1948. Die Frau im Bonner Johannes-Hospital weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt Auguste "Gussie" Adenauer Szenen ihres Lebens an sich vorbeiziehen.
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Gussie
Ein berührender Roman über das Schicksal einer außergewöhnlichen Frau: Auguste »Gussie« Adenauer, die zweite Frau Konrad Adenauers.
1948. Die Frau im Bonner Johannes-Hospital weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt sie Szenen ihres Lebens an sich vorbeiziehen. Gussie Zinsser ist 24, als sie den 19 Jahre älteren Witwer Konrad Adenauer heiratet und zur Stiefmutter seiner drei Kinder wird. Sie schenkt fünf Kindern das Leben, doch ihr Erstgeborener stirbt nach nur vier Tagen. Als Frau des Kölner Oberbürgermeisters steht sie in der Öffentlichkeit und engagiert sich eigenständig sozial und politisch. Hitlers Machtübernahme verändert alles. Adenauer muss sich vor den Nazis verstecken. Allein gelassen mit ihren Kindern, versucht Gussie, das schwierige Leben im Dritten Reich zu bewältigen. Bis sie von der Gestapo vor eine unmenschliche Wahl gestellt wird.
»›Konrad‹, sagt sie leise und tastet nach seiner Hand. Sie fühlt den Ring, den er nie abgenommen hat, nicht einen einzigen Tag in neunundzwanzig Jahren. Er sitzt neben ihr auf einem Stuhl, den Rücken durchgedrückt, die Beine übereinandergeschlagen. Sein dunkler Anzug, die schwarz glänzenden Schuhe. Er schaut sie an und in sie hinein, so wie auch sie in ihn hineinschaut. Es sind nicht die Blicke, die zählen, es kommt auf die Gedanken an. Sie kann lesen, was er denkt, vom ersten Tag an konnte sie es. Er schweigt, so wie er immer schweigt, wenn ihm das Herz übergeht. Sie ist froh, dass er den Augenblick nicht mit Worten zerstört. Vor ihm kannte sie nur die Worte, er hat sie das Schweigen gelehrt.«
Bibliografische Daten
1. Auflage
Christoph Wortberg
Christoph Wortberg hat Philosophie, Germanistik und Geschichte studiert. Seit vielen Jahren Drehbuchautor (u.a. ›Tatort‹) sowie Autor preisgekrönter Jugendromane und des Bestseller-Romans ›Gussie‹. Er lebt in Köln.
6 - 10 von 118 Leserstimme
Porträt einer besonderen Frau
"Gussie" von Christoph Wortberg ist ein besonderes Juwel unter den historischen Romanen.Auguste Adenauer alias Gussie ist eine außergewöhnliche Frau. Christoph Wortberg schaffte es mit seiner flüssigen Erzählweise Gussie vor meinem inneren Auge als starke Persönlichkeit erstehen zu lassen. Nicht nur ihre hohe Bildung und ihr Wille, die Religionsgemeinschaft zu wechseln, haben mir imponiert. Sie hat zudem einen Mann geheiratet, der in der Öffentlichkeit steht, bereits drei Kinder hat und fast 20 Jahre älter als sie ist. Eine, wie ich finde, in vielerlei Hinsicht mutige Entscheidung.Gussie wirkt in diesem Roman auf mich besonders stark und trägt vieles, was ihr widerfährt, mit Fassung. Ihr Leben und ihr Einfluss, immerhin war sie auch politisch aktiv, werden in "Gussie" umfassend, authentisch und nachvollziehbar dargestellt.Wer historische Romane mag, die sich um reale Figuren und starke Frauen drehen, sollte sich "Gussie" nicht entgehen lassen.
Starke Frau in dunklen Zeiten
„Gussie“ berührt tief und war meine Osterlektüre. Ich bin sehr froh, durch diesen Bio-Roman mit Auguste „Gussie“ Adenauer bekannt gemacht worden zu sein. Das leider nur kurze Leben der zweiten Ehefrau Konrad Adenauers hat seinen Schwerpunkt ausgerechnet im dritten Reich gehabt, sodass die vierfache Mutter und dreifache Adoptivmutter durch die Verfolgung ihres Mannes durch die Nazis auch unentwegter Angst und Sorge um ihre große Familie ausgesetzt war. Wie besonders die Liebe zu ihrem Ehemann Konrad war und trotz der ständigen Repressalien gehalten hat, ist bemerkenswert, noch mehr aber, mit welchem Mut sich Gussie auch bis zu ihrem Ende allen Hindernissen und Herausforderungen immer wieder stellt. Und auch folgenschwere Entscheidungen treffen muss… Besonders haben mir auch die Fragmente aus echten Briefen gefallen, die jedem Kapitel vorangestellt sind und es in den zeitlichen Kontext einordnen. Ein toller Roman beruhend auf der Geschichte.
Eine starke Frau an Adenauers Seite – Emotional und beeindruckend
Auf das Buch "Gussie" hatte ich gewartet!! Ich liebe Historische Romane.
Der Schreibstil von Christoph Wortberg gefällt mir ausgesprochen gut, ist sehr flüssig und spannend. Der Erzählstil ist bildhaft, einfühlsam und angenehm zu lesen. Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt.
"Gussie" ist die Romanbiografie über Auguste, genannt Gussie. Im Jahr 1948 liegt sie im Krankenhaus in Bonn, wo sie jedoch nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt Gussie ihr Leben noch einmal an sich vorbeiziehen.
Gussie Zinsser hatte eine innige liebevolle Beziehung zu ihrem Vater. Im Jahr 1915 trifft Gussie erstmals Konrad Adenauer. Sie ist erst 24 Jahre alt, als sie den verwitweten Dr. Konrad Adenauer heiratet, der 19 Jahre älter als sie ist und drei Kinder aus erster Ehe hat.
Der biografische Roman hat mich in den Bann gezogen und total berührt. Sehr gut gefielen mir die kleinen Auszüge aus dem Briefwechsel von Gussie und ihrem Vater bzw. ihrem Ehemann.
Die Historischen Ereignisse sind sehr gut recherchiert.
Christoph Wortberg hat mit "Gussi" ein eindrucksvolles Buch geschrieben.
Eine starke Frau an Adenauers Seite – Emotional und beeindruckend
Auf das Buch "Gussie" hatte ich gewartet!! Ich liebe Historische Romane.Der Schreibstil von Christoph Wortberg gefällt mir ausgesprochen gut, ist sehr flüssig und spannend. Der Erzählstil ist bildhaft, einfühlsam und angenehm zu lesen. Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt."Gussie" ist die Romanbiografie über Auguste, genannt Gussie. Im Jahr 1948 liegt sie im Krankenhaus in Bonn, wo sie jedoch nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt Gussie ihr Leben noch einmal an sich vorbeiziehen.Gussie Zinsser hatte eine innige liebevolle Beziehung zu ihrem Vater. Im Jahr 1915 trifft Gussie erstmals Konrad Adenauer. Sie ist erst 24 Jahre alt, als sie den verwitweten Dr. Konrad Adenauer heiratet, der 19 Jahre älter als sie ist und drei Kinder aus erster Ehe hat.Der biografische Roman hat mich in den Bann gezogen und total berührt. Sehr gut gefielen mir die kleinen Auszüge aus dem Briefwechsel von Gussie und ihrem Vater bzw. ihrem Ehemann.Die Historischen Ereignisse sind sehr gut recherchiert.Christoph Wortberg hat mit "Gussi" ein eindrucksvolles Buch geschrieben.
Geschichte einer tapferen, engagierten Frau
Wie Memorykärtchen, die gerade aufgedeckt werden, so kommt mir das wunderschöne Cover auf den ersten Blick vor. Man ahnt schon, dass es sich um eine aparte junge Frau handelt, die sich dahinter verbirgt. Doch wer ist sie? Interessanterweise zeigt dieser Ausschnitt ein Gemälde einer Frau, die Gussie gerufen wurde. So lautet ja auch der Titel des Buches. Wer verbirgt sich hinter diesem Rufnamen? Es ist Auguste Adenauer, geborene Zinsser, die zweite Ehefrau des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer. Das Gemälde war sein Lieblingsbild seiner Frau.Ausgangspunkt dieses Romans, der die Biographie von Gussie Adenauer ins Zentrum stellt, ist das Jahr 1948. Gussie Adenauer ist erst 52 Jahre alt und liegt im Bonner Johannes-Hospital im Sterben. Um ihr Ende wissend blickt sie zurück auf ihr Leben, sie „reist zurück in der Zeit“. Wie beim Memory-Spiel wird ein Erinnerungskärtchen nach dem anderen aufgedeckt, bis vor unseren Augen ein Persönlichkeitsbild dieser Frau erscheint. Dabei kehren wir immer wieder zur sterbenden Gussie zurück. Wir lernen Gussie als junges Mädchen kennen, eine Arzttochter, die 1919 den verwitweten Kölner Oberbürgermeister (seit 1917) Konrad Adenauer heiratet. Dieser ist 19 Jahre älter als sie, Vater von drei minderjährigen Kindern und hat unter tragischen Umständen seine Frau Emma verloren. Gussies Familie war mit der Familie Adenauer aus der Nachbarschaft bereits freundschaftlich verbunden. Dabei verabschiedet sie sich von ihren Zukunftsträumen „man kann nur ein Leben leben…“ (S. 157) Gussie wird eine verliebte Ehefrau, eine liebevolle Stiefmutter und schenkt selber fünf Kindern das Leben. Der traurige Verlust des ersten Sohnes wenige Tage nach der Geburt begleitet sie ihr Leben lang.Es ist sehr spannend, das Schicksal der Adenauers nach dem Ende des 1. Weltkriegs, durch die wilden 20iger Jahre bis zum Durchbruch des Dritten Reiches zu beobachten. In Gussies Leben verflechten sich Familiäres, Öffentliches und Politisches eng. Die junge Frau engagiert sich sozial und politisch. Mit der Machtübernahme der Nazis ändert sich das Leben der Familie komplett. Konrad Adenauer wird observiert, verfolgt, er muss fliehen, sich verstecken, wird inhaftiert. Sein Leben ist in Gefahr. In dieser Zeit erdrückt die Last, die Gussie zu tragen hat, sie fast. Am Ende stehen Verhöre der Gestapo, eine unmenschlich erzwungene Entscheidung und Lagerhaft. Gussie Adenauer stirbt nur wenige Jahre nach dem Krieg an den Folgen dieser Ereignisse. Sie erlebt nicht mehr, wie ihr Mann der erste Bundeskanzler wird. Er wird sie um fast 20 Jahre überleben.„Die wenigen Mutigen kommen ihr in den Sinn. Sie haben mit ihrem Leben bezahlt. Wärest du dazu bereit gewesen, Gussie? Es ist nur menschlich, vor der eigenen Angst in die Knie zu gehen. Widerstand ist ein großes Wort. Wer sind wir, uns ein Urteil anzumaßen?“ (S. 79)Fazit:Der Autor Christoph Wortberg wagt ein Buch, das von Anfang an das tragische Ende offenlegt und nie aus den Augen verliert. Das ist sehr berührend. Es gibt ihm die Möglichkeit, dass Gussie, ihr Leben nochmal vor Augen, kommentieren und gewichten kann. Gleichzeitig zieht sich so ein Hauch von Melancholie durch die Seiten. Sehr gelungen empfinde ich, dass der Autor Christoph Wortberg bei den Rückblickskapiteln eine gewisse Chronologie einhält und zwischendurch immer wieder zur sterbenden Gussie zurückkehrt. Denn auch noch in den letzten Tagen zeigt sie ihre besondere Persönlichkeit.Die Zeitstränge lassen sich gut einordnen, da kleine (nachempfundene) datierte Briefzitate an und von Gussie den Kapiteln vorangestellt werden. Nebenbei wird so auch die Zeitgeschichte durch Gussies Augen erlebbar.Man bekommt einen sehr berührenden Eindruck von Gussies Charakter. Ihre Emotionen, ihre Sicht auf die Zeit und auch die Zweifel an den eigenen Entscheidungen sind sehr gut nachvollziehbar. Von Anfang an beweist die junge Frau großen Mut, Empathie und Stärke. Man kann sich kaum vorstellen, wie ihr Mann seine Familie, gesellschaftliche und politische Aufgaben je ohne sie hätte bewältigen können.Besonders berührt haben mich ihre Jahre im Dritten Reich, in denen sie vor schier unlösbare Aufgaben gestellt wird und an der Grausamkeit der nationalsozialistischen Machthaber zugrunde geht. Die Atmosphäre der Bedrohung, Angst, Ausweglosigkeit ist selbst beim Lesen sehr beklemmend. Hier gehen die Geschehnisse unter die Haut. Dem Buch liegt eine sehr gründliche Recherche zugrunde. Die Romanform schenkt dem Autor gegenüber einem biographischen Sachbuch einige Freiheiten. So können wir als Leser*in auch viel besser in die Gefühlswelt Gussies eintauchen. Der Schreibstil ist bildhaft, knapp und mit einer großen Tiefe, sodass ich das Buch ungern aus der Hand legte. Von mir aus hätte es gern noch ausführlicher und länger sein dürfen.Auguste Adenauer werde ich gewiss nicht so schnell vergessen durch diese sehr bewegende und tiefgründige Darstellung.
Eindrucksvoll und tief berührend
Gussie erzählt die berührende und eindrucksvolle Geschichte von Auguste Zinsser, die nach dem ersten Weltkrieg gegen alle Konventionen den 19 Jahre älteren Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer heiratet. Sie ist bereits die zweite Frau Adenauers, der zudem noch drei Kinder mit in die Ehe bringt. Gussie kümmert sich liebevoll um ihre Stiefkinder und bekommt noch weitere fünf Kinder, obwohl der Erstgeborene nur nach wenigen Tagen stirbt, so bleibt er doch immer in ihrem Herzen. Sie steht jetzt als die Frau des Oberbürgermeisters in der Öffentlichkeit und geht in ihrem sozialen, politischen Engagement und ihrer Familie auf. Als Hitler seine Macht immer weiter ausbaut, wird Konrad Adenauer seines Amtes enthoben und muss um sein Leben fürchten und sich verstecken. Ein Albtraum beginnt.Die Handlung beginnt im Februar 1948 kurz bevor Gussie stirbt. Jedes Kapitel fängt mit einem kurzen Auszug eines Briefes an. Entweder zwischen Konrad Adenauer und Gussie oder zwischen Gussie und ihrem Vater bzw. jeweils umgekehrt. Sie sind auf zwei Zeitebenen geschrieben, die sich aufeinander zubewegen.Der Autor hat viel und sehr gut recherchiert und so wird dem Leser hier eine bewegende Geschichte aus der deutschen Geschichte offenbart, die mich Seite für Seite, nicht allein durch den sehr flüssigen und bildhaften Schreibstil, vollends mitgenommen hat. Die Charaktere sind eindrücklich und authentisch beschrieben. Die innige Liebe Gussies zu Konrad, ihre Stärke und Loyalität, ihre Liebe zu ihrem Vater, die Zerrissenheit Gussies, als sie von der Gestapo verhaftet wird, all dies hat mich tief berührt und macht die Charaktere sehr lebensnah.Die Gestaltung des Covers ist ungewöhnlich, es macht neugierig darauf, die Frau hinter diesem Gesicht näher kennenzulernen. Und so kann ich nur meine vollste Bewunderung aussprechen, mit welcher Akribie Christoph Wortberg eine wunderbare Romanbiographie geschaffen und Geschichte wieder in den Fokus gerückt hat, eine Lektüre die noch lange nachhallt. Sehr empfehlenswert.
Die Frau an der Seite von Konrad Adenauer
Gussie liegt im Bonner Johannes-Hospital und weiß, dass ihr Leben zu Ende geht. Sie erinnert sich an die Zeit mit Konrad Adenauer. Sie lernte ihn im Haus ihrer Eltern kennen und heiratete den fast zwanzig Jahre älteren, verwitweten Kölner Bürgermeister mit drei Kindern. Mit ihm bekommt sie fünf Kinder, doch der Erstgeborene stirbt kurz nach der Geburt, was sie ein Leben lang nicht verwunden hat. Sie steht ihrem Mann zur Seite, ganz besonders in den politisch schwierigen Zeiten nach Hitlers Machtübernahme. Ihrem Mann verhilft sie zur Flucht, nachdem man ihn verhaftet hat, und dann verrät sie ihn, um ihre Kinder zu schützen.Es ist ein wunderbarer Roman über eine starke Frau, der einen berührt und manchmal fassungslos macht, der mich aber auf jeden Fall gefesselt hat, obwohl ich gar nicht einmal so viel Neues erfahren habe. Der Schreibstil von Christoph Wortberg ist sehr angenehm zu lesen, er fängt die Atmosphäre jener Zeit sehr gut ein. Zu Beginn jeden Kapitels finden wir Auszüge aus der Korrespondenz zwischen Gussie und ihrem Vater. Auguste Zinsser kommt aus gut bürgerlichem Haus und hat ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater. Auch wenn ihr abgeraten wird, so heiratet sie den viel älteren Konrad Adenauer. Sie liebt den verschlossenen Mann, ist seinen Kindern aus erster Ehe eine gute Mutter und muss dann unter den Politischen Verhältnissen so viel ertragen. Doch immer steht die lebensfrohe Frau zu ihrem Mann, der seine Überzeugungen hat und nicht von ihnen ablässt. Glücklicherweise haben sie Freunde, welche die gleichen Überzeugungen haben und ihnen zur Seite stehen. Aber die Nazis lassen sie nicht in Ruhe und Gussie muss eine Entscheidung treffen, die über ihre Kräfte geht. Ich habe diese starke Frau bewundert, die zwar manchmal innerlich zerrrissen ist und oft Angst hat, aber trotzdem zu ihrem Mann steht und für ihre Familie kämpft. Doch ihre Gegner kennen keine Skrupel und keine Menschlichkeit.Ein großartiger Roman, den ich nur empfehlen kann.
Hervorragender Schreibstil, inhaltlich leider etwas kurz gehalten
Über die zweite Ehefrau Konrad Adenauers wußte ich bislang überhaupt nichts und auch über Adenauers Hintergründe beschämend wenig, also war ich auf dieses Buch sehr neugierig. Der ausgezeichnete Sprachstil hat mich dann gleich gefangengenommen und so ging ich die Lektüre mit hohen Erwartungen an, die auch fast vollständig erfüllt wurden. Die Gestaltung des Buches ist hinsichtlich Einband und Vor- sowie Nachsatz ansprechend. Auf dem Titel findet sich ein Portrait Gussie Adenauers, welches wir dann im Vor- und Nachsatz als größeres Gemälde sehen, wodurch die Leser gleich einen visuellen Eindruck erhalten. Im Buch fand ich das etwas raue Papier weniger angenehm, aber das ist letztlich zweitrangig. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. 1948 liegt die sterbende Gussie in ihrem Krankenhausbett und blickt auf ihr Leben zurück, welches dann in der zweiten Zeitebene ab 1915 erzählt wird. Die 1948-Szenen sind ausgesprochen schmerzhaft. Dieses stille Sterben, die Resignation, die über allem hängt, das melancholische Ergeben ins Schicksal und auch die Trauer der Umgebung sind mit wenigen wohlgesetzten Worten einfach wundervoll erzählt. Ich sah mich geradezu mit in diesem Krankenzimmer und spürte Trauer über dieses zu früh endende Leben nach Jahren des Leids in der Nazidiktatur. Die rührenden Briefauszüge verstärken dieses schwermütige Gefühl und sind überhaupt hervorragend eingesetzt. Vor jedem Kapitel findet sich ein solcher Auszug aus Briefen an oder von Gussie. Diese passen immer ausgezeichnet zum Kapitel und mir gefielen sie im Buch mit am meisten, weil man so einen direkten Zugang zu den Menschen bekam. Ich war enttäuscht, im Nachwort zu lesen, daß es sich gar nicht um echte Briefauszüge handelt. Sie sind laut Autor zwar dem Ton der wirklichen Briefe nachempfunden, aber es wäre wesentlich authentischer gewesen, dann auch die wirklichen Auszüge zu nehmen. Leider wird auch nicht erklärt, warum dies nicht getan wurde.Die Kapitel über Gussies Leben sind vignettenhaft. Wir erhalten kurze Einblicke, zwischen denen oft recht viele Jahre liegen. Das hat mir von der Konzeption her weniger gefallen. Die Ehejahre vor 1933 werden ausgesprochen kurz abgehandelt. Das mag natürlich daran liegen, daß es vielleicht nicht so viel zu berichten gab, aber dieser Vignettenstil verhinderte es für mich, mich den Charakteren zu nähern, auch hätte ich gerne ein umfassenderes Bild erhalten. Abgesehen von Gussie blieben mir dann auch alle anderen Charaktere recht fremd, was ich bedauerlich fand. Ab 1933 werden die Kapitel länger und dichter, aber auch hier wurde vieles zu kurz abgehandelt, über das ich gerne mehr gelesen hätte. Auch dem Verständnis mancher Situationen wären etwas mehr Hintergründe hilfreich gewesen. Dagegen gab es einige langatmige Passagen, insbesondere das Privatleben der Krankenschwester Gussies fand ich in diesem Rahmen höchst entbehrlich – gerade weil ich so viel lieber mehr über Gussie und Konrad Adenauer gelesen hätte. Es gibt viele Bücher, die sich in sich selbst verlieren und denen 50 Seiten weniger guttun würden – „Gussie“ hätte mir mit etwa 50 Seiten mehr noch besser gefallen. Der Schreibstil ist eine wahre Freude. Christoph Wortberg kann mit Worten umgehen. Er schreibt reduziert und gleichzeitig wortgewaltig. Alle Szenen sind sehr anschaulich, schaffen Atmosphäre, lassen die jeweiligen Orte vor unseren Augen auferstehen. Gerade das Atmosphärische ist ausgezeichnet gelungen. Die Bedrohung durch die Nazis, ihre perfiden, widerlichen Methoden, die immer lastende Angst werden so hervorragend dargestellt, daß das Lesen oft beklemmend wird. Man merkt auf jeder Seite, daß hier ein Autor mit Können am Werk ist. Ich habe aus diesem Buch viel gelernt und mich an der gelungenen Sprache erfreut. Eine bereichernde Lektüre.
Schicksalsjahre
Gussie Adenauer geb. Zinsser weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat und lässt ihr Leben Revue passieren. Im Alter von 24 Jahren heiratet sie den 19 Jahre älteren Konrad Adenauer, einen Witwer mit drei Kindern. Charakterlich können beide nicht unterschiedlicher sein. Sie wuchs wohl behütet in ihrem Elternhaus auf und hat eine besonders enge Beziehung zu ihrem Vater, bis zu ihrem Lebensende. Sie schreibt ihm regelmäßig Briefe und tauscht sich mit ihm über ihre Gedanken aus. Gussi ist eine lebenslustige, loyale und liebende Frau die durch ihren Mann, den Oberbürgermeister von Köln, viel in der Öffentlichkeit präsent sein muss. Sie führt ein erfülltes Leben bis die Nazis an die Macht kommen und ihren Mann aus seinem Amt stürzen und sich dieser sogar verstecken muss. Genau wie ihr Mann distanziert sie sich ganz klar von den Machenschaften des Nazi-Regimes und gerät letztendlich auch in deren Fänge mit fatalen Folgen. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einem kurzen Ausschnitt eines Briefes zwischen Gussie und ihrem Vater und helfen den Lesern so bei der zeitlichen Orientierung. Mal sind die Kapitel in der Gegenwart geschrieben, so wie Gussie im Krankenhaus über ihr Leben nachdenkt. Mal in der Vergangenheit über die Zeit als Kind, oder das Kennenlernen zwischen ihr und Konrad Adenauer. Die Sprünge zwischen den einzelnen Jahrzehnten haben mir persönlich nicht so gut gefallen, da ich dadurch immer wieder im Lesefluss unterbrochen wurde.Von der Thematik her finde ich das Buch sehr gut gelungen und es ist stellenweise auch sehr emotional geschrieben.
hat mich sehr bewegt
1948. Die Frau im Bonner Johannes-Hospital weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt sie Szenen ihres Lebens an sich vorbeiziehen. Gussie Zinsser ist 24, als sie den 19 Jahre älteren Witwer Konrad Adenauer heiratet und zur Stiefmutter seiner drei Kinder wird. Sie schenkt fünf Kindern das Leben, doch ihr Erstgeborener stirbt nach nur vier Tagen. Als Frau des Kölner Oberbürgermeisters steht sie in der Öffentlichkeit und engagiert sich eigenständig sozial und politisch. Hitlers Machtübernahme verändert alles. Adenauer muss sich vor den Nazis verstecken. Allein gelassen mit ihren Kindern, versucht Gussie, das schwierige Leben im Dritten Reich zu bewältigen. Bis sie von der Gestapo vor eine unmenschliche Wahl gestellt wird. Der Autor:Christoph Wortberg studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte und ist ausgebildeter Schauspieler. Verschiedene Rollen am Theater und im Fernsehen, daneben Hörbuchsprecher. Seit vielen Jahren Drehbuchautor, u.a. für den Kölner ›Tatort‹, sowie Autor preisgekrönter Jugendromane und mehrerer Kriminalromane. Christoph Wortberg lebt in Köln Meine Meinung:Ich habe nicht sonderlich viel von dem Buch erwartet. Was ich dann jedoch bekommen habe, war großartig.Eine Lebensgeschichte in schwierigen Zeiten. Eine Liebe die nicht immer leicht ist und dennoch aufrichtig. Wir bekommen kleine Einblicke in das Kennenlernen, das Zusammenleben und die gemeinsamen Hürden. Ein Auf und Ab der Gefühle. Zweifel und Mut. Für mich hat das Buch durch seinen sehr gefühlvollen Schreibstil geglänzt. Ich mochte die Art, wie der Autor es erzählt. Die Person Gussie war mir sehr nah und ich kannte ihre Gedanken und Gefühle. Es ist eine Roman Biografie. Und es werden auch unschöne Dinge angesprochen. Zeitsprünge aus verschiedenen Lebensabschnitten tragen uns als Leser durch das Buch.Es gab so viele schöne Sätze und Gedankenansätze. Die Geschichte hat mich stellenweise sehr bewegt. Durch dieses Buch habe ich die Familie Adenauer wirklich greifen können. Und alle ihre schweren Entscheidungen, furchtbaren Episoden und aber auch die tiefe Liebe spüren können. Am Ende habe ich Tränen vergossen, was bei mir fast nie vorkommt. Ich kann das Buch sehr empfehlen, wenn man Gussie kennenlernen möchte. Ein Leben erzählt mit so schönen Worten und dem Grauen was auch ein Teil dieser Geschichte ist. Für ein Highlight hätte ich mir noch mehr Tiefe in einzelnen Phasen gewünscht. Noch mehr Hintergrundinformationen. Eine tiefere Sicht auf die Ereignisse, aber dennoch eine klare Empfehlung und ein Buch was bei mir wohnen bleiben darf.
Pressestimmen
Intensiv und emotional schildert der Roman, wie sie sich in den Witwer verliebt, schwere Zeiten mit ...ihm übersteht und an einer Entscheidung zerbricht. mehr weniger
Ulrike Schädlich, 02.05.2024
Gussies Leben erzählt der Schauspieler und preisgekrönte Autor Christoph Wortberg in seinem Roman sp...rachsensibel in starken Bildern und mit großem Einfühlungsvermögen. mehr weniger
14.12.2024
Das Buch erzählt die bewegende Geschichte dieser ungewöhnlichen Frau berührend und zu Herzen gehend.
Annemarie Stoltenberg, 10.12.2024
Eine sehr intensiv geschilderte Romanbiographie, sensibel und mitreißend erzählt. (…) Auch so kann Z...eitgeschichte geschrieben werden. mehr weniger
09.06.2024
Die berührende Romanbiografie ›Gussie‹ von Christoph Wortberg führt vom Sterbebett aus durch ihr Leb...en und würdigt die Frau an Adenauers Seite. mehr weniger
01.06.2024
Das perfekte Buch für alle, die Romanbiografien lieben.
Martina Breuer, 26.05.2024
Unbekannte deutsche Zeitgeschichte: informativ, gefühlvoll. Klingt nach!
10.05.2024
Die Geschichte von Gussie Adenauer verdient es in der Tat, erzählt zu werden. (...) Die letzten Tage..., die Gussie im Bonner Johannis-Hospital verbringt, bilden den Ankerpunkt des gleichzeitig sensibel und mitreißend erzählten Romans, von dem aus sie in Rückblenden ihr Leben erinnert. mehr weniger
Daniela Abels, 30.04.2024
Christoph Wortberg erzählt eindrucksvoll von den dunklen Momenten im Leben der Gussie Adenauer. Sein... Buch ist aber auch eine ergreifende Liebesgeschichte. mehr weniger
24.04.2024
Ein hervorragendes Denkmal, das unserer Stief-Großmutter gesetzt wurde.
Konrad Adenauer, 21.04.2024