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Das turbulenteste und spannendste Jahr der Weimarer Republik

Im Rausch des Aufruhrs

1923 ist das Jahr der Hyperinflation, in der Angestellte die Geldscheine eines Wochenlohns mit der Schubkarre transportierten. 1923 ist das Jahr der Besetzung des Ruhrgebiets und einer heftigen Streikwelle. 1923 ist das Jahr von blutig niedergeschlagenen kommunistischen und nationalsozialistischen Aufstandsversuchen. Und es ist das Jahr radikaler Gegensätze zwischen bitterer Armut einerseits und einer orchideenhaft blühenden Unterhaltungskultur.

1923 ist in seiner Ambivalenz das Ende der Nachkriegszeit und der Auftakt zu den Goldenen Zwanzigerjahren der Weimarer Republik.

Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen.

Bibliografische Daten

EUR 24,00 [DE] – EUR 24,70 [AT]
ISBN : 978-3-423-29004-3
Erscheinungsdatum: 16.03.2022
1. Auflage
352 Seiten
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Christian Bommarius

Christian Bommarius, Jahrgang 1958, studierte Germanistik und Rechtswissenschaft. Nach journalistischen Stationen, etwa als Korrespondent beim Bundesverfassungsgericht, war er von 1998 bis 2017 Redakteur der ›Berliner Zeitung‹, anschließend Kolumnist der ›Süddeutschen Zeitung‹ und ist seither freier Publizist. Für sein publizistisches Werk wurde Bommarius der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste Berlin zuerkannt. 

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86 von 86 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.59 von 5 Sternen


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2 - 10 von 86 Leserstimme

evaczyk am 06.04.2022 15:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Geschichte und Geschichtchen aus einem wilden Jahr

"Tanz auf dem Vulkan" ist eine der Zuschreibungen der deutschen Gesellschaft in den 1920-er Jahren, und das Buch "Im Rausch des Aufruhrs. Deutschland 1923" von Christian Bommarius macht schnell klar, warum das so ist. In monatlich gegliederten Kapiteln beschreibt der Autor in Geschichte und Geschichtchen das Jahr der Hyperinflation, des Elends auf der einen und des exzessiven Rauschs auf der anderen Seite, von einer blühenden, wilden Kultur, die vieles althergebrachte in Frage stellte, und denen, die die alte Ordnung wiederherstellen wollten. Der Erste Weltkrieg liegt gerade mal fünf Jahre zurück, die Folgen sind für die deutsche Bevölkerung oft schmerzlich spürbar. Bis die Nationalsozialisten an die Macht kommen, wird es noch zehn Jahre dauern. Doch nicht nur Hitlers gescheiterter Putsch im November ist als Zeichen an der Wand zu sehen. Schilderungen von schwarzer Reichswehr, von Freikorps, von Antisemitismus und Verherrlichung des alten Militarismus machen klar, dass nicht nur der Kaiser im niederländischen Exil auf andere Zeiten hoffte.Geschrieben in anekdotenhaften Stil, mitunter leicht kalauernd ("Die Deutschen schwimmen nicht nur in Geld, sie ertrinken darin") oder aus heutiger Sicht mit ironischen Seitenhieben ("Flughäfen bauen, das können die Berliner", tauchen nicht nur bekannte Namen aus der Politik auf, sondern auch aus Kultur und Gesellschaftsleben, ob Hans Fallada oder Thomas Mann, George Grosz oder Max Reinhardt, die junge Marlene Dietrich oder der sterbenskranke Frank Kafka mit seiner letzten Liebe. Auch Anita Berber, Femme Fatale und Nackttänzerin darf als Symbol von Rausch, Dekadenz und sexueller Freiheit und Freizügigkeit nicht fehlen.Wer beim Serien-Binging sehnsüchtig auf den nächsten Teil von "Babylon Berlin" wartet, wird so manches Vertraute wiederfinden, historisch Interessierte finden am Beispiel des Jahres 1923 ein Zeit- und Sittenbild, das eingängig zu lesen und auf unterhaltsame Weise informativ ist. Es schadet sicherlich nicht, zumindest ein bißchen Vorkenntnisse über die Weimarer Republik und Politik, Wirtschaft und Kultur der Zeit zu haben. Ansonsten dürfte das ausführliche Personenverzeichnis am Ende des Buches manche Wissenslücke schließen und das Buch verständlicher machen. "Im Rausch des Aufruhrs" ist gut geschriebenes Infotainment einer spannenden Zeit, in der den einen noch alles möglich schien und die anderen vor dem Nichts standen.

amirasbibliothek am 06.04.2022 14:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Positiv überrascht!

Ich habe die Leseprobe damals geöffnet, weil es mich angesprochen hat, klar. Aber das ich soviel mit dem Thema anfangen kann, hätte ich dann doch wiederum nicht gedacht. Tatsächlich ist es ganz schlau gemacht: In einer Mischung aus Prosa und zeitungsähnlicher Berichterstattung werden den Lesenden Begebenheiten aus dem Jahr 1923 schmackhaft gemacht, die einen in einem Vorlesungssaal mitunter zum Gähnen gebracht hätten. Es geht gar nicht darum, die Personen und Ereignisse zu kennen, sondern ein Gefühl für die Zeit zu bekommen und wie es sein konnte, dass auch in der Folgezeit so viele Umbrüche ins Rollen gebracht wurden. Das hat der Autor wirklich gekonnt und innovativ aufgearbeitet. Wichtig war aber, dass er es in kleinen Häppchen serviert, sonst hätte ich das Buch wahrscheinlich dennoch viel früher zur Seite gelegt. So aber hatte ich meinen Spaß, wenn es auch nicht jedermanns sein wird. Ein bisschen Geschichtsinteresse sollte gegeben sein, da man mit vielen Einzelheiten überladen wird, die man erstmal nachgucken muss.

Eva am 06.04.2022 13:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Geschichte und Geschichtchen eines wilden Jahres

"Tanz auf dem Vulkan" ist eine der Zuschreibungen der deutschen Gesellschaft in den 1920-er Jahren, und das Buch "Im Rausch des Aufruhrs. Deutschland 1923" von Christian Bommarius macht schnell klar, warum das so ist. In monatlich gegliederten Kapiteln beschreibt der Autor in Geschichte und Geschichtchen das Jahr der Hyperinflation, des Elends auf der einen und des exzessiven Rauschs auf der anderen Seite, von einer blühenden, wilden Kultur, die vieles althergebrachte in Frage stellte, und denen, die die alte Ordnung wiederherstellen wollten.

Der Erste Weltkrieg liegt gerade mal fünf Jahre zurück, die Folgen sind für die deutsche Bevölkerung oft schmerzlich spürbar. Bis die Nationalsozialisten an die Macht kommen, wird es noch zehn Jahre dauern. Doch nicht nur Hitlers gescheiterter Putsch im November ist als Zeichen an der Wand zu sehen. Schilderungen von schwarzer Reichswehr, von Freikorps, von Antisemitismus und Verherrlichung des alten Militarismus machen klar, dass nicht nur der Kaiser im niederländischen Exil auf andere Zeiten hoffte.

Geschrieben in anekdotenhaften Stil, mitunter leicht kalauernd ("Die Deutschen schwimmen nicht nur in Geld, sie ertrinken darin") oder aus heutiger Sicht mit ironischen Seitenhieben ("Flughäfen bauen, das können die Berliner", tauchen nicht nur bekannte Namen aus der Politik auf, sondern auch aus Kultur und Gesellschaftsleben, ob Hans Fallada oder Thomas Mann, George Grosz oder Max Reinhardt, die junge Marlene Dietrich oder der sterbenskranke Frank Kafka mit seiner letzten Liebe. Auch Anita Berber, Femme Fatale und Nackttänzerin darf als Symbol von Rausch, Dekadenz und sexueller Freiheit und Freizügigkeit nicht fehlen.

Wer beim Serien-Binging sehnsüchtig auf den nächsten Teil von "Babylon Berlin" wartet, wird so manches Vertraute wiederfinden, historisch Interessierte finden am Beispiel des Jahres 1923 ein Zeit- und Sittenbild, das eingängig zu lesen und auf unterhaltsame Weise informativ ist. Es schadet sicherlich nicht, zumindest ein bißchen Vorkenntnisse über die Weimarer Republik und Politik, Wirtschaft und Kultur der Zeit zu haben. Ansonsten dürfte das ausführliche Personenverzeichnis am Ende des Buches manche Wissenslücke schließen und das Buch verständlicher machen. "Im Rausch des Aufruhrs" ist gut geschriebenes Infotainment einer spannenden Zeit, in der den einen noch alles möglich schien und die anderen vor dem Nichts standen.

ayda am 04.04.2022 17:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein hochwertiges Buch und Einblicke in ein Stück Zeitgeschichte...

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, es ist wunderschön und vom Papier sehr hochwertig hergestellt. Im Rausch des Aufruhrs führt uns über Jahr in die Vergangenheit 1923 und gibt uns historische Einblicke. Jeder Monat ist quasi ein Kapitel mit Bildern bestückt. Es ist schon eher ein hochwertiges Sachbuch wie ich finde, das ich sehr gerne gelesen habe. Wir erfahren was in den Monaten in verschiedenen Themenbereichen passiert ist, dazu zählen vor allem Politik, Wirtschaft und Kultur. Dann treffen wir natürlich noch auf verschiedene bekannte Persönlichkeiten aus diesen Bereichen und blicken aus deren Perspektive auf diese Zeit. Es ist tatsächlich ein Panorama des Jahres 1923, die sog. "Weimarjahre".Der Schreibstil ist sehr flüssig und schön zu lesen, sehr lehrreich und interessant.Ich habe einiges gelernt und ich denke, ich werde an der einen oder anderen Stelle nochmal in das Buch reinlesen. Es ist ein Stück wichtige Zeitgeschichte und die Anfänge einer Demokratie. Ein tolles Buch für Historien Begeisterte, ich fand es sehr gut und bedanke mich ganz herzlich.

missbibliophile am 04.04.2022 17:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Vor hundert Jahren...

Christian Bommarius' Sachbuch "Im Rausch des Aufruhrs" unterscheidet sich von anderen Sachbüchern, die über eine bestimmte Epoche handeln, dadurch, dass es voller kleiner Anekdoten über berühmte (und nicht so berühmte) Persönlichkeiten ist. Viele von ihnen kann man als Leser*in über das gesamte Jahr 1923 begleiten, andere tauchen nur einmal auf. Das Konzept ist deshalb außergewöhnlich, aber kurzweilig. Vor allem als geschichtsinteressierte Person hatte ich meine Freude am Buch, obwohl ich mir manche Anekdoten länger gewünscht hätte. Trotz der Bruchstückhaftigkeit existiert ein roter Faden in Form der Inflation in der Weimarer Republik: Lebensmittelpreise steigen von einem Tag auf den anderen auf wahnwitzige Höhen, was den meisten Menschen Sorgen bereitet - anderen jedoch, sowohl politisch, als auch wirtschaftlich, zum Vorteil gereicht. Ohne diesen roten Faden hätte das Buch leicht chaotisch wirken können, denn der Autor beleuchtet viele Aspekte des Lebens damals in Deutschland: Kunst, Kultur, Politik, Medien, Wirtschaft, etc. Für einen generellen Überblick über das Leben im Jahr 1923 ist das Buch super geeignet, v.a., wenn man diesen Überblick auf lebendige Weise erhalten möchte. Ohne Vorkenntnisse (Epoche und Menschen) dürften allerdings viele Fragezeichen entstehen.

monikaliebtlesen am 02.04.2022 14:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Im Deutschland der 20er Jahre

Obwohl die Ereignisse und Geschehnisse aus „Im Rausch des Aufruhrs“ von Christian Bommarius (dtv, 2022) nahezu 100 Jahre alt sind, könnten sie aktueller nicht sein. In 12 Monatskapiteln nimmt uns der Autor mit in das Europa der beginnenden "roaring twenties" und die Zeit der Weimarer Republik. Fesselnd collagiert er Portraits und Geschichten und erzählt mitreißend und mit immer überraschenden Wendungen vom neuen Menschen, von Weltstars und Sternchen aus Film, Kunst und Literatur, von (Hyper-)Inflation, von politischen Strömungen und Kämpfen, dem aufkommenden Antisemitismus, der gegensätzlichen Zeit nach dem 1. Weltkrieg und dem Traum von einer besseren Zukunft. Wir, die wir heute den weiteren Verlauf der deutschen und europäischen Geschichte kennen, sollten dieses lesenswerte Buch zum Anlass nehmen, es besser zu machen.

basilisque am 31.03.2022 23:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Geschichten in der Zeitgeschichte

Das Buch erzählt von entscheidenden Ereignissen des Jahres 1923, welche bereits ihre Schatten auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 voraus werfen. Es werden jedoch nicht einfach trockene Daten und eine Auflistung von geschichtlichen Ereignissen wiedergegeben, sie sind in das gesellschaftliche Leben und die Atmosphäre des entsprechenden Jahres eingebettet. Schon das Cover vermittelt das typische 20er-Jahre-Gefühl mit Partynächten, Spiel mit den Geschlechtern (ist die Person auf der linken Seite ein Mann oder eine Frau?), aber auch dem Kontrast zwischen schillernden Farben und grauem Hintergrund, dem Leben selbst, das unterschwellig stets bedroht scheint. Das Buch fängt die Stimmung und das Leben in dieser Zeit ein, etwas, das in reinen Geschichtsbüchern oft zu kurz kommt. Das einfache Volk kommt genauso zur Sprache wie die Politiker und Kulturschaffenden dieser Ära. Es erzählt davon, wie es ist, im Jahr 1923 zu leben. Das hilft auch, gewisse geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen einzuordnen.Das Buch ist in Monatskapiteln eingeteilt, mit einer kurzen Zusammenfassung am Anfang jeden Kapitels. Der Einstieg in das Buch ist etwas gewöhnungsbedürftig, da es in kürzeren Sektionen von einem Thema zum nächsten springt. Wenn man sich aber daran gewöhnt hat, wird es regelrecht schwierig, das Buch zur Seite zu legen, weil es so unterhaltsam ist.Es lohnt, sich die Namen der auftretenden Entertainer, Schriftsteller und Politiker zu merken. Wir verfolgen ihre Geschichten über mehrere Monate hinweg. Man entdeckt alte und neue Bekannte. Als interessantes Detail sind in jeder Monatszusammenfassung der aktuelle Wert der Deutschen Mark im Verhältnis zum Dollarkurs sowie der gerade geltende Brotpreis angegeben. Dies führt dem Leser sehr deutlich – und ja, auch beängstigend – vor Augen, was die Inflation für die deutschen Bürger bedeutet haben mag. Etwas unheimlich muten allfällige geschichtliche und wirtschaftliche Parallelen zum aktuellen Jahr 2022 an. Das Buch ist eine Mischung zwischen Geschichtsbuch und Gesellschaftsporträt von Deutschland 1923. Nach der Lektüre weiss man über das Wichtigste Bescheid. Für einen Gesamtüberblick mag es dem Leser bereits genügen. Es animiert jedoch Leute, die an Geschichte interessiert sind, sich in das eine oder andere Thema weiter einzulesen. Alles in allem sehr empfehlenswert für alle, welche nicht nur an Geschichte, sondern auch an dem Lebensgefühl der 20er Jahre interessiert sind.

lilli-marleen-art am 29.03.2022 20:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein sehr interessantes Buch über ein spannendes Jahr

Deutschland im Jahr 1923. Dieses Jahr wird ein sehr prägendes Jahr für die Geschichte werden. Die Franzosen und die Belgier haben das Ruhrgebiet besetzt. Hitler begeht seinen Putschversuch in München. Im Oktober kostet ein Brot 1.743.000.000 Mark. Die Arbeitslosenquote steigt stetig. Es gibt blutige Aufstände. Aber neben all diesen schrecklichen Sachen blüht das Kulturleben regelrecht auf.Christian Bommarius versteht es, die Geschichte dieses Jahres wirklich spannend zu erzählen. Jedem Monat ist ein Kapitel gewidmet. Man weiß auch sofort, was einen erwartet, da jedem Kapitel eine kurze Zusammenfassung vorausgeht. Man erfährt Interessantes aus dem Alltagsleben der Menschen, aus dem Kultur- und Nachtleben, Politik und Wirtschaft. Alles sehr verständlich erzählt. Ganz am Ende gibt es noch ein Personenregister. Hier erfährt man, wie es mit den im Buch genannten Personen weitergegangen ist. Das fand ich besonders gut, weil man nicht selber nachforschen muss. Sehr durchdacht.Überhaupt ist das ganze Buch schön durchdacht und wird für jeden Geschichtsinteressierten eine Freude sein.

viv29 am 28.03.2022 12:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Kurzweilig und informativ

Christian Bommarius nimmt uns in diesem Buch mit auf eine Reise durch das Jahr 1923, in dem so viel geschah und das doch bisher in der Literatur verhältnismäßig wenig Beachtung erfuhr. Dies geschieht in Berichten über verschiedene Leute und Geschehnisse, die wir von Monat zu Monat begleiten. So wechseln wir von dem demotivierten und erfolglosen Bankangestellten Joseph Goebbels zu Vertretern der rechten Hugenbergpresse, Künstlern, politischen Aktivisten, dem Serienmörder Haarmann und auch ganz normalen Mitmenschen. Der Vergleich mit Illies, der ähnlich aufgebaute Bücher über andere wichtige Jahre oder Epochen schrieb, drängt sich natürlich auf. Bommarius‘ Stil ist weniger literarisch, zugänglicher, manchmal ein wenig süffisant und angenehm lesbar. Erfreulich finde ich, dass er sich auf eine übersichtliche Gruppe von Leuten beschränkt, anstatt uns ein Schicksal nach dem anderen vor die Füße zu werfen, bis man vor lauter Namen nicht mehr ein noch aus weiß. So hat das Buch einen persönlicheren Bezug. Jedem Monat ist ein Kapitel gewidmet, dem zwei passende Fotos vorangestellt sind, ebenso wie eine knappe Zusammenfassung der Geschehnisse in dem jeweiligen Monat. Diese endet jeweils mit dem Preis für Brot – eine hervorragende Methode, uns die galoppierende Hyperinflation zu verdeutlichen. Zu Beginn des Jahres kostet das Brot 250 Mark, im Dezember 399 000 000 000 Mark. Oben auf jeder Seite finden wir links den Monat und rechts einige Worte zum Inhalt der Seite (z.B. „Christian Kraft ist seine Sorgen los“ oder „Aus Pretzel wurde Haffner“). Das ist alles schön übersichtlich und oft pfiffig. Am Ende des Buches erfahren wir in einer Übersicht, was aus jenen Leuten, die wir durch das Jahr 1923 begleiteten, später wurde. Auch das ist willkommen, ebenso wie die Quellenangaben, die den Anhang abrunden. Optisch spricht das Buch ebenfalls an. Erfreulich fand ich die Vielfalt der Themen – Kultur, Politik, Alltag, Lebensumstände, Wirtschaft, es ist alles dabei. Mir war es etwas zu viel Politik und etwas zu wenig Alltag, denn die politischen Entwicklungen kenne ich, an diesem Buch hatte mich eigentlich der Blick auf das allgemeine Leben gereizt. Aber das sind natürlich auch persönliche Präferenzen, größtenteils ist die Mischung für mich gut gelungen. Es gibt viele interessante Hintergrundinformationen, die sowohl persönliche wie auch politische Zusammenhänge gut erklären, nur gelegentlich fehlten mir einige erklärende Sätze zu einer knappen Aussage. Man kann hier auf unterhaltsame Weise eine Menge erfahren, das Buch liest sich leicht und angenehm. Ein erfreuliches Leseerlebnis, das Informationen gelungen vermittelt und dem offensichtlich eingehende Recherche zugrunde liegt.

maddinliest am 27.03.2022 19:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Lebendige Geschichtsstunde

Der Jurist und Journalist Christian Bommarius hat sich in seinem Buch "Im Rausch des Aufruhrs" einer sehr wichtigen Epoche der deutschen Historie gewidmet. Er nimmt das Jahr 1923 in den Fokus, in dem es viele Geschichten zu berichten gibt, die der besonderen Nachkriegsstimmung und dem Aufbruch in eine neue Zeit ein Gesicht verleihen. Er erzählt das Ganze in einem sehr gut zu lesenden Schreibstil, der die damaligen Geschehnisse lebendig vor Augen führt. Es werden nicht nur die reinen Fakten abgearbeitet, sondern es stehen hier besondere Ereignisse im Mittelpunkt, die gekonnt und gut nachvollziehbar in Szene gesetzt werden. Das Jahr wird monatsweise rekapituliert, so dass ein roter Faden durch das Buch führt. Die historischen Hintergrundinformationen wirken dabei sehr gut recherchiert und verleihen Dem Buch in Verbindung mit den bewegenden Geschichten eine enorme Authentizität. So liest man hier zwar ein Sachbuch, welches für mich viele neue Informationen zu diesem besonderen Jahr parat hielt, aber es kam mir dabei niemals überladen vor. Natürlich liest sich das Ganze nicht wie ein Unterhaltungsroman, bildet aber eine gute Symbiose aus Faktenvermittlung und Unterhaltung.Insgesamt hat mir "Im Rausch des Aufruhrs" die Historie Deutschlands im Jahr 1923 sehr viel näher gebracht und sehr gut gefallen. Ich hatte bisher schon einige Romane aus der Zeit lesen dürfen, die sich nun in diesem Kontext noch anders darstellen. Ein wirklich lesenswertes Buch, welches ich gerne weiterempfehle und mit guten vier von fünf Sternen bewerte.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Deutschlandfunk Kultur, Lesart
Zwölf Monate in zwölf Kapiteln, gut lesbar und anekdotenreich erzählt.

Florian Felix Weyh, 05.01.2023

P.M. History
Der Autor zeichnet anhand berührender Schicksale ein pointiertes Panorama, aufgeteilt in zwölf Monat...skapitel. mehr weniger

01.07.2022

heribertprantl.de
Es ist keine Aufzählung von Daten und Ereignissen, es ist kein erweiterter Kalender, es ist auch meh...r als eine Collage; es ist ein raffiniertes literarisches Werk über ein wahnsinniges Jahr. mehr weniger

Heribert Prantl, 24.04.2022

Deutschlandfunk, Andruck
Das Jahr 1923 markierte das Ende der Nachkriegszeit und den Beginn der Goldenen Zwanzigerjahre, in s...einer ganzen Ambivalenz ›im Rausch des Aufruhrs‹ glänzend beschrieben. mehr weniger

Annette Wilmes, 11.04.2022

Süddeutsche Zeitung
Was Bommarius auszeichnet, sind die zahllosen funkelnden Details, die seiner akribischen Archivreche...rche zu verdanken sind. mehr weniger

Robert Probst, 04.04.2022

Süddeutsche Zeitung
Was Bommarius auszeichnet, sind die zahllosen funkelnden Details, die seiner akribischen Archivreche...rche zu verdanken sind. mehr weniger

Robert Probst, 04.04.2022

General-Anzeiger
Christian Bommarius beschreibt das deutsche Schicksalsjahr 1923 in kunstvollen Miniaturen. Nach der ...Lektüre staunt man, dass die Republik bis 1933 durchhielt. mehr weniger

Martin Wein, 26.03.2022

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Das Eingehen auf diese Einzelschicksale fügt sich im Ganzen zu einer sozialgeschichtlichen Analyse, ...die die daraus resultierende Anfälligkeit für Gewalt und Extremismus erhellt. mehr weniger

Philip Schäfer, 22.03.2022

hr2 kultur, Am Nachmittag
In seinem Buch ›Im Rausch des Aufruhrs‹ hat Christian Bommarius das Panorama eines Jahres der Extrem...e durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammengesetzt. mehr weniger

16.03.2022

Nürnberger Zeitung
Eine gut bebilderte, spannende Collage mit vielen Protagonisten dieses angst- und zugleich lustvolle...n Jahres. mehr weniger

04.02.2023

Buchkultur
Bommarius, langgedienter Zeitungsjournalist, schreibt ausnehmend gut. Plastisch erzählt er das Kalei...doskop dieses einen Jahres, pointiert, informiert wie informativ. mehr weniger

01.07.2022

Lesart
Dabei ist es großartig geschrieben und dank überschaubarer Kapitel samt Bildtafeln – bei aller Schre...cklichkeit der Ereignisse – ein Lesevergnügen. mehr weniger

Matthias Schürmann, 01.06.2022

Nürnberger Nachrichten
In dem Buch steckt so viel perfekt arrangiertes Wissen, dass es niemals langweilt und dass man ihm v...iele Leser wünscht. mehr weniger

Andre Fischer, 31.05.2022

denglers-buchkritik.de
›Im Rausch des Aufruhrs‹ ist voll von vielen kleinen Geschichten in der so großen Welt der gesellsch...aftlichen und politischen Ereignisse. Das Buch swingt! mehr weniger

Alex Dengler, 23.05.2022

Frankfurter Rundschau
Der Erzähler Bommarius ist also immer da. Aber er ist umgeben von anderen, die ihre Geschichten erzä...hlen. mehr weniger

Arno Widmann, 19.05.2022

Badische Neueste Nachrichten
Es sind viele berührende und verrückte, schön erzählte Geschichten.

11.05.2022

diebedra.de
›Im Rausch des Aufruhrs‹ [ist] ein faktensattes, mit ausführlichen Quellenangaben versehenes Geschic...htswerk, das man gerne liest und sicher gerne wieder zur Hand nehmen wird. mehr weniger

Petra Breunig, 28.04.2022

Kulmbacher Land
Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzä...hlter Geschichten und Porträts zusammen. mehr weniger

01.04.2022

Buch-Magazin
Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzä...hlter Geschichten und Porträts zusammen. mehr weniger

01.04.2022

Die Weltwoche
Für 1923 gilt, was für jedes Jahr gilt: Es ist ein Brückenpfeiler zwischen Vergangenheit und Gegenwa...rt und zwischen Gegenwart und Zukunft. mehr weniger

Wolfgang Koydl, 10.03.2022