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Gebäude lassen sich abtragen und neu aufbauen, Erinnerungen nicht

Raumfahrer

Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht. 
Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind -- und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen.

Bibliografische Daten

EUR 9,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-43938-1
Erscheinungsdatum: 23.07.2021
1. Auflage
288 Seiten
Sprache: Deutsch
Autor*innenporträt

Lukas Rietzschel

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman ›Mit der Faust in die Welt schlagen‹ (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman ›Raumfahrer‹. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Sächsischen Literaturpreis, dem Literaturpreis Text & Sprache und dem Rheingauer Literaturpreis 2026. Sein Roman ›Sanditz‹ ist ein Bestseller, nominiert für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026.

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81 von 81 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.4 von 5 Sternen


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7 - 10 von 81 Leserstimme

kaeptn am 02.07.2021 11:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

DDR-Geschichte auf Familienebene projeziert

Zunächst muss ich etwas zur äußeren Hülle anmerken. Das Cover passt zur Geschichte und lässt Erinnerungen an die Bücher aus der DDR hochkommen. Von daher sind Inhalt und Hülle gut aufeineander abgestimmt. Mich als EX-Wessi (ist heute aber nicht mehr meine Denke) hat die ostdeutsche Geschichte prinzipiell sehr angesprochen, da man über unterschiedliche Sozialisation Verständnis für sein Gegenüber besser herstellen kann. Die Geschichte erstreckt sich über den gesamten Zeitraum der DDR von Gründung bis Mauerfall und wird durch 2 Familien dargestellt. Es sind die amilien von Jan und die von Georg Baselitz. Es wird der jeweilige Zeitgeist und die Entwicklung in der DDR gut und glaubhaft dargestellt.Dem Autor gelingt es genauso wie in seinem Roman "Mit der Faust in die Welt schlagen" mit einer sehr genauen und anspruchsvollen Sprache seine Charaktere sehr glaubhaft darzustellen.

lesereien am 01.07.2021 23:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein Roman über ostdeutsche Schicksale

Lukas Rietzschel gelingt es mit seinem neuen Roman “Raumfahrer” wie schon mit seinem Debütroman, die ostdeutsche Geschichte und die Schicksale der Menschen des Ostens festzuhalten und nachzuzeichnen. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Da ist zunächst Jan, der in einem Krankenhaus arbeitet, das bald schließen wird. Das Schwimmbecken ist schon leer, das Linoleum ausgeblichen und die Natur erobert sich das Gebäude langsam zurück. Jan lebt mit seinem Vater zusammen, der arbeitslos ist und sich allabendlich vier Bierflaschen auf der Heizung aufwärmt. Trostlosigkeit, Verfall, Arbeitslosigkeit, Armut und Leerstand bestimmen Jans Umfeld. Als ihm einer der Stammpatienten ein Passfoto zeigt, beginnt für Jan eine Reise in die Vergangenheit. Rietzschel verbindet Jans Geschichte mit der Kindheit und Jugend Georg Baselitzs, aber vor allem auch mit dem Leben von dessen Bruder Günter. Nachkriegszeit und Nachwendezeit, DDR-Vergangenheit und Gegenwart gehen ineinander über. Die Charaktere sind dabei durch die Grenzen, die ihnen die Zeit setzt, gefangen. Sie sind Raumfahrer, schweben durch Zeit und Raum und können sich nicht losreißen, weder von ihrem Schicksal, noch von ihren Erinnerungen und Entscheidungen. Lukas Rietzschel hat einen starken und lesenswerten Roman geschrieben, der die Rolle des Autoren als wichtige, junge, literarische Stimme des Ostens festigt.

leukam am 01.07.2021 18:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Schweben im luftleeren Raum

Lukas Rietzschel hatte 2018 großen Erfolg mit seinem Debutroman „ Mit der Faust in die Welt schlagen“. Nun legt er mit „ Raumfahrer“ seinen zweiten Roman vor, der ebenfalls in der ehemaligen DDR spielt. Er erzählt darin die Geschichte zweier Familien von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.Jan, der Protagonist, 1989 geboren, wohnt mit seinem Vater in einer Einfamilienhaussiedlung am Stadtrand von Kamenz, im Schatten der alten Plattenbauten. Jan arbeitet im Krankenhaus, er bringt Patienten zu ihren Terminen und holt sie wieder ab. Doch das Krankenhaus ist , wie so vieles hier, von der Schließung bedroht. Dort, wo früher die Schule und der Sportplatz waren, steht heute ein Supermarkt. Viele Menschen von hier sind längst weggezogen. Über allem liegt eine Stimmung von Trostlosigkeit und Resignation. Eines Tages bekommt Jan von einem älteren Patienten einen Schuhkarton mit Aufzeichnungen, Dokumenten und alten Photographien, an ihn adressiert. Jan ist irritiert; schließlich kennt er den Patienten kaum. Doch es scheint eine Beziehung zwischen den beiden Familien zu geben. Sein Vater aber reagiert auf Nachfrage höchst unwirsch. Jan beginnt nachzuforschen. Gab es eine Verbindung zwischen seiner Mutter und Günter Kern, dem Vater des Patienten? Was für eine Frau war die verstorbene Mutter wirklich? Welche Rolle spielte dabei der im Westen sehr erfolgreiche Maler Georg Baselitz, der Bruder von Günter Kern?Langsam baut der Autor die Spannung auf und erst am Ende erklären sich die Beziehungen. Doch nicht alle Fragen sind danach beantwortet.Lukas Rietzschel geht dabei nicht chronologisch vor, sondern wechselt in kurzen Kapiteln nicht nur Zeit und Ort, sondern auch die Perspektive. Das erfordert einen aufmerksamen Leser.Die Sprache ist meist einfach, lakonisch, dann wieder voller poetischer Bilder. Sehr gut wird die Atmosphäre getroffen. Rietzschel beschreibt Menschen, die nicht richtig irgendwo dazugehören, unfähig sind, miteinander zu reden.„Mutter. Vater. Für Jan waren sie Raumfahrer. Schwebten in einer Zwischenwelt, ihrem Ausgangspunkt entrissen. Während sie schwebten, hatte sich die Welt schon ein Dutzend Mal weitergedreht. Sie sahen dabei zu, streckten die Hände aus. Versuchten, vor- oder zurückzukommen. Hoch, runter. Aber wo sie sich befanden, gab es keine dieser Richtungen im Raum. Und Jan stand auf der Erde und richtete sein Fernglas auf sie.“In vielen Episoden wird die Vergangenheit der Figuren lebendig und es wird gezeigt, wie alles miteinander zusammenhängt. Sehr gut werden auch Bilder von Georg Baselitz in den Text eingearbeitet. „ Raumfahrer“ ist ein Roman für Leser, die sich für Familiengeheimnisse, die Aufarbeitung der DDR- Geschichte und die Umbrüche danach interessieren .

katercarlo am 01.07.2021 14:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Sehr atmosphärisch

Es ist ein atmosphärischer Roman. Vom Cover bis zur letzten Seite zieht das Buch die Leser in seine Welt hinein.Eine Welt am Rande der Gesellschaft, zwischen schlechter Arbeit und gar keiner Arbeit, zwischen Hoffnung und Trostlosigkeit. Das Gefühl abgehängt, vergessen, ohne Glück zu sein durchtränkt die Seiten und die Erzählung. Die Handlung selbst schwebt dazwischen im Raum. Ist da, aber ohne Wurzeln und ohne eindeutiges Ziel. Stattdessen lässt sie sich genauso wie die Figuren durch die Zeit, Orte und Geschehnisse treiben. Manche Kapitel scheinen nur Gefühle, Eindrücke und Gedanken beschreiben zu wollen, tragen oberflächlich nichts zur Entwicklung der Geschichte bei, andere setzen kurze, überraschende Pointen. Die Handlung schwebt durch Raum und Zeit, wie ein Raumfahrer. Ebenso wie die Personen im Buch – genauso wie ich als Leser.Ich hätte mir manchmal etwas mehr Halt gewünscht. Manchmal trieb ich nur durch die Geschichte ohne einen tieferen Sinn darin zu erkennen. Bis zum Schluss bleiben einige Fragen bei mir offen. Aber gleichzeitig ist diese Raumfahrt auch ein Abenteuer in eine Welt, die mir sehr fremd ist, so wenig hat mein Leben mit dem der Protagonisten gemein. Ich mache mir über Vieles Gedanken, über das ich zuvor nicht nachgedacht habe, sehe die Gesellschaft durch neue Augen, fühle die Schwere, die in der Geschichte immer mitschwingt und werde doch nicht müde zu lesen. Wie auf einer Reise ins Unbekannte entdecke ich immer wieder Neues und alles zieht so schnell an mir vorbei, dass ich mich einfach nur von den vielen Eindrücken mitreißen lassen muss. Das Buch lässt sich schnell lesen, ist geschickt, einfühlsam und mit scharfem Blick geschrieben. Die kurzen Kapitel machen es mir leichter voranzukommen und die Geschichte immer wieder um einen neuen Aspekt zu ergänzen. Das macht Spaß, auch wenn mich das Thema erst von sich überzeugen musste.Eigentlich bin ich Bücher inzwischen Leid über DDR, Stasi, Nachwendezeit, Ungleichheit zwischen Ost und West und alles noch vermischt mit einer geheimnisvollen, tragischen oder komplizierten Familiengeschichte. Um all das geht es in diesem Roman. Warum ich das Buch trotzdem nicht aus der Hand legte, war die Stimmung, die so intensiv und authentisch war. Sie zog mich in ihren Bann, half mir die Protagonisten zu verstehen und brachte mich dazu an ihrem Leben Anteil nehmen zu wollen.So gab es mit diesem Buch viele ziellose, haltlose Raumfahrer. Sie alle waren dort unterwegs, weil eine ganz besondere Atmosphäre sie dorthin lockte. So auch mich. Wer sich auf dieses Abenteuer einlassen will, mit einer etwas schleierhaften Handlung leben kann und vor allem die Erzählung an sich genießen will, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

anni am 30.06.2021 22:06 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Jan und seine Familie

Jan ist ein junger Mann, der im Krankenhaus arbeitet. In dem Ort Kamenz, in dem er lebt, wird einiges geschlossen. Nun soll auch das Krankenhaus an der Reihe sein. Gemeinsam mit seinem Vater lebt er am Stadtrand. Eines Tages spricht ihn ein Stammgast des Krankenhauses an, der dort regelmäßig Anwendungen bekommt. Er hat etwas für ihn und möchte, dass Jan ihn besucht. Das macht dieser auch und der Alte, wie die Mitarbeiter des Krankenhauses ihn nennen, gibt ihm einen Karton, den dessen Vater für Jan zusammengestellt hatte. Jan öffnet den Karton und findet dort einige Informationen über die Familie Kern. Damit kann er wenig anfangen, aber er beginnt trotzdem, weiter zu recherchieren, was es mit dem Inhalt des Kartons auf sich hat und was die Familie Kern, zu der auch Georg Baselitz gehört, mit seiner eigenen zu tun hat. Dabei findet er einiges heraus, auch über die Vergangenheit in der DDR. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es geht um die Familiengeschichte von Jan, aber gleichzeitig erfährt man auch einiges über die DDR, wie es dort zuging und welche Macht dieser Staat auf seine Bürger ausgeübt hat. Das Buch ist sehr spannend geschrieben. Die Perspektiven werden immer wieder abgewechselt, was es spannend macht. Auch die Rückblenden tragen ihren Teil dazu bei. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der interessiert ist an Familiengeschichten und der Geschichte unseres Landes. Auch das Cover gefällt mir gut.

lisa31 am 29.06.2021 21:06 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Gutes Buch

Das Buch ist von außen für mich persönlich nicht so ansprechend. Wenn man das Buch gelesen hat ergibt sich aber auch ein Sinn aus der Gestaltung des Buches. Der Schreibstil ist gut aber leider nicht mein Geschmack. Der Autor erzählt immer im Wechsel aus unterschiedlichen Zeiten und aus dem Blickwinkel von unterschiedlichen Personen. Am Ende des Buches erkennt man den Zusammenhang all dieser Personen. Bis dahin war es Zeitweise etwas verwirrend für mich zu erkennen aus welcher Perspektive gerade erzählt wird. Es war interessant einige Details zu erfahren wie es damals in der DDR so war und wie die Leute da so gelebt haben. Auch wie der Geheimdienst sich unter die Menschen mischt und wie das Leben von 2 Familien dadurch beeinflusst werden konnte. Alles in allem ist es ein gutes Buch was ich allen empfehlen kann die sich dafür interessieren wie das Leben zu DDR Zeiten war.

gaia am 29.06.2021 18:06 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Die literarische Stimme einer Generation

Ich muss zu meinem Bedauern zugeben: Das Erstlingswerk von Rietzschel "Mit der Faust in die Welt schlagen" habe ich bisher noch nicht gelesen. Nach der Lektüre von "Raumfahrer" wandert es jetzt aber ganz weit nach oben auf der persönlichen Leseliste. Wenn es im Debütroman noch um die Radikalisierung ostdeutscher Jungendlicher ging, so beschäftigt sich der Autor im vorliegenden Werk mit einer schicksalhaft-verwobenen Geschichte zweier Familien, wie sie unterschiedlicher und gleichzeitig ähnlicher - durch die formell-staatlichen Umstände - kaum sein könnten. So verwebt der Autor die Geschichte von Jans Familie (Jan, 32 Jahre alt, noch kurz vor der Wende in Kamenz geboren) mit der des berühmten Malers Georg Baselitz (geboren 1938 in Deutschbaselitz, Nachbarort von Kamenz) und dessen Bruder Günter.Artischockenhaft entblättert der Autor die Zusammenhänge und schicksalhaften Zusammentreffen der Familien über einen Zeitraum vom Kriegsende 1945 bis hin in eine Zeit 30 Jahre nach der Wende. Das alles schafft er auf nur schmalen 288 Seiten mit einer herunterdestillierten Sprache, die aber gekonnt das jeweilige Lebensgefühl der Protagonisten aufleben lässt. Die Sprache entspricht vollständig dem "ostdeutschen Sprachgefühl" und liest sich unglaublich leicht runter. Noch nie habe ich mich im Schreibstil eines Autoren/einer Autorin so passgenau wiedergefunden. Klasse! Wie lakonisch der Autor die Landflucht in der ostdeutschen Provinz durch wenige Worte dingfest macht. Wie gekonnt er Parallelen zwischen historischen und psychologischen Zuständen heraufbeschwört. Diese Passage über das Werk Baselitz' in den 60ern und 90ern sowie der Befindlichkeiten der Menschen in diesen Abschnitten der Geschichte ist eine der unzähligen nennenswerten Stellen des Buches: "Nachkriegszeit und Nachwendezeit. Trümmer beseitigen, nicht nur Brocken und Steine eingestürzter Häuser. Nicht nur die Fundamente suchen und ihnen nachweinen. Gebäude ließen sich abtragen und aufbauen, Erinnerungen nicht. Schmerzen nicht. Ob tatsächlich empfunden oder eingebildet. Schmerzen wie Steine, weitergereicht in einer Menschenkette von Hand zu Hand, um sie abzuklopfen und eventuell wiederzuverwenden." Das Ganze gespickt mit einer Andeutung von trangenerativen Traumata. Wie gesagt: Klasse!Und Lukas Rietzschel scheint ein Allround-Talent zu sein, denn auch das Gemälde auf dem Cover stammt von ihm. Klassisch ostdeutsche Straßenlaternen erhellen die Kartoffeläcker des Arbeiter- und Bauernstaates vor dem Hintergrund einer aussterbenden Provinzstadt. (So meine Deutung). Ich bin vom Gesamtpaket überzeugt und ab jetzt ein Fan von Rietzschel.

daelyn am 29.06.2021 13:06 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein Schreibstil der fesselt.

"Mutter, Vater. Für Jan waren sie Raumfahrer. Schwebten in einer Zwischenwelt, ihrem Ausgangspunkt entrissen. Während sie schwebten, hatte sich die Welt schon ein Dutzend Mal weitergedreht."Lukas Rietzschel's Schreibstil ist etwas besonderes; gleichzeitig lyrisch und banal erzählt er von Jan's Erlebnissen. Jan, die Hauptfigur des Buchs, wurde 1989 geboren und arbeitet als Pfleger in einem Krankenhaus in Kamenz, welches kurz vor der Schließung steht. Kamenz, der Ort, in dem das Buch spielt, vermittelt mir (als jemand, der noch nie dort war) eine Tristesse, die fast schon greifbar ist. Jan bekommt von einem seiner Patienten eine geheimnisvolle Box voller Dokumente, und beginnt dadruch, anfangs widerwillig, sich mit seiner Vergangenheit und der seiner Eltern auseinanderzusetzen. Die offengelegten Geheimnisse zeigen viel von der zerrütteten Nachkriegszeit in Deutschland, die so lange so gerne totgeschwiegen wurde; sehr empfehlenswert!

throki am 29.06.2021 11:06 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Ein Stück Zeitgeschichte

Nachdem ich schon den ersten Roman von Rietzschel gelesen hatte, interessierte mich sein neues Buch auch sehr.Es geht um Jan, der als Helfer in dem Kamenzer Krankenhaus arbeitet, in dem der gelähmte Thorsten Kern seine Physiotherapie erhält. Jan fährt ihn in den Therapieraum, hilft beim An- und Auskleiden etc., doch dann gibt Thorsten ihm einen Karton mit Dokumenten und Fotos aus der Vergangenheit. Jan ist zuerst widerwillig, doch dann beschäftigt er sich mit den Papieren und entdeckt die Verbindung zu seinen Eltern. Kerns Vater war der Bruder von Georg Baselitz, dem berühmten Maler, aber die Verbindung ist abgebrochen.Rietzschel arbeitet auch in diesem Buch ein Stück DDR-Vergangenheit auf und das tut er in einer sehr nachvollziehbaren Art und Weise. Der Verlust der Arbeit, Stasi-Beziehungen und der Wertverlust der Erinnerungen spielen eine wichtige Rolle. Aber man schweigt vielfach über alles, was damals geschehen ist und kann es nicht aufarbeiten. Die Menschen sind im Grunde sehr einsam, starke Beziehungen gibt es kaum zwischen ihnen, Misstrauen prägt den Alltag immer noch.Der Autor springt zwischen den Zeiten hin und her, das fand ich anfangs verwirrend. Man muss sehr aufmerksam lesen, damit einem die Zwischentöne nicht entgehen, aber das ist ja kein Nachteil.Kein einfaches Buch, aber unbedingt lesenswert!

lotte im lesehimmel am 28.06.2021 13:06 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ideologien und Helden

Der Autor Lukas Rietzschel ist 1994 geboren, Jahre nach dem Mauerfall der DDR.Sein Roman "Raumfahrer"ist die Geschichte von Jan, der 1989 auf die Welt kommt. Jan wohnt im Keller des Hauses seines Vaters. Seine Mutter hat die Familie verlassen und ist mittlerweile verstorben.Jan arbeitet im örtlichen Krankenhaus, das geschlossen werden soll.Er betreut regelmäßig einen alten Patient im Rollstuhl und wird neugierig, als ihn der Alte nach Hause einlädt, um ihm einen Pappkarton mit Unterlagen und Fotos zu geben.Was verbindet ihn mit dem Alten und mit dem Künstler Georg Baselitz?Warum ist seine Mutter gegangen und ist an Alkoholismus zugrunde gegangen?Jan beginnt, nachzuspüren. Es stellen sich ihm mehr Fragen, als ihm Antworten gegeben werden, denn es gibt soviel Unausgesprochenes.Die Menschen wissen nicht mehr, wo sie hingehören, sie finden keinen Halt, alles ist in Bewegung. Rietzschels Romantitel "Raumfahrer" ist so treffend und er hat die Geschichte äußerst spannend geschrieben!

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Rietzschel ist derzeit eine der wichtigsten jungen Stimmen Ostdeutschlands.

Kevin Hanschke, 27.05.2022

Welt am Sonntag
Dieser Roman über die Lausitz verzahnt Nachwende- und Nachkriegszeit. Formstark.

Marc Reichwein, 17.10.2021

MDR
Lukas Rietzschel stellt die bisherigen Klischees auf den Kopf, dass man meinen könnte, die deutsche ...Geschichte sei bisher noch gar nicht geschrieben worden. mehr weniger

Torsten Unger, 19.09.2021

Deutschlandfunk
Kaum ein Autor schreibt derzeit empathischer über Männlichkeit.

Miriam Zeh, 02.08.2021

Deutschlandradio Kultur
Lukas Rietzschel gilt nicht nur als wichtige Stimme einer ganz jungen Generation von Schriftstelleri...nnen und Schriftstellern, sondern auch als Experte für Ostdeutschland. mehr weniger

Matthias Schürmann, 26.07.2021

Welt am Sonntag
Der Roman ›Raumfahrer‹ ist feine, große Literatur.

25.07.2021

Die Welt
Lukas Rietzschel schreibt szenisch kondensiert, ihm genügen wenige Sätze, um Stimmungen und Figuren ...zu zeichnen, manche Kapitel sind kaum mehr als Vignetten. mehr weniger

Marc Reichwein, 24.07.2021

MDR Kultur
Rietzschel gelingt eine komplexe Familiengeschichte vor dem Hintergrund der deutschen Teilung, es is...t eine vielschichtige Story. mehr weniger

Matthias Schmidt, 23.07.2021

Lesart
Dieser vielleicht finstere, aber auf jeden Fall frische Blick auf Vergangenheit und Gegenwart macht ...die­sen Roman lesenswert. mehr weniger

Matthias Schümann

ZeitZeichen
Die Erzählkunst liegt darin, dass hier so vieles in der Schwebe bleibt, auch stilistisch: Das Buch i...st jedenfalls teilweise Künstlernovelle, Stasidrama und insgesamt ein Nachwenderoman, der individuelle Figuren entwirft, die für exemplarische Erfahrungen stehen. mehr weniger

Thomas Groß

Die Rheinpfalz
Rietzschel ist eine wichtige literarische Stimme Ostdeutschlands. Von ihm ist noch Großes zu erwarte...n. mehr weniger

Gerhild Wissmann, 27.06.2022

Kreuzer
Als Meister der Ekphrase beschreibt Rietzschel nicht nur die einfachen Haushalte, wo man mit Scheuer...milch putzt, eingeschweißte Wurst isst und Dosenbier trinkt, so plastisch, dass man glaubt, mittendrin zu sein, sondern auch die Gemälde, die man danach betrachtet, wie alte Bekannte. mehr weniger

Rebecca Maria Salentin, 01.04.2022

soundsandbooks.com
Ein sehr lakonischer und nachdenklich stimmender Roman.

Gerárd Otremba, 29.12.2021

tip (Berlin)
Mit seinem zweiten Roman etabliert sich Lukas Rietzschel eindrucksvoll als ostdeutsche Stimme der nä...chsten Generation. mehr weniger

Welf Grombacher, 23.12.2021

Kölnische Rundschau
Der junge Autor Lukas Rietzschel horcht an den Gemütszuständen der Wende-Verlierer, beschreibt Atmos...phären nüchtern und genau. mehr weniger

18.12.2021

Mannheimer Morgen
Die Erzählkunst zeigt sich darin, dass hier so vieles in der Schwebe bleibt, auch stilistisch und fo...rmal. mehr weniger

Thomas Groß, 15.12.2021

vorwärts
Es ist ein Glück, dass es mit Lukas Rietzschel einen begnadeten Autor gibt, der diese Fragen stellt.

01.12.2021

Abendzeitung
Lukas Rietzschel taucht in seinem zweiten Roman ›Raumfahrer‹ erneut in spannende ostdeutsche Lebensw...elten. mehr weniger

Oliver Pfohlmann, 18.10.2021

Landshuter Zeitung
Mit seinen Widersprüchen und seiner Orientierungslosigkeit erinnert dieser Vater seinen Sohn an die ...Figuren in den Gemälden Georg Baselitz', auf dem Kopf stehend, haltlos im Nichts treibend. mehr weniger

Oliver Pfohlmann, 16.10.2021

Westfälischer Anzeiger
Mit dem Roman ›Raumfahrer‹ schlüsselt Rietzschel ein ostdeutsches Lebensgefühl auf.

25.09.2021

Kreiszeitung
Mit dem Roman ›Raumfahrer‹ schlüsselt Rietzschel ein ostdeutsches Lebensgefühl auf.

Achim Lettmann, 25.09.2021

Märker
Ein ehrliches, wichtiges Buch über das Land, in dem wir leben.

18.09.2021

General-Anzeiger
Lukas Rietzschel (27) gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen aus dem Osten Deutschlands.... mehr weniger

Roland Mischke, 04.09.2021

ensuite
Ein Roman, der sicherlich hohe Wellen schlagen wird.

01.09.2021

Buchkultur
In »Raumfahrer« wird völlig ohne Kommissare oder irreale Elemente und allein durch die Dramaturgie e...ine Spannung aufgebaut, die so manchen Thriller hinter sich lässt [...]. mehr weniger

Christa Nebenführ, 26.08.2021

Der Tagesspiegel
Das starke Werk eines talentierten Autors, von dem noch einiges zu erwarten ist.

Oliver Pfohlmann, 24.08.2021

Mitteldeutsche Zeitung
Wie Lukas Rietzschel erzählerisch das Fernglas auf die Nahvergangenheit richtet, ist ein vitales Stü...ck Literatur. mehr weniger

Christian Eger, 23.08.2021

Buchprofile/medienprofile
Lukas Rietzschel hat mit seinem zweiten Roman abermals eine gelungene Talentprobe vorgelegt, einen e...rzählerischen Versuch zwischen Vergangenem und Neuem, Kunst und Politik, Leben und Erinnern. mehr weniger

Michael Braun, 18.08.2021

Deutschlandfunk Kultur
In kurzen hingetupften Sätzen, prägnant, voller Spannung, mit Rhythmus und starken Bildern verknüpft... Lukas Rietzschel das Schicksal der Generationen dieses Landes. mehr weniger

Johannes Nichelmann, 18.08.2021

tam.tam Das Stadtmagazin für Erfurt & Region
›Raumfahrer‹ ist sowohl komplexes Familiendrama als auch authentische Milieustudie des erst unglückl...ich geteilten, dann unglücklich wiedervereinigten deutschen Ostens. Groß erzählt - Lesetipp! mehr weniger

13.08.2021

dpa
Rietzschel trifft einen Ton, der berührt.

Birgit Zimmermann, 11.08.2021

Eßlinger Zeitung
Aus dieser Perspektive hat man auf den Prozess einer ostdeutschen Identitätsbildung noch nicht gebli...ckt. mehr weniger

Stefan Kister, 07.08.2021

Podcast F*luxx
Lukas Rietzschel] vermeidet den Eindruck, es gebe eine gültige Erzählung oder Erinnerung über das Le...ben in und nach der DDR. Gerade dieses Ringen um Gerechtigkeit im Blick auf die Geschichte überzeugt. mehr weniger

Martina Läubli, 07.08.2021

Süddeutsche Zeitung
Es gehört zu Rietzschels sparsamer Erzählweise, vieles nur anzudeuten und die Einzelheiten hart nebe...neinander stehen zu lassen. Er schreibt in kurzen, stakkatohaft hingetupften Sätzen. Das macht den Reiz dieses spröden Romans aus. mehr weniger

Jörg Magenau, 06.08.2021

Kölner Stadt-Anzeiger
Das große literarische Potenzial und die eigene Stimme des jungen Autoren, der in Görlitz lebt, sind... nicht zu überlesen. mehr weniger

Sarah Brasack, 06.08.2021

ZDF
Lukas Rietzschel ist einer der talentiertesten Schreiber seiner Generation. Raumfahrer ist ein brill...antes Buch, in dem er das macht, was er am allerbesten kann: Er erzählt ostdeutsche Familiengeschichte, Scheibe für Scheibe, fein seziert, wie beim Häuten mehr weniger

Markus Lanz, 05.08.2021

kulturnews.de
Vor allem aber brennen sich die Worte ein, die er findet, um die Gemälde von Georg Baselitz zu besch...reiben: Sie machen ein Verlorengehen in der Geschichte fühlbar. mehr weniger

Buch der Woche, 27.07.2021

Märkische Oderzeitung
Mit seinem Roman ›Raumfahrer‹ landet Lukas Rietzschel jetzt den zweiten großen Streich.

Welf Grombacher, 24.07.2021

Münchner Merkur
Ein spannendes, bewegendes Werk über die Folgen der DDR, die sich durch die Lebensgeschichten der Ge...nerationen wie Erbgut ziehen. mehr weniger

24.07.2021

Sächsische Zeitung
Liebe, Krimi, Kunst und die Brüche der jüngeren deutschen Geschichte, all das verbindet der neue Rom...an von Lukas Rietzschel spannend und provokant zugleich. mehr weniger

Karin Grossmann, 22.07.2021

NEWSBEREICH

Aktuelles

Preise & Auszeichnungen

Lukas Rietzschel erhält den Literaturpreis „Text und Sprache“ 2023 des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft für seinen Roman „Raumfahrer“

Wir gratulieren unserem Autor!

Auszug aus der Jurybegründung: „Mit Lukas Rietzschel erhält ein noch junger Autor den Literaturpreis Text und Sprache 2023, der insbesondere mit seinem zweiten Roman „Rau...mfahrer“ (2021) außergewöhnliche Genauigkeit in seinem Erzählen mit einer starken thematischen Auseinandersetzung verbindet. (...)"

Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet im Oktober 2023 im Rahmen der Jahrestagung des Kulturkreises in Mannheim statt.

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