Wir haben keine andre Zeit als diese

Gedichte über das Leben

Mal verspielt, mal melancholisch, immer lebensklug und pointiert schreibt Mascha Kaléko über die kleinen und großen Vergänglichkeiten und reflektiert die existenziellen Fragen jedes Menschen.

 

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»Eine liedhafte Melange aus Mutterwitz und Melancholie.«

Michael Bauer im ›Focus‹
Biografie

Mascha Kaléko

Mascha Kaléko kam am 7. Juni 1907 in Chrzanów als Tochter eines russischen Vaters und einer österreichischen Mutter zur Welt. Um den Pogromen zu entkommen, flohen die Eltern 1914 mit Mascha und ihrer jüngeren Schwester Lea nach Westen. Der Vater wurde als russischer Staatsbürger interniert.Als er 1918, nach Ende des Ersten Weltkriegs, freikam, zog die Familie nach Berlin. Dort fühlte sich Mascha Kaléko endlich heimisch. 1928 heiratete sie den Journalisten und Philologen Saul Kaléko. Ab 1929 veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor 1933 ihr erstes Buch ›Das lyrische Stenogrammheft‹ im Rowohlt Verlag erschien. Schon 1934 folgte das zweite, ›Kleines Lesebuch für Große‹. Doch schon kurz darauf, 1935, wurde Mascha Kaléko aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und ihre Bücher durften nicht länger verkauft werden.

Es folgte das Exil in Amerika: Im September 1938 wanderte die Dichterin mit ihrem zweiten Ehemann Chemjo Vinaver und dem gemeinsamen Sohn Steven nach New York City aus.

1945 erschien der Band ›Verse für Zeitgenossen‹ in Cambridge, USA, als einer der wenigen Lyrikbände, die damals in den Vereinigten Staaten in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.

Im Januar 1956 trat Mascha Kaléko ihre erste Deutschlandreise nach dem Krieg an. Der Rowohlt Verlag brachte in diesem Jahr eine Neuauflage des ›Lyrischen Stenogrammhefts‹ im Taschenbuch, 1958 erschienen dort ihre Exilgedichte ›Verse für Zeitgenossen‹ in einer überarbeiteten Ausgabe.

1959 zog das Ehepaar Kaléko-Vinaver nach Jerusalem um, wo die Dichterin nie wirklich heimisch wurde. Im Juli 1968 traf Mascha Kaléko ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr Sohn Steven starb unerwartet im Alter von nur 31 Jahren. Die Eltern erholten sich nie wieder davon. Nach langer schwerer Krankheit starb 1973 Mascha Kalékos Mann Chemjo Vinaver. Im Sommer 1974 trat die Dichterin ihre letzte Europareise an, von der sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nach Hause zurückkehren konnte. Am 21. Januar 1975 verstarb Mascha Kaléko in einer Zürcher Klinik. Sie wurde auf dem Isarelitischen Friedhof Friesenberg beigesetzt.

»Schade, dass niemand die nur 500 Gedichte Kalékos mal in einem Band zusammenfasst!«

Rolf-Bernhard Essig in ›Die Zeit‹

Die Gesamtausgabe bei dtv

Band 1: Werke

Der erste Band der Gesamtausgabe versammelt erstmals sämtliche Werke der Dichterin: Den Anfang bilden in chronologischer Reihenfolge die zu Lebzeiten erschienenen Bücher und verstreuten Veröffentlichungen. Unter den Zeitungspublikationen und Anthologiebeiträgen, die heute nicht mehr öffentlich zugänglich sind, finden sich neben Gedichten journalistische und essayistische Texte. Auch Mascha Kalékos Werbetexte aus den Dreißigerjahren sind in die Edition eingegangen. Es folgt der umfangreiche Nachlass der Dichterin: Von der Autorin geplante, aber nicht mehr realisierte Bände werden in der von Mascha Kaléko intendierten Form präsentiert. Im Anschluss daran werden die einzelnen Texte aus dem Nachlass nach Gattungen geordnet abgedruckt. Darunter finden sich neben unbekannten lyrischen Kostbarkeiten auch Entwürfe aus den Arbeitsheften der Dichterin sowie Prosa- und Dramenfragmente.

Band 2 & 3: Briefe

Ein besonders wertvoller Bestandteil dieser Gesamtausgabe ist die Edition der Briefe. Sie wurden noch nie zuvor veröffentlicht. Der Großteil der Korrespondenz befindet sich in Form von Durchschlägen im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Doch auch zahlreiche Originalbriefe aus anderen Archiven und von Privatpersonen aus aller Welt wurden aufgenommen. Die Briefe werden streng chronologisch dargeboten.

Die Ausgabe stellt ein einzigartiges authentisches Zeitdokument dar. Sie zeigt die literarische Entwicklung der Autorin Mascha Kaléko von den Anfängen und dem Höhepunkt ihrer Karriere im Berlin der frühen Dreißigerjahre bis ins Exil in New York, ihre literarische Wiederentdeckung in Deutschland nach dem Krieg und das Nachlassen der Rezeption ihrer Werke in den Sechzigerjahren. Mit Schriftstellerkolleginnen und -kollegen wie Ingeborg Drewitz, Hilde Domin, Hermann Kesten, Walter Mehring, Kurt Pinthus und vielen anderen fand ein reger und regelmäßiger intellektueller Austausch statt. In der privaten Korrespondenz eröffnet sich ein vorher nicht gekannter Blick auf die Dichterin als Ehefrau, Mutter und Freundin. In den Briefen an ihren Mann Chemjo Vinaver, die sie 1956 während ihrer ersten Deutschlandreise nach dem Krieg schrieb, sind ihr Wiedersehen mit der alten Heimat und ihre Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus eindrucksvoll dokumentiert. Im Gegensatz zu ihrem Werk reflektiert sie hier ihre Emigrationserfahrungen unmittelbar, ohne poetische Verarbeitung.

Auch sprachlich stellen die Briefe eine Besonderheit dar: Die Durchdringung des deutschen Idioms, das Mascha Kaléko als »Muttersprache« empfand, mit jiddischen und hebräischen Ausdrücken und Exilenglisch zeigt auf eindrucksvolle Weise die Zerrissenheit der Autorin, die sie mit vielen ihrer Zeitgenossen teilte. Der Textbestand wurde nur behutsam korrigiert. Offensichtliche Tippfehler wurden verbessert, ansonsten wurden sämtliche Eigenheiten in Interpunktion und Orthografie beibehalten. Alle fremdsprachigen Briefe, Redewendungen und Ausdrücke werden originalgetreu und in Übersetzung dargeboten.

Band 4: Kommentar

Die Anmerkungen enthalten ausführliche Informationen zur Entstehung, Druck und Wirkungsgeschichte von Mascha Kalékos Büchern und Texten. Werk- und Briefkommentar verzeichnen Erläuterungen zu Personen, Begriffen und Sachverhalten, historische, politische und biografische Hintergrundinformationen sowie intertextuelle Verweise. Aussagekräftige Passagen aus Gegenbriefen werden, soweit zum Verständnis notwendig, zitiert. Darüber hinaus enthält der Kommentarband umfassende Register, Übersichtstafeln zu allen Werken der Dichterin und eine ausführliche Zeittafel zu Mascha Kalékos Leben und Werk.

»Die Bücher sind Longseller, denn auch wenn sie Kalékos Zeit und ihre Empfindungen widerspiegeln, sind sie erstaunlich zeitlos.«

Susanne Beyer im ›Spiegel

Zeitgenossen über Mascha Kaléko

»Eine schreibende Frau mit Humor, sieh mal an!«
Kurt Tucholsky

»Seit hier in den Zeitungen die ersten Ihrer Gedichte auftauchen, verfolge ich sie und Ihren Namen mit großer Aufmerksamkeit.«
Gottfried Benn in einem Brief an Mascha Kaléko

»Ihre Verse zeigen nicht nur die spielerische Sprachkunst, sondern ebenso den kämpferischen Hohn Heinrich Heines. […] Auf ihrem Gebiet möchte ich Mascha Kaléko zu den besten Namen zählen.«
Kurt Pinthus

»Haben Sie Dank für […] Ihre ausdrucksvollen Gedichte, an denen ich eine gewisse aufgeräumte Melancholie am meisten liebe. Gewiß haben Sie vielen tausenden aus der Seele gesungen hier draußen; aber ich wollte doch, Ihre wohllautend-mokante Stimme erklänge auch wieder in Deutschland.«
Thomas Mann in einem Brief an Mascha Kaléko

»Es ist eine aus Sentimentalität und Schnoddrigkeit großstädtisch gemischte, mokante, selbstironisierende Art der Dichtung, launisch und spielerisch, direkt von Heinrich Heine abstammend.«
Hermann Hesse

»Eine große Freiheit und ruhige Sicherheit ist in Ihren Versen. Ihr ›Stenogrammheft‹ sagt, dass Sie alles wissen, was Sterblichen zu wissen gegeben.«
Martin Heidegger in einem Brief an Mascha Kaléko

»Ich habe Ihre Gedichte mit wirklicher Bewunderung gelesen. Sie haben mir solchen Eindruck gemacht wie Weniges aus unserer Zeit.«
Albert Einstein in einem Brief an Mascha Kaléko