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Das turbulenteste und spannendste Jahr der Weimarer Republik

Im Rausch des Aufruhrs

1923 ist das Jahr der Hyperinflation, in der Angestellte die Geldscheine eines Wochenlohns mit der Schubkarre transportierten. 1923 ist das Jahr der Besetzung des Ruhrgebiets und einer heftigen Streikwelle. 1923 ist das Jahr von blutig niedergeschlagenen kommunistischen und nationalsozialistischen Aufstandsversuchen. Und es ist das Jahr radikaler Gegensätze zwischen bitterer Armut einerseits und einer orchideenhaft blühenden Unterhaltungskultur.

1923 ist in seiner Ambivalenz das Ende der Nachkriegszeit und der Auftakt zu den Goldenen Zwanzigerjahren der Weimarer Republik.

Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen.

Bibliografische Daten

EUR 24,00 [DE] – EUR 24,70 [AT]
ISBN : 978-3-423-29004-3
Erscheinungsdatum: 16.03.2022
1. Auflage
352 Seiten
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Christian Bommarius

Christian Bommarius, Jahrgang 1958, studierte Germanistik und Rechtswissenschaft. Nach journalistischen Stationen, etwa als Korrespondent beim Bundesverfassungsgericht, war er von 1998 bis 2017 Redakteur der ›Berliner Zeitung‹, anschließend Kolumnist der ›Süddeutschen Zeitung‹ und ist seither freier Publizist. Für sein publizistisches Werk wurde Bommarius der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste Berlin zuerkannt. 

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86 von 86 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.59 von 5 Sternen


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3 - 10 von 86 Leserstimme

282k am 26.03.2022 16:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Bunter Bilderbogen des Jahres 1923

Monat für Monat ruf der Autor wichtige, tragische sowie eher der Regenbogenpresse zugehörende Ereignisse in den Focus des Lesers.Sich wiederholende Themen sind die Besetzung des Ruhrgebietes, die immer mehr Fahrt aufnehmende Inflation und die Agitation der Rechten. Zusammen ergeben die Nachrichtenschnipsel ein buntes und spannendes Bild des Jahres, das gut zu lesen ist.Erschreckend fand ich die rasende Entwicklung der Inflation und ihre Folgen, die weder Arm noch Reich verschont hat. Wer zuvor ein scheinbar unermessliches Vermögen besaß, musste im Laufe des Jahres feststellen, dass er dafür mit Glück gerade noch einen Laib Brot erhält.Als Gegensatz dazu fand ich die Ausflüge in die Welt der Künstler erheiternd und sie sind ein guter Gegenpol zu den düsteren Nachrichten.Geradezu wütend haben mich die Berichte über die rechten Umtriebe gemacht. Schwarze Reichswehr, Organisation Consul oder der gescheiterte Putschversuch Hitlers - man hat sie gewähren lassen, milde belächelt oder versucht, sie für die eigenen Interessen einzuspannen und dabei immer unterschätzt.Ebenfalls wie ein roter Faden gibt es das ganze Jahr hindurch judenfeindliche Übergriffe, die ihren Höhepunkt im November mit dem Pogrom im Berliner Scheunenviertel finden.Besonders erwähnenswert sind die vielen Anekdoten zu kleinen und großen Berühmtheiten, die der Autor jeden Monat einstreut. Oft erheiternd, manchmal traurig haben sie mich überwiegend überrascht und lockern die Lektüre angenehm auf. Ein Beispiel hierfür ist Hemingways Ausflug in den Schwarzwald und kleine Episoden aus Gorkis Leben.Für mich hilfreich war das letzte Kapitel "Was weiter geschah". Hier gibt der Autor kurze Informationen zu den Personen, die mir im Verlauf des Jahres begegnet sind. Viele der Künstler haben sich später umgebracht, was mich sehr bedrückt hat.Das Buch gibt sehr gute und lebendige und dabei gut lesbare Eindrücke des Jahres 1923 wieder. Hilfreich ist in meinen Augen, wenn man sich mit der Zeit schon etwas beschäftigt hat, sonst kann es passieren, dass man bei der Fülle der Informationen und Namen etwas die Orientierung verliert.

_sabrina_ am 24.03.2022 08:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

1923 spannend und unterhaltsam präsentiert

1923 – ein spannendes Schicksalsjahr in Deutschland. Die junge Weimarer Republik, das von Frankreich besetzte Ruhrgebiet, Kommunisten, Nationalsozialisten und die Inflation haben Spuren in diesem Jahr hinterlassen. Armut und Hunger auf der einen Seite, rauschende Feste auf der anderen. Dazu politische Verwicklungen, die es in sich haben. All das wird in diesem Buch interessant und spannend präsentiert. Das Buch ist ähnlichem einem Jahreskalender, in zwölf Kapitel unterteilt, die nur so strotzen von historischen Informationen. Die Einleitungen in den jeweiligen Monat mit einer kurzen Zusammenfassung, dem steigenden Brotpreis (der die Inflation verdeutlicht) und den Bildern fand ich sehr gelungen. Es gibt die großen politischen Geschichten, Anekdoten von bekannten und (heute) unbekannten Menschen, die die Lebenssituation deutlich machen. Die politischen Extreme werden veranschaulicht, ihr Aufeinandertreffen. Deutlich wird, wie es ein Hitler schaffen konnte die Zeit für sich zu nutzen und die Grundlagen für sein späteres Führerdasein zu bereiten. Gleichermaßen interessant fand ich jedoch die Geschichten des kleinen Mannes.Der Schreibstil ist eingängig und ansprechend, die Zusammenstellung der Geschichten, Ausschnitte und Anekdoten gut gewählt, sodass es mir nie langweilig wurde. Und dennoch liest man dieses Buch nicht mal so eben nebenbei oder in einem Rutsch. Vieles recherchiert man weiter, nachdem der Autor den Leser aufmerksam gemacht hat. Selbst wer glaubt, dass er einiges weiß, wird immer noch Neues entdecken können, denn es findet wirklich ein Querschnitt der Gesellschaft ihren Platz, nicht nur die Größe aus Politik, Kultur und dergleichen. Es ist zwar ein historisches Sachbuch, jedoch nie angestaubt, sondern kurzweilig und unterhaltsam.Ich empfehle dieses offensichtlich sehr gut recherchierte Buch gerne weiter. Interesse für die Geschichte muss man mitbringen, aber ohne das wird man sowieso wohl kaum zu diesem Buch greifen. Hat man dieses, wird man sicher gut unterhalten.

inya_loves_books am 23.03.2022 21:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

1923

Mich hat direkt das Cover und auch das Thema des Sachbuchs angesprochen. Und obwohl ich normalerweise nicht viele Sachbücher lese, finde ich dieses Thema extrem spannend und ich habe mich direkt in das Buch und die Zeit hineinversetzen können. Es dreht sich um das exakte Jahr 1923. Dieses Jahr ist in seiner Geschichte sehr besonders und aufregend und es lohnt sich, sich mit diesem Jahr näher auseinanderzusetzen. Das Buch ist auch sehr spannend aufgebaut, da es zum Beispiel die Leben berühmter Schriftsteller wie Thomas Mann beleuchtet und zeigt, wie sie in diesem Jahr gelebt und was sie erlebt haben. Aber es wird auch gezeigt wie die "normalen" Menschen in diesem Jahr gelebt haben und wie sie mit den verschiedenen Situationen umgegangen sind. Ich kann dieses Buch allen Menschen empfehlen, die sich für Geschichte aber auch das Leben von historischen Figuren interessieren.

leseleucht am 23.03.2022 21:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Für die Hungrigen eher als für die Satten

Der Autor porträtiert mit großer Kennerschaft das Jahr 1923 monatsweise und gibt im Anhang einen Ausblick, „wie es weiter geht“, indem er kurze Porträts der historischen Figuren gibt, die im Buch vorher in die Ereignisse involviert waren oder die die Ereignisse überhaupt erst angestoßen haben. Und es ereignet sich viel im Jahre 1923. Viele Figuren haben ihren Auftritt, seien es Privatpersonen mit bewegtem Schicksal oder seien es historische Persönlichkeiten, die bereits eine große Rolle spielen, wie Stresemann oder Hitler, wie Anita Berber oder Kurt Tucholsky, oder die noch eine große Rolle spielen werden, wie Sepp Herberger, der in diesem Jahr als Geldzähler inflationäre Eintrittspreise zählen muss, oder Victor von Bülow, Loriot, der in diesem Jahr geboren wird. Wie auch die Mutter des Autors.Für jeden Leser ist etwas dabei und für jeden Leser liest sich – je nach Interesse – die eine Passage leichter als andere. So kommt der kulturell Interessierte auf seine Kosten, wenn es um die schönen Künste geht, die Literatur, Kafka, Fallada, Gorki, oder das Kino. Der am Leben des kleinen Mannes, um mit Fallada zu sprechen, Interessierte, wenn es um die Sorgen und Nöte, aber auch die Freuden des einzelnen geht, auch wenn letztere eher dünn gesät sind. Wie vergnügt er sich, aber auch wie viel kostet ihn ein Brot? Ganz besonders angesprochen werden die politisch und historisch Interessierten, die sich nicht von den permanent wechselnden Verhältnissen und Regierungen der Weimarer Republik abschrecken lassen. Diejenigen, die der Kampf Rot gegen Braun interessiert, aber auch der gemeinsame Kampf gegen Franzosen im Ruhrpottstreik, wobei das Gemeinsame nicht wirklich verbindend ist. Auch die Inflation ist ein spannendes sowie aktuelles Thema. So hält sich der heutige Leser vor Augen, wie schlimm es einmal mit der Inflation gekommen ist und was wahrer Mangel in den Regalen der Läden, was realer Hunger und reale Not bedeuten. Auch wenn er sich dabei doch nicht ganz losmachen kann von dem Blick auf das, was ihn heute vielleicht doch einmal wirklich bedrohen könnte. So schwankt er zwischen dem Glück, das ihn damit getroffen hat, ein Hundertjahrenachherlebender zu sein, und der flehentlichen Hoffnung, ihn mögen solche Verhältnisse verschonen. Ein Blick über den Tellerrand jedoch hilft gegen den Egozentrismus, der im eigenen Leid immer das größte sieht, auch wenn es nur die vorübergehende Abwesenheit von Mehl, Speiseöl oder Klopapier ist. Worauf der Leser sich dabei allerdings einlassen muss, ist das „Ragout“, wie es der Theaterdirektor seinem Dichter und dem Narren schon in Goethes „Faust“ im Prolog abverlangt. Er muss sich einlassen auf ein buntes Durcheinander von Personen, von Ereignissen, von Anmerkungen zu einem Jahr in einer nicht immer ganz so anderen Zeit, von dem ihm eventuell der eine Happen besser munden wird als der andere. Aber für jeden ist auf jeden Fall etwas dabei. Und jeder wird seinen Lesehunger und seinen Wissensdurst, so er sich diesen in einer satten Zeit bewahrt hat, für eine Zeit – bis zum nächsten Buch – stillen können.

dany_87 am 23.03.2022 19:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Eine rasante Geschichtsstunde

Das Sachbuch „Im Rausch des Aufruhrs“ von Christian Bommarius, veröffentlicht im DTV-Verlag, thematisiert auf 344 Seiten die Deutsche Geschichte im Jahr 1923. Das Buch ist unterteilt in 13 Kapitel, sowie vier Anhängen. Die einzelnen Kapitel umfassen jeweils, in chronologischer Reihenfolge, die Monate des Jahres 1923. Dabei besteht jedes Kapitel aus kurzen, nicht einmal einseitigen Absätzen zu bestimmten Personen oder Ereignissen. Die Zusammensetzung dieser kurzen Beschreibungen besteht mal aus mehr mal aus weniger relevanten geschichtlichen Persönlichkeiten und eben auch Ereignissen. Einige der Personen tauchen im Laufe des Jahres immer mal wieder auf, andere nur einmalig. Zwischen Themen wie „Hitlers Fundraising-Tour durch Zürich“, diversen Putschversuchen, „verarmte Millionäre“ oder „die Schmach, noch Jungfrau zu sein“ ist alles dabei. Jedem Kapitel ist eine Übersicht der Ereignisse des Monats vorangestellt und mit Schwarzweißfotografien ergänzt. Zudem schließt die Zusammenfassung stets mit dem aktuellen Brotpreis im jeweiligen Monat. Das Buch ist eine rasante Geschichtsstunde durch das Jahr 1923. Das besondere war für mich, dass dieses Buch, obwohl es ein Sachbuch ist, zu keinem Zeitpunkt langweilig oder langatmig war. Man flog nur durch die Seiten, was zum einen an der Kürze der einzelnen Themenabschnitte lag, aber vor allem auch an dem Schreibstil des Autors. Herr Bommarius versteht es, auch trockene Themen unterhaltsam, ironisch, mahnend, … darzustellen. Er trifft dabei stets den richtigen, passenden Ton. Besonders gut hat mir auch die Mischung der Themen gefallen. Es ging nicht nur um politische Ereignisse, wie die gerade frisch gegründete Weimarer Republik, die Besatzung des Ruhrgebiets, Reparationszahlungen und dem Erstarken der rechten Parteien, sondern auch um die Kultur- / Musikszene, um Journalismus, das einfache Volk, Alltagsgeschichten und besonders -tragödien. Es ging selbstverständlich auch um die Folgen der Inflation, aber eben auch um die goldenen 20er Jahre, das veränderte Frauenbild und noch so viel mehr. Man hat einen unfassbar guten Einblick in dieses Jahr bekommen, ohne das Gefühl zu haben, durch all die Informationen und Fakten erschlagen zu werden. Ich fand es auch gut, dass einen manche Personen, selbst wenn in den einzelnen Monaten gar nicht so viel passiert ist, immer wieder auftauchten. Die kleinen Anekdoten und auch das Abschlusskapitel in dem man zu einigen der Persönlichkeiten nochmal erfahren hat, wie es mit diesen weiterging. Besonders hervorheben möchte ich auch das wunderschöne und absolut passende Cover des Buches. Eine Zeichnung aus den 20er Jahren, extravagant, wie das Jahr selbst. Ich kann das Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich für die deutsche Geschichte interessiert. Besonders aber auch denjenigen, die bislang vor geschichtlichen Sachbüchern zurückschreckten, aus angst diese seien trocken und langatmig. Dieses Buch lässt einen ins Jahr 1932 mit all seinen Höhen und Tiefen eintauchen und ich wünsche mir, dass es von diesem Autor in der Form noch andere geschichtliche Aufarbeitungen geben wird.

leselöwin am 23.03.2022 15:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

roaring twenties

Ich interessiere mich sehr für die zwanziger Jahre und war entsprechend gespannt. Das Buch ist unterteilt in zwölf Kapitel: Januar bis Dezember. Brommarius begleitet diverse Autoren, Schauspieler, Politiker und Künstler durch das Jahr. Durch diese kurzen Sequenzen, unter anderem aus dem Leben von Heinrich Mann, Franz Kafka, Margo Lion, Hans Fallada, Marlene Dietrich, Josef Goebbels oder Wilhelm II im Niederländischen Exil,  gewinnt man als Leser einen umfassenden und vielschichtigen Blick auf dieses spannende Jahr. Dazu gibt es viele Bilder und für jeden Monat eine Zusammenfassung der politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse. Die Erzähl-Art ist nicht neu, funktioniert aber gut. Mich hat das Buch sehr an "1913" von Florian Illies erinnert, was mir auch sehr gut gefallen hat. Informativ und kurzweilig und gerade wenn man sich für die zwanziger Jahre interessiert eine tolle Lektüre.

verleser am 22.03.2022 13:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Die Katastrophe kommt noch, der Hammer schwebt schon

Im Rausch des Aufruhrs. Das neue Sachbuch von Christian Bommarius, erschienen im März 2022 in der dtv Verlagsgesellschaft, MünchenEine Rezension von Rajo Winter„Aufruhr“ ist der passende Ausdruck, mit dem der Journalist und Schriftsteller Christian Bommarius seine Leser:innen durch das komplette Jahr 1923 mit wechselnden Akteuren führt. Sachlich und mitreißend ist es, ihn dabei zu begleiten. Und als Lektüre für Hintergründe nur zu empfehlen.Aufgebaut ist das Buch nicht thematisch, sondern gegliedert in Abschnitte von Januar bis Dezember, jeweils mit ansprechenden Schwarzweiß-Fotos. Geschrieben ist das Ganze überaus gut. Keine historische Abhandlung im herkömmlichen Sinn ist es, Vorgänge passieren und daran orientiert sich alles. Anziehende Überschriften wie „Der hysterische Backfisch“ oder „Kisch besucht Maxim Gorki“ oder „Dora findet für Franz ein Zimmer“ machen neugierig. Wie auch immer, man fühlt sich zeitversetzt. Und alte Bekannte, die in Erscheinung treten, sind einem geläufig, wirken aber auch erstaunlich frisch, im anderen Licht betrachtet. Beim Lesen werden einem die Beziehungen und Zusammenhänge deutlich, die man so nicht kannte.Zur Sache: Wir schreiben das Jahr 1923, ein Jahr der Not, ohne Frage. Aber auch Mode, Kunst, Revolution und Widerstand bestimmen das Leben. Schriftsteller, Bildende Künstler und Musiker sind wie selbstverständlich in die Geschehnisse involviert. Beim Lesen wird einem sofort klar, was sich damals alles zusammenbraute. Während das Brot immer teurer wird, bewegen Umsturzversuche die Gemüter. Leichen pflastern so manchen Weg. Fast täglich gibt es Neues zu berichten. Einige der Todesopfer 1923 gehen aufs Konto von Serienmörder Fritz Haarmann. Aber das nur nebenbei. Geprägt von zahlreichen Auseinandersetzungen in der Politik wie im Überlebenskampf der bürgerlichen Schichten endet dieses wilde Jahr. Die Politiker bekommen noch einmal die Kurve. Vorerst. Das dicke Ende bahnt sich bereits an. Journalist und Schriftsteller Bommarius schildert die Ereignisse, Ursachen und Zustände sowie die agierenden Personen auf 281 Seiten überaus spannend. „Im Rausch des Aufruhrs" reichen oftmals die Momentaufnahmen, um Leser: innen vor Augen zu führen, wie sich das Leben damals abspielte. Auch anderswo in Europa. Der Autor präsentiert das ganze Jahr in einer recht aufgelockerten Form, ohne roten Faden. Das animiert je nach Lust und Laune, mal diesen, mal jenen Monat aufzuschlagen, also vor und zurück zu blättern oder einfach hängen zu bleiben bei einer Überschrift wie „Ein Straßenbahnticket für 100 000 Mark“. Unterstützt wird diese Art des „freien Lesens“ noch durch den Anhang „Was weiter geschah“ und den vielen Anmerkungen sowie einem hilfreichen Personenregister. Fazit: Schon nach einigen Seiten erkennen Leser:innen, wie fundiert die Inhalte sind. Es lassen sich viele neue Eindrücke sammeln und Fragen nach warum? wieso? weshalb? für ein geschichtliches Verständnis der 1920er Jahre klären. Der mitreißende, aber seriöse Schreibstil trägt wesentlich dazu bei, die erzählten Dinge auch gut in Erinnerung zu behalten. Das Buch informiert umfassend und erfüllt fast die Aufgabe eines Nachschlagewerks für die kleinen Details und vielsagenden Netzwerke damaliger Zeiten.

babsyz am 21.03.2022 21:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Geschichtsstunde der anderen Art

1923 war in vielerlei Hinsicht ein Schicksalsjahr für Deutschland und die damals noch junge Weimarer Republik. Während Frankreich das Ruhrgebiet besetzte, Streikwellen über das Land liefen, Kommunisten und Nationalsozialisten versuchen, die Macht an sich zu reißen, explodiert die Inflation. Während die einen in bitterer Armut und Hunger versinken, feiern die anderen rauschende Feste. Große Geschichte erzählt Christian Bommarius in 12 Kapiteln, gleichsam in einer Art Jahreskalender und in kurzen Geschichten von bekannten und unbekannten Personen und Persönlichkeiten aus Politik, Literatur, Kunst und Schauspiel, aber auch der ganz normalen kleinen Leute. So entsteht ein sehr eindrucksvolles Bild einer Zeit, die voller Elend und Blutvergießen war. Und es zeigt, wie ein gewisser Adolf Hitler vom „Hofbräu Agitator“ zum großen Führer aufsteigen konnte. Das liest sich locker und interessant, und doch hält man immer wieder inne, lässt das Gelesene sacken und schlägt Namen, Orte und Geschehnisse nach. Dass die Parallelen zur heutigen Zeit mit Krieg in Europa, politischen Extremen und drohender Inflation dabei nicht zu übersehen sind, stimmt einen noch nachdenklicher. Besonders gelungen finde ich die Einführung in die einzelnen Kapitel mit kurzem Monatsabriss, Bildern und dem stetig wachsenden Brotpreis!Mein Fazit: eindrückliche Geschichtsstunde der anderen Art. Sehr empfehlenswert.

clarmeloth am 21.03.2022 21:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Die Geschichte von unten aus

Das Cover zeigt ein Bild, welches man mit den "Goldenen Zwanzigern" verbindet. Das dies nicht den Tatsachen entspricht, wird in vielfacher Hinsicht in diesem Buch deutlich. Es geht hier um ein doch sehr turbulentes Jahr, welches bereits viele Schwachpunkte der noch jungen Republik offenbart. Dabei geht es hier nicht vorrangig um die Geschichte der "Großen Männer", sondern aus vielen Perspektiven betrachtet auch um die Geschichte von unten. Hier werden viele geschichtliche Verstrickungen nochmal von einer anderen Seite aufgerollt und unbekannte Aspekte ersichtlich gemacht.Das Buch ist sehr übersichtlich. Jeder Monat hat ein eigenes Kapitel, welches mit zwei für den Abschnitt prägnanten Bildern eingeleitet wird. Es folgt eine Seite, die einen schnellen Zugriff ermöglicht. Danach ist das Kapitel in kleine "Geschichten" untergliedert, die zumeist eine bestimmte Person in den Mittelpunkt rücken. Diese werden zum Ende hin z.T. nochmal ausblickmäßig betrachtet. Es gibt zudem im Anhang ein Quellenverzeuchnis. Ein sehr gutes Buch, nicht nur für Fans der 1920er.

lesewurm20 am 21.03.2022 17:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein sehr lehrreiches Buch !!!

In meinem Fazit möchte ich zunächst das Buchcover ansprechen.Die Farbauswahl ist auffällig und gefällt mir äußerst gut.Diese widerspiegeln die Ereignisse aus dem turbulenten Jahr 1923.Kommen wir nun zur Gliederung des Inhaltes. Besonders gut gefällt mir die Unterteilung der Kapiteln in Monaten.So werden Schritt für Schritt die Geschehnisse geschildert.Demnach verschafft sich der Leser ein guten Überblick.Des Weiteren geht der Autor auch auf die Details ein,sodass der Leser die Geschehnisse gut nachvollziehen kann.Da das Jahr 1923 für die deutsche Geschichte sehr wichtig ist und für die weiteren Ereignisse in der Geschichte ausschlaggebend ist, kann ich dieses Buch wirklich empfehlen,da es wirklich sehr lehrreich ist.Auch wenn man bereits Kenntnisse hat, wird man bestimmt vieles neu dazulernen.Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall weiter.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Deutschlandfunk Kultur, Lesart
Zwölf Monate in zwölf Kapiteln, gut lesbar und anekdotenreich erzählt.

Florian Felix Weyh, 05.01.2023

P.M. History
Der Autor zeichnet anhand berührender Schicksale ein pointiertes Panorama, aufgeteilt in zwölf Monat...skapitel. mehr weniger

01.07.2022

heribertprantl.de
Es ist keine Aufzählung von Daten und Ereignissen, es ist kein erweiterter Kalender, es ist auch meh...r als eine Collage; es ist ein raffiniertes literarisches Werk über ein wahnsinniges Jahr. mehr weniger

Heribert Prantl, 24.04.2022

Deutschlandfunk, Andruck
Das Jahr 1923 markierte das Ende der Nachkriegszeit und den Beginn der Goldenen Zwanzigerjahre, in s...einer ganzen Ambivalenz ›im Rausch des Aufruhrs‹ glänzend beschrieben. mehr weniger

Annette Wilmes, 11.04.2022

Süddeutsche Zeitung
Was Bommarius auszeichnet, sind die zahllosen funkelnden Details, die seiner akribischen Archivreche...rche zu verdanken sind. mehr weniger

Robert Probst, 04.04.2022

Süddeutsche Zeitung
Was Bommarius auszeichnet, sind die zahllosen funkelnden Details, die seiner akribischen Archivreche...rche zu verdanken sind. mehr weniger

Robert Probst, 04.04.2022

General-Anzeiger
Christian Bommarius beschreibt das deutsche Schicksalsjahr 1923 in kunstvollen Miniaturen. Nach der ...Lektüre staunt man, dass die Republik bis 1933 durchhielt. mehr weniger

Martin Wein, 26.03.2022

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Das Eingehen auf diese Einzelschicksale fügt sich im Ganzen zu einer sozialgeschichtlichen Analyse, ...die die daraus resultierende Anfälligkeit für Gewalt und Extremismus erhellt. mehr weniger

Philip Schäfer, 22.03.2022

hr2 kultur, Am Nachmittag
In seinem Buch ›Im Rausch des Aufruhrs‹ hat Christian Bommarius das Panorama eines Jahres der Extrem...e durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammengesetzt. mehr weniger

16.03.2022

Nürnberger Zeitung
Eine gut bebilderte, spannende Collage mit vielen Protagonisten dieses angst- und zugleich lustvolle...n Jahres. mehr weniger

04.02.2023

Buchkultur
Bommarius, langgedienter Zeitungsjournalist, schreibt ausnehmend gut. Plastisch erzählt er das Kalei...doskop dieses einen Jahres, pointiert, informiert wie informativ. mehr weniger

01.07.2022

Lesart
Dabei ist es großartig geschrieben und dank überschaubarer Kapitel samt Bildtafeln – bei aller Schre...cklichkeit der Ereignisse – ein Lesevergnügen. mehr weniger

Matthias Schürmann, 01.06.2022

Nürnberger Nachrichten
In dem Buch steckt so viel perfekt arrangiertes Wissen, dass es niemals langweilt und dass man ihm v...iele Leser wünscht. mehr weniger

Andre Fischer, 31.05.2022

denglers-buchkritik.de
›Im Rausch des Aufruhrs‹ ist voll von vielen kleinen Geschichten in der so großen Welt der gesellsch...aftlichen und politischen Ereignisse. Das Buch swingt! mehr weniger

Alex Dengler, 23.05.2022

Frankfurter Rundschau
Der Erzähler Bommarius ist also immer da. Aber er ist umgeben von anderen, die ihre Geschichten erzä...hlen. mehr weniger

Arno Widmann, 19.05.2022

Badische Neueste Nachrichten
Es sind viele berührende und verrückte, schön erzählte Geschichten.

11.05.2022

diebedra.de
›Im Rausch des Aufruhrs‹ [ist] ein faktensattes, mit ausführlichen Quellenangaben versehenes Geschic...htswerk, das man gerne liest und sicher gerne wieder zur Hand nehmen wird. mehr weniger

Petra Breunig, 28.04.2022

Kulmbacher Land
Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzä...hlter Geschichten und Porträts zusammen. mehr weniger

01.04.2022

Buch-Magazin
Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzä...hlter Geschichten und Porträts zusammen. mehr weniger

01.04.2022

Die Weltwoche
Für 1923 gilt, was für jedes Jahr gilt: Es ist ein Brückenpfeiler zwischen Vergangenheit und Gegenwa...rt und zwischen Gegenwart und Zukunft. mehr weniger

Wolfgang Koydl, 10.03.2022