Mit der Energie und der Intelligenz einer mutigen Kämpferin setzt ein Mädchen alles daran, sich und ihren Bruder vor dem väterlichen Einfluss zu retten.
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Das wirkliche Leben
Eine Reihenhaussiedlung am Waldrand, wie es viele gibt. Im hellsten der Häuser wohnt ein zehnjähriges Mädchen mit seiner Familie. Alles normal. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters, der neben TV und Whisky vor allem den Rausch der Jagd liebt.
In diesem Sommer erhellt nur das Lachen ihres kleinen Bruders Gilles das Leben des Mädchens. Bis eines Abends vor ihren Augen eine Tragödie passiert. Nichts ist mehr wie zuvor. Mit der Energie und der Intelligenz einer mutigen Kämpferin setzt das Mädchen alles daran, sich und ihren Bruder vor dem väterlichen Einfluss zu retten. Von Sommer zu Sommer spürt sie immer deutlicher, dass sie selbst die Zukunft in sich trägt, wird immer selbstbewusster – ihr Körper aber auch immer weiblicher, sodass sie zusehends ins Visier ihres Vaters gerät.
Bibliografische Daten
2. Auflage
Adeline Dieudonné
Adeline Dieudonné, geboren 1982, lebt mit ihren Töchtern in Brüssel. Nach mehreren preisgekrönten Erzählungen und einem erfolgreichen One-Woman-Theaterstück entwickelte sich ihr Romandebüt ›Das wirkliche Leben‹ zu einem großen internationalen Bestseller. Sie wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, ihre Bücher in über zwanzig Sprachen übersetzt. Seitdem erschienen bei dtv der Text ›Bonobo Moussaka‹ sowie die Romane ›23 Uhr 12‹ und ›Bleib‹.
Sina de Malafosse
Sina de Malafosse, geboren 1984, lebt als Übersetzerin und Lektorin in Toulouse. Sie übersetzt u. a. Pauline Delabroy-Allard, Julia Deck, Victor Jestin und Adeline Dieudonné. 2021 erhielt sie mit Fatima Daas den Internationalen Literaturpreis des HKW.
11 - 10 von 144 Leserstimme
Wahnsinnig intensiv erzählt
Inhalt:Nach außen wirkt alles ganz normal und liebevoll: Der Vater geht arbeiten, die Mutter versorgt Haushalt und Kinder. Diese vergnügen sich im Sommer im Planschbecken im Garten und beim Eisessen. Doch die Wahrheit ist eine andere: Die Kinder sind gefühlsmäßig sich selbst überlassen, der Vater giert nach Macht, die Frau erstarrt in Angst vor ihm. Nur das zehnjährige Mädchen zeigt Größe. Es kümmert sich liebevoll um den kleinen Bruder, fühlt sich aber auch selbst total alleingelassen. Dann geschieht vor den Augen der Kinder ein Unglück, das sie innerlich zu zerstören droht.Meine Meinung:Adeline Dieudonné erzählt sehr eindringlich und wortgewaltig. Der Roman übte vom ersten Satz an einen Sog auf mich aus. Ich wollte am liebsten wegschauen, konnte es aber nicht. Dafür war das Kopfkino zu gewaltig. Gleichzeitig wurde auch meine Fantasie angestachelt und mir war schon Angst vor dem, was noch passieren würde. Auf so wenigen Seiten gelingt es der Autorin, fünf grausame Jahre im Leben der namenlosen Ich-Erzählerin darzustellen und dabei alles Wichtige zu sagen. Der Schreibstil ist klar und präzise, eher kühl. Da ist kein Jammern oder Selbstmitleid, nur knallharte Analyse - und gerade dadurch umso bewegender. Adeline Dieudonné erzählt mit schonungsloser Offenheit, egal ob es um körperliche oder seelische Gewalt geht. Das ist starker Tobak. Aber viel von dem Schlimmen wird hier aufgefangen durch die starke Protagonistin, die sich nicht unterkriegen lassen, sondern auch noch ihren Bruder retten will. Ihre Kraft und Willensstärke erzeugt so viel Hoffnung, dass man das Buch trotz all der fürchterlichen Ereignisse doch gerne liest und am Ende mit einem zufriedenen Seufzer zuklappt.Fazit:Ein hervorragender Debütroman, den ich gerne weiterempfehle, da er mich wirklich beeindruckt hat.
Wahrhaft sensationell
"Das wirkliche Leben" von Autorin Adeline Dieudonné ist mit vielen Vorschusslorbeeren auf meinen Nachttisch gelandet. Und es blieb dort nur einen Abend bzw. eine sehr lange Nacht lang. Dieses Buch verschlägt einem regelrecht den Atem und so habe ich es am Stück verschlungen. So brutal, erbarmungslos und offen, wie die Autorin über das trostlose Leben der jungen Protagonistin schreibt, ist der Roman Seite für Seite einfach nur mitreißend, bemerkenswert und emotional. Tragödie und Hoffnung liegen hier nah beieinander. Man taucht in dieses Schicksal regelrecht ein. Bangt und hofft mit der Heldin, dass die wenigen Lichtblicke die immer größer werdenen Schatten besiegen oder zumindest in Schach halten können. Ob dies gelingt, wird wohl jeder Leser für sich selbst bei der Lektüre feststellen müssen bzw. dürfen.Auch der Schreibstil der Autorin, der so kraftvoll und einnehmend ist, überzeugt von der ersten bis zur letzten Zeile. Den Namen der Autorin werde ich so schnell sicher nicht vergessen und hoffentlich überzeugen mich weitere Bücher ebenso wie dieses. Ein sehr spezielles Buch, das es überaus lohnt zu lesen. Daher eine klare Leseempfehlung!
Anders, unterhaltsam, aber auch blutig und brutal
Die Geschichte wird in der Ich-Form von einem Mädchen erzählt. Sie wächst in einer Siedlung auf, hat einen kleinen Bruder den sie sehr liebt. Sie hat eine Mutter, die sich mehr um ihre Tiere als um die Kinder kümmert und einen Vater, der den Alkohol sehr zugetan ist und dann auch gewalttätig wird.Sie übernimmt es von klein auf, sich um ihren Bruder zu kümmern. Der einzige Lichtblick des Tages ist die Ankunft des Eiswagens. Doch dann geschieht etwas schreckliches und es ändert sich alles.Ich habe das Buch an einem Stück durchgelesen, was sehr für den Schreibstil der Autorin spricht. Die Geschichte ist nicht schön im herkömmlichen Sinne. Das Buch ist voll von Gewalt, blutigen Details und wirklich niemand sollte so aufwachsen müssen.Das Mädchen ist alles andere als dumm, versucht sich selbst zu schützen, meidet die Konfrontation mit dem Vater. Irgendwann ist jedoch sie das Opfer. Die Geschichte war sehr spannend erzählt, hat mich sofort mitgerissen und mich staunen lassen, zu was dieses Mädchen imstande ist. Es wird nichts in ihrem Leben beschönigt, dennoch versucht sie zu kämpfen und sich zu behaupten. Ein sehr gutes Buch, anders und doch unterhaltsam. Ich habe es gerne gelesen.
Packend
Das 11-jährige Mädchen wohnt in einer gesichtslosen Reihenhaussiedlung. Der Vater ist ein gewalttätiger Trinker, der seine Befriedigung darin findet, auf die Jagd zu gehen und andere zu quälen. Die Mutter, gepeinigt vom Ehemann, ist kraftlos und ihrer Ohnmacht in der Situation gefangen, aus der es anscheinend keinen Ausweg gibt. Die einzige Liebe, die das Mädchen bedingungslos erfährt, ist die zu ihrem 7-jährigen Bruder Gilles, ihrem kleinen Sonnenschein. Eine Tragödie, die beide miterleben müssen, wird Gilles unwiderruflich verändern. Das Mädchen beschließt eine Zeitmaschine zu bauen, um das traumatische Ereignis in der Vergangenheit ungeschehen zu machen und ihren Bruder aus seiner dunklen Welt zu befreien. Das Mädchen wird älter und damit immer mehr zur Zielscheibe der ständig brutaler und grausamer werdenden Gewalt des Vaters. Heimlich nimmt sie Physikunterricht, um dem Traum der Zeitmaschine näher zu kommen oder zumindest eines Tages genug Geld zu verdienen, um mit ihrem Bruder zu fliehen. Das Geld für den Privatunterricht verdient sie sich als Babysitterin. Das Mädchen versucht trotz allem ein einigermaßen normales Leben zu führen. Trost findet sie in der Liebe zu ihrem kleinen Hund Dworka. Schließlich erfährt sie auch die erste Liebe zu einem Mann und entdeckt ihre Sexualität. Trotzdem steuert die Geschichte unaufhaltsam einer unumgänglichen Katastrophe entgegen.Mich hat das Buch sehr berührt. Ich hätte es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand gelegt. Man kann sich so sehr in die Gefühlswelt des Mädchens hineinversetzen und bangt auf jeder Seite mit ihr. Für mich eine ganz klare Empfehlung. Eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
Ein ungewöhnliches Mädchen!
Ein Geschwisterpaar - der Junge sechs und das Mädchen zehn Jahre - wollen sich, wie an jedem Abend im Sommer, beim Eismann ein Eis kaufen, als sich vor ihren Augen ein Drama abspielt. Keiner nimmt sich der traumatisierten Kinder an, nur das Mädchen kümmert sich rührend um seinen kleineren Bruder, schafft es aber nicht, ihn wieder zum Lachen zu bekommen. Sein Wesen verändert sich, er beginnt, seine Wut an Tieren auszulassen. Sie kann nichts dagegen tun, erkennt aber sehr genau die Lage. Sie beginnt, sich stark für Physik zu interessieren, damit sie irgendwann in der Lage ist, eine Zeitreise anzutreten, um dieses verstörende Ereignis ungeschehen zu machen. Die Mutter, eine Amöbe, hat große Angst vor dem Vater, der gerne und brutal zuschlägt.In den nächsten Jahren erleben wir, wie das Mädchen immer intelligenter und stärker wird, was sie vor ihrem Vater zu verstecken sucht. Der Junge geht mit seinem Vater zur Jagd und lernt Schießen. Die männlichen Familienmitglieder haben das Sagen und die weiblichen dürfen nur gehorchen. Doch das Mädchen ist schlau, überspringt sogar eine Klasse und eignet sich großes Wissen an. Sie erlebt ihre erste Liebe, dann kommt das Unheil in Form ihres brutalen Vaters auf sie zu ....Das beeindruckende Buch ist in einer sehr lebendigen Sprache geschrieben, die Autorin versteht es, alles sehr bildlich mit Vergleichen zu beschreiben. Sie beschreibt die Entwicklung eines Mädchens zu einer starken, ungewöhnlichen Persönlichkeit, die auf keinen Fall so wie ihre Eltern werden will. Sie ist auf der Suche nach Liebe und findet in ihrer Familie doch nur Gleichgültigkeit und Hass, was zu einem brutalen und gewalttätigen Ende führt.
gefühlvoll, brutal und nachdenklich
Eigentlich sieht das Cover nicht so gewalttätig aus, mit dem pinken Hasen, aber das was ich hier lesen musste war schon krass. Die Geschichte wird aus der Sicht von einem anfangs 10 Jährigen Mädchens, das selbst hochbegabt ist locker und leicht lernt und sogar eine Klasse überspringt.Das Mädchen hat noch einen jüngeren Bruder Gilles, sie sieht jeden Tag wie der eigene Vater ihre Mutter aufs brutalste schlägt, so das sie gar nicht mehr aus dem Haus kann um einzukaufen. Der Vater ist ein brutaler Schläger , ein Tyrann, der außer Sofa sitzen, Whisky trinken auch noch ein Hobby hat das Jagen, wo er in einem extra Zimmer seine Trophäen aufhängt. In meinen Augen ein richtiger Kotzbrockender nichts mehr liebevolles an sich hat. Es wird hier nichts verschönert, sondern alles sehr offen dargelegt und geschrieben, wie krass doch manche Menschen sind..Durch einen tragischen Unfall verlernt dann auch noch der kleine Bruder Gilles sein Lachen und er wird merkwürdig und verschließt sich seiner Schwerster. Die Geschichte ist sehr bewegend und mitfühlend, man möchte in das Buch hüpfen und dem Mädchen helfen. Das Ende hat mich nicht wirklich überrascht, ich hätte es schon viel früher getan., an deren Stelle. Das Buch hat mich sehr berührt und regt auch zum nachdenken an, denn ich denke es gibt in unserer Welt viele solcher Schicksale, wie es in dieser Geschichte aufgeführt ist.
Schlimme Kindheit!
Was für eine schlimme Kindheit! Ein Vater, der lieber vor dem Fernseher Whiskey trinkt und Tiere erschießt und eine Mutter, die sich total unterbuttern lässt und keine eigene Meinung hat. Der Bruder ist ihr einziger Halt, ihr Verbündeter. Bis ein schreckliches Ereignis alles verändert. Ihr Bruder wird zu einem anderenen Menschen. Was kann sie jetzt noch tun, um sich durch das Leben zu kämpfen? Ganz klar und schlüssig fasst das tapfere kleine Mädchen einen Entschluss! Kann sie die Vergangenheit noch ändern? Ein emotionales Buch über ein Mädchen, dass sich unverstanden fühlt und sich durchs Leben kämpft. Viele schlimme Dinge muss sie erleiden, mit niemandem als ihren Beschützer. Klar, intelligent und unglaublich mitreißend!
Wenn das Schicksal scheinbar gar kein Mitleid hat
Das wirkliche Leben erzählt von einem solchen, das niemand gezwungen sein sollte, es leben zu müssen. Ein namenloses Mädchen und ihr vier Jahre jüngerer Bruder wachsen ohne Elternliebe auf, die einzige Liebe, die in der Familie herrscht, ist ihre zu ihrem Bruder Gilles, und für diese gilt, „Meine Liebe zu ihm war die reinste Form der Liebe, die es auf der Welt gibt. Wie Mutterliebe. Eine Liebe, die keine Gegenleistung erwartet und durch nichts zerstört werden kann. Wenn Gilles lachte, und das tat er ständig, sah man seinen Milchzähne blitzen. Sein Lachen wärmte mich jedes Mal wie ein kleines Stromkraftwerk.“ Der jähzornige Vater greift immer wieder zu Gewalt, „Wenn das Gebrüll dazu nicht reichte, nahm mein Vater noch die Hände zu Hilfe. Bis auch das letzte bisschen Wut aus ihm heraus war. Am Ende fand sich meine Mutter immer am Boden wieder.“, die Mutter gleicht aus Angst vor ihrem Ehemann einer Amöbe, unfähig ihren beiden Kindern tröstend zur Seite zu stehen. Als Leser findet man Einlass in diese Familie, erfährt von den Gewaltausbrüchen und wird dann Zeuge, wie sich vor den Augen des Mädchens und ihres Bruders ein schrecklicher, brutaler Unfall ereignet. Beide erhalten wie immer keine Unterstützung und keinen Trost von ihren Eltern, das Thema wird totgeschwiegen, Sorgen ignoriert oder einfach nicht zur Kenntnis genommen. „Meine Eltern bemerkten nichts davon. Mein Vater war zu sehr damit beschäftigt, meiner Mutter das Tagesgeschehen im Fernsehen zu erklären, und meine Mutter war zu sehr damit beschäftigt Angst vor meinem Vater zu haben.“. Nach dem Unfall verschließt sich Gilles immer mehr und auch die Hoffnung als bei ihm dann endlich Tränen fließen können, „Dann brach er in Schluchzen aus, das Entsetzen schüttelte seinen kleinen Spatzenkörper, und als wäre ein Abszess aufgeplatzt, der sich die Zeit genommen hatte zu reifen, quoll das Grauen aus ihm heraus, strömte über seien Wangen. Ich hielt es für ein gutes Zeichen. Ich dachte, dass etwas in ihm wieder in Gang gesetzt worden war, dass seine Lebensmaschine wieder anwarf.“, war alles andere als das. Während das Mädchen verzweifelt versucht die Vergangenheit rückgängig zu machen, ihrer Leben an einem Punkt vor dem schrecklichen Unfall in eine andere Bahn zu lenken und so ihren Bruder und seine Liebe wieder zurück zu erlangen, wird dieser ihr immer mehr fremd. Wo entwickelt er sich hin, kann sie ihn retten? Das wird nicht verraten. Die Autorin lässt ihren Roman rückblickend aus der Perspektive eines, zu Beginn zehnjährigen, Mädchens aus der Ich –Perspektive erzählen. Trotz des eher nüchternen, betrachtenden und distanzierten Stils ist man der Namenlosen so sehr nahe und kann sich sehr gut in ihre Gefühlswelt hineindenken. Adeline Dieudonné hat mich emotional mit ihrer Geschichte, die von einem Leben erzählt, das keiner führen müssen sollte, total gefesselt. Oft habe ich geschockt gelesen, wie kann eine Kinderseele so etwas nur aushalten? Ich habe stellenweise gebibbert, war mehr froh, wenn der Vater durch den Gongschlag der Nachrichten von ihr abgelenkt wird, wenn sie in letzter Sekunde doch noch die richtige Entscheidung trifft, habe mit ihr bei einer Hertzjagd im Wald regelrecht gezittert, konnte ihre Enttäuschung so sehr spüren, als ihr Monica doch nicht helfen kann, hatte regelrecht Angst als es hieß, „…und uns ankündigte, dass er Riesenlust hatte, zuzuschlagen. Da begriff ich, dass ich zur Beute geworden war.“ Ich könnte nahezu endlos weiter aufzählen, so viele aufwühlend, bewegend und schockierende Szenen sind in diesem Roman zu finden. Allzu zart besaitet darf man nicht sein, wenn man lesen muss, dass das Mädchen nicht mehr unterscheiden kann, ob es sich um das Rot des blutigen Steaks oder das Blut der geprügelten Mutter handelt, das da den Küchentisch nach einer Prügelattacke färbt oder wenn von Tierverstümmelungen wie z.B. „Anstelle der Augen starrten mir zwei blutige Höhlen entgegen. Die Ohren waren abgerissen und lagen ein Stück entfernt im Dreck. Die Kehle war so tief durchschnitten, dass der Kopf nur noch durch die Wirbelsäule mit dem Rumpf verbunden war. Und der Leib war an so vielen Stellen aufgeschlitzt, dass kein Zentimeter Fell blieb, das nicht blutverschmiert war.“, die Rede ist. Allerdings hat das Mädchen die Hölle durchgemacht und das kann man wohl einfach nicht in harmlose Worte fassen, würde meiner Meinung nach auch nicht zum restlichen Stil passen. Die Ich-Erzählerin hat auch ohne Namen sofort mein Mitgefühl und Mitleid auf sich gezogen. Wie gerne hätte ich das Mädchen doch einfach nur tröstend in die Arme genommen, wie sehr hat sie mir leid getan, weil sie sich doch nur ein bisschen Liebe sehnt und nach jeder Art von Aufmerksamkeit nahezu lechzt. Ich ziehe meinen Hut vor ihr, weil sie sich nicht unterkriegen lässt, die Hoffnung ihren Bruder retten zu können nicht aufgibt und sich so ins Lernen flüchtet, um das zu können und etwas aus ihrem Leben zu machen. Sie ist wirklich grandios dargestellt, ebenso wie die beängstigende Entwicklung ihres Bruders, „seine Maschine zur Herstellung von Gefühlen war kaputt.“, mehr darf man da aber gar nicht verraten. Die leblose Mutter hätte ich zu Beginn am liebsten immer wieder geschüttelt, aber das hat sich nach und nach mehr zu Mitleid entwickelt. „Es gibt Leute, die verdüstern euch den Himmel, stehlen euer Lachen oder setzen sich mit ihrem ganzen Gewicht auf eure Schultern, um euch am Fliegen zu hindern. Von solchen Menschen haltet euch bloß fern.“, ein solcher ist der Vater mit Sicherheit, aber mehr nur als das er ist ein Scheusal, das Gefallen daran findet, sich im Elend und in den Schmerzen anderer weiden zu können. Selten habe ich eine solche Abscheu empfunden. Ich bin normalerweise kein Leser, der nach Büchern auf der Bestsellerliste Ausschau hält, da habe ich im Gegenteil schon öfter einmal eine Enttäuschung erlebt. Aber dieses Debüt, das sich monatelang in den französischen Top-Ten halten konnte, hat mich gefesselt von Anfang bis Ende, auch wenn mich sicher einzelne Szenen richtig abgestoßen haben. Eindrücklicher hätte die Autorin nicht von einem wirklichen Leben für das gilt, „Denn das Leben war nun mal eine Ladung Fruchtpüree in einem Mixer und man musste aufpassen, in dem Strudel nicht von den Klingen nach unten gezogen und zerkleinert zu werden.“, erzählen können.
Beeindruckend und beunruhigend!
Eine ganz normale Familie, die da am Waldrand in einem Haus mit Garten wohnt - nach außen hin vielleicht, jedoch unter der Oberfläche brodelt es. Die schwache Mutter tut alles, um nicht aufzufallen und ja nichts verkehrt zu machen, denn ihr Mann ist ein brutaler Schläger, dessen Hobby die Jagd ist. Die 10-jährige Tochter kümmert sich liebevoll um ihren vier Jahre jüngeren Bruder, sie liebt sein Milchzahnlächeln. Doch dieses ist für längere Zeit nicht mehr vorhanden, denn ein Drama spielt sich vor ihren Augen ab und traumatisiert sie. Von ihren Eltern ist keinerlei Hilfe zu erwarten, so setzt sich in ihrem Kopf der Gedanke fest, dass sie eine Zeitmaschine bauen muss, um dieses verstörende Ereignis nicht geschehen zu lassen und ihrem Bruder, in dessen Kopf nur noch Schwärze herrscht, wieder sein Lächeln zurück zu geben. Dieser äußerst beeindruckende Roman ist in einer sehr bildlichen Sprache geschrieben, Beispiel: "er war blass und mopsig, als wäre er in einer Colaflasche aufgezogen worden." Sehr beunruhigend, wie beschrieben wird, was aus dem kleinen netten Jungen wurde, der sein Trauma nie bewältigt hat und sich an unschuldigen Tieren austobt. Dazu wird er vom Vater auch noch auf den Schießstand mitgenommen, ebenso wie zur Jagd, die auch vor eigenen Familienmitgliedern nicht Halt macht. Besonders gut beschrieben wird das Mädchen, das hochintelligent und wissensdurstig, besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern, ist. Das versucht sie möglichst vor ihrem Vater zu verbergen, doch am Ende wirft er ihr Arroganz vor und will ihr Innerstes zerstören. Doch es gibt auch Lichtpunkte iin ihrem Leben, denn sie verliebt sich zum ersten Mal, erhält ihren ersten Kuss. Auch ein Professor, den sie regelmäßig heimlich besucht und mit dem sie über Physik diskutiert, ist ihr eine große Stütze. Dies ist ein sehr bewegendes Buch, das auch mit brutalen Szenen verstört, aber es ist meisterlich geschrieben und es hat mich sehr beeindruckt.
Der Jäger und seine Beute
In Adeline Dieudonnés hochgelobtem und vielfach ausgezeichnetem Debütroman “Das wirkliche Leben“ (“La vraie vie“) geht es um eine besondere Familie, die in einer hässlichen Siedlung in einer belgischen Vorstadt lebt. Ein Haus gleicht dem anderen, und dennoch ist dieses eine Haus anders als alle anderen. Die 10jährige Erzählerin und ihr Bruder Gilles, 6, haben einen gewalttätigen Vater, der drei Dinge im Leben liebt: die Großwildjagd, Fernsehen und Whiskey. Die Mutter der Kinder, von der Tochter als Amöbe bezeichnet, wird von ihrem Mann immer wieder schwer misshandelt und verletzt. Sie wehrt sich nicht, hat nur noch Angst. Die Kinder verstecken sich in ihren Zimmern, machen sich unsichtbar. Das Verhältnis der Geschwister ist sehr eng. Sie spielen im verbotenen Zimmer mit den ausgestopften Tierkadavern oder in kaputten Autos auf einem Schrottplatz. Eines Tages passiert etwas Schreckliches, und Gilles verändert sich völlig. Er verliert sein Lachen und wendet sich von seiner Schwester ab. Sein Vater bildet ihn zum Schützen aus, und der kleine Junge droht genau so blutrünstig und gewalttätig zu werden wie sein Vater. Seine Schwester versucht, eine Zeitmaschine aus einem kaputten Auto zu bauen, um in der Zeit zurückzugehen, das furchtbare Ereignis ungeschehen zu machen, damit ihr Bruder das wirkliche Leben führen kann und das Böse – symbolisch dargestellt von einer Hyäne im Kadaverzimmer - nicht völlig von ihm Besitz ergreift. Auch das Mädchen ändert sich, weil sie zur Kämpferin wird. Als sich herausstellt, dass sie überdurchschnittlich begabt im naturwissenschaftlichen Bereich ist, nimmt sie Privatstunden bei einem Physikprofessor, wodurch sie schnell ein erstaunliches Niveau erreicht. Sie gerät allerdings durch ihren überragenden Intellekt in den Fokus ihres Vaters und muss sich vor seiner Aufmerksamkeit schützen. Ihr Vater hat eines Tages die perfide Idee, sie bei einem nächtlichen Jagdspiel mit zwei weiteren Männern und drei Jungen, darunter Gilles, zur Beute zu machen. Bei der gnadenlosen Jagd durch den dunklen Wald wird sie erheblich verletzt, wodurch sie zum ersten Mal so etwas wie Liebe und Fürsorge von ihrer Mutter erfährt. Die Dinge eskalieren und steuern unausweichlich auf eine Katastrophe zu. Die Handlung erstreckt sich über fünf Jahre. Das Mädchen ist 15, verliebt sich und hat ihr erstes sexuelles Erlebnis. Sie verliert keinen Augenblick ihre Ziele aus den Augen: dem Bruder das Lächeln zurückzugeben, sich nicht zur wehrlosen Beute machen zu lassen, nicht das Leben ihrer mutlosen Mutter zu wiederholen. Der kurze Roman über dieses besondere Erwachsenwerden ist packend erzählt, aber überwiegend sehr düster und ziemlich grausam. Die Geschichte aus dem Horrorhaus erinnert an die grausamsten Märchen der Gebrüder Grimm. Der Tod ist allgegenwärtig. Dennoch verdient dieses Buch die Beachtung, die es bekommen hat, auch weil es überzeugend häusliche Gewalt gegen Frauen thematisiert.
Pressestimmen
Für ihren märchenhaften Debütroman wurde die belgische Schauspielerin allein in Frankreich mit 14 Li...teraturpreisen ausgezeichnet. mehr weniger
Welche Bücher haben es im Augenblick überhaupt geschafft, einen so in Bann zu ziehen, dass man tatsä...chlich mal für ein paar Stunden alles stehen und liegen lässt und einfach nur in einer Lektüre versinkt? Diesem Buch ist das gelungen. […] Es ist ein radikales Plädoyer, sich von der Angst nicht hetzen zu lassen. mehr weniger
Thea Dorn
Eine umwerfende Coming-of-Age-Geschichte mit einem wilden Finale - ein verstörendes Vergnügen.
Günter Keil
Etwas Stephen King, ein wenig Hitchcock und jede Menge Blut und Tod - und das alles in sanftem Ton e...rzählt. mehr weniger
Dieser Roman ist unglaublich krass, von ungeheurer Sprachgewalt, es ist ein Thriller, eine Geschicht...e, die man gar nicht aus der Hand legen kann, allerdings, wenn man zart besaitet ist könnte es einem zu viel werden, also man muss schon ein bisschen dickeres Fell haben, um diesen Roman lesen zu können. Für mich ist es große Literatur. mehr weniger
Stefanie Stahl, 22.05.2021
Es kommt nicht so häufig vor, dass ich ein Buch mit angehaltenem Atem lese. Aber bei diesem Roman wa...r es so. mehr weniger
Julia Vogt, 08.04.2021
Ich habe das Buch gerne gelesen, es ist ein sehr farbenprächtiger Comic.
Viktor Giacobbo, 22.12.2020
Das Überraschende an ›Das wirkliche Leben‹ ist seine überzeugende Mischung aus Märchen und Thriller,... aus Gesellschaftsroman und Horrorgeschichte. mehr weniger
Judith Peters, 01.07.2020
Das Leben ist ein Dschungel, und die gefährlichsten Tiere leben in der eigenen Familie.
01.07.2020
Die Coming-of-Age-Geschichte eines Mädchens, das alles tut, damit ihr Bruder wenigstens sein Lachen ...bewahrt, haut einen um. mehr weniger
Angela Wittmann, 17.06.2020
Die Sozialanalyse in diesem Buch ist zwischen den Zeilen einfach brillant.
Barbara Vinken, 14.06.2020
Wenn ich nichts über das Buch und seine Autorin gewusst hätte, dann hätte ich garantiert gesagt, das...s ist wieder einmal ein typisches Beispiel der Meisterschaft des amerikanischen Erzählens – völlig falsch: die Frau ist Belgierin. mehr weniger
Gert Scobel, 14.06.2020
Es ist ein Debütroman von seltener Wucht.
Monika von Aufschnaiter, 05.06.2020
Geht unter die Haut
03.06.2020
Es ist die Stärke der Autorin Adeline Dieudonné: pointiert und temporeich erzählt sie in kurzen Kapi...teln vom Entkommen aus der Familienhölle. mehr weniger
Claudia Ingenhoven, 27.05.2020
Mit dramatischen Ereignissen, verpackt in ausdrucksstarke Worte, zieht einen die gewaltige Geschicht...e in ihren Bann und lässt einen nicht mehr los. mehr weniger
15.05.2020
Adeline Dieudonné wird in Frankreich für ihren teils harten, sehr eindrücklichen Roman gefeiert. Völ...lig zu Recht. mehr weniger
11.05.2020
Die Geschichte ist so packend, die Spannung so unheilvoll, die Heldin so entschlossen, dass man dies...es Buch erst wieder aus der Hand legt, wenn man es fertig gelesen hat. mehr weniger
Doris Kraus, 10.05.2020
Adeline Dieudonné fesselt jetzt auch die deutschen Leser.
07.05.2020
Ein Buch wie ein wuchtiger Rocksong: knallend, präzise und sehr lange nachhallend.
02.05.2020
Gegen Ende ist im Roman zu lesen: ›Es heißt, dass die Stille, die auf Mozart folgt, immer noch Mozar...t ist.‹ Die Stille, die auf die Lektüre von Dieudonnés Buch folgt, ist Schockstarre. Ihr Roman ist wie ein Faustschlag, von dem man sich erst mal erholen muss. mehr weniger
Franziska Wolffheim, 29.04.2020
Der ganze Roman lebt von einer unglaublichen Spannung, die nicht grell daherkommt, sondern fast schl...eichend, von Seite zu Seite bedrohlicher wird. mehr weniger
Christine Westermann & Andreas Wallentin, 24.04.2020
Jeder Satz ein Treffer: Adeline Dieudonné zeigt in ihrem Debüt, wie man sich gegen das Unglück wehrt.... […] Eine wilde Geschichte, bei der jedes präzise platzierte Wort funkelt, jede Metapher sitzt. […] Die Wucht, mit der die Autorin schreibt, nährt sich aus der Angst, die die Terroranschläge von Brüssel bei ihr hinterließen. Die Energie, mit der sie die Sätze rausfeuert, lieferte die musik, die sie beim Schreiben hört: Death Metal. Die Leichtigkeit, mit der sie Animalisches und Zartes verbindet, macht den Zauber ihres Romans aus. mehr weniger
Kerstin Hellberg, 23.04.2020
Hier kann man viel über die Zwiespältigkeit menschlicher Anlagen und Verhaltensweisen nachdenken, we...nn man die überaus farbige und eigentlich tragische Geschichte verschlungen hat. mehr weniger
Ellen Pomikalko
Dass sie beim Schreiben besonders gern energische Musik hört, ist spätestens spürbar, wenn die Handl...ung an Fahrt aufnimmt. mehr weniger
Ein radikales Plädoyer gegen die Angst.
Es ist erstaunlich, dass Adeline Dieudonné mit so zarten Worten von derart roher Gewalt erzählen kan...n. Ein verstörend brutales, gleichzeitig faszinierend sanftes Buch — ein Debüt, bei dem man von der ersten bis zur letzten Seite Gänsehaut hat. mehr weniger
Mareike Fallwickl
Dieser Roman ist unglaublich krass, von ungeheurer Sprachgewalt, es ist ein Thriller, eine Geschicht...e, die man gar nicht aus der Hand legen kann. mehr weniger
Stefanie Stahl, 14.08.2021
Überaus spannend und mitreißend geschrieben!
03.02.2021
›Das wirkliche Leben‹ vom belgischen Shooting-Star Adeline Dieudonné schreibt vom Aufwachsen mit ein...em gewalttägigen Vater und der Unmöglichkeit, die Zeit zurückzudrehen. mehr weniger
22.12.2020
Die Autorin schildert genüsslich das Grauen des Alltags.
Marion Luppen, 05.12.2020
Eine ganz großartige Vorstellung einer jungen, klugen und mutigen Frau. Unbedingt lesen, ein fantast...isches Debüt. mehr weniger
Heike Kahl, 05.10.2020
Ein Buch wie ein Hammerschlag.
Michael Lehmann, 03.10.2020
[Adeline Dieudonnés] unkonventionelle Geschichte eines Erwachsenwerdens in monströsem Umfeld ist vir...tuos erzählt und bleibt lange im Gedächtnis. mehr weniger
28.08.2020
Ein Roman, dessen mitunter düsterer Sog einen nicht mehr loslässt – bis am Ende das Licht sichtbar w...ird. mehr weniger
24.08.2020
Alles andere als leichte Kost – und doch ein literarisches Schmankerl, das seinesgleichen sucht.
18.08.2020
Schmerzhafte, zarte Coming-of-Age-Novel, die zu Tränen rührt und erschütternd gut geschrieben ist.
01.08.2020
Sie steigert mit ihren scharf beschriebenen Beobachtungen die Spannung bis zur Unerträglichkeit. Es ...stockt einem zuweilen fast der Atem. mehr weniger
Claudine Borries, 16.07.2020
›Das wirkliche Leben‹ ist ein spannendes, mitreißendes Buch gegen die Angst.
Madeleine Gullert, 15.07.2020
Sie wollen ein Buch lesen, das Sie vollkommen gefangen nimmt, bei dem Sie alles um sich herum verges...sen? Dann ist dieser Roman genau richtig für Sie. Ein Wahnsinnsbuch. mehr weniger
Sylvia Jongebloed, 23.06.2020
Ein gewaltiger und brutaler wie auch überwältigend spannender Roman ausserhalb der Lesekomfortzone.
Martina Tonidandel, 10.06.2020
Kraftvoll und schonungslos, übersetzt von Sina de Malafosse.
Lisa Schumacher, 09.06.2020
Für mich war es ein großartiger Lesespaß.
Hauke Harder, 04.06.2020
›Das wirkliche Leben‹ lohnt sich wirklich!
03.06.2020
[...] - ich habe selten ein Debüt gelesen, das mich mehr in seinen Bann gezogen hätte.
Barbara Breuner, 22.05.2020
Adeline Dieudonné gelingt es, in ihrer eindringlichen Sprache von der ersten Seite an zu begeistern.
22.05.2020
Eindringlich erzählt die Autorin Adeline Dieudonné in ihrem Roman die Geschichte einer Tochter, die ...zur Gejagten wird. mehr weniger
07.05.2020
Dieudonné erzählt diesen Coming-of-Age-Roman so, dass er einen wie ein Fieber packt und erst wieder ...loslässt, wenn es zu Ende ist. mehr weniger
Fleur Hummel, 04.05.2020
Eine zarte und wilde Sprache, eine warmherzige, dramatische und traurige Geschichte, einmal angefang...en ist man im Flow und reitet diesen wilden Ritt bis zum Ende mit, das in einem großen Knall mündet! Eine Kindheit, eine Jugend, die einen durchrüttelt. mehr weniger
Alex Dengler, 27.04.2020