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»Niemand weiß, wer ich bin, am allerwenigsten ich selbst.«

Ich, Sperling

Ein alter Mann blickt zurück auf seine oft unmenschliche Kindheit: Als namenloser Waise wächst er in einem Bordell inmitten der sogenannten „Wölfinnen“ im spanischen Carthago Nova im 4. Jahrhundert n. Chr. auf. Eine von ihnen, Euterpe, wird seine Ziehmutter: „Sperling“ nennt sie ihn liebevoll. Sperling weiß nicht viel von der Welt: Anfangs hilft er Euterpes geheimer Geliebten in der Küche, später schuftet er in der Taverne, bis er schließlich in das ominöse Obergeschoss geführt wird, wo die Prostituierten ihre Betten haben. Ein furchtbares Schicksal erwartet ihn dort. Doch wie ein kleiner Sperling entfliegt er in seiner Vorstellung der brutalen Realität immer wieder und vermag es, mit seinem Lied auch anderen Hoffnung zu geben.

Bibliografische Daten

EUR 10,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-44263-3
Erscheinungsdatum: 14.09.2023
1. Auflage
592 Seiten
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Ute Leibmann
Autor*innenporträt

James Hynes

James Hynes ist Absolvent des Iowa Writers' Workshop und veröffentlichte bisher drei hochgelobte Romane sowie eine Kurzgeschichtensammlung. Weitere Texte erschienen u. a. in der New York Times und Washington Post. Er lehrte Kreatives Schreiben an diversen Universitäten. Hynes lebt in Austin, Texas.  

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Übersetzer*innenporträt

Ute Leibmann

Ute Leibmann arbeitet seit vielen Jahren als freie Lektorin und Literaturübersetzerin aus dem Englischen, u. a. von Sarah Waters. Sie lebt in Düsseldorf.

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103 von 103 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.58 von 5 Sternen


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10 - 10 von 103 Leserstimme

kristina_al am 08.09.2023 11:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein grandioser Roman

Am Ende seines Lebens erzählt ein Mann seine Geschichte. In einer verstaubten Bibliothek schreibt er über sein Leben als namenloser Sklave im 4. Jahrhundert nach Christus. Er wächst in einem Bordell in der spanischen Stadt Carthago Nova auf, inmitten der sogenannten „Wölfinnen“. Verrichtet er anfangs noch die Arbeit eines Küchenjungen, wird er später, als sein „Wert“ erkannt wird, im oberen Stockwerk eingesetzt.Selten haben sich Cover und Titel so vom Inhalt eines Buches unterschieden wie hier. Das wunderschöne Mosaik in sanften Farben gibt in keinster Weise einen Hinweis auf das schmutzige Setting, das einem ab der ersten Seite entgegenschlägt. Der Gestank nach Fischköpfen, Schweiß und alles erdenklich Anderem strömt förmlich durch die Seiten beim Lesen. Die Geschichte des Pusus, des namenlosen Jungen, ist wirklich beeindruckend. Schonungslos und sehr genau beschreibt der Autor die Arbeit der Wölfinnen, die Brutalität und Demütigung, der sie ausgesetzt sind. Doch so erschütternd diese Passagen auch sind, so tief berührend fand ich die Beziehung zwischen dem Jungen und seiner Ziehmutter Euterpe. Anhand vieler Geschichten versucht sie, ihm Antworten auf seine ständigen Fragen zu geben. Sie ist es, die ihm, „dem Ding“, „dem Nichts“, die nötige Wärme und Liebe gibt, um in diesem Umfeld zu überleben. Hat man sich erstmal an das ungewöhnliche Setting gewöhnt, entwickelt das Buch eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. FazitEin grandioser Roman, der lange in Erinnerung bleiben wird.

hapedah am 08.09.2023 10:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Fesselnde historische Geschichte

Im spätrömischen Reich wächst ein Junge in einem Bordell auf, ohne zu wissen, woher er kommt und wer seine Eltern sind. Sowohl die Köchin Focaria als auch eine der Prostituierten, eine "Wölfin", die Euterpe genannt wird, kümmern sich um den Kleinen und vermitteln ihm sehr unterschiedliche Blickwinkel auf die Welt, in der sie leben. Sobald er groß genug ist, zu arbeiten, hilft "Pusus" zunächst in der Küche, später wird er in die Taverne beordert, wo die Freier essen, trinken und schließlich ins Obergeschoss zu den Wölfinnen gehen. Bis eines Tages eine der Wölfinnen ausfällt und der Besitzer des Etablissements beschließt, Pusus an ihrer Stelle arbeiten zu lassen. Von nun an entflieht der Junge immer wieder aus seinem Körper, wie ein Sperling, um der Brutalität seines realen Daseins zu entkommen."Ich, Sperling" von James Hynes ist ein fesselnder historischer Roman, der mich von der ersten Seite an komplett in seinen Bann gezogen hat. Als alter Mann blickt Sperling auf sein Leben zurück und schreibt auf, was ihm widerfahren ist, ohne etwas zu beschönigen und ohne Hoffnung, dass jemals ein Mensch seine Aufzeichnungen zu Gesicht bekommt. Dennoch spricht er seinen Leser immer wieder direkt an, was seine Schilderungen für mich besonders realistisch erscheinen ließ, die detaillierte Beschreibung seines Alltags hat mich emotional tief in die Geschichte hinein gezogen. Sowohl das Umfeld, in dem der Junge aufwächst, als auch die Figuren, die er trifft, haben sich für mich lebensecht angefühlt, die Handlung lief beinahe wie ein Film vor meinem geistigen Auge ab.Den Schreibstil habe ich als sehr mitreißend empfunden, ich mochte das Buch zwischendurch kaum aus der Hand legen und auch wenn ich gerade nicht gelesen habe, ist Sperling immer noch ständig in meinem Kopf herum gekreist. Die Beschreibung des Alltags aus dem Blickwinkel des Jungen zeichnet ein brutal ehrliches Bild der Gesellschaft in jener Zeit, immer wieder begegnen Sperling Zitate von Philosophen, die seine Eindrücke kritisch untermauern und mich beim Lesen zum Nachdenken angeregt haben. Das Ende lässt offen, wie Sperling nach Britannien kam, wo er als alter Mann diese Memoiren verfasst und wie sein Leben als Erwachsener weiter verlief - was mich hoffen lässt, dass der Autor eventuell über eine Fortsetzung nachdenken könnte. Mir würde es auf jeden Fall Freude machen, mehr von dieser spannenden Historiengeschichte lesen zu können. Für den Roman, der mich auf eine äußerst fesselnde Reise in die Vergangenheit geschickt hat, spreche ich eine begeisterte Leseempfehlung aus.Fazit: Von der ersten Seite an war ich tief in der Geschichte versunken, Sperlings Schilderungen seines harten Lebens von frühester Kindheit an war ein außergewöhnliches Lesevergnügen, das ich gern weiter empfehle.

marpije am 08.09.2023 09:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Harte Stoff

Ein altes Mann sitzt in einer Bibliothek und schreibt seine Lebensgeschichte - eine sehr harte Geschichte wo der Alltag von Schmerz und Demütigung geprägt ist, unsere Mann, der Sohn von niemanden war ein Sklave im spanischen Carthago- Nova im 4. Jahrhundert n. Chr. . Er war großgezogen in einen Bordell und die Prostituierte waren seine " Mütter "....Eine sehr bittere Geschichte, obwohl wir alle wissen dass damals das Leben von Sklaven nichts wert war, trotzdem hier das lesen tut weh, der Autor schreckt von nichts , er schreibt über die gewalttätige Alltag, Brutalität, Missbrauch und Ausnutzung, seine Sprache ist ( leider ) so plastisch, dass die Bilder in meinen Kopf entstehen von selber und das sind echt schreckliche Bilder wo der Mensch nichts wert ist.Die Personen hier sind sehr authentisch dargestellt genauso das Leben in diesen Zeiten, man merkt das hier viel Recherche dahinter steht, die Atmosphäre ist wie der Text sehr beklemmend und trüb.Eigentlich ich mag so harte Stoff nicht und normaleweise werde ich das Buch aufbrechen, bei diese Geschichte kann ich das nicht, sie hat eine magnetische Kraft welche hat mich bei dieser Buch wörtlich gefesselt, trotz die Grausamkeiten durch die wunderbare, emotionale und erzählerische Schreibstil das Buch kriegt von mir fünf Sterne, weil so gefühlsvolles Buch über die Deklassierten habe ich noch bis jetzt nicht gelesen. KLARE LESEEMPFEHLUNG

kleineperle am 07.09.2023 17:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Tiefsinniger Roman

Mich hat das wunderschöne Buchcover sofort in seinen Bann gezogen. Das Cover ist ungewöhnlich, im Mosaikstil und mit einem Sperling und eine Schlange versehen. Meine Fantasie war sofort angeregt und der doch etwas merkwürdige Titel: ich, Sperling, hat mich neugierig gemacht.Ich möchte nicht den Klappentext zitieren und generell schreibe ich in meinen Rezensionen nicht den Inhalt des Buches, denn die Personen oder die einzelnen Handlungsstränge sind auf dem Klappentext nachzulesen.Gefallen hat mir die Geschichte sofort. Sie beginnt mir Ich, Jakob, Sohn von Niemanden.....Wenn das nicht neugierig macht!Die Erzählperspektive wechselt mal aus der Sicht der Ich Perspektive, mal aus der Perspektive des alten Jakobs.Der Schreibstil ist schonungslos, fesselnd und sehr tiefgründig. Die Geschichte ist schwer zu verdauen.Die schonungslose Darstellung von Sklaverei, Sex und Gewalt zur Zeit des Römischen Reiches ist brutal und schmerzhaft. Man kann die dort erschaffene Welt förmlich spüren, riechen und hören. Dennoch macht dieser Roman Hoffnung, denn die Beschreibung einer Gemeinschaft, von Liebe, Loyalität und Freundschaft lässt mich ans Gute in der Welt glauben.Das Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven und behandelt Themen, wie körperliche und psychische Gewalt, Vergewaltigung, soziale Ausgrenzung, Tod und Prostitution. Der Roman ist einfallsreich, gut recherchiert und von subtiler Anziehungskraft.

buecher_rausch am 07.09.2023 14:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

meisterhaft

Das Cover finde ich wunderschön und ist mir sofort aufgefallen. Die Farben passen wunderbar zueinander und auch die Mosaiktiere wirken sehr gut.Die Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt.Der Schreibstil war sehr gut, die Geschichte wurde super aus dem amerikanischen übersetzt.Die Erzählperspektive wechselt mal aus der Sicht der Ich Perspektive, mal aus der Perspektive des alten Jakobs.Die Zeit der Sklaverei war furchtbar, das wird dem Leser richtig bewusst im Laufe der Geschichte. Wenn man bedenkt, dass es Menschenhandel gab, es gab keine Menschenrechte. Und sehr oft wussten sie nicht, wer ihre Eltern waren und woher sie eigentlich kommen.Es werden Themen wie Sklaverei, Sex und Gewalt in der Zeit des römischen Reiches dargestellt. Dies ist keine leichte Kost und ich musste ab und zu pausieren, um das Gelesene zu verarbeiten.Es handelt allerdings auch um Liebe, Freundschaft und Loyalität.Ein fesselnder Roman, der mich noch lange beschäftigen wird.

julchentim am 07.09.2023 07:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Brutal detailgetreu - berauschend ehrlich

Diese historische Coming of Age Geschichte im Römischen Reich ist brutal ehrlich und schmerzhaft lebendig! Achtung! Dieses Buch ist nichts für Zartbesaitete!Zur Handlung möchte ich wie immer nicht viel schreiben, da ich die x-te Zusammenfassung für unnötig halte.James Hynes hat es mit dieser Geschichte geschafft einen Page-Turner zu kreieren, der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat.Die schonungslose Darstellung von Sklaverei, Sex und Gewalt zur Zeit des Römischen Reiches ist brutal und schmerzhaft. Man kann die dort erschaffene Welt förmlich spüren, riechen und hören. Dennoch macht dieser Roman Hoffnung, denn die Beschreibung einer Gemeinschaft, von Liebe, Loyalität und Freundschaft lässt mich ans Gute in der Welt glauben.Ich kann diese fesselnde Geschichte vom Sperling Jakob jedem ans Herz legen, der sich gerade in (Herz)Schmerz und Gefühlen verlieren möchte.

büchermädchen am 06.09.2023 11:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Überzeugend ehrlich

Das Cover des Buches zeigt einen Sperling aus Mosaik und beschreibt damit schon ein wenig, worum es geht. Sperling, ein Junge, ohne richtigem Namen wächst als Sklave in einem Bordell im 4. Jahrhundert n. Chr. auf. Aus Sicht eines kleinen Jungen erzählt James Hynes die Geschichte eines Kindes, das nie ein Kind sein durfte. Als Sklave muss er lernen, in einer Welt zu überleben, in der er nur so viel zählt, wie die Arbeit, die er verrichten kann. Zwischen der Gewaltherrschaft des Zuhälters, der Liebe seiner Ziehmutter und der Arbeit im Bordell - erst als Laufbursche, dann als Wölfin - muss der Junge lernen zu überleben. Seine Gefühle und seine Angst sind dabei so ehrlich und überzeugend dargestellt, dass man den jungen Sklaven am Liebsten mitnehmen und in Sicherheit bringen würde. Ungeschönt wird das Leben eines Menschen erzählt, der nichts besitzt. Nicht einmal sich selbst. Dabei überzeugen auch die Nebencharaktere. Die Wölfinnen - wie die Mädchen genannt werden - bei denen Sperling aufwächst. Anfangs fällt es etwas schwer, sie auseinanderzuhalten, doch man gewöhnt sich beim Lesen rasch an die Namen. Vor allem Euterpe sticht heraus, die zu einer Ersatzmutter wird und Sperling mit Geschichten am Leben erhält. Zwischen Schmerz, Angst und Gewalt gibt es so auch immer wieder Szenen voller Zuneigung, Lachen und Liebe. Melpomene überzeugt vor allem durch ihre Stärke und Intelligenz und Focaria, die Köchin ist sehr zwiespältig, aber dennoch sympathisch dargestellt. Leider erfährt man nicht, wie Sperling später nach Britannien kam, wo er seine Geschichte erzählt. Das hätte ich mir noch gewünscht. Zumindest kurz zusammengefasst. Das Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven und behandelt Themen, wie körperliche und psychische Gewalt, Vergewaltigung, soziale Ausgrenzung, Tod und Prostitution. Dadurch ist das Buch, obwohl es in der Vergangenheit spielt sehr aktuell in seiner Thematik und zeigt mit einem einfachen, dennoch philosophischen Schreibstil und seiner erschreckend realen Geschichte überdeutlich auf, warum es wichtig ist, für seine Rechte zu kämpfen.

holzfrieden am 06.09.2023 09:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein Leben wie es nicht sein sollte

„Pusus ist nicht dein Name“, sagt sie. „Pusus ist nur ein anderes Wort für Junge. Genauso wie Focarina nicht mein Name ist. Es ist nur ein anderes Wort für Köchin. Früher hatte ich mal einen Namen, aber den habe ich nicht mehr. Jetzt habe ich das hier… Sie fährt mit dem Finger an der Innenseite des eisernen Halsbandes entlang, das über ihrem Schlüsselbein sitzt. Ich weiß nicht, ob du jemals einen Namen hattest.“ (Seite 72)Der alte Jakob schreibt seine Erinnerungen auf. Mit obigem Zitat kann man schnell erahnen, wie sein Leben ausgesehen haben mag. Man muss sich einlassen, auf die Zeit der Sklaverei und willens sein, in diese Welt einzutauchen. Gelingt einem dieses nicht, ist die Lektüre dieses Buches nicht möglich.Die Zeit der Sklaverei war barbarisch, das wird einem immer bewusster, je weiter man in diesem Buch liest. Aus heutiger Sicht kann man es gar nicht fassen, dass Menschen verkauft wurden und alle Rechte verloren. Sie wussten oft nicht, woher sie kamen, wer ihre Eltern waren oder wie sie hießen.So ergeht es auch unserem Protagonisten Jakob, von allen nur Pusus genannt. Aufgrund einer Verwechslung, man dachte, er sei ein Mädchen, als man ihn kaufte, landet Pusus als SklaveJunge in einem Bordell. Zunächst hat Pusus so etwas wie Glück. Er hat quasi zwei „Mütter“: Focarina, die ihn abhärten will für das reale Leben und Euterpe, die ihn mit Märchen und mutmachenden Geschichten ein anderes Leben erahnen lässt. Die Erzählperspektive wechselt, mal ist es die Ich-Perspektive des kleinen Pusus, mal die des greisen Jakobs, derben Leser direkt anspricht. Man ahnt schnell, wie die Geschichte weitergeht und muss schon hart im Nehmen sein. Dennoch ist dieser Roman wunderbar erzählt.

rahel.katharina am 06.09.2023 08:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

„Ein Topf hat keinen Namen und ich habe auch keinen Namen“

In diesem Buch erzählt uns Jakob seine Lebensgeschichte. Jakob ist ein Niemand, seinen Namen hat er sich irgendwann selbst gegeben. Davor hatte er viele Namen: Pusus (Junge), Maus, Kleiner, Sperling und noch einige mehr. Doch beginnen wir am Anfang seiner Geschichte. Das Buch startet nach einer kurzen Einleitung, in der Jakob erzählt, wer er ist, damit, dass wir in seine frühste Kindheit, seine frühsten Erinnerungen einsteigen. Diese sind hart. Er sitzt in einer Küchenecke, während jemand wütend Fische entgrätet und ihm die Reste entgegenschleudert, dann ist er Zeuge einer Beinahe Vergewaltigung und einer üblen Schlägerei. Schon nach den ersten Seiten ist klar, das Buch wird kein leichtes Buch sein, es wird Gewalt geben und der noch namenlose Junge ist weniger wert als ein Sklave.Wir befinden uns in einer Taverne mit Bordell im spanischen Carthago Nova im 4. Jahrhundert nach Christus. Mit dem Jungen kann niemand wirklich etwas anfangen, also beschließt der grobe Audo, der das Bordell leitet, dass der Junge arbeiten soll. Seine Erziehung übernehmen die Köchin, die ganz gerne selbst mal austeilt und eine der Wölfinnen (eine der Prostituierten, die im Obergeschoss arbeiten) mit Namen Euterpe. Euterpe ist mir während des gesamten Buches wirklich sehr ans Herz gewachsen. Sie liebt den Jungen und bringt ihm so viel bei, wie sie nur kann. Euterpe kann lesen, schreiben und rechnen und ist gebildet. Ihr Vater hat ihr damals als sie kleiner war viel beigebracht, was sie jetzt nach und nach an Pusus weitergibt. Wir wissen nicht, wie alt der Junge wirklich ist, aber er beginnt mit Schrubbarbeiten und je größer er wird, desto mehr Arbeit kann er ausführen. Während die Köchin in auf das harte Leben vorbereitet und ihn sogar mit nach draußen nimmt für die Einkäufe und das Wasserholen, will Euterpe ihn beschützen. Meist sitzt der Junge morgens im Garten auf ihrem Schoß, hört sich viele ihrer Geschichten an und lernt dann nach und nach von ihr sogar ein bisschen lesen und rechnen. Wer jetzt aber denkt, na das hört sich doch alles halb so wild an, der täuscht sich. Dieses Buch ist brutal, bedrückend, in weiten Teilen einfach hoffnungslos. Pusus muss das tun, was ihm gesagt wird, als er größer ist holt er morgens Wasser von einem Brunnen, macht in der ganzen Stadt Einkäufe, hilft in der Küche, schrubbt die Böden. Einzig die Zeit mit Euterpe lassen Hoffnung aufkommen. Sie erzählt ihm auch vom Sperling, der frei ist, dass zu tun, was er will. Er kann wie das Huhn am Boden Nahrung suchen, aber auch wie ein Mauersegler davonfliegen. Der Sperling hat es dem Jungen angetan und er wird später selbst immer wieder zum Sperling werden und seinen Körper „verlassen“, während unaussprechliche Dinge mit ihm getan werden. Alles, um den Schmerzen zu entkommen.Während Euterpe versucht den Jungen liebevoll aufzuziehen und ihn zu beschützen, kommt es nach und nach allerdings dazu, dass er erst in der Taverne mithelfen muss, dann im Obergeschoss. Als dann eine der Wölfinnen ausfällt, kommt es in einer mehr als nur heftigen Szene dazu, dass er von nun an selbst im Obergeschoss als eine der Wölfinnen arbeiten und Freier beglücken muss. Dabei ist er erst ungefähr 10 Jahre alt.„Mein einziger Daseinszweck ist es, von anderen benutzt zu werden“Wie gesagt, das Buch ist brutal, ehrlich, erschreckend, zeigt die Abgründe der Menschen auf und man weiß von Anfang an, dass es nur noch schlimmer wird. Die Stimmung ist gedrückt und etwas düster. Jakobs Leben bewegt sich mehr und mehr auf einen Abgrund zu. Er ist schon ganz unten, am unteren Ende der Hierarchie und man weiß ganz genau, sein Leben kann nur noch schlimmer werden. Selbst Euterpes Aufmunterungen, ihre Liebe und ihre Geschichten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jakob ein grausames Leben führt. Sie versucht ihn so lange wie möglich zu schützen, gerade vor der Arbeit im Obergeschoss als eine der Wölfinnen. Dennoch muss sie sich irgendwann eingestehen, dass sie nichts zu sagen hat und dem Jungen nicht helfen kann. „Dann lässt sie mich los, als würde sie einen Vogel aus ihren Händen in die Lüfte steigen lassen.“Das es so kommen musste, sagt ihr auch die Köchin immer wieder:„Was ich will, spielt keine Rolle…was du willst spielt keine Rolle. Und was er will….Es war doch von Anfang an klar, dass es so kommt.“Das Buch ist kein Buch für schwache Nerven, es ist harte Kost. Doch der Autor hat es so unfassbar gut geschrieben, dass man vollkommen in die Geschichte gezogen wird und das Buch kaum aus der Hand legen kann. Ein Buch, das noch im Nachgang beschäftigt und die damalige Zeit in all ihren unschönen Facetten zeigt.

mixitack am 05.09.2023 22:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

"Mein einziger Daseinszweck ist es, von anderen benutzt zu werden"

Schon auf den ersten Seiten der Leseprobe war klar, dass diese Geschichte hart und erschreckend werden wird. Schonungslos, brutal und berührend schafft es James Hynes die fiktive Geschichte eines Waisenkindes und Sklaven im römischen Reich glaubhaft zu schildern. Ein alter Mann der in einer Bibliothek sitz erzählt Rückblickend von seinem Leben. Jakob, so erfährt der Leser, ist sein Name, diesen hat er sich selbst geben. Namenslos wächst er zunächst als Waisenkind und Sklave in einem Bordell im spanischen Carthago Nova auf. Dort gaben ihn andere Namen wie Pusus(Junge), Maus und zum Schluss Antiochus und Antinoos. Etwas später erfahren wir, dass er eigentlich als weiblicher Sklave für das Bordell von einem Schiff gekauft wurde, aber erst auf dem Anwesen sich herausstellte, dass er männlich ist. So muss er sich nach und nach seinen Wert für das Bordell erarbeiten. Er lernt schnell, dass er als Sklave nur ein Ding ist und daher auch sein Name vorerst nur Junge ist, wie ein Topf nur Topf heißt. Er ist ersetzbar und sollte er weiter verkauft werden, würde eben ein anderer seinen Namen erhalten und seinen Platz einnehmen. Sein Alter weiß er selbst nicht genau, aber zunächst werden ihm als Sklaven nur leichtere Hilfstätigkeiten aufgegeben. Später im Verlauf der Geschichte, darf er dann selbst Botengänge außerhalb des Bordellanwesens tätigen.Die Köchin und Euterpe, eine der Prostituierten, kümmern sich so gut es ihnen möglich ist um den kleinen Jungen und bringen ihm das nötige Wissen bei. Sie sind Bezugspersonen die ihm den Halt geben und unterstützen. Euterpe schafft es durch viele Geschichten und Fabeln dem Jungen die Welt zu erklären. Unter anderen erzählt sie ihm vom Sperling, der auf den Boden Futter findet, wie das Huhn, sowie auch er auch in der Luft in Sicherheit ist, sowie der Mauersegler. Der Sperling wird schnell ein Tier mit dem sich der Junge verbunden füllt und er wechselt bei traumatischen Erlebnissen in die Vogelperspektive und sieht sich selbst aus der Sicht von dem Sperling. Ein Schutzmechanismus den er Entwickelt um nicht in seiner Welt zu zerbrechen.Sein hartes Leben ist schon berührend genug, aber verdichtet sich zu einem Höhepunkt in seinem zehnten Lebensjahr. Durch besondere Umstände fällt eine Prostituierte im Bordell aus und der Junge wird von seinen Vorsteher darauf vorzubereitet diese Lücke im Bordell zu schließen. Gibt es noch das Happy End für den Jungen?Eine Geschichte die spannend war und mich mitgerissen hat. Ich konnte, dass Buch nicht aus der Hand legen und habe es in einen Rutsch durchgelesen. Für historienliebbar auf jeden Fall empfehlenswert. Alle die nicht nur Liebesromane und Fantasy Bücher lesen wollen, ebenfalls ein gutes Buch um seinen Lesehorizont zu erweitern.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Freundin
Fesselnder Historienroman, der in die Welt der Antike entführt.

18.10.2023

Schaufenster Miltenberg
Absolut lesenswert!

06.12.2023

Lift Stuttgart
Spannende Einblicke in die Welt der Antike. Von Anfang bis Ende fesselnd.

Yannic Skoko, 01.12.2023

Die Presse am Sonntag
Höchst spannend und informativ.

Linda Stift, 19.11.2023

Elle
Bildgewaltig. Und sehr bewegend.

01.11.2023

Annabelle
Der Autor James Hgnes, der für die «NewYork Times» oder die «Washington Post» schreibt, schildert p...räzise recherchiert und in fantastisch bildlicher Sprache, wie die unterste Klasse im spätrömischen Reich lebte. mehr weniger

20.10.2023

freizeit.at
Nicht Helden oder Kaiser stehen in diesem fesselnden Roman aus der Spätzeit des römischen Reichs im... Fokus, sondern die Ausgestoßenen und Außenseiter. Brilliant. mehr weniger

10.10.2023

Hörzu
Ein saftiges Epos, dessen Stärke detaillierte Beschreibungen sind.

02.10.2023

Freizeit (Kurier)
Nicht Helden oder Kaiser stehen in diesem fesselnden Roman aus der Spätzeit des römischen Reichs im ...Fokus, sondern die Ausgestoßenen und Außenseiter. Brillant. mehr weniger

Andreas Bovelino, 30.09.2023

Badische Neueste Nachrichten
Die 'Wölfin' Euterpe, die sich in mütterlicher Sorge um den hübschen 'Sperling' kümmert und ihm so e...twas wie eine humane Erziehung vermittelt, zählt zu den stärksten, nachhaltigsten Figuren des Romans. mehr weniger

Rüdiger Krohn, 27.09.2023