dtv Schullektüre-Empfehlungen ab der 11. Klasse
Fatma Aydemir: Dschinns
Zum Inhalt:
Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt ›Dschinns‹ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.
Thematik:
- Lebensträume, Lebensziele, Lebenslügen
- „Gastarbeiter“-Dasein in Deutschland
- Auswanderung, alte und neue Heimat
- Familienrollen, Familienbeziehungen
- Geschlechterorientierung, -konflikte
- Identität und Zerrissenheit
- Herkunft als Schicksalsfaktor
- Kommunikation, Kommunikationsprobleme, Kommunikationsverweigerung
Methodische Schwerpunkte:
- Die Bedeutung von Familie und Herkunft erkennen und reflektieren
- Diversität und Konflikte in ihren biografischen und kulturellen Ursachen verstehen
- Verschiedenheit als Chance und Stärke begreifen, anerkennen und bejahen
- Bewältigungsstrategien von Normenkonflikten untersuchen und einschätzen Literarische Verfahren und ihre Funktion erkennen und erproben
Eugen Ruge: Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna
Zum Inhalt:
Als auf einem Berg oberhalb der Stadt Pompeji tote Vögel gefunden werden, hat der Zuwanderer Jowna alias Josephus alias Josse eine Eingebung: Wenn da wirklich ein Vulkan grollt, wie von manchen behauptet wird, sollte man das Weite suchen. Ohne Schulbildung, Geld und Einfluss gelingt es ihm, sich an die Spitze einer Aussteigerbewegung zu setzen. Bald fürchtet das Stadtoberhaupt Fabius Rufus, die Vulkangerüchte könnten Pompeji schaden. Erst als sich ein paar wohlhabende Bürger für die Gründung einer neuen Siedlung zu interessieren beginnen, die in sicherer Entfernung am Fenster des Meeres liegt, schaltet sich Livia ein, die mächtigste Frau der Stadt. Allmählich wird der Aussteiger Josse zum Aufsteiger. Seine Weggefährten mit ihrer Schwäche für Fliegenpilzsud und Philosophie werden ihm zur Last, die eigenen Ideen fangen an, ihn zu stören. Doch wie wirft man Überzeugungen über Bord, ohne seine Anhängerschaft zu verprellen? Wie macht man eine Kehrtwende, ohne sich zu drehen?
Thematik:
- Dekadenz und Untergang
- Wissenschaft, Religion und Aberglaube
- Geschichtsverständnis
- Mechanismen von Politik und Populismus
Methodische Schwerpunkte:
- Lesetechniken und Methoden selbständig anwenden
- Textanalysetechniken anwenden und für den Interpretationsprozess nutzen
- Erzählstrukturen und Erzählweisen offenlegen
- Figurenkonstellationen beschreiben und interpretieren
Helga Schubert: Vom Aufstehen
Zum Inhalt:
Drei Heldentaten habe sie in ihrem Leben vollbracht, erklärt Helga Schuberts Mutter ihrer Tochter: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. Helga Schubert erzählt in kurzen Episoden und klarer, berührender Sprache ein Jahrhundert deutscher Geschichte – ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich. Mehr als zehn Jahre steht sie unter Beobachtung der Stasi, bei ihrer ersten freien Wahl ist sie fast fünfzig Jahre alt. Doch erst nach dem Tod der Mutter kann sie sich versöhnen: mit der Mutter, einem Leben voller Widerständen und sich selbst.
Thematik:
- Gelebte deutsche Geschichte
- Bedeutung ...
- ... von Orten
- ... von Beziehungen
- ... vom Versöhnen
- ... vom Altsein
- ... vom Schreiben
Didaktische Schwerpunkte:
- Methoden des kooperativen Lernens erproben
- Methoden des kreativen Schreibens einsetzen
- PC und Internet als Arbeitstool bzw. Informationsquelle nutzen
Adeline Dieudonné: Das wirkliche Leben
Zum Inhalt:
Eine Reihenhaussiedlung am Waldrand, wie es viele gibt. Im hellsten der Häuser wohnt ein zehnjähriges Mädchen mit seiner Familie. Alles normal. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters, der neben TV und Whisky vor allem den Rausch der Jagd liebt. In diesem Sommer erhellt nur das Lachen ihres kleinen Bruders Gilles das Leben des Mädchens. Bis eines Abends vor ihren Augen eine Tragödie passiert. Nichts ist mehr wie zuvor. Mit der Energie und der Intelligenz einer mutigen Kämpferin setzt das Mädchen alles daran, sich und ihren Bruder vor dem väterlichen Einfluss zu retten. Von Sommer zu Sommer spürt sie immer deutlicher, dass sie selbst die Zukunft in sich trägt, wird immer selbstbewusster – ihr Körper aber auch immer weiblicher, sodass sie zusehends ins Visier ihres Vaters gerät.
Thematik:
- Alltägliche Gewalterfahrungen
- Selbstbewusstheit und Resilienz
- Emotionale Intelligenz
- Pubertäre Sehnsüchte
- Beziehungen: Kinder-Erwachsene
Didaktische Schwerpunkte:
- Veränderungen in Beziehungen grafisch darstellen
- Methoden des kooperativen Lernens
- Eine zentrale Aussage durch Vorbereitung einer Gerichtsverhandlung verdeutlichen
- Methoden des kreativen Schreibens
Uwe Timm: Die Entdeckung der Currywurst
Zum Inhalt:
In Erinnerung an seine Kindheit macht sich der Erzähler auf die Suche nach der ehemaligen Besitzerin einer Imbissbude am Hamburger Großneumarkt. Er findet die hochbetagte Lena Brücker in einem Altersheim und erfährt die Geschichte ihrer »schönsten Jahre« und wie es zur Entdeckung der Currywurst kam. Der Bogen spannt sich weit zurück in die letzten Apriltage des Jahres 1945 ..
Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt
Zum Inhalt:
Mascha ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend. Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer erkrankt. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Ebenso tragisch wie komisch, mit Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat.
»Zeitgeschichtlich wacher und eigensinniger als dieser Roman war lange kein deutsches Debüt.« Ursula März in ›Die Zeit‹