Tilde Ahrens hat den Zweiten Weltkrieg knapp überlebt. Ein Dreivierteljahrhundert später liegt die mehrfache Mutter, Oma und Uroma im Sterben und bittet kurz vor ihrem Tod ihre Lieblingsenkelin Hanna, die Familie zusammenzuhalten.
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Heimatsterben
Tilde Ahrens, mehrfache Mutter, Oma und Uroma, liegt im Sterben und bittet kurz vor ihrem Tod Lieblingsenkelin Hanna, die Familie zusammenzuhalten. Keine einfache Aufgabe für die freigeistige Journalistin, die eigentlich seit Jahren in den USA lebt, denn in dem weitverzweigten Ahrens-Clan prallen die unterschiedlichsten Weltanschauungen aufeinander. Hanna taucht ein in die Geschichte ihrer Familie und stellt sich der Auseinandersetzung mit ihrer erzkonservativen Schwester, deren Mann Felix Kopf einer nationalistischen Partei ist. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung. Doch dann gewinnt der charismatische Felix überraschend die Wahl, zieht ins Kanzleramt ein und ausgerechnet Hanna soll ihn bei seiner politischen Arbeit unterstützen. …
Bibliografische Daten
1. Auflage
Sarah Höflich
Sarah Höflich, 1979 in Schleswig geboren, war schon als Kind fasziniert von Geschichten und Geschichte. Sie studierte Anglistik und ging als Fulbright-Stipendiatin in die USA, wo sie ihr Creative-Writing-Studium mit dem Master of Fine Arts abschloss. Viele Jahre arbeitete sie als Drehbuchautorin und Produzentin für die UFA, für die sie mehrere Fernsehserien realisiert hat. Letztes Jahr machte sie sich selbstständig. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in München.
7 - 10 von 89 Leserstimme
Wer mit dem Feuer spielt...
Es ist eher selten, das ich Büchern volle fünf Sterne gebe, dieses Werk von Sarah Höflich hat diese aber auf jeden Fall vollumfänglich verdient. Inhaltlich geht es um den Tod einer älteren Frau, zu deren Beerdigung sich die Familie noch einmal versammelt und wo viel ungesagtes auf einmal auf den Tisch kommt. Was scheinbar als reine Familiensaga daher kommt entwickelt sich aber recht schnell zu einem sehr politischen Buch, das sehr schnell die Grenze zwischen Fiktion und Realität verwischt. Denn im Laufe der Geschichte wird deutlich, wie eine wertkonservative Einstellung, wie sie sich die verstorbene Oma nach dem Zweiten Weltkrieg bewahrt hat, in der Enkelgeneration zu Anfälligkeit für Rechtspopulismus und dem Erstarken faschistischer Kräfte führt. Das hier dann einmal entzündete Feuer lässt sich dann nur noch schwer stoppen und führt zum Untergang.Beim Lesen des Buches werden bestimmt jeder_m Leser_in Parallelen zu aktuellen politischen Entwicklungen auffallen und hoffentlich bei einigen ein Nachdenken bewirken. Es wäre definitiv nötig, denn ein "Drittes Reich" hatten wir schon mal.Ich habe dieses Buch in einem Rutsch gelesen und dabei keine einzige Seite bereut. Ich fände es schön, wenn es zur politischen Willensbildung auch im Schulunterricht gelesen würde.
Debütantischer Volltreffer zu einem brandaktuellen Thema
Sarah Höflich ist mit „Heimatsterben“ eine beeindruckende Verknüpfung von Familiengeschichte und politischem Thriller gelungen. Sprachgewaltig und nahe gehend führt die Autorin in drei, durch Jahreszeiten gekennzeichneten, Teilen durch die hochspannende Geschichte. Alles beginnt als Tilde Ahrens, 97 Jahre alt, nach einem Treppensturz auf der Intensivstation liegt. So macht sich ihre Lieblingsenkelin und Protagonistin Hanna aus den USA auf den Weg nach Deutschland. Auf dem Flug liest Hanna die Erfolgsgeschichte ihres Schwagers Felix, der mittlerweile Parteichef der neu gegründeten Partei 'BürgerUnion' ist. 'Wir sind Heimat', der Slogan dieser rechts orientierten Partei, wird durch Felix, nach seiner Metamorphose zum bürgernahen rechtskonservativen Politiker mit adligem Stammbaum und Vorzeigefamilie, überzeugend vertreten. Großmutter Tilde hat die Schrecken der Diktatur während des Krieges erlebt, die Flucht und den Tod hautnah erfahren. Und Hanna? Sie soll nun Felix parteipolitischen Weg zur Kanzlerschaft beraterisch unterstützen.Spannend dargestellt sind die Mitglieder der Familie. Jede/r für sich ist ein sehr spezieller Charakter. Sie alle vertreten durchaus konträre Ansichten und Lebensformen. Gut fand ich, dass im Einband der Stammbaum der Familie Ahrens abgebildet ist. Dadurch ist es leicht den Überblick darüber zu behalten, wie die Akteure zueinander verwandt sind. Hanna ist hin und her gerissen sich loyal gegenüber ihrem Schwager und ihrer Schwester zu verhalten, dabei jedoch nicht ihre eigene Integrität aufs Spiel zu setzen. Dieser Gewissenskonflikt ist stark und nachvollziehbar beschrieben. Für mich verkörpern die Familienmitglieder verschiedene Teile unserer Gesellschaft mit entsprechend diversen Formen ihres Lebens, ihrer Haltung und ihrer politischen Meinung. Beeindruckt hat mich die Dynamik des Einflusses der BürgerUnion auf die Gesellschaft und die Auswirkung der braunen Wurzeln des Faschismus, der durch die alte (adlige) Familie zur Mühlen verkörpert wird. Das Bild des faulenden Apfels, der durchaus seinen Sinn im Lebenszyklus auf der Erde hat, der jedoch auch stinken kann, wenn er auf den falschen Untergrund fällt. Dieses Bild auf dem Buchcocer fasst die Geschichte gut zusammen. Fazit: Chapeau, für dieses gelungene Debüt! „Heimatsterben“ ist ein unbedingt lesenswertes Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. „Wehret den Anfängen“, das Motto auf dem Plakat der politischen Gegenbewegung, bringt es auf den Punkt. Wir sollten es für die kommende Wahl im September in Erinnerung behalten.
Familiengeschichte und Politik
Als Hannas geliebte Großmutter im Sterben liegt, reist sie von ihrem aktuellen Aufenthaltsort in den USA sofort nach Deutschland, um ihre Großmutter noch einmal zu sehen. Diese bittet sie, auf die Familie aufzupassen und diese zusammenzuhalten. Das ist jedoch gar nicht so einfach, denn der Mann ihrer Schwester, Felix von Altdorff, ist Kanzlerkandidat der neu gegründeten nationalistischen Partei 'BürgerUnion'. Als Felix Hanna um Unterstützung und Mitarbeit in der Partei bittet, gerät diese in einen inneren Konflikt zwischen Loyalität und Integrität. Doch zu einem gewissen Teil kann sie die Punkte ihres Schwagers nachvollziehen und sie weiß, dass ihre Großmutter Felix als Parteivorsitzenden unterstützte. Sie nimmt das Mandat an und die Wahl überrascht alle, denn die Partei gewinnt mit großer Mehrheit und Felix ist Kanzler. Doch es gibt radikale Kräfte innerhalb der Partei, über die Felix die Kontrolle verliert und die Deutschland an den Rand einer Katastrophe treiben und vor nichts zurückschrecken... .Die Autorin schafft hier eine beeindruckende Geschichte um eine Familie, deren Verstrickungen und eine politische Situation, die vielleicht gar nicht so fiktiv ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Auf den 383 Seiten passiert wirklich viel. Zum einen gibt es die familiäre Geschichte, die Rivalität, Kontaktabbrüche, Schicksalsschläge aber auch Zusammenhalt beinhaltet. Zur besseren Übersicht gibt es zu Beginn des Buches einen Stammbaum mit allen Familienmitgliedern. Zum anderen erlebt der Leser die Entwicklung der Partei und die zunehmende Radikalisierung eines Teils hiervon. Hier bekommt eine Figur, Stefan Kruse, eine entscheidende Rolle, die sehr gut aufgebaut wurde und die zu einem gewissem Grat nachvollziehbar erscheinen lässt, was ihn antreibt. Das Buch ist spannend geschrieben, die vielen Entwicklungen greifen ineinander und das Ende bringt nochmal eine erschreckende Wendung. Von meinem Eindruck bekommt der politische Teil ab der Mitte mehr Präsenz. Das Ende hätte etwas ausführlicher sein können, hier ging es dann sehr schnell. Insgesamt ein gelungener Roman, der mit Blick auf die politische Situation in Deutschland nachdenklich stimmt und zeigt, wie schnell etwas außer Kontrolle geraten kann. Ich mochte das Buch sehr gerne.
Ein absolutes Lesehighlight
In Heimatsterben erzählt uns Sarah Höflich die fiktive Geschichte einer Familie die sich nach und nach zu einem packenden Politthriller entwickelt. Deutschland 2023, kurz nach der Pandemie erhält Journalistin Hanna einen Anruf Ihrer Schwester Trixie. Ihre gemeinsame Großmutter Tilde liegt im sterben und Hanna muss sofort nach Hause kommen. Noch vor Ihrem Tod nimmt Tilde Hanna das Versprechen ab , die Familie zusammenzuhalten. gar nich so leicht für die freigeistige Hanna, denn die Familie Ahrens ist groß und schnell wird klar, dass hier unterschiedlichste Weltanschauungen aufeinander prallen. Zudem ist Trixies Mann Felix Kopf einer nationalistischen Partei, was mit Hannas Wertvorstellungen so gar nich zusammenpasst. Als Felix Partei die Wahl gewinnt, bittet er ausgerechnet Hanna um Unterstützung. Und plötzlich ist Hanna gefangen in einem wahren Loyalitätskonflikt. Ich habe wahnsinnig schnell in die Geschichte reingefunden. Der große Stammbaum der Familie am Anfang des Buches ist hilfreich, wenn auch nicht unbedingt nötig. Ich habe den Schreibstil als wahnsinnig angenehm empfunden. Kurze, prägnante Sätze, präzise Wortwechsel. Und die Charaktere allesamt wahnsinnig gut beschrieben. Durch die verschiedenen Perspektivwechsel lernt man die einzelnen Mitglieder und verschiedenen Denkweisen recht schnell kennen. Meine Erwartungen an das Buch wurden wirklich übertroffen. Die Autorin schildert wahnsinnig realitätsnah und packend, was passieren kann wenn die falschen Personen an die Macht gelangen. Hochaktuell, spannend und fesselnd nimmt uns Heimatsterben mit auf eine Reise, die ich so nicht erwartet habe. Für mich ein absolutes Lesehighlight und eine absolute Leseempfehlung.
Familiengeschichte und Politthriller
Die Autorin Sarah Höflich, erzählt in ihrem Romandebüt „Heimatsterben“ eine spannende und rein fiktionale Familiengeschichte, die sich in naher Zukunft im Jahre 2023 abspielt und mich von der ersten Seite an, fesseln konnte. Inhalt:Ein großartiger Familienroman, der sich zusehends zum Politthriller entwickelt Tilde Ahrens, mehrfache Mutter, Oma und Uroma, liegt im Sterben und bittet kurz vor ihrem Tod Lieblingsenkelin Hanna, die Familie zusammenzuhalten. Keine einfache Aufgabe für die freigeistige Journalistin, die eigentlich seit Jahren in den USA lebt, denn in dem weitverzweigten Ahrens-Clan prallen die unterschiedlichsten Weltanschauungen aufeinander. Hanna taucht ein in die Geschichte ihrer Familie und stellt sich der Auseinandersetzung mit ihrer erzkonservativen Schwester, deren Mann Felix Kopf einer nationalistischen Partei ist. Es kommt zu einer vorsichtigen Annäherung. Doch dann gewinnt der charismatische Felix überraschend die Wahl, zieht ins Kanzleramt ein und ausgerechnet Hanna soll ihn bei seiner politischen Arbeit unterstützen. …Meine Meinung:Schon alleine die Aufmachung des Buches hat es mir richtig angetan. Einfach nur schön zum Anfassen und Anschauen. Die komplexe Familienstruktur ist gleich zu Anfang in einem gelungenen Familienstammbaum gelistet, der den Einstieg in die Geschichte und der Familienzugehörigkeit, erleichtert. Auch die Einteilung des Buches in Herbst – Versuchung, Frühling – Widerstand und Winter – Flucht, ist überaus gelungen.Als Hannas Schwager, Felix Graf von Altdorff Mitbegründer und Kanzlerkandidat der rechten Partei „BürgerUnion“ die Wahl gewinnt, bittet er Hanna, ihn bei seiner politischen Arbeit zu unterstützen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren eigenen Werten und dem Versprechen am Sterbebett ihrer Großmutter. Hanna, willigt ein und bleibt dafür sogar in Deutschland. Die Geschichte entwickelt sich erschreckend zur aktuellen politischen Lage, gerade in Bezug von Migranten und das Asylrecht. Als Hanna, den Widerstand gegen und innerhalb der „BürgerUnion“ erkennt, versucht sie Felix von den Plänen seiner Gegner zu überzeugen und legt schließlich ihr Mandat nieder. Es kommt zu dramatischen Ereignissen, die schwere Folgen haben…Fazit:Der Autorin ist mit ihrem Romandebüt eine grandiose Mischung aus Familiengeschichte und Politikthriller, gelungen. Der Schreibstil und die Geschichte konnten mich bis zum Ende, total fesseln und begeistern. Selbst die Protagonisten und Nebenfiguren sind im Handlungsverlauf sehr glaubwürdig dargestellt und richtig gut eingebunden.Nach diesem gelungenen Romandebüt, bin ich sehr gespannt auf weitere Veröffentlichungen der Autorin!Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!
Ziemlich reales Schreckensszenario
Nachdem die erzkonservative Tilde, Familienoberhaupt der Ahrens, stirbt, soll ihre Enkelin Hanna die Familie zusammenhalten. Besonders auf ihre Schwester Trixie soll sie ein Auge haben, die mit einem aufstrebenden Politiker verheiratet ist. Dabei gerät Hanna aber zusehends in einen Konflikt zwischen Loyalität ihrer Familie gegenüber und ihrer eigenen Integrität. Das Debut von Sarah Höflich ist gut geschrieben, lässt sich flüssig lesen und ist so spannend, dass man es kaum aus der Hand legen möchte. Trotzdem musste ich das Buch ab und an zur Seite legen, weil das Szenario einfach beklemmend ist. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, wie schnell sich der Diskurs nach rechts verschieben kann und die Zukunft, die Sarah Höflich sich hier ausmalt ist einfach nur erschreckend. Erschreckend, weil es einfach viel zu nah an der Realität ist. Am Glaube daran die Fanatiker in Schach halten zu können sind schon viele gescheitert…großartiges Buch, dass unsere Vergangenheit mit einer möglichen Zukunft wunderbar verknüpft und dabei immer wieder deutlich macht: vergesst unsere Geschichte nicht, damit sie sich nicht wiederholt!
Denk ich an Deutschland in der Nacht...
Hannah Ahrens, die als Journalistin in New York lebt, erhält einen Anruf ihrer Schwester Trixie: ihre 97jährige Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist, liegt im Sterben. Hannah schafft es gerade noch rechtzeitig zurück nach Deutschland, um sich von der Matriarchin Tilde verabschieden zu können.Als junge Frau war Tilde in den Wirren des zweiten Weltkriegs aus dem Osten nach Niedersachsen geflohen, ihr Erstgeborener hatte die Flucht nur knapp überlebt. Dort heiratete sie einen verwitweten Gutsbesitzer und hatte mit ihm zwei weitere Kinder, eines davon Hannahs und Trixies Mutter Lou, der jedoch ihre Unabhängigkeit wichtiger war als ihre Kinder. Auf dem Sterbebett verspricht Hannah Tilde, auf ihre Schwester achtzugeben. Trixie ist mit dem Adligen Felix Graf von Altdorff verheiratet, der einer rechten Partei angehört und als Bundeskanzler kandidiert. Zu ihrem großen Erstaunen fragt Felix die liberal eingestellte Hannah, ob sie nicht für ihn arbeiten möchte. Die gegensätzlichen Einstellungen empfindet er als Herausforderung. Nach längerem Zögern willigt Hannah ein, zumal ihr Leben in New York gerade nicht so rund läuft.Die weitverzweigte Verwandtschaft und Familiengeschichte der Hauptpersonen stellt eine Herausforderung dar, sehr hilfreich ist dabei der zu Anfang des Buchs eingefügte Familienstammbaum, ohne den man als Leser wahrscheinlich verloren wäre.Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft und viele der beschriebenen Probleme und politischen Strömungen bestehen auch heute schon. Ein großes Thema ist beispielsweise Migration und Fremdenfeindlichkeit. Ein immer größerer Teil der Bevölkerung lehnt sich gegen die Überfremdung Deutschlands auf und ultrarechte Kräfte wehren sich durch die Gründung einer sogenannten Bürgerwehr. Obwohl Felix Graf von Altdorff selbst sehr konservativ ist, sind ihm diese Strömungen äußerst suspekt, doch manches geschieht, ohne dass er darauf Einfluss nehmen könnte. Hannah ist von der politischen Entwicklung in Deutschland zunehmend abgestoßen und beschließt, sich aus der Politik zurückzuziehen. Doch längst sind die Dinge nicht mehr zu kontrollieren, da sie den Alltag jedes Einzelnen bereits mitbestimmen...Obwohl es sich bei diesem Roman um eine Dystopie handelt, ist es ein sehr realistisches Szenario, das sich abspielt und das jederzeit so oder so ähnlich stattfinden könnte. Dieser Gedanke macht Angst und erinnert an Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“Sarah Höflich hat mit „Heimatsterben“ einen sehr eindringlichen und spannenden Debütroman geschrieben, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Absolute Leseempfehlung und 5 Sterne!
Nicht weit von der Realität entfernt
Ein verfaulter Apfel und der Titel Heimatsterben sagen ja nun erst mal gar nichts aus und würden mich in der Buchhandlung eiskalt daran vorbeigehen lassen. Doch wer ahnt schon, dass sich darunter eine absolute Perle der Literatur versteckt hält ?Heimatsterben hat es mir leicht gemacht ...Deutschland 2023 , die Pandemie liegt hinter uns. Die alten Probleme durch steigende Kriminalität, Flüchtlingswellen und Immigrationsprobleme, verbunden mit der Unfähigkeit der Altparteien die Bevölkerung zu schützen, sorgen dafür dass eine neue "rechte" Partei eine gute Chance bekommt, bei den nächsten Bundeskanzlerwahlen weit mit vorne zu liegen. Hanna Ahrens , 40 Jahre alt und in den USA lebend und gerade dabei zu entdecken, dass ihr Freund sie betrügt, erfährt, dass Ihre geliebte Großmutter gestürzt ist und keiner weiß ob sie es überleben wird.. Sie reist sofort nach Deutschland und muss ihrer Oma versprechen, sich um ihre Schwester Trixie zu kümmern, doch die scheint keine Hilfe zu brauchen. Verheiratet mit Felix einem Grafen, der als der nächste Anwärter für den Posten des Bundeskanzlers gilt. Doch zu aller erstaunen fragt Felix ob Hannah ihm nicht helfen kann auf dem Boden zu bleiben....Hochaktuell, Brisant und vor allem realistisch geschrieben, erleben wir den absoluten rechten Flügel, genau wie die gemäßigten Aktivisten, die nur ein besseres und sauberes Deutschland wollen. Doch die Realität wird zum Krimi und die besten Wünsche, lassen sich nicht immer erfüllen.Großartiger Schreibstil mit vielen Absätzen zum Luft holen, die man auch braucht, weil der Leser mitleiden kann und sich aufregt. Das Buch bewegt und nimmt mit auf die Reise in eine Geschichte einer Großfamilie , die unterschiedlicher nicht sein kann. In jedem Fall beste Unterhaltung und Spannung!Klare Empfehlung für einen Roman, der als fiktive Literatur gesehen wird, aber durchaus Thriller Qualitäten in sich birgt! Von mir in jedem Fall 5 Sterne !
Wir sind Heimat!
Der Roman beginnt mit Tilde Ahrens. Sie ist mit ihren 97 Jahren die Älteste des Familienclans, der mit seinen Nachkommen den Mittelpunkt der Geschichte bildet. Ihr schweres Schicksal, der weitere Verlauf ihres Lebens/Sterbens/Tod und ihr unmittelbare Einfluß auf die sie umgebenden Menschen werden immer wieder thematisiert und bilden das Gerüst für das aktuelle Geschehen. Die Entwicklung eines neuen Deutschlands wird hauptsächlich erzählt anhand der Familienmitglieder Ahrens und von Altdorff.Ich bekam mit der Geschichte beunruhigende Ausblicke in die nahe Zukunft, in das Jahr 2023. Die Pandemie ist gerade vorbei. Aus der Türkei droht die nächste große Flüchtlingswelle – Hauptziel Deutschland.Die Situationen und Handlungsabläufe werden anhand der verschiedenen Charaktere, zu denen es durchaus ähnliche Pendants zur heutigen politischen Szene gibt, sehr authentisch dargestellt.Mit dem Slogan „Wir sind Heimat“ erhob sich eine neue Partei, die BürgerUnion, nachdem die AfD implodiert war. Felix von Altdorff ist der Spitzenkandidat der Partei. Seine Ehefrau Trixie ist die Schwester von Hanna Ahrens, der ältesten Enkelin von Tilde.Schließlich erstarkten die nationalistischen, heimatbewussten Kräfte so sehr, dass die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten entschieden wurden. Die rechte Partei BürgerUnion siegt mit überwiegender Mehrheit. Felix von Altdorff, „die neue deutsche Hoffnung“, wird der neue Bundeskanzler mit großer Strahlkraft. Er ist der Typ Saubermann, der die Massen schon mit seiner Erscheinung beeindrucken kann. Erst recht mit seinem Hintergrund des uralten Adels, seiner aparten Frau und den properen Kindern. Durch seine charismatische Art versteht er es auch Hanna auf seine Seite zu ziehen, obwohl sie eine andere Einstellung hat. Sie wird ihm zunächst eine große Stütze in der politischen Arbeit sein.Sehr beeindruckend, wie Sarah Höflich es verstanden hat, in ihrem Debütroman so packende Szenen mit ungeheuerlicher Sogwirkung zu entwickeln. Die Ereignisse überstürzen sich. Die dramatische Entwicklung für die gesamte Gesellschaft wird überdeutlich. Extrem rechtsradikale Kräfte agieren mit roher Gewalt, ohne Rücksichten und ohne Verstand.Das schlichte Cover mit dem verfaulenden Apfel kommt für mich symbolträchtig daher. Sehr stimmig zur Geschichte! Hilfreich beim Lesen und Verstehen der Zusammenhänge ist der Stammbaum der Familie im vorderen Innenteil des Buches.Die politischen Geschehnisse sind fiktiv. NOCH! Ich verstehe das Buch als Warnung. Vieles kommt schon sehr realistisch und aktuell daher. Deshalb wehret den Anfängen. Wir müssen aufpassen.Ich empfehle den Debütroman mit der Höchstbewertung!
Eine Geschichte, deren Sog man sich nicht entziehen kann
Am Anfang war ich sehr irritiert, was das Cover mit dem faulen Apfel anbelangt.. Bezüglich des faulen Apfels- wenn man das Buch liest und umso weiter man in die Geschichte abtaucht, umso mehr versteht man dann, was der faule Apfel mit dieser zu tun hat. Ich finde es gut gemacht! Vermutlich hätte ich diesem Buch in einer Buchhandlung nach einem ersten Blick, keiner weiteren Beachtung geschenkt, aber ich muss gestehen, ich bin froh und dankbar, dass ich es lesen durfte.Der Roman entführt den Leser auf eine Zeitreise in das Jahr 1945, wo Tilde mit ihrem kleinen Säugling, als einzige der Familie den Krieg, bzw. die Flucht, wenn auch nur knapp, überlebt. Der Anfang einer Familiengeschichte, die in Rückblicken den Leser immer mehr verstehen lässt, warum manche Sachen sich so entwickelt haben. Der Roman selber spielt in der Zukunft, im Jahre 2023. Unterteilt ist dieser in Herbst/Versuchung, Frühling/Widerstand und Winter/Flucht. Am Anfang des Buches, gibt es einen Stammbaum, den ich, gerade am Anfang sehr oft genutzt habe. Das fand ich echt Prima und sehr hilfreich.Der Schreibstil der Autorin hat sich leicht und flüssig lesen lassen. Was hier sehr hervorsticht ist, das sie es, trotz das sich viel auf der politischen Ebene abspielt, es schafft, den Leser für sich zu gewinnen. Durch die gut dargestellten und unterschiedlichen Perspektiven der Sichtweisen, hat sie einen solchen Sog auf mich als Leserin ausgeübt, dass man sich diesem nicht mehr entziehen kann. Erschreckend realistisch, schildert die Autorin, welche Macht die Politik hat und was das alles auslösen kann. Zwischen Intrigen und den nacheifern von Idealen wird dem Leser hier eine packende Geschichte präsentiert, die einem sicher nicht so leicht los lassen wird.Immer wieder musste ich das Buch zur Seite legen um das gelesene sacken zu lassen, um zu begreifen- um nachzuvollziehen was da passierte und hoffe und bete für uns, besonders für unsere Kinder, das sie dieses Szenarium niemals erleben müssen.Fazit:Ein Buch gegen das Vergessen und dem Erinnern, das es niemals wieder so werden soll.Ganz großartige Leistung♥5 Sterne!
Pressestimmen
Großartiger Familienroman
19.03.2022
Ein großartiger Familienroman
12.03.2022
Dadurch, dass die Autorin den Konflikt im Wesentlichen in einer Familie verortet und mit gut gezeich...neten Charakteren verbindet, entsteht ein plastisches Bild davon, was Radikalisierung bedeutet. mehr weniger
Stephanie Wolff-Rohé, 17.01.2022
›Heimatsterben‹ ist der erste Roman der Drehbuchautorin Sarah Höflich, die ein durchaus gelungenes, ...lesenswertes Debüt vorlegt. mehr weniger
Petra Breunig, 28.09.2021
Ein großartiger Familienroman, der sich zusehends zum Politthriller entwickelt.
25.09.2021