Drei Frauen auf einem Hof – im Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit
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Wildtriebe
Drei Frauen auf einem Hof - auf der Suche nach Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit
Alle alten Höfe hatten einen Namen. Er ging auf die Vorfahren zurück, auf deren Namen, Berufe oder EIgenschaften. Der Hausname war wichtiger als der amtliche Nachname. Denn er gab allen Auskunft darüber, wer man war. Aber viel mehr noch sagte er einem, wie man zu sein hatte.
Ute Manks faszinierender Debütroman – jetzt im Taschenbuch
Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Nie hat sie die damit verbundenen Pflichten hinterfragt. Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos und ohne eigene Wünsche das Leben einer Bäuerin führen will. Das Kaufhaus in der nächsten Stadt wird für Marlies zum Sehnsuchtsort im Wirtschaftswunderdeutschland, arbeiten möchte sie dort, einen Jagd- und Traktorführerschein machen, das Leben soll doch mehr zu bieten haben. Die beiden Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Doch eigentlich werden viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist da ein verbindendes Element: Marlies’ Tochter Joanna, die ihren ganz eigenen Weg geht und nach dem Abitur nach Uganda aufbricht …
Ein großer Familien- und Frauenroman zwischen Tradition und Fortschritt
»Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Ute Mank in ihrem beeindruckenden Debüt ›Wildtriebe‹ die Frauen aus drei Generationen mit ihren Ecken und Kanten, ihren Geheimnissen und Lieben.« Gala
»Ein sehr besonderer Generationenroman, der berührt und in dessen Figuren man sich ganz wunderbar verlieren kann.« Delmenhorster Kreisblatt
Bibliografische Daten
2. Auflage
Ute Mank
Ute Mank wurde in Marburg geboren. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, lernte einen Gesundheitsberuf, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte später nebenberuflich. Ihr erster Roman ›Wildtriebe‹ erschien 2021 und war für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Hessen.
3 - 10 von 122 Leserstimme
Ein lesenswerter Generationenroman
In Wildtriebe schreibt Ute Mank über das Leben eine bäuerlichen Familie in einem kleinen Dorf in Hessen. Über Generationen hinweg erzählt sie vornehmlich die Geschichte der Frauen auf dem Betches Hof. Lisbeth, die alteingesessene Bäuerin beäugt Schwiegertochter Marlies von Anfang an kritisch. Nahezu nichts kann die junge Marlies der alten Lisbeth Recht machen. Und dann will Marlies auch noch arbeiten gehen und den Jagdschein machen. Was sollen da bloß die Nachbarn denken ? Enkeltochter Joanna hat sowieso Ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Leben und verabschiedet sich nach bestandenem Abitur erstmal nach Afrika. Der Schreibstil ist eher karg und nüchtern. Kurze Sätze , oft nicht zu ende ausgeführt, geben die Gedanken der drei Protagonistinnen wieder. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive zwischen Lisbeth und Marlies und gegen Ende des Buches auch Joanna. Charakteristisch für das Buch ist, das nicht viel gesprochen wird. Die Männer sind eher Begleiterscheinungen, die recht einsilbig auftreten und auch zwischen den Frauen wird wenig bis gar nicht gesprochen. Ich fand es äußerst interessant, dass der Leser zwar Einblick in die Gefühlswelten der einzelnen Frauen bekommt, sie diese voreinander aber verbergen. Der Konflikt der Generationen wird hier so deutlich spürbar, das man die Frauen fast schütteln möchte damit sie endlich miteinander reden. Ich habe beim Lesen durchaus Verständnis für beide Frauen gefunden. Lisbeth , die an den alten Traditionen festhalten möchte, weil sie eben nur das kennt und ihr Traditionen und Regeln Sicherheit geben. Und auf der anderen Seite Marlies, die sich mehr vom Leben erhofft als nur Hausfrau und Mutter zu sein . Joanna ist in meinen Augen das Bindeglied zwischen Lisbeth und Marlies. Bei Ihr ist Lisbeth deutlich nachsichtiger als sie es noch bei Ihrer Schwiegertochter war. Wildtriebe ist wirklich in jeder Hinsicht ein besonderer Roman. Es passiert nicht wirklich viel, aber dennoch kann man das Buch kaum aus der Hand legen. Da mich die bedrückte Stimmung auf dem Hof teilweise auch bedrückt hat gibt es einen Stern Abzug. Ansonsten aber wirklich ein toller, besonderer Roman, der einmal mehr zeigt, wie wichtig es ist miteinander zu reden.
Auf dem Bethches-Hof
Der Bethches-Hof in Hausen (Hessen): Elisabeth, genannt Lisbeth, ist die Tradition sehr wichtig. Doch Schwiegertochter Marlies möchte nicht einfach nur Bäuerin sein, sondern sich selbst verwirklichen. Zwei Lebensmodelle prallen aufeinander. Kann Joanna, Marlies‘ Tochter und Lisbeths Enkelin, die beiden Frauen am Ende doch noch enger zusammenbringen?„Wildtriebe“ ist der Debütroman von Ute Mank.Meine Meinung:Der Roman hat nicht die klassische Einteilung in Kapitel, sondern besteht aus kurzen Abschnitten. Die Handlung umfasst einige Jahre. Es gibt etliche Zeitsprünge. Ein etwas klarerer Aufbau wäre hilfreich gewesen.Der unaufgeregte Schreibstil gefällt mir sehr. Er ist äußerst atmosphärisch, eindringlich und einfühlsam. Mit wenigen Worten gelingt es der Autorin, viel zu transportieren.Drei Frauenfiguren stehen im Vordergrund der Geschichte: Lisbeth, Marlies und Joanna. Ihr Denken und Fühlen lässt sich hervorragend nachvollziehen. Die Protagonistinnen wirken sehr authentisch und sind gut ausgestaltet. Vor allem Marlies bietet eine Menge Identifikationspotenzial. Die Männer werden zwar auch realitätsnah dargestellt. Sie bleiben jedoch eher blass, was in diesem Fall nicht stört, weil die Geschichte den Fokus auf die Rolle der Frauen legt.Thematisch geht es um das Leben auf dem Land und insbesondere um die Konflikte zwischen den Generationen. Träume, Ziele, Erwartungen - das sind drei Aspekte, die wiederholt aufkommen. Zwischenmenschliches und Schicksalsschläge machen den Roman berührend, ohne in den Kitsch abzudriften. Zugleich ist die Geschichte facettenreich und geht ausreichend in die Tiefe. Immer wieder regt sie zum Nachdenken über das eigene Leben an und konnte mich an einigen Punkten abholen.Insgesamt ist es ein Roman der leisen Töne. Zwar passiert auf den rund 280 Seiten durchaus einiges. Das Erzähltempo ist jedoch eher ruhig, auf starke Dramatik wird verzichtet. Dennoch konnte mich die Geschichte durchweg fesseln.Der knappe, aber passende Titel sowie das hübsche Cover sind ebenfalls sehr gelungen.Mein Fazit:„Wildtriebe“ von Ute Mank ist ein besonders lesenswerter Generationenroman, der mich mit seiner Authentizität und Sprache begeistern konnte. Eines meiner Lesehighlights 2021.
Landleben pur inklusive Generationenkonflikt - inhaltlich und sprachlich sehr interessant.
Der Bethches-Hof ist Lisbeth‘s Ein und Alles, er ist ihr Dreh- und Angelpunkt, ihr ganzer Lebensinhalt. Als ihr Marlies als Schwiegertochter vorgesetzt wird, geraten ihre Werte und Strukturen ins Wanken. Nur Joanna, Marlies‘ Tochter, könnte daran etwas ändern und die beiden Frauen einen. Bevor es dazu jedoch kommt, hat Joanna bereits eigene Pläne geschmiedet. Der Roman lebt von der fehlenden Kommunikation, von Fehlinterpretationen, von Missfallen und von Vorwürfen. Es treffen starke und eigenwillige Frauen aufeinander, die ihre Werte und Wünsche durchsetzen wollen. Lisbeth und Marlies werden auch noch von den Erwartungen der Dorfgemeinschaft unter Druck gesetzt. Marlies versucht dem Ganzen hier und da zu entkommen, indem sie stille Kämpfe mit Lisbeth austrägt und sich auf Alleingänge begibt. Sie arbeitet Teilzeit, macht den Jagdschein und sorgt somit für Empörung. Die Männer auf dem Hof sind blass gezeichnet, befinden sich im Hintergrund und agieren kaum. Sie konzentrieren sich überwiegend auf die landwirtschaftliche Arbeit. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Machtkämpfen zwischen Schwiegermutter und Schwiegertocher und später auf der Enkelin Joanna.Die Sprache ist nüchtern und unaufgeregt, wodurch zwar Gefühle und Verhaltensweisen der Figuren nachvollziehbar und authentisch dargestellt werden, jedoch es an Tiefe und Emotionalität mangelt und man keine der Personen richtig lieb gewinnt. Im letztem Drittel verliert Marlies an Biss. Unsicherheiten lassen sie nicht wie eine erwachsene und bodenständige Frau wirken. Der außergewöhnliche Schreibstil kann als Stilmittel für das einfache Landleben, geprägt von Verzicht und Aufopferung, gewertet werden. Ute Mank weiß wovon sie schreibt. Als hätte sie vieles davon selbst erlebt. Die Autorin ist vor 30 Jahren aufs Land gezogen und ist immer noch die aus der Stadt, die Zugezogene. Ihr Roman fesselt, überzeugt und ist sehr authentisch. Die Szenerien des Landlebens in ihrer ehrlichsten und irrwitzigsten Form - manchmal auch zum Schmunzeln. Tradition trifft auf Umbruch und Moderne. Lesenswert und vor allem für all diejenigen, die vom Landleben nie genug bekommen können.
Drei Generationen unter einem Dach
Die Buchbeschreibung hat mich sofort angesprochen. "Drei Frauen auf einem Hof – im Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit."Die Geschichte um die alte Großbäuerin Lisbeth, ihre Schwiegertochter Marlies und deren Tochter Joanna, zeigt anschaulich, wie das Leben der drei Generationen in einem Haus ist.Jede der drei Frauen wurde in eine andere Zeit hineingeboren. Während für Lisbeth noch ganz andere Werte und Traditionen im Vordergrund stehen, sie immer noch in der Vergangenheit lebt, möchte Marlies ihre Zukunft selbst bestimmen. Das Ende des Krieges, das Wirtschaftswunder, eine neue Freiheit für Frauen steht für sie im Vordergrund. Sie will nicht das Heimchen am Herd sein, sie möchte alle Chancen nutzen, die sich ihr bieten.Und Joanna geht noch einen Schritt weiter, sie zieht es nach Uganda...Die Autorin hat hier einen wunderbar atmosphärischen Roman geschrieben, der schon allein durch seine Hauptfiguren besticht. Sie verdeutlicht, wie sich die Jahrzehnte auf das Leben auswirken, was wichtig ist und was für Träume sich daraus entwickeln. Manchmal muss man mit dem Fortschritt gehen.Ich bin begeistert von diesem Buch!!!
Generationskonflikte zwischen Tradition und Fortschritt
Nachdem Elisabeth’s Brüder nicht aus dem zweiten Weltkrieg wiederkamen, wird sie die Erbin des Bethches-Hofes. Den Erhalt und den Fortbestand des Hofes sieht sie als ihr Lebenswerk an. Seit Generationen geprägt von Traditionen, festen Regeln, im Rhythmus des Jahresverlaufes und der Versorgung der Tiere. Als nun Konrad, ihr einziger Sohn und Hoferbe, Marlies heiratet, ist Lisbeth nicht sehr angetan von der modernen jungen Frau, die keine Bäuerin ist. Dies soll sich unter Lisbeth’s Führung ändern. Doch Marlies kann es ihrer Schwiegermutter nicht recht machen. Sie möchte sich nicht immer unterordnen, sondern ihr Leben selbst bestimmen. Sie nimmt wieder ihren Beruf im Kaufhaus auf, macht den Jagdschein und den Traktorführerschein. Lisbeth ist in ihren Traditionen und Wertvorstellungen so verankert, dass die stillen Kriege tagtäglich zu spüren sind, denn es wird nicht miteinander gesprochen, jeder macht das mit sich allein aus. Als Marlies Tochter Joanna geboren wird, ist Lisbeth ganz stolze Oma, endlich hat der Hof eine Nachfolgerin. Doch die stillen Kämpfe bleiben, um Mützen, Kinderwagen oder Erziehung. Zwischen Lisbeth und Joanna entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung. Doch auch Joanna hat ihren ganz eigenen Lebensentwurf.Die Männer in dieser Geschichte bleiben sehr im Hintergrund.Dieser Roman ist sehr schön und atmosphärisch geschrieben, wobei der Schreibstil bzw. das Stilmittel mit den unvollendeten Sätzen für mich das ein oder andere Mal etwas gewöhnungsbedürftig war. Die Geschichte spiegelt die Generationsunterschiede und die Lebensmodelle der drei Protagonistinnen, sowie die Landwirtschaft im Wandel der Zeit sehr schön wider. Das sehr schön gestaltete Cover mit den drei Blumen kann man gut den drei Frauen zuordnen. Der Bezug gefällt mir sehr.Fazit: Ein unaufgeregter gut zu lesender Roman.
Ruhige und einfühlsame Geschichte
Inhalt: Auf dem Betches-Hof, dem größten Bauernhof in Hausen, einem kleinen Ort in Hessen, leben drei Generationen von Frauen unter einem Dach. Für die alte Bäuerin Lisbeth ist der Hof ihr ganzer Lebenssinn, seit sie ihn von ihren Eltern geerbt hat. Ihre Schwiegertochter Marlies, die keine Bauerstochter ist - so wie von Lisbeth heimlich gewünscht - hat andere Vorstellungen vom Leben als Tag für Tag einen Hof zu bewirtschaften, und ihre Tochter Joanna geht selbstbewusst ihren eigenen Weg . Immer wieder kommt es vor allem zwischen Lisbeth und Marlies zu Konflikten, denn statt miteinander zu reden, tragen sie stille Kämpfe aus. Das einzige Bindeglied der Frauen ist Joanna.Meine Meinung: Ich brauchte einige Seiten, um mich an den etwas ungewöhnlichen Schreibstil zu gewöhnen. Ute Mank erzählt die Geschichte ruhig und unaufgeregt in kurzen, manchmal sogar nicht beendeten Sätzen, so wie auch in vielen sehr kurzen Abschnitten. Im Wechsel erfährt der Leser aus den Perspektiven von Lisbeth und Marlies von deren Gedanken und Handlungen. Gerade zu Anfang haben mich auch die spontanen Zeitsprünge etwas verwirrt, doch schon bald kam ich gut damit zurecht.Lisbeth ist nicht glücklich mit ihrer neuen Schwiegertochter, die so anders ist als gewünscht. Marlies dagegen fühlt sich von Lisbeths Anforderungen und Erwartungen unter Druck gesetzt und sucht andere Herausforderungen. Der Hof diktiert das Leben der ganzen Familie und gibt deren Lebensrythmus vor. Über die Arbeitserleichterungen die die Modernisierung mit sich bringt, ist Marlies sehr froh, doch Lisbeth machen sie traurig.Joanna wird von beiden Frauen geliebt und ist gleichzeitig Streitpunkt, wie auch Verbindung zwischen ihnen. Beide setzen große Hoffnungen in sie. Leider war mir Joanna nicht besonders sympathisch. Lisbeth und Marlies sind mir dagegen im Lauf der Geschichte ziemlich nah gekommen. Ich konnte mich gut in beide hineinversetzen und auch den Generationskonflikt gut nachvollziehen. Ich hatte für beide Verständnis, auch wenn ich Lisbeths Einmischungen und Verhalten gegenüber Marlies nicht richtig fand. Da war ich ganz auf Marlies Seite. Die Männer in dieser Geschichte bleiben eher unauffällige Nebendarsteller, die sich nur ungern in Konflikte einmischen. Trotzdem mochte ich Karl, Lisbeths Mann, sehr gern, denn er verhällt sich Marlies gegen über offener und freundlicher als seine Frau.Die Autorin beschreibt sehr authentisch das Alltagsleben auf einem Hof. Sie erzählt von der Arbeit und den Traditionen. Vom Klatsch und Tratsch in dem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Vom Pflichtbewusstsein der älteren Generation. Vom Druck, Kinder in die Welt setzen zu müssen - je mehr desto besser - um Erben für den Hof zu haben. Und auch von der Veränderung des Frauenbildes und der Modernisierung der Landwirtschaft.Fazit: Mir hat dieser ruhige und einfühlsame Roman wirklich gut gefallen und ich empfehle ihn gerne weiter.
Von verpassten Chancen und Sprachlosigkeit
Inhalt:Lisbeth hat mit jungen Jahren den Familienhof, den Bethches-Hof, übernommen und kümmert sich seitdem gewissenhaft um ihn. Dessen Erhalt ist ihr am wichtigsten, wozu viele Verpflichtungen dazu gehören. Ihr ganzes Leben dreht sich um den Hof. Ihre Schwiegertochter Marlies, die mit ihrem Mann auch auf dem Hof lebt, wird von Lisbeth gezwungenermaßen zu einer Bäuerin gemacht. Sie vermisst ihr damaliges Leben und ihre Arbeit im Kaufhaus. Ihre Tochter Joanna hat deutlich mehr Freiheiten als die Frauen zwei Generationen vor ihr.Meinung:Dieser Roman zeigt auf, wie oft Frauen in der Vergangenheit ihre Freiheit aufgeben mussten, sei es für die Familie, aus gesellschaftlichem Zwang oder für die Arbeit, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Marlies musste einen großen Teil ihrer Unabhängigkeit abgeben, als sie Konrad heiratete und von da an auf dem Hof mithelfen musste. Stück für Stück holt sie sich nun mehr von ihrer Freiheit zurück, aber es ist nicht so leicht. Die Erwartungen der beiden Frauen Lisbeth und Marlies sind ganz unterschiedlich, weshalb es auf dem Hof oft Spannungen gibt. Das große Problem ist aber, dass innerhalb der Familie kaum miteinander kommuniziert wird. Welche Folgen das haben kann, wird hier sehr gut deutlich. Die Sichtweisen von Lisbeth und Marlies kann man als Leser:in gut nachvollziehen. Die Autorin beschreibt die beiden, ohne über sie zu urteilen. Beim Lesen hat mir die Beschreibung des Hoflebens sehr gut gefallen. Das Lesen war beruhigend und entspannend. Aber die Ereignisse sind auch bedrückend und machen traurig. Dennoch hat mir das Ende besonders gut gefallen, da es realistisch ist und trotzdem ein Fünkchen Hoffnung birgt. Stellenweise war es etwas langatmig, da im Roman nicht so viel passiert. Aber einige gravierende Entscheidungen und Schicksalsschläge haben meine Aufmerksamkeit auf sich sich ziehen können. Fazit:Es ist ein ruhiger Roman, welcher gleichzeitig auch bedrückt, aber wichtige Themen anspricht. Die unterschiedlichen Erwartungen an Frauen verschiedener Generationen sowie die Folgen von fehlender Kommunikation werden sehr eindrücklich beschrieben.
Hinterließ ein beklemmendes Gefühl, ist aber dennoch ein lesenswerter Roman
Das Buch Wildtriebe erzählt die Geschichte von Elisabeth, der Besitzerin eines Großbauernhofes und Marlies ihrer Schwiegertochter, die in einem kleinen Dorf in Hessen zusammen auf einem Hof wohnen. Die Arbeit auf dem Hof ist sehr anstrengend, aber noch nervenaufreibender sind die kleinen unausgesprochenen Kämpfe zwischen den beiden Frauen. Das Dorfleben ist geprägt von Dorftratsch und Konventionen. Das Leben einer Frau ist noch vorgezeichnet für ein Dasein am Herd, auf dem Hof und für die Kinder. Marlies jedoch verteidigt zäh ihre Unabhängigkeit, das Arbeiten im Kaufhaus, da sie die ausschließliche Bindung an den Hof vermeiden möchte. Streng gehütete Familiengeheimnisse spielen ebenfalls eine Rolle. Das Leben auf dem Hof bekommt durch die Geburt der Tochter von Marlies und ihrem Mann Konrad frischen Wind. Wird die kleine Joanna eine herzlichere Verbindung zwischen Elisabeth und Marlies herstellen können?Der Schreibstil und die Sprache des Romans haben mir sehr gut gefallen und daher habe ich das Buch sehr schnell gelesen. Der Inhalt hat allerdings sehr ambivalente Gefühle bei mir hinterlassen. Insgesamt habe ich die Geschichte als sehr bedrückend und belastend empfunden, ganz besonders das erste Drittel des Buches. Es zieht sich eine Sprachlosigkeit durch das ganze Buch, die das Leben auf dem Hof in einen zähen Schleim einhüllt. Die alten Gepflogenheiten und eine strenge „Hofhierarchie“ verleiden Marlies das Leben auf dem Hof und lassen den Hof kaum zu einer Heimat für sie werden. Es ist Marlies nicht zu verdenken, dass sie als „Zugeheiratete“ außerhalb des Hofes ihre Selbstbestätigung sucht und erhält, da die Anerkennung und sogar nur die Akzeptanz von der Hoferbin und alten Bäuerin Elisabeth ausbleibt. Elisabeth ist stark in ihrer eigenen Zeit und in ihrem Standesdünkel gefangen. Für mich sind nicht nur die Figuren brüchig, die ganze Erzählung weist so starke Ungereimtheiten auf, dass ich die Geschichte an vielen Stellen unglaubhaft finde. Allein, dass Konrads Geheimnis so lange, in einem Dorf mit regem Dorfklatsch, ihm nicht zugetragen wurde, ist verwunderlich. Auch die Entwicklung von Elisabeth im späteren Verlauf erscheint mir mehr als nur fraglich. Das Verhalten von Joanna zum Ende des Romans gegenüber ihrer Mutter wirkte so schroff und grob, auch das empfinde ich als nicht hineinpassend. Trotz dieser Ungereimtheiten hat Ute Mank dennoch einen sehr gut gezeichneten Roman über das Funktionieren in einer Dorfgemeinschaft der 70er und 80er Jahre geschrieben. Außerdem wird sehr treffend die Entwicklung der Landwirtschaft ab den 1970er Jahren an Hand der Familiengeschichte verdeutlicht. Die bedrückende zwischenmenschliche Atmosphäre auf dem Hof ist ebenso gekonnt und sehr plastisch eingefangen worden.Das Cover passt perfekt zum Buch. Auf der einen Seite wunderschön anzusehen und wenn man das Buch näher betrachtet und in die Hand nimmt, ist es rau und die Schrift wirkt kaputt. So ambivalent geht es mir mit dem ganzen Roman, daher fällt mir die Bewertung sehr schwer. Ich vergebe 3,5 Punkte, die ich aufrunde, da die Symbolik, die Ute Mank statt Worten in der Geschichte verwendet, wirklich einfallsreich ist (z. B. Seidentuch). Zudem finde ich das Nichtzugehörigkeitsgefühl und die Nichtverbundenheit zur Gemeinschaft und deren Auswirkungen außerordentlich gut verpackt und das sind immer wieder auch brandaktuelle Themen.
Ruhige Geschichte mit tiefen Einblicken in die Gedankenwelt der Protagonistinnen
In ihrem Roman „Wildtriebe“ erzählt die Autorin Ute Mank, die Geschichte zweier Frauen welche stellvertretend für ihre jeweilige Generation stehen könnten. Ihre Erzählung ist dabei ruhig und legt den Fokus auf die inneren Gefühlswelten der Figuren. Erstaunlicherweise passiert an sich gar nicht so viel in der Geschichte, dennoch konnte mich die Erzählung fesseln, da man als Leserin sehr nah an den beiden Hauptcharakteren Lisbeth und Marlies dran ist. Weitere Figuren, insbesondere die Männer, bleiben im Gegensatz dazu allerdings blass. Die Konflikte, Gedankengänge und auch das Leben auf dem Bauernhof waren für mich sehr authentisch beschrieben. Hier wurde nichts beschönigt, insbesondere unterschiedliche Generationskonflikte wurden gelungen herausgearbeitet. Der Schreibstil las sich, nach einer kurzen Eingewöhnung, flüssig und leicht. Besonders gerne mochte ich dabei die anschaulich beschriebene Szenerie, sowie die Erklärung zum Titel. Die Grundstimmung des Buchs ist eher getragen, da es nur wenige fröhliche Passagen gab. Einen lockeren Unterhaltungsroman findet man hier also definitiv nicht. Für mich war am Ende aber alles so stimmig, dass ich gerne 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung vergebe!
3 Frauen – 3 Generationen: jede Menge Konflikte
Ute Mank ist eine Frau mit Tatendrang und immer noch „die aus der Stadt“, obwohl sie seit über 30 Jahren im Dorf lebt, aber halt eingeheiratet. Genau dieser Umstand und wie die älteren Dorfbewohner über die Jahre ihre Normen und Ansprüche wie jemand zu sein hat selbstverständlich vor sich her tragen, hat Ute Mank sicher zu ihrem guten Debüt inspiriert. Aber nur eine Spekulation meinerseits.‚Wildtriebe‘ ist zwar mit einem harmonisch altmodischen Cover versehen, aber darin brodelt es gewaltig und daher passt das Äußere dann doch zum Inhalt. Denn auf dem bäuerlichen Bethches-Hof, auf dem jeder mit anpackt und das selbstverständlich ist um die Last zu teilen, zieht eine Schwiegertochter, Marlies, ein, die das anders sieht. Konrad, der Erbe des Hofes hat sich aus der Sicht seiner Mutter, Lisbeth, mit dieser Frau keinen Gefallen getan. Marlies will sich der Hofordnung nicht unterordnen, nicht nach Lisbeth Regime leben und einen eigenen Beruf außerhalb des bäuerlichen Betriebs ergreifen. Eigene Entscheidungen treffen und selbstbestimmt Leben. Um den Generationenkonflikt komplett zu machen, wird Marlies ungewollt schwanger und das Kind Joanna, die dritte Frau und Generation steht zwischen den Stühlen und ist zugleich das verbindende Element von Mutter und Großmutter. Und hat nochmals andere Ideen sich zu verwirklichen. Ute Mank schafft es sehr gekonnt mit leiden Tönen die drei Generation mit ihren Konflikten zu zeichnen, die entstehen, wenn Lebensentwürfe aufeinandertreffen, wenn Modernität nicht mit Tradition vereinbar ist und wenn Individualität wichtiger wird als Familie. Gebettet ist das in die geschichtliche Veränderung, denn die drei Generationen wachsen jeweils in anderen Verhältnissen auf, andere Voraussetzung und natürlich auch sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Selbstverwirklichung als Frauen. Die kriegserlebende Großmutter, die Mutter im Wirtschaftswunder und das Enkelkind in der Postmodernen.Mich hat der Roman berührt, erinnert an die eigene bäuerliche Großmutter, tief ergriffen und mich ein wenig sensitiver zurückgelassen, dass die Prägung nicht einfach wegwischbar ist und immer ein Teil der Persönlichkeit bleibt – ob mit oder ohne Einsicht.Lesenswert – lasst euch nicht vom Cover irritieren! ;0)
Pressestimmen
Tradition, Rebellion, Rückbesinnung: An Bäuerin Lisbeth, Schwiegertocher Marlies und Enkelin Joanna ...zeigt Mank in ihrem Debüt den Wandel von Lebensentwürfen und Frauenbildern. Mitreißend. mehr weniger
06.09.2021
Ute Mank weiß aus eigenem Erleben, wie sehr ›Wildtriebe‹ auf einem hessischen Dorf beäugt werden – u...nd widmet ihr einfühlsames Debüt einem Drei-Frauen-Haus, in dem fast geräuschlos Fragen von Emanzipation verhandelt werden. mehr weniger
22.07.2021
Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Ute Mank in ihrem beeindruckenden Debüt ›Wildtriebe‹ die F...rauen aus drei Generationen mit ihren Ecken und Kanten, ihren Geheimnissen und Lieben. mehr weniger
22.07.2021
Ute Mank beschreibt das Leben auf einem hessischen Bauernhof mit kenntnisreichem Blick.
Meike Schnitzler, 01.07.2021
›Wildtriebe‹ ist ein starker Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Anerkennung, über Mut und sp...äte Erkenntnisse. mehr weniger
Ein sehr besonderer Generationenroman, der berührt und in dessen Figuren man sich ganz wunderbar ver...lieren kann. mehr weniger
Jaqueline Lenz, 08.12.2021
Ein bemerkenswertes Romandebüt!
11.11.2021
Eine tolle Lektüre – ein Lesevergnügen der Extraklasse.
Sonja Werkowski, 12.10.2021
Ein sehr lesenswertes Generationen-Porträt!
Carolin Federl, 08.09.2021
Ute Mank macht aus dem „einfachen“ Leben auf einem Bauernhof eine absolut ansprechende literarische ...Geschichte! mehr weniger
Alex Dengler, 30.08.2021
Ein leiser, gerade deshalb so emotionaler Generationenroman, der den Titel zu Recht trägt. Lesen!
24.08.2021
Drinnen schön, draußen schön, braucht jedes Haus, dieses Buch!
Ulrike Katrin Peters, 15.08.2021