Eine Frau wird von einer Fremden angesprochen, die behauptet, sie hätten beide denselben Vater. Ein Roman von großer literarischer Tiefe und Schönheit, im Werk von Julia Schoch ein neuer Höhepunkt.
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Das Vorkommnis
Eine Frau wird von einer Fremden angesprochen, die behauptet, sie hätten beide denselben Vater. Die überraschende Begegnung bleibt flüchtig, löst in ihr aber eine Welle von Emotionen aus. Fragen drängen sich auf, über Ehe und Mutterschaft, über Adoption und andere Familiengeheimnisse, über Wahrheit überhaupt. In ›Das Vorkommnis‹ erzählt Julia Schoch – eine der eindrücklichsten Stimmen autofiktionalen Erzählens in der deutschen Literatur – von einem Leben, das urplötzlich eine andere Richtung bekommt. Fesselnd und klarsichtig, so zieht sie hinein in den Strudel der ungeheuerlichen Dinge, die gleichzeitig auch alltäglich sind. Ein Roman von großer literarischer Tiefe und Schönheit, im Werk von Julia Schoch ein neuer Höhepunkt.
Bibliografische Daten
1. Auflage
Julia Schoch
Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in Eggesin in Mecklenburg, gilt als »Virtuosin des Erinnerungserzählens« (FAZ). Zuletzt veröffentlichte sie die Romane ›Das Vorkommnis‹, ›Das Liebespaar des Jahrhunderts‹ und ›Wild nach einem wilden Traum‹ als die drei Bücher ihrer gefeierten Trilogie ›Biographie einer Frau‹. 2022 wurde ihr die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung verliehen, 2023 der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen, 2024 der Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis. 2025 zeichnete man sie mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Sie lebt in Potsdam.
3 - 10 von 71 Leserstimme
Welche Geschichten erzählen wir uns über unsere Familie?
In dieser autofiktionalen Erzählung setzt sich die Erzählerin, eine Schriftstellerin, mit Adoption, Familiengeheimnissen, und der Kontinuität ihrer Familienbiografie vor dem Hintergrund der deutsch-deutschen Geschichte auseinander. Dabei lenkt sie in bemerkenswerter Weise den Blick auf Korrekturen und blinde Flecken in der eigenen Biografie, und hinterfragt sicher geglaubte Tatsachen in den Beziehungen zu ihrer Familie.Auslöser für diese Auseinandersetzung ist das titelgebende „Vorkommnis“. Die namenlose Ich-Erzählerin wird auf einer Lesereise von einer ihr unbekannten Frau angesprochen; sie sei ihre Halbschwester väterlicherseits und vor der Geburt der Erzählerin selbst zur Adoption freigegeben worden. An diesem Punkt setzt eine puzzleartige Recherche in die Familiengeschichte ein, bei der sie nicht nur im schreibenden Sinne, sondern auch räumlich einen Schritt zurücktritt und die familiären Beziehungen unter die Lupe nimmt.Wie spricht man in Familien über Glück, Angst, Beziehungsgeflechte, Erinnerungen, wenn es unzählige in Schubladen versteckte „Vorgeschichten“ gibt? Können wir uns dennoch auf Familienerzählungen verlassen? Und wichtiger: Wer sind wir wirklich, welche "Negativabdrücke", wie bei einem Fotonegativ, haben diese Geheimnisse im eigenen Leben hinterlassen?Spannende Themen, die viel aufrühren und in einer fast sachlichen, jedoch niemals der Illusion von Kontrolle erliegenden Prosa erarbeitet werden. Das Leben mit seinen Alltagsdramen geht weiter, während sich die Introspektion unerbittlich ihren Raum sucht. Man spürt förmlich, wie die Erzählerin versucht, sich diesen Raum zu nehmen und den Alltag, zeitweise ist sie als Dozentin an einer amerikanischen Universität beschäftigt, auszublenden und sich zu entfernen, um ihrer eigenen Geschichte näherzukommen. Als schreibende Frau mit zwei kleinen Kindern wird das auch zur praktischen Herausforderung. Mit ihrer sie begleitenden Mutter beginnt sie Gespräche über die Vergangenheit, merkt aber, dass das nicht geht ohne weitere Fragen aufzuwerfen.Für meinen Geschmack ging der Versuch des "Zurücktretens" vom untersuchten Objekt fast ein bischen zu weit. Es fiel mir schwer, emotional dran zu bleiben. Man spürt selbst in der Sprache die Distanz, um die sich die Erzählerin so sehr bemüht. Andererseits: Vielleicht braucht es eine gewisse Distanz für diese Art von persönlicher, sich auseinandersetzender Literatur?Insgesamt ein spannender Text, besonders für Fans von autofiktionaler Literatur, der Stil erinnert mich ein bischen an Rachel Cusk und Deborah Levy.
Unglaublich gut!
„Das hier ist nicht die Geschichte meiner Familie. Die Geschichte meiner Familie gibt es nicht. Da ist nur die Geschichte einer Verwirrung. (...) Ich bilde mir ein, über eine Geschichte zu schreiben, die nicht meine eigene ist. Zu schreiben, damit ich herausfinde, warum sie mich berührt.“ (S. 89f)Als sie nach einer Lesung von einer Fremden angesprochen wird, die behauptet, ihre Schwester zu sein, wird die Frau von Emotionen überrollt: Zunächst ist da eine unbekannte Freude ob des „neuen“ Familienmitglieds, aber auch große Irritation über plötzliches, unvermitteltes Auftauchen, später sogar Angst, Unsicherheit, ja, Ärger. Die Begegnung, so flüchtig sie auch war, lässt sie ihr Leben, alles, was sie über ihre Familie und das Leben an sich zu wissen glaubte, hinterfragen: die matriarchalen Entwicklungen im Kontext der deutschen Geschichte, die Beständigkeit ihrer Ehe, die Wahrheit. "Nie weiß man genau, in welcher Gegenwart man lebt. Manchmal sind wir lange Zeit in Gedanken woanders, bei Menschen und Geschehnissen aus einer anderen Zeit, anderen Räumen." (S. 187)In „Das Vorkommnis“, dem ersten Band des autofiktionalen Erzählzyklus‘ „Biographie einer Frau“, beschreibt Julia Schoch mitreißend und sehr persönlich, welche Auswirkungen das unvermittelte Aufeinandertreffen mit ihrer Halbschwester auf ihr Leben hat, wie sie ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart, ihre Zukunft in Frage zu stellen beginnt. Zunächst versucht sie, die Begegnung zu verdrängen, ist froh darüber, wegen ihres halbjährigen Lehrauftrags in die USA zumindest räumliche Distanz zu schaffen – doch die Gedanken bleiben und wecken immer wieder die Geister der Vergangenheit. Sie ist getrieben von der Frage, was eine Mutter dazu bewegt, ihr Kind – im Speziellen: ihre Halbschwester – zur Adoption freizugeben, ersucht sich Rat bei ihrer „richtigen“, älteren Schwester, doch ihre Beziehung ist seit einem Vorfall distanziert und kühl, nicht einmal diese schicksalhafte Fügung bringt sie einander näher. Doch das ist nicht das Einzige, was sie beschäftigt. Insbesondere die Rollen der Frauen ihrer Familie geben ihr keine Ruhe: So reflektiert sie ihre eigene Mutterschaft, die Phasen des Abstillens, der neuen Unabhängigkeit und die Leere, die es hinterlässt, ihre Beziehung zu ihren Kindern, aber auch das Leben ihrer Mutter, die sie in die USA begleitet hat. Sie scheint ihr Leben lang immer zurückgesteckt, keine Pause gehabt zu haben, und blüht mit dem Alter und seinen neuen Freiheiten – vielleicht auch der Distanz zu ihrem Mann – endlich auf. Geht es ihr selbst denn nicht genauso? Denkt sie nicht schon seit langem darüber nach, sich von ihrem Mann zu trennen; hatte sie nicht schon einen Zettel in ihrem Portemonnaie mit eben diesen Zeilen? Und was macht eine Familie eigentlich aus, was hält zusammen? Und immer wieder die Gedanken an ihre Halbschwester und deren Herkunft, die sie nicht loslassen. Die Art und Weise, wie Julia Schoch sich den Fragen nach ihrem Leben, der Rolle der Frau und der alles umfassenden Wahrheit nähert, ist bemerkenswert: Ihre kurzen Anekdoten und Sinneseindrücke geben Raum und fordern dazu auf, über das Gelesene zu reflektieren, Parallelen oder Gegensätze zum eigenen Leben und Erleben zu finden. Sie wechselt immer wieder von einer sehr intimen, nachdenklichen Perspektive auf eine erhabenere Metaebene, distanziert sich, sucht Schutz hinter „geschlossenen Türen“, wie sie es öfters beschreibt – sowohl in der Sprache als auch in ihren Handlungen. Ein Gedanke baut auf den nächsten auf, und so folgt die Erzählung keiner starren Linie, es ist vielmehr ein intuitives, natürliches Spiel der Gedanken. Doch wie verlässlich unsere Erinnerungen sind, wie viel daran Wahrheit oder Fantasie, lässt sich im Rückblick oft nicht sagen. Was ich aber sicher weiß: Dieses Buch hat etwas mit mir gemacht, das ich nicht in Worte fassen kann. Es ist nicht einmal so, dass ich ihr in all ihren Gedanken und Fragen, die sie in den Raum stellt, zustimme, nein, vielmehr ist es die drängende, nach Antworten verlangende Stimme, mit der sie schreibt, ihre Ehrlichkeit, ihr Menschsein, das mich gefangen genommen hat. Große Empfehlung!
Ein einziger Satz und ganz viel Selbstreflexion
Eine Begegnung auf einer Lesung, der Satz einer jungen Frau "Wir haben übrigens denselben Vater.", gerichtet an die Autorin, dieses Vorkommnis ist der Ausgangspunkt für diese autofiktional aufgearbeitete, in der Ich-Form angelegte Geschichte und es bricht Gräben auf, nicht nur, verständlicherweise geschockt aus dem Moment heraus, für eine kurze Zeit des sich Sammelns und Sortierens. Nein, über Jahre begleitet die Ich-Erzählerin dieses Ereignis und es hat Folgen für sie selbst. An die Stelle von Gelassenheit und einem sicheren inneren und familiären Gefüge, in dem sie glaubte, fest verankert zu sein, treten Zweifel. Erinnerungen werden hochgeholt, die Gedanken gehen zurück zu ihrer Kindheit in Ostdeutschland, zu ihren Eltern und immer wieder wird auch das Konstrukt ihrer eigenen Familie und die Beziehung zu ihrem Ehemann durchleuchtet.Ein Roman, der getragen wird von der Person der Autorin selbst. In ihr schwirren die Gedanken durch sämtliche Ritzen ihres bisherigen Seins und um sie herum dreht sich das Leben, das sich über die Jahre eben so anhäuft. Geschrieben in einer sehr flüssigen und präzisen Sprache, mit kleinen Nuancen von ins Sarkastische driftendem Humor, hat dieses Buch eine Menge zu bieten und die Selbstreflexion der Autorin überträgt sich unweigerlich auch in der einen oder anderen Form auf ihre Leser. Hier wird viel Gedankenarbeit geleistet, auch wenn die Buchdeckel schon geschlossen sind.
Frauenbiographie I - Die Beobachterin
Mein Blick fällt zunächst auf das Cover des Buches.Es zeigt ein Frauengesicht mit scheinbar in sich gekehrtem Blick, sowohl umgeben von dunklen düsteren Farben als auch einstechenden Rottönen - vom Halse her.Das löst in mir eine erste Beunruhigung und zugleich Neugier aus, die mich durch die 72 Kapitel des 191 Seiten umfassenden Buches tragen.Ich lese ein Romanfragment heraus, ausgelöst von einer Begegnung der Ich-Erzählerin mit einer ihr fremden Frau, die sich als ihre Halbschwester ausgibt.Es sind sehr viele Gedanken der Protagonistin ineinander verwoben, die um ihren inneren Kosmos kreisen und ihr Leben als Kind und Jugendliche in der DDR, ihre späteren Jahre als Schriftstellerin und Dozentin aufzeigen und ganz konkret einen längeren Aufenthalt mit Mutter und zwei Kindern in Detroit erfassen.Die Handlungen sind karg und übersichtlich gefasst, es ist vor allem ein gedankenschweres Buch.Immer wieder hinterfragt sich die Erzählerin zum Schwesternsein, zum Gefüge ihrer Familie und zu den Beziehungen zu ihrem Mann. Es sind vor allem die Frauengestalten, die ihr Reflektieren prägen.Alle Personen - einschließlich der ihrer Familie - sind distanziert gefasst, Namen werden nicht erwähnt. Vater, Mutter, Kind. Älteres Kind. Schwester.Das Fehlen der Eigenschaften erschwert mir den emotionalen Zugang zur Biographie dieser Frau, lässt mich andererseits aber viele nachdenkenswerte Sätze ganz für sich und aus dem Kontext heraus bestaunen. Manchmal bin ich fast ein wenig erschrocken, wie gnadenlos ehrlich sich die Ich-Erzählerin zum Mutter- und Frausein äußert und hinterfragt. Ihre gedanklichen Einschübe finde ich sowohl umklammert als auch kursiv abgesetzt - und so kann ich mich gut an ihre Seite gesellen und wie sie die Beobachterrolle einnehmen. Ich sehe diese vielen Kapitel als Puzzleteile oder Papierfetzen oder -schnipsel, die ich zusammenfügen und einzeln für sich nebeneinander legen kann.Dieses Ungewisse - dieses Schwebende zwischen den Zeilen beunruhigt mich zum einen - lässt mich aber auch ein wenig versinken und meine eigene zur Zeit sehr schwierige Welt anders betrachten. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die weiteren beiden Teile der Triologie aufnehmen und verfolgen werde, möchte hier aber eine bedingte Empfehlung aussprechen.Es ist kein leichter Leseweg, den ich mit dem "Vorkommnis" zurücklege...
Ehrliche und tiefgründige Familiengeschichte
"Das Vorkommnis", das erste Buch einer Triologie der Autorin Julia Schoch, ist ein literarisches Meisterwerk!Eine Schriftstellerin trifft bei einer Lesung auf eine Frau, die sich als ihre Halbschwester vorstellt. Diese kurze Begegnung, dieses Vorkommnis, löst viele Gefühle los und bringt sie zum Nachdenken - über ihre Familie und ihr eigenes Leben. Der Leser wird durch die feinfühligen Beschreibungen in ein Gedanken-Labyrinth der Hauptakteurin geführt. Das Aufwachsen in Ostdeutschland, die Beziehungen zu Eltern und Ehemann, alles kommt gedanklich auf den Tisch und wird sachlich und ehrlich hinterfragt. Die Geschichte wird in Ich-Form erzählt. Es ist eine bewegende und anspruchsvolle Geschichte, die mit einer Prise Humor und Ironie gewürzt ist und daher immer leicht und flüssig zu lesen ist. Der Autorin kann sich meisterlich mit Worten ausdrücken, so dass der Roman für mich ein regelrechter Lese-Hochgenuss ist!Für mich gibt es daher eine klare und eindeutige Kauf- und Leseempfehlung!Und ich freue mich schon heute auf die zwei nächsten Bücher!
Tiefer Einblick in Familienkonstellationen
Als eine besondere Stärke des autofiktionalen Erzählens erlebe ich es häufig, dass man als Leserin besonders intensiv in die Gefühlswelt der Erzählperspektive hineingezogen wird. So auch hier. Das titelgebende "Vorkommnis" geschieht bereits auf der ersten Seite: Die Erzählerin begegnet auf einer Lesung zu ihrem eigenen Buch einer Frau, die behauptet, denselben Vater wie die Protagonistin zu haben. Erst rückblickend erkennt die Erzählerin, wie dieser Moment sie geprägt hat: längst verschüttet geglaubte Familienthemen kommen zum Vorschein, Fragen nach Ehe und Mutterschaft drängen sich auf, Beziehungen werden beleuchtet und hinterfragt, die Kindheit in der DDR wird plötzlich wieder präsent.Julia Schoch verbindet mit Leichtigkeit die Gegenwart der Erzählung mit den zurückliegenden Erinnerungen. Dabei hätte sie als Aufhänger für ihre Geschichte sicher auch ein anderes Ereignis wählen können - es geht nicht so sehr um Handlung und Spannungsbogen, das wirklich beeindruckende sind die vielen feinfühligen Beobachtungen menschlichen Verhaltens, die Art und Weise, wie es der Autorin gelingt, Gefühle in Worte zu fassen, die klugen Gedanken zur eigenen Positionierung in der Welt, in der Familie. Man bekommt ein starkes Gefühl dafür, wie die als stabil und harmonisch wahrgenommene Sicht auf das eigene Leben fast unmerklich ins Wanken gerät, wie sich eine Unsicherheit in ihre Wahrnehmung einschleicht, die sie erst mit etwas Abstand überhaupt reflektieren kann. An der ein oder anderen Stelle verliert sich der Fokus etwas, insgesamt aber sprachlich hervorragend und mit einem großen Output an klugen Gedanken. Auf die angekündigten zwei weiteren Teile dieser "Biographie einer Frau" bin ich sehr gespannt.
Einblicke in eine Familie
Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie über eine Familiengeschichte. Es wird in der Ich-Form erzählt - die Erzählerin lernt auf einer Lesung ihre Halbschwester kennen. Bevor es zum Austausch von Kontaktdaten und Adressen kommt, ist diese auch schon wieder verschwunden. Die Atmosphäre im Buch ist sehr düster und traurig - es gibt einen Einblick in eine Familie, und was es mit der Halbschwester auf sich hat. Der Vater bringt etwas Licht ins Dunkel. Am Ende war ich etwas enttäuscht, man ist gerade so mittendrin in dem Buch und dann ein Ende. Ich finde es etwas unglücklich gewählt, hier eine Trilogie zu machen, weil zumindest der erste Teil mit 200 Seiten auch nicht besonders lang ist und man dann so richtig herausgerissen wird. Es ist ein gutes Buch, aber so richtig überzeugen konnte es mich leider nicht wirklich.
Sprunghafte, facettenreiche Geschichte
Zuerst möchte ich sagen, dass ich die Aufmachung des Buches sehr schön finde. Das Cover spiegelt irgendwie die Geschichte wieder es ist vielschichtig, irgendwie melancholisch, nicht ganz leicht zu durchblicken aber auch bunt und fröhlich. Das Buch selbst habe ich im Hardcover Format gelesen und gefällt mir sehr gut. Ich finde man erkennt schon am Cover das es sich bei dem Buch um keine leichte Lektüre handelt. Sehr interessant war für mich, dass die Hauptcharaktere die ganze Geschichte über namenlos und auch insofern charakterlos bleiben, als dass man sich ihre Charakterzüge nur über ihre Handlungen und Gedanken erschließen kann. Es wird einem diesbezüglich nichts in den Mund gelegt. Auch die Nebencharaktere haben oftmals keine Namen. Interessant war für mich, dass ich trotz der Namenlosigkeit keine Probleme hatte die verschiedenen Figuren auseinanderzuhalten. Die Handlung der Geschichte ist sehr sprunghaft es passiert in der eigentlich recht kurzen Geschichte sehr viel und ich habe das Gefühl, das ich trotz des sehr aufmerksamen Lesens meinerseits viele Aspekte der Geschichte irgendwie verpasst habe und vermutlich würde ich auch nach mehrmaligem Lesen immer wieder auf neue Dinge stoßen würde. Ich bin der Geschichte gegenüber irgendwie zwiegespalten einerseits hat mich die Abstraktheit beim Lesen total gefesselt andererseits war mir die Geschichte auch teilweise zu abstrakt. Alles in allem überwiegen für mich jedoch die positiven Aspekte und ich denke, dass ich das Buch in einigen Jahren nochmals lesen werde und bin jetzt schon gespannt, wie meine Meinung dann sein wird. Ich würde das Buch all jenen empfehlen, die auf der Suche nach einer etwas anspruchsvolleren Geschichte sind und auch dazu bereit sind sich ganz auf die Geschichte einzulassen.
Überzeugt
Es ist mein erstes Buch der Autorin gewesen, garantiert nicht das letzte. Die Inhaltsangabe hatte mich angesprochen und die ersten Zeilen haben mich sogleich gefangen genommen. Ich konnte sofort in die Welt der Erzählerin eintauchen. Die Worte einer Fremden bei einer Lesung stellen alles in Frage, lassen viele Dinge in anderem Licht erscheinen oder bringen Erinnerungen zurück. Das Leben schreitet voran, die Beziehungen erscheinen in anderem Licht und führen zu weiteren Entwicklungen, die naturgemäß nicht nur positiv sind. Neue Chancen kann die Erzählerin nicht nutzen, zu verstrickt ist sie in ihren Überlegungen, das, was sie mit fröhlicher Unbeschwertheit angegangen ist, lastet plötzlich auf allem Weiteren. Das ist spannend zu verfolgen, man folgt dem Geschehen stets angespannt und wird von den Gedanken der Erzählerin umfangen. Kaum kann man sich von der Geschichte losreißen, die Stimmung nimmt einen gefangen. Nach Beendigung des Buches war ich bei 4 Punkten, die Geschichte hallt aber lange, ganz intensiv nach. Daher 5 Punkte und eine ehrliche Leseempfehlung!
Familienbande
"Wir haben übrigens denselben Vater." Diesen Satz hört die Autorin nach einer Lesung von einer Frau, die ihr das Buch zur Signierung reicht. Das veranlasst sie zu einer spontanen Umarmung. Jahre später spielt dieses Ereignis in ihren Gedanken weiterhin eine Rolle. Ein einstiges Bratkartoffelverhältnis ihres Vaters. Man wusste von dem Kind, es spielte aber ansonsten keine Rolle.Man taucht als Leser in die Erinnerungen der Autorin ein. Erfährt, wie ihre Kindheit in der DDR verlief, durchaus nicht unglücklich. Das Verhältnis zu den Eltern, ihrer gescheiterten Ehe. Doch diese einstige Begegnung mit der Halbschwester immer wieder Emotionen in ihr hervorbringt. Selbst als sie für einige Jahre mit einem Arbeitsvisum nach Detroit ging, in einer kleinen amerikanischen Kleinstadt lebte.Ein Sprung zwischen Wirklichkeit, Erinnerungen, Vermutungen. Julia Schoch setzt dieses "Vorkommnis" an den Anfang der Geschichte, und sie lässt sie wie einen Leitfaden immer wieder aufblühen. Sie benutzt keine Namen, selbst die Kinder der Autorin werden mit älteres und jüngeres Kind betitelt. So entstand für mich eine gewisse Distanz. Ein distanziertes Verhältnis, wie es sich zu den einzelnen Familienmitgliedern darstellt. Eine gewisse Aufarbeitung, die die Autorin in ihrer Gedankenwelt vollbringt. Erzählt wird die Geschichte über die Erinnerungen der Autorin. Den Schreibstil von Julia Schoch habe ich als sehr angenehm und gekonnt empfunden. Manchmal jedoch etwas verwirrend, da diese Gedankenwelt manchmal etwas sprunghaft erschien.Es ist das erste Buch einer kommenden Trilogie, die als Biografie einer Frau gesehen werden soll. Und ich bin schon gespannt, wie sich das Leben der Autorin weiter entwickeln wird.
Pressestimmen
Julia Schoch entwickelt aus Erinnerungsfragmenten ein Lebensbild, in dem Individuum und Gesellschaft... gleichermaßen Kontur bekommen. Und dies in einer Sprache, die an Klarheit und Direktheit ihresgleichen in der deutschen Literatur sucht. mehr weniger
Die ungeheure Dichte der Korrespondenzen zwischen allen Ebenen des Romans erzeugt ein so reiches 3-D...Puzzle, dass man am Abglanz des Lebens darin seine Freude hat, auch wenn es ein entgleisendes Leben ist. Julia Schoch hat einen neuen Weg eingeschlagen. Wir folgen gespannt. mehr weniger
Hubert Winkels, 31.03.2022
Dieses Buch ist wirklich, und das sage ich selten, ein literarisches Kunstwerk, ein virtuoses Meiste...rstück über Erinnerung und Verdrängung und über das, was wir eigentlich sind: Hilflose, schlecht verwurzelte, leicht zu erschütternde und zu irritierende Menschen. mehr weniger
Elke Heidenreich, 19.03.2022
Julia Schochs großartiger Roman handelt von einem Familiengeheimnis. Und damit auch von der Kunst, d...as eigene Leben neu zu erfinden. mehr weniger
Gregor Dotzauer, 17.03.2022
Julia Schoch folgt Christa Wolf in der Ernsthaftigkeit der Selbstbeobachtung (...) sowie mit dem ref...lexiven, betrachtenden Charakter ihrer Prosa. Von Schatten der Vergangenheit handelt dieses eindrucksvolle, aufrichtige Buch, das reich ist an klugen Einsichten und wunderschönen Sätzen. mehr weniger
Jörg Magenau, 10.03.2022
In ›Das Vorkommnis‹ geht Julia Schoch Brüchen in Biografien nach – in der eigenen und in denen der O...stdeutschen. (…) Aufregend gut geschrieben, in einem nüchternen, präzisen Stil. mehr weniger
Cornelia Geißler, 15.02.2022
Julia Schoch ist eine Meisterin darin, mit simplen Sätzen einen tiefen seelischen Schwindel zu besch...reiben und auch beim Leser zu erzeugen. mehr weniger
Richard Kämmerlings, 06.02.2022
Das Talent dieser Autorin besteht darin, auf wenig Raum viel zu sagen - ohne alles auszubuchstabiere...n. mehr weniger
Tina Rausch
Glänzend erzählte Geschichte einer Verunsicherung.
Silvia Feist
Das Verblüffende an Julia Schochs Erzählen ist, dass man beim Lesen selbst beginnt, sich die Fragen ...zu stellen, die die Autorin aufwirft. (...) Dieses sehr persönliche Erzählen gibt Julia Schoch alle Möglichkeiten an die Hand, mit ihrem literarischen Vermögen zu brillieren. mehr weniger
Monika Melchert
Es geht um eine Kindheit in der DDR, um familiäre Muster und um Strukturen von Liebesbeziehungen. Al...l das stellt Julia Schoch auf den Prüfstand. mehr weniger
Alle reden über Cusk oder Ernaux, Schoch ist noch ein Geheimtipp. Feinsinnige karge autofiktionale U...ntersuchung, was es bedeutet, eine innerlich widerspenstige Frau zu sein. mehr weniger
Mara Delius, 04.12.2022
Das Buch macht schon auf den nächsten Band der Trilogie neugierig und ist sehr zu empfehlen.
Monika Roth, 01.10.2022
Dicht, packend, klug.
Verena Carl, 20.07.2022
Wie stimmig sind unsere Erinnerungen? Wo gehen sie hin, wenn das Land unserer Kindheit verschwunden ...ist? Immer neue Fragen und Themen entfalten sich wie in einem Kaleidoskop. In präziser, klarer Sprache erzählt Julia Schoch eine persönliche Geschichte, die viele Fragestellungen in unser aller Leben anstoßen kann. mehr weniger
Ulrike Grünwald, 20.06.2022
Prosa, die exemplarisch entfaltet, was viele bewegt.
Tomas Gärtner, 27.05.2022
Wie das Vorkommnis auf die Ich-Erzählerin erst nach und nach seine mächtige Wirkung entfaltet, entwi...ckelt auch die Erzählung erst nach und nach ihre Intensität, der man sich nur schwer entziehen kann, obwohl oder gerade weil Julia Schoch keine voyeuristisch relevanten Tatbestände ans Licht zerrt. Was sich im Kopf der Protagonistin abspielt, ist spektakulär genug. mehr weniger
Irene Prugger, 21.05.2022
Ein Meisterwerk der psychologischen Erzählung.
Elke Heidenreich, 01.05.2022
Julia Schoch verknüpft furios Ich- und Alltagsgeschichte. (...) Ihr Auftakt zur Trilogie einer Fraue...ngeschichte macht gespannt auf das, was noch kommt. mehr weniger
01.05.2022
Seine Tiefe und geschliffene Sprache machen diesen Roman zu einem literarischen Juwel.
cvk, 01.04.2022
Manche Texte sind vorsichtig. Sie erzählen keine großen Geschichten, nicht von Krieg und Verderben, ...nicht von Geburt und Tod, nicht von der alles verschlingenden Liebe. Da werden keine Generationen umspannt, keine Rätsel gelöst, keine einzige große Frage wird hier gestellt (und erst recht wird keine beantwortet). Und dabei wachsen sie uns ans Herz wie die stillen Kinder in der Sandkiste, die in einem Eck ihre Puddingformen-Sandkuchen bauen und mit den Blättern des nahen Strauchs verzieren. (…) Schoch erzählt behutsam und dabei trotzdem so drängend, dass einem schwindelig werden kann. mehr weniger
Bettina Steiner, 26.03.2022
Schoch erzählt, brillant und beklemmend, wie die Gewissheiten einer Familie verrutschen.
26.03.2022
Julia Schoch geht in ihrer Biografie einer Frau sensibel für die kleinsten Erschütterungen den große...n Fragen nach. (...) Das ist klug und eigenwillig erzählt und der vielversprechende Auftakt zu einer Trilogie. mehr weniger
Sandra Kegel, 20.03.2022
Eine Autorin, der man sich anvertrauen darf: Sie enttäuscht nie, aber sie baut Täuschungen ab. (...)... Ein Gegenwartsroman, aus dem man klüger heraus- als hineingeht. mehr weniger
Christian Eger, 12.03.2022
Mit psychologischem Gespür und einer guten Dosis Selbstironie erkundet Julia Schoch die dunklen Seit...enstraßen und schlecht einsehbaren Winkel, die sich neben der gepflegten Hauptallee einer Familiengeschichte auftun. Man würde gern sofort den nächsten Teil dieser Trilogie lesen. mehr weniger
Sebastian Fasthuber, 09.03.2022
Julia Schoch beherrscht das Erinnerungserzählen wie kaum eine andere Autorin. Fiktion und Fakt verwi...schen zu einer Lektüre mit Sog, die jeden mitreißt in den Strudel des Lebens und Lesens. mehr weniger
Michael Schleicher, 08.03.2022
Julia Schochs Geschichte ist von so luftiger Melancholie, dass viele eigene Gedanken zwischen ihre Z...eilen passen. Sie kann Bitterkeit in Gelassenheit und Trauer in Dankbarkeit verwandeln. mehr weniger
Annemarie Stoltenberg, 08.03.2022
Raffiniert verwebt Julia Schoch Gelebtes und Erdachtes, um so tiefere Wahrheiten aufzuspüren.
Britta Heidemann, 08.03.2022
Ergreifend.
Detlev Stute, 07.03.2022
Alles beginnt mit einem grunderschütternden Vorkommnis, wie schon der Titel von Julia Schochs neuem ...Roman erwarten lässt. mehr weniger
06.03.2022
›Das Vorkommnis‹ entfaltet eine gewaltige Tiefe. Hier das Hinterfragen, dort die Erfindung und die d...amit verbundene Fragilität machen dieses leise Buch so beeindruckend. mehr weniger
Niels Beintker, 06.03.2022
›Das Vorkommnis‹ löst viele Fragen aus, nach Ehe und Mutterschaft, der Kindheit in der DDR, nach Ado...ption und anderen Familiengeheimnissen. mehr weniger
05.03.2022
Julia Schoch, die das Verschwinden eines ganzen Landes erlebte, verwandelt diese scheinbar ewigen Ge...wissheiten in Sprache, tastend und doch präzise, leise und doch von schmerzlicher Klarheit. mehr weniger
01.03.2022
Eine Selbsterlösung, die auch die mögliche Selbstheilung einer Gesellschaft spiegelt. Ein unaufgereg...tes und doch spannendes Buch, geschrieben in einer einfachen, bestechend klaren Sprache. mehr weniger
Jutta Duhm-Heitzmann, 22.02.2022
Beim Lesen fühlt man sich mitunter an Christa Wolf erinnert, die einen ähnlich eindringlichen Ton ha...tte. Das Hauptereignis dieses Buches ist nicht die Handlung, sondern die Sprache. mehr weniger
Welf Grombacher, 21.02.2022
Das eigene Leben als Steinbruch nutzen. Julia Schoch ist eine Meisterin darin (…), kunstvoll webt si...e ein Netz aus auf den ersten Blick schlichten Sätzen, ein lakonischer Ton, der einen magischen Sog entfaltet. mehr weniger
Antje Scherer, 19.02.2022
Wohin auch immer der Blick fällt, immer taucht noch ein anderes Detail auf, das die vorherige Erinne...rung in neuem Licht erscheinen lässt. Vielleicht liegt genau darin die ungemeine Kraft dieses Romans. mehr weniger
Lena Schneider, 17.02.2022
Interessant ist hier nicht, was wirklich passiert, sondern welche Gedanken sich die Erzählerin darüb...er macht. mehr weniger
Katrin Kaiser, 16.02.2022
Der Roman geht unter die Haut. (…) jedes Wort sitzt, kein Satz ist zu viel.
Claudia Ingenhoven, 16.02.2022