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Es gibt mehrere Arten, eine Geschichte zu erzählen. Aber nur eine, die alles verändert.

Bei euch ist es immer so unheimlich still

Ildingen, 1950er Jahre. Evelyn Borowski hat alles, was sie sich je erträumt hat: Ein Eigenheim mit Garten, einen fürsorglichen Mann und das lang erwartete Töchterchen Silvia. Trotzdem ist sie nicht glücklich: Sie vermisst ihren Beruf als Ärztin und fühlt sich fremd und allein in dieser süddeutschen Kleinstadt. Betti, Ihre Freundin und Schwägerin, ist unverheiratet und kümmert sich deshalb um die Eltern. Mit losem Mundwerk und rasantem Fahrstil sorgt sie für reichlich Ärger.

Ein außergewöhnlicher Familienroman, der einen Bogen von der Nachkriegszeit bis zur Wende spannt.

1989, in Berlin liegt Aufbruch in der Luft. Silvia Borowski aber macht einen Schritt zurück. In einem geklauten Polo fährt sie Hals über Kopf Richtung Süden. Neben ihr die erst wenige Wochen alte Tochter Hannah. Was erwartet sie in ihrem Heimatort, aus dem Silvia vor vielen Jahren überstürzt geflohen ist? Ist sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?

Eine berührende Mutter-Tochter-Geschichte, die von der Last jahrzehntelangen Schweigens erzählt, und von dem Mut, es zu brechen.

»Auf dem IIldinger Friedhof hinter der gotischen Kirche aus hellem Sandstein ging Silvia die sauber geharkten Kiesreihen ab. Am Familiengrab der Borowskis setzte ihr Herzschlag einen Moment aus, als ihr auffiel, dass ein Stein fehlte. Ein Stein, der eine Frage beantwortet hätte, die sie nie gestellt hatte, weil sie sicher war, die Antwort zu kennen. Es gab keinen Stein für Tante Betti.« Wer Alena Schröder liest, begreift, nicht nur Aufbruch kostet Mut, sondern auch Heimkehr.

Jetzt erzählt die Autorin, was in ihrem gefeierten Bestsellerroman ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ im Dunklen blieb.

  • »Alena Schröder hat eine dichte, emotionale Geschichte gewoben, genauso spannend wie zum Nachdenken anregend.« Donna
  • »Ein Starker Familienroman, in dem es auch darum geht, wie Frauen aller Generationen mit dem Muttersein hadern.« Freundin
  • »Atmosphärisch dicht, die Rückblenden so mitreißend wie Babylon Berlin.« flow
  • »Hoppla, Alena Schröder ist eine echte Entdeckung.« Denis Scheck, ARD Druckfrisch

Bibliografische Daten

EUR 14,00 [DE] – EUR 14,40 [AT]
ISBN : 978-3-423-22070-5
Erscheinungsdatum: 17.10.2024
5. Auflage
336 Seiten
Format : 12,2 x 19,1 cm
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Alena Schröder

Alena Schröder, geboren 1979, arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie hat Geschichte, Politikwissenschaft und Lateinamerikanistik in Berlin und San Diego studiert und die Henri-Nannen-Schule besucht. Nach einigen Jahren in der ›Brigitte‹-Redaktion arbeitet sie heute frei u.a. als ›Brigitte‹-Kolumnistin. Gemeinsam mit Till Raether spricht sie in ihrem Podcast »sexy und bodenständig« über das Schreiben. 

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163 von 163 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.64 von 5 Sternen


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2 - 10 von 163 Leserstimme

cybergirl am 31.10.2023 11:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Eine ergreifende Mutter-Tochter Geschichte

Silvia Borowski hat kaum Kontakt zu ihren Eltern. Vor vielen Jahren ist sie überstürzt aus ihrer Heimat geflohen. Das Verhältnis zu ihrem Vater war immer besser als das zu ihrer Mutter. Mittlerweile ist ihr Vater schon einige Jahre tot. Auch das hat Silvia erst viel später erfahren. Jetzt ist sie selbst Mutter einer kleinen Tochter und fährt in einem geklauten Polo von Berlin nach Ildingen zu ihrer Mutter.Evelyn Borowski ist seit ihrem Ruhestand richtig lethargisch. Sie hat sich mit ihrem Beruf als Ärztin identifiziert. Jetzt ist sie in Rente, ihr Mann ist tot und mit den Einwohnern des kleinen Städtchens hat sie keinen Kontakt.Als ihre Tochter unverhofft mit der kleinen Hannah auftaucht, taut Evelyn Borowski langsam auf.Für Silvia bringt der Besuch in Ildingen viele Erinnerungen an ihre Kindheit die nicht immer erfreulich sind.„Bei euch ist es immer so unheimlich still“ ist der zweite Roman von Alena Schröder. Schon ihr Debüt-Roman „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ hat mich richtig begeistert. Um so gespannter war ich auf das neue Werk der Autorin.Im Mittelpunkt stehen Silvia und ihre Mutter Evelyn.Nach vielen Jahren des umherreisen lebt Silvia jetzt in Westberlin in einer Hausbesetzer-WG. Mittlerweile hat Silvia selbst eine kleine Tochter. Jetzt will sie sich ihrer Vergangenheit stellen und fährt dafür zu ihrer Mutter in den kleinen Ort ihrer Kindheit.Evelyn kommt nach dem Krieg zu der Familie ihrer Freundin Betty. Dort lernt sie Bettys Bruder kennen und heiratet ihn.Beide studieren Medizin und werden Ärzte an der Klinik. Das langersehnte Kind lässt auf sich warten. Doch dann kommt doch noch Silvia auf die Welt. Trotz dem langersehnten Wunsch ist Evelyn nicht zufrieden.In der Mutterrolle geht sie nicht auf, sie vermisst ihren Beruf. Evelyn macht wohl unbewusst ihre kleine Tochter für verantwortlich und schickt sie früh in ein Internat.Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. In der Gegenwart besucht Silvia ihre Mutter Evelyn.Hier ist man dabei, wie die zurückgezogenen Frau durch den Besuch ihrer Tochter und Enkelin langsam wieder auftaut.Doch zwischen Evelyn und Silvia steht einiges was ein inniges Verhältnis nicht zulässt.In der zweiten Zeitebene erfahren die Leser*innen viel über die Vergangenheit.Die Kindheit von Silvia wir geschildert aber auch die Unzufriedenheit von Evelyn.Evelyn bemüht sich ihrer Tochter eine gute Mutter zu sein. Man spürt beim lesen allerdings das es hier an Herzenswärme fehlt. Evelyn geht strickt nach Ratgeber vor und kann sich nicht auf die individuellen Situationen die so ein Kind hervorbringt einstellen.Betty, die Schwester ihres Vaters ist eine Bezugsperson für Silvia. Hier bei ihrer Tante fühlt sie sich wohl.Bei dem Besuch bei ihrer Mutter kommt sie einem Geheimnis über die Tante auf die Spur.Alena Schröder erzählt die Geschichte mit viel Emotion.Die Charaktere sind gut gezeichnet und mir zum größten Teil sympathisch.Vor allem Silvia gefällt mir sehr gut. Aber auch Evelyn ist ein interessanter Charakter und ich konnte sie für ihr Verhalten nicht immer verurteilen. Auch wen die Kindheit von Silvia nicht schön war und ihr die Mutterliebe gefehlt hat, habe ich doch immer wieder die Probleme von Evelyn verstanden. Natürlich hat sie viel falsch gemacht. Sie hätte mit ihrem Mann reden müssen und gemeinsam hätten sie bestimmt eine gute Lösung gefunden.Betty war einer meiner liebsten Personen. Sie hatte den Mut sich Freiheiten herauszunehmen. Galt immer für etwas sonderbar und geheimnisvoll. Alena Schröder hat einen gut verständlichen und flotten Schreibstil der mich ganz schnell in die Geschichte eintauchen ließ.„Bei euch ist es immer so unheimlich still“ hat mich wieder genauso begeistert wie der erste Roman der Autorin.

marie aus e am 29.10.2023 23:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Eines der wenigen Bücher, das ich mehrmals lese

Das Buch spielt im Wesentlichen in zwei Zeitebenen.Einmal in der Nachkriegszeit, den 50er Jahren. Evelyn war Ärztin und ist endlich Mutter und hat doch nun alles, was man sich als Frau nur wünschen kann. Ihren geliebten Beruf muss sie aber nun aufgeben und wie pures Glück liest sich ihr Leben wahrlich nicht. Das Buch transportiert schön den damaligen Zeitgeist und wie eindeutig Schubladen für Frauen damals funktionierten. Nicht nur für Evelyn, sondern auch für ihre kinderlose Schwägerin, die ebenfalls die Erwartungen an sie nicht erfüllen wollte. Ich fand es zwar beklemmend, das Eintauchen in die miefige Zeit, aber auch so absolut überzeugend beschrieben, dass ich allen Figuren nah war, obwohl sie doch so unterschiedlich waren. Die zweite Zeitebene ist noch nicht so lange zurück, 1989, und Evelyns Tochter wird nun selbst Mutter und verlässt das wilde Berlin, um ihre Mutter zu besuchen. Mit Silvia wurde ich nicht ganz so warm, auch sie hat ihr Päckchen zu tragen und die Distanz zwischen Mutter und Tochter, die mittels Hannah, der dritten Generation langsam abgebaut wird, war beklemmend greifbar. Das Buch ist so stark im Eingehen auf die unterschiedlichen Aspekte der Mutterschaft.Die Zeitreise von der Nachkriegszeit bis zur Wende war spannend und unterhaltsam zugleich, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe erst gegen Ende kapiert, dass es sich hierbei um eine Fortsetzung des Buches "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" handelt. Jetzt muss ich die beiden Bücher noch einmal lesen, ohne Abstand, gleich direkt hintereinander. Das mache ich so gut wie nie, schließlich warten so viele neue Bücher auf mich. Hier aber schon - denn das sind zwei besondere Bücher, die man zwar gut auch solo lesen kann, die aber zusammen noch mal etwas ganz Besonderes sind.

bookloving am 28.10.2023 21:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Berührende Familiengeschichte

MEINE MEINUNGNach ihrem bemerkenswerten Debütroman „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ hat die deutschen Autorin Alena Schröder mit „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ einen überzeugenden Fortsetzungsroman vorgelegt, in dem wir erneut einigen Protagonisten des ersten Bandes begegnen und diese unter einem neuen Blickwinkel kennenlernen. Da es hierbei eher um ein Prequel handelt, lässt sich der Roman problemlos auch ohne Vorkenntnisse lesen.Es ist eine großartig konzipierte, einfühlsam erzählte und berührende Familiengeschichte, in der wir mehr über die familiären Hintergründe und komplexen Verwicklungen rund um die Familie Borowski erfahren sowie deren sorgsam gehütete Geheimnisse.Im Mittelpunkt der auf drei Zeitebenen angelegten Geschichte stehen zwei faszinierende Frauen der Familie Evelyn und Silvia und deren Lebensgeschichten.Neben der im Jahre 1989 angesiedelten Rahmenhandlung wechselt die Geschichte zwischen den 1950er Jahren direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs und den 1970er Jahren in der Schwäbischen Provinz. Die sich abwechselnden, auf unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelten Erzählstränge haben mich bald in ihren Bann gezogen. Äußerst spannend ist es, in die unterschiedlichen Zeiten einzutauchen und aus den verschiedenen Perspektiven mehr über das Leben der Protagonistinnen zu erfahren.Einfühlsam und mit angenehmer Leichtigkeit zeichnet die Autorin in den Rückblicken bedeutsame Lebensstationen ihrer Figuren aus der Vergangenheit nach und zeigt zugleich die vielfältigen Hintergründe für die schwierige Beziehung zwischen Mutter und Tochter auf. So lernen wir sie mit ihren Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen kennen, erfahren aber auch von ihren Ängsten, folgenschweren Entscheidungen und dunklen Geheimnissen, die bis in die Gegenwart nachwirken und ihre Persönlichkeiten nachhaltig prägten. Gekonnt arbeitet die Autorin heraus, wie nachhaltig die emotionale Kälte der Mutter, das Nichtansprechen von Problemen und die fatale Sprachlosigkeit innerhalb der Familie das Verhältnis zur Tochter beschädigt haben und schließlich zur völligen Entfremdung führten.Zudem beleuchtet sie Themen wie traditionelle Rollenbilder, Selbstverwirklichung, Mutterschaft und Mutterrolle sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Lichte der jeweiligen gesellschaftlichen Leitbilder. Einfühlsam setzt sich sie auch mit dem fragilen Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auseinander und fängt äußerst stimmig die komplexen Dynamiken ihrer subtilen Kommunikation und ihre schrittweisen Annäherungsbemühungen ein. Alena Schröder hat mit den Hauptfiguren Evelyn und Silvia sehr beeindruckende, vielschichtige Frauen-Figuren geschaffen, die mit ihren Eigenheiten, Stärken und Verletzlichkeiten sehr lebensnah und lebendig wirken. Sie versteht es, uns im Laufe der Handlung ihr Innenleben, ihre schwierigen Persönlichkeiten und charakterliche Entwicklungen glaubhaft und psychologisch stimmig näherzubringen, so dass ich mich recht gut in sie hineinversetzen konnte.Geschickt verdichtet die Autorin die fesselnden Erzählstränge mit vielen berührenden Momenten immer weiter und versteht es, uns mit einigen unvorhersehbaren Wendungen und äußerst schockierenden Enthüllungen völlig zu überraschen.FAZITEin fesselnder und einfühlsam erzählter Roman mit einer berührenden Familiengeschichte und wundervoll komplexen Charakteren.

shiva2308 am 27.10.2023 14:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Schweigen ist nicht immer das Beste!

Inhalt: --------------Die 33-jährige Silvia hat vor kurzem ein Kind bekommen. Der Mann hat sich direkt nach der Bekanntgabe der Schwangerschaft getrennt. Silvia fühlt sich in ihrer Berliner WG eingeengt und hat angesichts der Geburt ihrer Tochter Hannah den Wunsch, mit ihrer Mutter Evelyn zu reden. Seit sie vor vielen Jahren ihre Heimatstadt Ildingen verlassen hat, hatten sie keinen Kontakt zueinander. Es gab zu viele unausgesprochenen Verletzungen und einige Geheimnisse, die bis heute unbeantwortet blieben. Wird es Silvia gelingen, mit ihrer Mutter, ihrer Vergangenheit und auch mit sich selbst ins Reine zu kommen?Mein Eindruck:--------------"Kurz hatte Silvia den Impuls, Hannah zu schnappen und sie Evelyn in die Arme zu legen. So wie an ihrem ersten Tag zu Hause in Ildingen. Wie eine Wärmflasche, aber für den Gefühlshaushalt. Vielleicht würde dieser Eisberg ja doch ein bisschen antauen. Vielleicht würde dann ja doch etwas ins Rutschen geraten. Es wäre allerhöchste Zeit."Die Geschichte beginnt in der Zeit kurz vor dem Mauerfall 1989, die Aufbruchstimmung ist spürbar. Die Handlung wird dabei abwechselnd von der Zeitebene erzählt, in der Evelyn ihren Mann kennenlernt und eine Familie gründet (1950er-Jahre) und der, in der Silvia wieder auf ihre Mutter trifft. Die Perspektiven wechseln hauptsächlich zwischen Silvia und Evelyn, aber auch andere Perspektiven wie die von Silvias Tante Betti, Silvias Vater und einigen Nebenfiguren werden eingestreut. Die Erzählstränge der unterschiedlichen Zeitebenen sind so gestaltet, dass permanent Spannung aufgebaut wird. Spätestens ab dem ersten Drittel konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es gab so viele Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt wurden und die vielen Fäden fügten sich am Ende auf überraschende Weise schlüssig zusammen, dass das Buch von Anfang bis Ende eine Sogwirkung auf mich ausübte. "Als Silvia später wieder in ihrem alten Kinderzimmer auf dem Bett saß und ihre schlafende Tochter betrachtete, fasste sie einen Entschluss. Wenn sie das nächste Mal Frau Hagerle besuchen würde, wollte sie Hannah mitnehmen. Und auch wenn sie noch nicht wirklich wusste, was für ein Leben sie sich für sich und ihre Tochter vorstellte, war sie doch wild entschlossen, ihr Kind nicht in Sprachlosigkeit und Stille aufwachsen zu lassen. Hannah sollte sich niemals zur Nachbarin flüchten müssen, um ein bisschen Chaos und Lebendigkeit und Wärme zu erleben."Mir gefiel der Sprachstil sehr gut. Die Autorin verwendet treffende Worte, um die Sprachlosigkeit in der Familie, die unausgesprochenen Erwartungen und die Konsequenzen der betroffenen Personen zu beschreiben. Besonders das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg wird gut eingefangen: Traumata der Kriegsrückkehrer, der Zwiespalt der Frau, einerseits Hausfrau und Mutter sein zu müssen, gleichzeitig aber durch Berufstätigkeit nach mehr Anerkennung und Karriere zu streben oder lieber ohne Mann das Glück zu versuchen. Auf dem Land deutlich schwieriger als in der Stadt, da hier gilt, das man von den Nachbarn stets beobachtet und be- oder gar verurteilt wird. Das mag an mancher Stelle klischeehaft scheinen, aber ich denke, dass es tatsächlich häufig so der Tatsache entsprach.Durch Zufall habe ich durch die Leseprobe am Ende des Buches entdeckt, dass dies der 2. Teil der Borowski-Familienerzählung ist, also der Nachfolger von "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid". Diesen kenne ich noch nicht, aber nachdem ich die Geschichte um Silvia und ihre Mutter verschlungen habe, werde ich mit Sicherheit auch die von Hannah, ihrer Großmutter und deren Mutter in Erfahrung bringen wollen. Die Reihenfolge ist dabei sicherlich egal, denn es stehen unterschiedliche Beziehungsebenen in den Romanen im Fokus.Fazit: --------------Fesselnd erzählte Geschichte über unausgesprochenen Erwartungen, Sehnsüchte und die Neufindung einer Mutter-Tochter-Beziehung

justm. am 27.10.2023 13:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Familiengeschichte(n)

„Bei euch ist es immer so unheimlich still“ ist die Geschichte zweier Frauen: Mutter und Tochter. Aber es ist auch die Geschichte einer ganzen Familie. Und eine Geschichte voller Konflikte und Geheimnisse. Großer und kleiner, offener und nie offenbarter. Und es ist, was mir erst erschreckend spät klar wurde, eine Art Fortsetzung bzw. Vorgeschichte des ersten Buches der Autorin: Alena Schröders „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“. Allerdings möchte ich behaupten, daß man es nicht gelesen haben muß, um sich in diesem, neueren Buch zurecht zu finden. Denn obwohl ich das erste Buch gelesen habe und gut fand, ist es zu lang her, als daß ich mich noch an dessen Inhalt erinnern konnte. Und so war es mehr oder weniger Zufall, daß ich entdeckt habe, daß wir auch in diesem Buch wieder bei der selben Familie „zu Gast“ sind. Unabhängig von dieser Fortsetzungs-Thematik und einer möglichen Debatte, ob es dieser gebraucht hätte, hat mir „Bei euch...“ gut gefallen. Und das obwohl ich historischen Romanen wenig abgewinnen kann und mich eben auch nicht mehr en detail an das erste Buch erinnern konnte. Vielleicht hat es mir gefallen, weil es Alena Schröder einfach gut gelungen ist ihre beiden Erzählstränge, einer fest verankert im Jahr 1989, der andere wanderte in den Jahren 1951 immer weiter voran, miteinander zu verbinden und so eine Art Familiengeschichte, der etwas anderen Art zu erzählen: Es ist eine Familiengeschichte, eine Geschichte über Mutter-Tochter-Dynamiken, über gesellschaftliche Konventionen und wie schwer es sein kann, sich diesen zu stellen oder sich über sie hinwegzusetzen, über den Ausbruch aus starren Strukturen, Geheimnisse und den zum Teil daraus resultierenden (Lebens)lügen. Eine Geschichte über (Ver)schweigen und den fehlenden Mut miteinander zu reden. Und damit auch gleichzeitig eine Geschichte, die Augen öffnet und versucht Mut zu machen. Vielleicht aber auch einfach eine Geschichte, die zeigt, wie fortschrittlich die Gesellschaft geworden ist. Oder eben leider nicht. Schröders Erzählstil ist leicht, modern und nie anstrengend. Ich hab die Geschichte einfach gern gelesen! Auch weil gerade der Erzählstrang im Jahr 1989 mit so vielen kleinen Details, vor allem in Hinblick auf die Musik, gespickt war, daß es sich „echt“ anfühlte. Dennoch ist es ein Buch bei dem mir ein wenig die Höhepunkte gefehlt haben: Es gab weder Ausbrüche nach oben, noch nach unten. Und auch das Ende war eher abrupt. Und doch irgendwie passend. Beinahe schon versöhnlich. Und manchmal ist das ja schon alles, was es braucht.

Carla am 27.10.2023 12:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Schweigen ist nicht immer das Beste!

Inhalt:
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Die 33-jährige Silvia hat vor kurzem ein Kind bekommen. Der Mann hat sich direkt nach der Bekanntgabe der Schwangerschaft getrennt. Silvia fühlt sich in ihrer Berliner WG eingeengt und hat angesichts der Geburt ihrer Tochter Hannah den Wunsch, mit ihrer Mutter Evelyn zu reden. Seit sie vor vielen Jahren ihre Heimatstadt Ildingen verlassen hat, hatten sie keinen Kontakt zueinander. Es gab zu viele unausgesprochenen Verletzungen und einige Geheimnisse, die bis heute unbeantwortet blieben. Wird es Silvia gelingen, mit ihrer Mutter, ihrer Vergangenheit und auch mit sich selbst ins Reine zu kommen?

Mein Eindruck:
--------------
"Kurz hatte Silvia den Impuls, Hannah zu schnappen und sie Evelyn in die Arme zu legen. So wie an ihrem ersten Tag zu Hause in Ildingen. Wie eine Wärmflasche, aber für den Gefühlshaushalt. Vielleicht würde dieser Eisberg ja doch ein bisschen antauen. Vielleicht würde dann ja doch etwas ins Rutschen geraten. Es wäre allerhöchste Zeit."

Die Geschichte beginnt in der Zeit kurz vor dem Mauerfall 1989, die Aufbruchstimmung ist spürbar. Die Handlung wird dabei abwechselnd von der Zeitebene erzählt, in der Evelyn ihren Mann kennenlernt und eine Familie gründet (1950er-Jahre) und der, in der Silvia wieder auf ihre Mutter trifft. Die Perspektiven wechseln hauptsächlich zwischen Silvia und Evelyn, aber auch andere Perspektiven wie die von Silvias Tante Betti, Silvias Vater und einigen Nebenfiguren werden eingestreut. Die Erzählstränge der unterschiedlichen Zeitebenen sind so gestaltet, dass permanent Spannung aufgebaut wird. Spätestens ab dem ersten Drittel konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es gab so viele Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt wurden und die vielen Fäden fügten sich am Ende auf überraschende Weise schlüssig zusammen, dass das Buch von Anfang bis Ende eine Sogwirkung auf mich ausübte.

"Als Silvia später wieder in ihrem alten Kinderzimmer auf dem Bett saß und ihre schlafende Tochter betrachtete, fasste sie einen Entschluss. Wenn sie das nächste Mal Frau Hagerle besuchen würde, wollte sie Hannah mitnehmen. Und auch wenn sie noch nicht wirklich wusste, was für ein Leben sie sich für sich und ihre Tochter vorstellte, war sie doch wild entschlossen, ihr Kind nicht in Sprachlosigkeit und Stille aufwachsen zu lassen. Hannah sollte sich niemals zur Nachbarin flüchten müssen, um ein bisschen Chaos und Lebendigkeit und Wärme zu erleben."

Mir gefiel der Sprachstil sehr gut. Die Autorin verwendet treffende Worte, um die Sprachlosigkeit in der Familie, die unausgesprochenen Erwartungen und die Konsequenzen der betroffenen Personen zu beschreiben. Besonders das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg wird gut eingefangen: Traumata der Kriegsrückkehrer, der Zwiespalt der Frau, einerseits Hausfrau und Mutter sein zu müssen, gleichzeitig aber durch Berufstätigkeit nach mehr Anerkennung und Karriere zu streben oder lieber ohne Mann das Glück zu versuchen. Auf dem Land deutlich schwieriger als in der Stadt, da hier gilt, das man von den Nachbarn stets beobachtet und be- oder gar verurteilt wird. Das mag an mancher Stelle klischeehaft scheinen, aber ich denke, dass es tatsächlich häufig so der Tatsache entsprach.
Durch Zufall habe ich durch die Leseprobe am Ende des Buches entdeckt, dass dies der 2. Teil der Borowski-Familienerzählung ist, also der Nachfolger von "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid". Diesen kenne ich noch nicht, aber nachdem ich die Geschichte um Silvia und ihre Mutter verschlungen habe, werde ich mit Sicherheit auch die von Hannah, ihrer Großmutter und deren Mutter in Erfahrung bringen wollen. Die Reihenfolge ist dabei sicherlich egal, denn es stehen unterschiedliche Beziehungsebenen in den Romanen im Fokus.

Fazit:
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Fesselnd erzählte Geschichte über unausgesprochenen Erwartungen, Sehnsüchte und die Neufindung einer Mutter-Tochter-Beziehung

nil am 25.10.2023 17:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

„Ich will meine Mama“

Wer „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ gelesen hat, wird „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ lieben. Denn der erste Roman war gut, ich finde diesen zweiten sogar noch besser. Er knüpft an den ersten an, ist aber eine in sich geschlossene Geschichte und kann auch ohne Vorwissen gelesen werden.1989. Silvia, in Berlin, soeben Mutter geworden, Vater über alle Berge und in einer WG wohnend überkommt das Gefühl nach Hause zu wollen. Nach 15 Jahren Großstadt zieht es sie zurück in das piefige Kleinstadtleben in der schwäbischen Provinz. Zurück zur eigenen Mutter, nun mit dem eigenen Kind.Und genau das ist das Thema dieses großartig geschrieben Romans. Wie sich die Perspektive ändert sobald ein eigenes Kind vorhanden ist. Die Beziehung zur eigenen Mutter wird erneut auf den Prüfstand gestellt, eine Fragilität und eine neue andere Art der Annäherung findet statt. Der Roman ist eine Analyse genau dieses Verhältnisses, aber sehr unterhaltsam geschrieben. Alena Schröder macht die Kommunikation so bewusst zwischen den Beiden. Das Gesagte und Nicht-Gesagte, der richtige Ton und das richtige Maß. Hier hat sie die Dynamiken klasse dargestellt.Einfach gut wo sie auch die Mutter Evelyn beleuchtet und somit die prüden 50er Jahre ins Spiel bringt. Wie sie als Medizinerin dann nur noch auf das Muttersein reduziert wurde in der alten BRD.Ein absolut lesenswerter Roman!

cherryblue_4 am 24.10.2023 07:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Großartige Fortsetzung

Das sehr wunderschöne, elegante Cover und der interessante Titel haben meine Neugier geweckt.Die Geschichte selbst klingt auf den ersten Blick nicht ganz so tiefgründig. Beim Lesen hingegen überrascht die Autorin mit einer tiefer gehenden Sentimentalität. Ich habe den ersten Band nicht gelesen, der chronologisch gesehen an zweiter Stelle kommen würde (ich hole es aber definitiv noch nach bzw. habe damit angefangen).Die Rahmenhandlung: die 33-jährige Silvia lebt in Berlin, hat gerade ihre Tochter zur Welt gebracht, der Vater des Kindes will nichts damit zu tun haben. Sie macht sich mit auf in die schwäbische Kleinstadt, in der sie ihre Kindheit verbracht hat. Hier lebt immer noch die Mutter - festgefahren in der Vergangenheit; der schwule Kindheitsfreund mit der senilen Mutter, der aus seinen wohlgeordneten Bahnen ausbrechen will; die bewunderte Kindheitsfreundin, die in ihrer scheinbaren Familienidylle keine Erfüllung findet. Zwischendrin erfolgen auch Rückblenden in die Kindheit der Mutter.Grob überschrieben ist der ganze Roman wohl mit dem Bild einer Frau, einer Mutter, einer Tochter; den Vorgaben, wie sie sich zu verhalten hat, woran sie zerbricht, wenn sie dem nicht genüge tun kann und wie sie sich am Ende aus eigener Kraft daraus befreien kann bzw. welche Wege dann offen stehen.

engineerwife am 22.10.2023 10:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Hier ist schweigen Silber und reden ist Gold!

Die eben erst Mutter gewordene Silvia entschließt sich im Sommer 1989 zu einer Reise in den Süden, genauer gesagt in ihr ehemaliges Heimatdorf im Schwabenland. Der Enge des Dorfs hatte sie seinerzeit mit gerade mal 18 Jahren in Richtung Berlin verlassen und mit ihren Eltern gebrochen. Nun stellt sie fest, dass das Leben, das sie bis dahin geführt hat, sich mit ihrem eigenen Kind nicht mehr vereinbaren lässt. Enttäuscht, dass der Kindsvater so gar kein Interesse zeigt, sehnt sie sich jetzt nach Wärme und Verständnis von Evelyn, ihrer eigenen Mutter. Ihre Mutter jedoch hat selbst eine traumatische Vergangenheit hinter sich, denn auch in ihrem Leben entwickelte sich nichts so, wie sie es sich erträumte. Als studierte Medizinerin wird sie reduziert auf ein Leben als Hausfrau und Mutter in genannter schwäbischer Kleinstadt. Die engstirnigen fünfziger Jahre lassen grüßen. Nun müssen beide Frauen lernen, sich aufeinander einzulassen, auf einander zuzugehen und versuchen einander zu verstehen. Doch die Kunst der Kommunikation haben sie nie gelernt, so dass dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Oder schaffen sie es doch?Wie schon in ihrem Vorgängerband „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ präsentiert uns die Autorin Alena Schröder eine sehr feinfühlige Geschichte, die mit ihrer Eindringlichkeit die Herzen ihrer Leser für sich gewinnt. Die Charaktere sind vielschichtig dargestellt, hier gibt es kein simples Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse. Beide Frauen gestehen sich schließlich ihre Stärken und Schwächen ein und ganz langsam scheint dadurch eine Annäherung möglich, was auch beim Leser das Verständnis für die Zwei wachsen lässt. Frau Schröder zeichnet ein realistisches Bild der jeweiligen Zeit und ließ mich dadurch vollkommen eintauchen in diese Geschichte. Für mich verdient sie dafür auf jeden Fall mit fünf Sternen die volle Punktzahl, die ich schon für den Vorgängerband vergeben habe. Beide Bücher sind unabhängig von einander zu lesen, wenn man jedoch den ersten Band kennt, klären sich manche Fragen auf und die losen Puzzlesteinchen setzen sich zu einem runden Ganzen zusammen. Absolute Leseempfehlung!!

bücherverschlinger am 20.10.2023 21:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Familiengeschichte zwischen den 50ger Jahren und heute

Das Buch "Bei euch ist es immer so unheimlich still" ist quasi die Fortsetzung von Alenas Schröder Debütroman "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid", wo es insbesondere um die 31 jährige Silvia und ihrer Mutter Evelyn.den neuen Roman kann man unabhängig vom ersten Buch lesen, denn mir war es vorher nicht bekannt.Sylvia ist vor kurzem Mutter einer kleinen Tochter geworden und fährt mit einem geliehenen (oder eher geklauren) Polo von Westberlin in ihr kleines Heimatdorfes Ildingen. Sie hat die Heimat schon vor Jahren verlassen, da es immer wieder Konflikte mit ihrer Mutter gab. Mittlerweile ist der Kontakt schon seit Jahren abgebrochen, aber trotzdem verspürt Silvia jetzt doch Sehnsucht nach ihrer Mutter. Außerdem hat sie in Berlin nicht wirklich eine Perspektive, da sie keinen Job hat und auch Hannahs Vater nicht zu ihr steht.Alena Schröder schreibt die Geschichte abwechselnd auch Silvias Sicht (Ende der 80ger Jahre) und Evelyns Sicht (ab 50ger Jahre). Dadurch bekommt der Leser ein guten Einblick in das Leben der beiden Frauen, die doch mehr gemeinsam haben als auf den ersten Blick erkennbar. Beide kämpfen gegen die Normen der Gesellschaft und das Frauenbild ihrer Zeit. Dadurch haben sie es nicht immer leicht und auch das Verhältnis zwischen beiden wird dadurch sehr belastet. Nach und nach nähern sich die beiden langsam an und lernen mehr Verständnis für die andere aufzubringen.