Ein kluger, fesselnder Roman über die zerstörerischen Auswirkungen der Medienwelt auf Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen – aber vor allem über die Liebe.
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Die Liebeshungrigen
Ein Jahr nachdem er den Élysée-Palast verlassen hat, ist der ehemalige Präsident Dan Lehman ein Schatten seiner selbst. Seine Ehe mit einer Schauspielerin ist nur noch Fassade. Er trinkt, wird in Gerichtsverfahren verwickelt und versucht mit einem Buch in die Medien zurückzukehren, während seine Frau die Rolle ihres Lebens spielt. Ihr Film ist ein Erfolg, wird für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Und dort, in diesem Tempel des Kinos, in dem alles Illusion ist, vermischen sich Realität und Fiktion auf verheerende Weise.
Karine Tuil verbindet in einem packenden Gesellschaftsroman die Schicksale mehrerer Figuren miteinander und erzählt von den zerstörerischen Auswirkungen der Medienwelt auf Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen – aber vor allem von der Liebe.
»Kaum eine Bestseller-Autorin umkreist ethische Fragen so klug und spannend wie die zweimal für den Prix Goncourt nominierte Juristin Karine Tuil.« Kerstin Hellberg, Stern
Übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch
Bibliografische Daten
4. Auflage
Karine Tuil
Karine Tuil, geboren 1972, ist Juristin und Autorin mehrerer gefeierter Bücher, darunter der Roman ›Die Gierigen‹. Zuletzt erschien ihr viel beachteter Roman ›Diese eine Entscheidung‹, der mit Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Karine Tuil lebt mit ihrer Familie in Paris.
Maja Ueberle-Pfaff
Maja Ueberle-Pfaff studierte Anglistik, Geschichte und Filmtheorie. Nach Anfängen als Verlagslektorin und Sprachdozentin übersetzt sie seit vielen Jahren Belletristik aus dem Englischen und Französischen.
Alexandra Baisch
Alexandra Baisch hat in Frankreich studiert und lebt in München, wo sie als Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen und Spanischen und als freie Lektorin tätig ist.
1 - 10 von 92 Leserstimme
Super!
Cover: Eine Frau und ein Mann, eher geheimnisvoll. Die Frau hält ihre Hand vors Gesicht. Das Cover gefällt mir gut und passt zur Geschichte.Inhalt: Es geht um einen ehemaligen Präsidenten, dessen Leben nach dem politischen Höhepunkt auseinander bricht, beruflich und privat. Seine Frau, eine Schauspielerin, macht Karriere und hat großen Erfolg. Die Themen Macht, Leben in der Öffentlichkeit und Abhängigkeiten in Beziehungen werden unglaublich gut miteinander verwoben. Was macht ein Mensch, wenn Ruhm und Einfluss wegbrechen? Fazit: Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Sprache der Autorin ist klar und eher kühl. Die Figuren waren mir zwar nicht komplett sympathisch, aber sie wurden sehr gut skizziert. Ein gutes Buch! Ich empfehle es gerne!Die Liebeshungrigen von Karine Tuil, erschienen am 15.05.2026 im dtv Verlag, 23,00 Euro.
Ein Drama der Privilegierten
Man stelle sich ein Buch vor, das sich wegliest wie eine süchtig machende Netflix-Serie. Genau das ist „Die Liebeshungrigen“ – ein wilder Mix aus Macht, Sex und verletztem Ego in der High Society.Dan, in seinen 60ern, ist als Politiker abgesägt, trinkt zu viel und verkraftet seinen Machtverlust null. Während er abstürzt, startet seine Ex-Frau Marianne richtig durch: Ihr Buch wird verfilmt! Dans neue, jüngere Frau Hilda ergattert die Hauptrolle. Mittendrin stecken eine erfolglose junge Schauspielerin, Dans älteste Tochter und ein absolut cholerischer Regisseur, der mit allen ein falsches Spiel spielt.Karine Tuil zeigt genial, wie sich vier Frauen aus verschiedenen Generationen (von 20 bis über 50) in einer knallharten, von Männern dominierten Welt durchboxen müssen. Das Buch ist voll mit Charakteren, die man gleichzeitig hassen und bemitleiden muss.Ein Zitat bringt es auf den Punkt:„Menschen können ihre Privilegien nur genießen, wenn andere sie nicht haben.“ (S. 300)
Film ab
Das Buch erzählt von Liebe, Begehren, Eifersucht, Macht und den dunklen Seiten der Filmwelt. Vor der Kulisse der Filmfestspiele in Cannes zeigt der Roman, wie eng Erfolg, Abhängigkeit und persönliche Beziehungen miteinander verbunden sind. Mit scharfem Blick werden die Mechanismen von Macht, öffentlicher Inszenierung und gesellschaftlichen Abhängigkeiten seziert. Besonders interessant ist, wie die Machtverhältnisse in der Filmbranche beschrieben werden. Einflussreiche Menschen entscheiden über Karrieren, während andere ihre Grenzen überschreiten lassen oder zum Schweigen gebracht werden. Die Figuren wirken dabei glaubwürdig und vielschichtig. Erschreckend fand ich auch, in welche Lage Frauen dabei gedrängt werden und was sie ihren Körpern antun, um für das Filmgeschäft attraktiv zu bleiben. Gerade die Beschreibungen alter weißter Männer, die ihre Macht missbrauchen und über den Dingen zu sehen glauben, hat in mir Unruhe ausgelöst. Gerade heute ist das Buch besonders aktuell. Die Berichte über sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch in der Filmbranche zeigen, dass die Themen des Romans noch immer eine große Rolle spielen. Dadurch wirkt die Geschichte besonders nah an der Realität.
Liebe im Schatten der Macht
Karine Tuils Die Liebeshungrigen ist ein Roman, der sich nur schwer auf ein einziges Thema reduzieren lässt. Politik, Medien, Liebe, Macht, Feminismus, öffentliche Wahrnehmung und schließlich auch #MeToo greifen ineinander wie Zahnräder einer Maschine, die unaufhaltsam auf ihre Figuren einwirkt. Wenn man dennoch einen gemeinsamen Nenner suchen müsste, dann wäre es wohl die Macht und die Frage, was sie mit Menschen macht.Im Zentrum steht ein ehemaliger französischer Präsident, dessen große Zeit längst vorbei ist. Er klammert sich an seinen Einfluss, trinkt zu viel, schreibt mäßig erfolgreiche Bücher und begegnet seiner Umwelt mit einer Selbstverständlichkeit, die oft an Arroganz grenzt. Er ist keine Figur, die man mögen muss und gerade deshalb eine, die fasziniert.Mindestens genauso interessant ist jedoch seine Ehefrau, die jahrelang alles für ihn aufgegeben hat und dabei immer mehr zur „Frau von …“ geworden ist. Als er sie schließlich für eine jüngere Frau verlässt, wird die private Krise zur öffentlichen Demütigung. Tuil zeigt eindrucksvoll, was es mit einem Menschen macht, wenn das eigene Leben plötzlich von Medien, öffentlicher Meinung und gesellschaftlichen Erwartungen bewertet wird.Der Roman ist politisch, feministisch und angenehm bissig. Manchmal wollte Tuil aber für meinen Geschmack fast zu viel auf einmal erzählen: ein oder zwei Themen weniger hätten dem Roman gutgetan. Auch bleibt durch die vielen Perspektiven eine gewisse Distanz zu den Figuren bestehen. Trotzdem hat mich das Buch sehr gepackt. Es ist klug, vielschichtig und wirft spannende Fragen über Liebe, Macht und Medien auf.
Von Machtdurst und Liebeshunger
Dan Lehman, Mitte 60, ist depressiv, alkoholsüchtig und abhängig von Beruhigungsmitteln. Nach fünf Jahren chaotischer Amtszeit als französischer Staatspräsident wurde er vor etwa einem Jahr abgewählt und steht mittlerweile im politischen Abseits. Nun droht er, komplett in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Sein Buch, das er als Romanbiografie angelegt hat, bleibt hinter den Erwartungen. In seiner Ehe lief es schon besser. Seine 25 Jahre jüngere Frau, die deutschstämmige Hilda Müller, hingegen feiert als Schauspielerin ein Karrierehoch. Und das ist noch nicht alles, was Lehman gegen den Strich geht…„Die Liebeshungrigen“ ist ein Roman von Karine Tuil.Der Roman rechnet mit der gesellschaftlichen und politischen Elite Frankreichs ab, insbesondere mit den Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Es geht um Eitelkeiten und Körperkult, um Machtstreben und -missbrauch, um den Kampf um Aufmerksamkeit, um Intrigen, Täuschungsmanöver und Gehässigkeiten. Dabei zeigt die Geschichte auf, wie verlogen und trügerisch die Politik- und Medienbranche ist und wie schnell die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen. Sie macht zudem klar, welche zerstörerischen Auswirkungen die Scheinwelt und welche Schattenseiten der Ruhm haben können.Auf knapp 400 Seiten liefert der Roman eine interessante und kluge Analyse der modernen Gesellschaft Frankreichs. In unterhaltsamer, bissiger und teils humorvoller Manier, aber mit Anspruch legt er die Finger in mehrere Wunden. Er entlarvt unter anderem moralische Verkommenheit, menschliche Abgründe, misogyne Strukturen und die Korrumpiertheit der Eliten. Persönliche Dramen und Schicksale verleihen der Geschichte zusätzliche Würze.Protagonist Dan Lehman ist eine fiktive Figur, wirkt aber wie eine etwas verfremdete Mischung der Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande. Auch weitere Charaktere zeigen Parallelen zu tatsächlichen Persönlichkeiten. Dennoch handelt es sich nicht um einen Schlüsselroman im eigentlichen Sinne. Stattdessen werden die Figuren erstaunlich facettenreich und detailliert gezeichnet.Die Geschichte gliedert sich in drei Teile mit insgesamt 67 kurzen Kapiteln, in personaler Perspektive verfasst, und weiteren umnummerierten Kapiteln, erzählt in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lehmans Ex-Frau, Marianne Bassani. Diese Komplexität schlägt sich erfreulicherweise auch in stilistischer Varianz nieder.In anderer Hinsicht hat mich die Sprache des Romans ebenfalls überzeugt. Die Übersetzung von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch ist angenehm unauffällig.Der deutsche Titel weicht erheblich ab vom französischen Original („La guerre par d'autres moyens“), das ich wesentlich treffender formuliert finde. Unglücklich ist meiner Ansicht nach zudem, dass das deutsche Cover mit KI erstellt wurde.Mein Fazit:Erneut ist Karine Tuil ein überzeugender Gegenwartsroman gelungen, der Missstände der modernen Gesellschaft schonungslos offenlegt und menschliches Verhalten kritisch beleuchtet. Dabei hat mich „Die Liebeshungrigen“ sehr gut unterhalten. Definitiv empfehlenswert!
anspruchsvoller Roman
Die Liebenhungrigen ist ein anspruchsvoller Roman über Beziehungen und gesellschaftliche Zwänge, der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Der Schreibstil von Karin Tuil ist schonungslos. Die Charaktere werden mit all ihren Widersprüchen, Eitelkeiten und Verletzlichkeiten dargestellt. Es werden viele Fragen behandelt, zum Beispiel: "Was bleibt von einem Menschen, wenn Macht und Ruhm verschwinden?" und "Welchen Einfluss haben Konkurrenz und Selbstdarstellung auf die Liebe?" Besonders treffend fand ich die folgenden zwei Aussagen: "In meiner Seele trage ich noch immer einen blauen Fleck davon." und "Ich hatte zugelassen, dass die Melancholie in mich einströmte, wie giftiges Gas" Der Autorin ist ein Roman gelungen, der mich unterhalten hat und zugleich kritisch auf das Weltgeschehen schaut. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter.
Über die Verkommenheit der Eliten
In ihrem neuen Roman "Die Liebeshungrigen", im französischsprachigen Original treffender "La guerre par d'autres moyens" ("Der Krieg mit anderen Mitteln") genannt, lässt uns die französische Autorin Karine Tuil hinter die Kulissen der Reichen, Schönen und Mächtigen schauen.Und was man hier zu sehen bekommt, ist kein schönes Bild: hinter dem schönen Glanz verbirgt sich sehr viel Verkommenheit, Intrigen, Manipulation, Verrat und Misogynie. Im clever konstruierten Roman erleben wir abwechselnd viele Perspektiven der Menschen rund um den ehemaligen (fiktiven) französischen Staatspräsidenten Dan Lehman mit.Dan Lehman selbst hat Schwierigkeiten mit dem Machtverlust und ein immer größer werdendes Alkoholproblem. Von seiner loyalen langjährigen Ehefrau Marianne, mit der er drei erwachsene Kinder hat, hatte er sich im Vorfeld der Wahl für eine weit jüngere Schauspielerin getrennt, mit der er ein weiteres kleines Kind bekommen hat. Doch nun ist auch diese Beziehung nicht mehr gut.Marianne wiederum ist Autorin und ihr erfolgreiches Buch zum Thema Gewalt gegen Frauen soll verfilmt werden, doch besetzt wird die Rolle ausgerechnet mit der neuen Partnerin ihres Ex-Mannes. Dann gibt es noch den Regisseur Nizan, der nach außen auf Feminist tut, aber eigentlich im Verborgenen zutiefst misogynes Verhalten an den Tag legt und mehrere junge naive Frauen, die sich ebenfalls für modern und feministisch halten, aber auf den erfolgreichen Mann hereinfallen.Mit Ausnahme der Person Marianne, die durchaus einiges an Souveränität und gereifter Persönlichkeit zeigt, handelt es sich bei allen porträtierten Charakteren um solche mit massiven Charakterschwächen, was insgesamt ein hässliches Bild der Welt der Superreichen, Einflussreichen und Mächtigen zeichnet. Auch wenn man hoffen könnte, dass dieses Bild übertrieben wäre, und sich integre Menschen an der Spitze des Staates wünschen würde, wissen wir doch mittlerweile von vielen Berichten und Recherchen, dass dem leider nicht unbedingt so ist und es gerade da, wo nach außen Glanz, Ruhm, Ehre und Macht groß erscheinen, es oft auch sehr viel innere Leere gibt.Insofern handelt es sich um ein durchaus authentisches, wenn auch deprimierendes, Porträt eines ganz bestimmten Teils der gesellschaftlichen Oberschicht in Frankreich, das ich gerne gelesen habe und das sehr nachdenklich stimmt in Bezug darauf, was für Charaktere prägenden Einfluss auf Gesellschaften und Länder haben und ob die Mechanismen, die bestimmen, wer erfolgreich ist, verstärkt Narzissten und Psychopathen nach oben spülen bzw. diese Eigenschaften für manche Machtpositionen fast schon Bedingung zu sein scheinen (viele psychologische Studien zur dunklen Triade zeigen da tatsächlich einen Zusammenhang).Ich kann das Buch jenen, die keine Angst vor Desillusionierung haben und sich für die Abgründe der Eliten in den Bereichen Politik und Medien interessieren, jedenfalls empfehlen: es liest sich leicht und unterhaltsam und hat gleichzeitig durchaus Tiefgang.
spannend und interessant
Übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra BaischDieses Cover finde ich so toll und finde auch, das es ein gewisses Wiedererkennungsmerkmal ist. Also für mich gestalterisch gelungen. Ich kannte die Autorin noch nicht, der Klappentext hat mich echt neugierig gemacht. Lehmann, ehemaliger Präsident ist einem Jahr nach seiner Amtszeit nicht mehr er selbst. Die Ehe mit seiner Frau, einer Schauspielerin ist nur Fassade und auch so hat er nicht mehr viel im Leben. Jeden Tag schaut er sich die Bestsellerlisten an und hofft, das er nicht abrutscht. Er genießt den Alkohol, hat Gerichtsverfahren am Hals und versucht zudem mit seinem Buch neu durchzustarten. Eine Erwartungshaltung, die einfach viel zu hoch ist. Bei seiner Frau sieht es dagegen viel besser aus mit der Karriere. Sie hat großen Erfolg mit einem Film und wird sogar für einen wichtigen Preis nominiert. Dieser ganze Zirkus der Filmwelt ist einfach der Wahnsinn und oft weiß man nicht was wahr ist oder eben nicht.Macht und auch Verlangen spielen eine große Rolle und das hat die Autorin für mich wunderbar in Worte geschrieben. Sie zeigt einem die Welt auf, die man nur aus der Presse kennt und schaut genau hinter die Fassade.Politik und die Filmindustrie schneiden dabei nicht so gut ab. Doch ich finde es richtig und wichtig. Ein Roman, den ich so nicht erwartet hätte und der mich begeistern konnte.Habt ihr das Buch gelesen oder habt es noch vor?
Einfach super
DIE LIEBESHUNGRIGENKarine TuilET: 15.05.26Lehman fühlt sich ausgebrannt, demoralisiert und greift immer häufiger zur Flasche. Was war passiert? Vor einem Jahr war er noch der Präsident Frankreichs. Er hatte seine langjährige Ehefrau, die ihm über Jahre den Rücken freigehalten und ihre eigene Karriere für ihn zurückgestellt hatte, für eine zwanzig Jahre jüngere Schauspielerin verlassen. Es lief alles gut! Dann kriselte auch diese neue Beziehung. Gleichzeitig warfen ihm linke Politiker*innen vor, sich mit den Rechten verbündet zu haben. Sein Ansehen schwand, das Vertrauen seiner Anhänger und Wähler ging verloren, und schließlich verlor er die nächste Präsidentschaftswahl. Er musste den Élysée-Palast räumen.Doch damit nicht genug: Nun soll er sich auch noch einer Befragung der Finanzermittler stellen. Währenddessen erhält seine zweite Ehefrau die Spielfilmrolle ihres Lebens. Für Lehman, der ohnehin an seiner Entmachtung und dem Verlust seines früheren Lebens knabbert, ist all das ein weiterer Grund, noch tiefer ins Glas zu schauen.Wer jetzt denkt, damit sei die Handlung von Karine Tuils neuem, äußerst klugen Roman bereits erzählt, irrt. DIE LIEBESHUNGRIGEN ist ein vielschichtiger, dicht erzählter Roman mit zahlreichen Figuren und Handlungssträngen, der dabei nie überladen wirkt. Es geht um Macht und Anerkennung, um #MeToo, toxische Beziehungen, gesellschaftliche Erwartungen und Femizid.Besonders gefallen haben mir die unterschiedlichen Erzählperspektiven, durch die sich nach und nach ein immer größeres Bild zusammensetzt. Hinzu kommen zahlreiche kleine Wendungen, die die Geschichte durchgehend spannend halten.Lieblingszitat:"Im Leben eines verheirateten Paars kommt der Zeitpunkt, an dem es in einer angenehmen Behaglichkeit, einer tröstlichen Zuneigung erstarrt, das ist angenehm, friedlich, wohltuend. Man unterhält sich mit einer etwas aufgesetzten Zärtlichkeit, man streichelt sich noch ein wenig. Der eine ist für den anderen zu einer Art Haustier geworden.“ (S. 30)Fazit:Ein vielschichtiger und gesellschaftskritischer Roman über Macht, Abhängigkeiten und zwischenmenschliche Dynamiken. Karine Tuil zeigt eindrucksvoll, welchem Druck politische Akteure ausgesetzt sind, und verknüpft dies mit Themen wie Femizid, Beziehungen und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Klug erzählt und absolut lesenswert.5/5
Milieustudie mit Blick hinter die Kulissen der Eliten
Mit „Die Liebeshungrigen“ legt Karine Tuil einen vielschichtigen Gesellschaftsroman vor, der die Verflechtungen von Macht, Begehren, öffentlicher Inszenierung und persönlichem Scheitern mit Präzision ausleuchtet. Vor der glanzvollen Kulisse von Politik, Medien und Filmindustrie entfaltet sie das Porträt einer Gesellschaft, in der Anerkennung zur Währung geworden ist und Liebe allzu oft mit Besitzanspruch, Abhängigkeit oder Selbstbestätigung verwechselt wird.Im Zentrum der Handlung steht Dan Lehman, ein ehemaliger französischer Präsident, der ein Jahr nach seiner Wahlniederlage an den Folgen seines jähen Machtverlustes zerbricht. Einst Mittelpunkt des politischen Geschehens, findet er sich nun in einer existenziellen Leere wieder, die er zunehmend mit Alkohol zu betäuben versucht. Tuil zeichnet dabei eindrucksvoll das Bild eines Mannes, dessen Identität untrennbar mit seinem öffentlichen Amt verbunden war und der ohne dieses Fundament den Halt verliert.Besonders gelungen finde ich die Erzählweise des Romans. Durch die wechselnden Perspektiven entsteht ein facettenreiches Panorama der handelnden Figuren, deren Sehnsüchte, Verletzungen und Widersprüche mit psychologischem Feingefühl offengelegt werden. Hervorzuheben sind insbesondere die Kapitel aus der Sicht von Marianne, Lehmans erster Ehefrau. Ihre reflektierte, bisweilen scharfsinnige Beobachtungsgabe verleiht dem Roman eine zusätzliche Tiefenschärfe und eröffnet einen Blick hinter die Fassaden gesellschaftlichen Erfolgs.Karine Tuil interessiert sich dabei weniger für politische Programme als für die Mechanismen der Macht und deren Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen. Politik, Filmbranche und Literaturbetrieb erscheinen als eng miteinander verflochtene Systeme, in denen öffentliche Wahrnehmung oftmals wichtiger ist als persönliche Integrität. Besonders eindringlich gelingt der Autorin die Darstellung des gefeierten Regisseurs Romain Nizan, dessen Charisma und Einfluss die problematischen Machtstrukturen der Kulturindustrie exemplarisch sichtbar machen. Die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt und den Nachwirkungen der MeToo-Debatte fügt sich dabei organisch in die Handlung ein und vermeidet erfreulicherweise plakative Vereinfachungen.Beeindruckt hat mich zudem die differenzierte Darstellung von Dan Lehmans Alkoholismus. Seine schleichende Selbstzerstörung wird weder romantisiert noch moralisch verurteilt, sondern als Symptom eines tieferliegenden Verlustes beschrieben. Der Roman zeigt eindringlich, wie schwer es sein kann, nach Jahren öffentlicher Bedeutung in die Unsichtbarkeit zurückzukehren.Zugleich wirft Karine Tuil grundlegende Fragen nach Liebe, Alter, Attraktivität und gesellschaftlicher Anerkennung auf. Besonders die weiblichen Figuren bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Selbstbestimmung und äußeren Erwartungen. Die junge Léonie etwa verkörpert die Widersprüche einer Generation, die sich ihrer politischen Überzeugungen bewusst ist und dennoch nicht frei von emotionalen und gesellschaftlichen Verstrickungen bleibt.Für mich überwiegt der positive Gesamteindruck deutlich. „Die Liebeshungrigen“ ist ein klug komponierter, sprachlich eleganter und gedanklich anregender Roman, der weit über eine bloße Milieustudie hinausgeht. Hinter der glänzenden Oberfläche von Ruhm, Macht und öffentlicher Aufmerksamkeit offenbart Karine Tuil die Verletzlichkeit ihrer Figuren und die oft schmerzhafte Diskrepanz zwischen Selbstbild und Wirklichkeit.
Pressestimmen
Karine Tuil beschreibt die Figuren klug und ohne sie je zu denunzieren, und ihr Roman birst geradezu... vor Themen – Machtverlust, Politik und Lügen, alter Mann und junge Frau, Betrug, Alterssexualität, Antisemitismus, Behinderung, Alkoholismus, Einsamkeit –, und das alles verpackt in eine spannende Handlung. mehr weniger
Elke Heidenreich, 25.06.2026
Ein grandioser Roman über Ruhm, Niedergang und den Körperkult in Cannes.
Christian Mayer, 23.05.2026
Karine Tuil beschreibt genau beobachtet und genüsslich zugespitzt eine realistisch grundierte Szener...ie aus Leidenschaften und Ich-Verwirklichungen, aus Maskeraden, Macht und Manipulationen in der feinen Pariser Gesellschaft. mehr weniger
Cornelius Wüllenkemper, 20.05.2026
Die Stärke des Buchs liegt darin, wie Tuil die Erfolgsmenschen auseinandernimmt.
Nadia Pantel, 16.05.2026
Unterhaltsam und mit glamouröser Garnitur.
Eberhard Falcke, 30.08.2026
Das Dreiecksdrama um Macht, Liebe und Eifersucht ist scharfsinnig beobachtet und meisterhaft erzählt.... mehr weniger
29.07.2026
Ein kluger, hervorragend geschriebener Roman voller aktueller Themen und großer Gefühle. Packend erz...ählt und getragen von Figuren, die vor allem eines verbindet: der Hunger nach Liebe und Anerkennung mehr weniger
Elke Heidenreich, 19.07.2026
Ein großartiger, packender Roman.
Elke Heidenreich, 17.07.2026
Man denkt mal an François Hollande, mal an Nicolas Sarkozy in dieser schön bösen Analyse von Macht u...nd Medien. mehr weniger
Julia Encke, 05.07.2026
Scharf, mitunter boshaft, komisch und zutiefst menschlich.
Ariane Heimbach, 01.07.2026
Karine Tuil ist mit ›Die Liebeshungrigen‹ ein erstklassiger Gesellschaftsroman gelungen, der kühl di...e zerstörerischen Mechanismen von Polit-Business und Medienwelt beschreibt. mehr weniger
20.06.2026
Ein literarischer Geniestreich!
15.06.2026
Tuil gelingt es, den Fall von Dan Lehmann so spannend und böse aufzuschreiben, dass die gegenwartssa...tten 400 Seiten wie eine Strandlektüre anmuten. mehr weniger
Philipp Holstein, 14.06.2026
Das Buch ist unglaublich unterhaltsam, Karine Tuil schreibt sehr, sehr gut und überrascht ihre Leser... immer wieder mit neuen Erkenntnissen. mehr weniger
Peter Henning, 11.06.2026
In Frankreich schlug der neue Roman von Karine Tuil wie eine Bombe ein. (…) Tuil schreibt sich indis...kret in diese Löwengrube, die mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun hat, hinein. Dabei geht es ihr nicht um Voyeurismus, sondern um ethische Fragen. mehr weniger
Bernd Noack, 02.06.2026
In dem klugen Gesellschaftsroman aus Frankreich geht es darum wie Menschen, die in der Öffentlichkei...t stehen von der unerbittlichen Medienwelt vernichtet werden können. mehr weniger
01.06.2026
Mit eiskalter Unerbittlichkeit, aber auch viel feinem Humor seziert Karine Tuil die Mechanismen der ...Mediendiktatur. Gruselig, gut. mehr weniger
Rupert Sommer, 01.06.2026
Die Schriftstellerin Karine Tuil gilt als eine feine Beobachterin der französischen Politik und Gese...llschaft. mehr weniger
Birgit Holzer, 23.05.2026
Ein kluger, oft eindringlicher Roman über Macht und ihren Verlust.
Andreas Schröter, 20.05.2026
Genauso musste man mal über Macht, Ohnmacht und einen Ex-Präsidenten erzählen.
Thomas André, 19.05.2026