Beste Freundinnen, die unzertrennlich sind. Und um niemals getrennt zu werden, gehen Miv und Sharon auf die Spurensuche nach dem Mörder, der ihr Heimatort Yorkshire unsicher macht ...
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Unser Buch der seltsamen Dinge
Miv und ihre beste Freundin Sharon sind unzertrennlich. Als Mivs Vater mit der Familie wegziehen möchte, bricht für sie eine Welt zusammen. Eine brutale Mordserie hält Yorkshire in Atem, doch ihr Zuhause und Sharon hinter sich zu lassen, kann Miv sich trotzdem nicht vorstellen. Egal, wie seltsam es dort auch geworden ist, seitdem ihre Mutter aufgehört hat zu sprechen und Tante Jean sich nun um alles kümmert.
»Was wäre, wenn der Mörder gefasst würde?, fragte ich mich, als ich allmählich eindöste. Was, wenn die Morde aufhörten? Und wir hierbleiben könnten? Dann müsste ich Sharon nicht zurücklassen, und wir könnten für immer beste Freundinnen bleiben.«
Also beginnen die beiden Mädchen, auf eigene Faust die Menschen in ihrer Nachbarschaft zu beobachten – und setzen dabei Dinge in Gang, die alles verändern werden.
Einfühlsam und klug erzählt Jennie Godfrey von Familie, Freundschaft und Zusammenhalt und eröffnet ein weites Gesellschaftspanorama, voll ergreifender Schicksale und liebenswerter Figuren.
»Packend und bewegend.« The Guardian
Bibliografische Daten
1. Auflage
Jennie Godfrey
Jennie Godfrey ist in Yorkshire geboren und aufgewachsen. Ihr Debüt ›Unser Buch der seltsamen Dinge‹ war in Großbritannien ein sensationeller Erfolg und stand wochenlang an der Spitze der ›Sunday Times‹-Bestsellerliste. ›Das Gartenfest‹ ist ihr zweiter Roman.
8 - 10 von 111 Leserstimme
Die Welt von Yorkshire gegen Ende der 1970er Jahre und zwei Freundinnen auf Ripper Jagd
Yorkshire Ende der 1970er Jahre, die Lage der kleinen Leute wird nicht besser zu dieser Zeit, Margaret Thatcher hat das Ruder übernommen, weniger Staatsausgaben und freier Markt und vor Ort treibt ein Frauenmörder sein Unwesen, Yorkshire-Ripper genannt. Die 12-jährige Miv lebt hier und es ist ganz und gar ihr zuhause. Innerhalb der Familie ist es nicht leicht. Alles ist anders geworden, seitdem ihre Mutter, ihre warmherzige sie einst umsorgende Mutter augehört hat zu sprechen und sich auch sonst weitgehend zurückgezogen hat vom Leben. Daher ist ihre Tante bei ihnen eingezogen und hält nun 'den Laden' auf ihre bestmögliche Art am Laufen. Doch da ist Bedrückung und eines Abends reden Vater und Tante darüber, hier wegziehen zu wollen. Das erschreckt Miv sehr. Sie will bleiben, bei ihrer Freundin Sharon, mit der alles leichter ist, was geschieht. Und sie beschließt, dies abzuwenden, indem sie den Ripper fängt. Denn dann ist es doch wieder sicher und für alle gut. Und so macht sie sich mit Sharon an ihrer Seite ans Beobachten und schreibt alles, was ihnen beiden merkwürdig erscheint, akribisch auf.Was dabei herauskommt, ist eine sehr eigene vom Flair Yorkshires getragene Geschichte, vordergründig ein jugendlich geprägter Kriminalroman, aber in Wirklichkeit so ganz viel mehr. Es ist ein Blick hinter die Fassaden der kleinen grauen Häuser, in denen die Menschen leben, mit all ihren großen und kleinen Problemen, den Macken und Angewohnheiten, harmlos oder auch nicht, marottig, liebenswert, manchmal jedoch auch gravierend ernst bis hin zu häuslicher Gewalt und mehr. Und wir als Leser nehmen das sehr ruhig und vielleicht manchmal etwas zu beschaulich vorwiegend aus diesen Kinderaugen wahr, wobei aus Miv und Sharon im Laufe der Zeit und der Ereignisse ganz langsam eben auch Menschen werden, die sich hin zum jugendlich erwachsensein entwickeln. Und die zwischendurch eingetreute Sicht der wirklich Erwachsenen rückt ein paar Dinge dann auch wieder passend zurecht. Das Ende dazu, es passt zu diesem Buch, das so schön anders daherkommt und zudem eine Antwort gibt, auf eine Frage, die man eigentlich so ziemlich von Anfang an im Hinterkopf trägt.Berührend und seltsam, auf positive Art und in mehr wie einer Hinsicht, diese Geschichte erfreut einen, trotz der auch schweren Themen, sehr.
Wunderschönes Buch!
Ich hab den Klapptext hinten auf dem Buch gelesen und wusste, das wird mein Buch! Ich meine, es heißt ja sogar, unser Buch der seltsamen Dinge! Das kann ja nur ein tolles Buch werden! Und ich kann schon jetzt sagen, ich wurde nicht enttäuscht! Miv hat es nicht leicht in ihrem Leben. Seid ihre Mutter verstummt ist, ist ihr Vater quasi alleinerziehend und wird unterstützt von der Tante. Zum Glück hat Miv ihre beste Freundin Shanon. Doch dann geschieht etwas schreckliches, der Vater von Miv beschließt mit der Familie umzuziehen! Das ist besser so, denn ein Ripper geht um und die Menschen in Yorkshire leben in Angst und Schrecken. Miv möchte aber auf keinen Fall ihre Freundin verlieren und beide kommen auf die Idee den Ripper zu entlarven und zu fangen! Endlich mal wieder ein Buch weswegen ich lesen so sehr liebe! Ein Buch das bewegt, das mich zum schmunzeln gebracht hat und das spannend und toll geschrieben war! Eine tolle Reise zweier Mädels die unterschiedlicher nicht sein können, die aber zusammen eine wundervolle Beziehung haben! Die Geschichte startet eigentlich sofort ab Seite 1. Ich war gleich mitten drin und die Art der Autorin zu schreiben hat mich gleich begeistert und mitgerissen! Ich habe es geliebt und ich hätte mir einige Seiten mehr gewünscht! Die Charaktere im Buch sind so schön gewählt und stimmig! Die Geschichte wird hauptsächlich von Miv erzählt, aber es gibt auch immer wieder Blickwinkel von den anderen rollen im Buch! Beide Mädels machen sich ja auf die Suche nach dem Ripper, ob sie ihn finden bleibt ein Geheimnis, finden tun die beiden auf alle Fälle viele Familiengeheimnisse, Tragödien und Schicksale! Das Ende hat mich sehr mitgenommen und tatsächlich hätte ich mir das was leichteres gewünscht! Aber ich bin absoluter Fan! Ein Mega tolles Buch!
Liebenswert und authentisch
Die Autorin entführt den Leser mit „Das Buch der seltsamen Dinge“ in die britische Stadt Yorkshire der späten 70er Jahre und schafft es mühelos, die Atmosphäre dieser Zeit lebendig werden zu lassen. Man spürt förmlich, dass die Autorin selbst hier gelebt hat, denn die Schilderungen sind so authentisch und detailreich, dass man das Gefühl hat, direkt in das damalige Leben einzutauchen. Die beschriebenen Umstände und das Alltagsleben wirken so realistisch, dass man sich gut vorstellen kann, wie es gewesen sein muss, in dieser Zeit zu leben. Diese ist dabei geprägt von einem Strukturwandel, den die Bewohner der Stadt als zunehmenden Verfall wahrnehmen.In dieser Umgebung wächst die junge Miv auf, aus deren Perspektive das Buch hauptsächlich geschrieben ist. Sie hat sich fest vorgenommen, ihre Familie in ihrer geliebten Stadt zu halten. Ihr Vater spielt mit dem Gedanken, wegzuziehen, was Miv auf keinen Fall zulassen möchte, da sie ihre Heimat und vor allem ihre beste Freundin nicht verlieren will. In ihrer kindlichen Überzeugung glaubt sie, dass der Serienmörder, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt, der Grund für die Umzugspläne ihres Vaters ist. Entschlossen, dieses Problem zu lösen, überredet sie ihre Freundin, eine Liste aller merkwürdigen und verdächtigen Vorfälle zu führen. Gemeinsam werfen sie immer wieder einen Blick hinter die Fassade der scheinbar normalen Bewohner ihrer Stadt und enthüllen dabei das ein oder andere Geheimnis.Die Freundschaft zwischen Miv und ihrer Freundin Sharon spielt eine große Rolle und wird wunderbar liebevoll und authentisch dargestellt. Der Leser begleitet die beiden durch Höhen und Tiefen, die sie während dem Übergang in das Teenager-Alter erleben. Auch die Nebenfiguren sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und tragen maßgeblich dazu bei, dass man tief in die Handlung eintauchen kann. Denn gerade durch diese Nebenfiguren werden auch ernste Themen angesprochen, die mit viel Gefühl aus der kindlichen Sicht erzählt werden. Man erlebt mit, wie die düsteren Ereignisse die Kinder weniger naiv und zunehmend erwachsener machen. Diese kindliche Perspektive wird durch die Sichtweisen der Erwachsenen perfekt ergänzt, was dem Buch die notwendige Ernsthafigkeit verleiht. Manchmal wünscht ich mir noch mehr über die ein oder andere Nebenfigur zu erfahren. Das Ende des Buches ist emotional berührend und hat mich sogar zu Tränen gerührt, was bei mir selten vorkommt. Fazit: Die Autorin hat mit Miv eine unvergessliche kleine Hobbydetektivin geschaffen, die man gerne bei ihrem Übergang in das Teenageralter und ihrem Abenteuer begleitet. Ihre Geschichte ist äußerst herzerwärmend und regt teilweise auch zum Nachdenken an. Der flüssige Schreibstil der Autorin unterstützt dieses Erlebnis und ließ mich nur so durch die Seiten fliegen.Man sollte hier allerdings keinen hohen Spannungsbogen erwarten, da die Entwicklung der Charaktere im Vordergrund steht und die Handlung ruhig verläuft. Für mich war es definitiv ein lesenswertes Buch, das es mit den liebenswerten Figuren geschafft hat, das Herz zu berühren.
Beinah prophetisch
Jenny Godfreys „Unser Buch der seltsamen Dinge“ beginnt leicht wie ein Jugendbuch, mäandert durch diverse Genres und lässt einen konsterniert zurück, und das obgleich die Handlung fix umrissen ist, denn die zwölfjährige Miv hat mit zwei Dingen zu kämpfen: der Krankheit ihrer Mutter und einer Mordserie, aber sie hat einen Ankerpunkt, ihre Freundin Sharon. Daraus „ergibt“ sich der Rest, der an die Geschichte des Yorkshire Rippers angelehnt ist. Dieser Serienmörder ermordete in den späten 1970er Jahren zahlreiche Frauen und trägt in keiner Weise zur Attraktivität der langsam herunterkommenden Gegend bei. All diese Umstände veranlassen Mivs Familie, wegziehen zu wollen, was sich die Mädchen nicht bieten lassen wollen und deshalb versuchen wollen, den Mörder zu stellen. Dazu setzen sie auf ihre ganz eigenen „Ermittlungsmethoden“, die jedoch manch anderes zutage fördern …Warum blieb ich konsterniert zurück? Weil es beinah etwas Prophetisches/Tragisches hat, diese Geschichte zu einer Zeit zu lesen, wo in Großbritannien Unruhen Polizei, Land und Regierung in Atem halten; weil so viel, was in dieser Geschichte vorkommt, dort genau jetzt passiert: Es geht um ehemals blühende Gegenden in UK, die nun darniederliegen, es geht um Mobbing in der Schule, Rassismus, Gewalt, meist in ihren alltäglichen Formen, aber auch Freundschaft, erste Liebe. Da die Geschichte in weiten Teilen aus Mivs Sicht erzählt wird, kann Godfrey manches lange im Dunkeln lassen, wie etwa die Umstände, die dazu führten, dass Mivs Mutter an sich nur noch physisch anwesend ist. Außerdem kann die Autorin durch diese Sicht aus den Augen eines Kindes „leichter“ ihre schwer verdaulichen Themen aufbereiten, obwohl Miv wie so viele „Young Carers“ deutlich reifer wirkt, aber natürlich auch ihre kindlichen Sichten hat. Das Genre ist schwer zu greifen: ein bisschen Jugendbuch (mich erinnerte der Beginn ein wenig an „Dolly“ – warum auch immer …), ein bisschen Krimi (der Ripper bzw. die Recherchen), etwas mehr Familiengeschichte bzw. Sozialstudie (Mivs Familie und die Menschen, über die die Mädchen „Buch führen“), gespickt mit einer Prise britischen Humors. Der macht die teils haarsträubenden Schilderungen etwas erträglicher – ebenso wie Godfreys Grundthese, dass echte Freundschaft einen trägt. Wenngleich es eine Weile dauerte, bis ich mich – auch des Genremix‘ wegen – eingelesen hatte, ragt „Unser Buch der seltsamen Dinge“ aus der Fülle der Neuerscheinungen heraus und hallt vermutlich lange nach.
Die Geheimnisse hinter Yorkshires Türen
Die Autorin Jennie Godfrey ist in Yorkshire aufgewachsen. Ihre Kindheit wurde von den Ereignissen, die den Hintergrund ihres Debütromans bilden, sehr geprägt. Ich könnte mir schon vorstellen, dass sie viel von ihren eigenen Gefühlen in dem Alter der 12 jährigen Miv, der Erzählerin der Geschichte, mitgegeben hat.Wir tauchen ein in das Jahr 1979 in Yorkshire, im Norden Englands. Die Konservativen haben gerade die Unterhauswahlen gewonnen. Margaret „Maggie“ Thatcher wird Premierministerin des Landes. “Maggie, The Milk Snatcher“ tituliert man sie, weil sie den Kindern die Schulmilch nimmt. Für die Menschen in Yorkshire sind die Zeiten nach dem Strukturwandel und der Deindustrialisierung in den 60iger und 70iger Jahren finster. Nur die alten, leer stehenden Fabrikruinen erzählen noch die Geschichte einer blühenden Textilindustrie und des Bergbaus. Die „Eiserne Lady“ Thatcher bringt nur noch mehr Armut, Arbeitslosigkeit und Abwandern der Industrie.Bislang haben die Leute in den kleinen Gemeinden die Häuser nicht abgeschlossen, die Kinder spielten vom Morgen bis zur Abenddämmerung draußen, die Nachbarn tratschten und klatschen bei einer Tasse Tee. Wir sehen nun wie sich der Alltag auch hier verfinstert, denn es geht ein Serienmörder um. Nein, der Yorkshire Ripper, der 13 junge Frauen brutal ermordete und 7 weitere versuchte zu töten, ist leider keine Fiktion, sondern Teil der realen Hintergründe des Romans. Es ist keine Überraschung, dass die Frauen in Yorkshire sich von diesem Monster bedroht fühlen, sich als ängstlich und verletzlich empfinden, besonders, wenn sie allein oder nachts unterwegs sind. Es sind Jahre der Angst, die die Frauen und die Familien teilweise lebenslang prägen.In dieser finsteren Atmosphäre, der Situation des Niedergangs und der Bedrohung baut die Autorin ihre Szenerie auf: die Schule, ein Laden an der Ecke, die Kirche, die unterschiedlichen Wohngegenden, die Kulisse der verfallenen Industriegebäude.Ein wohltuender Kontrast ist, dass wir daneben auch ein bisschen nostalgisch in das Leben am Ende der 70iger Jahre aufgefangen werden. Die Kinder spielen noch sehr frei und unkontrolliert, für Teenager ist die „Röhrenjeans“ das Must-have, die beiden Protagonistinnen gehen gerade über von der Zeit mit der Holly-Hobbie-Puppe zum ersten Glitzer-Lipgloss. In dieser Umgebung wächst also die Hauptperson der Geschichte auf: die 12jährige Mavis, genannt Miv. In ihrem Haushalt lebt der Vater und dessen Schwester Tante Jean. Die Tante ist zu ihnen gezogen, weil sich Mivs Mutter offensichtlich in einem psychischen Ausnahmezustand befindet. Seit zwei Jahren scheint sie im Haus nur teilnahmslos und stumm vor sich hin zu vegetieren, wenn sich nicht wieder einen ihrer regelmäßig notwendigen Aufenthalte im Krankenhaus hat. Mivs Vater verdrückt sich gern abends mal aus dieser Situation, z.B. auf ein schnelles Bier in den Pub. Doch Mivs Leben ist liebevoll und behütet.Tante Jean : „There’ll be trouble at t’mill“ ist nicht glücklich über Thatcher und den Niedergang Yorkshires und mit der Situation durch den Serienmörder schon mal gar nicht. Die Bedrohung durch den Yorkshire-Ripper macht auch ihnen zu schaffen, als Miv heimlich ein Gespräch zwischen ihrem Dad und Tante Jean belauscht. Hört sie recht? Die beiden erwägen einen Umzug, fort von Yorkshire? Das würde den Verlust von Mivs bisherigem Leben bedeuten! Oh nein! Was würde aus ihrer Heimat, in die sie verwurzelt ist, Cricket, der geliebten Freundin Sharon? Unvorstellbar! Denn neben allen Problemen gibt es hier viele liebenswerte Menschen. Mivs rettender Gedanke ist, die Identität des Mörders selber auf eigene Faust aufzuklären. Dann gäbe es keinen Grund mehr für einen Umzug. Schließlich hat sie ja die „5 Freunde“-Bücher verschlungen!Inspiriert von Tante Jean, die ihr ganzes Alltagsleben mit Listen für alles und jedes strukturiert, startet Miv eine eigene Liste der auffälligen Dinge. Hier führt sie Buch über die Menschen, mit denen sie in Kontakt kommt und hofft so, dem Ripper auf die Spur zu kommen. Ihre beste Freundin Sharon hat Miv enthusiastisch zur Mitarbeit überredet. Bald ist Miv von ihrer Idee vollkommen besessen. Miv erzählt von den „Ermittlungsarbeiten“ über einen längeren Zeitraum. Es ist eine Zeit des Umbruchs zur Jugendlichen. Natürlich verändert sie sich. Im Laufe der Zeit werden aus Miv und Sharon Teenager. Während Miv sich auf ihre Verfolgungsidee fixiert, merkt sie, dass Sharon allmählich erwachsener wird. Ihre berührende Freundschaft öffnet sich für zwei tolle Jungs, dem pakistanischstämmigen Ishtiaq. und Paul. Doch die Liste wird das Geheimnis der Mädchen bleiben.Abwechselnd mit den Kapiteln aus Mivs Sicht, erleben wir in weiteren Kapiteln die Blickwinkel von Erwachsenen, auf die Mivs scharfes Auge des Verdachts fällt. Denn die Leute in ihrem Ort sind nicht so harmlos, wie sie an der Oberfläche erscheinen. Manche Wahrheiten sind dann schwer zu ertragen. Miv stochert herum, bringt Dinge in Gang, die sich selbst weiter entwickeln. Mal in positive Richtungen aber auch in negative. Aber sie muss auch viele „seltsame Dinge“ revidieren, weil sich die Verdachtspersonen als harmlos, liebenswert, warmherzig und absolut unschuldig herausstellen. Miv lernt fürs Leben. FazitDas farblich positiv anmutende Cover stellt ein kleines Rätsel dar, was wir nun gut lösen können. Die Zettel ordnen wir Mivs Liste zu, die Milchflaschen Mrs. Thatcher. Was will uns der Rabe sagen? Mag man ihn als dunklen Boten sehen? Ich schätze Raben eher als clevere helle Köpfe, Knobler und Problemlöser. Vielleicht findet ihr die Lösung. Der Roman erzählt eine Coming-of-age-story aber auch eine kleine Gesellschaftsstudie vor recht deprimierenden, düsteren Hintergrund. Dabei hat man nie das Gefühl, dass dies Miv vollkommen herunterzieht. Miv ist durchaus klar, wie nah und gefährlich die Bedrohung ist, vor allem als sie erfährt, dass das 19 jährige Opfer Josephine Whitaker aus Halifax nur wenig älter ist als sie. Aber sie hat eine gewisse Resilienz entwickelt. Mit Miv hat die Autorin eine unvergessliche Hobbydetektivin geschaffen. Sie hat diesbezüglich einen guten Instinkt, auch wenn sie nicht immer versteht, was sie da eigentlich aufgedeckt hat. Interessant ist, dass sie aber den Blick auf ihr eigenes Zuhause bis zuletzt vermeidet. Anfangs ist sienoch sehr naiv, aber sie macht eine nachvollziehbare Entwicklung durch. Die Blickwinkel der erwachsenen Charaktere in einzelnen Kaptieln fand ich erhellend und nachvollziehbar. So wird manches klar, was Miv noch nicht interpretieren kann. Manche Charaktere hätten aber noch mehr Aufmerksamkeit verdient.Ein Charakter, der nie dargestellt wird, aber immer wie ein Schatten über allem schwebt, ist der sogenannte „Yorkshire Ripper“. Er vernichtete nicht nur das Leben der ermorderten Frauen, sondern raubte auch tausenden von Frauen ihr Recht, sich sicher zu fühlen und frei zu bewegen. Das ist in der Geschichte durchaus zu spüren. (Der Täter Peter Sutcliffe wurde von der Polizei 1981 gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt.)In die Handlung sind auch einige dunkle Realitäten einer kleinbürgerlichen Gesellschaft verwoben wie Mobbing, Rassismus, häusliche Gewalt Ausgrenzung, Pädophilie, Sexismus, Bigotterie, Ehebruch, Suizid, Alkoholismus. Miv stochert halt in alle dunklen Ecken und wird mit harten Tatsachen über ihre Mitmenschen konfrontiert. In dieser geballten Form hat man manchmal das Gefühl, dass es Miv förmlich anzuziehen scheint. Wie gut ist es, dass sie auch die positiven Überraschungen, Mitgefühl, Liebe, Zusammenhalt und Solidarität erlebt.Der Schreibstil ist sehr angenehm und nie zu kindlich, wenn aus Mivs Sicht erzählt wird. Allerdings ist mir das Erzähltempo manchmal etwas zu langatmig gewesen, da hätte mehr Tempo gutgetan. Bei Miv fehlen auch die gelegentlich frechen Kommentare eines Teenagers. Sie ist schon sehr Ich- bewusst und wenig impulsiv, ansonsten ist sie ein sehr liebenswerter Charakter. Ein wunderbares Buch für diesen Sommer! Ich würde es als Buch für Jugendliche und Erwachsene bezeichnen, denn beide können es mit Spannung und Freude lesen.
tiefgehend und spannend
"Das Buch der seltsamen Dinge" der britischen Autorin Jennie Godfrey hat einen festen Platz in meinem Bücherregal mit den "besten Büchern" erobert.Auf 455 unterhaltsamen Seiten tauchen wir in das Leben im britischen Städtchen Yorkshire ein, in dem Ende der 70-er/Anfang der 80-er Jahre ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Das Buch wird großenteils aus der Perspektive der 12-jährigen Miv geschrieben, ergänzt durch Kapitel über weitere Hauptpersonen des Buches. Miv, die unter schwierigen Familienverhältnissen leidet, beschließt mit ihrer allerbesten gleichaltrigen Freundin Sharon den Yorkshire-Ripper aufzuspüren. Sie beobachten daher ihre Mitbürger, Nachbarn, sogar Familienmitglieder und notieren alle "seltsamen Dinge" die ihnen in diesem Zusammenhang auffallen, in ihrem dafür auserwählten Notitzbuch.Die Autorin schafft es geschickt , uns in die kleinbürgerliche und ärmliche Welt der Miv zu entführen. Viele absonderliche Gestalten tauchen auf und ein Kaleidoskop von Alltäglichem und Besonderen wird sichtbar. Viele Themen werden angesprochen: offener und auch verborgener Rassismus, die einschränkende Rolle der Frau als Mutter und Ehefrau, Gewalt in der Ehe, Pädophilie, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit,Krankheit und Tod; aber auch tiefe Freundschaft, Hilfsbereitschaft und die erste Liebe spielen eine große Rolle. Das Buch ist trotz der vielen tiefgehenden Themenbereiche nicht überfrachtet. Es läßt sich sehr gut und flüssig lesen und wirkt noch lange nach.
Der nächste Punkt auf der Liste
Das Buch ist sowohl ein Coming-of-Age- als auch ein All-Age-Roman, obwohl der Verlag es als Jugendbuch deklariert hat - Erwachsene lesen es durchaus ebenfalls mit Gewinn.Miv beschließt aus ihrer häuslichen Misere heraus gemeinsam mit ihrer wesentlich bessergestellten Freundin Sharon, dem Yorkshire-Ripper auf die Schliche zu kommen. Zu diesem Zweck zeichnen sie in Listen auf, was sie an Menschen ihres Umfelds beobachten. Das führt zunächst nicht zur Aufklärung der Mordfälle, sondern zu Erkenntnissen ganz anderer Art. In der erzählten Zeit der Thatcherjahre in Großbritannien herrschen allenthalben beklagenswerte Zustände: sich ausbreitende Arbeitslosigkeit, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Mobbing an den Schulen sowohl durch Schüler als auch durch Lehrer. Daraus ergibt sich für die beiden immer wieder Handlungsbedarf, und sie bringen sich ein zum Nutzen so manchen Außenseiters.Über ihrer Familie schwebt die rätselhafte Krankheit, die ihre ehemals lebenslustige Mutter schier lähmt und deren Erklärung man sich als Leser lange vergeblich wünscht, wie ein Damoklesschwert.Vordergründig wühlen sich die beiden Mädchen wie Katalysatoren durch das Geschehen und setzen so etwas wie einen chemischen Prozess in Gang, bei dem jeder mit jedem reagiert und am Ende nichts so bleibt wie zuvor. Es geht leider nicht ohne fürchterliche Verluste ab, aber zum Schluss haben alle Beteiligten und damit auch wir unseren Horizont gewaltig erweitert. Bis dahin hat mich der Spannungsbogen der vielfältigen Verwicklungen durchweg in Atem gehalten, bis Jennie Godfrey schließlich den Knoten auf sehr geschickte und überzeugende Weise schürzt.
Miv Marple ermittelt
Miv und Sharon sind Ende der 70er Jahre Kinder kurz vor dem Teenageralter und wohnen in Yorkshire. Der Yorkshire-Ripper geht um, und da Miv annimmt, dass er und die Gefahr, die von ihm ausgeht, mit ein Grund für die Umzugspläne ihrer Familie sind, muss sie dem Mörder auf die Spur kommen. Miv und ihre beste Freundin Sharon legen eine Liste mit ihnen verdächtigen Personen und unheimlichen Orten an und untersuchen diese genauer. Dabei decken sie allerhand Geheimnisse auf und knüpfen neue Freundschaften und zerstören bestehende Beziehungen. Und dabei legen sie, die eine schneller, die andere langsamer, ihre Kindheit ab, und ihre Freundschaft verändert sich.Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich habe bei jedem Satz mit Miv mitgefiebert. Die immerhin 455 Seiten wurden mir nicht zu lang. Nur der Schluss, der auf Friede-Freude-Eierkuchen hingebogen wird, obwohl manches nur schrecklich ist, ging mir ein bisschen auf die Nerven. Hoffen wir, dass die Autorin Jennie Godfrey weitere Bücher schreibt und nicht zu ihrem früheren Beruf in der Wirtschaft zurückkehrt!
Die Yorkshire Morde aus der Sicht eines Kindes
Das Buch spielt in den 70er- und 80er-Jahren in einer ärmlichen Gegend von Yorkshire, England, wo ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Die Familie der zwölfjährigen Miv verfolgt die Ereignisse besorgt und denkt über einen Umzug nach, der für die kleine Miv jedoch überhaupt nicht in Frage kommt. So beschließt sie, gemeinsam mit ihrer besten Freundin Sharon auf eigene Faust den "Yorkshire Ripper" zu suchen und zu enttarnen. Auf ihren abenteuerlichen Ermittlungen entdecken sie nicht nur Hinweise auf den Serienmörder, sondern auch unerwartete Geheimnisse über ihre Mitmenschen.Nachdem ich bereits eine Dokuserie über den Yorkshire Ripper gesehen hatte, fand ich es besonders interessant, diesen Fall aus der Perspektive eines Kindes zu erleben. In "Unser Buch der seltsamen Dinge" steht vor allem die tiefe Freundschaft der beiden Mädchen im Vordergrund, ihre Sicht auf die Geschehnisse und wie sie damit umgehen.Obwohl ich anfangs skeptisch war, da ich normalerweise ungern Bücher aus der Sicht von Kindern lese, insbesondere bei solch ernsten Themen, hat die Autorin es geschafft, die Emotionen und die Mordfälle authentisch miteinander zu verbinden. Das Buch konnte mich von Anfang bis Ende fesseln - von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung!
Über Mut und Neugier
Miv ist 12 Jahre als und lebt mit ihren Eltern und ihrer Tante in Yorkshire. Miv lebt in einfachen Verhältnissen, doch ihre Freundschaft zu Sharon macht sie glücklicher, als es alles Geld der Welt könnte. Als Miv's Vater andeutet, dass die Familie vielleicht umziehen wird, ist Miv todunglücklich. Doch ihr Vater macht sich Sorgen um die drei Frauen im Haus, denn der Yorkshire Ripper, der schon etliche Frauen angegriffen und getötet hat, wurde noch immer nicht gefasst. Eigentlich kein Thema, mit dem Miv sich beschäftigen sollte, und doch hat sie sich in den Kopf gesetzt, den Ripper zu finden - und so ihre Freundschaft mit Sharon zu retten. Die Mädchen beginnen also, Beobachtungen anzustellen, zu recherchieren und ihre Erkenntnisse zusammenzutragen. Dabei erfahren sie automatisch mehr über ihre Nachbarn, Lehrer und Mitmenschen, als sie je erwartet hätten.Ich wusste nicht genau, was ich von "Unser Buch der seltsamen Dinge" erwarten sollte, da ich mir die Story nur schwer vorstellen konnte. Wie sollte ein kleines Kind ermitteln? Wie passt das in den gleichen Kontext wie ein Serienmörder, der sich an Frauen vergeht?Doch die Geschichte funktioniert, da der Fokus eindeutig auf Miv und ihrer Familie liegt. Die allgegenwärtigen Taten des Yorkshire Rippers lassen gemeinsam mit der wirtschaftlichen Lage und den familiären Problemen eine schwermütige und bedrückende Atmosphäre entstehen. In dieser Atmosphäre erleben Miv und Sharon ihre Freundschaft, und es gelingt ihnen, Lichtblicke zu finden und schöne Momente zu schaffen. Diese positiven Funken machen das Buch lesenswert. Sie entstehen aus der Interaktion von Miv mit ihren Mitmenschen, wobei Miv entsprechend ihrem Alter kindlich handelt und denkt, aber nie kindisch. Sie ist teilweise naiv, aber nicht dumm. Diese Unschuld stellt einen diametralen Kontrast zur Suche nach dem Schuldigen der Ripper-Morde da.Darüber hinaus verspinnt die Geschichte viele thematische Fäden, wie zum Beispiel Armut, häusliche Gewalt oder Fremdenfeindlichkeit, ohne überladen zu wirken oder sich dabei zu verheddern. Diese thematische Vielfalt macht das Buch interessant und lässt es authentisch wirken. Mein einziger Kritikpunkt: Miv und Sharon werden von vielen Erwachsenen mit etwas zu offenen Armen aufgenommen, und schließen eine ganze Reihe von Freundschaften mit Erwachsenen, was mir etwas suspekt und zu romantisiert vorkommt. Davon abgesehen hat mir "Unser Buch der seltsamen Dinge" wirklich sehr gut gefallen und ich habe Miv gerne durch die Geschichte begleitet.