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Lebenslinien – Liebeslinien – Liebesmuster

Das Vorkommnis

Eine Frau wird von einer Fremden angesprochen, die behauptet, sie hätten beide denselben Vater. Die überraschende Begegnung bleibt flüchtig, löst in ihr aber eine Welle von Emotionen aus. Fragen drängen sich auf, über Ehe und Mutterschaft, über Adoption und andere Familiengeheimnisse, über Wahrheit überhaupt. In ›Das Vorkommnis‹ erzählt Julia Schoch – eine der eindrücklichsten Stimmen autofiktionalen Erzählens in der deutschen Literatur – von einem Leben, das urplötzlich eine andere Richtung bekommt. Fesselnd und klarsichtig, so zieht sie hinein in den Strudel der ungeheuerlichen Dinge, die gleichzeitig auch alltäglich sind. Ein Roman von großer literarischer Tiefe und Schönheit, im Werk von Julia Schoch ein neuer Höhepunkt.

»›Das Vorkommnis‹ ist, und das sage ich selten, ein literarisches Kunstwerk, ein virtuoses Meisterstück über Erinnerung und Verdrängung.« Elke Heidenreich

Bibliografische Daten

EUR 14,00 [DE] – EUR 14,40 [AT]
ISBN : 978-3-423-14873-3
Erscheinungsdatum: 09.01.2025
4. Auflage
192 Seiten
Format : 11,5 x 19,0 cm
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Julia Schoch

Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in Eggesin in Mecklenburg, gilt als »Virtuosin des Erinnerungserzählens« (FAZ). Zuletzt veröffentlichte sie die Romane ›Das Vorkommnis‹, ›Das Liebespaar des Jahrhunderts‹ und ›Wild nach einem wilden Traum‹ als die drei Bücher ihrer gefeierten Trilogie ›Biographie einer Frau‹. 2022 wurde ihr die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung verliehen, 2023 der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen, 2024 der Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis. 2025 zeichnete man sie mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Sie lebt in Potsdam.

 

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71 von 71 Leserstimmen

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3 - 10 von 71 Leserstimme

jelka am 15.02.2022 19:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Welche Geschichten erzählen wir uns über unsere Familie?

In dieser autofiktionalen Erzählung setzt sich die Erzählerin, eine Schriftstellerin, mit Adoption, Familiengeheimnissen, und der Kontinuität ihrer Familienbiografie vor dem Hintergrund der deutsch-deutschen Geschichte auseinander. Dabei lenkt sie in bemerkenswerter Weise den Blick auf Korrekturen und blinde Flecken in der eigenen Biografie, und hinterfragt sicher geglaubte Tatsachen in den Beziehungen zu ihrer Familie.Auslöser für diese Auseinandersetzung ist das titelgebende „Vorkommnis“. Die namenlose Ich-Erzählerin wird auf einer Lesereise von einer ihr unbekannten Frau angesprochen; sie sei ihre Halbschwester väterlicherseits und vor der Geburt der Erzählerin selbst zur Adoption freigegeben worden. An diesem Punkt setzt eine puzzleartige Recherche in die Familiengeschichte ein, bei der sie nicht nur im schreibenden Sinne, sondern auch räumlich einen Schritt zurücktritt und die familiären Beziehungen unter die Lupe nimmt.Wie spricht man in Familien über Glück, Angst, Beziehungsgeflechte, Erinnerungen, wenn es unzählige in Schubladen versteckte „Vorgeschichten“ gibt? Können wir uns dennoch auf Familienerzählungen verlassen? Und wichtiger: Wer sind wir wirklich, welche "Negativabdrücke", wie bei einem Fotonegativ, haben diese Geheimnisse im eigenen Leben hinterlassen?Spannende Themen, die viel aufrühren und in einer fast sachlichen, jedoch niemals der Illusion von Kontrolle erliegenden Prosa erarbeitet werden. Das Leben mit seinen Alltagsdramen geht weiter, während sich die Introspektion unerbittlich ihren Raum sucht. Man spürt förmlich, wie die Erzählerin versucht, sich diesen Raum zu nehmen und den Alltag, zeitweise ist sie als Dozentin an einer amerikanischen Universität beschäftigt, auszublenden und sich zu entfernen, um ihrer eigenen Geschichte näherzukommen. Als schreibende Frau mit zwei kleinen Kindern wird das auch zur praktischen Herausforderung. Mit ihrer sie begleitenden Mutter beginnt sie Gespräche über die Vergangenheit, merkt aber, dass das nicht geht ohne weitere Fragen aufzuwerfen.Für meinen Geschmack ging der Versuch des "Zurücktretens" vom untersuchten Objekt fast ein bischen zu weit. Es fiel mir schwer, emotional dran zu bleiben. Man spürt selbst in der Sprache die Distanz, um die sich die Erzählerin so sehr bemüht. Andererseits: Vielleicht braucht es eine gewisse Distanz für diese Art von persönlicher, sich auseinandersetzender Literatur?Insgesamt ein spannender Text, besonders für Fans von autofiktionaler Literatur, der Stil erinnert mich ein bischen an Rachel Cusk und Deborah Levy.

fraedherike am 14.02.2022 23:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Unglaublich gut!

„Das hier ist nicht die Geschichte meiner Familie. Die Geschichte meiner Familie gibt es nicht. Da ist nur die Geschichte einer Verwirrung. (...) Ich bilde mir ein, über eine Geschichte zu schreiben, die nicht meine eigene ist. Zu schreiben, damit ich herausfinde, warum sie mich berührt.“ (S. 89f)Als sie nach einer Lesung von einer Fremden angesprochen wird, die behauptet, ihre Schwester zu sein, wird die Frau von Emotionen überrollt: Zunächst ist da eine unbekannte Freude ob des „neuen“ Familienmitglieds, aber auch große Irritation über plötzliches, unvermitteltes Auftauchen, später sogar Angst, Unsicherheit, ja, Ärger. Die Begegnung, so flüchtig sie auch war, lässt sie ihr Leben, alles, was sie über ihre Familie und das Leben an sich zu wissen glaubte, hinterfragen: die matriarchalen Entwicklungen im Kontext der deutschen Geschichte, die Beständigkeit ihrer Ehe, die Wahrheit. "Nie weiß man genau, in welcher Gegenwart man lebt. Manchmal sind wir lange Zeit in Gedanken woanders, bei Menschen und Geschehnissen aus einer anderen Zeit, anderen Räumen." (S. 187)In „Das Vorkommnis“, dem ersten Band des autofiktionalen Erzählzyklus‘ „Biographie einer Frau“, beschreibt Julia Schoch mitreißend und sehr persönlich, welche Auswirkungen das unvermittelte Aufeinandertreffen mit ihrer Halbschwester auf ihr Leben hat, wie sie ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart, ihre Zukunft in Frage zu stellen beginnt. Zunächst versucht sie, die Begegnung zu verdrängen, ist froh darüber, wegen ihres halbjährigen Lehrauftrags in die USA zumindest räumliche Distanz zu schaffen – doch die Gedanken bleiben und wecken immer wieder die Geister der Vergangenheit. Sie ist getrieben von der Frage, was eine Mutter dazu bewegt, ihr Kind – im Speziellen: ihre Halbschwester – zur Adoption freizugeben, ersucht sich Rat bei ihrer „richtigen“, älteren Schwester, doch ihre Beziehung ist seit einem Vorfall distanziert und kühl, nicht einmal diese schicksalhafte Fügung bringt sie einander näher. Doch das ist nicht das Einzige, was sie beschäftigt. Insbesondere die Rollen der Frauen ihrer Familie geben ihr keine Ruhe: So reflektiert sie ihre eigene Mutterschaft, die Phasen des Abstillens, der neuen Unabhängigkeit und die Leere, die es hinterlässt, ihre Beziehung zu ihren Kindern, aber auch das Leben ihrer Mutter, die sie in die USA begleitet hat. Sie scheint ihr Leben lang immer zurückgesteckt, keine Pause gehabt zu haben, und blüht mit dem Alter und seinen neuen Freiheiten – vielleicht auch der Distanz zu ihrem Mann – endlich auf. Geht es ihr selbst denn nicht genauso? Denkt sie nicht schon seit langem darüber nach, sich von ihrem Mann zu trennen; hatte sie nicht schon einen Zettel in ihrem Portemonnaie mit eben diesen Zeilen? Und was macht eine Familie eigentlich aus, was hält zusammen? Und immer wieder die Gedanken an ihre Halbschwester und deren Herkunft, die sie nicht loslassen. Die Art und Weise, wie Julia Schoch sich den Fragen nach ihrem Leben, der Rolle der Frau und der alles umfassenden Wahrheit nähert, ist bemerkenswert: Ihre kurzen Anekdoten und Sinneseindrücke geben Raum und fordern dazu auf, über das Gelesene zu reflektieren, Parallelen oder Gegensätze zum eigenen Leben und Erleben zu finden. Sie wechselt immer wieder von einer sehr intimen, nachdenklichen Perspektive auf eine erhabenere Metaebene, distanziert sich, sucht Schutz hinter „geschlossenen Türen“, wie sie es öfters beschreibt – sowohl in der Sprache als auch in ihren Handlungen. Ein Gedanke baut auf den nächsten auf, und so folgt die Erzählung keiner starren Linie, es ist vielmehr ein intuitives, natürliches Spiel der Gedanken. Doch wie verlässlich unsere Erinnerungen sind, wie viel daran Wahrheit oder Fantasie, lässt sich im Rückblick oft nicht sagen. Was ich aber sicher weiß: Dieses Buch hat etwas mit mir gemacht, das ich nicht in Worte fassen kann. Es ist nicht einmal so, dass ich ihr in all ihren Gedanken und Fragen, die sie in den Raum stellt, zustimme, nein, vielmehr ist es die drängende, nach Antworten verlangende Stimme, mit der sie schreibt, ihre Ehrlichkeit, ihr Menschsein, das mich gefangen genommen hat. Große Empfehlung!

bigz am 14.02.2022 18:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Ein einziger Satz und ganz viel Selbstreflexion

Eine Begegnung auf einer Lesung, der Satz einer jungen Frau "Wir haben übrigens denselben Vater.", gerichtet an die Autorin, dieses Vorkommnis ist der Ausgangspunkt für diese autofiktional aufgearbeitete, in der Ich-Form angelegte Geschichte und es bricht Gräben auf, nicht nur, verständlicherweise geschockt aus dem Moment heraus, für eine kurze Zeit des sich Sammelns und Sortierens. Nein, über Jahre begleitet die Ich-Erzählerin dieses Ereignis und es hat Folgen für sie selbst. An die Stelle von Gelassenheit und einem sicheren inneren und familiären Gefüge, in dem sie glaubte, fest verankert zu sein, treten Zweifel. Erinnerungen werden hochgeholt, die Gedanken gehen zurück zu ihrer Kindheit in Ostdeutschland, zu ihren Eltern und immer wieder wird auch das Konstrukt ihrer eigenen Familie und die Beziehung zu ihrem Ehemann durchleuchtet.Ein Roman, der getragen wird von der Person der Autorin selbst. In ihr schwirren die Gedanken durch sämtliche Ritzen ihres bisherigen Seins und um sie herum dreht sich das Leben, das sich über die Jahre eben so anhäuft. Geschrieben in einer sehr flüssigen und präzisen Sprache, mit kleinen Nuancen von ins Sarkastische driftendem Humor, hat dieses Buch eine Menge zu bieten und die Selbstreflexion der Autorin überträgt sich unweigerlich auch in der einen oder anderen Form auf ihre Leser. Hier wird viel Gedankenarbeit geleistet, auch wenn die Buchdeckel schon geschlossen sind.

eckenmann am 14.02.2022 04:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Frauenbiographie I - Die Beobachterin

Mein Blick fällt zunächst auf das Cover des Buches.Es zeigt ein Frauengesicht mit scheinbar in sich gekehrtem Blick, sowohl umgeben von dunklen düsteren Farben als auch einstechenden Rottönen - vom Halse her.Das löst in mir eine erste Beunruhigung und zugleich Neugier aus, die mich durch die 72 Kapitel des 191 Seiten umfassenden Buches tragen.Ich lese ein Romanfragment heraus, ausgelöst von einer Begegnung der Ich-Erzählerin mit einer ihr fremden Frau, die sich als ihre Halbschwester ausgibt.Es sind sehr viele Gedanken der Protagonistin ineinander verwoben, die um ihren inneren Kosmos kreisen und ihr Leben als Kind und Jugendliche in der DDR, ihre späteren Jahre als Schriftstellerin und Dozentin aufzeigen und ganz konkret einen längeren Aufenthalt mit Mutter und zwei Kindern in Detroit erfassen.Die Handlungen sind karg und übersichtlich gefasst, es ist vor allem ein gedankenschweres Buch.Immer wieder hinterfragt sich die Erzählerin zum Schwesternsein, zum Gefüge ihrer Familie und zu den Beziehungen zu ihrem Mann. Es sind vor allem die Frauengestalten, die ihr Reflektieren prägen.Alle Personen - einschließlich der ihrer Familie - sind distanziert gefasst, Namen werden nicht erwähnt. Vater, Mutter, Kind. Älteres Kind. Schwester.Das Fehlen der Eigenschaften erschwert mir den emotionalen Zugang zur Biographie dieser Frau, lässt mich andererseits aber viele nachdenkenswerte Sätze ganz für sich und aus dem Kontext heraus bestaunen. Manchmal bin ich fast ein wenig erschrocken, wie gnadenlos ehrlich sich die Ich-Erzählerin zum Mutter- und Frausein äußert und hinterfragt. Ihre gedanklichen Einschübe finde ich sowohl umklammert als auch kursiv abgesetzt - und so kann ich mich gut an ihre Seite gesellen und wie sie die Beobachterrolle einnehmen. Ich sehe diese vielen Kapitel als Puzzleteile oder Papierfetzen oder -schnipsel, die ich zusammenfügen und einzeln für sich nebeneinander legen kann.Dieses Ungewisse - dieses Schwebende zwischen den Zeilen beunruhigt mich zum einen - lässt mich aber auch ein wenig versinken und meine eigene zur Zeit sehr schwierige Welt anders betrachten. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die weiteren beiden Teile der Triologie aufnehmen und verfolgen werde, möchte hier aber eine bedingte Empfehlung aussprechen.Es ist kein leichter Leseweg, den ich mit dem "Vorkommnis" zurücklege...

bücherwurm10 am 13.02.2022 12:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ehrliche und tiefgründige Familiengeschichte

"Das Vorkommnis", das erste Buch einer Triologie der Autorin Julia Schoch, ist ein literarisches Meisterwerk!Eine Schriftstellerin trifft bei einer Lesung auf eine Frau, die sich als ihre Halbschwester vorstellt. Diese kurze Begegnung, dieses Vorkommnis, löst viele Gefühle los und bringt sie zum Nachdenken - über ihre Familie und ihr eigenes Leben. Der Leser wird durch die feinfühligen Beschreibungen in ein Gedanken-Labyrinth der Hauptakteurin geführt. Das Aufwachsen in Ostdeutschland, die Beziehungen zu Eltern und Ehemann, alles kommt gedanklich auf den Tisch und wird sachlich und ehrlich hinterfragt. Die Geschichte wird in Ich-Form erzählt. Es ist eine bewegende und anspruchsvolle Geschichte, die mit einer Prise Humor und Ironie gewürzt ist und daher immer leicht und flüssig zu lesen ist. Der Autorin kann sich meisterlich mit Worten ausdrücken, so dass der Roman für mich ein regelrechter Lese-Hochgenuss ist!Für mich gibt es daher eine klare und eindeutige Kauf- und Leseempfehlung!Und ich freue mich schon heute auf die zwei nächsten Bücher!

lillywunder am 12.02.2022 23:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Tiefer Einblick in Familienkonstellationen

Als eine besondere Stärke des autofiktionalen Erzählens erlebe ich es häufig, dass man als Leserin besonders intensiv in die Gefühlswelt der Erzählperspektive hineingezogen wird. So auch hier. Das titelgebende "Vorkommnis" geschieht bereits auf der ersten Seite: Die Erzählerin begegnet auf einer Lesung zu ihrem eigenen Buch einer Frau, die behauptet, denselben Vater wie die Protagonistin zu haben. Erst rückblickend erkennt die Erzählerin, wie dieser Moment sie geprägt hat: längst verschüttet geglaubte Familienthemen kommen zum Vorschein, Fragen nach Ehe und Mutterschaft drängen sich auf, Beziehungen werden beleuchtet und hinterfragt, die Kindheit in der DDR wird plötzlich wieder präsent.Julia Schoch verbindet mit Leichtigkeit die Gegenwart der Erzählung mit den zurückliegenden Erinnerungen. Dabei hätte sie als Aufhänger für ihre Geschichte sicher auch ein anderes Ereignis wählen können - es geht nicht so sehr um Handlung und Spannungsbogen, das wirklich beeindruckende sind die vielen feinfühligen Beobachtungen menschlichen Verhaltens, die Art und Weise, wie es der Autorin gelingt, Gefühle in Worte zu fassen, die klugen Gedanken zur eigenen Positionierung in der Welt, in der Familie. Man bekommt ein starkes Gefühl dafür, wie die als stabil und harmonisch wahrgenommene Sicht auf das eigene Leben fast unmerklich ins Wanken gerät, wie sich eine Unsicherheit in ihre Wahrnehmung einschleicht, die sie erst mit etwas Abstand überhaupt reflektieren kann. An der ein oder anderen Stelle verliert sich der Fokus etwas, insgesamt aber sprachlich hervorragend und mit einem großen Output an klugen Gedanken. Auf die angekündigten zwei weiteren Teile dieser "Biographie einer Frau" bin ich sehr gespannt.

cr2009 am 11.02.2022 18:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Einblicke in eine Familie

Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie über eine Familiengeschichte. Es wird in der Ich-Form erzählt - die Erzählerin lernt auf einer Lesung ihre Halbschwester kennen. Bevor es zum Austausch von Kontaktdaten und Adressen kommt, ist diese auch schon wieder verschwunden. Die Atmosphäre im Buch ist sehr düster und traurig - es gibt einen Einblick in eine Familie, und was es mit der Halbschwester auf sich hat. Der Vater bringt etwas Licht ins Dunkel. Am Ende war ich etwas enttäuscht, man ist gerade so mittendrin in dem Buch und dann ein Ende. Ich finde es etwas unglücklich gewählt, hier eine Trilogie zu machen, weil zumindest der erste Teil mit 200 Seiten auch nicht besonders lang ist und man dann so richtig herausgerissen wird. Es ist ein gutes Buch, aber so richtig überzeugen konnte es mich leider nicht wirklich.

sophia_j am 10.02.2022 19:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Sprunghafte, facettenreiche Geschichte

Zuerst möchte ich sagen, dass ich die Aufmachung des Buches sehr schön finde. Das Cover spiegelt irgendwie die Geschichte wieder es ist vielschichtig, irgendwie melancholisch, nicht ganz leicht zu durchblicken aber auch bunt und fröhlich. Das Buch selbst habe ich im Hardcover Format gelesen und gefällt mir sehr gut. Ich finde man erkennt schon am Cover das es sich bei dem Buch um keine leichte Lektüre handelt. Sehr interessant war für mich, dass die Hauptcharaktere die ganze Geschichte über namenlos und auch insofern charakterlos bleiben, als dass man sich ihre Charakterzüge nur über ihre Handlungen und Gedanken erschließen kann. Es wird einem diesbezüglich nichts in den Mund gelegt. Auch die Nebencharaktere haben oftmals keine Namen. Interessant war für mich, dass ich trotz der Namenlosigkeit keine Probleme hatte die verschiedenen Figuren auseinanderzuhalten. Die Handlung der Geschichte ist sehr sprunghaft es passiert in der eigentlich recht kurzen Geschichte sehr viel und ich habe das Gefühl, das ich trotz des sehr aufmerksamen Lesens meinerseits viele Aspekte der Geschichte irgendwie verpasst habe und vermutlich würde ich auch nach mehrmaligem Lesen immer wieder auf neue Dinge stoßen würde. Ich bin der Geschichte gegenüber irgendwie zwiegespalten einerseits hat mich die Abstraktheit beim Lesen total gefesselt andererseits war mir die Geschichte auch teilweise zu abstrakt. Alles in allem überwiegen für mich jedoch die positiven Aspekte und ich denke, dass ich das Buch in einigen Jahren nochmals lesen werde und bin jetzt schon gespannt, wie meine Meinung dann sein wird. Ich würde das Buch all jenen empfehlen, die auf der Suche nach einer etwas anspruchsvolleren Geschichte sind und auch dazu bereit sind sich ganz auf die Geschichte einzulassen.

milagro am 10.02.2022 11:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Überzeugt

Es ist mein erstes Buch der Autorin gewesen, garantiert nicht das letzte. Die Inhaltsangabe hatte mich angesprochen und die ersten Zeilen haben mich sogleich gefangen genommen. Ich konnte sofort in die Welt der Erzählerin eintauchen. Die Worte einer Fremden bei einer Lesung stellen alles in Frage, lassen viele Dinge in anderem Licht erscheinen oder bringen Erinnerungen zurück. Das Leben schreitet voran, die Beziehungen erscheinen in anderem Licht und führen zu weiteren Entwicklungen, die naturgemäß nicht nur positiv sind. Neue Chancen kann die Erzählerin nicht nutzen, zu verstrickt ist sie in ihren Überlegungen, das, was sie mit fröhlicher Unbeschwertheit angegangen ist, lastet plötzlich auf allem Weiteren. Das ist spannend zu verfolgen, man folgt dem Geschehen stets angespannt und wird von den Gedanken der Erzählerin umfangen. Kaum kann man sich von der Geschichte losreißen, die Stimmung nimmt einen gefangen. Nach Beendigung des Buches war ich bei 4 Punkten, die Geschichte hallt aber lange, ganz intensiv nach. Daher 5 Punkte und eine ehrliche Leseempfehlung!

dicketilla am 10.02.2022 09:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Familienbande

"Wir haben übrigens denselben Vater." Diesen Satz hört die Autorin nach einer Lesung von einer Frau, die ihr das Buch zur Signierung reicht. Das veranlasst sie zu einer spontanen Umarmung. Jahre später spielt dieses Ereignis in ihren Gedanken weiterhin eine Rolle. Ein einstiges Bratkartoffelverhältnis ihres Vaters. Man wusste von dem Kind, es spielte aber ansonsten keine Rolle.Man taucht als Leser in die Erinnerungen der Autorin ein. Erfährt, wie ihre Kindheit in der DDR verlief, durchaus nicht unglücklich. Das Verhältnis zu den Eltern, ihrer gescheiterten Ehe. Doch diese einstige Begegnung mit der Halbschwester immer wieder Emotionen in ihr hervorbringt. Selbst als sie für einige Jahre mit einem Arbeitsvisum nach Detroit ging, in einer kleinen amerikanischen Kleinstadt lebte.Ein Sprung zwischen Wirklichkeit, Erinnerungen, Vermutungen. Julia Schoch setzt dieses "Vorkommnis" an den Anfang der Geschichte, und sie lässt sie wie einen Leitfaden immer wieder aufblühen. Sie benutzt keine Namen, selbst die Kinder der Autorin werden mit älteres und jüngeres Kind betitelt. So entstand für mich eine gewisse Distanz. Ein distanziertes Verhältnis, wie es sich zu den einzelnen Familienmitgliedern darstellt. Eine gewisse Aufarbeitung, die die Autorin in ihrer Gedankenwelt vollbringt. Erzählt wird die Geschichte über die Erinnerungen der Autorin. Den Schreibstil von Julia Schoch habe ich als sehr angenehm und gekonnt empfunden. Manchmal jedoch etwas verwirrend, da diese Gedankenwelt manchmal etwas sprunghaft erschien.Es ist das erste Buch einer kommenden Trilogie, die als Biografie einer Frau gesehen werden soll. Und ich bin schon gespannt, wie sich das Leben der Autorin weiter entwickeln wird.

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05.03.2022