Ein kluger, fesselnder Roman über die zerstörerischen Auswirkungen der Medienwelt auf Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen – aber vor allem über die Liebe.
25,00 €
(0,00 € / )
lieferbar
- Versandkostenfreiin Deutschland
- Schneller VersandLieferung 3-5 Werktage
- Sichere ZahlungSSL-verschlüsselt
Die Liebeshungrigen
Ein Jahr nachdem er den Élysée-Palast verlassen hat, ist der ehemalige Präsident Dan Lehman ein Schatten seiner selbst. Seine Ehe mit einer Schauspielerin ist nur noch Fassade. Er trinkt, wird in Gerichtsverfahren verwickelt und versucht mit einem Buch in die Medien zurückzukehren, während seine Frau die Rolle ihres Lebens spielt. Ihr Film ist ein Erfolg, wird für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Und dort, in diesem Tempel des Kinos, in dem alles Illusion ist, vermischen sich Realität und Fiktion auf verheerende Weise.
Karine Tuil verbindet in einem packenden Gesellschaftsroman die Schicksale mehrerer Figuren miteinander und erzählt von den zerstörerischen Auswirkungen der Medienwelt auf Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen – aber vor allem von der Liebe.
»Kaum eine Bestseller-Autorin umkreist ethische Fragen so klug und spannend wie die zweimal für den Prix Goncourt nominierte Juristin Karine Tuil.« Kerstin Hellberg, Stern
Übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch
Bibliografische Daten
4. Auflage
Karine Tuil
Karine Tuil, geboren 1972, ist Juristin und Autorin mehrerer gefeierter Bücher, darunter der Roman ›Die Gierigen‹. Zuletzt erschien ihr viel beachteter Roman ›Diese eine Entscheidung‹, der mit Preisen ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Karine Tuil lebt mit ihrer Familie in Paris.
Maja Ueberle-Pfaff
Maja Ueberle-Pfaff studierte Anglistik, Geschichte und Filmtheorie. Nach Anfängen als Verlagslektorin und Sprachdozentin übersetzt sie seit vielen Jahren Belletristik aus dem Englischen und Französischen.
Alexandra Baisch
Alexandra Baisch hat in Frankreich studiert und lebt in München, wo sie als Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen und Spanischen und als freie Lektorin tätig ist.
2 - 10 von 92 Leserstimme
Unterhaltsamer und schonungsloser Gesellschaftsroman
Karine Tuil ist bekannt für ihre gesellschaftskritischen Gegenwartsromane, in denen sie schonungslos Missstände und Ungerechtigkeiten in der französischen Gesellschaft aufzeigt. Das ist nicht anders in ihrem elften Roman „Die Liebeshungrigen“.Im Zentrum steht Dan Lehman, bis vor einem Jahr noch Präsident von Frankreich. Einst als Hoffnungsträger für soziale Gerechtigkeit angetreten, hat er seine Wählerschaft während seiner Regierungszeit enttäuscht. Die sehen in ihm einen Verräter der Arbeiterschaft und erteilen ihm nun bei seiner erneuten Kandidatur eine Abfuhr. Diese Niederlage stürzt Lehman in eine tiefe existenzielle Krise. Es fällt ihm schwer, sich mit seinem Machtverlust abzufinden und er kämpft dagegen an, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen. Ein Versuch, als Schriftsteller wieder Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen, scheitert allerdings grandios.Danach versinkt er in Selbstmitleid und sucht Zuflucht im Alkohol.Darunter leidet auch seine Ehe mit der um zwanzig Jahre jüngeren Hilda, einer deutschen Schauspielerin. Für sie hatte er vor ein paar Jahren seine Frau Marianne, eine Schriftstellerin, verlassen, mit der er drei mittlerweile erwachsene Kinder hat. Während seiner Amtszeit galten Hilda und er als „Power-Paar“, sie die erfolgreiche Schauspielerin, er der charismatische Politiker. Doch nun, wo die schöne Fassade gefallen ist, bröckelt auch das Bild vom glücklichen Paar. Einzig die Liebe zur taub geborenen Tochter Anna verbindet sie noch miteinander.Auch Hilda fühlt sich ins Abseits gedrängt. Als Präsidentengattin blieben die Rollenangebote aus und nun ist sie mit Anfang Vierzig zu alt für das Filmgeschäft. Doch dann bietet ihr der anerkannte Regisseur Nizon die Hauptrolle in seinem nächsten Film an. Pikanterweise stammt die Buchvorlage von Marianne.Damit wechselt der Fokus vom Politikbetrieb hin zum Filmgeschäft, wobei sich viele Gemeinsamkeiten zeigen. Beide Welten leben von der Inszenierung und davon, dass die Personen ihre Rollen überzeugend rüberbringen. Eitelkeit, Konkurrenzdenken und Machtmissbrauch sind weitere Parallelen. Und Politiker wie Filmschaffende stehen im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung, müssen mit den Begleiterscheinungen davon leben.Auch die Medienlandschaft wird kritisch seziert. Der geht es nicht mehr um objektive sachliche Berichterstattung, vielmehr bedient sie den Voyerismus ihrer Gefolgschaft. Und wen sie heute noch euphorisch feiert, der wird morgen schon gnadenlos demontiert. Das große Finale findet dann bei den Filmfestspielen in Cannes statt, wo alle Figuren des Romans aufeinandertreffen.Eine unrühmliche Rolle dabei kommt dem Regisseur Nizon zu. Mit seinem Film über eine Arbeiterin, die sich gegen männliche Gewalt zur Wehr setzt, lässt er sich als überzeugter Feminist feiern. Dabei ist er der Prototyp eines Narzissten, der aufs Übelste Frauen manipuliert und demütigt. Hier entlarvt die Autorin die Kulturbranche, die sich gerne als Vorreiter sieht für Freiheit und Selbstbestimmung und vorgibt, besonders gesellschaftskritisch zu sein, tatsächlich aber Teil des Systems ist, das sie an den Pranger stellt.Karine Tuil hat ihren Roman mehrstimmig angelegt, wobei Dan Lehman gerade im Anfangsteil viel Platz eingeräumt wird. Von ihm erzählt sie nicht nur in personaler Form, sondern lässt ihn auch selbst zu Wort kommen. In einem Audio-Tagebuch spricht er über Politik und Privates, erzählt von seiner Kindheit und Jugend. Dazu kommen kursiv gesetzte Textstellen, in denen wir seine Alkoholexzesse mitverfolgen dürfen. Kapitelweise wechselt Karine Tuil die Erzählperspektive und beleuchtet so näher die wichtigsten Protagonisten.Dass ansonsten nur Marianne eine Ich-Perspektive zugestanden wird, ist klug gewählt, ist sie doch eine der wenigen positiv gezeichneten Figuren und die Einzige, die zur Identifikation einlädt. Und mit ihr, der Schriftstellerin, zeigt die Autorin, welche Rolle sie der Literatur zumisst: Als Gegenpol zur oberflächlichen, nur auf Schein bedachten Welt ist die Literatur zuständig für Wahrheit und Moral.Überhaupt kommen die Frauenfiguren bei Karine Tuil besser weg als die Männer, die durchgängig Narzissten oder prinzipienlose Ehrgeizlinge sind.Mit Marianne, Hilde und Léonie, Dans Tochter aus erster Ehe, porträtiert die Autorin drei Frauengenerationen, die unterschiedliche Haltungen einnehmen.Marianne ist zwar gekränkt, weil ihr Mann sie wegen einer jüngeren Frau verlassen hat. Trotzdem wirkt sie gefestigt und findet in ihrer Arbeit Erfüllung.Hilda ist ehrgeizig und lässt sich ausnutzen und erniedrigen um des Erfolges willen.Léonie dagegen steht für eine junge Generation von Frauen, die vehement für ihre Rechte einsteht. Allerdings ist auch sie nicht ohne Widersprüche. So lässt sie sich anfangs noch von Nizons Charme blenden.Überhaupt zeichnet Karine Tuil all ihre Figuren nicht eindimensional, sondern gibt ihnen Tiefe und Ambivalenz. Karine Tuil hat sicher keinen Schlüsselroman geschrieben, auch wenn sich Parallelen zu lebenden Personen finden lassen. Ihr ging es darum, Strukturen aufzuzeigen, die sich nicht auf Frankreich beschränken. Im Original lautet der Titel „La guerre par d’autres moyen“ - Krieg mit anderen Mitteln“, was mir passender erscheint, denn bekämpfen tun sich hier viele.Karine Tuil hat mit „Die Liebeshungrigen“ einen so unterhaltsamen wie schonungslosen Gesellschaftsroman geschrieben, der viel Stoff zum Diskutieren bietet.
Macht und Gossip
"Die Liebeshungrigen" ist das beste Beispiel dafür, dass gute Literatur auch richtig unterhaltsam sein kann. Wir begleiten eine Reihe Personen Rund um den französischen Ex-Präsidenten Lehman durch jede Menge Höhen und Tiefen. Lehman hat gerade ein Buch veröffentlicht und versucht nach seiner gescheiterten Präsidentschaftswahl, zurück ins Licht der Medien zu rücken, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Seine Frau ist währendessen mit der Prämiere ihres neusten Kinofilms in Cannes unterwegs und feiert den Erfolg, den Lehman gerne hätte. Die Geschichte wird in erster Linie von Lehman erzählt, aber je weiter das Buch fortschreitet, umso öfter kommen auch Perspektiven andere Personen, wie Lehmans Frau, seiner Ex-Frau oder eines Regisseurs zu Worte. Wir bewegen uns in einem äußerst spannungsgeladenen Umfeld rund um Politik und Medien, voller Intrigen und Glamour. Sympathische Personen sucht man hier vergebens, alle sind egozentrisch auf den eigenen Vorteil bedacht, aber gerade das macht das Lesen so unterhaltsam und auch fesselnd."Die Liebeshungrigen" war für mich ein Überraschungserfolgt, der mir viel Spaß gemacht und mich sogar ein bisschen an eins meiner Lieblingsbücher "Das Tal der Puppen" von Jacqueline Susann erinnert hat.
Aufregend
Karin Tuil ist mit „Die Liebeshungrigen“ ein Roman gelungen, der unter die Haut geht und wirklich mitreißend gezeichnet ist. Im Zentrum der Geschichte steht der ehemalige Präsident Dan Lehman, der ein Jahr nach dem Ende seiner Präsidentschaft sein Leben neu ordnen muss und daran droht zu scheitern. Dem gegenüber erfährt seine Partnerin im Filmbussiness viel Ruhm und Anerkennung. Die Situation spitzt sich immer mehr zu und ich muss gestehen, dass ich das Buch mit jeder weiteren gelesenen Seite zunehmend besser fand, wenngleich es nicht mein absolutes Lieblingsbuch sein wird. Die Charaktere sind mir etwas zu distanziert und „abgehoben“ gezeichnet, sodass es mir schwer fiel, Sympathien für sie zu entwickeln. Daher verfolgte ich die ganze Handlung auch eher distanzierter, wenngleich ich wirklich fasziniert vom Schreibstil der Autorin war.
Glanz und Leere – über den Hunger nach Anerkennung in der französischen Elite
Was man gleich zu Beginn sagen muss: „Die Liebeshungrigen" ist eher Futter für den Intellekt als für die Seele. Es geht um männlichen Machtverlust und -missbrauch, den Bedeutungsverlust von Frauen mit zunehmendem Alter, den Weg weiblicher Emanzipation.Der Roman startet sehr langsam mit der Reflexion des abgewählten französischen Ex-Präsidenten Dan Lehmann, der über seine Karriere philosophiert und seine innere Leere mit viel zu viel Alkohol zu betäuben versucht. Karine Tuil nimmt sich Zeit, bis alle Figuren platziert und in Beziehung zueinander ausgerichtet sind. Sind die Frauen zunächst eher ohnmächtig und stellen ihr eigenes Leben den Bedürfnissen der Männer unter, kommt es zunehmend zu einer Weiterentwicklung – und die Frauen ziehen an Lehmann vorbei.Der Roman spielt in der Elite der französischen Politik und Kunst. Die Figuren sind überwiegend orientierungslos und eitel, was seinen Höhepunkt bei den Filmfestspielen in Cannes im letzten Drittel des Buches findet. Emotional konnten mich die Figuren wenig berühren – allein die Ex-Frau des Präsidenten war für mich etwas nahbarer und erlebbarer.Es ist ein Roman, der intellektuell anregt und gesellschaftlich hochrelevant ist. Die Mechanismen in Politik und Filmbranche werden mit ihrer Doppelbödigkeit – insbesondere im Hinblick auf Frauen – wunderbar herausgearbeitet und bieten einiges an Diskussionsstoff. Wer Nahrung für den Kopf sucht, wird hier fündig. Wer jedoch ein emotional bewegendes Leseerlebnis erwartet, könnte enttäuscht werden.
Mitleidenschaft
„Die Liebeshungrigen“, ein Roman von Karine Tuil, erschienen 2026 bei dtv, hat mich positiv überrascht als eine sehr lesenswerte Zeitanalyse, die hinter die Fassaden schaut und insbesondere auch formal sehr gut konstruiert ist.Auf der Handlungseebene tauchen wir ein in die Welt der Spitzenpolitik und der Filmkunst – die Verbindung zwischen diesen beiden Kosmen wird zunächst durch Menschen, die sich begegnen, hergestellt, schnell offenbart sich aber eine tiefergehende strukturelle Ähnlichkeit. Der ehemalige Präsident Frankreichs, Dan Lehman, verkraftet seinen Abgang nicht und driftet immer mehr in die Alkoholsucht ab. Seine Gattin, die Schauspielerin Hilda Müller, versucht, nun da sie nicht mehr auf die Position ihres Mannes Rücksicht nehmen muss, wieder im Film Fuß zu fassen. Absurderweise gelingt ihr dieses genau durch die Verfilmung eines Buches von Lehmans vorheriger Frau, Marianne, durch einen Regisseur aus der dritten Reihe, Romain Nizan, der sich ebenfalls mit diesem Film endlich den Durchbruch erhofft. Am Ende treffen alle in Cannes beim Kampf um die Goldene Palme aufeinander – wessen Träume werden erfüllt werden?Was klingt wie der Plot einer Telenovela, zeigt sich zum Glück in Tuils Buch von einer ganz anderen Seite. Klares Vorbild der Hauptfiguren sind Nicolas Sarkozy und Carla Bruni. Das ist sehr sichtbar, beinhaltet aber auch viele Abweichungen, denn Tuil geht es eher um etwas Strukturelles in Bezug auf Macht und Schein, als um konkrete Personen und Biographien. Wir lesen im Verlauf des Buches mehrere Formen, personaler Erzähler und Audioprotokolle, erfundene Fußnoten, kursive Passagen, die direkt in Lehmans Gedankenstrom einzutauchen scheinen und tiefe Einblicke in seine Sucht geben, sowie die „M“-Kapitel, die Marianne gehören. Je weiter das Buch voranschreitet, desto mehr wird aus dem personalen Erzähler ein allwissender, was den Roman um noch mehr Perspektiven ergänzt.Die Gedankenwelt von Lehman ist morbid, aber humorvoll, maximal abgefuckt und latent suizidal – eine wilde Mischung, die sich sehr gut liest und eine ambivalente Faszination hervorruft. Es braucht ein bisschen, bis frau sich sicher sein kann, dass Tuil klar feministisch schreibt, zu unkommentiert kommt der patriarchal-sexistische Gedankenslang von Lehman zunächst einher. Doch je tiefer wir in die Handlung einsteigen, desto deutlicher seziert Tuils Skalpell die Gesellschaft klar feministisch und arbeitet die durchgehende Objektifizierung der Frau bis hin zum Brutkasten präzise heraus. Die Figuren sind nicht sympathisch – und das ist gut so, dafür sind sie sehr real, teilweise kaum auszuhalten. Auch die Alkoholsucht in all ihren Stadien und die einhergehenden Co-Abhängigkeiten beschreibt Tuil kenntnisreich.Die Rückkehr in eine „Normales Leben“ nach so viel Macht und Ruhm finde ich ein spannendes Thema. Wie hat Merkel das eigentlich so gut geschafft? Nach so langer Zeit an der Staatsspitze? Wie konnte sie so gut loslassen? Tuil arbeitet die Komplexität menschlicher Beziehungen in vielen Aspekten heraus und zeigt, wie schwierig es ist zu gehen, wie sehr einem manchmal Herz oder Ambitionen oder Vernunft im Weg stehen können – das gilt für alle Beziehungen im Buch, meint gar nicht nur Liebesbeziehungen. Dabei schreibt die Autorin so gut, dass ich immer wieder die Fiktion vergesse und mich als Mensch furchtbar aufrege, weil wir alle solche Narzissten kennen, alle Menschen kennen, die nicht herausfinden, alle Menschen kennen, die sich in red flags verlieben usw. Lehman als Narzisst, der nur um sich selbst dreht, ist wirklich gut getroffen in allen Details. Die metoo Debatte ist sehr gut in den Roman eingebettet, generell auch viele Informationen über die Filmwelt, hier ist Tuil on point in den aktuellen Debatten. Große Fragen im Roman, warum machen Frauen diese dauerhafte Erniedrigung durch Männer mit? Das extrem sexistische Weltbild in den Männergedanken zeichnet Tuil mit Bravour, es ist widerwärtig und es ist: wahr. Wahr ist auch, dass Frauen sich noch viel mehr wehren müssen und dass der Hunger nach Erfolg: Bei allen Beteiligten die Menschlichkeit verhindert. „Mitleidenschaft“ ist der Titel eines Buches von Marianne und Tuil gelingt die Kunst, das Mitleid durchaus zu verhindern, uns aber dennoch in ein Mitleiden zu bringen, das den Wunsch und die Not nach Veränderung provoziert. Sie stößt die Lesenden auf die falschen inneren Glaubenssätze von Menschen, die nach Macht und Anerkennung streben. Und sie zeigt schonungslos, wie erbärmlich es hinter den Fassaden von Glamour und Weltpolitik zugeht. Das alles eingebettet in eine sehr gute Story und eine literarisch extrem gut gelungene Konstruktion, ein mutiges, kluges Buch, das ich sehr gern gelesen habe. Dennoch musste ich auch feststellen, dass das Buch in mir keinen Nachhall erzeugt und nicht viel davon länger in mir hängengeblieben ist. Das mag daran liegen, dass die Figuren aus der Welt der Eliten, der Reichen, Schönen und Mächtigen stammen und durchschnittliche Menschen kaum vorkommen. Damit bietet Tuil nur einen sehr kleinen Ausschnitt der beiden geschilderten Branchen und fokussiert auf einen Teil der Welt, dem nur wenige angehören.
über Machtverlust und Machtmißbrauch
Der neue Roman der französischen Schriftstellerin Karine Tuil kreist um den Ex-Präsidenten Frankreichs, im Roman Dan Lehman genannt, und seine Entourage. Seit ca. einem Jahr ist Lehman nur noch Privatier und kommt damit nicht zurecht. Er wurde nicht wieder gewählt, hat keine politische Macht mehr und verfällt dem Alkohol.Mit seiner zwanzig Jahre jüngeren zweiten Ehefrau Hilda Müller, einer deutschen Schauspielerin, wurde er mit über 60 Jahren ein drittes Mal Vater einer Tochter. Aus der langjährigen Ehe mit seiner ersten Frau Marianne, einer Schriftstellerin, hat er bereits zwei erwachsene Kinder.Nicht erst als seine Ehefrau, die Schauspielerin, die Hauptrolle in einem Film des Starregisseurs Romain Nizan erhält, der später für die Goldene Palme des Filmfestivals in Cannes nominiert wird, wird offensichtlich, dass die Ehe des Ex-Präsidenten mit der Schauspielrin gescheitert ist.Der Roman ist in kurzen Kapiteln geschrieben. Die Kapitel mit der Überschrift "M" werden von der ersten Frau, Marianne in der Ich-Form erzählt. Das liest sich flüssig, spannend und vor allen Dingen unterhaltsam. Die Welt der Medien, des großen Kinos und der großen Politik, der sie vertretenden Eliten, stehen im Fokus des Romans. Insbesondere der Einfluss der Presse und der sozialen Medien auf die Menschen und ihre Karrieren wird beleuchtet.In der Welt des großen Kinos wird auch das Thema Me Too nicht ausgespart. Hier übernimmt der Regisseur Romain Nizan den Part des Heuchlers und Frauenverachters mit schrecklichen Sexualpraktiken, dem sich die Frauen unterwerfen, um von seinem Ruf als einzigartigem Filmemacher um ihrer Karriere willen zu profitieren. Auch Leonie, die zwanzigjährige Tochter von Dan Lehman, droht den Reizen des gut aussehenden Romain zu verfallen, obwohl sie sich selbst als Feministin bezeichnet. Ihre Zerrissenheit zwischen Begierde, Lust und Ratio fand ich gut herausgearbeitet. Desgleichen die in diesem äußerlichen Kosmos von Schauspiel, Politik und Medienpräsenz vorherrschende Gier nach Anerkennung und Liebe, die allerdings von Selbstliebe gespeist wird, besonders bei den Alpha-Männern Romain Nizan und Dan Lehman, die stark in sich selbst verkurvt sind.Was mich gstört hat war, dass der Roman zu einseitig das Leben der Eliten beleuchtet. Das Prekariat, normale Menschen, kommen fast nicht vor. Die Frauen sind durchgehedn schöne, elegante Erscheinungen, auf ihr jugendliches, schlankes Aussehen bedacht. Die Männer sind ebenfalls gut aussehend, mächtig und reich. Dan Lehman bekommt durch sein liebevolles Verhältnis zu seiner jüngsten, taubstummen Tochte Anna nebst Hund Nabucco eine weichere Note.Einzig die über 50jährige Exfrau Lehmans hebt sich von den übrigen Figuren ab. Ihr gelingt die Abgrenzung von Äußerlichkeiten, sie emanzipiert sich. Aber auch sie ist eine schicke, gut aussehende Erscheinung und eine erfolgreiche Schriftstellerin. Der Ex-Präsident hat Züge eines Salon Linken, der sein privilegiertes Leben als gegeben hinnimmt und den Machtverlust nicht verkraftet.Ich habe den Roman gern gelesen, ist er doch unterhaltsam, liest sich spannend und süffig. Mit einem Wein verglichen fehlt ihm m. E. jedoch das, was einen wirklich guten Rotwein ausmacht, nämlich ein durchgehend tiefes Aroma. Wirklich gut dargestellt war, um im Bild der Weine und des Alkohols zu bleiben, der Alkoholismus des EX-Präsidenten und dessen fatale Auswirkungen.M. E. ein partiell feministischer, durchaus gesellschaftskritischer Roman, der mich, wenn auch nur stellenweise an die Glitzerwelt von Gala und Bunte erinnerte. Ich stufe ihn als unterhaltsame Populärliteratur und damit als durchaus lesenswert ein. Ich vergebe 4 Sterne.
Verliebt in das Cover
In das Cover dieses Buches habe ich mich auf den allerersten Blick verliebt und so wollte ich sofort wissen, worum es darin geht.Dan Lehman hat den Zenit seiner Karriere hinter sich. Er war Präsident eines bedeutenden Landes, doch nun, ein Jahr später, ist nichts davon übrig. Alkohol, das Ende seiner Ehe und andere Eskapaden machen es ihm schwer, in der Öffentlichkeit zu stehen. Seine Frau, die als Schauspielerin tätig ist, erlebt dagegen ihren Durchbruch, indem sie die Rolle ihres Lebens in einem erfolgreichen Film spielt. Zwei Menschen, die auf so unterschiedliche Art in der Öffentlichkeit stehen.Ich fand das unglaublich spannend, was all die (negative bzw. Positive) Aufmerksamkeit mit einem macht. Ich selbst möchte das niemals erleben und ich habe Respekt vor Menschen, die das handeln müssen. Das Buch war thematisch echt mein Ding und ich habe mich gut unterhalten gefühlt.
Ein scharfsinniger Blick hinter die Fassaden von Macht und Ruhm!
Mit „Die Liebeshungrigen“ liefert Karine Tuil einen anspruchsvollen, zeitgenössischen Gesellschaftsroman, der tief in die Abgründe der Politik, der Medienwelt und der französischen Schickeria blickt. Im Zentrum steht Dan Lehman, der ehemalige französische Präsident, der ein Jahr nach dem Ende seiner Amtszeit vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht. Während seine Ehefrau als gefeierte Schauspielerin im Rampenlicht steht, droht Dan in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Er versucht sich aus der Realität zu flüchten und krampfhaft durch ein eigenes Buchprojekt den Weg zurück in die Medien zu finden. Dieses spannende Geflecht wirft große psychologische Fragen auf: Wer ist man noch, wenn der Status wegfällt? Wie viel Macht braucht ein Mensch und wie geht man mit einem so drastischen Rollenwechsel innerhalb einer ohnehin bröckelnden Ehe um?Die Autorin schreibt ruhig, mit viel psychologischem Gespür und scheut sich nicht vor unbequemen Wahrheiten oder eindeutigen Parallelen zum echten Leben. Sie zeigt schonungslos das Menschliche – die Fehler, Schwächen und die pure Verzweiflung – hinter dem glänzenden Schein. Auch wenn die Charaktere bewusst eigen und distanziert gezeichnet sind, sodass es manche Leser etwas schwerer haben, echte Sympathie für die Figuren zu entwickeln, fasziniert die innere Zerrissenheit des Protagonisten bis zum Schluss. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, das einen durch die Seiten treibt. Für Liebhaber von klugen, tiefgründigen Romanen, die zum Nachdenken anregen und einen exklusiven Blick hinter die Kulissen der Eliten werfen, ist dieses Buch eine ganz klare Empfehlung!
Starke Frauen
Das Buch *Die Liebeshungrigen* hat mich ziemlich überrascht. Aus verschiedenen Perspektiven erhalten wir einen Einblick in die Lebensrealität von Frauen im Umfeld mächtiger Männer – und darin, wie destruktiv diese Realität auch heute noch sein kann.Ich hatte zunächst erwartet, dass das Buch stärker die Auswirkungen der Medienwelt thematisiert. Stattdessen habe ich es als eine feministische Erzählung darüber gelesen, was Macht mit Menschen macht: mit Männern, die sie besitzen, mit Frauen, die unter ihr leiden, und mit Kindern, die ihr ausgesetzt sind.Es ist ein großartiger Gesellschaftsroman mit einer beeindruckenden Vielschichtigkeit. Die Perspektivwechsel zwischen den Figuren fand ich sehr gelungen und überhaupt nicht anstrengend. Vielmehr fühlte es sich an, als würde man verschiedene Fragmente zusammensetzen, um nach und nach das große Ganze zu erkennen.Besonders beeindruckt hat mich außerdem der Schreibstil der Autorin. Mit großer Sensibilität und sprachlicher Präzision gelingt es ihr, die Lebensrealitäten ihrer Figuren greifbar zu machen. Ich konnte mich sehr gut in die unterschiedlichen Charaktere hineinversetzen und ihre Gedanken, Ängste und Konflikte nachvollziehen.Für mich ist *Die Liebeshungrigen* ein kluger, bewegender und hochaktueller Roman, der lange nachhallt.
Die Liebeshungrigen
Mit „Die Liebeshungrigen“ wirft Karine Tuil einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen von Politik, Medien und Kunstbetrieb. Im Mittelpunkt steht der ehemalige Präsident Dan Lehman, der ein Jahr nach dem Ende seiner Amtszeit mit dem Verlust von Macht, Einfluss und öffentlicher Aufmerksamkeit ringt, während seine Ehe längst nur noch eine Fassade ist.„Er wollte glücklich sein, wollte Genuss und Befriedigung, wollte lieben und geliebt werden. Das war sein unwiderlegbares Recht, das ich ihm nicht streitig machen wollte, natürlich wollen Menschen ihr Leben intensiv auskosten. Aber kann man sein Glück wirklich auf dem Unglück eines anderen aufbauen?“Diese Frage zieht sich für mich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Denn Karine Tuil erzählt nicht nur von Macht und öffentlicher Wahrnehmung, sondern vor allem von den Menschen dahinter: von Sehnsucht, verletzten Egos, unerfüllten Erwartungen und den Konsequenzen persönlicher Entscheidungen.Besonders spannend fand ich die Einblicke in die politischen Mechanismen, die Welt der Medien und die Dynamiken innerhalb der Kunst- und Filmszene. Vor der glamourösen Kulisse des Filmfestivals von Cannes verschwimmen dabei immer wieder die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität, zwischen öffentlichem Bild und privatem Scheitern. Der politische Teil des Romans hat mich stellenweise sogar ein wenig an die französische Version von „House of Cards“ erinnert – weniger durch die Handlung selbst als durch die Darstellung von Macht, Eitelkeiten und strategischen Beziehungen.Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, wodurch sich nach und nach ein vielschichtiges Bild der Figuren ergibt. Besonders eindrücklich waren für mich die Kapitel aus Sicht von Hilda, Dan Lehmans Ehefrau beziehungsweise Ex-Frau. Ihre Gedanken, Verletzungen und Beobachtungen haben mich emotional am meisten erreicht und der Geschichte eine zusätzliche Tiefe verliehen.Je weiter die Geschichte voranschritt, desto weniger interessierte mich die politische Karriere der Figuren – und desto mehr die Frage, wie Beziehungen unter dem Druck von Öffentlichkeit, Ehrgeiz und persönlichen Entscheidungen zerbrechen können.Karine Tuil verbindet gesellschaftliche Themen mit psychologischer Präzision und zeichnet Figuren, die oft zwischen Sehnsucht, Selbstinszenierung und Selbsttäuschung gefangen sind. Dabei geht es nicht nur um Politik oder Prominenz, sondern letztlich um Liebe, Verlust, Identität und die Frage, wer wir sind, wenn die Rollen wegfallen, die wir nach außen spielen.Vor einigen Jahren habe ich bereits „Diese eine Entscheidung“ von Karine Tuil gelesen – ein Roman, der für mich damals ein echtes Lesehighlight war. An diese Begeisterung reicht „Die Liebeshungrigen“ für mich zwar nicht ganz heran, dennoch hat mich das Buch mit seinen klugen Beobachtungen über Macht, Öffentlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen sehr beschäftigt.
Pressestimmen
Karine Tuil beschreibt die Figuren klug und ohne sie je zu denunzieren, und ihr Roman birst geradezu... vor Themen – Machtverlust, Politik und Lügen, alter Mann und junge Frau, Betrug, Alterssexualität, Antisemitismus, Behinderung, Alkoholismus, Einsamkeit –, und das alles verpackt in eine spannende Handlung. mehr weniger
Elke Heidenreich, 25.06.2026
Ein grandioser Roman über Ruhm, Niedergang und den Körperkult in Cannes.
Christian Mayer, 23.05.2026
Karine Tuil beschreibt genau beobachtet und genüsslich zugespitzt eine realistisch grundierte Szener...ie aus Leidenschaften und Ich-Verwirklichungen, aus Maskeraden, Macht und Manipulationen in der feinen Pariser Gesellschaft. mehr weniger
Cornelius Wüllenkemper, 20.05.2026
Die Stärke des Buchs liegt darin, wie Tuil die Erfolgsmenschen auseinandernimmt.
Nadia Pantel, 16.05.2026
Unterhaltsam und mit glamouröser Garnitur.
Eberhard Falcke, 30.08.2026
Das Dreiecksdrama um Macht, Liebe und Eifersucht ist scharfsinnig beobachtet und meisterhaft erzählt.... mehr weniger
29.07.2026
Ein kluger, hervorragend geschriebener Roman voller aktueller Themen und großer Gefühle. Packend erz...ählt und getragen von Figuren, die vor allem eines verbindet: der Hunger nach Liebe und Anerkennung mehr weniger
Elke Heidenreich, 19.07.2026
Ein großartiger, packender Roman.
Elke Heidenreich, 17.07.2026
Man denkt mal an François Hollande, mal an Nicolas Sarkozy in dieser schön bösen Analyse von Macht u...nd Medien. mehr weniger
Julia Encke, 05.07.2026
Scharf, mitunter boshaft, komisch und zutiefst menschlich.
Ariane Heimbach, 01.07.2026
Karine Tuil ist mit ›Die Liebeshungrigen‹ ein erstklassiger Gesellschaftsroman gelungen, der kühl di...e zerstörerischen Mechanismen von Polit-Business und Medienwelt beschreibt. mehr weniger
20.06.2026
Ein literarischer Geniestreich!
15.06.2026
Tuil gelingt es, den Fall von Dan Lehmann so spannend und böse aufzuschreiben, dass die gegenwartssa...tten 400 Seiten wie eine Strandlektüre anmuten. mehr weniger
Philipp Holstein, 14.06.2026
Das Buch ist unglaublich unterhaltsam, Karine Tuil schreibt sehr, sehr gut und überrascht ihre Leser... immer wieder mit neuen Erkenntnissen. mehr weniger
Peter Henning, 11.06.2026
In Frankreich schlug der neue Roman von Karine Tuil wie eine Bombe ein. (…) Tuil schreibt sich indis...kret in diese Löwengrube, die mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun hat, hinein. Dabei geht es ihr nicht um Voyeurismus, sondern um ethische Fragen. mehr weniger
Bernd Noack, 02.06.2026
In dem klugen Gesellschaftsroman aus Frankreich geht es darum wie Menschen, die in der Öffentlichkei...t stehen von der unerbittlichen Medienwelt vernichtet werden können. mehr weniger
01.06.2026
Mit eiskalter Unerbittlichkeit, aber auch viel feinem Humor seziert Karine Tuil die Mechanismen der ...Mediendiktatur. Gruselig, gut. mehr weniger
Rupert Sommer, 01.06.2026
Die Schriftstellerin Karine Tuil gilt als eine feine Beobachterin der französischen Politik und Gese...llschaft. mehr weniger
Birgit Holzer, 23.05.2026
Ein kluger, oft eindringlicher Roman über Macht und ihren Verlust.
Andreas Schröter, 20.05.2026
Genauso musste man mal über Macht, Ohnmacht und einen Ex-Präsidenten erzählen.
Thomas André, 19.05.2026