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Gebäude lassen sich abtragen und neu aufbauen, Erinnerungen nicht

Raumfahrer

Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht. 
Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind -- und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.

Bibliografische Daten

EUR 9,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-43938-1
Erscheinungsdatum: 23.07.2021
1. Auflage
288 Seiten
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Lukas Rietzschel

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman ›Mit der Faust in die Welt schlagen‹ (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman ›Raumfahrer‹. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Sächsischen Literaturpreis, dem Literaturpreis Text & Sprache und dem Rheingauer Literaturpreis 2026. Sein Roman ›Sanditz‹ ist ein Bestseller, nominiert für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026.

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81 von 81 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.4 von 5 Sternen


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4 - 10 von 81 Leserstimme

rabbelina am 19.07.2021 12:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Eine gute Geschichte!

Das Cover des Buchs zeigt wunderbar, was mich als Leserin erwartet: plattes Land, kleine Orte, Licht am Horizont. Und zunächst mag man vielleicht glauben: das hab ich schon so oft gelesen. Dennoch bin ich wirklich sehr begeistert von der Geschichte um Jan und seine Familie. Die Verknüpfung zum Mauerfall, der Künstlergemeinschaft in der DDR und dem Erwachsenwerden eines jungen Mannes hat für mich wirklich gut zusammengepasst. Ich habe das Ende war vielleicht ein wenig erahnen können, aber den Weg zur Auflösung der Geschichte wahrhaftig genossen. Die Sprache wahr sehr detailverliebt und es war zu erkennen, wie viel Arbeit in die Recherche gesteckt wurde. Das hat mir sehr gefallen! Am Ende des Buchs habe ich eine Menge gelernt und damit eine gute Zeit gehabt und eine Geschichte gelesen, die in meinem Bücherregal sehr besonders daherkommt. Deshalb vergebe ich 4 Stern!

dj79 am 18.07.2021 19:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Gesellschaft und Platte im Rückbau

Schon das Debüt von Lukas Rietzschel „Mit der Faust in die Welt schlagen“ hatte mir gut gefallen. Mehr beschreibend als anklagend setzte sich der junge Autor mit der Lebenswirklichkeit ostdeutscher Jugendlicher, den damit einhergehenden medial immer wieder einseitig breit getretenen Auswirkungen auseinander.Mit „Raumfahrer“ taucht Lukas Rietzschel jetzt noch tiefer in die deutsche Geschichte ein, kreist um den Künstler Georg Baselitz und dessen Familie. Der Roman startet an mehreren historischen Zeitpunkten. Die Sprachlosigkeit der Kriegsrückkehrer, der Ideologientausch in der jungen DDR, sowie die Orientierungslosigkeit der Menschen nach der Wende sind Rietzschel‘s Themen. Wem kann man nach zwei autoritären Systemen mit jeweils eigenem Verleumdungs- bzw. Geheimdienst noch trauen? Wer ist Freund? Wer ist Verräter und warum?Diesen Fragen nähern sich die Leser:innen gemeinsam mit Jan, Krankenpfleger in einem wohl bald schließenden Krankenhaus, der immer noch beim Vater wohnt und es irgendwie nicht richtig schafft, eine richtige Beziehung mit seiner Kollegin Karolina einzugehen. Ich mochte ihn, insbesondere sein kindliches in Rückblenden konstruiertes Ich. Er schien mir die vom Ende der DDR gebeutelte Familie zusammen zu halten. Selbst nach der Trennung der Eltern bleibt er der Ruhepol, den beide Eltern zum Überleben brauchen. Der kindliche Jan erträgt geduldig alle Eskapaden seiner Eltern, ohne selbst über die Stränge zu schlagen. Ich bewundere diese Stärke und geradezu übernatürliche soziale Intelligenz.Sprachlich, wie auch hinsichtlich der Romankonstruktion hat Lukas Rietzschel sich positiv weiter entwickelt. Von den ineinandergreifenden Handlungssträngen war ich sehr angetan. Durch die kurzen Kapitel ließ ich mich zu stundenlangen Lesen hinreißen, ohne dass Ermüdungserscheinungen aufkamen. Die Gefühlswelt seiner Raumfahrer hatte der Autor so gut recherchiert und aufbereitet, so dass ich mich frage, ob er als Nachwendekind nicht auch selbst ein solcher Raumfahrer ist.Insgesamt eine hervorragende Lektüre zu einer für Außenstehende schwer vermittelbaren Welt, der ich gern eine Leseempfehlung ausspreche.

miro76 am 18.07.2021 09:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Wo führt das hin?

Jan streift durch sein Leben in einer dystopisch anmutenden Kleinstadt im ehemaligen Osten Deutschlands. Er arbeitet als Hol- und Bringdienst in einem Krankenhaus, das kurz vor der Schließung steht und Personal und Patienten bereits auf ein Minimum reduziert sind. Genauso reduziert wirkt die Stadt. Die Fabriken sind Ruinen, die Plattenbausiedlungen stehen ohne Fenster und Türen da und sind dem Verfall anheim gegeben. Selbst sein Leben ist dominiert von Leerstellen. Seine alkoholkranke Mutter hat die Familie verlassen und sein Vater trauert seinem ehemaligen Leben als Fischer nach. Zwischen der Freiheit der Wende und der Hoffnungslosigkeit einer fehlenden Zukunft verläuft nur ein ganz schmaler Grat. In einem zweiten Erzählstrang lesen wir von dem Maler Georg von Baselitz, der kurz vor dem Mauerbau in den Westen geflüchtet ist. Sein Bruder wollte ihm folgen, war aber ein paar Tage zu spät dran und wurde von der Mauer überrascht. Eine Flucht ist ihm in den folgenden Jahren nie gelungen. Baselitz Bilder beschäftigen sich mit den Helden, bzw. gefallen Helden von früher. Berühmt wurde er mit seinen Kopfüber Bildern. Die Menschen hängen quasi in der Luft, gefangen in einem Vakuum, dass sie treiben lässt. Und genau so nimmt Jan auch seine Eltern wahr. Sie treiben als Raumfahrer in der Leere der Wende. Mit diesen zwei Erzählstängen spannt Lukas Rietzschel einen Bogen zwischen der Nachkriegszeit und der Nachwendezeit verbunden durch Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Der Aufwind dieser beiden Umschwünge weht definitiv anderswo. Die Sprünge zwischen den zwei Erzählspträngen sind leider manchmal etwas verwirrend. Es braucht etwas, bis man sich an die chaotische Erzählweise gewöhnt, aber dem Autor gelingt es, diese beiden Geschichten zusammenzuführen und zu klären, wie die Ereignisse um Baselitz auch Jans Leben prägen. Dadurch entspinnt sich ein Stück Erinnerungskultur, das eher die dunkle Seite der Geschichte zeigt. Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn man streckenweise nicht weiß, worauf das alles hinausläuft. Schlußendlich fügt sich alles und es ergibt sich ein schlüssiges Bild dieser verlorenen Gesellschaft. Wie Raumfahrer schweben sie durch ihr perspektivenloses Leben, ihrer Wurzeln beraubt.

amara5 am 13.07.2021 16:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Kopfüber in der Zwischenwelt

Schweigen und Sprachlosigkeit dominierten Jans Zuhause in der Lausitz – seine Eltern kamen ihm vor wie Raumfahrer, die in einer Zwischenwelt schwebend gefangen sind. Die alkoholkranke Mutter mittlerweile verstorben, wohnt Jan mit dem in sich gekehrten Vater im Schatten der (ehemaligen) Plattenbauen in Kamenz, schiebt im bald schließenden und von Wildtieren heimgesuchten Krankenhaus Patienten zu den Untersuchungen. Ein mysteriöser Patient namens „Der Alte“ sucht immer wieder Kontakt zu ihm, erzählt von einer Verbindung zum berühmten Deutschbaselitzer Künstler Hans-Georg Kern – alias Georg Baselitz. Zögerlich nimmt Jan eine Dokumentenkiste des Alten entgegen, wühlt sich durch verdrängte Erinnerungen und Zeitgeschichte, durch transgenerationale Traumata und Verschwiegenes, durch Stasi-Vergangenheit und Kunstgeschichte. Langsam kommt er der Verwobenheit seiner Familie mit der Familie Kern auf die Spur und muss sich einem schmerzhaften Familiengeheimnis stellen, dass beiderseits Brüche und über lange Zeit hinweg verletzte Seelen hinterlassen hat.Lukas Rietzschel spannt in „Raumfahrer“ episodenhaft einen großen Bogen durch die Zeitgeschichte, von der Nachkriegszeit bis zur Nachwendezeit und verknüpft mit vielen zeitlich unsortierten Rückblenden die schicksalhafte Verbindung zweier Familien mit der Malerei von Georg Baselitz, der in den Westen auswanderte. Bekannt wurde der berühmte Gegenwartskünstler durch seine Figuren auf dem Kopf, gezeichnet von Krieg und falschen Ideologien. Rietzschel erzählt in nüchterner, knapper und auf den Punkt gebrachter Sprache in zwei parallelen Erzählebenen und beleuchtet bewegend wie in „Mit der Faust in die Wand schlagen“ zerrissene Menschen nach den Umbrüchen der Wende, die in der Leere der Gegenwart keinen Halt finden. Arbeitslosigkeit, Tristesse, Landflucht, Leerstand, Haltlosigkeit – wie Baselitz’ Figuren schweben auch diese Menschen kopfüber in einem Vakuum ohne Boden unter den Füßen. Sehr atmosphärisch und skizzenhaft entrollt Rietzschel ein feinfühliges und bewegendes Stück Erinnerungskultur und Aufarbeitung, das neben der präzisen Beschreibungen von Baselitz’ Kunst zwei auseinandergerissene Familien porträtiert und dabei sowie DDR- und Kriegsschrecken miteinbezieht. Manchen Zeitsprüngen im fiktiven Roman fällt es schwer ad hoc zu folgen und doch entwickelt sich Stück für Stück ein vielschichtiges, größeres und eindringliches Bild über Zugehörigkeit, Vergangenheitsbewältigung und alten, unausgesprochenen Wunden, die bis ins Heute wirken – eingebettet in präzise eingefangener Zeitgeschichte.„Ein untergegangener Staat, eine gescheiterte Idee, deren Anhänger er ja zwangsläufig gewesen war, qua Geburt. Darüber war sich die Welt einig. Der Westen. Also versuchte Vater, seine Spuren zu verwischen. Manchmal zog er einen Reisigbesen hinter sich her, manchmal einen Bulldozer.“ S. 181

aennie am 13.07.2021 12:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Lange Schatten

Jan ist vollkommen konsterniert, als ihn ein Patient anspricht, Zusammenhänge der beiden Familien andeutet, ihm Unterlagen förmlich aufdrängt, Jans Mutter erwähnt und seine Verwandtschaft zum berühmten Maler Georg Baselitz. Nichts desto trotz gibt er diesem „komischen Kauz“ nach, macht sich auf die Spurensuche, in den Unterlagen, in Deutschbaselitz, dem Heimatort des Malers und mit vorsichtigen Fragen bei seinem Vater. Seine Mutter kann er nicht mehr fragen. Viel bringt er erst einmal nicht in Erfahrung, aber das seinem Vater das Thema unangenehm ist, wird ihm klar, und auch, dass in der Vergangenheit seiner Eltern Dinge vorgefallen sind, die er nicht weiß, ist ihm durchaus seit Jahren bewusst. Doch eine Verbindung nach Deutschbaselitz, zur Familie Kern, so der bürgerliche Name des Malers, war ihm bisher unbekannt.Der Roman berichtet parallel über Jan, seine Familie und seine Verwunderung über die Ansprache des Patienten namens Thorsten Kern sowie über dessen Familiengeschichte, vor allem die seines Vaters, Günter Kern, dem Bruder des Malers, und deckte langsam Vorgänge der Vergangenheit auf, in Details vermutlich exemplarisch für viele Schicksale in der DDR, aber in ihrer Besonderheit dann wiederum einzigartig und individuell.Nebenbei bemerkt, bin ich froh, diesmal tatsächlich nicht den Klappentext oder die Beschreibung vorher allzu deutlich gelesen zu haben – er hätte mir nämlich für meinen Geschmack viel zu viel verraten. Natürlich war mir irgendwie klar, dass es eine Verbindung zwischen Jans Familie und der von Torsten Kern geben MUSS, und auch, dass es selbstverständlich irgendwie mit dem politischen System der DDR und der Stasi zusammenhängt, aber en detail geahnt habe ich es nicht und es war für mich einer der sehr guten Momente im Buch als mir klar wurde, wer welche Rolle spielte und wo eine Verquickung stattgefunden hatte.Was bleibt hängen? Für mich kommt Raumfahrer nicht an Rietzschels ersten Roman heran. Ich mag den Schreibstil, aber der Plot blieb mir hier zu blass. Eindrucksvoll ist die Leere, die der Autor schafft zu vermitteln. Egal, ob das Krankenhaus, in dem Jan (noch) arbeitet, die sich verändernden Wohnsiedlungen oder die Menschen selbst. Er vermittelt ein Gefühl des Vakuums, der immer noch post-Wende-Ära, der immer noch überstrahlenden Vergangenheit eines totalitären Regimes mit für Außenstehenden nicht nachzuvollziehenden Mechanismen. Dinge, die in den Menschen, die sie erlebt haben – und sei sogar nur mittelbar, z.B. durch Eltern und deren Schicksal, für immer zementiert bleiben werden. Dauerhafter als jedes Bauwerk es war. Mit langen Schatten, die bis heute geworfen werden können. Diese Vermittlung von Leere, Luftleere, die den Menschen umgibt – eben den Raumfahrer - ist in meinen Augen das Stärkste an diesem Roman.

danysunnyhoney am 11.07.2021 18:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Gelungener Schreibstil

Raumfahrer wurde von Lukas Rietzschel geschrieben. Der Roman umfasst 286 Seiten. Das Cover ist ein schlichtes Bild, gehalten hauptsächlich in Rottönen. Es gefällt mir sehr gut und vermittelt mir etwas ruhiges und entspanntes. Ich fand sehr gut das dass Buch in viele kurze Kapitel unterteilt ist. So konnte ich mir das Buch gut einteilen. Denn für mich war es kein Buch das man in einem Rutsch durchlesen konnte. Ich finde man musste sich auch wirklich dabei konzentrieren. Ich fand die Wortwahl für einen so jungen Autor (1994 geboren) wirklich extrem gut gelungen. Teilweise sogar poetisch. Ich finde da hebt sich das Buch wirklich ab. Ein toller Schreibstil. In dem Buch wird hauptsächlich aus Jans Perspektive erzählt. Den fand ich an sich sympathisch und konnte ihn verstehen. Das Thema DDR finde ich interessant und das Buch hat mich zum nachdenken gebracht. Es ist aber auch ein wirklich anspruchsvolles Buch. Wer dieses Thema interessant findet, wird Freude an diesem Werk haben. Ein toller Schriftsteller und ich überlege seinen Debütroman "Mit der Faust in die Welt schlagen" ebenfalls zu lesen.

sumsi1990 am 11.07.2021 12:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Überraschend

Jan arbeitet in einem verlassenen Nest als Krankentransporteur in einem wenig frequentierten Krankenhaus im ehemaligen Osten. Als er dort auf Herrn Kern als Patienten stößt, der ihm Kisten seines Vaters übergibt, beginnt er in der Vergangenheit zu graben...Das Buch war für mich von Anfang an gut und fließend zu lesen. Die Sprache ist ruhig, klar und direkt, was mir gut gefällt. Am Anfang plätschert die Erzählung doch eher so dahin und ich wusste nicht einzuordnen, wohin das alles führt, vor allem weil sowohl die Zeiten und die handelnden Personen in kurzen Kapiteln wechseln. Nach ungefähr 50 Seiten hat mich der Roman aber komplett gepackt und nimmt die Geschichte auch laufend an Tempo zu. Schlussendlich bin ich wirklich begeistert wie schlau diese Erzählung verstrickt und konstruiert ist und auch davon wie viele kleine Aspekte hier versteckt werden, die für mich nur als großes Ganzes dann Sinn ergeben! Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung!

rosenfreund am 11.07.2021 11:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Verödung im Osten

Das Cover zeigt eine verödete Landschaft, wo früher einmal eine Neubausiedlung (Plattenbau) war. Nur die Straßenlaternen sind noch vorhanden. Im Hintergrund hingegen sieht man eine historische Altstadt, die wohl nach der Wende für restaurations- und erhaltungswürdig befunden wurde. Dieses Cover passt gut zu dem Inhalt und Titel des Werkes, denn Vergangenheitsbewältigung und Sprachlosigkeit sowie Identitätssuche plagen besonders die Bewohner kleinerer Städte, die nicht im Fokus des Herausputzens stehen, sondern sowohl nach der Nazizeit als auch nach der Wende sprachlos dastehen und zur Neuorientierung gezwungen sind. “War alles vorher schlecht und sinnlos?” müssen sie sich fragen, denn völlig neue Werte werden propagiert.Zu dieser sprachlosenidentitätssuche, zu der die meisten ehemaligen DDR-Bürger verdammt sind, passt der rein deskriptive, nüchterne, schnörkellose und emotionslose Sprachstil des Autors, womit er die Mentalität des Hinnehmens der politischen und wirtschaftlichen Situation meint, die vorher verlangt wurde, um im sozialistischen System zu bestehen. Viele kurze Kapitel erleichtern das schnelle Durchlesen des Werkes.Inhaltlich geht es in “Raumfahrer” um die Geschichte zweier Familien während der DDR-Zeit und nach der Wende. Erst nach und nach wird deutlich, inwiefern beide Familien miteinander verwoben sind.Jan, der 1989 geboren wurde, wird mit den Nachfahren der Kern/ Baselitzfamilie konfrontiert. Er trifft einen Verwandten des bekannten Künstlers, Georg Baselitz, dem die Flucht kurz vor dem Mauerbau gelungen ist. Seinem Bruder, mit dem er eng verbunden ist, gelang die Flucht nie. Aber was hat das mit Jans verstorbener Mutter zu tun?Ich denke, am Beispiel von Georg Baselitz, dessen Figuren auf dem Kopf stehen und verfremdet sind, soll sein persönliches Auflehnen gegen das unmenschliche DDR-System gezeigt werden, denn seine Werke sind Beispiele für die Ablehnung von Normenkonformität, drücken aber auch Orientierungslosigkeit aus. Dieser personalisierte Ansatz hat mir besonders gut gefallen, denn das Werk ist anders als die typischen Stasigeschichten.

probelesen am 11.07.2021 11:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Lösen alte Fotos ein Familiengeheimnis?

Das Cover und der Titel erschlossen sich mir nicht sofort. Erst nach und nach offenbarte sich die Trostlosigkeit und "das Schweben in einer Zwischenwelt". Die Geschichte der Familie Kern - Bruder des Malers Baselitz- wird verwoben mit der Geschichte des Altenpflegers Jan, der wie es zuerst erscheint zufällig auf den durch einen Verkehrsunfall behinderten Sohn dieses Bruders trifft und doch schicksalhaft mit ihm verbunden ist. Auf verschiedenen Zeitebenen wird die Gesellschaft der Nachkriegszeit, der DDR und der Nachwendezeit bis zur Jetztzeit geschildert in ihrer Menschenverachtung und Hoffnungslosigkeit. Die sehr schnörkellos erzählte Geschichte beruht auf realen Begebenheiten. Der Autor betont aber die fiktionale Bearbeitung. Ein wichtiges Buch zur Geschichte Ostdeutschlands. Man muss schon konzentriert lesen, dann aber lohnt sich die Lektüre.

buchkati am 11.07.2021 10:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Spannende Lektüre

Jan lebt mit seinem Vater am Rande einer Stadt im Osten, er arbeitet in einem Krankenhaus und lernt dort "Den Alten" kennen. Der Alte (Thorsten) hat ein Geheimnis, was ihn mit Jan verbindet. Eigentlich ist der Alte der Neffe des Malers Georg Baselitz (geboren als Georg Kern) und sitzt im Rollstuhl. Das Buch erzählt dann im Rückblick die Geschichte von Günter Kern, Georgs Bruder, der im Osten bleibt, während Georg in den Westen geht. Wir erfahren Günters Schicksalsschlag und am Ende wie die Geschichte von Jan und Thorsten verbunden ist. Das Buch hat viele Sprünge, sodass ich etwas brauchte um in das Buch zu kommen, so recht wusste ich nicht, wohin die Reise geht. Ab der Mitte aber, hat mich das Buch sehr gefesselt und ich wollte wissen, wie diese Familiengeschichte ausgeht. Lukas Rietzschel schafft es mit ruhiger Sprache, Ereignisse und Geschehnisse aus der DDR nachzuzeichnen, die zum einem sehr realistisch sind (Glaube ich zumindest) und auch viele Fragen aufwerfen. Insgesamt hat mich das Buch überzeugt, natürlich bleibt bei einem relativ kurzem Roman noch viel Raum um mehr Hintergründe zu erklären, und so bleibt der ein oder andere Erzählstrang offen, was ich nun doch ein wenig schade finde. Dennoch, ich hatte hohe Erwartungen an den zweiten Roman des Autors und diese wurden erfüllt.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Rietzschel ist derzeit eine der wichtigsten jungen Stimmen Ostdeutschlands.

Kevin Hanschke, 27.05.2022

Welt am Sonntag
Dieser Roman über die Lausitz verzahnt Nachwende- und Nachkriegszeit. Formstark.

Marc Reichwein, 17.10.2021

MDR
Lukas Rietzschel stellt die bisherigen Klischees auf den Kopf, dass man meinen könnte, die deutsche ...Geschichte sei bisher noch gar nicht geschrieben worden. mehr weniger

Torsten Unger, 19.09.2021

Deutschlandfunk
Kaum ein Autor schreibt derzeit empathischer über Männlichkeit.

Miriam Zeh, 02.08.2021

Deutschlandradio Kultur
Lukas Rietzschel gilt nicht nur als wichtige Stimme einer ganz jungen Generation von Schriftstelleri...nnen und Schriftstellern, sondern auch als Experte für Ostdeutschland. mehr weniger

Matthias Schürmann, 26.07.2021

Welt am Sonntag
Der Roman ›Raumfahrer‹ ist feine, große Literatur.

25.07.2021

Die Welt
Lukas Rietzschel schreibt szenisch kondensiert, ihm genügen wenige Sätze, um Stimmungen und Figuren ...zu zeichnen, manche Kapitel sind kaum mehr als Vignetten. mehr weniger

Marc Reichwein, 24.07.2021

MDR Kultur
Rietzschel gelingt eine komplexe Familiengeschichte vor dem Hintergrund der deutschen Teilung, es is...t eine vielschichtige Story. mehr weniger

Matthias Schmidt, 23.07.2021

Lesart
Dieser vielleicht finstere, aber auf jeden Fall frische Blick auf Vergangenheit und Gegenwart macht ...die­sen Roman lesenswert. mehr weniger

Matthias Schümann

ZeitZeichen
Die Erzählkunst liegt darin, dass hier so vieles in der Schwebe bleibt, auch stilistisch: Das Buch i...st jedenfalls teilweise Künstlernovelle, Stasidrama und insgesamt ein Nachwenderoman, der individuelle Figuren entwirft, die für exemplarische Erfahrungen stehen. mehr weniger

Thomas Groß

Die Rheinpfalz
Rietzschel ist eine wichtige literarische Stimme Ostdeutschlands. Von ihm ist noch Großes zu erwarte...n. mehr weniger

Gerhild Wissmann, 27.06.2022

Kreuzer
Als Meister der Ekphrase beschreibt Rietzschel nicht nur die einfachen Haushalte, wo man mit Scheuer...milch putzt, eingeschweißte Wurst isst und Dosenbier trinkt, so plastisch, dass man glaubt, mittendrin zu sein, sondern auch die Gemälde, die man danach betrachtet, wie alte Bekannte. mehr weniger

Rebecca Maria Salentin, 01.04.2022

soundsandbooks.com
Ein sehr lakonischer und nachdenklich stimmender Roman.

Gerárd Otremba, 29.12.2021

tip (Berlin)
Mit seinem zweiten Roman etabliert sich Lukas Rietzschel eindrucksvoll als ostdeutsche Stimme der nä...chsten Generation. mehr weniger

Welf Grombacher, 23.12.2021

Kölnische Rundschau
Der junge Autor Lukas Rietzschel horcht an den Gemütszuständen der Wende-Verlierer, beschreibt Atmos...phären nüchtern und genau. mehr weniger

18.12.2021

Mannheimer Morgen
Die Erzählkunst zeigt sich darin, dass hier so vieles in der Schwebe bleibt, auch stilistisch und fo...rmal. mehr weniger

Thomas Groß, 15.12.2021

vorwärts
Es ist ein Glück, dass es mit Lukas Rietzschel einen begnadeten Autor gibt, der diese Fragen stellt.

01.12.2021

Abendzeitung
Lukas Rietzschel taucht in seinem zweiten Roman ›Raumfahrer‹ erneut in spannende ostdeutsche Lebensw...elten. mehr weniger

Oliver Pfohlmann, 18.10.2021

Landshuter Zeitung
Mit seinen Widersprüchen und seiner Orientierungslosigkeit erinnert dieser Vater seinen Sohn an die ...Figuren in den Gemälden Georg Baselitz', auf dem Kopf stehend, haltlos im Nichts treibend. mehr weniger

Oliver Pfohlmann, 16.10.2021

Westfälischer Anzeiger
Mit dem Roman ›Raumfahrer‹ schlüsselt Rietzschel ein ostdeutsches Lebensgefühl auf.

25.09.2021

Kreiszeitung
Mit dem Roman ›Raumfahrer‹ schlüsselt Rietzschel ein ostdeutsches Lebensgefühl auf.

Achim Lettmann, 25.09.2021

Märker
Ein ehrliches, wichtiges Buch über das Land, in dem wir leben.

18.09.2021

General-Anzeiger
Lukas Rietzschel (27) gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen aus dem Osten Deutschlands.... mehr weniger

Roland Mischke, 04.09.2021

ensuite
Ein Roman, der sicherlich hohe Wellen schlagen wird.

01.09.2021

Buchkultur
In »Raumfahrer« wird völlig ohne Kommissare oder irreale Elemente und allein durch die Dramaturgie e...ine Spannung aufgebaut, die so manchen Thriller hinter sich lässt [...]. mehr weniger

Christa Nebenführ, 26.08.2021

Der Tagesspiegel
Das starke Werk eines talentierten Autors, von dem noch einiges zu erwarten ist.

Oliver Pfohlmann, 24.08.2021

Mitteldeutsche Zeitung
Wie Lukas Rietzschel erzählerisch das Fernglas auf die Nahvergangenheit richtet, ist ein vitales Stü...ck Literatur. mehr weniger

Christian Eger, 23.08.2021

Buchprofile/medienprofile
Lukas Rietzschel hat mit seinem zweiten Roman abermals eine gelungene Talentprobe vorgelegt, einen e...rzählerischen Versuch zwischen Vergangenem und Neuem, Kunst und Politik, Leben und Erinnern. mehr weniger

Michael Braun, 18.08.2021

Deutschlandfunk Kultur
In kurzen hingetupften Sätzen, prägnant, voller Spannung, mit Rhythmus und starken Bildern verknüpft... Lukas Rietzschel das Schicksal der Generationen dieses Landes. mehr weniger

Johannes Nichelmann, 18.08.2021

tam.tam Das Stadtmagazin für Erfurt & Region
›Raumfahrer‹ ist sowohl komplexes Familiendrama als auch authentische Milieustudie des erst unglückl...ich geteilten, dann unglücklich wiedervereinigten deutschen Ostens. Groß erzählt - Lesetipp! mehr weniger

13.08.2021

dpa
Rietzschel trifft einen Ton, der berührt.

Birgit Zimmermann, 11.08.2021

Eßlinger Zeitung
Aus dieser Perspektive hat man auf den Prozess einer ostdeutschen Identitätsbildung noch nicht gebli...ckt. mehr weniger

Stefan Kister, 07.08.2021

Podcast F*luxx
Lukas Rietzschel] vermeidet den Eindruck, es gebe eine gültige Erzählung oder Erinnerung über das Le...ben in und nach der DDR. Gerade dieses Ringen um Gerechtigkeit im Blick auf die Geschichte überzeugt. mehr weniger

Martina Läubli, 07.08.2021

Süddeutsche Zeitung
Es gehört zu Rietzschels sparsamer Erzählweise, vieles nur anzudeuten und die Einzelheiten hart nebe...neinander stehen zu lassen. Er schreibt in kurzen, stakkatohaft hingetupften Sätzen. Das macht den Reiz dieses spröden Romans aus. mehr weniger

Jörg Magenau, 06.08.2021

Kölner Stadt-Anzeiger
Das große literarische Potenzial und die eigene Stimme des jungen Autoren, der in Görlitz lebt, sind... nicht zu überlesen. mehr weniger

Sarah Brasack, 06.08.2021

ZDF
Lukas Rietzschel ist einer der talentiertesten Schreiber seiner Generation. Raumfahrer ist ein brill...antes Buch, in dem er das macht, was er am allerbesten kann: Er erzählt ostdeutsche Familiengeschichte, Scheibe für Scheibe, fein seziert, wie beim Häuten mehr weniger

Markus Lanz, 05.08.2021

kulturnews.de
Vor allem aber brennen sich die Worte ein, die er findet, um die Gemälde von Georg Baselitz zu besch...reiben: Sie machen ein Verlorengehen in der Geschichte fühlbar. mehr weniger

Buch der Woche, 27.07.2021

Märkische Oderzeitung
Mit seinem Roman ›Raumfahrer‹ landet Lukas Rietzschel jetzt den zweiten großen Streich.

Welf Grombacher, 24.07.2021

Münchner Merkur
Ein spannendes, bewegendes Werk über die Folgen der DDR, die sich durch die Lebensgeschichten der Ge...nerationen wie Erbgut ziehen. mehr weniger

24.07.2021

Sächsische Zeitung
Liebe, Krimi, Kunst und die Brüche der jüngeren deutschen Geschichte, all das verbindet der neue Rom...an von Lukas Rietzschel spannend und provokant zugleich. mehr weniger

Karin Grossmann, 22.07.2021

NEWSBEREICH

Aktuelles

Preise & Auszeichnungen

Lukas Rietzschel erhält den Literaturpreis „Text und Sprache“ 2023 des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft für seinen Roman „Raumfahrer“

Wir gratulieren unserem Autor!

Auszug aus der Jurybegründung: „Mit Lukas Rietzschel erhält ein noch junger Autor den Literaturpreis Text und Sprache 2023, der insbesondere mit seinem zweiten Roman „Rau...mfahrer“ (2021) außergewöhnliche Genauigkeit in seinem Erzählen mit einer starken thematischen Auseinandersetzung verbindet. (...)"

Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet im Oktober 2023 im Rahmen der Jahrestagung des Kulturkreises in Mannheim statt.

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