Drei Frauen auf einem Hof – im Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit
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Wildtriebe
Drei Frauen auf einem Hof - auf der Suche nach Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit
Alle alten Höfe hatten einen Namen. Er ging auf die Vorfahren zurück, auf deren Namen, Berufe oder EIgenschaften. Der Hausname war wichtiger als der amtliche Nachname. Denn er gab allen Auskunft darüber, wer man war. Aber viel mehr noch sagte er einem, wie man zu sein hatte.
Ute Manks faszinierender Debütroman – jetzt im Taschenbuch
Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Nie hat sie die damit verbundenen Pflichten hinterfragt. Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos und ohne eigene Wünsche das Leben einer Bäuerin führen will. Das Kaufhaus in der nächsten Stadt wird für Marlies zum Sehnsuchtsort im Wirtschaftswunderdeutschland, arbeiten möchte sie dort, einen Jagd- und Traktorführerschein machen, das Leben soll doch mehr zu bieten haben. Die beiden Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Doch eigentlich werden viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist da ein verbindendes Element: Marlies’ Tochter Joanna, die ihren ganz eigenen Weg geht und nach dem Abitur nach Uganda aufbricht …
Ein großer Familien- und Frauenroman zwischen Tradition und Fortschritt
»Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Ute Mank in ihrem beeindruckenden Debüt ›Wildtriebe‹ die Frauen aus drei Generationen mit ihren Ecken und Kanten, ihren Geheimnissen und Lieben.« Gala
»Ein sehr besonderer Generationenroman, der berührt und in dessen Figuren man sich ganz wunderbar verlieren kann.« Delmenhorster Kreisblatt
Bibliografische Daten
2. Auflage
Ute Mank
Ute Mank wurde in Marburg geboren. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, lernte einen Gesundheitsberuf, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte später nebenberuflich. Ihr erster Roman ›Wildtriebe‹ erschien 2021 und war für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Hessen.
2 - 10 von 122 Leserstimme
Drei Frauen-Generationen auf einem Hof
Wer in einem kleinen Dorf den größten Hof hat, ist sich seiner Pflicht gegenüber Nachbarn, Tieren und der Tradition bewußt. Lisbeth und Karl bewirtschaften so einen Hof, gemeinsam mit ihrem Sohn Konrad. Als sich dieser in eine Frau verliebt, die keine Bäuerin ist, zieht mit Marlies eine Schwiegertochter auf den Hof, die vieles anders machen will und die ihren eigenen Kopf hat. Lisbeth tut sich schwer mit Marlies und umgekehrt. Zu unterschiedlich sind ihre Auffassungen von Tradition, Leben und Glück. Als Marlies und Konrad eine Tochter bekommen, wächst mit Joanna die nächste Generation auf dem Bethches-Hof heran. Die Probleme werden aber nicht kleiner.Ute Mank hat einen Drei-Generationen-Roman geschrieben, der geprägt ist von den unterschiedlichen Lebensentwürfen der drei Frauen. Der Bethches-Hof ist das Zentrum, um das sich alles dreht. Lisbeth würde gerne alles fortführen wie bisher, aber das ist nicht möglich. Die EU und die Milchquote sind nur zwei Aspekte, die von außen auf den Mikrokosmos einwirken, die modernen Ansichten von Marlies kommen quasi von Innen.Die Konflikte zwischen Schwiegermuttern und -tochter machen die beiden zu den Hauptpersonen des Romans. Allerdings waren weder die beiden noch die anderen Charaktere für mich besonders sympathisch. Für Karl und den Großknecht Alfred konnte ich mich noch am ehesten erwärmen.Marlies war mir als Charakter zu unentschlossen. Sie hat oft beharrlich ihren eigenen Willen durchgesetzt, so hat sie z.B. Treckerfahren gelernt, auf der anderen Seiten war sie oft sehr zaghaft, hat ständig mit ihrem Schicksal gehadert und war unzufrieden. Sie wusste selbst nicht genau was sie wollte.Der Schreibstil ist stellenweise ungewöhnlich. Hier werden sehr oft Sätze nur angedacht und nicht zu Ende geführt, das Verb kann man sich dann ... (dazudenken). Im weiteren Textverlauf hat es mich dann aber nicht mehr gestört. Es gibt einige schöne sprachliche Vergleiche, so die vielen Trachten, die Lisbeth besitzt und immerzu trägt, für jede Lebenslage eine, von der Taufe bis zum Tod. Ihr Leben, das der Tradition gewidmet ist, spiegelt sich in diesen Trachten, die sie aber auch einengen und nichts anderes zulassen.Wildtriebe, so wird im Roman erklärt, sind "dünne Ästchen, die mitten aus dem Stamm herauswuchsen. Entfernte man sie nicht, ließ man sie wachsen, konnten sie den Baum mit der Zeit sogar zum Absterben bringen." (S. 113)Wer oder was für den Baum und für die Wildtriebe steht, sollte jede*r für sich aus dem Roman herauslesen.Ich habe den Roman ganz gerne gelesen, vor allem, weil ich viele Details "wiedererkannt" habe, z.B. das Drama um die Aussteuer, die man als junges Mädchen jahrelang geschenkt bekam und dann doch nicht gebraucht hat. Schade fand ich den durchweg traurigen Unterton, manchmal hat mir ein bisschen Schwung in der Handlung gefehlt und dass ich keinen der Hauptcharaktere als sympathisch empfunden habe (muss man aber ja auch nicht). Dreieinhalb Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die gerne Mehrgenerationen-Romane lesen.
Mit den Traditionen brechen
Altbäuerin Lisbeth kannte nie etwas anderes als ihren Bethches-Hof, den sie in jungen Jahren übernehmen musste, weil ihre Brüder im Krieg gefallen waren. Es ist der größte und schönste Hof im Dorf, ihr ganzer Stolz.Als Sohn Konrad mit Marlies einen junge, moderne Frau auf dem Hof bringt, die eigene Wünsche und Vorstellungen vom Leben hat, entsteht ein Generationenkonflikt. Marlies hat mit den Traditionen nichts am Hut. Klärende Gespräche gibt es nicht. Erst als Tochter bzw. Enkelin Joanna geboren wird, entsteht so etwas wie Familie. Als Joanna nach dem Abitur jedoch für ein Jahr als Entwicklungshelferin nach Afrika reist, sind beide Frauen enttäuscht und überdenken ihre Vergangenheit.Erzählt wird die Zeitgeschichte mehrerer Jahrzehnte aus der Sicht von Lisbeth und Marlies. Die Ansichten der drei Männer auf dem Hof kommen fast gar nicht zur Sprache. Nüchtern und sachlich beschreibt Ute Rank das Leben in einem kleinen Dorf sowie den Wandel der Landwirtschaft mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die unvollendeten halben Sätze irritieren etwas. Das Buch macht insgesamt nachdenklich, die einzelnen Charaktere sind nachvollziehbar.Das Cover zeigt drei verschiedene, große Blütenköpfe, die wohl eine Assoziation auf die drei Frauen des Bethches-Hofes sein sollen. Auch wilde Triebe können demnach schöne Blüten tragen.
Ein Buch zum verlieben
Drei Frauengenerationen unter dem Dach eines Bauernhofes. Wie war das damals vor 50 Jahren, wie vor 30 Jahren und wie heute? Jede der drei Frauen hat ihre eigene Beziehung zu diesem Leben, zu diesem Ort. Die einen sind dort glücklich und zu Hause, die anderen sind nie wirklich angekommen.Schon auf den ersten Seiten hatte ich mich in das Buch verliebt. Mir gefiel der Schreibstil unheimlich gut und auch die ständig wechselnden Perspektiven zwischen Marlies und Lisbeth (Joanna spielt erst gegen Ende des Buches eine größere Rolle). Beides starke und beeindruckende Frauen, die es miteinander wirklich nicht leicht haben. Und eigentlich macht keine etwas falsch – es sind eben zwei Generationen von Frauen. Und gerade für Frauen, hat sich in dem Erzählzeitraum so viel verändert, dass die eine Generation die andere oft nicht mehr versteht.Ich habe mich in dem Buch durchweg wohlgefühlt und fand das Ende sehr passend und stimmig. Für mich eine klare Leseempfehlung für Leser, die auch mal gerne ruhige Geschichten mögen.Ganz besonders beeindruckend fand ich hier die Covergestaltung. Motiv, Farbe und Haptik – hier stimmt einfach alles. Und bei mir lag sogar noch ein ganz besonderes Lesezeichen bei. Man kann es einpflanzen und dann wachsen Blumen daraus.
Alt und Jung unter einem Dach
Es gibt die Redensart „Alt und Jung unter einem Dach passen selten zusammen“. Um genau darum geht es im vorliegenden Roman. Auf den traditionsreichen, großen landwirtschaftlichen „Bethches Hof“, der von Lisbeths Familie seit Generationen bewirtschaftet wird, heiratet Marlies in den 1970er Jahren ein. Sie will von Anfang an nicht nur Bäuerin sein. Und so schafft sie sich Freiräume, indem sie im Kaufhaus in der Stadt arbeiten geht, zur Jagd geht, Trecker fahren lernt und selbst bestimmt, wann und wie viele Kinder sie bekommt. Das führt zu Konflikten mit der Schwiegermutter. Das Leben auf dem Dorf, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten war, wird authentisch dargestellt. Nicht nur ist wichtig, eine funktionierende Familie zu haben. Nein, genauso wichtig ist es, ein gutes Bild nach außen abzugeben und dem Urteil der Nachbarn und aller Dorfbewohner zu genügen. Auch der Niedergang der Landwirtschaft wird gut dargestellt. Am beeindruckendsten aber ist die Aufbereitung des Verhältnisses zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter. Das geschieht in der Weise, dass abwechselnd die Gedankenwelt beider nach Art eines inneren Monologs wiedergegeben wird und viele Vorkommnisse so aus der Perspektive beider Frauen beleuchtet werden. Dem Klischee, dass Landleute wortkarg sind, werden die Romanfiguren gerecht. Über persönliche Dinge reden sie einfach nicht miteinander mit der Folge, dass sich Vieles anstaut und es unweigerlich zum Ausbruch kommen muss. Die Sprache passt sehr gut dazu; sie ist schlicht gehalten und oftmals sind unvollständige Sätze vorzufinden. Ein wirklich lesenswertes Buch.
Generationen unter einem Dach
Drei Generationen auf einem Bauernhof:Lisbeth ist die Erbin des hochangesehenen Bethches-Hofs in einem kleinen Fachwerk-Dorf in Hessen. Sie ist Patriarchin durch und durch, diszipliniert, organisiert und von früh bis spät arbeitend, immer darauf bedacht, was die Anderen, die Nachbarn, über sie sagen könnten. Wenn sie durchs Dorf geht, trägt sie ihre Nase hoch.Als Lisbeths Sohn heiratet und die moderne Marlies zu ihnen auf den Hof zieht, erhofft sie sich Unterstützung von der Schwiegertochter. Marlies jedoch möchte weder eine Kinderschar gebären, noch ihre Arbeit im Modehaus aufgeben. Es brodelt und der Konflikt nimmt seinen Lauf. Das keiner über Probleme und Gefühle in der Großfamilie spricht, macht es nicht einfacher.Als das langersehnte Enkelkind Joanna endlich geboren wird, nehmen die Unstimmigkeiten mit den unterschiedlichen Vorstellungen von Kindererziehung noch zu. Ute Mank lässt uns in ihrem Debütroman an dem Alltagsleben mit Traditionen in einer Bauernfamilie teilhaben. Sie beschreibt wunderbar wie sich der Hof mit jeder Generation verändert. Dadurch, dass Lisbeth und Marlies im Wechsel erzählen, hadert oder leidet man mit ihnen.Es ist einerseits ein Roman über einen Generationskonflikt und die fortschreitende Industrialisierung, als auch die Rollenveränderung der Frau, in ihrem Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit.Das Buch Wildtriebe von Ute Mank regt zum Nachdenken an. Eine Leseempfehlung von mir! 4½ Sterne
3 Frauen verschiedener Generationen auf 1 Hof - Selbstverwirklichung vs. Erwartungshaltungen
"Wildtriebe" von Ute Mank erschien (HC, geb.,2021) im dtv-Verlag und entführt den Leser auf den "Bethches-Hof" in Hessen, den die im Roman alt gewordene Großbäuerin Lisbeth Ende des 2. Weltkrieges erbte, da ihre Brüder gefallen waren. In die Rolle der Bauersfrau hineingewachsen, arbeitet sie an der Seite ihres Mannes Karl zeitlebens auf dem Milchbauernhof und übernimmt alle traditionellen Rollen klaglos, die auf einem Hof für sie anfallen.Als Sohn Konrad Marlies heiratet, kommt damit eine neue Frau auf den Hof, die von nun an "Bethches-Marlies" ist. Beide Frauen spüren, dass es nicht leicht sein wird, miteinander auszukommen: Während Lisbeth so aufgewachsen ist, sich alles von den älteren Frauen (und der Mutter) abzugucken, macht Marlies trotz aller Bemühungen vieles anders, was zuweilen für Zündstoff sorgt. Marlies möchte mehr vom Leben als eine Bäuerin sein; diese Rolle liegt ihr nicht wirklich: Während Lisbeth ganz selbstverständlich in diese Rolle und ihre Aufgaben hineinwuchs, hat Marlies das Bedürfnis, einen Ausgleich zu haben: So macht sie den Jagdschein und später lernt sie, Traktor zu fahren. Sie hilft mit, wo sie kann, unterstützt ihren Mann Konrad, aber möchte auch ins Modehaus zurückkehren, wo sie vor ihrer Heirat gearbeitet hat.Nach einigen Jahren (auch wann sich Nachwuchs einstellt, mochte Marlies nicht dem Zufall überlassen, sondern dann, wann sie es für richtig hielt) kommt Tochter Joanna auf die Welt: Einige Zeit ist das Verhältnis von Marlies und Lisbeth ein wenig entspannter, doch Freundinnen werden sie nie. Joanna wächst heran und macht nach dem Abitur erst einmal ein soziales Jahr; sie fliegt nach Afrika und sollte später innerlich und äußerlich verändert zurückkommen: Sie wollte mit ihren Freunden die Realschule besuchen, während ihre Mutter sie zum Besuch des Gymnasiums drängte, da sie "ja immer nur ihr Bestes" wollte...In diesem Roman, der die HauptprotagonistInnen sehr sensibel ausleuchtet und für so manches Kopfschütteln beim Lesen sorgt, geht es um Traditionen, die von der älteren Lisbeth aufrecht erhalten werden wollen; um Selbstbestimmtheit und sich anpassen; um Erwartungshaltungen und tradierte Rollenvorstellungen, die sich nicht nur auf dem Land - aber eben auch dort - in den letzten 70 Jahren für Frauen sehr gewandelt haben:Während Lisbeth niemals eine andere Wahl hatte, als Bäuerin zu werden, den Hof weiterzuführen "so wie es immer war" und nach Jahren der Kinderlosigkeit doch noch hofft, Mutter zu werden, bestimmt Marlies diesen Zeitpunkt selbst: Setzt sich über die unausgesprochene Erwartungshaltung der Großeltern hinweg, um ihnen dann doch noch Joanna als Enkelkind zu präsentieren: Diese geht jedoch ihren ganz eigenen Weg, auf den Marlies schon längst keinen Einfluss mehr hat. Hier tat mir die Mutter etwas leid, da sich zwischen Joanna und ihrer Großmutter Lisbeth eine engere Bindung offenbarte als dies zwischen Marlies und Joanna der Fall war: Ihre Beziehung empfand ich als eher unterkühlt mit wenig Nähe und Offenheit. Gegen Ende des Romans stimmen diese "emotionalen Proportionen" jedoch wieder und vielleicht hat Joanna ihrer Mutter unbewusst geholfen, "den Weg frei zu machen, um sich selbst zu entfalten"?Die Dialoge fand ich sehr interessant wie auch den geradlinigen, schnörkellosen Schreibstil von Ute Mank, der mir gut gefallen hat: Ich bin sicher, dass sich hier viele Frauen in Lisbeth, in Marlies oder auch in Joanna wiederfinden, da auch ein Stück Zeitgeschichte transparent gemacht wird: Was für unsere Großmütter undenkbar schien, ist heute absolut möglich; z.B. ein Kind auch ohne einen Vater aufzuziehen.Etwas bedauert habe ich, dass die männlichen Protagonisten Karl, Konrad und auch der Knecht Alfred, der zeitlebens auf dem Hof gearbeitet hat, im Dunkeln blieben: Hier ging es mehr um die Sicht der Frauen, auch die Beziehungen betreffend: So wird z.B. klar, wie sehr sich Marlies und Konrad bereits auseinanderlebten, als sie zusammen den leeren Kuhstall ausfegen; es ist eher ein sich-aus-dem-Weg-gehen als ein "aufeinander zugehen". Hier litt ich eher mit Konrad, dessen Lebensinhalt der Bethches-Hof eben auch war und der fortan in der Fabrik arbeitete als die - dennoch verständliche - Reaktion von Marlies teilen zu können: Das Fehlen der Kühe bedeutete für sie auch eine Erleichterung, eine positive Veränderung...Das Leben auf einem Hof (damals ohnehin und heute sicher ebenso) unterliegt ganz eigenen Gesetzen, die naturbedingt von den Tieren und den Arbeiten "diktiert" werden. Nicht jeder ist für solch' ein Leben geschaffen, dem ich (als Enkelin eines Landwirts) sehr großen Respekt entgegenbringe und dessen "Aura" ich durch eine Freundin, deren Eltern einen 400 Jahre alten Hof in der Pfalz hatten, ich selbst kennenlernen durfte. Die Autorin hat auch Sozialkritik anklingen lassen: Viele Milchhöfe wurden durch die EU-Gesetze sanktioniert, wenn sie zu viel Milch produzierten und viele haben aufgrund der schlechten Bezahlung der Landwirte ihren Betrieb aufgeben müssen, da es sich einfach nicht mehr rentierte. Sehr traurig, wie ich finde.Ich fand besonders Lisbeth sehr authentisch und mochte sie; ebenso wie Marlies, die meiner Generation angehört und deren analytische Gedanken ich oft sehr klug und richtig fand"Aussuchen können musste man es sich, was man werden wollte. Frei darüber entscheiden" (S. 110)Ein schönes Abschlussbild "krönt" diesen sehr lesenswerten Roman um drei Frauen, die ihre typischen Generationskonflikte hier auf dem Bethches-Hof austragen: Großmutter und Enkelin sitzen einträchtig auf der Bank und Lisbeth sieht den Bethches-Hof, auf dem es nun keine Kühe mehr gibt, mit ganz anderen Augen, "so, als hätte sie ihn noch nie zuvor gesehen".Gerne empfehle ich "Wildtriebe" weiter; viele Frauen aller Generationen werden sich in ihm teilweise wiederfinden - und sich angesprochen fühlen. (Und ausser Generationskonflikten trägt der Roman eine Menge Potential in sich, aufzuzeigen, wo die verschiedenen Generationen auch durchaus voneinander lernen können - und es auch tun!).4,5*
Dorfleben im Wandel
"Wildtriebe" beginnt mit dem Abschied von Joanna, Tochter von Marlies und Enkelin von Lisbeth, die in Afrika Entwicklungshilfe leisten möchte. In Rückblenden erzählen die beiden auf dem über Generationen vererbten Bauernhof verbliebenen Frauen über ihr bisheriges Leben. Es ist aber nicht einfach irgendein Generationenroman, sondern für die geringe Anzahl an Seiten in seiner Tiefsinnigkeit und Differenziertheit auf den Punkt betont. Der Kernpunkt der Geschichte ist das Verhältnis von Lisbeth und Marlies zueinander und, warum es ist, wie es ist. Kein bisschen seicht oder gezwungen gefühlvoll, sondern schlicht menschlich und echt erscheinen ausnahmslos alle Protagonisten, man erfährt ihre Beweggründe und kann sich in sie hineinversetzen, als "Dorfkind" vielleicht sogar noch mehr. Die Anzahl der Figuren ist leicht zu überschauen, die Zeitachse verläuft nicht geradlinig, aber ohne zu holpern. Alles wird an dem Punkt beleuchtet, an dem es dran ist, nichts wird, um Spannung zu erzeugen, zurückgehalten, so dass ich Lisbeth, Marlies und Joanna nach und nach vor meinem geistigen Auge entstehen lassen konnte. Während oft dieselbe Situation aus zwei Perspektiven dargestellt wird, reflektieren sie ihr eigenes Verhalten und ihre Gefühle, was dabei zutage tritt macht sie so sympathisch. Es ist wirklich so toll geschrieben, authentisch, ehrlich, entwaffnend kann man sagen. Auf eine leise Art. Die Autorin Ute Mank hat ein tolles Gespür dafür, was wichtig ist und was ablenkt, so war nichts abschweifend sondern sie bleibt mitten in der Geschichte, immer auf dem Bethches-Hof, zentral in der Geschichte, zentral im Leben der 3 Frauen.Einziger klitzekleiner subjektiver Kritikpunkt ist das Ende. Es war tatsächlich.. Nein ich sage nichts, lest es selbst.
Ein Stück Zeitgeschichte
Drei Generationen, ein Bauernhof, ein Dorf mitten in Hessen. Lisbeth, Marlies und Joanna sind die Hauptfiguren. Aus Sicht der beiden älteren Frauen, Schwiegermutter und Schwiegertochter, erzählt Autorin Ute Mank wie das Leben sich verändert auf dem Bethchen-Hof im Laufe der Jahrzehnte. Nicht nur die Arbeitswelt auf dem Hof, die Anforderungen, die Tierhaltung und auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern sich, auch die Frauen auf dem Hof verändern sich von Generation zu Generation. War es für Lisbeth gar kein Thema, woanders, als auf dem Hof zu arbeiten, wird für Marlies schnell klar, sie will mehr, als nur auf dem Hof leben. Sie will wieder zurück in die Arbeitswelt, dorthin, wo sie vor der Ehel gearbeitet hatte. Für Lisbeth unverständlich. "Was sollen die Leute sagen?" ist nur eine ihrer Gedanken dazu.Es ist ein Roman über Erwartungen, Anforderungen, Traditionen, Aufgaben, Notwendigkeiten an die Frauen, bei denen eigene Wünsche, eigene Lebensvorstellungen sich von Generation zu Generation langsam, aber stetig wandeln. Was von Lisbeth gar nicht hinterfragt wird, beschäftigt zumindest gedanklich Marlies, die sich aber auch in ein erwartetes Rollenbild fügt, die ihre eigenen Wünsche aber auf ihre Tochter projeziert. Joanna aber hat ihre ganz eigenen Vorstellungen.Diese Diskrepanz zwischen den so ganz unterschiedlichen Frauen, die Darstellung der dörflichen und familiären Strukturen, die Rollenbilder in den verschiedenen Generationen, sowie die Veränderungen, die es im Leben des letzten Jahrhunderts hier gegeben hat, werden bildhaft und sehr authentisch dargestellt. Es ist das Leben so einiger unserer Großeltern und Eltern. Man hatte seinen Platz im Gefüge, es wurde erwartet, vorausgesetzt, nicht hinterfragt. Gerade im dörflichen Umfeld wurde alles beäugt und bewertet. Man musste.Auch wenn "Wildtriebe" ein ruhiger Roman ohne großem Spannungsbogen ist, hat er mich sehr gefesselt. Die Protagonisten haben sehr viel Tiefe, sind authentisch und typisch für ihre Zeit. Der Erzählton ist harmonisch und angenehm. Die ab und an wie nicht fertig gesprochene Gedanken/Sätze, die wie luftleer enden, sind ungewöhnlich, passen aber (meist) in die Abschnitte. Diese kommen nicht so oft vor, fallen aber auf.Mich hat der Roman sehr gut unterhalten, er hat ein realistisches Bild des dörflichen Lebens der Generationen vor mir vermittelt. Manches ist - gerade für die heutige Jugend - so gar nicht mehr vorstellbar, daher ist dieser Roman auch ein Stück Zeitgeschichte.
Ein Hof im Wandel der Zeit
Lisbeth muss von ihren Eltern den Betches-Hof übernehmen, nachdem die älteren Brüder im Krieg gefallen sind. Sie tut es aus Pflichtbewusstsein und findet in Karl den richtigen Mann an ihrer Seite. Da sie auch nach mehreren Ehejahren nicht schwanger wird, nehmen sie und Karl einen namenlosen Säugling an Kindesstatt an. Konrad, so nennen sie den Jungen, wächst in der Hoftradition auf. Als er Marlies seinen Eltern vorstellt, kommt eine neue Frau ins Haus. Ihre Vorstellungen von einem Leben und der Tagesablauf am Betches-Hof prallen aufeinander. Marlies‘ Wunsch nach Selbstverwirklichung bringt Unruhe und am Ende wird sie zwar viel durchgesetzt, aber das wahre Glück nicht gefunden haben. Meine persönlichen LeseeindrückeIn einem rasanten Tempo erzählt Ute Mank eine Familiengeschichte, die ich z. T. auch kenne und lässt 70 Jahre dahinrauschen. Das Buch stilisiert an 3 Frauen die Lebensweisen der verschiedenen Generationen. Lisbeth musste den Hof übernehmen, die Tradition weiterführen und an ihren Sohn weitergeben. Marlies ist dazugekommen. Sie hat den schwierigsten Part und kommt mit allem nicht so zurecht. Sie will anders leben, eigene Entscheidungen treffen, machen, was Frauen bis jetzt nicht gemacht haben. Sie passt nicht und wirkt wie ein Störfaktor. Das ist nicht böse gemeint, sie ist ja nicht absichtlich so. Marlies sucht nach etwas und weiß wohl nicht, dass man etwas nur finden kann, wenn es schon in einem ist.Joanna steht für die Zukunft, die kommende Generation. Sie gehört auf den Bethches-Hof, da ist sie zuhause und nirgendwo anders möchte sie sein. Darin ist sie wie ihre Großmutter und unterscheidet sich von ihrer Mutter.Fazit„Wildtriebe“ ist ein Buch für Frauen. Im Roman erzählt Ute Mank von drei Frauenfiguren, die den Wandel der Zeit in einem Zeitfenster von knapp 70 Jahren er- und durchleben. Es ist ein Buch über Familie, Tradition, Liebe und Fürsorge zwischen den Generationen. Der Hof wird der Fels in der Brandung, er wird bleiben und für die kommenden Generationen ein Zuhause sein.4,5 SterneP.S. Das Cover ist mit das schönste, was ich in letzter Zeit gesehen habe.
Generationenbuch
Auf dem Betchen-Hof leben drei Generationen Frauen zusammen. Lisbeth, ihre Schwiegertochter Marlies und ihre Enkeltochter Joanna. Während für Lisbeth der Hof immer an erster Stelle stand ist es bei ihrer Schwiegertochter schon anders, Marlies geht arbeiten. Aber ganz schlimm trifft Lisbeth die Entscheidung von Joanna, die nach ihrem Abitur nach Uganda geht ...Drei Generationen, der Frauen, drei Leben. Ein Buch, welches meiner Meinung nach auch Generationen lesen sollten. Denn irgendwo kann ich jede Frau verstehen und dann auch wieder nicht. Wie viel leichter wäre es, wenn sie miteinander reden würden.Eine ganz tolle, berührende Geschichte über die verschiedenen Generationen über deren Wünsche und auch über ihre Enttäuschungen. Sehr einfühlsam erzählt. Ein flüssig zu lesender Schreibstil macht es einfach, die Geschichte ist tiefgründig und trotzdem leicht zu lesen. Mir hat es sehr gefallen und ich denke wirklich, gerade die jüngste Generation kann vielleicht die ältere nach dem Buch besser verstehen. Und andersrum genauso. Tolle Unterhaltung, absolut empfehlenswert.
Pressestimmen
Tradition, Rebellion, Rückbesinnung: An Bäuerin Lisbeth, Schwiegertocher Marlies und Enkelin Joanna ...zeigt Mank in ihrem Debüt den Wandel von Lebensentwürfen und Frauenbildern. Mitreißend. mehr weniger
06.09.2021
Ute Mank weiß aus eigenem Erleben, wie sehr ›Wildtriebe‹ auf einem hessischen Dorf beäugt werden – u...nd widmet ihr einfühlsames Debüt einem Drei-Frauen-Haus, in dem fast geräuschlos Fragen von Emanzipation verhandelt werden. mehr weniger
22.07.2021
Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Ute Mank in ihrem beeindruckenden Debüt ›Wildtriebe‹ die F...rauen aus drei Generationen mit ihren Ecken und Kanten, ihren Geheimnissen und Lieben. mehr weniger
22.07.2021
Ute Mank beschreibt das Leben auf einem hessischen Bauernhof mit kenntnisreichem Blick.
Meike Schnitzler, 01.07.2021
›Wildtriebe‹ ist ein starker Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Anerkennung, über Mut und sp...äte Erkenntnisse. mehr weniger
Ein sehr besonderer Generationenroman, der berührt und in dessen Figuren man sich ganz wunderbar ver...lieren kann. mehr weniger
Jaqueline Lenz, 08.12.2021
Ein bemerkenswertes Romandebüt!
11.11.2021
Eine tolle Lektüre – ein Lesevergnügen der Extraklasse.
Sonja Werkowski, 12.10.2021
Ein sehr lesenswertes Generationen-Porträt!
Carolin Federl, 08.09.2021
Ute Mank macht aus dem „einfachen“ Leben auf einem Bauernhof eine absolut ansprechende literarische ...Geschichte! mehr weniger
Alex Dengler, 30.08.2021
Ein leiser, gerade deshalb so emotionaler Generationenroman, der den Titel zu Recht trägt. Lesen!
24.08.2021
Drinnen schön, draußen schön, braucht jedes Haus, dieses Buch!
Ulrike Katrin Peters, 15.08.2021