Der neue Roman von Ruth-Maria Thomas erzählt die Geschichte von Michelle und Henry, von ihrer Liebe zwischen den feinen Unterschieden, von den gesellschaftlichen Gräben, die manchmal überwindbar und noch öfters viel zu groß erscheinen.
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Die zweitgrößte Liebe
Reicht die Liebe im Zweifel? Ein Roman über die Liebe, die Freiheit, die Abhängigkeit:
Michelle ist Anfang dreißig, als ihr Leben im Osten des Landes auseinanderbricht. Sie steigt auf ihre Vespa, lässt alles hinter sich und fängt von vorne an: Als Rezeptionistin eines Hotels trifft sie auf Luxus, westdeutschen Reichtum und – Henry. Einer, der ganz andere Startmöglichkeiten hatte als sie, dem es nie an irgendetwas gemangelt hat. Sie verlieben sich, allen Unterschieden zum Trotz. Ein sorgenfreies Leben scheint Michelle erstmals möglich – nur zu welchem Preis?
Ruth-Maria Thomas erzählt von der bösen Zufälligkeit, die darüber entscheidet, in welches Leben man hineingeboren wird – und von der Liebe dazwischen. Ein Buch, in das man tief hineinfällt und aus dem man verändert wieder auftaucht.
Bibliografische Daten
1. Auflage
Ruth-Maria Thomas
Ruth-Maria Thomas, 1993 geboren und in Cottbus aufgewachsen, war als Sozialarbeiterin in der Jugendhilfe tätig. Sie studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Ihr Debüt ›Die schönste Version‹ (2024) war für den Deutschen Buchpreis, den aspekte-Literaturpreis, den Buddenbrookhaus-Preis, den Preis der deutschen Wirtschaft nominiert und wurde mit dem Ulla-Hahn-Preis ausgezeichnet. 2025 erschien der rbb-Podcast ›Der Bruch – Frauen zwischen Ost und jetzt‹, dessen Host Thomas war. ›Die zweitgrößte Liebe‹ ist ihr zweiter Roman.
5 - 10 von 104 Leserstimme
Zerstörerisches Erbe der sozialen Herkunft
Der neue Roman von Ruth-Maria Thomas untersucht mit beeindruckender Präzision jene unsichtbaren Kräfte, die Beziehungen formen, lange bevor zwei Menschen einander begegnen. Herkunft, soziale Prägung, ökonomische Sicherheit… oder deren Fehlen. Dass daraus kein Thesenroman wird, sondern gute Literatur, ist das eigentliche Kunststück dieses Buches.Michelle und Henry lieben einander. Dieser Satz ist ebenso wahr wie unzureichend. Denn zwischen beiden liegt nicht nur ein bloßes finanzielles Gefälle, sondern eine unterschiedliche Vorstellung davon, wie die Welt funktioniert. Michelle, die nach dem Scheitern ihres Schmuckgeschäfts mit Schulden, Existenzängsten und den Erfahrungen einer ostdeutschen Kindheit lebt, begegnet einem Mann, dessen Wohlstand so selbstverständlich ist, dass er kaum darüber nachdenken muss. Henry kennt Sicherheit als Normalzustand. Michelle kennt sie allenfalls als Hoffnung. Diese Differenz bestimmt jede Geste, jede Entscheidung, jedes Missverständnis.Bemerkenswert ist, dass Ruth-Maria Thomas diese gesellschaftliche Asymmetrie nie plakativ ausstellt. Sie erklärt nicht, sie zeigt. Ein Blick auf ein Konto, die beiläufige Frage nach einer Restaurantrechnung, unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit oder Schenken genügen, um die tektonischen Verschiebungen dieser Beziehung sichtbar werden zu lassen. Besonders eindrucksvoll sind jene kleinen, fast dokumentarisch wirkenden Berechnungen, die immer wieder in den Text eingestreut werden. Sie wirken zunächst nüchtern, entfalten jedoch eine enorme emotionale Kraft, weil sie den Preis sozialer Ungleichheit in Zahlen übersetzen.Ruth-Maria Thomas schreibt mit einer großen sprachlichen Genauigkeit. Ihre Sätze besitzen eine scheinbare Schlichtheit, hinter der sich eine außerordentliche Beobachtungsschärfe verbirgt. Jede Dialogzeile wirkt, als sei sie lange abgewogen worden. Jede Geste erzählt mehr, als ausgesprochen wird. Dabei verweigert sich der Roman konsequent jeder sentimentalen Überhöhung. Gefühle entstehen hier nicht durch große Bekenntnisse, sondern durch feine Verschiebungen, durch Schweigen, Missverständnisse und die Erkenntnis, dass Liebe zwar Nähe schaffen kann, Herkunft aber nicht einfach auslöscht.Besonders beeindruckend ist die Figurenzeichnung. Michelle gehört für mich zu den eindrucksvollen Protagonistinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur über Ostdeutschland. Sie ist widersprüchlich, stolz, verletzlich und mitunter schwer auszuhalten. Ihre Entscheidungen sind nicht immer vernünftig, aber sie sind psychologisch vollkommen plausibel. Ob Sie Gästen einer Lokalität in die Gläser spuckt oder ob sie im Zuge eines Heiratsantrages nach der Höhe finanzieller Absicherung fragt. Der Autorin gelingt etwas Seltenes. Sie verlangt keine Zustimmung zu ihrer Figur, sondern Verständnis. Michelle wird nie zur Heldin stilisiert, ebenso wenig Henry zum privilegierten Gegenbild. Auch er bleibt eine vielschichtige Figur, geprägt von den Erwartungen seiner Herkunft und dem aufrichtigen Wunsch, der geliebten Frau ein besseres Leben zu ermöglichen ohne zu begreifen, dass gerade dieses Angebot eine Form von Macht ausübt.Darin liegt die eigentliche Größe des Romans. Er erzählt nicht von Gut und Böse, nicht von Arm gegen Reich, sondern von zwei Menschen, deren Wirklichkeiten sich trotz größter Nähe immer wieder verfehlen. Ruth-Maria Thomas beschreibt Klassismus nicht als abstraktes gesellschaftliches Phänomen, sondern als etwas zutiefst Intimes. Er zeigt sich in Scham, in unausgesprochenen Erwartungen, in der Angst vor Abhängigkeit und im Gefühl, selbst dort fremd zu bleiben, wo man geliebt wird.Bemerkenswert ist zudem, wie eng Ruth-Maria Thomas die private Geschichte mit größeren gesellschaftlichen Fragen verbindet. Die ostdeutsche Herkunft Michelles bleibt nie bloße biografische Kulisse. Sie verweist auf unterschiedliche Vermögensgeschichten, auf ungleiche Startbedingungen und auf jene Erfahrungen, die weit über individuelle Lebensläufe hinausreichen. Ohne jemals programmatisch zu werden, entwickelt der Roman daraus eine kluge Reflexion über soziale Mobilität, Erbschaften, Selbstwert und die Illusion gleicher Chancen. Michelle ist dabei keine typische Ostdeutsche, jedoch sind ihre Kontexte verallgemeinerbar.Auch formal überzeugt das Buch. Die Erzählung beginnt an einem Punkt, dessen Tragweite sich erst allmählich erschließt. Dadurch entsteht eine leise Spannung, die weniger aus äußeren Ereignissen als aus der Frage erwächst, wann und weshalb diese Beziehung aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ruth-Maria Thomas vertraut auf die Intelligenz ihrer Leserinnen und Leser. Sie erklärt wenig und beobachtet umso genauer. Gerade dadurch wird die Wirkung des Romans verstärkt.Der Titel erweist sich dabei als ebenso poetisch wie schmerzlich. Was die „zweitgrößte Liebe“ tatsächlich bezeichnet, erschließt sich nicht in einer einzelnen Szene, sondern im Verlauf der gesamten Erzählung. Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass selbst die größte Liebe nicht immer jene ist, die unser Leben am tiefsten geprägt hat. Vielleicht ist es aber auch die Einsicht, dass Herkunft, Erinnerungen und früh erlernte Überlebensstrategien manchmal mächtiger sind als jede Gegenwart. Übrig bleibt der sentimentale Schmerz einer gescheiterten großen Liebe, die es ohne ihre Bedingungen wohl zur größten Liebe geschafft hätte haben können.Mit „Die zweitgrößte Liebe“ bestätigt Ruth-Maria Thomas eindrucksvoll den Rang, den sie sich bereits mit ihrem Debüt erarbeitet hat. Ihr gelingt ein Roman, der zugleich Liebesgeschichte, Milieustudie und Gesellschaftsanalyse ist, ohne jemals in theoretische Behauptungen zu verfallen. Stattdessen vertraut sie ganz auf die Kraft ihrer Figuren und auf eine Sprache, die präzise beobachtet, ohne zu urteilen.Ruth-Maria Thomas erklärt gesellschaftliche Wirklichkeit nicht, um sie sichtbar zu machen. Sie schaut stattdessen genau hin und beschreibt. Sie schafft damit einen Roman von großer emotionaler und literarischer Intensität.
Aschenputtel IRL
Reicher Prinz rettet Mädchen aus armen Verhältnissen und beide reiten glücklich in den Sonnenuntergang. Kann die Aschenputtel-Geschichte im echten Leben funktionieren? "Die zweitgrößte Lüge" zeigt zumindest, dass es nicht ganz so easy ist, wie Märchen uns gern glauben lassen.Denn Michelle (eigentlich Mishelle) und Henry kommen aus vollkommen unterschiedlichen Verhältnisse und das spielt eben nicht nur in der Kindheit, sondern ganz besonders auch im Erwachsenenalter eine große Rolle. Obwohl beide so unterschiedlich sind und ganz verschiedene Leben führen, verlieben sie sich – bis eben die Realität dazwischenkommt.Ein interessantes Thema für ein Buch, auch wenn es mir teilweise ein bisschen zu klischeehaft und oberflächlich war. Obwohl wir wechselnde Perspektiven haben, kann ich nicht behaupten, dass ich die beiden Protagonisten wirklich kennengelernt habe. Hier wäre definitiv noch Potenzial gewesen.Sprachlich war das Buch aber wieder großes Kino und hat mich ab Seite 1 begeistert!
Liebe, Geld und Selbstbestimmung
Ruth-Maria Thomas’ „Die schönste Version“ hat mir sehr gut gefallen. Entsprechend gespannt war ich auf ihren zweiten Roman. „Die zweitgrößte Liebe“ ist anders als das Debüt, aber für mich ein richtig guter Nachfolger – vielleicht weniger unmittelbar, dafür gesellschaftlich noch einmal interessanter.Michelle ist 33, stammt aus der Lausitz und hat gerade den Traum vom eigenen Schmuckladen ziemlich unsanft begraben. In Hamburg arbeitet sie in einem Nobelhotel, als sie Henry kennenlernt. Henry ist reich, kommt aus einer völlig anderen Welt und verliebt sich in sie. Er holt Michelle aus ihrem prekären Alltag heraus, sie zieht zu ihm in die Luxuswohnung. Er möchte ihr sogar ermöglichen, ihren Schmuckladen wieder aufzubauen.Und damit beginnt das eigentliche Problem. Denn was zunächst wie ein modernes Aschenputtel-Märchen aussieht, wird bei Ruth-Maria Thomas schnell zur Frage: Was passiert mit der eigenen Selbstbestimmung, wenn jemand anderes einem all das ermöglichen kann, was man sich selbst nicht leisten konnte?Michelle hat ihr ganzes Leben lang gelernt, mit wenig auszukommen. Essen war manchmal eine Rechenaufgabe, Geld nie selbstverständlich. Henry dagegen kennt diese Welt nicht. Er hat Geld, Sicherheit und Möglichkeiten – und kann deshalb auch großzügig sein. Genau darin liegt aber die Ambivalenz ihrer Beziehung. Ist seine Unterstützung wirklich Befreiung? Oder macht sie Michelle abhängig von einer Welt, die nicht ihre ist?Besonders stark finde ich, wie Thomas "Klasse" erzählt. Nicht über große gesellschaftspolitische Erklärungen, sondern über Dinge, die im Alltag fast beiläufig passieren: Geld, Essen, Wohnen, Arbeit, Bildung, Besitz. Michelle bringt ihre Herkunft aus prekären Verhältnissen mit in diese Beziehung. Sie kann sie nicht einfach ablegen, nur weil sie plötzlich in einer Luxuswohnung lebt. Und Henry kann seine privilegierte Herkunft ebenso wenig ablegen.Dazu kommt die ostdeutsche Perspektive. Michelle kommt aus der Lausitz, Henry aus einer wohlhabenden westdeutschen Welt. Thomas macht daraus aber keinen Roman über „Ost gegen West“. Vielmehr zeigt sie, wie unterschiedlich die Voraussetzungen sein können, mit denen zwei Menschen in eine Beziehung gehen. Michelle musste sich vieles selbst erarbeiten; Henry musste über grundlegende finanzielle Sicherheit nie nachdenken.Und dann ist da natürlich die Liebe. Denn das Schöne an diesem Roman ist, dass Henry eben nicht einfach der reiche Bösewicht ist. Michelle liebt ihn. Und er liebt sie. Gerade deshalb wird es so kompliziert. Sie muss sich fragen, ob sie mit Henry tatsächlich das Leben gefunden hat, das sie möchte – oder ob sie in seinem Leben nur die Rolle der schönen, geretteten Frau spielt. Selbst ihr Bruder bezeichnet sie irgendwann als „trophy wife“.Ruth-Maria Thomas erzählt das mit einer Sprache, die wieder sehr direkt, körperlich und manchmal vulgär ist. Das passt zu Michelle, die sich nichts schönredet und auch sprachlich nicht versucht, jemand anderes zu sein.„Die zweitgrößte Liebe“ ist für mich deshalb vor allem ein Roman über die schwierige Grenze zwischen Liebe und Abhängigkeit, zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung. Und über die Erkenntnis, dass soziale Herkunft nicht einfach verschwindet, nur weil man die Wohnung, die Stadt oder den Kontostand wechselt.Ich mochte „Die schönste Version“ noch ein kleines bisschen mehr. Aber dieser zweite Roman zeigt, dass Ruth-Maria Thomas nicht einfach ihr erfolgreiches Debüt wiederholt. Sie geht einen Schritt weiter – und schreibt eine Liebesgeschichte, in der die Frage nach Klasse, Herkunft und dem eigenen Leben immer mit am Tisch sitzt.
Direkt, ehrlich – aber nicht ganz meine Welt ...
Ruth-Maria Thomas, den Namen hatte ich, ich gestehe, vor diesem Buch noch nie gehört. Nach einer kurzen Eigenrecherche zu der Autorin stelle ich fest, dass sie und ihr Roman wunderbar zusammenpassen. Ihre Protagonistin Lio ist ungefähr im gleichen Alter wie sie selbst, Anfang 30, also jung genug, um sich im Erwachsensein erstmal einen Platz erobern zu müssen.Und genau darum geht es in „Die zweitgrößte Liebe“ über Lio, die sich in einen Mann verliebt, der ihr bezüglich des sozialen Umfelds ferner nicht sein könnte. Aber genau das macht ja den Reiz in einer Beziehung aus oder eher doch nicht? Lio und Henry, Henry und Lio kämpfen für und um ihre Liebe, aber wird das am Ende reichen oder wird die Beziehung daran zerbrechen?„Die zweitgrößte Liebe“ ist ein unterhaltsamer und stellenweise sehr ehrlicher Roman, der sich mit den Themen Liebe, Freundschaft und Selbstfindung beschäftigt. Ruth-Maria Thomas erzählt sehr direkt und ohne große Beschönigungen, wodurch die Geschichte authentisch und nahbar wirkt.Allerdings musste ich feststellen, dass ich vermutlich einfach nicht die richtige Zielgruppe für dieses Buch bin. Besonders mit der teilweise doch recht ordinären Jugendsprache konnte ich mich nicht immer anfreunden. Für jüngere Leserinnen und Leser mag gerade diese direkte Sprache den Reiz des Buches ausmachen – für mich war sie stellenweise eher gewöhnungsbedürftig und hat mir den Zugang zur Geschichte etwas erschwert.Trotzdem hat mir das Hörbuch gefallen, auch wenn es mich persönlich nicht vollständig abholen konnte. Von mir bekommt es daher nur vier Sterne, aber verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis: Vielleicht bin ich einfach nicht die Zielgruppe.
Wieder ein Highlight
Michelle ist in Armut aufgewachsen und arbeitet nun in einem Hamburger Luxushotel als Rezeptionistin. Dort begegnet sie Henry und gemeinsam mit ihm scheint plötzlich ein sorgloses, unbeschwertes Leben in Reichweite. Doch statt einer Cinderella-Geschichte erzählt Thomas von den Schwierigkeiten für Michelle, selbstbestimmt zu leben und zu lieben. Thomas kann aus meiner Sicht einfach richtig gut schreiben und auch dieser Roman war für mich wieder ein Highlight. Ich bin regelrecht durch die Seiten gerauscht, habe mich in die komplexen Charaktere eingefühlt und die Sprache genossen, die mal rau und mal ganz zärtlich-poetisch ist. Besonders gut gefallen hat mir, wie anschaulich beschrieben wird, wie eine Klassengesellschaft auf der Mikroebene funktioniert – da muss man Bourdieu eigentlich gar nicht mehr lesen. Thomas schreibt so, dass man als Leserin ständig mitdenken und sich immer wieder neu eine Meinung bilden muss, gleichzeitig aber unglaublich soghaft. Für mich war der Roman wieder ein absolutes Highlight von Ruth-Maria Thomas!
Wütend
⚠️ Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zur Geschichte! ⚠️Ich fand das Buch insgesamt wirklich sehr gut geschrieben. Obwohl man Michelle bereits aus „Die schönste Version“ ein bisschen kennt, hat sich die Geschichte für mich trotzdem richtig gut und spannend gelesen. Gerade ihre Perspektive und ihre Entwicklung fand ich interessant.Allerdings hat mich die Geschichte stellenweise auch mega wütend gemacht. Vor allem Henry hat mich mit seinem Verhalten teilweise echt zur Verzweiflung gebracht. Er fragt Michelle viel zu selten, was sie eigentlich möchte, und meiner Meinung nach hätte er viel früher klarere Grenzen ziehen müssen. Auch die Vorurteile seiner Familie gegenüber Michelle fand ich teilweise richtig schwierig.Was ich außerdem überhaupt nicht nachvollziehen konnte war, dass Henry seiner Familie von Michelles finanzieller Situation erzählt hat. Für mich war das absolut unnötig und eine Grenze, die er meiner Meinung nach nicht hätte überschreiten dürfen.Das Ende war dann nochmal richtig krass und hat einiges bei mir ausgelöst. Insgesamt definitiv ein gutes Buch, das mich emotional sehr mitgenommen hat. Für die vollen fünf Sterne hat mir aber trotzdem noch ein kleines bisschen etwas gefehlt.
Liebe aus zwei Welten
„Die zweitgrößte Liebe“ hat mich vor allem durch seine Hauptfigur Michelle gepackt. Sie ist eigenwillig, verletzlich, selbstbewusst und gleichzeitig geprägt von dem Wissen, im Leben ohne großes Sicherheitsnetz auskommen zu müssen. Gerade diese Mischung macht sie unglaublich nahbar.Im Zentrum steht ihre Beziehung zu Henry, der aus einer ganz anderen sozialen Welt kommt. Was zunächst leicht und ungezwungen beginnt, wird zunehmend komplizierter. Denn zwischen den beiden stehen nicht nur unterschiedliche Lebensentwürfe, sondern auch Vorstellungen von Geld, Herkunft und dem eigenen Wert. Ruth-Maria Thomas zeigt sehr fein, wie Klassenzugehörigkeit Beziehungen beeinflussen kann – oft gerade dann, wenn die Beteiligten selbst gar nicht merken, welche Grenzen sie damit ziehen.Besonders stark fand ich den Blick auf Michelles Leben außerhalb der Liebesgeschichte. Ihre finanzielle Situation, ihre Erfahrungen und ihr Kampf um Selbstständigkeit geben der Geschichte eine gesellschaftliche Tiefe, ohne dass das Thema belehrend wirkt. Thomas schreibt direkt, modern und mit einem sehr eigenen Ton, der die Figuren lebendig werden lässt.„Die zweitgrößte Liebe“ ist für mich vor allem eine Geschichte über zwei Menschen, die sich nahekommen und trotzdem aus sehr unterschiedlichen Welten stammen. Eine bittersüße, kluge und wunderbar beobachtete Lektüre, die zeigt, dass Liebe manchmal nicht an fehlenden Gefühlen scheitert, sondern an allem, was man aus seinem bisherigen Leben mitbringt.
Emotional und aufwüllend!
Ich bin absolut begeistert von diesem Buch! Ich habe es innerhalb eines Tages komplett durchgelesen. Es hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und angenehm zu lesen, sodass ich direkt in die Geschichte eintauchen konnte. Die Charaktere sind authentisch beschrieben und so fällt es leicht, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Neben der wunderbaren Liebesgeschichte werden vor allem auch wichtige Fragen zu den Themen Herkunft und die Unterschiede in unserer Gesellschaft aufgeworfen. Diese Themen verpackt die Autorin meiner Meinung nach sehr einfühlsam in die Geschichte. Das Ende hat mich emotional mitgenommen, aber vor allem hat es mich sehr zum Nachdenken angeregt. Auch einige Tage später denke ich immer wieder an die beiden Protagonisten und denke über ihre Geschichte nach.
Zwischen Liebe und Abhängigkeit
Michelle möchte in einer Großstadt im Norden ein neues Leben beginnen. Sie lässt ihre Vergangenheit hinter sich, arbeitet in einem Hotel und begegnet dort Henry, der in einem behüteten Haushalt der Oberschicht aufgewachsen ist. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine Beziehung – doch je näher sie sich kommen, desto deutlicher werden auch die Unterschiede zwischen ihren Lebenswelten.Mir hat besonders gut gefallen, wie Ruth-Maria Thomas die Klassenunterschiede nicht nur anhand großer Konflikte, sondern in vielen kleinen Alltagssituationen sichtbar macht. Sei es bei politischen Diskussionen oder in Michelles Ärger darüber, welche vermeintlichen „Probleme“ Henrys Freunde beschäftigen: Diese Szenen wirken sehr authentisch und zeigen, wie stark die eigene Herkunft den Blick auf die Welt prägt. Die Beziehung zwischen Michelle und Henry wird dabei nicht verklärt. Beide Figuren haben ihre Stärken und Schwächen, bleiben aber nachvollziehbar und menschlich. Ich konnte mich in beide gut hineinversetzen, auch wenn ich manche Gedanken und Reaktionen nicht immer sofort geteilt habe.Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Die teilweise kurzen Sätze wirken direkt und verleihen der Geschichte ein hohes Tempo, ohne dass die emotionalen und gesellschaftlichen Themen oberflächlich behandelt werden. Gleichzeitig entsteht ein gutes Tempo, sodass man immer weiterlesen möchte. Besonders interessant fand ich die Frage, ob Liebe wirklich unabhängig von Geld, Sicherheit und den eigenen Zukunftsängsten sein kann.Auch das Cover gefällt mir gut. Es wirkt ruhig und ansprechend und passt für mich zu einer Geschichte, in der es nicht nur um romantische Gefühle, sondern auch um innere Konflikte und gesellschaftliche Unterschiede geht.Ein eindringlicher und authentischer Roman über Liebe, Herkunft und die unsichtbaren Grenzen zwischen Menschen. Ich empfehle das Buch besonders Lesenden, die emotionale Liebesgeschichten mit gesellschaftlicher Tiefe und starken Figuren mögen.
Ganz ganz toll
Ich war erst gar nicht so überzeugt vom Klappentext, aber weil ich Thomas' Debütroman so gerne mochte, wollte ich "Die zweitgrößte Liebe" dann trotzdem irgendwie lesen. Und ich kann sagen: es war die richtige Entscheidung.Die Autorin schreibt so schön, man fühlt sich den Charakteren einfach super nah. Auch wie sie ihre Figuren zeichnet, finde ich ganz, ganz toll. Ich habe so gerne von Michelle und Henry gelesen, das Buch hätte auch nochmal 300 Seiten haben können und ich hätte es genossen.Ich mochte sehr gerne, wie Thomas ungezwungen beschreibt, inwiefern Klassenzugehörigkeit, geschlechtsspezifische Erfahrungen, aber auch das Aufwachsen in West- bzw. Ostdeutschland zwischenmenschliche Beziehungen prägen und verkomplizieren. Sie hat einen sehr klaren Blick auf diese Aspekte, das hat man auch schon bei ihrem Debütroman gemerkt.Insgesamt kann ich "Die zweitgrößte Liebe" wirklich nur empfehlen und hoffe, wir müssen nicht allzu lange warten, bis ihr nächster Roman erscheint.
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Ruth-Maria Thomas mit ihren Gästen Cynthia Cornelius und Mai-An Nguyen
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im Rahmen der Literaturtage "Lesezeichen"
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Pressestimmen
Eine unbedingte Empfehlung für den Sommer, egal ob man den in der eigenen Villa mit Pool in Spanien ...verbringt, weil man es dicke hat, oder zu Hause auf dem Balkon, weil das Geld knapp ist. (...) Für alle, die auf der Suche nach einem klischeefreien und gesellschaftskritischen Liebesroman sind. mehr weniger
Christine Westermann, 02.08.2026
Einer der schrecklich-schönsten Liebesromane der heutigen Zeit.
23.07.2026
Ruth-Maria Thomas kann wunderbar präzise über Liebe schreiben.
01.09.2026
Ein Beziehungsdrama, das man verschlingt.
01.09.2026
Ruth-Maria Thomas lässt Lebenswelten kollidieren und zeigt sich einmal mehr als präzise Beobachterin... mit sprachlicher Brillanz. Gesagtes und Unausgesprochenes sorgen in starken Dialogen für nahbare und nachvollziehbare Charaktere. mehr weniger
Norbert Windeck, 31.08.2026
Ruth-Maria Thomas beweist auch in ihrem zweiten Buch, welch großartige Erzählerin sie ist, wie schar...f und feinfühlig zugleich sie gesellschaftliche Themen – Klasse, Geld und letztlich auch Macht – bearbeitet. mehr weniger
31.08.2026
Thomas erzählt aufregend neu die alte Geschichte von den zwei Königskindern, die nicht zueinanderkom...men. mehr weniger
Denis Scheck, 23.08.2026
In nüchterner, unaufgeregter Sprache, zwischen Momenten rosarot-verliebter Zuckerwatte stellt die Au...torin Fragen nach Klasse, Geschlecht und Herkunft. Worteinschübe und lange Schachtelsätze erinnern stellenweise an einen Gedankenstrom und ziehen direkt in das Erleben der Figuren. Wie schon in ihrem Debüt „Die schönste Version“ erzählt Thomas die Geschichte der vielschichtigen Charaktere mit so vielen Details, dass man sie fast riechen, schmecken, greifen kann. mehr weniger
Cara Hofmann, 22.08.2026
Ruth-Maria Thomas gelingt besonders gut: Sie zeichnet mit diesem Roman ein Bild der Ungleichheit in ...der Gesellschaft, ohne auch nur eine einzige journalistische These aussprechen zu müssen. Es ist ein Ost-West-Roman, ohne dass die Namen der politischen Himmelsrichtungen fallen. mehr weniger
22.08.2026
›Die zweitgrößte Liebe‹ ist weit mehr als ein gelungenes zweites Buch. Ruth-Maria Thomas schärft das..., was ihr Schreiben schon im Debüt so besonders gemacht hat: ihren Blick für das Ungesagte, für die leisen Verschiebungen zwischen Menschen und für die Art, wie gesellschaftliche Verhältnisse bis in die intimsten Beziehungen hineinreichen. mehr weniger
Sandra Belschner, 10.08.2026
Dabei schafft die Autorin Identifikationsfiguren und erweitert den Horizont – mit ihrer klugen, einf...ühlsamen Sprache, die sich weigert, Menschen in Schubladen zu stecken. mehr weniger
Johanna Scultheiss, 03.08.2026
Der zweite Roman von Ruth-Maria Thomas, ist die kluge Geschichte einer Liebe über soziale Unterschie...de hinweg. (...) Thomas erzählt das aus beiden Perspektiven, und sie tut es fair. (...) Am klügsten ist der Roman dort, wo er die Scham umverteilt. mehr weniger
Mariya Martiyenko, 02.08.2026
In ›Die zweitgrößte Liebe‹ schreibt Autorin Ruth-Maria Thomas eine Lovestory, die mehr ist, als nur ...romantisch – und traut sich, wie gewohnt, auch über das zu schreiben, bei dem die meisten wegsehen. mehr weniger
Greta Lowak, 02.08.2026
Beziehungen wie die zwischen Henry und Michelle, also solche, die auf ökonomischen Ungleichheiten be...ruhen, gibt es in der Realität viele. Doch noch nie wurden die dahinterstehenden Gedanken, Hoffnungen und Gefühle so präzise durchleuchtet wie hier. mehr weniger
Marie-Luise Goldmann, 01.08.2026
Ruth-Maria Thomas hat ihre Stimme und ihre Themen gefunden. Auf sensible Weise macht sie Machtgefäll...e in Beziehungen begreifbar. (...) Es ist eine der schmerzlich-schönsten Liebesgeschichten, die man aktuell lesen kann. mehr weniger
Corinne Orlowski, 31.07.2026
›Die zweitgrößte Liebe‹ besticht durch mitreißende Dialoge und ist psychologisch auf den Punkt erzäh...lt – [zum Beispiel, wenn Michelle und Henry dem jeweils anderen nur zögerlich von der eigenen Herkunft berichten]. Ruth-Maria Thomas meidet in ihrem Roman nicht nur jedes Klischee, sie fragt auch auf kluge Weise, wie selbstlos wir wirklich sind in der Liebe. mehr weniger
30.07.2026
Ruth-Maria Thomas besitzt ein gutes Gespür für Dialoge und zwischenmenschliche Spannungen. Ihre Figu...ren sprechen lebendig und lebensnah, sie findet starke Szenen. (...) Ruth Maria Thomas gelingt ein präzises Porträt zweier Menschen, die sich lieben – und dennoch an völlig unterschiedlichen Vorstellungen von Sicherheit scheitern. mehr weniger
Theresa Hübner, 30.07.2026
Legt man das Buch beiseite, wünscht man sich, die Autorin möge bitte bald eines nachlegen. Gerne auc...h wieder mit einer Protagonistin wie Michelle, die einem mit ihrer direkten, kaltschnäuzigen Art sofort ans Herz wächst. mehr weniger
Katja Schönherr, 30.07.2026
Erneut erreicht Ruth-Maria Thomas mit der verblüffenden Leichtigkeit einer unbekümmert wirkenden Spr...ache emotionale Tiefen, wenn sie erzählt, wie möglich oder unmöglich es sein kann, ein Leben gleichberechtigt zu teilen. (...) Auch von solchem Schmerz erzählt dieser zweite Roman, der den hohen Erwartungen gerecht wird. mehr weniger
Janina Fleischer, 29.07.2026
Es ist ein Roman, der eine wilde Sogkraft entwickelt, bis zu seinem fulminanten Ende.
Jolinde Hüchtker, 23.07.2026