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Der Geschmack der Sehnsucht

In den Wirren des vietnamesischen Bürgerkriegs wird ein junges Mädchen weitergereicht; erst bei der dritten »Mutter«, einer Lehrerin, findet Mãn ein Zuhause. Doch dann entscheidet sich auch die neue Mutter, sie in die Ferne zu schicken: in eine arrangierte Ehe mit einem älteren Mann, der nach Kanada ausgewandert ist. Zuerst nimmt die junge Frau die neue Heimat nur durch die Luke der kleinen Suppenküche wahr, die dem ungleichen Paar den Lebensunterhalt sichert. Doch dann besinnt sie sich auf ein Vermächtnis, das ihr die Mutter mitgegeben hat: die Kunst des Kochens, die Sprache der Gewürze, die zugleich die der Sehnsucht ist und in der jedes Kraut, jede Zutat eine besondere Bedeutung hat, eine Geschichte erzählt. Bald werden sie und ihre Kunst entdeckt – und mit dem Erfolg entdeckt sie sich selbst, findet eine neue Sprache, in der auch Wünsche und Sehnsüchte zu Wort kommen dürfen. Bis sie schließlich einem anderen »Fremden« begegnet und eine so überraschende wie unbedingte Liebe ihr die Möglichkeit eines neuen Lebens aufzeigt. In Kim Thúys berührendem Exilroman verbindet sich der Duft der Gewürze mit der Sehnsucht nach einem Leben, das die Möglichkeit der Liebe einschließt.

Bibliografische Daten

EUR 16,95 [DE] – EUR 17,40 [AT]
ISBN : 978-3-88897-928-6

1. Auflage
144 Seiten
Format : 12,8 x 19,7 cm
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Übersetzt von Brigitte Große und Andrea Alvermann
Autor*innenporträt

Kim Thúy

Kim Thúy wurde 1968 in Saigon geboren und floh als Zehnjährige mit ihrer Familie nach Kanada. Sie arbeitete als Übersetzerin und Rechtsanwältin, als Gastronomin, Kritikerin und Moderatorin für Radio und Fernsehen. Als Autorin wurde sie 2010 mit ihrem in zahlreiche Sprachen übersetzten Roman ›Der Klang der Fremde‹ bekannt. Kim Thúy lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Montreal.  

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Übersetzer*innenporträt

Brigitte Große

Brigitte Große, 1957 in Wien geboren, studierte Philosophie, Musikwissenschaft, Soziologie und Psychologie in Wien und Hamburg. Anschließend war sie als Lektorin und Redakteurin tätig. Sie lebt heute als Übersetzerin aus dem Französischen in Hamburg. Sie überträgt unter anderem Amélie Nothomb, Wilfried N’Sondé und Gaël Faye ins Deutsche. 1994 und 2015 erhielt Brigitte Große den Hamburger Förderpreis für Literatur und literarische Übersetzungen. Sie war Trägerin des Hieronymusrings und wurde 2017 mit dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung ausgezeichnet.

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Übersetzer*innenporträt

Andrea Alvermann

Andrea Alvermann studierte u. a. Jura, Romanistik und Slavistik an der Universität Köln. Sie ist Mitglied im Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer und der Société Française des Traducteurs (SFT).

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37 von 37 Leserstimmen

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3 - 10 von 37 Leserstimme

pedi am 25.03.2014 18:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Der Geschmack der Sehnsucht

Kennt man das erste Buch der vietnamesischstämmigen Kanadierin Kim Thúy, dann hält man den neuen Roman wie einen alten Freund in der Hand. Es ist genauso zart, fein und wunderschön aufgemacht. Der Ton ist der selbe: poetisch, aber glasklar, sehr kurze, locker gruppierte Kapitel, diesmal mit farbig abgesetzten vietnamesischen Begriffen versehen. Auch der Inhalt ähnelt. Wieder sind es kurze Erinnerungssplitter, die zusammengefügt einen Einblick in die Kindheit, Jugend, Gedanken- und Gefühlswelt einer früh nach Kanada emigrierten Vietnamesin geben. Doch ist der Schwerpunkt hier anders gesetzt. Mãn wurde als uneheliches Kind schon früh von der Mutter abgegeben, kurzfristig von einer Art Nonne versorgt, bis sie schließlich bei einer Lehrerin ihren Platz zum Leben und ihre dritte "Mama" fand. Diese gerät eher unfreiwillig in die Wirren des Vietnamkrieges, der sehr beiläufig, aber eindrücklich thematisiert wird. Um Mãn eine bessere Zukunft zu verschaffen, verheiratet sie sie an einen älteren Vietnamesen, der in Kanada lebt, eine durchaus gängige Praxis, gegen die sich Mãn auch nicht auflehnt. Auflehnung ist ihr sowieso völlig fremd. Sie nimmt die Dinge so, wie sie kommen. Unauffällig leben, größere Gefühle nicht zulasse, so hat sie es gelernt. Und so fügt sie sich auch in ihr neues Leben in einer Suppenküche in Montreal. So stört sie sich auch nicht an der völligen Gefühlsarmut in ihrer Ehe, bekommt zwei Kinder und verschafft dem kleinen Restaurant einen guten Ruf. Ihre ganze Energie und Liebe steckt sie in die Zubereitung köstlicher, authentischer Gerichte, die sie nicht nur mit ihrer Mutter und Heimat verbinden, sondern für sie den "Geschmack der Sehnsucht" tragen. Ihre Kochkünste haben nicht nur ungeheuren Erfolg bei ihren Landleuten, sondern sie lernt auch eine Kanadierin kennen, die mit ihr ein Restaurant im größeren Stil aufzieht. Diese Julie wird zu einer wahren Freundin, die mit ihrer Herzlichkeit und Offenheit auch Mãns Gefühlspanzer etwas aufzubrechen vermag. Auf einem Kochseminar in Paris lernt sie dann Luc kennen und lieben. Auch wenn dieser Liebe keine Zukunft beschert ist, verändert sie Mãn doch nachhaltig. Das Ganze ist so atmosphärisch dicht und sinnlich beschrieben, gleichzeitig aber auch so zart, knapp und präzise, das das ganze trotz der berührenden Thematik nicht in den Kitsch abgleitet. Es erzählt leise, fast behutsam von der Sehnsucht nach Heimat, der Zerrissenheit, aber auch dem Glück in der Fremde und ist auch aufgrund seiner wunderschönen Gestaltung eine kleine Perle.

schliesi am 24.03.2014 20:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Sehnsucht nach dem Leben

Inhalt:Mãn, ein vietnamesisches Mädchen wird während der Wirren des dort herrschenden Bürgerkrieges von einer „Mutter“ zur nächsten gereicht. Erst bei ihren dritten „Mutter“ findet Mãn so etwas wie ein zu Hause. Doch dann schickt auch diese „Mutter“ das Mädchen fort ins ferne Kanada, zu einem älteren Mann, mit dem sie eine arrangierte Ehe eingeht. In Kanada angekommen, arbeitet sie in einer Suppenküche, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Mãn besinnt sich dort auf ihre Kochkünste und ihr Leben wird zunehmend turbulenter und eröffnet ihr völlig neue und ungeahnte Möglichkeiten.Meine Meinung:Der Buchumschlag ist wunderschön gestaltet, er passt sehr gut zum Inhalt des Buches, er weckt schon beim bloßen Anschauen Sehnsüchte nach der Ferne. Mãns Geschichte ist von der ersten Seite an berührend und stimmte mich sehr nachdenklich. Die Handlung ist detailliert und nachvollziehbar, sie weckt das Interesse an der vietnamesischen Kultur auf eine sehr berührende Art. Besonders gut haben mir die vietnamesischen Übersetzungen auf jeder Buchseite gefallen, sie lockern die Geschichte auf und schaffen eine tiefergehende Bindung zur Handlung. Obwohl der Roman recht kurz ist, steckt in dieser Kürze eine große Kraft und besonders viel Atmosphäre. Der Roman ist mir ans Herz gegangen, auch die Übersetzung aus dem Französischen halte ich für überaus gelungen. Oft habe ich beim Lesen nachdenklich innehalten müssen. Ein wunderbarer Roman der zum Träumen und Nachdenken anregt.

xirxe am 24.03.2014 17:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Fein und leise - traumhaft schön!

Nicht einmal 140 Seiten umfasst dieses kleine Büchlein, aber es enthält die Geschichten von so vielen Menschen und sogar die eines Landes: Vietnam. Mãn wird von ihrer Mutter ausgesetzt, da diese sich als junge unverheiratete Frau nicht um ihr Kind kümmern kann, schon gar nicht mitten im Durcheinander des Bürgerkrieges. Eine Nonne nimmt sich der Kleinen an, doch um ihr ein besseres Leben zu sichern übergibt sie sie einer Lehrerin, die Mãn liebevoll aufzieht. Wieder an die Zukunft denkend, wird das junge Mädchen an einen wesentlich älteren Mann verkuppelt, der sich in Kanada eine Existenz mit einer Suppenküche aufgebaut hat. Dank ihren Kochkenntnissen entwickelt sich der Imbiss zu einem immer größeren Unternehmen, das Mãn weit ins Ausland führt, wo sie der Liebe begegnet...Vietnam scheint für uns Westler kein allzu unbekanntes Land mehr zu sein: Dank unzähliger Restaurants und Imbisse, vieler hier lebender ehemaliger 'Boatpeople' und der Tatsache, dass eine Reise dorthin nichts sooo Besonderes mehr darstellt, wirkt es wie andere asiatische Länder merkwürdig vertraut. Doch nach der Lektüre dieses Buches kommt mir Vietnam wie eine unbekannte Region vor. Mãn ist die zentrale Figur und erzählt nicht nur ihr Leben und das ihrer dritten Mutter, sondern neben vielen anderen Geschichten auch all das, was sie prägte: Märchen, Mythen, Traditionen, Gewohnheiten. Und wie sie von ihrer Mutter übernahm, dass nur diejenigen überleben, die ihre Identität aufgeben. Dies mag sich grausam anhören, doch so bleibt das Leben im Gleichklang der Zeit: Höhen und Tiefen mögen fehlen, doch das Leben geht voran. Trivial, ich weiss, doch im Zusammenhang mit diesem Buch hat es seine eigene Wirkung.Hervorzuheben ist die wunderschöne Sprache wie auch die Gestaltung des Buches. Beides fein und zart, im Buch selbst betont durch vietnamesische Vokabeln, die farblich abgesetzt immer am Außenrand stehen. Oder in Sätzen wie '..Durianbäume bedeutet wörtlich übersetzt: persönliche Traurigkeiten. Vielleicht vergisst man das, weil die Traurigkeiten wie das Fleisch der Durianfrüchte in fest verschlossenen Kammern unter einem stachligen Panzer stecken.' oder 'Sie schien an der Schwelle angelangt zu sein, von der an sie sich von der Zeit nur noch sanft wiegen und nicht mehr durchschütteln ließ, so als vertrauten sie sich einander an und spotteten zärtlich über die Turbulenzen der Jugend.'.

wuschelchen99 am 24.03.2014 16:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Poetischer Blick auf Vietnam

Drei Mütter, ein Kind! Heftig. Wie kann so ein kleines Kind mit diesem Schicksal durchs Leben kommen? Das regelt die vietnamesische Kultur, die uns in Europa sehr fremd ist. Das Mädchen heißt Mãn und der Roman erzählt ihre Geschichte von den Wirren des vietnamesischen Bürgerkriegs bis hin zu ihrem Leben in Kanada mit einem viel älterem Mann. Ihre Kultur ist ihr wichtig, das von ihrer Mutter Gelernte kann sie erfolgreich umsetzen. Aber viele Dinge kommen auf sie zu, Bekanntes und Neues. Und ein Ende, das viele Fragen offen läßt, aber den Leser noch lange über das Buch nachdenken läßt. Ich war erstaunt über das kleine Büchlein und die kurzen und knappen Kapitel, die aber sehr viel der vietnamesischen Kultur vermitteln können. Eine sehr schöne Idee sind die vietnamesischen Wörter am Rand und die deutsche Übersetzung dazu. Sie passen haargenau zum Kapitel. Kim Thúy hat ein sehr poetisches, kleines Buch verfasst. Ihr Schreibtisch ist sehr ruhig, aber doch recht klar.Das romantische Cover reizt, das Buch in die Hand zu nehmen, aber die sehr authentisch geschriebene Geschichte reizt es auch zu lesen.

irismaria am 24.03.2014 12:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Exotische Lebensgeschichte aus Vietnam

"Der Geschmack der Sehnsucht" handelt von einem Mädchen aus Vietnam. Sie wurde als Kind einer unverheirateten Mutter geboren und erzählt, wie sie mehrere "Mütter" hatte, bei sie bei einer endlich Liebe und Geborgenheit erfahren durfte. Das Layout des Buches ist ungewöhnlich, kurze Abschnitte mit andersfarbigen Erläuterungen am Rand, keine durchgehende Handlung sondern einzelne Schlaglichter. Es kommt mir vor, als würde die Hauptfigur bei einer Tasse Tee bei mir sitzen und Szenen aus ihrem Leben erzählen. Von einer schwierigen Kindheit geht es zur arrangierten Ehe mit einem älteren Mann, zu dem sie nach Kanada zieht. Er hat ein Restaurant und Min arbeitet dort und lässt in ihren Gerichten die Heimat wieder lebendig werden. Ihr Schicksal ist berührend, aber sie erzählt ganz sachlich darüber. Ich war noch nie in Vietnam und finde die Beschreibungen sehr interessant. Beim Lesen werden die Bilder, die Düfte und Geräusche lebendig, das gefällt mir sehr.Das Cover zeigt eine vietnamesische Frau von hinten, die am Strand an ihrem Verkaufsstand sitzt und Essen anbietet, vielleicht für die Fischer, die zu sehen sind. Es stimmt auf eine authentisch geschriebene Reise in ein fernes Land ein. Leider bleibt mir die Denkweise der Hauptperson in vielem fremd.

sacrileg am 21.03.2014 23:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Vietnam

Kim Thúy zeichnetein sehr farbenfrohes Bild von ihrer Heimat Vietnam. Dabei verbindet sie die eindringlichen Sehnsuchtsbilder zumeist mit einem landestypischen Gericht, das Lust auf einen Besuch eines vietnamesischen Restaurants macht. Dabei schreibt sie sehr verspielt, detailliert und beschreibt wahre Geschmacksexplosionen, die der Leser förmlich schmecken kann.

Ein junges Mädchen, ich fürchte man erfährt ihren Namen nicht, heiratet ihren Mann nur damit sie nach Kanada auswandern kann. Dort vollbringt sie in seinem vietnamesischen Restaurant wahre Wunder, bezaubert ihre Kunden und ihre Freunde und steigt bald zu einer wahren Künstlerin mit eigenem Kochattelier auf. Sie kann endlich ihre Adoptivmutter aus Vietnam zu sich holen. Das bringt auch Reisen z.Bsp. nach Paris mit sich, bei der sie die wahre Liebe erfährt. Doch wie ihre Mutter ihr schon zu Beginn sagt, ist diese Liebe nicht für die Ewigkeit geschaffen und doch bleibt dieser jungen Frau immer noch ihre Hoffnung.

Neben dieser Geschichte geben Rückblicke auch Einsicht in das Leben und Schicksal der Adoptivmutter. Wie diese liebte und viel in den Wirren des Bürgerkrieges aufgeben musste. Dabei benutzt Thúy so verträumte und farbenintensive Bilder, dass das Leid und die Tragik eher in den Hintergrund rücken und man nur das Gesamtkunstwerk in seiner melancholischen Pracht bestaunen kann. Sie schafft es, dass man sich nach einem Land, seinen Bewohnern und vor allem seiner Atmosphäre sehnt, ohne jemals dort gewesen zu sein. Das ist für mich eine wirklich seltene Gabe und hat mich tief berührt.

Es ist sehr unterhaltsam und mal etwas anderes, das an der Seite immer wieder vietnamesische Übersetzungen angegeben sind. So fühlt man sich noch tiefer in diesen Sog der Fremdheit und fast schon eines kulinarischen Landesführers gezogen. Thúy führt den Leser durch ihr Land, zeigt die Eigenheiten an den Schicksalen der jungen Frau und ihrer Mutter und lässt sich vom Leser über die Schulter schauen.

Auch das Cover ist wirklich sehr schön gelungen und verrät eigentlich schon sehr viel über diese Buch: Es wird vom Essen, den Menschen und der Atmospähre eines fernen Landes handeln, das doch für die meisten Menschen erst einmal fremd ist. Ich muss auch gestehen, es sieht schon verdammt lecker aus.

Diese schöne Geschichte hat mich sehr berührt, mich wirklich gut und kurzweilig unterhalten und den Geschmack auf vietnamesische Kultur, Gerichte und Menschen geweckt. Ich habe schon wahre Sehnsucht nach diesem fremden unbekannten Land.

yellowdog am 21.03.2014 19:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Der Geschmack der Sehnsucht

Ein mit nur 144 Seiten kurzer Roman, indem doch viel steckt. Die Autorin Kim Thuy erzählt in einem spröden Stil, der ganz subtil ist.Ich ´habe dabei auch das Gefühl, dass die Übersetzung aus dem Französischen von Andrea Alvermann und Brigitte Große gelungen ist und die Sprache des französischen Originals bewahrt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass es Exilanten sind, die die französischsprachige Literatur bereichern, man denke nur an die vielen Autoren des Maghreb.Dieses Buch ist gediegen und atmosphärisch auf zurückhaltender Art. In kurzen Lesepausen haben ich mir Musik von Huong Thanh & Nguyen Le angehört, die einen Soundtrack zu diesem Buch bieten könnte.Kim Thuy gelingt esbei aller Zurückhaltung ihrer Icherzählerin Charakter zu verleihen. Sie ist eine Figur, deren Persönlichkeit man spüren kann.Kim Tuy hatte schon einen Roman veröffentlicht. Titel: Der Klang der FremdeDas Buch würde mich auch interessieren.Fazit: Der Geschmack der Sehnsucht ist bei aller kürze ein komplexer, sensibler Roman, der lesenswert ist. Ein Roman jenseits des geläufigen Mainstream. Da muss man dem unabhängigen Antje Kunstmann-Verlag dankbar sein, so etwas veröffentlich zu haben.

simonsays... am 21.03.2014 17:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Französisches Glück im Geheimversteck

Von ihrer dritten Mutter wird Mädchen Mãn liebevoll aufgezogen und an einen älteren Mann verheiratet, der vor Jahren von Saigon als einer der Boatpeople nach Montreal reiste. Weder ist er Vietnamese, noch richtiger Kanadier, ein Zwischenwesen. Mit ihm geht sie nach Montreal und führt ein sicheres, jedoch die Extreme und Gefühle vermeidendes Leben. Die Arbeit im Restaurant ihres Mannes schließlich wird das Tor zu einer Welt sein, dass diese Vermeidungshaltung aufbricht. Auch ihre Mutter folgt nach der Geburt ihrer zwei Kinder nach und lebt mit ihnen in Montreal. Durch das Restaurant kommen spontane, lebendige Menschen in Mãns Leben, wie ihr "Sonnenbruder" die Küchenhilfe, Hong und schließlich, ihre Freundin Julie und ihr Geliebter Luc. Julie lehrt sie Lachen, unbekümmerte Liebe und Abenteuer und ermuntert sie, vietnamesische Kochkurse anzubieten und ein Kochbuch herauszugeben, "Das Tragejoch". Sie reisen zusammen nach New York, Mãn nach Paris, wo sie Luc trifft, der sie mit dem bislang unbekannten Gefühl der Liebe zwischen Mann und Frau bekannt macht und sie, das Zwischenwesen, endlich ankommen lässt. Das Buch ist gleichzeitig dicht und leicht geschrieben, die vielen poetischen Texte in verschiedenen Sprachen sind ganz wunderbar. Man träumt, man denkt nach, man schweift ab... So wie auch bei den seitlich farblich in Sehnsuchtsblau abgedruckten vietnamesischen Vokabeln...Oft jedoch werden zu viele kulturelle oder geschichtliche Ereignisse genannt, zu viele Gewürzdetails und Zubereitungen von Speisen ausgeführt, zu zahlreiche Verwandte benannt, was den Leser verwirrt. Absicht? Ich werde das Buch demnächst noch einmal lesen und bin jetzt schon gespannt, welche Geschmacksnuance sich dann bietet.

cith am 21.03.2014 10:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Das Leben von Mãn

Einleitung/ InfoKim Thúy ist eine kanadische Schriftstellerin französischer Sprache. Sie wurde in Saigon geboren. Als sie zehn Jahre alt war floh ihre Familie mit ihr in den Westen. 2010 wurde sie als Autorin mit ihrem Überraschungserfolg "Der Klang der Fremde" bekannt. „Der Geschmack der Sehnsucht“ ist ihr drittes Buch.HandlungMãn wird von ihrer Mutter adoptiert und aufgezogen. Als sie alt genug ist, entscheidet ihre Mutter sie in eine arrangierte Ehe nach Kanada zu schicken, um ihr dadurch ein besseres Leben zu ermöglichen. In Kanada arbeitet sie in der Suppenküche ihres Mannes und beginnt nach und nach die Speisekarte zu erweitern und Gerichte aus ihrer Heimat zu kochen. Sie wird als Köchin gefragt und erfolgreich.„Der Geschmack der Sehnsucht“ erzählt in einer poetischen, dichten Sprache von Heimat, Sehnsucht, der Liebe und dem Leben.Covergestaltung und BuchtitelDer Titel gefällt mir gut, ausgesprochen passend zum Buch. Das Cover ist sehr liebesvoll gestaltet und anspechend. Auch innen wirkt das Buch wertig. Mir gefällt außerdem, dass das Cover ihrem ersten bei Kunstmann erschienenen Roman ähnelt.PositivesEin wirklich außergewöhnliches Buch, das in leisen Tönen von Mãns Lebensweg erzählt. Besonders gefallen hat mir die knappe poetische Sprache und der dichte Erzählstil. Es ist beeindruckend, dass eine derart geringe Anzahl an Worten ein Leben so eindrücklich und einfühlsam können. Kein Wort war überflüssig und keines zu viel; das ist sicher eine hohe Kunst. Auch die Geschichte ansich hat mich angesprochen. Das Leben von Mãn ist meinem so unähnlich, dass es allein dadurch schon interessant zu lesen ist. Mir gefiel aber auch die Metamorphose ihrer Art Gefühle zu empfinden und dann auch auszudrücken. „Der Geschmack der Sehnsucht“ ist ein Buch, dass ich mit viel Interesse und Freude gelesen habe.NegativesDieses Mal bleibt dieser Punkt ohne Inhalt.FazitAuch jetzt noch, einige Tage nachdem ich es beendet habe, denke ich noch an das Buch. Dieses so kleine handliche Büchlein beinhaltet durch seine wunderbare Sprache eine besondere Tiefe und (Lebens-) Geschichte.Zweifelsohne fünf Sterne.

gisel am 18.03.2014 11:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Der Geschmack der Sehnsucht

Man verliert in den Wirren des vietnamesischen Bürgerkrieges ihre Mutter, erst bei der dritten Mutter findet sie ein liebendes Zuhause. Dort wächst sie in die vietnamesische Gesellschaft hinein, später zieht sie nach Montreal in ein Leben mit einer arrangierten Ehe, wie dies üblich ist. Erst spät in ihrem Leben entdeckt sie die wahre Liebe, doch sie bleibt ihrem Ehemann und ihrem Leben mit den Kindern treu.„Der Geschmack der Sehnsucht“ ist ein Exilroman, das die Brüche der Exilvietnamesen in Kanada gut beschreibt. Er ist eher anspruchsvoll geschrieben, so dass ich mich manchmal schwer tat, mich in den Orten, Ereignissen und Personen zurechtzufinden. Beim Lesen spürt man, wie Man sich in einer Welt der Gefühle eher schwer tut, ist dies doch weniger Bestandteil der vietnamesischen Kultur. Hier merkt man die Unterschiede zwischen unserer westlichen und der vietnamesischen Kultur ganz besonders.Das Buch ist sehr schön aufgemacht, mit einem ansprechenden Coverbild und vielen vietnamesischen Wörtern mit ihrer deutschen Übersetzung am Rand fast jeder Seite. Die Sprache wirkt oft poetisch, was durch viele Gedichte noch aufgegriffen wird.Die Welt, in der Man lebt, ist mir letztendlich zwar etwas nahegebracht worden, aber ganz verstanden habe ich sie doch nicht, trotz meiner Neugier auf fremde Kulturen...