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»Ein literarischer Noir, dicht und spannend.« Richard Ford

Der Abstinent

Manchester, 1867. Im Morgengrauen hängen die Rebellen. Die englische Polizei wirft ihnen vor, die ›Fenians‹, irische Unabhängigkeitskämpfer, zu unterstützen. Eine gefährliche Machtgeste seines Vorgesetzten, findet Constable James O’Connor, der gerade aus Dublin nach Manchester versetzt wurde. Einst hieß es, er sei der klügste Mann der Stadt gewesen. Das war, bevor er seine Frau verlor, bevor er sich dem Whiskey hingab. Mittlerweile rührt er keinen Tropfen mehr an. Doch jetzt sinnen die ›Fenians‹ nach Rache. Der Kriegsveteran Stephen Doyle, amerikanischer Ire und vom Kämpfen besessen, heftet sich an O’Connors Fersen. Ein Kampf beginnt, der O’Connor tief hineinzieht in einen Strudel aus Verrat, Schuld und Gewalt.

Bibliografische Daten

EUR 9,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-43857-5
Erscheinungsdatum: 23.04.2021
2. Auflage
336 Seiten
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Jan Schönherr
Autor*innenporträt

Ian McGuire

Ian McGuire, geboren 1964, ist ein britischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Mit ›Nordwasser‹ war er 2016 für den Man Booker Prize nominiert. Der Roman wurde von der ›The New York Times‹ zu einem der zehn besten Bücher des Jahres gewählt und wurde von der BBC zur Serie verfilmt, mit Colin Farrell in einer Hauptrolle.

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Übersetzer*innenporträt

Jan Schönherr

Jan Schönherr hat Charles Bukowski, Roald Dahl und Jonathan Safran Foer übersetzt und wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet.

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76 von 76 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.43 von 5 Sternen


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5 - 10 von 76 Leserstimme

me.kristin am 12.04.2021 14:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Düstere Handlung bei mitreißendem Schreibstil

"Der Abstinent" war für mich das erste Buch des Autors. Sein Schreibstil hat mich direkt begeistert. Er ist sehr mitreißend und gleichzeitig bildhaft und detailreich, sodass man sich als Leser sehr gut in die beschriebenen Situationen vorstellen kann und Satz um Satz nahezu verschlingt.Ebendieser Schreibstil ist es auch, der dem Leser die verschiedenen Charaktere dieses Buches nahe bringt.Mir gefällt das historische Setting gepaart mit dieser spannenden Handlung sehr - mal etwas anderes! Dabei gefällt mir, dass es Konflikte auf verschiedenen Ebenen gibt. Zum einen die politischen Spannungen zwischen Irland und England, der sich auch bei und zwischen den Ermittlern widerspiegelt. Zum anderen auch der innere Konflikt des Protagonisten James O'Connor.Diese Faktoren machen das Buch sehr kurzweilig da die Spannung fast durchgehend hochgehalten wird.Die Sprache ist auch bei den Beschreibungen von Gewalt recht explizit. Dies ist keinesfalls schlecht, sollte dem Leser aber bewusst sein, da es sicher nicht für alle geeignet ist.Gefehlt haben mir etwas tiefergehende Informationen zur damaligen politischen Situation in Irland, als Hintergrund für die Handlung.

lilalinchen am 12.04.2021 12:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Düster und mitreißend

Zum Inhalt: James O’Connor ist Polizist und wird von Dublin nach Manchester versetzt. Er wurde in Dublin sehr geschätzt, nach dem Tod seiner Frau gab er sich jedoch dem Alkohol hin. Nachdem er aufgehört hat, geht es für ihn nach Manchester, wo er mitten in die Konflikte zwischen Iren und Engländern gerät. Die Briten hängen drei Fenians, wie man die irischen Unabhängigkeitskämpfer nennt. Aufgrund seiner irischen Herkunft soll er für Frieden zwischen den Parteien sorgen, jedoch lassen sich die Fenians nicht aufhalten und fordern Rache für ihre ermordeten Kämpfer. Allen voran findet man Stephen Dole, amerikanischer Ire, der unermüdlich für die Unabhängigkeit kämpft. Dole wird schnell zum Gegenspieler O’Connors.Meine Meinung: „Der Abstinent“ ist mein erstes Werk von Ian McGuire. Es hat mich durch einen unterhaltsamen und flüssigen Schreibstil überzeugt. Zudem wird deutlich, dass McGuire viel Recherchearbeit betrieben hat, um so den britisch-irischen Konflikt angemessen darzustellen. Da ich lange in Großbritannien studiert habe, kenne ich die Geschichte rund um diesen Konflikt, jemand, der allerdings nicht damit bekannt ist, wird wohl trotz guter Recherche an der einen oder anderen Stelle offene Fragen haben. Zudem sollte unbedingt erwähnt werden, dass das Werk sehr düster und brutal geschrieben ist. Ich bin ein großer Fan von Konflikten und düsteren Werken, so dass ich dieses als sehr positiv bewerte. Man sollte sich dem aber vor Beginn der Lektüre bewusst sein. Alles in allem ein empfehlenswertes Werk um ein wichtiges Stück britisch-irischer Geschichte, aber auch über den Konflikt zwischen zwei Männern.

darline am 12.04.2021 11:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Irland und Großbritannien

„Der Abstinent“ ist ein historischer Roman des britischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftler Ian McGuire.Die Handlung beginnt das im November 1867 in Manchester drei Iren öffentlich wegen des Mordes an einem Polizisten hingerichtet werden. Die Stimmung unter der Bevölkerung ist aufgewühlt. James O’Connor ein Polizist aus Dublin wird nach Manchester versetzt und soll sich ein Bild von der Situation und der Lage machen. Stephen Doyle - ebenfalls neu in Manchester - ist ein irisch-amerikanischer Veteran des Bürgerkriegs. O’Connor und Doyle stehen auf unterschiedlichen Seiten des offenen Konflikts, haben aber trotzdem einige Gemeinsamkeiten. Beide sind von einer Kindheit mit Gewalt geprägt und beide wollen damit abschließen. Zwischen ihnen entsteht ein verbitterter Kampf.Der Schreibstil von Ian McGuire ist präzise und bringt einem das geschriebene sehr Bildlich rüber. Er schildert die trostlosen Lebensbedingungen der Bevölkerung im Irland des 19. Jahrhunderts.Man merkt in jedem Satz, dass der Autor ausgiebig recherchiert haben muss. Hier werden Fiktion und historische Ereignisse und Gegebenheiten gekonnt verwoben.Mit O’Connor und Doyle wurden zwei authentische Protagonisten geschaffen. Beide haben Gründe für ihr Handeln, das durch ihr Leben und in ihrer Vergangenheit begründet ist.Der Konflikt zwischen Irland und Großbritannien werden in einer einzigartigen Weise thematisiert, die erschüttert und mitnimmt. Keine leichte Lektüre, eher etwas für regnerische Tage.

jarlina am 11.04.2021 20:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Düsteres Buch

„Der Abstinent“ war mein erstes Buch von Ian McGuire. Der Schreibstil des Autors ist sehr eindrucksvoll und etwas Besonderes. Seine Sprache zieht den Leser förmlich in einen Bann. Durch die detaillierten Beschreibungen kann man sich alles beim Lesen gut vor seinem inneren Auge vorstellen. Auch die Charaktere werden sehr authentisch dargestellt. Inhaltlich hat mir die Geschichte im Großen und Ganzen gut gefallen. Allerdings gibt es ein paar Längen in dem Buch, während derer ich dann durchhalten musste. Zu den Hintergründen des irisch-britischen Konflikt erfährt man sehr wenig. Da hätten mir ein paar weitere Informationen sehr gut gefallen. Zum Lesen sollte man sich Zeit nehmen, denn das Buch thematisiert keine leichte Kost. Das Ende ist auf jeden Fall überraschend. Sowas mag ich immer gerne. Insgesamt ein Buch, dass aus der Masse heraussticht, aber auch nicht für jeden etwas ist.

anni am 10.04.2021 22:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Eine düstere Geschichte

James O'Connor ist Polizist und wird nach einigen privaten Problemen von Irland nach Manchester in England versetzt. Im Jahr 1867 ist der Konflikt zwischen den Iren und Engländern immer mehr nicht nur im Untergrund, sondern auch offen vorhanden. James O'Connor ist aufgrund seiner Herkunft natürlich schon für das Thema wichtig, aber trotzdem genießt er aus demselben Grund auch nicht wirklich das nötige Vertrauen. Ich finde das Thema schon sehr spannend und die Umsetzung sehr gut recherchiert. Allerdings ist die Geschichte schon sehr düster und zum Teil auch brutal geschrieben. Dabei muss ich sagen, dass mir das manchmal schon zu viel war. Aber die Zeit war vermutlich eben so. Dieses Buch würde ich vor allem den Menschen empfehlen, die sich für die Geschichte um die Konflikte zwischen Irland und England interessieren und dabei auch mit einer düsteren Schreibweise keine Probleme haben.

seitenmeer am 10.04.2021 17:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein starker Autor !

Meinung:Bereits der Debütroman des autors war ein außergewöhnliches und einprägsamen Werk, welches zu einen meiner liebsten Bücher gehörte und auch mit seinem zweiten Roman könnte er mich Mal nieder zu 100% überzeugen, wenn er auch wieder ganz anders war. Zum einen ist der Schreibstil des irdischen Autors einer der eindrücklichsten und literarisch interessantesten, welche ich in den letzten Jahren lesen dürfte. Er schafft es in einer sehr zurückgenommenen und starken Sprache seine Leser in den Bann zu ziehen und dabei eine solche Kraft und Spannung zu entwickeln, dass man alles bildlich vor sich sieht und das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann. Seine Charaktere und seine Szenerie sind ebenso stark und eindrucksvoll gezeichnet, sodass ich keinen einzigen Kritikpunkt aufbringen kann. Sondern nur reine Begeisterung für eine Autor, der talentiert und erzählerisch auf höchstem Niveau ist !!

barbara62 am 09.04.2021 19:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Irisches Duell

Das Erscheinen der deutschen Übersetzung "Der Abstinent" von Ian McGuires neuestem Roman trifft zeitlich mit beängstigenden Nachrichten über Unruhen in Nordirland zusammen. Seit dem Karfreitagsabkommen vom 10. April 1998 einigermaßen befriedet, werden sie nun, exakt 23 Jahre später, von militanten protestantisch-loyalistischen Gruppierungen erneut angeheizt. Aktuelle Gründe sind die Unzufriedenheit über den Bexit-Sonderstatus Nordirlands und eine Nicht-Ahndung von Corona-Verstößen während der Beisetzung eines ehemaligen IRA-Terroristen durch Politiker der katholisch-republikanische Sinn-Fein-Partei.Nationalismus und TerrorismusViel weiter in die Geschichte des Konflikts zurück reicht Ian McGuires düsterer historischer (Kriminal-)Roman. Er beginnt nach der großen irischen Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts und unmittelbar nach dem Scheitern des Aufstands von 1867 unter Federführung der Fenians, einer geheimen Bruderschaft im Kampf für die irische Unabhängigkeit und Vorgängerorganisation der IRA. Ausgangspunkt für die fiktive Handlung ist ein historisch verbürgtes Ereignis vom 22.11.1867: die Hinrichtung der drei sogenannten "Manchester Martyrs", Mitglieder der Fenians, für den Mord an einem Polizisten.Zwei Iren auf verschiedenen SeitenJames O’Connor, 34-jähriger Ire, Polizist aus Dublin, arbeitet seit neun Monaten als Constable in Manchester, vorrangig als Kontaktmann für Fenian-Spitzel. Nach dem Tod seines Sohnes, dann vor etwa eineinhalb Jahren seiner Frau, war er dem Alkohol verfallen, lebt nun aber abstinent und nutzt in Manchester seine letzte Chance. Als Ire ist er dem Spott der neuen Kollegen ausgesetzt, sie sticheln, provozieren und misstrauen ihm. Er sitzt zwischen allen Stühlen. Seine Warnung vor einer öffentlichen Hinrichtung stößt bei seinen Vorgesetzten auf Ablehnung:"Die Soldaten zu holen, war ein Fehler, denkt O’Connor. Gewalt wird das Problem mit den Fenians nicht lösen, und der Anblick der Truppen lässt die Leute glauben, wir befänden uns im Krieg. Solche Machtdemonstrationen führen zu nichts Gutem, man gießt nur Öl ins Feuer. Akribische Ermittlungen und Fingerspitzengefühl, das wird diesen Kampf entscheiden, nicht protzig zur Schau gestellte Grausamkeit. Doch Protz und Grausamkeit sind den Engländern nun mal am liebsten." (S. 15/16)Kurz nach der Hinrichtung trifft der junge amerikanische Bürgerkriegsveteran Stephen Doyle in Manchester ein. Er ist gebürtiger Ire wie O’Connor, hat wie dieser Armut, Verlust und Gewalt erlebt, und soll im Auftrag einflussreicher amerikanischer Iren die Bruderschaft unterstützen. Sein vorrangiges Ziel ist das Aufspüren und Liquidieren von Verrätern, aber auch ein denkwürdiger Anschlag ist geplant. James O’Connor und Stephen Doyle werden zu Kontrahenten auf Leben und Tod.Sehr lesenswert"Der Abstinent" ist der dritte Roman des 1964 geborenen britischen Literaturwissenschaftlers und Autors Ian McGuire und folgt auf "Nordwasser", 2016 für den Man Booker Prize nominiert. Beide Romane sind geprägt von kompromissloser Brutalität und Gewalt, "Nordwasser" noch deutlich mehr, aber nie um ihrer selbst oder um der Spannung Willen. Das scharf beobachtete, sparsam im Präsens beschriebene, überaus packende Duell der beiden Männer vor der rußigen und schmutzigen, lauten und übelriechenden Kulisse einer frühindustriellen Stadt hat mich gepackt und begeistert. Bis nach Pennsylvania führt der mörderische Kampf und findet einen äußerst ungewöhnlich erzählten Ausgang.Überrascht hat mich eine editorische Notiz im Impressum: „Auf Seite 313 beleidigt Stephen Doyle einen Schwarzen rassistisch.“ Wenn solche Hinweise üblich werden – welches Buch, vor allem welcher Klassiker, kann dann zukünftig noch ohne Warnhinweis erscheinen?

buch-haltung am 09.04.2021 17:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Atmosphärisch dicht und eindringlich

Einmal mehr stellt Ian McGuire sein Talent für wuchtige, brutale und schmutzige Blockbuster unter Beweis. Was ihm schon in „Nordwasser“ gelang, wiederholt er nun mit „Der Abstinent“ (Deutsch von Jan Schönherr)Schmutzig geht es wieder zu in Ian McGuires neuem Roman. Wir befinden uns diesmal nicht auf hoher See und im ewigen Eis, sondern in den Gassen Manchesters 1867. Dort versieht James O’Connor seinen Dienst als Constable. Von seinen Kollegen aufgrund seiner irischen Herkunft argewöhnisch beäugt, soll er die Fenians im Auge behalten. Diese kämpfen für die irische Unabhängigkeit und scheuen als Untergrundkämpfer nicht vor Gewalt zurück. Nachdem zu Beginn des Buchs drei dieser Fenians gehenkt wurden, gleicht die Stimmung in den schmutzigen Gassen Manchesters einem Pulverfass. James O’Connor bedient sich seiner Spitzel, um eine realistische Einschätzung der Gefahren zu erhalten.Durch das Auftauchen eines Mannes ändert sich allerdings alles: Stephen Doyle reist auf Bitte der Fenians aus Amerika nach Manchester, um den Kampf der Revolutionäre zu unterstützen. Er hat im amerikanischen Bürgerkrieg gedient und kennt sich aus mit dem Geschäft der Gewalt. Er wird zum Gegenspieler James O’Connors, den Doyles Auftauchen und Handeln in echte Bedrängnis bringt. Das Duell der beiden wächst sich aus zu einem Kampf Mann gegen Mann. Einem Kampf, der über Manchester Grenzen hinaus ausgetragen werden wird.Wieder einmal gelingt Ian McGuire ein Buch, das die damalige Zeit fast sinnlich erlebbar macht. Die Beschreibung der Gassen, des Gestanks, der Gewalt – all das ist unglaublich intensiv. Man fühlt sich selber als Teil der Menge, wenn in den Hinterhöfen die Tradition des Rattenbeißens zelebriert wird oder die irischen Verschwörer in den Pubs einkehren. Der Abstinent ist eine spannnde Mischung aus historischem Roman, Krimi, Spitzelspiel und Western. Der Kampf von Stephen Doyle gegen James O’Connor mit allen Mitteln wird von Ian McGuire temporeich und wirklich spannend inszeniert.Zudem ist das Buch ein Musterbeispiel für das, was ich unter atmosphärisch und plastisch verstehe. Die Prosa Ian McGuires lässt (zumindest in meinem Fall) einfach Kopfkino entstehen und ist sehr gut von Jan Schönherr ins Deutsche übertragen worden. Ein Beispiel sei hier zitiert: Mitternacht. Feldgeschütze in der Stanley Street, Barrikaden an jeder Brücke und Kreuzung. Die hellen Flammen der Wachfeuer spiegeln sich rötlich schimmernd auf dem schwarzen, bootlosen River Irwell. Im Rathaus in der King Street klopft James O’Connor den Regen von seiner Melone, knöpft den Mantel auf und hängt beides an den Haken neben dem Pausenraum. Sanders, Malone und vier, fünf schlafen in einer Ecke auf Strohsäcken; die anderen sitzen na den Tischen, spielen whist, plaudern oder lesen den Courier. In der Luft hängt der vertraute Kasernendunst aus starkem Tee und Tabak, links an der Wand verstaubt ein Regal voller Turnkeulen und Medizinbälle, in der Mitte steht ein it Brettern abgedeckter Billardtisch. Ian McGuire – Der Abstinent, S. 7So beginnt dieses Buch und schon befindet man sich mitten im Geschehen. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände, die verstaubte Kaserne, das ungastliche Wetter. Mit wenigen Sätzen entstehen hier ganze Welten, die von kantigen Figuren bevölkert werden.FazitMit Der Abstinent ist Ian McGuire ein Buch gelungen, das die Troubles einmal aus englischer Perspektive beleuchtet und die die Kämpfe zwischen Iren und Engländern auf dem Boden des englischen Mutterlandes schildert. Ein spannender historischer Krimi mit einem genau beschreibenen Schauplatz und einem Duell auf Leben und Tod. Ein überzeugendes Buch. Düster und realistisch. Und nicht zuletzt von großer atmosphärischer Dichte.

katercarlo am 08.04.2021 13:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Spannendes, aktuelles, historisches Thema

Dass es zwischen Irland und England nicht immer einfach ist, habe ich gewusst. Gerade mit dem Brexit wird das ja wieder aktueller. Was ich jedoch nicht wusste, ist wie lange dieser Konflikt schon schwellt.Das Buch handelt Mitte des 19. Jahrhunderts in Manchester. Dort wurden drei Männer dafür gehängt in ihrem Kampf für Irland gegen England einen Polizisten ermordet zu haben. Nun fürchten sich die Ordnungshüter Manchesters vor einer Racheaktion. Mittendrin ist James O’Connor. Der Polizist bekommt in England eine zweite Chance nachdem er in seiner irischen Heimat den Tod seiner Frau nicht überwand und im Dienst trank. Doch als Ire hat er es gerade in diesen Zeiten in Manchester nicht leicht. Er muss gegen Ablehnung und Widerstand seiner Kollegen kämpfen, während er die Spitzel der Stadt aushorcht und sich in ein gefährliches Spiel zwischen Terror und Nationalstolz begibt, indem jeder Fehler bestraft wird.Ich fand das Thema dieses Buches sehr spannend. Nicht nur, weil mir dieser Teil der europäischen Geschichte nicht bekannt war, sondern auch weil es spannende Parallelen zur Gegenwart zeigt: Der Nordirlandkonflikt liegt noch nicht so lange zurück und Terror war in den vergangenen Jahren sehr aktuell. Das Buch macht deutlich, was es damals schon gab und was sich geändert hat.Durch den Tausch der Erzählenden im Buch kommt Spannung auf. Gleichzeitig macht es auch die verschiedenen Positionen und Überlegungen deutlich. So lernt der Leser beide Seiten des Konflikts kennen und bekommt ein ganzheitlicheres Bild. Mir gefällt sehr gut, wie sich die verschiedenen Entscheidungen verschiedener Mensch verstricken und so am Ende das Drama entsteht, das das Buch unterhaltsam macht.Nur das Ende war leider schwach. Entweder wusste der Autor nicht so recht, wie er zu einem fesselnden Schlusspunkt kommen soll oder er wollte bewusst die moralischen Gesichtspunkt betonen. Was auch immer, ich wurde damit nicht überzeugt. Die letzten hundert Seiten waren mir zu ereignislos und grüblerisch. Kein Vergleich zu Geschehen, Wendungen und Atmosphäre zuvor. Leider.

ger6892daerger am 08.04.2021 11:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

James gegen Stephen im irischen Freiheitskampf

Das Cover dieses Romans ist ganz in Schwarz gehalten. Titel und Autor stechen in Weiß hervor. Im Hintergrund sehen wir eine Henkersschlinge. Der Titel ist nicht sehr ansprechend, ich hätte dahinter keinen Krimi vermutet.Der Roman spielt in 1867 in Manchester. Dorthin wird der Polizist James O`Connor von Dublin her versetzt. Seine Frau ist verstorben, er hatte masssive Alkoholprobleme, die versucht er seit neun Monaten in den Griff zu kriegen.Dann werden drei irische Freiheitskämpfer, die der Gruppe der Fenians angehören, hingerichtet. Die Fenians ordern daraufhin den Kriegsveteranen Stephen Doyle aus Amerika. Er soll als Rache für die Gehängten Unruhe stiften. Mit Stephen kommt auch James Neffe Michael Sullivan aus Amerika in Manchester an. Er sucht Arbeit und James möchte ihn als Spitzel in die Gruppe der Fenians einschleusen. Das klappt auch und James kommt Stephen gefährlich nahe.In 33 Kapiteln entwickelt sich nun ein Katz und Maus Spiel, bei dem keiner gewinnen kann.Es ist die Geschichte zweier Männer, die beide in ihrer Geschichte gefangen sind. Die Iren werden unterdrückt, sie kämpfen mit Gewalt um ihre Freiheit. Aber Gewalt erzeugt Gegengewalt, das muss auch O`Connor leidvoll erleben, als er hineingezogen wird in einen Strudel aus Rache, Schuld und Verrat.Dem Autor ist es sehr gut gelungen, seine beiden Protagonisten zu charakterisieren. Besonders eindringlich sind auch seine Beschreibungen von Land und Leuten und deren Lebensumständen. Daraus ergibt sich eine dichte und atmosphärische Geschichte um irische Feiheitskämpfer, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

WDR 3
Ian McGuire lässt seinen Thriller im Manchester des 19. Jahrhunderts spielen. Trotzdem ist kein hist...orischer Roman, sondern eine hoch aktuelle, spannende Geschichte daraus geworden. mehr weniger

Peter Meisenberg, 26.10.2021

Berliner Zeitung
Wie einem Zeichner gelingt es McGuire, mit wenigen Strichen eine Situation, einen Ort so plastisch d...arzustellen, dass man sich hineinversetzt fühlt. mehr weniger

Andreas Förster, 20.07.2021

Hamburger Abendblatt
›Der Abstinent‹ zielt genau ins Herz der Finsternis.

Rainer Moritz, 02.06.2021

Playboy
Dunkles Duell, literarisch brillant, randvoll mit Bier und Whiskey.

Günter Keil, 01.06.2021

Frankfurter Rundschau
Mit breitem Strich trägt er Dunkelheit, trägt Schmerz, Blut, Grausamkeit auf, und für seine Figuren ...gibt es keine Erlösung. mehr weniger

Sylvia Staude, 18.05.2021

Süddeutsche Zeitung
Ein unprätentiöser, fast stiller Roman, der seine Tiefe dennoch nie ausstellt, sondern es schafft, i...n den rußschwarzen Straßen Manchesters grundlegende Fragen nach Gewalt, Schuld und Erlösung zu stellen. mehr weniger

Nicolas Freund, 04.05.2021

APA - Austria Presse Agentur
›Der Abstinent‹ erzählt eindringlich von menschlichen Dramen, von Schuld, Verfehlungen, Schwächen un...d Verrat. mehr weniger

23.04.2021

logbuch
Es gibt tiefe menschliche Gefühle, verletzte Seelen und schließlich den Versuch, die Kette der zerst...örerischen Gewalt zu sprengen. mehr weniger

Joachim Schwend

Bibliotheksnachrichten
Wer Verrat, Hundekämpfe, geheime Treffen in stinkenden Seitengassen, Gespräche in verrauchten Kasche...mmen und verkommene Charaktere liebt, der wird dieses Buch verschlingen. mehr weniger

Sabine Eidenberger

Buchprofile/medienprofile
Der spannende, sprachlich überzeugende Roman gibt einen Einblick in das Leben und Denken vor gut 150... Jahren und ist ein Plädoyer gegen Rache und für Mitgefühl. mehr weniger

Michael Müller

literaturmarkt.info
Einfach nur beeindruckend grandios!

Susann Fleischer, 29.11.2021

literaturzeitschrift.de
Der historische Roman noir liest sich packend wie ein Krimi und erzeugt atemberaubende Spannung. Faz...it: spannnend, milieudicht, außergewöhnlich. mehr weniger

Ruprecht Frieling, 23.07.2021

denglers-buchkritik.de
Hart, schmutzig, düster – ein Kriminalroman wie das Leben damals.

Alex Dengler, 19.07.2021

Rheinische Post
Großes Kino zwischen zwei Buchdeckeln!

Eckart Erdmann, Buchhändler, 17.07.2021

Goslarsche Zeitung
Ian McGuire hat mit ›Der Abstinent‹ einen sehr dichten, düsteren Roman vorgelegt.

24.06.2021

Die Furche
Schnörkellos bis zuletzt wird hier erzählt, vermutlich weil dieses furchbare Regiment der Gewalt kei...ne Schnörkel verträgt und braucht. mehr weniger

Rainer Moritz, 17.06.2021

Westfälischer Anzeiger
Der 1964 geborene englische Autor gibt ein aufregend dichtes literarisches Zeitbild, eine düstere mo...ralische Parabel über eine Spirale der Gewalt, bei der die Eskalation unaufhaltsam scheint. mehr weniger

Ralf Stiftel, 14.06.2021

Kleine Zeitung
Bewundernswert ist erneut McGuires Fähigkeit, für viel Lokalkolorit zu sorgen und eine dichte, prall...e Atmosphäre zu schaffen. Wie es sich für ein spannendes Lese-Abenteuer eben gehört. mehr weniger

Werner Krause, 03.05.2021

Hellweger Anzeiger
Der Roman des 1964 geborenen Autors besticht durch seine düstere Atmosphäre.

Andreas Schröter, 01.05.2021

Oberösterreichische Nachrichten
›Der Abstinent‹ erzählt eindringlich von menschlichen Dramen, von Schuld, Verfehlungen, Schwächen un...d Verrat. mehr weniger

30.04.2021

wodisoft.ch
Dieser Rachethriller ist sehr spannend zu lesen. Ich kann dieses Buch nur empfehlen.

06.04.2021