Alena Schröder erzählt, was in ihrem gefeierten Debütroman ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ im Dunkeln blieb.
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Bei euch ist es immer so unheimlich still
Ildingen, 1950er Jahre. Evelyn Borowski hat alles, was sie sich je erträumt hat: Ein Eigenheim mit Garten, einen fürsorglichen Mann und das lang erwartete Töchterchen Silvia. Trotzdem ist sie nicht glücklich: Sie vermisst ihren Beruf als Ärztin und fühlt sich fremd und allein in dieser süddeutschen Kleinstadt. Betti, Ihre Freundin und Schwägerin, ist unverheiratet und kümmert sich deshalb um die Eltern. Mit losem Mundwerk und rasantem Fahrstil sorgt sie für reichlich Ärger.
Ein außergewöhnlicher Familienroman, der einen Bogen von der Nachkriegszeit bis zur Wende spannt.
1989, in Berlin liegt Aufbruch in der Luft. Silvia Borowski aber macht einen Schritt zurück. In einem geklauten Polo fährt sie Hals über Kopf Richtung Süden. Neben ihr die erst wenige Wochen alte Tochter Hannah. Was erwartet sie in ihrem Heimatort, aus dem Silvia vor vielen Jahren überstürzt geflohen ist? Ist sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?
Eine berührende Mutter-Tochter-Geschichte, die von der Last jahrzehntelangen Schweigens erzählt, und von dem Mut, es zu brechen.
»Auf dem IIldinger Friedhof hinter der gotischen Kirche aus hellem Sandstein ging Silvia die sauber geharkten Kiesreihen ab. Am Familiengrab der Borowskis setzte ihr Herzschlag einen Moment aus, als ihr auffiel, dass ein Stein fehlte. Ein Stein, der eine Frage beantwortet hätte, die sie nie gestellt hatte, weil sie sicher war, die Antwort zu kennen. Es gab keinen Stein für Tante Betti.« Wer Alena Schröder liest, begreift, nicht nur Aufbruch kostet Mut, sondern auch Heimkehr.
Jetzt erzählt die Autorin, was in ihrem gefeierten Bestsellerroman ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ im Dunklen blieb.
- »Alena Schröder hat eine dichte, emotionale Geschichte gewoben, genauso spannend wie zum Nachdenken anregend.« Donna
- »Ein Starker Familienroman, in dem es auch darum geht, wie Frauen aller Generationen mit dem Muttersein hadern.« Freundin
- »Atmosphärisch dicht, die Rückblenden so mitreißend wie Babylon Berlin.« flow
- »Hoppla, Alena Schröder ist eine echte Entdeckung.« Denis Scheck, ARD Druckfrisch
Bibliografische Daten
5. Auflage
Alena Schröder
Alena Schröder, geboren 1979, arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie hat Geschichte, Politikwissenschaft und Lateinamerikanistik in Berlin und San Diego studiert und die Henri-Nannen-Schule besucht. Nach einigen Jahren in der ›Brigitte‹-Redaktion arbeitet sie heute frei u.a. als ›Brigitte‹-Kolumnistin. Gemeinsam mit Till Raether spricht sie in ihrem Podcast »sexy und bodenständig« über das Schreiben.
3 - 10 von 163 Leserstimme
Familiengeheimnisse
Alena Schröders zweites Buch spielt in Berlin und dem schwäbischen Ildingen.Die Geschichte der Familie Borowski wird in zwei Zeitebenen erzählt: die aktuelle ist 1989, die Rückblenden führen in die 1950er Jahre. Silvia ist 33 und ungewollt schwanger. Der Vater des Kindes ist verheiratet und lehnt jeden Kontakt ab. In ihrer Verzweiflung flieht Silvia mit Baby Hannah aus ihrer schmuddeligen WG in Berlin zurück zu ihrer Mutter nach Ildingen. Von dort war sie vor langer Zeit ebenfalls geflohen. Mutter Evelyn, eine verwitwete Ärztin im Ruhestand, empfängt sie so kühl und wortlos wie Silvia das seit ihrer Kindheit kennt. Die ehemaligen Klassenkamerad*innen bestaunen den etwas schäbigen Paradiesvogel aus der Großstadt. Kann Silvia hier wieder heimisch werden? Wird Hannah ihre Großmutter erweichen?Die Protagonistinnen Silvia und Evelyn waren mir auf den ersten Blick beide nicht sonderlich sympathisch. In dem Maß, in dem die Autorin ihre jeweilige Geschichte enthüllt, wuchs jedoch mein Verständnis für ihr Verhalten. Es kommen tragische Familiengeheimnisse ans Licht, die immer wieder neue Wendungen in die Handlung bringen. Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen, nur gelegentlich etwas zu detailliert. Der Roman hat mich insgesamt gut unterhalten.
Die Geister der Vergangenheit
Das Cover ist mit Vögel und mit roten blumigen Elementen passend für diesen Roman gestaltet.Der Schreibstil liest sich leicht verständlich und die direkte Wortwahl hält die Dialoge angenehm lebendig.Silvia flieht mit ihrem Baby aus ihrer hektischen WG in der DDR zu ihrer Mutter nach Westdeutschland. Sie hat sie seit 15 Jahren nicht gesehen und möchte das Verhältnis zu ihr verbessern.Die Handlung wechselt von der Gegenwart immer wieder in die Vergangenheit. Silvia und ihre Mutter durchleben noch einmal ihr bisheriges Dasein.Einige Rückblicke der Protagonisten an ihr früheres Leben sind verblasst. Jeder hat eine andere Erinnerung daran.Manchmal muss man einfach die Vergangenheit hinter sich lassen, um ein glückliches Leben zu führen.Fazit:Ein authentischer Roman, der bewegt und den Leser nachhaltig beschäftigt!
Mutter-Tochter-Beziehung im Wandel der Zeit
Ich bin auf dieses Buch aufmerksam geworden, weil ich den Titel so interessant fand und jetzt kann ich bestätigen, dass er tatsächlich sehr gut passt. Das Cover finde ich weiterhin irgendwie nichts sagend und unpassend.Inhaltlich geht es um das Leben von Silvia, die 1989 frisch Mutter einer Tochter wurde, ihre Mutter Evelyn und ihr Leben als junge Frau und Mutter in den 60er und 70er Jahren sowie ihre schwierige Beziehung zueinander. Die verschiedenen Ereignisse werden mit Hilfe von Zeitsprüngen und aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt.Für mich war es das erste Buch der Autorin und ich fand die Erzählweise sehr spannend und nahbar. Mir hat es ein sehr gutes Gefühl der Lebenssituationen und Gefühlslagen vermittelt. Zwischendurch hatte das Buch seine Längen. Der Höhepunkt der Familiengeschichte kam für mich jedoch unerwartet und nicht vorhersehbar. Ich denke, dass ich aufgrund dieses Buches auch den Debütroman der Autorin "Junge Frau, am Fensterstehend, blaues Kleid" lesen möchte.
Es geht weiter mit den Borowskis...
Ohne den Hinweis meiner Bibliotheksleiterin wäre mir nie aufgefallen, dass es sich bei dem vorliegenden Buch um eine Art Fortsetzung bzw. Vorgeschichte zu "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" handelt. Ich habe lediglich dazu gegriffen, eben weil mir vorher genanntes Buch so gut gefallen hatte.Zunächst möchte ich die Covergestaltung loben. Man sieht auf den ersten Blick, dass es sich um ein Buch von Alena Schröder handelt. Der helle Hintergrund in Kombination mit den Vögeln und den Blüten verströmt eine gewisse Leichtigkeit. Dieses Mal geht es um Evelyn und ihre Tochter Silvia und wir wechseln zwischen den 50ern im ländlichen Ildingen und 1989 in Berlin und später auch in Ildingen. Ich mag es, dass hier zwei Perspektiven und Zeiten beleuchtet werden, denn das erhöht die Spannung, da meist der Break kommt, wenn es gerade richtig heiß hergeht. Zudem wird hier nochmal sehr klar, was von den Frauen der damaligen Zeit erwartet worden ist und dass man sich am besten Fall an die Rollenbilder der Gesellschaft hält und bloß nicht daraus ausbricht.Gut gefallen hat mir hier wieder mal, dass die Autorin den Fokus auf die weiblichen Figuren legt mit all ihren Problemen, Ängsten und Sorgen. Ich konnte mich in beide sehr gut einfühlen, auch wenn ich vielleicht Evelyns harte Art schon sehr anstrengend fand, aber sie ist nun mal eine Frau ihrer Zeit. Ich mochte sehr, dass es gerade bei ihr am Ende eine Entwicklung zum Positiven gibt.Der Knaller waren für mich die letzten hundert Seiten, denn was da noch alles aufgedeckt wird, das habe ich so nicht kommen sehen. Nachdem ich das Buch zugeklappt hatte, musste ich erstmal durchatmen.Fazit: Ein berührender Familienroman, der mich sehr gut unterhalten hat. Den kann man einfach nur empfehlen.
Eine sehr berührende Geschichte
Silvia fährt 1989 mit ihrer kleinen Tochter Hannah von Berlin zurück in ihre Heimat in Süddeutschland. Jahrelang gab es zwischen Silvia und ihrer Mutter Evelyn wenig bisngar keinen Kontakt, aber Berlin gibt Silvia nicht das was sie sucht.Ich las von der Autorin schon "Junge Frau, am Fenster sehend, Abendlicht, blaues Kleid". Kann mich aber, wenn ich ehrlich bin, nicht mehr an die Protagonisten erinnern. Daher bringt mir persönlich der Zusatz, das diese Geschichte Licht ins Dunkle bringt nichts. Dennoch hat mich dieses Buch sehr gefangen genommen und sehr gut unterhalten. Die Autorin hat einen sehr schönen Schreibstil. Mich hat die Mutter-Tochter Geschichte, die meiner Meinung nach keinen bemerkenswerten Bezug auf das erste Buch hat, jedenfalls sehr gut unterhalten. Was wir aus 'Bei euch ist es immer so unheimlich still' lernen können, redet miteinander. Mich hat es jedenfalls gut unterhalten und ich habe es gerne gelesen.
Vielschichtiger und berührender Unterhaltungsroman
Die Journalistin Alena Schröder hatte mit ihrem Debut „ Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ 2021 einen großen Erfolg. Im neuen Roman begegnen wir zwei Figuren wieder, die wir aus dem ersten kennen. Die Autorin erzählt hier nun von der Zeit dazwischen; allerdings lassen sich beide Bücher unabhängig voneinander lesen. Im Sommer 1989 entschließt sich die 33jährige Silvia spontan zu einer Reise in ihr schwäbisches Heimatdorf. Vor beinahe achtzehn Jahren ist sie von dort geflüchtet, hat jeglichen Kontakt zu den Eltern abgebrochen. Sie war lange in der weiten Welt unterwegs, bis sie in Westberlin heimisch wurde. Nun ist sie in einem „geliehenen“ Polo unterwegs, auf dem Beifahrersitz in einem Wäschekorb liegt ihre nur wenige Wochen alte Tochter Hannah. Der provisorische Alltag in einer WG mit diversen Jobs passt nicht zu einem Leben mit Kind, findet Silvia. Der Kindsvater hat auch kein Interesse an ihr und dem Baby. Jetzt hat sie plötzlich Sehnsucht nach der Mutter. Nach dem Krieg folgt die elternlose Evelyn ihrer Freundin Betti nach Süddeutschland. Dort lernt sie Karl, den Bruder von Betti kennen, der traumatisiert aus dem Krieg heimgekehrt ist. Die Beiden studieren gemeinsam Medizin und heiraten. Mit der lang ersehnten Geburt von Töchterchen Silvia scheint das Glück vollkommen. Doch Evelyn fühlt sich fremd, fremd in dem Dorf, fremd in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter. Viel lieber würde sie weiter ihren Beruf ausüben. Doch wir sind in den Fünfziger Jahren. Da waren die Erwartungen an Frauen andere.Die Handlung wechselt kapitelweise zwischen den beiden Zeitebenen. Wir lesen zum einen von der schwierigen Annäherung zwischen Mutter und Tochter. Beide Frauen müssen lernen aufeinander zuzugehen und frühere Fehler und Versäumnisse einzugestehen. Aber das fällt ihnen schwer. Sie haben nie gelernt, über ihre Gefühle zu reden. Gleichzeitig erfahren wir auf der anderen Ebene, wie es überhaupt zum Bruch zwischen Eltern und Tochter kommen konnte. Der Roman entwickelt von Anfang an einen Sog, der bis zum Ende nicht nachlässt. Alena Schröder hat einen angenehmen Erzählstil, lakonisch, aber trotzdem packend. Dabei lässt sie Platz für Zwischentöne. Die Charaktere sind vielschichtig und psychologisch stimmig. Durch die wechselnden Perspektiven bekommt der Leser einen tiefen Einblick in Gefühle und Motivationen der Protagonisten. So wächst das Verständnis für deren Verhalten. Auch Nebenfiguren werden liebevoll und genau geschildert. Mit ihrer Familiengeschichte spannt Alena Schröder einen Bogen von den Fünfzigerjahren bis in die Zeit kurz vor dem Mauerfall. Dabei lässt sie sehr gekonnt die Atmosphäre der jeweiligen Zeit spürbar werden. Es sind eine Menge Themen, die die Autorin hier anspricht, ohne dass der Roman überladen wirkt. Im Vordergrund steht eine komplizierte Mutter- Tochter-Beziehung und damit das Thema Mutterschaft überhaupt. Kann ich eine gute Mutter sein, wenn ich selbst keine Mutterliebe erlebt habe? Wie durchbreche ich solche familiäre Prägungen? Wie lässt sich Muttersein mit dem Wunsch nach Selbständigkeit und einem erfüllenden Beruf vereinbaren? Dabei spielen Erwartungen eine große Rolle, die eigenen, sowie solche, die von außen an einen gestellt werden. Aber auch das Schweigen in Familien wird thematisiert, die Unfähigkeit, mit unseren Nächsten zu kommunizieren. Darauf spielt der Titel des Romans an.Und ganz nebenbei liest man vom Leben in der Provinz, von der Rückkehr in die Heimat.Mit „ Bei euch ist es immer so unheimlich still“ ist Alena Schröder erneut ein vielschichtiger und berührender Unterhaltungsroman gelungen, den ich sehr gerne gelesen habe und weiterempfehlen kann.
Die Stille muss durchbrochen werden!
Klappentext:„Es gibt mehrere Arten, eine Geschichte zu erzählen. Aber nur eine, die alles verändert.Ildingen, 1950er Jahre. Evelyn Borowski hat alles, was sie sich je erträumt hat: Ein Eigenheim mit Garten, einen fürsorglichen Mann und das lang erwartete Töchterchen Silvia. Trotzdem ist sie nicht glücklich: Sie vermisst ihren Beruf als Ärztin und fühlt sich fremd und allein in dieser süddeutschen Kleinstadt. Betti, Ihre Freundin und Schwägerin, ist unverheiratet und kümmert sich deshalb um die Eltern. Mit losem Mundwerk und rasantem Fahrstil sorgt sie für reichlich Ärger.Ein außergewöhnlicher Familienroman, der einen Bogen von der Nachkriegszeit bis zur Wende spannt.1989, in Berlin liegt Aufbruch in der Luft. Silvia Borowski aber macht einen Schritt zurück. In einem geklauten Polo fährt sie Hals über Kopf Richtung Süden. Neben ihr die erst wenige Wochen alte Tochter Hannah. Was erwartet sie in ihrem Heimatort, aus dem Silvia vor vielen Jahren überstürzt geflohen ist? Ist sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?Eine berührende Mutter-Tochter-Geschichte, die von der Last jahrzehntelangen Schweigens erzählt, und von dem Mut, es zu brechen.“Mein erstes Buch von der Autorin Alena Schröder! Ihre Geschichte „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ hatte einen wunderbaren Aufbau. Egal ob sprachlich, Perspektivenwechsel oder auch Gedankengänge der Figuren oder auch der Ausdruck - es war ein sehr gutes Lesevergnügen! Auch wenn dieses Schema der Geschichte aktuell häufig in der Buchwelt anzutreffen ist, empfand ich die Story als gelungen. Einerseits erlesen wir die Geschichte von Evelyn Borowski in den 1950er Jahren und dann die Geschichte ihrer Tochter Silvia knapp 40 Jahre später. Beide Frauen tragen ihren Lebensrucksack mit sich, beide haben ihre Lebenserfahrung gesammelt und es stellt sich die Frage was Evelyn ihrer Tochter Sylvia mit auf den Lebensweg geben konnte und auch was Sylvia irgendwann ihrer Tochter Hannah weitergeben kann. Evelyns Geschichte, egal ob Kindheit oder Mutterschaft ist durch eben die damalige Zeit und ihre Eigenschaften geprägt und bei Sylvia ist es ebenso der Fall. Evelyn ist durch den Zweiten Weltkrieg innerlich gezeichnet (die Beschreibungen ihrer Kindheit gehen wahrlich tief unter die Haut), hat aber dennoch ihre Karriere gemacht bis zu einem gewissen Punkt und Sylvia ist nunmal ein Nachkriegskind. Die Zeiten sind bei beiden hart, die Empfindungen beider extrem unterschiedlich aber dennoch ähneln sie sich. Wir erleben Entwicklungen, Streitereien, Versöhnungen und positive wie negative Einschnitte in die Familienwelt. Was beiden aber fehlt ist der Mut endlich über so vieles zu sprechen! Der Buchtitel ist hierfür einfach grandios gewählt! Diese unausgesprochenen Situationen bewegen den aufmerksamen Leser sehr und man möchte am liebsten Mal richtig auf den Tisch hauen und den beiden klar machen: „Reden hilft! Reden löst Probleme!“. Es ist aber ein harter und steiniger Weg für beide und gen Ende gibt es Wendungen die von Schröder wirklich gut eingebaut wurden. Die Geschichte hat viele authentische Stellen aber hier und da auch Übertreibungen bzw. vorhersehbar Situationen. Schröder nimmt den Leser schnell ein und begibt sich mit ihm auf Zeitreise welche wirklich gut getroffen wurde. Ich vergebe hierfür 4 sehr gute Sterne und definitiv eine Leseempfehlung an alle, die gerne analysieren und auch mal zwischen den Zeilen lesen!
Mutter-Tochter-Beziehung
In diesem Roman treten erneut Evelyn und Silvia Borowsky (Mutter und Tochter) auf, die schon in dem Debütroman „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ der Autorin eine Rolle spielen. Es handelt sich allerdings um keinen Fortsetzungsroman, da die erste Geschichte chronologisch früher angesiedelt ist. Beide lassen sich vollkommen unabhängig voneinander lesen. Inhaltlich steht das komplizierte Mutter-Tochter-Verhältnis im Vordergrund. Evelyn konnte bzw. durfte als Frau ihrer Zeit (1950er Jahre) nach der Geburt ihrer Tochter zunächst nicht ihre sie voll ausfüllende Berufstätigkeit als Ärztin fortsetzen, weil das seinerzeit gesellschaftlich unerwünscht war. Indirekt hat das dann dazu geführt, dass sie ihrer Tochter nicht die notwendige Liebe geben konnte und aus dieser ein „schwarzes Schaf“ wurde. Also eine Thematik, die selbst heute noch von Bedeutung ist, sehen sich berufstätige Mütter doch immer noch gelegentlich dem Vorwurf einer Rabenmutterschaft ausgesetzt. Auch andere gesellschaftlich relevante Themen werden berührt, wie das Unvorbereitetsein während des Übergangs von Berufstätigkeit in den Ruhestand oder das Leben auf dem Dorf, wo ein jeder alles vom anderen weiß und niemand dem Dorfklatsch ausgesetzt sein will. Alles liest sich recht flüssig, wenngleich sich Ähnliches bereits gehäuft auf dem Buchmarkt findet. Insgesamt ist die Geschichte mit ihren Wendungen etwas konstruiert und sind die Romanfiguren eher gekünstelt und nicht gerade Sympathieträger, was mich dazu neigen lässt, von meiner objektiven Vier-Sterne-Bewertung einen halben Stern abzuziehen.
Highlight
Auf dieses Buch bin ich durch Instagram aufmerksam geworden. Ich habe tatsächlich noch kein Buch der Autorin gelesen und wollte dieses gern lesen. Denn der Klappentext und auch der Titel des Buches haben mich neugierig gemacht. Der Schreibstil der Autorin ist sehr eindrucksvoll, wie ich finde. Ich hatte keine Schwierigkeiten mich in die Geschichte einzufinden und hatte gute Lesestunden. Evelyn hat alles, was sie je geträumt hat. Ein Eigenheim mit Garten, einen einfühlsamen Mann und eine Tochter. Doch glücklich ist sie nicht, denn sie vermisst ihren Job als Ärztin und fühlt sich fremd in der suddeutschen Kleinstadt. Betti, ihre Freundin und Schwägerin, ist unverheiratet und kümmert sich um die Eltern. Doch nicht immer ist das angenehm, denn sie eckt an mit ihrem losen Mundwerk. Es gibt reichlich Ärger. Dieses Buch ist für mich ganz großes Lesekino, denn ich empfinde es als Highlight. Die Autorin hat beeindruckende Worte gefunden, die passend sind und die Geschichte perfekt machen. Die Familiengeschichte ist beeindruckend und ich denke einige werden sich hier in Worten mal wieder erkennen. Für mich großartige Lektüre und ich vergebe 5 Sterne.
Tiefgründig und berührend
Vor zwei Jahren hat Alena Schröder mich mit ihrem Debütroman "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" begeistert. Nun ist im dtv-Verlag ihr Buch "Bei euch ist es immer so unheimlich still" erschienen, die Vorgeschichte ihres Debüts.Beide Romane können unabhängig voneinander gelesen werden, da die Handlungen ineinander abgeschlossen sind. Die Autorin erzählt die Geschichte wie bereits im ersten Buch auf zwei Zeitebenen, die gekonnt miteinander verflochten sind. 1989, West-Berlin: Silvia, Anfang Dreißig und frischgebackene Mutter, lebt in einer Hausbesetzer-Wohngemeinschaft. Der Vater der kleinen Hannah ist verheiratet und hat kein Interesse, seine Tochter kennenzulernen. Kurzentschlossen "leiht" Silvia sich das Auto ihres Mitbewohners Dirk aus, um nach Baden-Württemberg zu ihrer Mutter zu fahren, die sie seit über 15 Jahren nicht mehr gesehen hat.1950, Ildingen: Die junge Evelyn heiratet den traumatisierten Kriegsheimkehrer Karl. Beide studieren Medizin und treten eine Stelle im Krankenhaus an. Nach Silvias Geburt gibt Evelyn ihren Beruf auf, um sich ihrem Kind und dem Haushalt zu widmen. Doch es fällt ihr schwer, sich in die neue Rolle einzufinden, ihre Tochter ist ihr fremd, und sie vermisst ihre Tätigkeit im Krankenhaus schmerzlich.In Alena Schröders Buch steht die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung im Mittelpunkt. Die beiden Frauen begegnen einander sehr distanziert, es fällt ihnen schwer, über die Vergangenheit und die alten Konflikte zu reden. Die Autorin beschreibt ganz wunderbar und mit viel Empathie, wie Evelyn und Silvia sich ganz langsam nach den vielen Jahren der Trennung wieder einander annähern. Nach und nach wird die Vergangenheit mit all ihren Geheimnissen und Verletzungen aufgeblättert, und es wird klar, warum Silvia vor Jahren aus dem Elternhaus geflohen ist.Die Geschichte hat mich vom Beginn bis zum stimmigen Ende sehr gefesselt und berührt. Ich mag den schönen und intelligenten Sprachstil der Autorin und die Art, wie sie die interessanten Charaktere beschreibt, uns in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen lässt. Nicht nur die beiden Hauptpersonen, auch die Nebenfiguren, wie Karl, Betti, Rüdiger und Monika sind ganz wunderbar und authentisch skizziert. Es hat mir sehr gut gefallen, dass die Autorin auch politische und historische Ereignisse, wie die Fußballweltmeisterschaft 1954 und die Öffnung der Berliner Mauer, in die Romanhandlung hat einfließen lassen.Absolute Leseempfehlung für diesen wunderbaren und tiefgründigen Roman!