia aber ein stückweit mit sich im Reinen ist und ihr das Muttersein spielend gelingt, was auch Evelyn mit einer gewissen Anerkennung honorieren muss. Zwischen den beiden ist, wie in vielen familiären Familien, einfach die fehlenden Kommunikation ein Problem, die vor allem auf Schweigen basiert. Aus diesem Grund passt auch der Titel des Romans sehr gut. Er bezieht sich darauf, dass die Nachbarn von Silvias kein Babygeschrei vernommen haben und ist aber auch bezeichnend für die Beziehung von Silvia und Evelyn. Die Rückkehr in die Heimat ist fast wie eine Niederlage für Silvia, die unbedingt ganz schnell weg wollte aus dem kleinen Kaff, um in die große Stadt Berlin zu kommen. Mit ihrer Rückkehr muss sich auch Silvia einigen Konflikten aus ihrer Vergangenheit stellen. Neben Silvia und Evelyn ist mir auch Tante Betti sehr ans Herz gewachsen. Es gefiel mir ausgesprochen gut, wie die Autorin bereits kleine Andeutungen am Anfang macht und dann Schritt für Schritt aufdröselt, was wirklich passiert ist und anders als in anderen Romanen, die auf zwei Zeitebenen spielen, sind beide Erzählstränge eng miteinander verwoben.FAZIT:Bei euch ist es immer so unheimlich still ist ein wieder ein toller Familienroman, aber auch ein Roman über das Muttersein, die Auseinandersetzungen und das Lösen von familiären Konflikten und gibt gleichzeitig Einblicke in die jeweilige Zeit. Ich habe das Buch ist drei Tagen durch gesuchtet und kann es nur empfehlen zu lesen. Falls noch nicht geschehen, dann unbedingt auch Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid  lesen.

mrsroman am 13.08.2023 15:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Mütter - Töchter und Erwartungen !

Das Buch von Alena Schröder mit dem wunderschönen Cover stellt eins meiner Highlights in diesem Lesejahr dar!Ich hätte diese wunderbare Familiengeschichte der Borowskis in einem Rutsch durchlesen können, habe mich aber gezwungen langsam und in Abschnitten zu lesen, um ein längeres Leseerlebnis zu haben!In der Geschichte, die auf 2 Zeitebenen spielt, 1989 und der Entwicklung seit 1950, handelt es sich im Kern um ein Buch, dass sich mit gesellschaftlichen und persönlichen Erwartungen auseinandersetzt- Erwartungen an den Bruder der traumatisiert aus dem Krieg heimkehrt, an die Freundin, die sich durch Heirat verändert, an die Töchter, die sich nicht den gesellschaftlichen Konventionen anpassen und auch an die Mütter, denen es an Zuneigung und Innigkeit mangelt.Im Kern geht es um Folgendes:Die frisch gebackene junge Mutter Silvia - enttäuscht und wütend von der abweisenden Haltung des Vater des Kindes und über die Rücksichtslosigkeit ihrer Mitbewohner -flüchtet überstürzt mit ihrer kleinen Tochter Hannah aus ihrer alternativen Berliner WG zu ihrer Mutter in das Dorf Ildingen ihrer Kindheit, dem sie eigentlich zu entfliehen gedachte. Dort trifft sie auf die im Gegensatz zu Berlin kleinbürgerliche, beklemmende Atmosphäre, und ihre abweisende Mutter; die greifbare Spannung zwischen Mutter und Tochter hat die Autorin hervorragend eingefangen. Wer in einer Kleinstadt aufgewachsen ist, wo jede Veränderung bzw. Abweichung mit Argusaugen beobachtet wird, wird an den subtilen Schilderungen der Autorin großen Gefallen finden. Der parallel dazu geschilderte Rückblick in die 50 er Jahre befasst sich mit zunächst mit der Eheschließung von Silvias Eltern und deren familiärem Umfeld, wobei deutlich wird, wie tiefgreifend die Kriegserlebnisse die Familie geprägt haben. Einfühlsam schildet Alena Schröder die berufliche Entwicklung von Silvias Mutter, die trotz absolvierten Medizinstudiums und Doktortitels in den 60er Jahren nicht die berufliche Anerkennung und Selbstverwirklichung erfährt, die sie sich vorgestellt hat. Als den allgemeinen Erwartungen entsprechend sich endlich das erwünschte Kind einstellt, entwickelt sich dieses nicht wie von der Mutter erwartet, so dass die Frustration der Mutter, die in die Hausfrauenrolle gedrängt wird, die Kindheit Silvias überschattet.Die gesamte Entwicklung der Mutter - Tochter Beziehung ist genau beobachtend, höchst einfühlsam geschildert und man fühlt und leidet mit den Romanfiguren, die die Vergangenheit, verschwiegene Geheimnisse und die Sprachlosigkeit überwinden müssen. Neben diesen beiden zentralen Figuren gibt es weitere interessante Protagonisten, wie z.B. die leicht verbitterte und vom Leben enttäuschte aber unkonventionelle Tante Betti, die sich den Mund nicht verbieten lässt „Pfeif auf die Leut“ und die für Silvia in ihrer Jugend zu einem festen Halt wird. Die Autorin hat nicht nur die Figuren des Buches authentisch wiedergegeben sondern auch den Zeitgeist und die Atmosphäre auf beiden Zeitebenen perfekt eingefangen und die Feinheiten und Schwierigkeiten des Miteinanders genau beobachtend geschildert, so dass das Lesen des Buches eine reine Freude ist! Ein unterhaltsamer Roman mit Tiefgang- unbedingte Leseempfehlung!

hoelzchen am 13.08.2023 14:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Mutter und Tochter kommen sich näher

Berlin 1989: Silvia braucht eine Auszeit. Mit ihrer kleinen Tochter Hanna (sie ist noch ein Baby), „flieht“ sie aus ihrer WG und fährt, nach fast zwei Jahrzehnten Abwesenheit, zu ihrer Mutter Evelyn nach Süddeutschland. Die beiden standen sich nie sehr nah, doch nun versuchen sie das Beste aus der Situation zu machen. In Rückblenden, beginnend im Jahr 1950 und endend 1971, erfährt man mehr von der Familiensituation. Evelyn stammt aus Mecklenburg-Vorpommern, nach dem Krieg verschlägt es sie nach Baden-Württemberg. Sie studiert Medizin und heiratet Silvias Vater, der auch Arzt ist. Evelyn bleibt dort in der Provinz immer eine Fremde, nur in ihrer Arbeit geht sie auf. Ihr Verhältnis zu Silvia ist unterkühlt und Silvia bleibt ein Einzelkind. Silvias Herz hängt an ihrer Tante Betti, die ein unkonventionelles Leben führt. Während ihres Besuchs in der alten Heimat, blickt Silvia auf ihr Leben zurück, entdeckt Geheimnisse und ist bereit ihren Frieden zu machen. Unterstützung bekommt sie von einer alten Mitschülerin und dem Nachbarssohn von damals. Sie erkennt, es ist nicht alles Gold was glänzt.„Bei euch ist es immer so unheimlich still“ von Alena Schröder, ist die Vorgeschichte von ihrem Romandebüt. Der Romann kann, so wie von mir, unabhängig davon gelesen werden. Das Buchcover finde ich ganz zauberhaft. Es verrät nichts und hat mich neugierig aufs Buch gemacht. Der Titel, ein Ausspruch von der Nachbarin, bei der es immer lebhaft zuging, da vier Kinder im Haus waren, ist sehr passend gewählt und trifft den Inhalt sehr gut. Der Schreibstil von Alena Schröder hat mich sofort gepackt. Zudem mag ich Romane, die in verschiedenen Zeitebenen geschrieben sind. Der Wechsel gelingt hier immer gut und ich konnte der Geschichte immer sehr gut folgen. Sympathisch sind mir beide Protagonistinnen und ich kann ihre Verhaltensweisen gut nachvollziehen. Beide Frauen sind keine einfachen Charaktere, wirken auf mich aber absolut authentisch. Evelyn ist ohne Mutter aufgewachsen, das erklärt vermutlich ihren fehlenden Mutterinstinkt. Die Distanz zu Silvia ist von Geburt an da. Das Rollenbild der Frauen und Mütter war in den 1950er Jahren ein anderes. Dem konnte Evelyn nicht gerecht werden. Heutzutage würden man Evelyn mehr Verständnis entgegenbringen und sie würde sich wohler fühlen. Silvia spürt diese Kälte von klein auf an und hat immer das Gefühl, ihrer Mutter nicht gerecht zu werden. Auch ihre schulischen Leistungen entsprechen nicht den Anforderungen von Evelyn. Sie zeigt kein Verständnis für Silvia. Die Verbindung zum Vater ist herzlicher, doch damals sprach man nicht über Gefühle, die Erziehung noch eher autoritär geprägt. Silvia muss ins Internat und die Entfernung zur Familie wird sprichwörtlich größer. Bis Silvia den Kontakt fast abbricht. Für mich ist es menschlich nachvollziehbar, wie Silvia gehandelt hat und welche Person aus ihr geworden ist. In erster Linie ist dieses Buch natürlich ein Unterhaltungsroman, doch man liest die kritischen Töne heraus. Die Symbiose ist gelungen. Ich mag den Erzählstil von Alena Schröder, er ist modern, ruhig und authentisch. Die Fortsetzung (also das erste Buch der Autorin) um die Familie Borowski habe ich schon bei mir liegen. Ein größeres Kompliment kann man einer Autorin eigentlich nicht machen.Von mir gibt es 5 Sterne für diesen tollen Roman.

reader1965 am 12.08.2023 22:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Starke Frauen & ihr Schweigen

Von Alena Schröder hat mir "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" sehr gut gefallen. Daher waren meine Erwartungen an ihr neues Buch "Bei euch ist es immer so unheimlich still" sehr hoch - und sie wurden nicht enttäuscht.Von 1950 bis 1971 geht es hauptsächlich um das Leben von Evelyn als Ehefrau, Ärztin & das Muttersein und um das Aufwachsen ihrer Tochter Silvia - in einer Zeit, in der Konflikte vermeintlich mit Schweigen "vermieden" wurden und die Rolle der Frau noch eine ganz andere war als heute.1989 stellen sich Evelyn & Silvia der Vergangenheit.Ein wunderbarer Familienroman. Alena Schröder erzählt mit viel Empathie über das Leben ihrer Figuren und von Auf- & Umbrüchen. Sie zeichnet mit Evelyn & Silvia authentische Mutter-Tochter- Charaktere, deren Verhalten für mich nachvollziehbar ist und in die ich mich gut hineinversetzen konnte. Gut gefallen hat mir, dass die Kapitel im Wechsel 1950-1971 und 1989 spielen und die Geschichte damit mehr Tiefe bekommt.Ein bewegendes Buch und eine große Leseempfehlung an alle, die Familiengeschichten mögen, die auf mehreren Zeitebenen spielen.Und ich hoffe, dass es bald einen neuen Roman von Alena Schröder gibt. Vielleicht erzählt sie uns dann die Geschichte über Evelyns Mutter...

vikaswelt am 12.08.2023 21:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Packend und emotional!

Mir ist das Buch mit dem wunderschönen Cover direkt ins Auge gesprungen! Durch den Klappentext wollte ich dann mehr über die Geschichte erfahren und wurde nicht enttäuscht!In dem Buch geht es um die Tochter Silvia und ihre Mutter Evelyn, die ein schwieriges Verhältnis zueinander haben. Durch Silvias Tochter Hannah kommen sich die Beiden näher und es kommen einige Probleme aus der Vergangenheit auf. Durch die verschiedenen Perspektiven, dem angenehmen Schreibstil und die Zeitsprünge in die Vergangenheit konnte mich das Buch schnell packen und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Bis zum Schluss wusste man noch nicht die ganze Geschichte aus der Vergangenheit und es blieb spannend.Die Stellung der Frau in den 50er/60er Jahren und die Gefühle der Frauen waren authentisch. Ich fand die ganze Entwicklung der Mutter-Tochter-Beziehung emotional und ergreifend.Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der gerne packende und emotionale Familiengeschichten liest. Es war mein erstes Buch der Autorin und sicherlich nicht das Letzte.

baluma am 12.08.2023 17:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Aufbruchstimmung

"Bei euch ist es immer so unheimlich still" ist die Vorgeschichte bzw. das Bindeglied zu Alena Schröders Romandebüt "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid". Allerdings wird das nirgends erwähnt und ich habe es nur durch die Leseprobe von "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlich, blaues Kleid" am Ende dieses Buches festgestellt. Es liest sich also auch super, ohne den Debütroman zu kennen. Manche Protagonisten wären dann schon bekannt und manche Hintergründe könnte man vielleicht besser verstehen. Aber mir ist bei der Lektüre nicht aufgefallen, dass es noch ein Buch mit den gleichen Protagonisten gibt. Der Roman spielt zu zwei verschieden Zeiten. Den 50er und 60er Jahren in denen Evelyn und Karl heiraten und Silvia aufwächst. Und dem Jahr 1989 in dem Silvia mit ihrer Tochter zu ihrer Mutter zurückkehrt. Ein Jahr des Aufbruchs für Deutschland und der Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte für Evelyn und Silvia.