Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind -- und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.
9,99 €
(0,00 € / )
Wird sofort digital versendet
- Versandkostenfreiin Deutschland
- Schneller VersandLieferung 3-5 Werktage
- Sichere ZahlungSSL-verschlüsselt
Raumfahrer
Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht.
Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind -- und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.
Bibliografische Daten
1. Auflage
Lukas Rietzschel
Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman ›Mit der Faust in die Welt schlagen‹ (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman ›Raumfahrer‹. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Sächsischen Literaturpreis, dem Literaturpreis Text & Sprache und dem Rheingauer Literaturpreis 2026. Sein Roman ›Sanditz‹ ist ein Bestseller, nominiert für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026.
3 - 10 von 81 Leserstimme
Ein Buch, das nachhaltig wirkt
In dem Roman "Raumfahrer" von Lukas Rietzschel, wird das unterschiedliche Leben, die Wünsche und Hoffnungen von unterschiedlichen Personen thematisiert. Auf den ersten Blick wirken die Protagonisten sehr verschieden, jedoch eint eins sie. Sie sind alle in der (ehemaligen) DDR geboren und dadurch auf eine unbestimmte Art und Weise verbunden. Im Verlauf des Romans erfährt der Leser immer mehr Details über die Protagonisten. Und je mehr er erfährt, desto deutlicher werden die Verbindungen zwischen ihnen. Dabei schafft es der Autor durch seine genauen Beschreibungen und seinem interessantem Schreibstil die jeweiligen Charakteristika rauszuarbeiten und den Leser in das Geschehen zu ziehen. So findet man sich in einer Welt wieder, die von Eintönigkeit, Konformität und unbewusstem Zwang geprägt ist. Aber auch in einer Welt, in der die Menschen versuchen das Beste aus der Situation zu machen und die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht aufgeben. Deutlich gemacht wird dies an verschieden Schicksalen zu unterschiedlichen Zeiten. Dadurch erhält der Leser ein umfassendes Bild von der Handlung. Der rote Faden, die Gemälde von dem Künstler Georg Baselitz, hilft dabei bei der Orientierung, die gerade am Anfang nicht ganz leicht fällt. Wie das Cover gibt die Handlung nicht von sich aus alles preis, sondern man muss nachbohren und beharrlich nachforschen. Lässt man sich aber auf das Buch ein, erfährt man eine Geschichte, die trotz oder gerade wegen ihrer Schlichtheit auch nach dem Lesen noch nach wirkt. Ohne Beschönigungen beschreibt der Autor die größten Glücksmomente genauso wie die größten menschlichen Tragödien. Das Buch ist nicht für Leser geeignet, die eine aufregende spannungsgeladene Geschichte lesen möchten. Wer jedoch ein Buch sucht, das ihn ganz einnimmt und auch nach dem Leser nicht mehr los lässt ist, ist mit diesem Buch genau richtig. Neben einer tiefgründigen Geschichte, die sehr intelligent geschrieben wurde, erfährt der Leser zusätzlich Wissen über die DDR und die Zeit danach. Dabei legt der Roman den Fokus jedoch nicht auf geschichtliche Fakten, sondern auf die Empfindungen der Menschen. Und dies ist mindestens genauso spannend.
Roman fürs Feuilleton
Jan lebt in Kamenz, einer Stadt, in der in Kürze auch das Krankenhaus schließen soll, nachdem über Jahre bereits immer mehr Teile des öffentlichen Lebens zurückgefahren, Häuser zurückgebaut und Familien weggezogen sind. Jan arbeitet als Krankenpfleger, wohnt bei seinem verwitweten Vater im Keller und scheint eher nicht von der Zukunft oder von überhaupt etwas zu träumen. Als er eines Tages von dem älteren Herrn Kern, der sich in der Reha des Krankenhauses in Behandlung befindet angesprochen wird und dieser Jan mit einigen Fotografien, Dokumentationen und Informationen aus der Vergangenheit versorgt, beginnt Jan, auch über seine Herkunft nachzudenken. Lukas Rietzschel verbindet in dieser Geschichte geschickt eine Gegenwart ohne Vision mit einer Vergangenheit ohne Details. Es ist die Geschichte der Raumfahrer in einem luftleeren Kosmos, aber im Fall von Jan dann doch mit einer komplizierten und verwickelten Familiengeschichte. Dass diese stark von der DDR geprägt ist, aber Georg Baselitz meistens gekonnt involviert, macht diesen Roman lesenswert und sicherlich zu einem Buch fürs Feuilleton.
Eindringlich
Rezension zu „Raumfahrer“ von Lukas RietzschelLukas Rietzschel hat mit „Raumfahrer“ nach „Mit der Faust in die Welt schlagen“ erneut einen eindringlichen Roman geschrieben. Erzählt wird die Geschichte von Jan und seinem Leben in einem ostdeutschen Ort. Der Ort stirbt nach und nach aus, viele Häuser sind schon verlassen und auch das Krankenhaus, in dem Jan arbeitet, deckt nur noch den nötigsten Bedarf ab.Spannend ist die Erzählung von Beginn an, denn Jan wird von einem Patienten angesprochen, der ihm ein Foto zeigt, das Jan bekannt vorkommt, er aber nicht richtig zuordnen kann. Dem Leser wird nach und nach klar, wie die beiden Figuren zusammenhängen. Deutlich wird die Zerrissenheit des Ortes und seiner Menschen durch ihre Vergangenheit. Die DDR hat bei allen Spuren hinterlassen. Wie tief, wird blitzt immer wieder auf.Der nüchtern, aber dennoch sehr eindringliche Schreibstil Rietzschels passt perfekt dazu, da er die Trostlosigkeit betont.Mit „Raumfahrer“ hat Lukas Rietzschel wieder einen tollen, mitreißenden Roman geschrieben, der zum Nachdenken anregt. Sehr lesenswert!
Familienaufstellung im Osten
Es beginnt mit einem alten Mann im Rollstuhl, irgendwo in Sachsen, der Jan während seiner Schicht im Krankenhaus ein Foto zeigt. Was genau er mit Jans Familie zu tun hat, bleibt lange unklar. Wie überhaupt vieles unklar bleibt in diesem Roman, doch das ist nicht schlimm, ganz im Gegenteil, dieses Schwebende, Ungewisse macht ihn so eindringlich. Nach und nach werden die Verbindungen zwischen den Familien deutlicher, alte Wunden werden sichtbar, der holprige Übergang von einer Staatsform in die nächste war nicht nur politisch schwierig, sondern brachte auch Dinge ans Licht, die lieber unentdeckt geblieben wären. Wer überleben will, muss sich anpassen, doch ist das überhaupt möglich, wenn gleichzeitig die Gefahr droht, dass alles Unsichtbare ans Tageslicht gezerrt wird? Jans Vater will mit den alten Geschichten nichts mehr zu tun haben, auch Jan versucht, die Distanz zu wahren. Doch das gelingt nicht, es wird immer deutlicher, was der Bruder von Georg Baselitz mit seinen Eltern zu tun hatte. Lukas Rietzschel hat erneut einen Roman über den Osten Deutschlands geschrieben, der schmerzhaft zeigt, dass man sich seiner Vergangenheit nicht entziehen kann. Die Entscheidungen von Jans Mutter führten nach der Wende dazu, dass sie sich in den Alkohol flüchtete. Durch die verschiedenen Zeitebenen liest sich die Geschichte schnell und flüssig, fast wie ein Krimi. Man möchte die Zusammenhänge begreifen und merkt schnell, dass es keine einfachen Antworten gibt. Die Raumfahrer im Titel sind letztendlich alle Figuren im Roman, schwerelos und ohne Halt. Das bietet Chancen auf etwas Neues, aber auch die Gefahr, sich zu verlieren, keine Wurzeln zu haben, die das Ich in der Geschichte verorten. Der Roman erklärt nichts, aber legt vieles offen und weckt dadurch Verständnis für die Lebenswirklichkeit vieler Menschen in Ostdeutschland, die nach 1989 damit zurechtkommen mussten, dass sie vermeintlich nahestehende Menschen doch nicht so gut kannten wie gedacht. Es ist ein melancholisches Buch, das ich allen empfehlen kann, die sich für die Nachwirkungen der DDR interessieren.
Düstere Bestandsaufnahme
Über dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung ist das Projekt »Deutsche Einheit« auf den unterschiedlichsten Ebenen unvollendet. Das vorliegende Buch bietet einen literarischen Beitrag, indem es zwei Familiengeschichten erzählt und in solchem Erzählen immer wieder Episoden aus der Zeit der DDR und dem wiedervereinigten Deutschland aneinanderreiht, die dann insgesamt ein Großes und Ganzes bilden. Dabei ist der Erzählton weitgehend düster. Die Geschichte hat ihren Platz in trostlosen Verhältnissen, die zu unterschiedlichen Zeiten von Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit geprägt sind. Die Beziehungen der Akteure untereinander sind häufig gebrochen. Hoffnungsvolles verliert sich zumeist in Enttäuschungen. Aber vielleicht gehört es eben auch zum Projekt »Deutsche Einheit«, solche Geschichten und Erfahrungen zu erzählen, um eben auch der Frustration und der Hoffnungslosigkeit eine Stimme zu verleihen, damit dann auf diesem Boden auch wieder Neues wachsen kann.
Eine nicht freudig stimmende Zeitreise
Lukas Rietzschel legt mit "Raumfahrer" keinen Wohlfühlroman vor. Das Werk ist ein Stück Zeitgeschichte.Jan, der Protagonist, arbeitet in einem Krankenhaus in Ostdeutschland, das offenbar kurz vor der Schließung steht. Ein zu betreuender Patient lädt ihn zu sich nach Hause ein und er erhält ein Kästchen, aus dem sich eine Art Lebenspuzzle entfaltet. Die Geschichte geht in Sprüngen über mehrere Jahrzehnte und skizziert insbesondere die Leben, die von zwei totalitären Regimen geprägt sind. Die Künstlerfamilie Baselitz spielt hierbei eine Rolle.Das Cover ist in warmen Farben gestaltet, man stolpert über die Laternen auf einem Acker, der tiefe Furchen aufweist, "Lebensfurchen", im Hintergrund eine Kleinstadt. Die 285 Seiten sind keine leichte Lektüre. Der Schreibstil ist nicht ausschweifend, eher minimalistisch. Letztlich geht es um eine Handvoll Personen (Jan, die Eltern, Baselitz, Karola und Renate), die wichtige Rollen bekleiden. Die Figuren sind zwar eindeutig akzentuiert und man meint, die Charaktere gut einschätzen zu können. Doch werden die Leser:innen eines besseren belehrt. Das Leben ist voller Überraschungen, in diesem Roman sind es eher die weniger erfreulichen, nämlich die, die tiefe Furchen im Leben von uns Menschen hinterlassen. Dabei stehen die handelnden Personen stellvertretend für eine ganze Generation, zumindest vielen davon. Ich habe dieses Buch nicht geliebt, es teilweise nicht gern gelesen. Die Zeitsprünge, die aufkeimenden Unsicherheiten und auch unangenehme Begebenheiten machen aber gerade diesen Roman lesenswert. Lukas Rietzsche gelingt es, einen Roman zu schreiben, den man manchmal weglegen möchte, den man aber dann doch nicht aus der Hand gibt. Warum? Weil "Raumfahrer" ein wichtiges Buch ist! Für mich eines der wenigen Bücher, die ich möglicherweise mehr als einmal lesen werde.
im Osten nichts Neues
Das Cover hat mich angesprochen und auch der Klappentext. Denn ich interessiere mich für Kunst und wollte mehr über den Künstler Georg Baselitz und seine Bilder erfahren. Und deshalb hat mir der erste Teil des Buches auch sehr gut gefallen, da es hier um das Jugendleben von Georg Baselitz und seinem Bruder geht und wie Baselitz in den Weste gekommen ist. Doch dies ist nicht die einzige Geschichte in diesem Buch, denn es geht vor allem um das Leben des Protagonisten und dessen Mutter, welche irgendwie mit der Geschichte des Bruders von Baselitz verwoben zu sein. Allgemein wird die Nachwendezeit als sehr trist beschrieben und man sieht förmlich die grauen Plattenbauten vor dem inneren Augen. Ich war noch nie in Kamenz, möchte aber auch nach dieser Lektüre nicht hin, da es wirklich als kein schöner Ort beschrieben wird, in dem alle Bürger irgendwie die Opfer der Wende sind. Dies finde ich dann doch leider etwas einseitig. Aber die verwobene Familiengeschichte ist ganz spannend.
Keine Hoffnung zwischen dem Gestern und Heute?
Inhalt:Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht.Fazit:Da ich das Debüt von Lukas Rietschel gelesen habe, war ich natürlich gespannt auf sein neues Werk. Seinen Schreibstil kenne ich schon vom Debüt und so war mir klar, dass ich keine leichte Kost zu lesen bekomme, sondern mich konzentrieren muss, um alle Zusammenhänge zu verstehen.Zuerst lernte ich Jan kennen, der in einer Kleinstadt lebt, die immer mehr auseinanderfällt. Wo früher Sportanlagen waren gibt es heute einen Supermarkt und das Krankenhaus in dem Jan arbeitet schließt auch bald. Der Leerstand in den Ruinen der DDR wird immer schlimmer und die Hoffnungslosigkeit greift um sich. Jan lebt bei seinem Vater, denn die alkoholabhängige Mutter hat die Familie schon lange verlassen. Eines Tages wird Jan von einem älteren Patienten genötigt, ihn zu besuchen und dort eine Kiste mit Dokumenten in Empfang zu nehmen. Was verbirgt sich in diesen Dokumenten für ein Geheimnis und warum soll Jan es lüften? Jan will sich mit diesen Dokumenten lieber nicht auseinandersetzen, doch irgendwann siegt die Neugier und er erfährt Dinge aus der Vergangenheit, die er lieber nicht gewusst hätte. Die Handlung spielt in verschiedenen Zeitebenen und mir war am Anfang nicht richtig klar, wo die Reise hingehen wird. Doch nach und nach enthüllt sich die Vergangenheit und es wird immer klarer, wer welche Rolle in dieser gespielt hat. Außer Jans Mutter haben noch weitere Charaktere ein Doppelleben geführt, um diese Kontrollmechanismen der DDR aufrecht zu erhalten. Doch das lest bitte selbst, es lohnt sich. Ich war wieder einmal überrascht, wie solch ein junger Autor diese schwierigen Themen so gelungen und ansprechend verpackt hat. Dieser nüchterne und schnörkellose Sprachstil konnte mich auch bei diesem Buch wieder fesseln und die Hoffnungslosigkeit und Verlorenheit wurde für mich dadurch realistischer und greifbarer. Trotz der anspruchsvollen Kost flogen die Seiten regelrecht dahin, da ich unbedingt wissen wollte, wie die Vergangenheit des älteren Mannes mit der von Jans Familie zusammenhängt. Auch in diesem Buch wird die Vergangenheit beleuchtet mit ihren Auswirkungen in die Gegenwart und die Zukunft. Die Geschichte taucht tief in das Erbe der DDR ein und zeigt an Jans Leben die Lage der Menschen in einem vergessenen Landstrich. Ich ließ mich von dieser Atmosphäre schnell bannen und ich hatte das Gefühl mitten in diesem öden und langsam zerfallenden Landstrich zu sein. Wieder hat es der Autor geschafft mich sehr nachdenklich zurück zu lassen. Für alle Liebhaber anspruchsvoller Literatur ist dieses Werk ein absolutes Muss.
ganz große literatur, eine gestochen scharfe sprache
Schon sein Debütroman hat mir sehr gut gefallen und mit seinem zweiten Roman „Raumfahrer“ zeigt Rietzschel wieder einmal mehr seine Stärke. Und das ist seine Sprache, sind seine messerscharfen Sätze.Es ist erstaunlich, wie ein so junger Autor es schafft, seinem Leser zu vermitteln, dass er, der Autor, scheinbar alle Zeiten hier selbst miterlebt hat. Rietzschel fordert seinen Leser, den es gibt viele Handlungsstränge, die miteinander verbunden sind, die aber oft in unterschiedlichen Zeiten spielen. Im Grunde genommen wird die gesamte jüngere deutsche Geschichte vom Kriegsende bis zur Nachwende aufgezeigt. Das finde ich schon beeindruckend. Die Sprachlosigkeit der Kriegsheimkehrer und die Sprachlosigkeit der Nachwendedeutschen im Osten. Das alles wird eingepackt in die Lebensgeschichte des Krankenpflegers Jan, mit einem Hauch von Kunst und Kultur in Form des Georg Baselitz. Und immer im Hintergrund der Staat und die jeweilige Gesellschaftsform.Wie Rietzschel erzählt, finde ich mehr als beeindruckend. In kurzen, prägnanten Sätzen zeigt er, ohne den Zeigefinder zu erheben. Da wird kein Wort verschwendet, alles ist auf dem Punkt. Und er schafft es, Stimmungen zu erzeugen, die schon beklemmend real sind. Es liest sich so, als ob man in die Zeit der ehemaligen DDR zurückversetzt wird. Und ohne viele Worte weiß der aufmerksame Leser, wovon gerade erzählt wird. So real, wie gerade die Szenen mit dem Fahrschullehrer dargestellt werden, der Unfall seines Sohnes, beeindruckend. Als ob die Stasi selbst beim Lesen mit dabei ist. Auch die ganzen Beziehungen der Personen untereinander und das Leben der Menschen, ob nach dem Krieg, nach der Wende und viel später. Alles ohne Pathos und Besserwisserei gezeigt und es dem Leser überlassen, was er damit anfängt. Für mich ganz großes Kino. „Raumfahrer“ ist ein literarisches großes Werk für mich und gleichzeitig auch Geschichtsunterricht. Ich denke mal, dass Leser westlich der Elbe dieses Buch anders lesen werden als diejenigen, welche östlich der Elbe aufgewachsen sind und beide System noch kennen. Und die Figur des Jan ist ein ganz starker Protagonist. Er jammert nicht, er protzt nicht, er lebt sein Leben und macht, was er meint, machen zu müssen in der jeweiligen Situation. Ein stiller Held, wie er sympathischer nicht sein könnte. Man spürt, dass sich Rietzschel Zeit mit seinen Figuren genommen hat und sie nicht nur eindimensional darstellt. Ein Roman, wie es noch viel mehr von geben sollte.
Wie setzt sich die Gegenwart zusammen?
Jan arbeitet als Hilfskraft in einem Krankenhaus einer ostdeutschen Kleinstadt. Das Krankenhaus wird in naher Zukunft geschlossen werden und Jan steht - wie viele Jugendliche seines Alters im Osten - vor dem Nichts. Sein Leben ist trostlos, ohne jegliche Perspektive, auch sein arbeitsloser Vater oder seine alkoholkranke Mutter, die schon vor einiger Zeit das Weite gesucht hat, sind Jan keine Stütze. Plötzlich taucht ein alter Mann auf, der Jan mit seiner Vergangenheit konfrontiert...Ich habe einige Zeit benötigt, um der Handlung des Buches folgen zu können. Lukas Rietzschel erzählt in einer mächtigen, umfassenden Sprache über das Leben von Jan - taucht dann aber in einem weiteren Handlungsstrang in die Nachkriegszeit und in das Leben von Georg Baselitz ein. Man muss als Leser*in am Ball bleiben, um trotz der - teils verwirrenden - Zeitsprünge der Geschichte folgen zu können. Durch die clevere Zusammenführung der beiden separaten Handlungen hat der Autor mich allerdings überzeugt - und ich freue mich bereits jetzt auf einen neuen, (sprachlich) toll ausgearbeiteten Roman von Lukas Rietzschel!
Pressestimmen
Rietzschel ist derzeit eine der wichtigsten jungen Stimmen Ostdeutschlands.
Kevin Hanschke, 27.05.2022
Dieser Roman über die Lausitz verzahnt Nachwende- und Nachkriegszeit. Formstark.
Marc Reichwein, 17.10.2021
Lukas Rietzschel stellt die bisherigen Klischees auf den Kopf, dass man meinen könnte, die deutsche ...Geschichte sei bisher noch gar nicht geschrieben worden. mehr weniger
Torsten Unger, 19.09.2021
Kaum ein Autor schreibt derzeit empathischer über Männlichkeit.
Miriam Zeh, 02.08.2021
Lukas Rietzschel gilt nicht nur als wichtige Stimme einer ganz jungen Generation von Schriftstelleri...nnen und Schriftstellern, sondern auch als Experte für Ostdeutschland. mehr weniger
Matthias Schürmann, 26.07.2021
Der Roman ›Raumfahrer‹ ist feine, große Literatur.
25.07.2021
Lukas Rietzschel schreibt szenisch kondensiert, ihm genügen wenige Sätze, um Stimmungen und Figuren ...zu zeichnen, manche Kapitel sind kaum mehr als Vignetten. mehr weniger
Marc Reichwein, 24.07.2021
Rietzschel gelingt eine komplexe Familiengeschichte vor dem Hintergrund der deutschen Teilung, es is...t eine vielschichtige Story. mehr weniger
Matthias Schmidt, 23.07.2021
Dieser vielleicht finstere, aber auf jeden Fall frische Blick auf Vergangenheit und Gegenwart macht ...diesen Roman lesenswert. mehr weniger
Matthias Schümann
Die Erzählkunst liegt darin, dass hier so vieles in der Schwebe bleibt, auch stilistisch: Das Buch i...st jedenfalls teilweise Künstlernovelle, Stasidrama und insgesamt ein Nachwenderoman, der individuelle Figuren entwirft, die für exemplarische Erfahrungen stehen. mehr weniger
Thomas Groß
Rietzschel ist eine wichtige literarische Stimme Ostdeutschlands. Von ihm ist noch Großes zu erwarte...n. mehr weniger
Gerhild Wissmann, 27.06.2022
Als Meister der Ekphrase beschreibt Rietzschel nicht nur die einfachen Haushalte, wo man mit Scheuer...milch putzt, eingeschweißte Wurst isst und Dosenbier trinkt, so plastisch, dass man glaubt, mittendrin zu sein, sondern auch die Gemälde, die man danach betrachtet, wie alte Bekannte. mehr weniger
Rebecca Maria Salentin, 01.04.2022
Ein sehr lakonischer und nachdenklich stimmender Roman.
Gerárd Otremba, 29.12.2021
Mit seinem zweiten Roman etabliert sich Lukas Rietzschel eindrucksvoll als ostdeutsche Stimme der nä...chsten Generation. mehr weniger
Welf Grombacher, 23.12.2021
Der junge Autor Lukas Rietzschel horcht an den Gemütszuständen der Wende-Verlierer, beschreibt Atmos...phären nüchtern und genau. mehr weniger
18.12.2021
Die Erzählkunst zeigt sich darin, dass hier so vieles in der Schwebe bleibt, auch stilistisch und fo...rmal. mehr weniger
Thomas Groß, 15.12.2021
Es ist ein Glück, dass es mit Lukas Rietzschel einen begnadeten Autor gibt, der diese Fragen stellt.
01.12.2021
Lukas Rietzschel taucht in seinem zweiten Roman ›Raumfahrer‹ erneut in spannende ostdeutsche Lebensw...elten. mehr weniger
Oliver Pfohlmann, 18.10.2021
Mit seinen Widersprüchen und seiner Orientierungslosigkeit erinnert dieser Vater seinen Sohn an die ...Figuren in den Gemälden Georg Baselitz', auf dem Kopf stehend, haltlos im Nichts treibend. mehr weniger
Oliver Pfohlmann, 16.10.2021
Mit dem Roman ›Raumfahrer‹ schlüsselt Rietzschel ein ostdeutsches Lebensgefühl auf.
25.09.2021
Mit dem Roman ›Raumfahrer‹ schlüsselt Rietzschel ein ostdeutsches Lebensgefühl auf.
Achim Lettmann, 25.09.2021
Ein ehrliches, wichtiges Buch über das Land, in dem wir leben.
18.09.2021
Lukas Rietzschel (27) gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen aus dem Osten Deutschlands.... mehr weniger
Roland Mischke, 04.09.2021
Ein Roman, der sicherlich hohe Wellen schlagen wird.
01.09.2021
In »Raumfahrer« wird völlig ohne Kommissare oder irreale Elemente und allein durch die Dramaturgie e...ine Spannung aufgebaut, die so manchen Thriller hinter sich lässt [...]. mehr weniger
Christa Nebenführ, 26.08.2021
Das starke Werk eines talentierten Autors, von dem noch einiges zu erwarten ist.
Oliver Pfohlmann, 24.08.2021
Wie Lukas Rietzschel erzählerisch das Fernglas auf die Nahvergangenheit richtet, ist ein vitales Stü...ck Literatur. mehr weniger
Christian Eger, 23.08.2021
Lukas Rietzschel hat mit seinem zweiten Roman abermals eine gelungene Talentprobe vorgelegt, einen e...rzählerischen Versuch zwischen Vergangenem und Neuem, Kunst und Politik, Leben und Erinnern. mehr weniger
Michael Braun, 18.08.2021
In kurzen hingetupften Sätzen, prägnant, voller Spannung, mit Rhythmus und starken Bildern verknüpft... Lukas Rietzschel das Schicksal der Generationen dieses Landes. mehr weniger
Johannes Nichelmann, 18.08.2021
›Raumfahrer‹ ist sowohl komplexes Familiendrama als auch authentische Milieustudie des erst unglückl...ich geteilten, dann unglücklich wiedervereinigten deutschen Ostens. Groß erzählt - Lesetipp! mehr weniger
13.08.2021
Rietzschel trifft einen Ton, der berührt.
Birgit Zimmermann, 11.08.2021
Aus dieser Perspektive hat man auf den Prozess einer ostdeutschen Identitätsbildung noch nicht gebli...ckt. mehr weniger
Stefan Kister, 07.08.2021
Lukas Rietzschel] vermeidet den Eindruck, es gebe eine gültige Erzählung oder Erinnerung über das Le...ben in und nach der DDR. Gerade dieses Ringen um Gerechtigkeit im Blick auf die Geschichte überzeugt. mehr weniger
Martina Läubli, 07.08.2021
Es gehört zu Rietzschels sparsamer Erzählweise, vieles nur anzudeuten und die Einzelheiten hart nebe...neinander stehen zu lassen. Er schreibt in kurzen, stakkatohaft hingetupften Sätzen. Das macht den Reiz dieses spröden Romans aus. mehr weniger
Jörg Magenau, 06.08.2021
Das große literarische Potenzial und die eigene Stimme des jungen Autoren, der in Görlitz lebt, sind... nicht zu überlesen. mehr weniger
Sarah Brasack, 06.08.2021
Lukas Rietzschel ist einer der talentiertesten Schreiber seiner Generation. Raumfahrer ist ein brill...antes Buch, in dem er das macht, was er am allerbesten kann: Er erzählt ostdeutsche Familiengeschichte, Scheibe für Scheibe, fein seziert, wie beim Häuten mehr weniger
Markus Lanz, 05.08.2021
Vor allem aber brennen sich die Worte ein, die er findet, um die Gemälde von Georg Baselitz zu besch...reiben: Sie machen ein Verlorengehen in der Geschichte fühlbar. mehr weniger
Buch der Woche, 27.07.2021
Mit seinem Roman ›Raumfahrer‹ landet Lukas Rietzschel jetzt den zweiten großen Streich.
Welf Grombacher, 24.07.2021