1948. Die Frau im Bonner Johannes-Hospital weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt Auguste "Gussie" Adenauer Szenen ihres Lebens an sich vorbeiziehen.
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Gussie
Ein berührender Roman über das Schicksal einer außergewöhnlichen Frau: Auguste »Gussie« Adenauer, die zweite Frau Konrad Adenauers.
1948. Die Frau im Bonner Johannes-Hospital weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt sie Szenen ihres Lebens an sich vorbeiziehen. Gussie Zinsser ist 24, als sie den 19 Jahre älteren Witwer Konrad Adenauer heiratet und zur Stiefmutter seiner drei Kinder wird. Sie schenkt fünf Kindern das Leben, doch ihr Erstgeborener stirbt nach nur vier Tagen. Als Frau des Kölner Oberbürgermeisters steht sie in der Öffentlichkeit und engagiert sich eigenständig sozial und politisch. Hitlers Machtübernahme verändert alles. Adenauer muss sich vor den Nazis verstecken. Allein gelassen mit ihren Kindern, versucht Gussie, das schwierige Leben im Dritten Reich zu bewältigen. Bis sie von der Gestapo vor eine unmenschliche Wahl gestellt wird.
»›Konrad‹, sagt sie leise und tastet nach seiner Hand. Sie fühlt den Ring, den er nie abgenommen hat, nicht einen einzigen Tag in neunundzwanzig Jahren. Er sitzt neben ihr auf einem Stuhl, den Rücken durchgedrückt, die Beine übereinandergeschlagen. Sein dunkler Anzug, die schwarz glänzenden Schuhe. Er schaut sie an und in sie hinein, so wie auch sie in ihn hineinschaut. Es sind nicht die Blicke, die zählen, es kommt auf die Gedanken an. Sie kann lesen, was er denkt, vom ersten Tag an konnte sie es. Er schweigt, so wie er immer schweigt, wenn ihm das Herz übergeht. Sie ist froh, dass er den Augenblick nicht mit Worten zerstört. Vor ihm kannte sie nur die Worte, er hat sie das Schweigen gelehrt.«
Bibliografische Daten
1. Auflage
Christoph Wortberg
Christoph Wortberg hat Philosophie, Germanistik und Geschichte studiert. Seit vielen Jahren Drehbuchautor (u.a. ›Tatort‹) sowie Autor preisgekrönter Jugendromane und des Bestseller-Romans ›Gussie‹. Er lebt in Köln.
7 - 10 von 118 Leserstimme
Interessantes Frauenschicksal!
In diesem Buch erzählt Christoph Wortberg die Lebensgeschichte von Auguste "Gussie" Adenauer, Konrad Adenauers zweiter Ehefrau. Das Cover passt sehr gut dazu, wie ich finde und das Buch ist gut zu lesen.Konrad Adenauer ist 19 Jahre älter als "Gussie", als er sie kennenlernt und er hat schon 3 Kinder.Auguste" Gussie" wird seine zweite Ehefrau und sie wird eine liebevolle Mutter für seine drei Kinder.Gemeinsam bekommen sie noch 5 weitere Kinder, das erste stirbt leider gleich nach der Geburt,und sie führen eine harmonische, liebevolle Ehe.Das Buch ist in kurzen Kapiteln geschrieben, in denen die sterbende "Gussie" über ihr Leben nachdenkt.Die Kapitel beginnen jeweils mit kurzen Briefausschnitten "Gussies"an ihren Vater oder Konrad Adenauer.Die Biografie ist sehr liebevoll geschrieben und man erfährt viel aus dem Leben von Konrad Adenauer und seiner "Gussie".
Gussie Adenauer - die Frau an Konrads Seite
Auguste Adenauer betrachtet ihr Leben - sie liegt bereits im Sterben, als wir ihr in „Gussie“ begegnen. Das ist auch, was die Lektüre nicht im ganz leicht macht, Gussies langsames Dahinsiechen nimmt breiten Raum ein, viele kleine Abschiede gilt es zu meistern. Den von Konrad zum Beispiel, ihrem zwanzig Jahre älteren Ehemann, Kölner Oberbürgermeister und später Kanzler der neu gegründeten Bundesrepublik. Gussie ist seine zweite Frau und übernimmt als solche ein schweres Amt, denn als sie Adenauers Ehefrau wird, hat er bereits drei Kinder aus erster Ehe. Deren Herz zu gewinnen, ihren eigenen Kindern eine gute Mutter zu sein und Konrad zur Seite zu stehen - insbesondere während der Terrorherrschaft der Nazis - ist alles andere als einfach. Das gilt um so mehr, da Konrad Adenauer hier als etwas wortkarger, sehr kluger, aber doch schwer zugänglicher Mensch geschildert wird.Gussie meistert diese Aufgabe, setzt überdies noch eigene Akzente - in diesen Szenen ist das Buch stark und lesenswert. Schwerer fiel es mir persönlich, Gussie als Sterbende in gefühlt jeder dritten Szene wieder zu begegnen. Natürlich ging es zu Herzen, doch ob es notwendig war, uns das in diesen Details zu präsentieren? Für mich persönlich wäre hier weniger mehr - oder jedenfalls genug gewesen.
Bemerkenswerte Geschichte
Auguste "Gussie" Amalie Julie Adenauer (geb. Zinsser) ist die Frau an Konrad Adenauers Seite. Gussie ist die 2. Frau an Konrad Adenauers Seite. Sie ist 19 Jahre jünger als ihr Mann und wird die Stiefmutter seiner drei Kinder aus erster Ehe und bekommt selbst noch fünf weitere Kinder, von den vier überleben. So viel zu den recht nüchternen Fakten, die über Gussie bekannt sind. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt eine Frau, die zu ihrem Mann stand, eine Frau die nicht nur die eigenen, sondern auch die Stiefkinder liebt und trotz aller widriger Umstände versucht nicht unterzugehen. Eine Frau, die alles macht um das Leben ihrer Kinder zu schützen und genau weiß, wie schwer ihr Fehler ist, den sie dadurch begeht. Christoph Wortbergs Biographie über Gussie ist recht nüchtern. Kurze Kapitel, eine recht anschauliche Sprache und doch hat es in mir nachgehallt und mich dazu gebracht, mehr über Gussie zu erfahren und ein paar weitere Fakten zu recherchieren. Für mich wird dieses Buch nicht eines der großen Highlights des Jahres sein, so doch eine sehr in Erinnerung bleibende Geschichte, die es auf alle Wert ist, gelesen und beachtet zu werden. Eine Geschichte, die zeigt, das Widerstand möglich, das Liebe so viel bewirken kann und dass man sich selbst am Ende des Tages im Spiegel ins Gesicht schauen kann.
Spannendes Frauenschicksal
Christoph Wortberg erzählt die Lebensgeschichte von Auguste "Gussie" Adenauer- Konrad Adenauers zweite Ehefrau. Als sie sich kennenlerntern ist er 19 Jahre älter und hat bereits 3 Kinder. Dennoch haben die beiden im Rahmen der damaligen Möglichkeiten eine durchaus harmonische Beziehung- in der auch Gussie ihre eigenen Akzente setzen kann und sich selbst auch politisch/ gesellschaftlich beteiligt. Das alles ändert sich 1933 mit der Machergreifung der Nazionalsozialisten. Die prägenden Ereignisse ihres Lebens, lässt Gussie auf ihrem Sterbebett an sich vorbeiziehen- mit allen Zweifeln, Fehlern und Ängsten. Dadurch ensteht ein lebendiges Bild der Frau- über die ich vorher so gar nichts wusste. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, wobei mir an manchen Stellen die Tiefe etwas gefehlt hat und die Story doch sehr glatt wirkte. Ich würde das Buch jedem Empfehlen der etwas über das Umfeld von historischen Persönlichkeiten, die neuere deutsche Geschichte/ Nachrkiegszeit und auch den Nationalsozialismus wissen möchte.
Eine starke Frau hinter einem ...
Gussie - Christoph WortbergBiographie, dtv Verlag, 320 SeitenInhalt:Gussie Zinsser ist die zweite Frau von Konrad Adenauer. In diesem biographisch, historischen Roman wird ihre Geschichte erzählt. Auguste, auch Gussie genannt kommt als junge gebildete Frau als neue Ehefrau uns Stiefmutter in den Haushalt des bereits erfolgreichen Kölner Bürgermeisters. Erzählt wird aus der Sicht der im Sterben liegenden Gussie, Rückblickend auf ihr Leben und ihre Entscheidungen bis an Ende ihres Lebens. Von den Nazis unter Druck gesetzt und ihrer Stellung schuldig ging sie im Laufe der Zeit in der Geschichte verloren. Hier ein Denkmal für eine vergessene Frau.Cover:Schön, nicht zu Aufdringlich. Es würde mich ansprechen es aus dem Ladenregal zu nehmen. Überrasche war ich über die "einfache" Papierqualität.Fazit:Der Leser bekommt eine, leider etwas Oberflächliche Beschreibung einer starken Frau. Etwas mehr Hintergrundinformationen zur Zeit, ihren Zeitgenossinnen- und genossen hätte mich sehr interessiert. Ihr Mann wird sehr Blass beschreiben, die Zeit und ihre geschichtliche Bedeutung etwas fahl dargestellt. Nichts desto trotz, hat dieser kurze Abriss mich dazu bewogen etwas mehr über diese Frau zu erfahren. Zum Lesen und zur Kurzweile sind die 220 Seiten zu empfehlen als Aperitif vor einer detaillierten Biographie.
Eine starke Frau und Persönlichkeit
UM IHRE TÖCHTER ZU RETTEN, VERRIET SIE IHREN MANNGussie1948. Die Frau im Bonner Johannes-Hospital weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Auf dem Sterbebett lässt sie Szenen ihres Lebens an sich vorbeiziehen. Gussie Zinsser ist 24, als sie den 19 Jahre älteren Witwer Konrad Adenauer heiratet und zur Stiefmutter seiner drei Kinder wird. Sie schenkt fünf Kindern das Leben, doch ihr Erstgeborener stirbt nach nur vier Tagen. Als Frau des Kölner Oberbürgermeisters steht sie in der Öffentlichkeit und engagiert sich eigenständig sozial und politisch. Hitlers Machtübernahme verändert alles. Adenauer muss sich vor den Nazis verstecken. Alleingelassen mit ihren Kindern, versucht Gussie, das schwierige Leben im Dritten Reich zu bewältigen. Bis sie von der Gestapo vor eine unmenschliche Wahl gestellt wird.Meine Meinung zum Autor und Buch Christoph Wortberg , hat mit seinem Roman über Gussie Adenauer ihr eine große Reverenz erwiesen. Er hat sich beim Schreiben und recherchieren um große Genauigkeit bemüht. Ob Texte aus Briefauszügen, Reden, oder Radiosendungen er hat Akribisch geforscht und Enkel befragt. Adenauer kannte ich noch , da ich 1952 geboren wurde, hatte ihn immer als alten Mann in Erinnerung, das er mit Gussie verheiratet war einer starken Frau, die ihm den Rücken stärkte war mir unbekannt, schade das sie so jung mit 52 Jahren sterben musste. Sein Schreibstil ist sehr klar, kraftvoll und Bildhaft, er lässt uns tief in Gussie Leben eintauchen und alles aus ihrem Blickfeld sehen.Gussie ist das Lieblingskind , von Ferdinand Zinsser, einem Dermatologen. Man konnte diese Innigkeit zwischen den beiden spüren, er vergöttert seine Gussie gerade zu. Die Mutter etwas kühl, fühlt sich ausgeschlossen, von den beiden. Auf einem Empfang im Elternhaus spielt sie Geige und lernt den 20 Jahren älteren Konrad Adenauer kennen. Die Eltern mögen ihn, aber es stört sie das er Witwer ist, katholisch und drei Kinder hat. Ich konnte irgendwie die Eltern verstehen, das sie sich Sorgen um ihre Tochter machen. Aber Gussie mag ihn und lässt alle bedenken hinter sich und Heiratet diesen Mann. Es ist eine glückliche und harmonische Ehe, ihre drei Stiefkinder lieben sie, sie war für mich die treibende Feder in der Ehe , hielt Konrad den Rücken frei, Arrangierte sich Politisch und bekam noch vier Kinder mit ihm. Wir begleiten sie von ihrem Sterbebett 1948 in der Bonner Klinik aus, mit vielen Rückblicken in ihr Vergangenes Leben, das mit vielen Schicksalsschlägen durchzogenen war, Konrads und ihre Verhaftung durch die Nazis . Mit Einblicken in unsere politische dunkle Vergangenheit.
Die Frau an seiner Seite
Gussie, Romanbiografie von Christoph Wortberg, 288 Seiten erschienen im dtv-VerlagDas Schicksal einer Frau zwischen dem Untergang des Dritten Reiches und der Gründung der Bundesrepublik.Gussie Adenauer war die zweite Ehefrau von Konrad Adenauer. Dieses Buch beschreibt sie, als sie am Ende ihres Lebens noch einmal auf alles zurückblickt, was sie an seiner Seite erlebt hat. Mit gerade einmal 24 Jahren, willigt die Tochter aus gutbürgerlichem Haus, Gussie Zinsser ein, die zweite Frau des verwitweten Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer zu werden. Sie wird die Stiefmutter der drei Kinder aus seiner ersten Ehe und selbst schenkt sie noch fünf weiteren Kindern das Leben. Ihr Erstgeborener stirbt kurz nach der Geburt. In der Öffentlichkeit stehend, meistert sie das Leben als Mutter und als Ehefrau, indem sie ihm stets zur Seite steht und sich auch selbst sozial und politisch engagiert. Nach Hitlers Machtübernahme wird Adenauer von den Nazis seines Amtes enthoben, er wird nach dem Stauffenberg-Attentat verhaftet, weshalb sie von der Gestapo vor eine unmenschliche Wahl gestellt wird. Ein beeindruckendes Buch über eine bemerkenswerte Frau. Das Werk besteht aus 45 kurzen Kapiteln, die ich mir etwas länger, gerne mit noch mehr Information gewünscht hätte. Zu Beginn eines jeden Kapitels ist ein Ausschnitt eines Briefes gedruckt, Briefe zwischen Adenauer, Gussies Vater und Gussie, diese Abschnitte sind mit Datum versehen. Die Kapitel beginnen zumeist, mit der Situation der erkrankten Protagonistin und im weiteren Verlauf rückblickend, mit deren Erinnerungen, wobei die Abfolge nicht immer chronologisch erfolgt. Trotzdem ist es leicht dem Geschehen zu folgen, vieles ist auch aus der Historie bekannt. Dicht dran an der historischen Geschichte ist es auf jeden Fall. Mich hat das Buch einfach nicht mehr losgelassen. Ich habe es ohne Unterbrechung gelesen. Mir war nicht klar, was für ein aufrechter und außergewöhnlicher Mensch Adenauer gewesen war, seine innere Haltung, hat mir höchsten Respekt abverlangt, dazu hat seine Ehefrau ihm Stärke und Kraft gegeben. Obwohl ihr dabei schon Schlimmes zugemutet wurde. Das Ende konnte mich auch noch zu Tränen rühren. Der Plot war zu jeder Zeit plausibel und klar verständlich. Die Figuren sind gut geschildert und beschrieben. Sie handeln authentisch. Viele Sätze im Buch haben mich zutiefst angerührt, zum Nachdenken gebracht. Z.B. „Wie hoch der Preis ist, den man bezahlt, weiß man erst immer hinterher.“ Ergreifend, informativ, historisch exakt und emotional mitreißend dabei bildhaft und flüssig beschrieben, zusammen mit dem bezaubernden Porträt Gussies, in den inneren Umschlagseiten, kann man sich hiermit ein umfassendes Bild, dieser überwältigenden Frau machen. Ich freue mich, dass ich sie kennenlernen durfte. Eine umfassende Leseempfehlung und von mir 5 Sterne.
Einfühlsames Portrait einer starken Frau hinter ihrem erfolgreichen Mann
Auguste Adenauer - genannt Gussie - ist viel zu jung gestorben. Während sie 1948 im Krankenhaus liegt und weiß, dass sie ihrem Tod nicht mehr ausweichen kann, erinnert sie sich an ihr Leben. Sie ist die zweite Frau von Konrad Adenauer, 20 Jahre jünger als er und charakterlich völlig anders als er. Bereits sehr früh im Roman stellt sich die Frage, was diese beiden so unterschiedlichen Menschen verbinden mag. Aufgrund des Klappentextes habe ich ein Drama erwartet und war am Ende des Buches erstaunt über das wunderbar einfühlsame Portrait einer Frau, von der ich bis dahin noch nichts wusste und die kurzen Einblicke in das Leben von Konrad Adenauer. Gussie Zinsser wuchs behütet mit einem liebevollen Vater auf, dem sie bis an ihr Lebensende Briefe schrieb und mit dem sie über all ihre Gedanken sprechen konnte. Diese Briefe stehen auszugsweise und in etwas abgewandelter Form über jedem Kapitel. Sie leiten die Kapitel thematisch ein und sorgen für die zeitliche Orientierung innerhalb des Romans. Mir gefällt dieses Stilmittel sehr, weil es die Geschichten noch authentischer wirken lässt, als es dem Autor ohnehin schon gelingt. Die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt, die sich am Ende des Buches mit Gussies Tod treffen. Einerseits wird in 1948 in der Gegenwart berichtet, wie Gussie ihr Leben im Krankenhaus wahrnimmt, welche Gedanken sie in dieser Situation hat, andererseits wird die Geschichte der jungen Gussie, beginnend mit dem Kennenlernen zwischen ihr und Adenauer erzählt. Beide Zeitebenen sind aus Gussies Perspektive geschrieben, wie sie die Dinge erlebt hat. Hier gefällt mir besonders gut, dass die Gegenwart im Präsens geschrieben wird, während Geschichten aus der Vergangenheit in eben dieser formuliert sind. Es fällt dem Leser leicht zu unterscheiden. Gussie hat in ihrem kurzen Leben 2 Weltkriege miterlebt. Den ersten als junge Frau, den zweiten als Ehefrau und Mutter von 7 Kindern. Sie ist eine - für meine Begriffe - außergewöhnlich starke Frau, die sich mit Hingabe um ihre 3 Stief- und die 4 eigenen Kinder kümmert, um diese durch die schweren Zeiten zu tragen und ihnen dennoch das Gefühl von Liebe und Geborgenheit zu geben. Bis zu ihrem Tod leidet sie unter dem Verlust ihres Erstgeborenen. Sie, genau wie Konrad Adenauer, hat sich stets von den Machenschaften des Nazi-Regimes distanziert, hat sich politisch engangiert und musste am Ende die Konsequenzen tragen. Ihre menschliche Hingabe ist es, die der Autor so fühlbar beschreibt und die einen beim Lesen einfach nicht kalt lassen kann. Die im Klappentext angekündigte Episode, dass die Gestapo sie vor eine unmenschliche Wahl stellte, ist nur relativ kurz beschrieben, aber dies in einer Intensität, die einem eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Man fragt sich beim Lesen unweigerlich “Wie hätte ich entschieden?” und fühlt den Abgrund, in den sie geschaut haben muss, als sie ihre Entscheidung traf. Von Anfang an - und selbst noch im Krankenhaus - strahlt Gussie etwas aus, dem man sich nicht entziehen kann und will. Der Autor schafft es unmissverständlich, ihre liebenswerte Art zu transportieren - unabhängig davon, wie gut oder schlimm eine Situation gerade ist. Er schafft es ebenfalls sehr sicher, ihre Zweifel - sowohl an sich selbst als auch an ihrer Ehe - zu zeigen und dem Leser das Gefühl zu geben, dabei zu sein. Der Schreibstil von Christoph Wortberg war für mich anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig. Hin und wieder hatte ich das Gefühl, er schreibt stakkatoartig in Aufzählungen. Mit der Zeit merkt man aber, dass es diese Art zu schreiben ist, die eben so eindringlich ist. Es passiert so viel in so kurzer Zeit, dass dieser Schreibstil wirklich dazu passt. Überdies macht dieser Stil klar, dass er zwar über Gussie schreibt, ihre Person und ihr Leben aber keineswegs zu sezieren versucht. Ich habe mir während des Lesens viele Formulierungen angestrichen, weil sie mir einfach unter die Haut gehen und nicht nur im Zusammenhang mit Gussie Adenauer und ihrem Leben, sondern auch in der heutigen Zeit Bestand und eine Bedeutung haben, den Tatsachen entsprechen. Fazit:Dieses Buch geht unter die Haut. Es zeigt einen Menschen, der viel Leid erfahren hat, in einer der wohl schwierigsten Zeiten lebte und dennoch bis auf einmal nie den Lebensmut und die Fröhlichkeit verlor. Es ist das Portrait einer Frau, um die es wirklich schade ist, dass sie viel zu früh gestorben ist. Man wünscht ihr wirklich aus tiefstem Herzen, sie hätte mehr Frieden erleben dürfen. Mich hat das Buch beeindruckt.
Familiäre Einblicke
Es ist im Jahr 1948, Auguste Adenauer, genannt Gussie ist 52 Jahre alt. Sie weiß, dass sie nicht mehr lange leben wird. Sie verbringt die letzten Tage im Krankenhaus und lässt ihr Leben Revue passieren: Das Leben an der Seite von Konrad Adenauer, der der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschlands werden wird. Das erlebt sie aber nicht mehr. Konrad Adenauer ist Oberbürgermeister von Köln, er ist Witwer, als Gussie, fast 20 Jahre jünger als er, seine zweite Frau wird und damit plötzlich Mutter der drei Kinder aus seiner ersten Ehe und nach wenigen Jahren auch Mutter von 5 weiteren Kindern, von denen eines wenige Tage nach der Geburt stirbt. Ihr Leben ist ausgefüllt mit Mutterpflichten und Repräsentationspflichten, so wurde sie erzogen, darein fügt sie sich auch klaglos. Nur manchmal denkt sie still darüber nach, ob sie nicht doch ihre große Leidenschaft Musik, eine Leidenschaft, die sie mit ihrem Mann teilt und verbindet, zu ihrem Beruf hätte machen sollen. Mit Konrad Adenauer teilt und verbindet sie auch die Abneigung zu den neuen Machthabern, die mit ihren brutalen Methoden das Leben der ganzen Familie in Angst versetzen: Die großen Söhne müssen Kriegsdienst leisten, Konrad Adenauer wird eingesperrt, ebenfalls Gussie, die Kinder erleiden Repressalien in der Schule. Zumindest haben sie den ganzen Krieg über ein Dach über dem Kopf und scheinen auch materiell nichts entbehren zu müssen, das unterscheidet sie von vielen anderen Mitbürgern.Der Autor Christoph Wortberg schreibt seinen Roman, der sich gut und flüssig lesen lässt, in der Ich-Form. Es gibt wohl Briefe von Gussie – vor allem an ihren Vater, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hat – die auch jedem Kapitel vorangestellt werden. Trotzdem tauchte bei mir die Frage auf, ob die Gedanken, die da Gussie zugeschrieben werden, nicht doch weitgehend Fantasie sind.Gussies Geschichte ist natürlich eng mit der Geschichte von Konrad Adenauer verbunden und so ist der Roman über Gussie Adenauer auch ein Buch über Konrad Adenauer und so bleibt - für mich – die Gestalt von Gussie etwas blass.Lesenswert ist der Roman aber allemal. Ich habe noch dunkle Erinnerungen an Konrad Adenauer, vor allem an seine markante Stimme mit der rheinländischen Färbung. Er hat eine herausragende Rolle gespielt in der Zeit des Aufbaus nach dem Krieg und war eine hochgeschätzte Persönlichkeit.Über seine private Seite wusste ich bisher nicht viel. Dieses Buch, das die familiäre Seite der Familie Adenauer beschreibt, füllt daher eine Lücke.
Bemerkenswerte Frau
Ich hatte bereits einige Hintergrundinformationen hinsichtlich des Lebens von Konrad Adenauer. Allerdings hatte ich bislang wenig bis keine Informationen über Gussie (Auguste Adenauer). Gussie hatte eine sehr gute Beziehung zu ihrem Vater. Die Beziehung zu ihrer Mutter war jedoch etwas unterkühlt. Gussie heiratete den um einiges älteren Konrad Adenauer. Das Leben von Gussie war nicht immer einfach. Immerhin war sie die zweite Frau von Konrad Adenauer. Zudem brachte Konrad Adenauer drei Kinder in die Ehe. Zu diesen versuchte sie eine gute Beziehung aufzubauen, obwohl es nicht ihre eigenen waren. Auch das Leben mit Konrad Adenauer war nicht immer einfach, denn er wirkte zumeist etwas distanziert. Auguste musste die schwierigste Entscheidung ihres Lebens treffen und konnte auch im Nachgang schlecht mit dieser Entscheidung leben. Das Buch war informativ. Man hat einen näheren Einblick in das Leben von Konrad und Auguste bekommen. Ich kann das Buch sehr empfehlen.
Pressestimmen
Intensiv und emotional schildert der Roman, wie sie sich in den Witwer verliebt, schwere Zeiten mit ...ihm übersteht und an einer Entscheidung zerbricht. mehr weniger
Ulrike Schädlich, 02.05.2024
Gussies Leben erzählt der Schauspieler und preisgekrönte Autor Christoph Wortberg in seinem Roman sp...rachsensibel in starken Bildern und mit großem Einfühlungsvermögen. mehr weniger
14.12.2024
Das Buch erzählt die bewegende Geschichte dieser ungewöhnlichen Frau berührend und zu Herzen gehend.
Annemarie Stoltenberg, 10.12.2024
Eine sehr intensiv geschilderte Romanbiographie, sensibel und mitreißend erzählt. (…) Auch so kann Z...eitgeschichte geschrieben werden. mehr weniger
09.06.2024
Die berührende Romanbiografie ›Gussie‹ von Christoph Wortberg führt vom Sterbebett aus durch ihr Leb...en und würdigt die Frau an Adenauers Seite. mehr weniger
01.06.2024
Das perfekte Buch für alle, die Romanbiografien lieben.
Martina Breuer, 26.05.2024
Unbekannte deutsche Zeitgeschichte: informativ, gefühlvoll. Klingt nach!
10.05.2024
Die Geschichte von Gussie Adenauer verdient es in der Tat, erzählt zu werden. (...) Die letzten Tage..., die Gussie im Bonner Johannis-Hospital verbringt, bilden den Ankerpunkt des gleichzeitig sensibel und mitreißend erzählten Romans, von dem aus sie in Rückblenden ihr Leben erinnert. mehr weniger
Daniela Abels, 30.04.2024
Christoph Wortberg erzählt eindrucksvoll von den dunklen Momenten im Leben der Gussie Adenauer. Sein... Buch ist aber auch eine ergreifende Liebesgeschichte. mehr weniger
24.04.2024
Ein hervorragendes Denkmal, das unserer Stief-Großmutter gesetzt wurde.
Konrad Adenauer, 21.04.2024