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Drei Frauen auf einem Hof – im Kampf um Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit

Wildtriebe

Drei Frauen auf einem Hof - auf der Suche nach Selbstbestimmung, Anerkennung und Freiheit

Alle alten Höfe hatten einen Namen. Er ging auf die Vorfahren zurück, auf deren Namen, Berufe oder EIgenschaften. Der Hausname war wichtiger als der amtliche Nachname. Denn er gab allen Auskunft darüber, wer man war. Aber viel mehr noch sagte er einem, wie man zu sein hatte.

Ute Manks faszinierender Debütroman – jetzt im Taschenbuch

Für die alte Großbäuerin Lisbeth gibt es nichts Wichtigeres als den Hof, sein Erhalt ist ihr Lebenssinn. Nie hat sie die damit verbundenen Pflichten hinterfragt. Doch mit Schwiegertochter Marlies kommt eine neue Frau ins Haus, die keineswegs klaglos und ohne eigene Wünsche das Leben einer Bäuerin führen will. Das Kaufhaus in der nächsten Stadt wird für Marlies zum Sehnsuchtsort im Wirtschaftswunderdeutschland, arbeiten möchte sie dort, einen Jagd- und Traktorführerschein machen, das Leben soll doch mehr zu bieten haben. Die beiden Frauen tragen fortan stille Kämpfe aus, um Haushaltsführung, um Kindererziehung. Doch eigentlich werden viel größere Dinge verhandelt: Lebensmodelle, Vorstellungen vom Frausein, vom Muttersein. Und doch ist da ein verbindendes Element: Marlies’ Tochter Joanna, die ihren ganz eigenen Weg geht und nach dem Abitur nach Uganda aufbricht …

Ein großer Familien- und Frauenroman zwischen Tradition und Fortschritt

»Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Ute Mank in ihrem beeindruckenden Debüt ›Wildtriebe‹ die Frauen aus drei Generationen mit ihren Ecken und Kanten, ihren Geheimnissen und Lieben.« Gala

»Ein sehr besonderer Generationenroman, der berührt und in dessen Figuren man sich ganz wunderbar verlieren kann.« Delmenhorster Kreisblatt

Bibliografische Daten

EUR 9,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-43933-6
Erscheinungsdatum: 23.07.2021
2. Auflage
288 Seiten
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Ute Mank

Ute Mank wurde in Marburg geboren. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, lernte einen Gesundheitsberuf, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte später nebenberuflich. Ihr erster Roman ›Wildtriebe‹ erschien 2021 und war für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Hessen.

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122 von 122 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.53 von 5 Sternen


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4 - 10 von 122 Leserstimme

dreamworx am 14.08.2021 17:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Nichts ist lauter, als der Schrei der Stille

Seit ihre Brüder im Krieg gefallen sind, hat die alte Lisbeth Bethches ihr ganzes Leben auf dem Großbauernhof verbracht, ihn erhalten und mit harter Arbeit gehegt und gepflegt, ist es doch das Familienerbe, das von Generation zu Generation getragen wird. Als Sohn Konrad mit seiner Ehefrau Marlies eine neue Frau auf den Hof bringt, geht Lisbeth natürlich davon aus, dass Marlies bei der Arbeit mit anpackt. Marlies jedoch hat ganz andere Pläne und denkt gar nicht daran, Lisbeth entgegen zu kommen, was schon bald zu größeren Konflikten führt. Dann wird Marlies ungewollt schwanger und mit Enkelin Joanna zieht die dritte Generation auf den Bethches-Hof. Die Konflikte zwischen den Frauen und der heranwachsenden Joanna verschärfen sich, denn sowohl Lisbeth als auch Marlies wollen diese auf ihre Seite ziehen. Aber Joanna hat eigene Pläne…Ute Mank hat mit „Wildtriebe“ ein tiefgründiges Romandebüt vorgelegt, das nicht nur den Generationenkonflikt eindrucksvoll herausstellt, sondern auch die Protagonistinnen mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen wunderbar in den Fokus stellt. Der flüssige und atmosphärische Erzählstil lässt den Leser auf den Bethches-Hof einziehen, um dort durch wechselnde Perspektiven mal Lisbeths Gedanken- und Gefühlswelt, mal die von Marlies präsentiert zu bekommen. Die beiden Frauen sind so verschieden wie Tag und Nacht, sie stammen nicht nur aus unterschiedlichen Generationen, sie haben auch völlig verschiedene Ansichten. Lisbeth, durch den Krieg und den Verlust der Brüder geprägt und mit viel Verantwortungsgefühl ausgestattet, ist es nie in den Sinn gekommen, den Hof hinter sich zu lassen. Der Hof musste weitergeführt werden, was sie mit Ehemann Karl über Jahrzehnte klaglos gemacht hat, sie kennt es gar nicht anders. Marlies entstammt der Nachkriegsgeneration, ihr Einzug auf den Hof lässt sie in die zweite Reihe rutschen, denn dort hat Lisbeth das Sagen, alles soll so bleiben, wie es immer schon war und Marlies soll sich fügen bzw. einordnen in das Hofleben. Doch Marlies hat eigene Träume, eine Stelle als Verkäuferin in einem Kaufhaus, ein Führerschein und ein Jagdschein stehen an oberster Stelle. Die Schwierigkeiten sind vorprogrammiert, denn Lisbeth kann nicht aus ihrer Haut und Marlies will nicht in solch eine gesteckt werden. Joanna ist das Bindeglied zwischen Mutter und Oma, obwohl sie für ihr eigenes Leben sehr moderne und unangepasste Entscheidungen trifft. Gekonnt bringt die Autorin die unterschiedlichsten Frauensichtweisen an den Leser, der sowohl die eine als auch die andere Weise ohne Wertung nachvollziehen kann. Die Charaktere der Frauen sind lebendig gezeichnet, die menschlichen Ecken und Kanten sehr gut eingefangen, so dass der Leser ihren Spuren folgt und jede Sichtweise nachvollziehen kann. Lisbeth ist verantwortungsvoll und fleißig, allerdings wirkt sie hart und belehrend, man kann es ihr nicht recht machen. Marlies wird von Lisbeth regelrecht erdrückt, doch das will sie nicht zulassen. Sie hat Träume, einige verwirklicht sie. Sie sieht sich immer in Konkurrenz zu Lisbeth, stellt sich ihr entgegen, doch richtig gelingen will es ihr nie. Joanna ist tierlieb, abenteuerlustig und will sich und die Welt ausprobieren. Sie hat ihren ganz eigenen Kopf, setzt sich durch. Karl und Konrad sind nur Randfiguren, die neben den drei Frauen regelrecht verblassen.„Wildtriebe“ ist eine tiefgründige Geschichte über unterschiedliche Lebensentwürfe, Generationenkonflikte und die durch das Schweigen herrschende Stille innerhalb einer Familie, die dem Leser an manchen Stellen regelrecht in die Ohren schreit. Verdiente Empfehlung!

holdesschaf am 14.08.2021 17:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Drei Frauen zwischen Nostalgie und Aufbruch

Lisbeth, Erbin des bedeutenden Bethches-Hofes, kümmert sich zeitlebens aufopferungsvoll um diesen, seit ihre Brüder aus dem Krieg nicht zurückkehrten. Als ihr Sohn Konrad seine Auserwählte Marlies mitbringt, ist sie von der modernen Frau, die in einem Kaufhaus arbeitet, wenig begeistert. Auch Marlies hegt Vorbehalte gegen ihre zukünftige Schwiegermutter. So tragen sie nach der Hochzeit viele wortlose Konflikte aus. Marlies möchte mehr vom Leben, als die Arbeit auf dem Hof und Mutter sein. Immer wieder bricht sie aus, macht Dinge, die für Frauen untypisch sind. Als ihre Tochter Joanna nach dem Abitur statt zu studieren für ein Jahr nach Uganda gehen möchte, versteht Marlies die Welt nicht mehr. Den Fortgang der Tochter Joanna nutzt die Autorin geschickt, um Lisbeth und Marlies ihre Vergangenheit und ihre Entscheidungen überdenken zu lassen. Hätte man etwas anders machen können im Leben? Wie wäre es dann geworden? Oft erfährt man, dass viele Entscheidungen gar nicht auf eigenen Wünschen beruhten, sondern durch ungeschriebene gesellschaftliche Zwänge in einem kleinen Dorf beeinflusst wurden. Viele dieser Gesetzmäßigkeiten erinnerten mich an meine eigene Kindheit, manchmal spürte ich Ablehnung (z.B. Dorftratsch), manchmal ließ mich das Buch aber auch nostalgisch werden, weil zwar nicht alles, aber doch einiges früher einfach schön und klarer geregelt war. Ein immer wieder aufgegriffenes Familien"geheimnis" war für mich leider eher unglaubwürdig.Ute Mank verwendet eine herrlich unaufgeregte Sprache, lässt den Leser Fragen auch mal selbst zuende denken, weil sie sowieso nicht anders zu stellen sind. Man hat den Eindruck, die Gedanken kommen so schnell, dass sie sich überlagern. Und obwohl nichts wirklich außergewöhnlich Spannendes passiert, ist man dennoch gefesselt vom Leben der drei Frauen aus völlig verschiedenen Generationen. Auch das Wiedererkennen von bestimmtem Verhalten im eigenen Lebenslauf birgt seinen Reiz. Das Ende des Buches überraschte mich dann auch mit hoffnungsvoller Aufbruchsstimmung.

pusteblümchen am 13.08.2021 19:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Konflikte zwischen drei Generationen

Lisbeth hat den Bethches-Hof in Hessen übernommen, da ihre Brüder nicht aus dem Krieg zurückkamen. Als ihr Sohn Konrad Marlies mit auf den Hof bringt und diese andere Ziele und Wünsche hat als die Aufgaben des Hofes und die Landwirtschaft zu übernehmen, entstehen Konflikte zwischen den Frauen. Diese werden mit der Geburt der Tochter Joanna nicht geringer.Ute Mank erzählt im Wechsel aus der Perspektive der Frauen und durch Rückblicke erfährt man mehr über die Hofübernahme durch Lisbeth und ihr Leben. So konnte ich mich auch gut in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistinnen hineinversetzen. Marlies ist sehr selbstbewusst und fast ein wenig rebellisch. Für Lisbeth sind Traditionen und was die Nachbarn denken könnten wichtig und Joanna will ihren ganz eigenen Weg gehen.Es ist ein sehr ruhiger Roman mit nachvollziehbaren Charakteren und authentischen Setting. Mir hat der Schreibstil der Autorin gut gefallen und ich würde gerne weitere Romane von ihr lesen.

mimitatis_buecherkiste am 13.08.2021 09:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Mein Haus ist nicht dein Haus

Marlies heiratet Konrad und zieht auf den Bethches-Hof, auf dem ihre Schwiegermutter Lisbeth das Sagen hat. Sie gibt ihren Beruf auf, weil das damals so üblich ist, aber Bäuerin werden möchte sie nicht. Sie will mehr vom Leben, aber was, das weiß sie selbst nicht so genau. Sie findet das Hausfrauendasein und die Mutterschaft nicht erfüllend genug und so wird das Zusammenleben auf dem Hof zum ständigen Kampf zwischen den Frauen, ein Kampf um Haushaltsführung, Kindererziehung und andere alltägliche Dinge.Anfangs erinnern sich beide Frauen an die Vergangenheit, hängen ihren Gedanken nach, resümieren die Geschehnisse. Dann, im Laufe der Geschichte, ist es, als ob alles, was bereits geschehen ist, gerade jetzt stattfindet. Unmerklich rutscht das Leben, das vergangen ist, in das Jetzt, erleben wir das, was den Frauen widerfahren ist, hautnah mit. Dies und der Umstand, dass manche Sätze unbeendet, manche Gedanken, in der Luft hängend, einfach unvollendet belassen werden, macht für mich einen großen Reiz der Erzählung aus. Ein ungewöhnlicher Schreibstil, der für mich aber dennoch alltäglich wirkt. Wie oft fängt man im Kopf einen Satz an, den man nicht zu Ende denkt, der aber gleichwohl Sinn macht? Im Buch fehlt trotzdem kein Wort, versteht man jeden Gedanken und denkt ihn selbst zu Ende; mal so und mal so. Passen tut es immer.Die (meistens) zwischen den Frauen herrschende Zwietracht, die versteckten und auch offenen Feindseligkeiten, das Unverständnis für die andere, das ist stellenweise schon schwer zu ertragen. Oft hätte ich gerne eine der beiden geschüttelt, sie angeschrien und aufgefordert, es gut sein zu lassen. Auf ihre Art sind beide gleich, wenn auch ihre Erziehung und die Zeit, in der sie groß wurden, es ihnen unmöglich macht, dies zuzugeben; anderen und sich selbst gegenüber. Jede glaubt, nein, jede weiß, dass sie im Recht ist und von außen betrachtet scheint es so. Keine ist bereit, nachzugeben, nicht bereit, der anderen ein Stück entgegenzukommen.Ich habe beim lesen alle Gefühle durchlebt, ich war ungläubig und wütend, entsetzt und traurig, ich habe aber auch geschmunzelt und gelacht, geweint und den Kopf geschüttelt. Ich hatte Verständnis für beide Frauen und doch waren beide mir so fremd. Zwei Generationen trafen aufeinander und es schien, als gäbe es keine Möglichkeit, diese zu vereinen. Wie die Geschichte letztlich ausging, hat mir sehr gefallen, das Ende war richtig und gut. Zufrieden klappte ich das Buch zu und war begeistert. Von mir gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

barbaram am 11.08.2021 16:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein authentischer Generationenroman auf dem Lande

Der Generationenroman „Wildtriebe“ von Ute Mank ist im Juli 2021 in der dtv Verlagsgesellschaft erschienen und umfasst in der gebundenen Ausgabe 288 Seiten.Drei Generationen von Frauen leben auf dem Bethches-Hof: Lisbeth, die alte Großbäuerin, Marlies, die Schwiegertochter, und Joanna, die Enkelin von Lisbeth und Tochter von Marlies. Diese drei Frauen treffen mit ihren unterschiedlichen Angewohnheiten, Lebenseinstellungen und Ansichten, Werten und Vorstellungen aufeinander, reiben sich aneinander und leben letztendlich Seite an Seite miteinander.Ute Mank gelingt es in ihrem Roman den Leser durch ihren feinfühligen und fesselnden Schreibstil in den Bann zu ziehen. Ich als Leserin fühlte ab der ersten Seite sowohl was die Höhen als auch die Tiefen von Lisbeth, Marlies und Joanna anbelangt mit und konnte mich gut in die Protagonistinnen hineinversetzen und ihre Gefühle und Gedanken nachvollziehen. Alle drei Frauen sind starke Charaktere und ich habe es sehr genossen in deren Gedanken einzutauchen. Die Gedanken eröffnen zwar dem Leser die jeweilige Welt der drei Personen, aber leider öffnen sie sich nicht genügend untereinander in der Geschichte, indem sie ihre Gedanken aussprechen, sich ihrem gegenüber öffnen. Und so bleibt das ungesagte Wort auch oft zwischen Marlies, Lisbeth und Joanna stehen und erzeugt eine große Distanz untereinander und oft eine bedrückende Atmosphäre für den Leser. Aber genau so war früher das Leben auf dem Land: die Schwiegertochter hatte sich unterzuordnen und die Älteren hatten das Sagen und so kam es eben auch oft zu Konflikten und Zwistigkeiten bis dann eine Generation die andere ablöste. Über Gefühle wurde nicht bzw. wenig gesprochen und es galt, seiner Arbeit nachzugehen.Besonders gefallen hat mir, das Ute Mank so authentisch und auch tiefgründig vom Leben auf dem Land erzählt hat und manches habe ich selbst schon so miterlebt bzw. anderweitig erzählt bekommen. Dies hat für mich eine ganz persönliche Nähe mit den Figuren in ihrem Buch erzeugt.Fazit: Ein eindrücklicher und authentischer Roman mit drei starken Protagonistinnen im Spannungsfeld von Tradition und Moderne.

girdie am 11.08.2021 10:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Reale Version des Lebens der Frauen einer Bauernfamilie in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts

Der Roman „Wildtriebe“ von Ute Mank gibt Einblicke in das Leben auf dem Land über mehrere Generationen hinweg. Dabei stehen drei Frauen im Fokus. Im Vergleich verhält sich deren Leben wie Wildtriebe, ihre Wege führen sie trotz bestehender Werte und Konventionen in eine andere als die von ihren Angehörigen vorgesehene Richtung. Das Cover nahm mich optisch mit in die Natur, die im Buch eine tragende Rolle spielt, denn sie lässt alles Wachsen und Gedeihen und bildet die Erwerbsgrundlage in der Landwirtschaft.Die Geschichte spielt etwa um die Wende vom 20. ins 21. Jahrhundert. Lisbeth, inzwischen etwa Mitte 70, hat den in einem kleinen hessischen Dorf gelegenen elterlichen Hof übernommen, nachdem ihre beiden Brüder im Zweiten Weltkrieg gefallen waren. Kurze Zeit nach dem Tod ihrer Geschwister hat sie ihre Mutter verloren. Ihr einziges Kind, ihr Sohn Konrad hat zu Beginn der 1970er Jahre seine langjährige Freundin Marlies geheiratet, die in einem Kaufhaus in der Stadt arbeitet. Die beiden haben eine Tochter Joanna. Zu Beginn des Romans begibt die 19-jährige Joanna sich nach ihrem Abitur auf große Fahrt, um ein Jahr Freiwilligenarbeit in Afrika zu leisten. Schon auf den ersten Seiten ist zu erfahren, dass Konrad inzwischen nur noch im Nebenerwerb Landwirt ist.Ute Mank blickt auf das bewegte Leben der Frauen, vor allem aber auf das von Lisbeth und Marlies und ihr Verhältnis zueinander. Lisbeth hat schon früh gelernt, eigene Entscheidungen zu treffen, immer zum Wohl des Hofs und seiner Bediensteten. Sie war immer diejenige, die das Sagen hatte. Es ist schwierig für sie nun mir ihrer Schwiegertochter eine Berufsfremde im Haus zu haben. Wie es damals üblich war, hat Marlies ihre Arbeitsstelle nach der Heirat aufgegeben. Marlies wurde der Weg aufs Gymnasium von ihren Eltern untersagt, stattdessen wurde sie auf Ehe und Haushalt vorbereitet. Sie hat gelernt, den Entscheidungen ihrer Eltern nicht zu widersprechen. Lisbeth begegnet sie mit Respekt, aber es ist und bleibt zu viel Schweigen in ihrer Beziehung, um Vertrauen aufzubauen. In ihrer Rolle als Bäuerin ist sie nie richtig angekommen, ihre beruflichen Erfolge werden von ihrem familiären Umfeld nicht anerkannt.Die Autorin beschreibt ein Verhalten, dass früher auf dem Dorf normal war, Platz für Selbstverwirklichung war hier meist nicht. Marlies fügt sich in die Gegebenheiten, doch sie schafft sich immer wieder Genugtuung, indem sie sich durch ihr Handeln dem Willen von Lisbeth bei Kleinigkeiten widersetzt. Schließlich erringt sie die Zustimmung ihres Ehemanns zu einigen für sie wichtigen Freiheiten. Ihrer Tochter eröffnet sie durch ihre Erziehung weite Wege und ist erstaunt darüber, dass Joanna manche ihrer eigenen Entscheidungen früher ihrer Großmutter mitteilt als ihr. Die Autorin begründet Lisbeths Verhalten Joanna gegenüber mit einem Geheimnis, das eigentlich in der Dorfgemeinschaft, in der jeder alles von jedem weiß, nicht sein kann. Für Lisbeth und Marlies hat die vermutete, gefestigte Meinung der Verwandten und Ortsbewohner maßgeblich zu ihrem Tun beigetragen, Joanna setzt sich unkonventionell darüber hinweg. Lisbeth ist mit dem Alter gelassener geworden, bleibt aber hauptsächlich Marlies gegenüber fast trotzig bei ihren Ansichten.Ute Mank schildert in ihrem Roman „Wildtriebe“ das unterschiedliche stille Streben einer Bäuerin, ihrer Schwiegertochter und ihrer Enkelin um mehr Selbstbestimmtheit und Anerkennung ihrer Persönlichkeit. Durch ihren Schreibstil drückt die Autorin die nie gesagten Worte zwischen ihren Protagonistinnen aus und beschreibt eine reale Version des Lebens auf dem Land in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

schana68 am 08.08.2021 23:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Leben auf dem Land

Auf das Buch aufmerksam gewurden bin ich, wegen des wunderbaren Covers. Unter WILDTRIEBE hatte ich zunächst ganz andere Vorstellungen. Aber die kurze Leseprobe hatte mich sofort gefesselt. In dem Buch wird das Zusammenleben dreier Generationen auf einem Bauernhof geschildert. Marlies (die Hauptperson) findet in ihrem neuen Zuhause zu wenig Beachtung. Die Fäden hält immer ihre Schwiegermutter in der Hand. Die Autorin beschreibt ein Leben,wie es auf vielen Bauernhöfen geführt wurde. Alles ist gut beobachtet und authentisch. Leider gehen immer mehr Höfe verloren. Und somit ist es schon jetzt ein Zeitzeugnis. Wandel der Zeit.Zum Schreibstil möchte ich noch anmerken, dass manche Sätze unvollendet sind. Jeder der sich für zwischenmenschliche Beziehungen interessiert kann dieses Buch lesen. Nicht nur Meschen, die auf dem Dorf leben.

_mitternachtspost_ am 08.08.2021 19:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Schöner Generationenroman

Ihr ganzes Leben hat die Bäuerin Lisbeth der Bewirtschaftung des Familienbetriebs verschrieben. In den klaren Dorfstrukturen findet sie Halt und Orientierung und trotzdem verheimlicht sie ihrem Sohn und Erben Konrad ein Geheimnis. Als ihre Schwiegertochter Marlies auf den Hof zieht, stoßen Welten aufeinander . Nicht nur dass Marlies alles etwas anders macht, sie hat auch andere Vorstellungen von ihrem Leben, sucht sich eine Arbeit außerhalb des Hofs und geht eigenen Interessen nach. Lisbeths Enkelin Joanna schlägt nach dem Abitur einen ganz anderen Weg ein.Das Buch fängt mit dem Aufbruch der jüngsten Frau nach Afrika an. Es mischt die unterschiedlichen Zeitebenen, erzählt aus der Perspektive der beiden Frauen und auch aus unterschiedlichen Lebensabschnitten. Trotzdem fiel es mir leicht, der Handlung zu folgen. Die Sprache ist angenehm und bildlich, die Figuren deutlich gezeichnet. Mit den unterschiedlichen Generationen stoßen auch unterschiedliche Meinungen und Lebenskonzepte aufeinander. Während die Figuren sich in ihrem Vorstellungshorizont bewegen, hatte ich beim Lesen nicht den Eindruck, dass die unterschiedlichen Konzepte bewertet werden.Ein schöner, bildhafte Generationenroman, den ich sehr gern gelesen habe.

antjedomenic am 08.08.2021 09:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Tolle Geschichte

Dieses Cover hat mich direkt angesprochen und als ich dann den Klappentext gelesen habe, wusste ich, das will und muss ich lesen. Ich freute mich daher sehr über das Vorab Leseexemplar des Verlages.Die Autorin war mir unbekannt und ich freute mich das Buch zu beginnen. Ich hatte zu Beginn des Lesens einige Schwierigkeiten in das Buch und die Geschichte zu starten, doch nach einigen Kapiteln war dies überwunden und ich konnte mich in die Geschichte fallen lassen.Eine Geschichte, die mich bewegt und berührt hat. Drei Frauen, die jede auf ihre Weise ein Schicksal und Leben hat. Trotz allen Wiederständen wissen sie, dass sie sich auf einander verlassen können, egal was ist.Eine Tochter, die flügge wird. Eine Mutter die ihr Kind loslassen muss und eine Großmutter die ihrer Tochter nicht immer alles sagt. Die Autorin hat hier wirklich eine tolle Geschichte geschaffen, die schildert, wie das Leben ist und sein kann.Alltagsleben auf dem Hof, Traditionen und das Dorfleben. Das alles findet man hier beim Lesen und entdeckt vielleicht auch sich selbst in manchen Situationen. Ich als Dorfkind konnte immer mal wieder in meine Vergangenheit abschweifen.Generationen sind unterschiedlich und auch nicht immer läuft alles harmonisch ab. Doch Ute Mank hat mit diesem Roman bewiesen, das man Alles schaffen kann. Als Familie, zusammen.Ich vergebe daher 4 Sterne!

minijane am 07.08.2021 22:08 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Generationenkonflikte

Im Zentrum des Roman's steht der im hessischen Hausen gelegene Bethches-Hof, auf dem die Großbäuerin Lisbeth trotz ihres Alters immer noch das Sagen hat. Es ist der Hof ihrer Eltern, den sie in jungen Jahren übernommen hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Karl hat sie den Hof zu einem der angesehensten Landwirtschaftsbetriebe mit Viehhaltung und Bewirtschaftung von Feldern in der Region gemacht. Nichts ist Lisbeth wichtiger, als dass ihr Lebenswerk von der nächsten Generation weitergeführt wird.Sie ist entsetzt, als sich ihr einziger Sohn Konrad ausgerechnet in ein Stadtmädchen verliebt, eine Verkäuferin in einem Modegeschäft und keine Tochter eines benachbarten Hofes, wie sie es sich erhofft hatte. So hat Marlies einen schweren Start auf dem Hof und es ist die Frage, ob er wirklich ein Zuhause für sie werden kann.Mit Marliese's Tochter Joanne gibt es bald 3 Generationen Frauen auf dem Bethches-Hof, deren Lebensvorstellungen sich komplett voneinander unterscheiden, wodurch Konflikte natürlich vorprogrammiert sind.Da die Geschichte mal aus Lisbeth's Sicht geschrieben ist, dann aber auch wieder die Perspektive von Marlies einnimmt, entwickelt man als Leser Verständnis für beide Seiten. Joanne, die wieder in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen ist, hat viel mehr Freiheiten und Möglichkeiten als ihre Mutter oder ihre Großmutter sie je gehabt haben. Lisbeth ist noch sehr traditionell und in die Dorfgemeinschaft fest eingebunden, während Marlies sich als angeheiratete Schwiegertochter verzweifelt um Anerkennung bemüht, aber auch mehr Freiraum für sich möchte. Joanne und ihre Mutter finden keinen richtigen Draht zueinander, aber zwischen Großmutter und Enkelin funktioniert das Zusammenleben trotz des großen Altersunterschiedes.Ich fand die Charaktere sehr anschaulich und authentisch beschrieben. In dem ruhigen Erzählton von Ute Mank schwang immer auch eine gewisse Melancholie mit über die verpassten Chancen der Versöhnung und eine Traurigkeit über klärende Gespräche , die einfach nicht möglich zu sein schienen. Die Autorin urteilte aber nie , was mir wirklich gut gefallen hat.Der Roman legte den Fokus auf die Frauen des Hofes, deshalb blieben die männlichen Nebenfiguren leider etwas blass.Ich habe "Wildtriebe" sehr gerne gelesen.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

HÖRZU
Tradition, Rebellion, Rückbesinnung: An Bäuerin Lisbeth, Schwiegertocher Marlies und Enkelin Joanna ...zeigt Mank in ihrem Debüt den Wandel von Lebensentwürfen und Frauenbildern. Mitreißend. mehr weniger

06.09.2021

Stern
Ute Mank weiß aus eigenem Erleben, wie sehr ›Wildtriebe‹ auf einem hessischen Dorf beäugt werden – u...nd widmet ihr einfühlsames Debüt einem Drei-Frauen-Haus, in dem fast geräuschlos Fragen von Emanzipation verhandelt werden. mehr weniger

22.07.2021

Gala
Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Ute Mank in ihrem beeindruckenden Debüt ›Wildtriebe‹ die F...rauen aus drei Generationen mit ihren Ecken und Kanten, ihren Geheimnissen und Lieben. mehr weniger

22.07.2021

Brigitte wir
Ute Mank beschreibt das Leben auf einem hessischen Bauernhof mit kenntnisreichem Blick.

Meike Schnitzler, 01.07.2021

buch aktuell/erlesen
›Wildtriebe‹ ist ein starker Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Anerkennung, über Mut und sp...äte Erkenntnisse. mehr weniger

Weser Report
Ein sehr besonderer Generationenroman, der berührt und in dessen Figuren man sich ganz wunderbar ver...lieren kann. mehr weniger

Jaqueline Lenz, 08.12.2021

Buch aktuell
Ein bemerkenswertes Romandebüt!

11.11.2021

instagram.com/sonjas_buecherecke
Eine tolle Lektüre – ein Lesevergnügen der Extraklasse.

Sonja Werkowski, 12.10.2021

Passauer Neue Presse
Ein sehr lesenswertes Generationen-Porträt!

Carolin Federl, 08.09.2021

denglers-buchkritik.de
Ute Mank macht aus dem „einfachen“ Leben auf einem Bauernhof eine absolut ansprechende literarische ...Geschichte! mehr weniger

Alex Dengler, 30.08.2021

Mainhattan Kurier
Ein leiser, gerade deshalb so emotionaler Generationenroman, der den Titel zu Recht trägt. Lesen!

24.08.2021

borntotravelforcedtowork.de
Drinnen schön, draußen schön, braucht jedes Haus, dieses Buch!

Ulrike Katrin Peters, 15.08.2021

Delmenhorster Kreisblatt
Ein sehr besonderer Generationenroman, der berührt und in dessen Figuren man sich ganz wunderbar ver...lieren kann. mehr weniger

Jaqueline Lenz, 30.07.2021