Benjamin Cors

Benjamin Cors im Interview

1. Welche Bedeutung hat die Normandie für Sie?

Ich habe als Kind tatsächlich viele Sommer dort verbracht. Meine Großeltern lebten in der Nähe von Paris, hatten aber ein Ferienhaus an der Côte Fleurie. Genauer gesagt in Villers-sur-Mer, der Ort kommt in Band 2 ›Küstenstrich‹ vor. Vor allem aber hat mich die Region wieder angesprochen, als ich vor einigen Jahren hingefahren bin, auf der Suche nach einer Art „Heimat“ für einen Personenschützer-Krimi. Ich mag das leicht angeraute, das nordische in einem ja ansonsten doch auch sehr südlichen Land. Auch wenn ich kein klassischer Regionalkrimi-Autor bin, die Stimmung in diesem Landstrich an der Küste ist mit der Zeit sicherlich zu einem ständigen Begleiter geworden.
 
2. Welche Bücher lesen Sie am liebsten?

Natürlich nur gute! Bücher, die mich überraschen, die auch gerne völlig anders daherkommen als meine eigenen. Fred Vargas bei den Krimis, immer gerne John Irving, als großer Geschichtenerzähler. Ich mag aber auch Don Winslow für seine Radikalität. Derzeit erkenne ich mal wieder, dass Madeleine Prahs in ›Die Letzten‹ soviel mehr kann als ich und das ist auch völlig okay so! Natürlich ist es aber auch so, dass der zeitliche Feind des eigenen Lesens das eigene Schreiben ist.

3. Wieviel steckt von Ihnen in der Hauptfigur Nicolas Guerlain?

Ich kann nur jedem raten, der einen Personenschützer sucht: Fragt auf keinen Fall mich! Nein, Nicolas steht für sich alleine, er ist eigenständig auf einem anfangs sehr leeren Blatt Papier gezeichnet. Ich persönlich weiß auch gar nicht so genau, wie er eigentlich aussieht, da haben die Leser (und vor allem die Leserinnen) immer viel bessere Vorstellungen. Er ist ein bisschen wie die Normandie für mich: leicht melancholisch, etwas schwermütig, interessant natürlich und im Hintergrund hört man immer französische Chansons…

4. Können Sie den Moment beschreiben, als Sie auf die Reihen-Idee gekommen sind?

Da gibt es mehrere Momente, genauer gesagt ein Buch, ein Lied und ein Foto. Ich habe die Marseille-Trilogie gelesen, von Jean-Claude Izzo, die in Marseille spielt. Ich mochte die Traurigkeit darin und hatte einfach Lust mir eine Reihe zu überlegen, die am Meer spielt und die mit einer gewissen Ruhe daherkommt – und gleichzeitig aber eben auch sehr spannend. Das Lied war ›Deauville sans Trintignant‹ von Vincent Delerm, darin stecken viele Ideen für ›Strandgut‹, den ersten Teil der Reihe. Und eben ein Foto: Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am Strand von Deauville am Rande des G8-Gipfels. Und so verband sich alles: Musik, Ruhe, Personenschützer. Eine seltsame Mischung, ganz bestimmt, aber sie funktioniert, für mich und für viele andere, was uns natürlich sehr freut.

5. Was wollten Sie als Kind werden?

Vieles wahrscheinlich und noch wahrscheinlicher all das, was ich heute eben nicht geworden bin. Personenschützer war jedenfalls nicht darunter. Ich weiß nur, dass in meinem Zeugnis aus der 1. Klasse stand: ››Benjamin Cors erfindet gerne Geschichten, die er dann seinen Mitschülern erzählt.‹‹ So gesehen bin ich also nur das geworden, was ich immer schon war: Ein Geschichtenerzähler.  Ich finde, es gibt nichts Schöneres.

6. Welcher/welches Autor/Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

›Die Brüder Löwenherz‹ von Astrid Lindgren. Mein Gott, was habe ich geweint am Ende, ich weine, glaube ich, immer noch. Das Wörter und Sätze so etwas bewirken können, das finde ich bis heute fantastisch. Karl May habe ich verschlungen, da sind wir wieder bei den Geschichtenerzählern… Der Herr der Ringe vielleicht, ich habe ihn bestimmt viermal gelesen. Prägen wird mich ganz bestimmt ein Buch, das es noch nicht gibt, weil ich nicht die Zeit finde, es zu schreiben. Aber das werde ich wohl selbst nicht mehr lange als Ausrede gelten lassen…
 
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